Türk, Ingolf: Bedeutung laparoskopischer Operationen in der Urologie unter besonderer Berücksichtigung ihres Stellenwertes in der Therapie onkologischer Erkrankungen

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Kapitel 11. Ausblick in die Zukunft

Während bei offenen Eingriffen mit ihrem jetzt schon hohen Standards kaum noch Entwicklungsmöglichkeiten bestehen, sind enorme technische Fortschritte beim Einsatz der computer- und robotergestützten Laparoskopie zu erwarten, die sowohl die technische Durchführbarkeit als auch die Ergebnisse laparoskopischer Operationen weiter verbessern werden.

Bei den Sichtsystemen wird sich der Einsatz von 3D-Systemen stärker durchsetzen als bisher. Das wird den Komfort und die Sicherheit durch verbesserte räumliche Sicht und Tiefenvorstellung bei komplexen rekonstruktiven Eingriffen wie der Prostatektomie oder der Zystektomie verbessern. Neben starren Laparoskopen werden sich flexible Endoskope durchsetzen. Der Vorteil, den abgewinkelte Optiken jetzt schon bieten, wird sich verstärken: Es wird noch einfacher, in abgelegene Gebiete oder hinter Organe und Strukturen zu schauen.

Bei den Instrumenten und Geräten die für die Laparoskopie eingesetzt werden, sind eine Reihe von Veränderungen für die Zukunft zu erwarten. Die Einführung von flexiblen Instrumenten bzw. der Übergang von einfachen zu komplexen, mit mehreren Funktionen ausgestatteten Instrumenten wird die Qualität der minmal invasiven Chirurgie anheben und die Operationszeiten verkürzen, da der häufige Instrumentenwechsel entfällt.

Ein wesentlicher Aspekt, der durch den Übergang von der offenen zur minimal invasiven Chirurgie verlorengegangen ist, ist das Tastgefühl. Hier wird in der nächsten Zeit der Einsatz von Sensoren an den Effektorspitzen erwartet. Damit wird es dem Chirurgen möglich sein, auch ohne direkten Kontakt im Körperinnern zu tasten und damit eine wichtige Diagnosefunktion wiederzuerlangen.

Eine höhere technische Stufe wird durch den Einsatz von teilautomatischen Systemen und Manipulatoren erreicht. Bereits jetzt gibt es z.B. das automatische Kameraführungssystem AESOP (Computer Motion). Dieser sprachgesteuerte Roboterarm, der die Kamera hält und in die verschiedenen gewünschten Positionen bringt, präsentiert dem Operateur in jeder Phase ein optimales und ruhiges Bild.

Ein weiterer Aspekt ist die Integration der verschiedenen Geräte in eine Steuerzentrale, wie z.B. HERMES (Computer Motion). Dieses System erlaubt dem operierenden Urologen die verschiedenen Geräte im Operationssaal wie Monitor, Lichtquelle, Insufflator, Koagulatior, den Operationstisch, die Operationssaal-beleuchtung durch Sprachsteuerung oder per Touch-Screen zu bedienen und zu kontrollieren.


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Bereits zur Realität gewordene Zukunft sind chirurgische Robotersysteme. Hier sind vor allem Entwicklungen wie ZEUSS (Computer Motion) oder da Vinci (Intuitive) zu nennen. Diese Systeme bieten eine bisher nicht geahnte Flexibilität der Instrumente bei gleichzeitig verbesserter ergonomischer Bedienung. Die einem menschlichen Handgelenk nachempfundene Bewegungsfreiheit der Instrumentenspitzen vereinfacht das Ausführen von komplizierten Manövern und verkürzt erheblich die Lernkurve für komplexe Eingriffe wie der laparoskopischen radikalen Prostatektomie oder Zystektomie. Ein Tremorfilter verhindert die Übertragung unerwünschter Begleitbewegungen, wie das natürliche Zittern der menschlichen Hand, das elektronisch herausgefiltert wird. Durch computergestützte Übertragung können die Bewegungen in einem beliebigen Verhältnis auf die endoskopischen Instrumente übersetzt werden (Skalierung), so dass laparoskopische Eingriffe mit noch höherer Präzision durchgeführt werden können.

Diese Systeme erlauben ebenfalls die Einführung der Telechirurgie. Das bedeutet, dass sich der Chirurg wegen der Fernübertragung (Master-Slave-Prinzip) nicht mehr unmittelbar im Operationssaal befinden muß, sondern sich weit davon entfernt aufhalten kann.

Letztendlich wird der technische Fortschritt die Erlernbarkeit und Reproduzierbarkeit von komplexen und komplizierten laparoskopischen Eingriffen erleichtern. Die Qualität, die Präzision und die Sicherheit der Laparoskopie in der Therapie urologischer Erkrankungen werden sich erhöhen und durch die Verbesserung der Resultate und Ergebnisse wird sie sich als Standardtechnik der Zukunft durchsetzen, nicht zuletzt auch auf Druck der heute durch Internet, TV und Selbsthilfegruppen gebildeten und selbstbewussten Patienten (12).


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Wed Jan 14 14:08:58 2004