Türk, Ingolf: Bedeutung laparoskopischer Operationen in der Urologie unter besonderer Berücksichtigung ihres Stellenwertes in der Therapie onkologischer Erkrankungen

Kapitel 3. Entwicklung der urologischen Laparoskopie an der Charité

Ende der 80ger Jahre haben wir an der Urologischen Klinik der Charité mit der Suche nach nicht palpablen Hoden in der Bauchhöle begonnen. Seit dieser Zeit wurde die Integration der Laparoskopie in die Diagnostik und vor allem in die Therapie urologischer Erkrankungen konsequent vorangetrieben. Das drückt sich an den Zahlen aus: Während wir noch 1990 lediglich 19 laparoskopische Eingriffe durchgeführt haben, konnten wir 2000 bereits 386 zählen. Dabei fällt das Jahr 1992 mit einem sprunghaften zahlenmäßigen Anstieg der laparokopisch durchgeführten Eingriffe auf (Abb. 1).

Abbildung 1: Entwicklung laparoskopischer Eingriffe an der Klinik für Urologie der Charité

Der entscheidende Grund dafür war die Gastprofessur von S.A. Loening, M.D., der zunächst für ein Jahr aus Iowa City (Iowa) nach Berlin kam. An der University of Iowa waren wesentliche Vorarbeiten auf dem Gebiet der urologischen Laparoskopie geleistet


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worden. Dank der innovativen Einstellung zur Laparoskopie und seiner praktischen Erfahrungen konnte S.A. Loening, M.D. unsere Arbeit auf ganz besondere Weise stimulieren.

Die nächsten Jahre waren geprägt von einem enormen Fortschritt auf dem Gebiet der laparoskopischen Operationen an einzelnen Zentren in den USA und Europa. An diesem stürmischen Progress konnten wir teilnehmen und diesen zumindest für den deutschsprachigen Raum mitgestalten. Die langjährige Tätigkeit von S.A. Loening, M.D. in den USA versetzte uns in die Lage, verschiedene auf dem Gebiet der urologischen Laparoskopie bekannte Gast-Professoren einzuladen (Tab. 1). Die Möglichkeit mit diesen Pionieren der urologischen Laparoskopie der USA in unseren Operationssälen zusammenzuarbeiten half uns die Qualität der Eingriffe zu steigern und die Ergebnisse zu verbesseren. Unsere stetig wachsenden Erfahrungen im Umgang mit laparoskopischen Eingriffen, ließ die Klinik für Urologie der Charité in kurzer Zeit zu einem anerkannten Zentrum der laparoskopischen Urologie in Deutschland reifen.

Tabelle 1: Gast-Professoren an der Klinik für Urologie der Charité (Laparoskopie)

Name

Einrichtung

Prof. T. Bischoff M.D.

Johns Hophins Bayview Medical Center, Baltimore, Maryland

Prof. J.F. Donovan, Jr., M.D.

University of Iowa, Iowa

Prof. G.H. Jordan, M.D.

Eastern Virginia Medical School, Norfolk, Virginia

Prof. W.W. Schuessler, M.D.

Private-Practice-Urology, San Antonio, Texas

Prof. W.A. W.A. See, M.D.

Univerity of Iowa, Iowa

Prof. H.N. Winfield, M.D.

Univerity of Iowa, Iowa

Seit 1992 bemühte sich die Urologische Klinik der Charité die landesweite Verbreitung der laparoskopischen Techniken in der Urologie voranzutreiben. D. Fahlenkamp organisierte jährlich 2-3 Trainings-Kurse für laparoskopische Operationen in der Urologie, die an unserer Klinik durchgeführt wurden. Wegen ihres qualitativ hohen Niveaus und wegen der Mitwirkung von führenden Laparoskopikern auf nationaler und internationaler Ebene stießen sie auf großes regionales und überregionales Interesse (Tab. 2). Zusätzlich waren Kollegen aus unserer Klinik seit 1993 in Trainingskurse für urologische Laparoskopie als Tutoren involviert, die in den chirurgischen Ausbildungszentren der Firmen Ethicon (Norderstedt) und Aesculap (Tuttlingen) durchgeführt wurden.


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Darüberhinaus beteiligten wir uns an Live-Operationsseminaren anläßlichlich der Kongresse der Berliner Urologischen Gesellschaft und der Vereinigung Norddeutscher Urologen in Berlin 1998 und 2000 sowie der Tagung der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie 2000.

Von Beginn an wurde auf die Ausbildung von Assistenzärzten unserer Klinik zu laparoskopisch tätigen Operateuren großer Wert gelegt. Die Laparoskopie ist fester Bestandteil der chirurgisch-urologischen Facharztausbildung. Die Ausbildungs- assistenten unserer Klinik werden von Beginn an stufenweise an laparoskopische Operationstechniken herangeführt, so dass diese nicht das „Hobby“ einzelner Operateure bleibt.

Tabelle 2: Von der Klinik für Urologie der Charité organisierte Laparoskopie-Kurse

Zeit

Veranstaltung

Kursleiter

5./6.10.1992

Trainingskurs laparoskopische Operationstechniken in der Urologie

D. Fahlenkamp

18./19.01.1993

Trainingskurs laparoskopische Operationstechniken in der Urologie

D. Fahlenkamp

16./17.04.1993

1.Berliner Symposium für laparoskopische Urologie

D. Fahlenkamp

18./19.10.1993

Trainingskurs laparoskopische Operationstechniken in der Urologie

D. Fahlenkamp

18./19.04.1994

Trainingkurs laparoskopische Operationstechniken in der Urologie

D. Fahlenkamp

28./29.04.1995

2. Berliner Symposium für laparoskopische Urologie

D. Fahlenkamp

5./7.11.2000

Seminar für laparoskopische Uroonkologie
(Laparoskopische Prostatektomie)

I. Türk

26./27.02.2001

Seminar für laparoskopische Uroonkologie (Laparoskopische Prostatektomie)

I. Türk

21./22.06.2001

Seminar für laparoskopische Uroonkologie
(Laparoskopische Prostatektomie)

S. Deger

Seit 1997, ermutigt durch die positiven experimentellen Untersuchungen und die vermehrt publizierten klinischen Erfolgsmitteilungen, widmeten wir uns verstärkt dem Einsatz der Laparoskopie zur chirurgischen Therapie urologischer Malignome. Das wiederum führte zu einem weiteren Anstieg der Operationszahlen und zu einem Wandel in der Häufigkeitsverteilung der Indikationen. Die kleinen Eingriffe (Varikozele, pelvine Lymphadenektomie) wurden seltener und die größeren und komplizierteren Operationen (Tumornephrektomie, RLA) nahmen zu. Durch intensive klinische Anwendung und Weiterentwicklung der laparoskopischen Techniken in der täglichen Routine sowie der Integration von innovativen Verfahren waren wir in mehren Fällen in der Lage,


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bestehenden Grenzen zu überschreiten und bestimmte laparoskopische Eingriffe erstmals durchzuführen und ihre Einführung in die klinische Praxis vorzubereiten.

Inzwischen hat sich das Indikationsspektrum zur Anwendung der Laparoskopie an der Klinik für Urologie der Carité (CCM) kontinuierlich vergrößert und eine große Zahl ehemals offen chirurgisch durchgeführter Operationen ist bereits routinemäßig durch laparoskopische Techniken ersetzt worden., wie z. B.:

Wie zu erkennen ist umfaßt das Indikationsspektrum für die laparoskopischen Operationen in der Klinik für Urologie der Charité (CCM) eine große Palette urologischer Operationen inklusive mental belastender Eingriffe wie der Donornephrektomie oder technisch komplizierter Eingriffe wie der Prostatektomie.

Ca. 70% aller unserer abdominalchirurgischen Eingriffe werden bereits laparoskopisch durchgeführt und es ist zu erwarten, daß der weitere technologische Fortschritt die offene Chirurgie in der Urologie in den nächsten Jahrzehnten noch stärker verdrängt.


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Wed Jan 14 14:08:58 2004