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2.  Problemstellung und Arbeitshypothese

MRT–Untersuchungen ermöglichen eine morphologische Feindiagnostik des Stressharnkontinenz–Kontrollsystems in vivo, welche mit anatomischen Präparationen korreliert [Ivanov et al., 1992; Klutke et al., 1990; Strohbehn et al., 1996a; Strohbehn et al., 1996b; Tan et al., 1998; Tunn, 1992] und sogar Aussagen zur Gewebequalität zulässt [Tunn et al., 1999a; Tunn et al., 1999b]. Standardisierte Untersuchungstechniken [Tunn et al., 2001b] erlauben einen interindividuellen Vergleich der Morphologie des Stressharnkontinenz–Kontrollsystems. Geburtsbedingte Veränderungen des Stressharn­kontinenz–Kontrollsystems können erfasst und im Verlauf in reversible und irreversible Strukturveränderungen unterschieden werden [Tunn et al., 1999b]. Der interindividuelle Vergleich des Stressharnkontinenz-Kontrollsystems eines homogenen Untersuchungs­kollektives (urogynäkolgisch gesunde Nulliparae) lassen anatomische Normvarianten vermuten [Tunn et al., 2001b], welche wahrscheinlich mit verantwortlich sind, dass die Morphometrie der Strukturen des Stressharnkontinenz–Kontrollsystems sich bei Frauen mit Stressharninkontinenz nicht signifikant von der gesunder Frauen unterscheidet [Tunn et al., 1998a]. Qualitative Veränderungen, wie z.B. der Verlust der symphysenwärts konkaven Konfiguration der vorderen Vaginalwand sind signifikant häufiger bei Frauen mit Stressharninkontinenz nachweisbar [Huddleston et al., 1995; Klutke et al., 1990; Tunn et al., 1998a], wurden aber auch bei beschwerdefreien Frauen beschrieben [Tunn et al., 1998a]. Ob diese Veränderungen konstitutionell oder geburtsbedingt sind, konnte bisher nicht geklärt werden.

Einerseits konnten die vorhandenen MRT–Studien zur Anatomie und Pathologie des Stressharnkontinenz–Kontrollsystems mit kleinen, inhomogenen Untersuchungskollektiven den Aussagewert der MRT in der Stressharninkontinenz-Diagnostik bisher nicht eindeutig definieren, andererseits zeigen die vorhandenen Untersuchungsergebnisse, dass Morphologie und Topographie des Stressharn­kontinenz–Kontrollsystems kernspintomographisch exzellent zur Darstellung kommen. Noch offene Fragen zur Pathogenese der Stressharninkontinenz sollten daher unter Einbeziehung der MRT beantwortet werden [DeLancey, 1996; Kirschner et al., 1997]. Hierzu ist es dringend notwendig, für das Stressharnkontinenz–Kontrollsystem zu [Seite 21↓]definieren, was ein kernspintomographischer Normalbefund ist und welche patho­morphologischen Veränderungen die Genese der Stressharninkontinenz mit bedingen. Um zu beiden Fragen Stellung nehmen zu können, wurden zwei homogene Untersuchungskollektive mit dem Ziel kernspintomographisch untersucht und ausgewertet, um:


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18.04.2005