[Seite 31↓]

4.  Ergebnisse

4.1. Anatomische Normvarianten des Stressharnkontinenz – Kontrollsystems bei kontinenten Nulliparae

4.1.1. Urethra

In Tabelle 1 sind die Mittelwerte, Standardabweichungen, Minimal- und Maximalwerte und die Ratio der Querschnittsfläche und des Volumens der Urethra aufgelistet (siehe auch Abb. 6). Bei allen Probandinnen stellte sich der M. sphincter urethrae externus als zirkulär geschlossener signalarmer Ring ohne Verjüngung in seinem dorsalen Anteil dar. Die Signalintensität war mit der des M. obturatorius internus vergleichbar.

Tab. 1
Morphometrie des Stressharnkontinenz-Kontrollsystems bei kontinenten Nulliparae.

Messung

Einheit

MW ± SD

Min.

Max.

Ratio

Urethra

     

Querschnittsfläche

Cm²

1,7 ± 0,4

1,1

2,6

2,4

M. sphincter Länge (anterior)

Mm

15,8 ± 2,5

11,0

20,0

1,8

M. sphincter Volumen

Cm³

1,5 ± 0,5

0,7

2,4

2,3

M. levator ani

     

Breite paravaginal (rechts)

Mm

6,3 ± 1,7

4,0

9,5

2,4

Breite paravaginal (links)

Mm

6,3 ± 1,9

4,0

10,0

2,5

Breite paravaginal (bds.)

Mm

12,6 ± 3,4

8,0

18,5

2,3

Fläche (rechts)

Cm²

3,1 ± 0,8

2,0

4,9

2,4

Fläche (links)

Cm²

2,7 ± 0,7

1,3

4,0

3,1

Fläche (bds.)

Cm²

5,8 ± 1,4

3,0

8,1

2,7

Volumen (+ M. coccygeus)

Cm³

33,1 ± 8,1

22,9

57,2

2,5

Hiatus urogenitalis

     

Breite

Mm

33,4 ± 5,0

25,0

41,0

1,6

Länge

Mm

41,0 ± 6,8

25,0

57,0

2,3

Fläche

Cm²

12,8 ± 2,7

7,7

18,8

2,4

4.1.2. M. levator ani

In Tabelle 1 sind die Mittelwerte, Standardabweichungen, Minimal- und Maximalwerte und die Ratio der Dicke, Fläche und Volumen des M. levator ani aufgelistet. Ausgeprägte Unterschiede in der Dicke und der Konfiguration der Levatorschenkel [Seite 32↓]zwischen verschiedenen kontinenten Nulliparae kommen in Abbildung 7 anhand transversaler Schnittebenen zur Darstellung. Mittels koronaler Schnittebenen sichtbare Unterschiede in der Dicke der Levatorschenkel, insbesondere des M. puborectalis, sind in Abbildung 8 dargestellt. Stellen in Abbildung 8c die Mm. pubococcygeus und puborectalis eine homogene, beide Muskeln nicht abgrenzbare Muskelplatte dar, kann der M. puborectalis in Abbildung 8d eindeutig vom M. pubococcygeus abgegrenzt werden. In 16/20 Nulliparae war beiderseits der Ursprung des M. levator ani von der Innenseite des Os pubis kernspintomographisch anhand der transversalen Schnittebenen sichtbar (Abb. 9a, c, e). In 2/20 Nulliparae war er beiderseits (Abb. 9b, d. e) und in 2/20 Nulliparae links kernspintomographisch nicht darstellbar. Unter Einbeziehung aller transversalen Schnittebenen war der Ursprung des M. levator ani nur zum ATLA nachvollziehbar.

Dort, wo der Ursprung des M. levator ani am Os pubis kernspintomographisch darstellbar war (n = 16; Abb. 9e), wurde eine mittlere Größe des Hiatus urogenitalis von 12,3 ± 2,4 cm2 gemessen. Bei den Frauen, wo der Ursprung des M. levator ani nur am ATLA, nicht aber am Os pubis nachweisbar war (n = 4; Abb. 9f), betrug die mittlere Größe des Hiatus urogenitalis 15,2 ± 2,9 cm2 (p=0,05). Die Durchschnittswerte für die Breite, Länge und Fläche des Hiatus urogenitalis des gesamten Untersuchungskollektives sind in Tabelle 1, Mininal- und Maximalwerte in Abbildung 10 dargestellt.

Bei allen Messparametern zum M. levator ani wurden keine signifikanten Rechts–Links–Differenzen gefunden. 15/17 Frauen waren Rechtshänder, 2/17 waren Linkshänder. Mit Einschränkung der geringen Stichprobenzahl waren keine signifikanten Unterschiede in der Morphometrie des M. levator ani zwischen Rechts- und Linkshändern nachweisbar. Der qualitative Vergleich der Signalintensität des M. levator ani mit der des M. obturatorius internus ergab bei allen Probandinnen keine erkennbaren Unterschiede.

4.1.3. Fascia endopelvina

Der ATFP war bei 7/20 Nulliparae (35 %) beiderseits (Abb. 11a, c) und in 1/20 Nulliparae (5 %) auf der rechten Seite anhand der transversalen Schnittebenen in Höhe [Seite 33↓]der mittleren und proximalen Urethra sichtbar. Bei 12/20 Nulliparae (60 %) kam er nicht zur Darstellung (Abb. 11b, d). Anhand der koronalen und sagittalen Untersuchungsebenen kam der ATFP bei allen Frauen nicht zur Darstellung.

Die direkte Verklebung zwischen seitlicher Vaginalwand und M. levator ani in Höhe der mittleren Urethra (Abb. 12a) war in 2/20 Nulliparae (10 %) beidseits und in 1/20 Nulliparae (5 %) links kernspintomographisch nicht darstellbar (Abb. 12b).

Der in Höhe der proximalen Urethra anhand der transversalen Schnittebene gemessene Abstand zwischen seitlicher Vaginalwand und der Innenseite des Os pubis betrug rechts 15,5 ± 3,1 mm (10 - 21 mm; Ratio 2,1) und links 15,3 ± 3,8 mm (9 - 22 mm; Ratio 2,4). Zur Beurteilung des paravaginalen Halteapparates in Höhe des Blasenbodens (2 cm proximal des Levels der proximalen Urethra, Nutzung der transversalen Schnittebene; Abb. 12c, d) wurde der Abstand zwischen seitlicher Vaginalwand und des M. levator ani gemessen. Er betrug rechts 5,4 ± 3,1 mm (1 - 12 mm; Ratio 12) und links 5,8 ±2,8 mm (2 - 12 mm; Ratio 6).

In Höhe der mittleren und proximalen Urethra war in 20/20 Nulliparae (100 %) eine symphysenwärts konkave Konfiguration der vorderen Vaginalwand nachweisbar. Zur Befundbestätigung wurden die koronalen Schnittebenen ausgewertet. Hier kamen bei allen Probandinnen die posteriore Urethrawand und die seitliche vordere Vaginalwand in einer Schnittebene zu Darstellung.

Bei allen Probandinnen konnte die intakte Morphologie der vorderen Vaginalwand im Sinne der Dreischichtung (Tuica mucosa, Tunica submucosa und Tunica muscularis) dargestellt werden (z.B. Abb. 6b, 9c, d).


[Seite 34↓]

Abb. 6
MRT-Aufnahmen (PD-gewichtet), Transversalschnitte in Höhe der mittleren Urethra zur Darstellung der interindividuellen Morphologie der Urethra.
a) 37-jährige Nullipara mit kleiner Urethraquerschnittsfläche,
b) 28-jährige Nullipara mit vergleichsweise großer Urethraquerschnittsfläche.

Abb. 7
MRT-Aufnahmen (PD-gewichtet), Transversalschnitte in Höhe der mittleren Urethra zur Darstellung der unterschiedlichen Breite und Konfiguration des M. levator ani.
a) Dünne Levatorschenkel, V-förmig konfiguriert (31-jährige Nullipara),
b) Kräftige Levatorschenkel, U-förmig konfiguriert (36-jährige Nullipara),
geschlossene Pfeilspitze = M. levator ani, offene Pfeilspitze = ATFP.


[Seite 35↓]

Abb. 8
MRT-Aufnahmen (PD-gewichtet), koronale Schnittebenen zur Darstellung der Dicke des M. levator ani (geschlossene Pfeilspitze) in Höhe der Urethra (a,b) und in Höhe des Spatium rectovaginale (c, d). Im Vergleich ein sehr dünner M. levator ani (a, c; 31-jährige Nullipara) mit einem kräftigen M. levator ani (b,d; 28-jährige Nullipara). Distaler Abschluss des M. levator ani in Höhe des Diaphragma urogenitale (offene Pfeilspitze). In Abbildung „d“ kann der M. puborectalis (Stern) vom M. iliococcygeus (geschlossene Pfeilspitze) abgegrenzt werden. B = Blase; OI = M. obturatorius internus; R = Rektum.


[Seite 36↓]

Abb. 9
MRT-Aufnahmen (PD-gewichtet), transversale Schnittebenen zur Darstellung des unterschiedlichen Ursprungs des M. levator ani. Bilder der linken Säule (a, c, e) von 37-jähriger Nullipara und die der rechten Säule (b, d, f) von 42-jähriger Nullipara. Seitenvergleich in Höhe der distalen (a, b), mittleren (c, d) und proximalen (e, f) Urethra. Nullipara der linken Säule mit Ursprung des M. levator ani (geschlossene Pfeilspitze) vom Os pubis, ausschließlicher Ursprung des M. levator ani von der Faszie des M. obturatorius internus (Arcus tendineus musculi levatoris ani; geschlossener Pfeil); OI = M. obturatorius internus; PB = Os pubis; R = Rektum; Stern = Vagina.


[Seite 37↓]

Abb. 10
MRT-Aufnahmen (PD-gewichtet), transversale Schnittebenen in Höhe der mittleren Urethra zur Darstellung der Größe des Hiatus urogenitalis und des Abstands zwischen seitlicher Vaginalwand und der Innenseite des Os pubis (offene Spitzen).
a) 28-jährige Nullipara mit kleinem Hiatus urogenitalis,
b) vergleichsweise großer Hiatus urogenitalis bei 26-jähriger Nullipara.


[Seite 38↓]

Abb. 11
MRT-Aufnahmen (PD-gewichtet), Transversale Schnittebene in Höhe der mittleren (a, b) und proximalen (c, d) Urethra einer 31-jährigen Nullipara (a, c) und einer 24-jährigen Nullipara (b, d). ATFP (offene Pfeilspitze) sichtbar in Abbildung „a“ und „c“, fehlende Darstellbarkeit des ATFP in Abbildung „b“ und „d“. Geschlossene Pfeilspitze = M. levator ani; OI = M. obturatorius internus.


[Seite 39↓]

Abb. 12
MRT-Aufnahmen (PD-gewichtet), transversale Schnittebenen in Höhe der mittleren Urethra (a, b) und des Blasenbodens (c, d) zur Darstellung der Unterschiede der Verbindung der seitlichen Vaginalwand zum M. levator ani (geschlossene Pfeilspitze). Direkte Verklebung der seitlichen Vaginalwand mit dem M. levator ani (geschlossene Pfeilspitze) in Abbildung „a“ (offene Pfeilspitze) und „c“ (geschlossener Pfeil) bei 31-jähriger Nullipara. Nach MRT-Kriterien fehlende direkte Verklebung der seitlichen Vaginalwand mit dem M. levator ani in Abbildung „b“ (offene Pfeilspitze) und „d“ (geschlossener Pfeil) bei 29-jähriger Nullipara. B = Blase; OI = M. obturatorius internus; R = Rektum.


[Seite 40↓]

4.2.  Pathomorphologie des Stressharnkontinenz-Kontrollsystems bei Frauen mit Stressharninkontinenz

4.2.1. Urethra

Als pathologische Urethrabefunde wurden Veränderungen der Konfiguration des M. sphincter urethrae externus, wie eine dorsal reduzierte Muskelschicht in 37 % (n = 20; Abb. 13a) und ein Auseinanderweichen der dorsalen Muskelschicht nach lateral („Omega“-Form) in 13 % (n = 7; Abb. 13b) der Patientinnen bewertet. Bei 50 % der Patientinnen (n = 27) war der M. sphincter urethrae externus zirkulär konfiguriert. Eine erhöhte Signalintensität des M. sphincter urethrae externus verglichen zur Signalintensität des M. obturatorius internus (Abb. 13a) wurde bei 50 % (n = 27) der Patientinnen beobachtet. 70 % dieser Frauen (n = 19) zeigten auch eine gestörte Konfiguration der Urethramuskulatur (dorsal reduzierte Muskelschicht bzw. eine „Omega“-Form). 70 % der Frauen mit normaler Signalintensität des M. sphincter urethrae externus zeigten auch eine intakte Konfiguration des Schließmuskels (p=0,001).

4.2.2. M. levator ani

Als pathologische Befunde des M. levator ani wurden der fehlende Ursprung an der Innenseite des Os pubis in 19 % (n = 10; Abb. 14a), ein einseitiger Substanz- / Kontinuitätsverlust in 30 % (n = 16; Abb. 14b) bzw. eine erhöhte Signalintensität verglichen zur Signalintensität des M. obturatorius internus in 28 % (n = 15; Abb. 14c) der untersuchten Patientinnen gewertet.

4.2.3. Fascia endopelvina

Pathologische Befunde der Fascia endopelvina wurden in zentrale und laterale Fasziendefekte untergliedert. Zentrale Fasziendefekte wurden in 39 % der Patientinnen (n = 21) registriert, da eine durchgezeichnete signalarme bandförmige Struktur zwischen der Tunica submucosa der vorderen Vaginalwand und der Tunica muscularis der Urethra nicht nachweisbar war (Abb. 15a). In 52 % (n = 28) war kein zentraler Fasziendefekt nachweisbar, in 9 % (n = 5) war die Beurteilung aufgrund der Bildqualität nicht möglich.


[Seite 41↓]

Laterale Fasziendefekte wurden bei 31 % (n = 17) bds. (Abb. 15c) und bei 15 % (n = 8) der Frauen einseitig (Abb. 15b) dokumentiert, da die Verschmelzung der seitlichen Vaginalwand und des M. levator ani in Höhe der mittleren Urethra nicht durch eine signalarme Gewebebrücke erkennbar war, sondern eine signalreiche Gewebeschicht (typisch für lockeres Bindegewebe / Fettgewebe) sich dazwischen geschoben hat (Abb. 15b, c). 48 % ( n = 26) hatten kein Lateraldefekt, aufgrund der schlechten Bildqualität konnten 6 % der Frauen (n = 3) nicht ausgewertet werden.

61 % (n = 33) der Frauen zeigten eine symphysenwärts konkave Konfiguration der vorderen Vaginalwand, bei 30 % (n = 16) war sie quer (Abb. 16a) und bei 9 % (n = 5) symphysenwärts konvex (Abb. 16b) konfiguriert. Durch das sogenannte Abrutschen der seitlichen Vaginalwand vom M. levator ani beim lateralen Fasziendefekt ergab sich der Verlust der symphysenwärts konkaven Konfiguration der Vagina (quer bzw. konvex konfiguriert, Abb. 16) signifikant (p=0,001) häufiger als bei Frauen ohne lateralen Fasziendefekt. Beim Verlust der symphysenwärts konkaven Konfiguration der vorderen Vaginalwand waren auch signifikant (p=0,016) häufiger pathomorphologische Veränderungen des M. levator ani nachweisbar.


[Seite 42↓]

Abb. 13
MRT-Aufnahmen (PD-gewichtet), transversale Schnittebenen in Höhe der proximalen Urethra zur Darstellung von Urethrapathologien bei Frauen mit Stressharninkontinenz.
a) Verlust quergestreifter Muskelfasern im dorsalen Anteil (offene Spitze) des M. sphincter urethrae externus bei 42-jähriger Patientin,
b) omegaförmige Auftreibung (offene Spitzen) des M. sphincter urethrae externus bei 58-jähriger Patientin. OI = M. obturatorius internus.

Abb. 14
MRT-Aufnahmen (PD-gewichtet), transversale Schnittebenen in Höhe der proximalen Urethra zur Darstellung unterschiedlicher Defekte des M. levator ani (geschlossene Pfeilspitze) bei Frauen mit Stressharninkontinenz.
a) Bds. nicht darstellbarer Ursprung des M. levator ani am Os pubis, sondern nur am ATLA (geschlossene Pfeile; 34-jährige Frau mit Stressharninkontinenz).
b) Linksseitig intakter M. levator ani mit Ursprung an der Innenseite des Os pubis (offener Pfeil), rechtsseitig Atrophie der ventralen Anteile des M. levator ani und nur Ursprung am ATLA bei 48-jähriger Frau mit Stressharninkontinenz,
c) Erhöhte Signalintensität des M. levator ani (heller) im Vergleich zum M. obturatorius internus (dunkler) bei 51-jähriger Frau mit Stressharninkontinenz.


[Seite 43↓]

Abb. 15
MRT-Aufnahmen (PD-gewichtet), transversale Schnittebenen in Höhe der proximalen Urethra zur Darstellung zentraler und lateraler Fasziendefekte bei Frauen mit Stressharninkontinenz. 62-jährige (a), 51-jährige (b) und 48-jährige (c) Patientinnen mit Stressharninkontinenz.
a) Darstellung eines zentralen Fasziendefektes durch fehlende signalarme (dunkle)
Tunica muscularis vaginae (offene Spitze) bei 75 jähriger Patientin,
b) Darstellung eines einseitigen (rechts) lateralen Fasziendefektes
(offene Pfeilspitze) im Vergleich zur intakten Befestigung der seitlichen Vaginalwand zum M. levator ani links (offene Pfeilspitze),
c) Darstellung eines beidseitigen lateralen Fasziendefektes (offene Pfeilspitze),
auch gekennzeichnet durch den großen Abstand zwischen der Innenseite des Os
pubis und der seitlichen Vaginalwand (offene Spitzen)
Geschlossene Pfeilspitze = M. levator ani.

Abb. 16
MRT-Aufnahmen (PD-gewichtet), transversale Schnittebenen in Höhe der proximalen Urethra mit veränderter Scheidenkonfiguration bei Frauen mit Stressharninkontinenz.
a) Quergestelltes Scheidenlumen (offene Spitze) bei 34-jähriger Patientin,
b) symphysenwärts konvex konfiguriertes Scheidenlumen (offene Spitze) bei 52-jähriger Patientin.


[Seite 44↓]

4.2.4.  Kombinierte MRT-Pathomorphologien des Stressharnkontinenz – Kontrollsystems

Im untersuchten Patientenkollektiv mit Stressharninkontinenz zeigten sich bei 63 % (n = 34) der Frauen signifikant (p=0,001) häufiger gleichzeitig zwei (n = 22) bzw. drei (n = 12) Defekte des Stressharnkontinenz–Kontrollsystems. In 31 % (n = 17) stellte sich nur ein Defekt der Urethra (n = 8), des M. levator ani (n = 2) bzw. der Fascia endopelvina (n = 7) dar. Bei 6 % der Frauen (n = 3) konnte nach den angegebenen Bewertungskriterien keine MRT–Pathomorphologie des Stressharnkontinenz–Kontrollsystems gefunden werden.

4.2.5. Vergleich MRT-Befunde und Urodynamik bei Frauen mit Stressharninkontinenz

Hier wurden im Urethraruhedruckprofil der Verschlussdruck (UVDR; Tab. 2) und im Urethrastressdruckprofil die Kontinenzzone (Tab. 3) den MRT-Befunden gegenüber gestellt, wobei die pathomorphologischen MRT-Befunde in Urethra- (dorsaler Defekt bzw. erhöhte Signalintensität der M. sphincter urethra externus), Levator- (einseitiger Substanzverlust bzw. erhöhte Signalintensität) und Fasziendefekte (zentral bzw. lateral) zusammengefasst wurden.

13 Frauen mit altersentsprechendem (>100 – Lebensalter cmH2O) und 39 Frauen mit vermindertem (<100 – Lebensalter cmH2O) Urethraverschlussdruck in Ruhe, davon 13 Frauen mit hypotoner Urethra (Verschlussdruck unter 20 cmH2O), 2 Frauen ohne Angaben; die Kontinenzzone im Stressprofil war bei 4 Frauen vollständig, bei 14 Frauen zu 2/3, bei 4 Frauen zu 1/3 und bei 28 Frauen nicht mehr erhalten, 4 Frauen ohne Angaben.

Eine hypotone Urethra grenzte sich kernspintomographisch nicht von einem niedrigen bzw. normalen UVDR ab, d.h. Urethra- (p=1,000), Levator- (p=0,202), Faszien- (p=0,506) und kombinierte Defekte (p=0,529) traten signifikant nicht häufiger auf.

Bei einer fehlenden bzw. eingeschränkten Kontinenzzone im Stressdruckprofil traten kernspintomographisch weder gehäuft Urethra- (p=0,300), Levator- (p=0,463) noch Fasziendefekte (p=0,239) auf.


[Seite innerhalb Tabelle 45↓]

Tab. 2
Auftreten von Urethra-, M. levator ani- und Fascia endopelvina-Defekten im Verhältnis zum Urethraverschlussdruck in Ruhe (keine Angaben: Urethra- [n = 2], Levator- [n = 2] und Faszien- [n = 5] morphologie).

 

Normotoner UVDR

Verminderter

UVDR

Hypotoner

UVDR

Intakte Urethra

8 %

17 %

10 %

Urethra-Defekt

17 %

33 %

15 %

Intakter M. levator ani

15 %

31 %

8 %

Muskel-Defekt

10 %

19 %

17 %

Intakte Faszie

8 %

20 %

7 %

Faszien-Defekt

16 %

29 %

20 %

Tab. 3
Auftreten von Urethra-, M. levator ani- und Fascia endopelvina-Defekten im Verhältnis zur Kontinenzzone im Urethrastressdruckprofil (keine Angaben: Urethra- [n = 4], Levator- [n = 4] und Faszien- [n = 7] morphologie).

 

Kontinenzzone

0

Kontinenzzone

1/3 bzw. 2/3

Kontinenzzone 3/3

Intakte Urethra

18 %

12 %

6 %

Urethra-Defekt

38 %

24 %

2 %

Intakter M. levator ani

26 %

22 %

6 %

Muskel-Defekt

30 %

14 %

2 %

Intakte Faszie

26 %

6 %

2 %

Faszien-Defekt

32 %

28 %

6 %

4.2.6. Vergleich MRT-Befunde und Introitussonographie bei Frauen mit Stressharninkontinenz

Die Introitussonographie hat beim Pressen bei den Frauen mit Stressharninkontinenz (n = 54) in 42,6 % (n = 23) einen vertikalen Deszensus, in 22,2 % (n = 12) einen rotatorischen und in 35,2 % (n = 19) einen gemischtförmigen Deszensus ergeben. Bei 59 % (n = 32) der Frauen stellte sich eine Trichterbildung der Urethra dar, bei 41 % (n = 22) der Frauen ließ sich beim Pressen introitussonographisch keine Trichterbildung nachweisen. Frauen mit einem vertikalen Deszensus hatten häufiger eine Trichterbildung als Frauen mit einem rotatorischen Deszensus (p=0,017).


[Seite 46↓]

Die dynamische Beurteilung des Blasenhalses (Tab. 4) und der Nachweis einer Trichterbildung der Urethra (Tab. 5) beim Pressen wurden mit den kernspintomographischen Befunden verglichen. Weder beim rotatorischen, vertikalen noch gemischtförmigen Deszensus von Urethra und Blase traten gehäuft Urethra- (n=0,543), Levator (p=0,605) bzw. Fasziendefekte (p=0,366) auf.

Beim sonographischen Nachweis einer Trichterbildung der Urethra konnten im MRT Urethrapathologien (erhöhte Signalintensität des M. sphincter urethrae externus p=0,580; dorsaler Sphinkterverlust / Omegakonfiguration p=0,580), Levatordefekte (erhöhte Signalintensität p=0,054; einseitiger Substanzverlust p=0,770) und Fasziendefekte (zentral p=0,560; lateral p=0,893; Verlust der symphysenwärts konkaven Konfiguration der vorderen Vaginalwand p=0,476) nicht signifikant gehäuft nachgewiesen werden. Eine Trichterbildung der Urethra ließ auch nicht auf kombinierte Defekte des Stressharnkontinenz-Kontrollsystems schließen (p=0,568).

Tab. 4
Auftreten von Urethra-, M. levator ani- und Fascia endopelvina-Defekten im Verhältnis zur introitussonographisch ermittelten Deszensusform von Urethra und Blase (keine Angaben: Faszienmorphologie [n = 3]).

 

Vertikaler

Deszensus

Rotatorischer

Deszensus

Gemischtförmiger

Deszensus

Intakte Urethra

19 %

7 %

10 %

Urethra-Defekt

24 %

14 %

26 %

Intakter M. levator ani

24 %

14 %

17 %

Muskel-Defekt

19 %

7 %

19 %

Intakte Faszie

20 %

8 %

8 %

Faszien-Defekt

23 %

14 %

27 %


[Seite 47↓]

Tab. 5
Auftreten von Urethra-, M. levator ani- und Fascia endopelvina-Defekten im Verhältnis zur introitussonographisch ermittelten Trichterbildung der Urethra (keine Angaben: Faszienmorphologie [n = 3]).

 

Trichterbildung der Urethra

Keine Trichterbildung

Intakte Urethra

18 %

17 %

Urethra-Defekt

41 %

24 %

Intakter M. levator ani

30 %

25 %

Muskel-Defekt

30 %

15 %

Intakte Faszie

20 %

16 %

Faszien-Defekt

37 %

27 %

4.3. Vergleich der MRT-Morphologie zwischen kontinenten Nulliparae und Frauen mit Stressharninkontinenz

Der Vergleich der MRT-Befunde beider Studiengruppen (Tab. 6) zeigt, dass Urethrapathologien, Levatorschenkel mit einseitigem Substanzverlust oder erhöhter Signalintensität, zentrale Fasziendefekte und ein Verlust der symphysenwärts konkaven Konfiguration der vorderen Vaginalwand in 28 bis 50 % der Frauen mit Stressharn­inkontinenz auftreten, nicht aber bei den Nulliparae. Der fehlende Ursprung des M. levator ani war in beiden Studiengruppen vergleichbar häufig zu beobachten.

Tab. 6
Vergleich der Morphologie des Stressharnkontinenz-Kontrollsystems bei kontinenten Nulliparae und Frauen mit Stressharninkontinenz.

Morphologie

Nulliparae

Frauen mit SUI

Urethra

  

Gestörte Konfiguration des M. sphincter

0 %

37 %

Erhöhte Signalintensität des M. sphincter

0 %

50 %

M. levator ani

  

Kein Urspung am Os pubis

20 %

19 %

Asymmetrische Levatorenschenkel

0 %

30 %

Erhöhte Signalintensität

0 %

28 %

Fascia endopelvina

  

Zentraler Fasziendefekt

0 %

39 %

Lateraler Fasziendefekt einseitig

5 %

15 %

Lateraler Fasziendefekt beidseitig

10 %

31 %

Konfigurationsverlust der Vaginalwand

0 %

39 %


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
XDiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
18.04.2005