4. Die Mastzelle als Quelle von Zytokinen

In den vorangegangenen Kapiteln wurde schon eine Vielzahl von Faktoren erwähnt, welche von Mastzellen exprimiert und freigesetzt werden können.

Dieses sehr umfangreiche Mediatorspektrum ermöglicht eine Kommunikation mit fast allen Zelltypen und spricht für eine zentrale Rolle der Mastzellen in vielen pathologischen Prozessen der Haut einschließlich der Schleimhäute (154, 155). Abbildung 7 zeigt die Rolle von Mastzellen in der Schleimhaut beim chronisch allergischen Asthma bronchiale.

Abb. 7: Die Rolle von Mastzellmediatoren in der Entwicklung von chronisch allergischem Asthma bronchiale (modifiziert nach Hart, 156)

Unterscheiden kann man zwischen Mediatoren, welche durch Degranulation innerhalb von Minuten ausgeschüttet werden und damit eine Reaktion vom Soforttyp


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auslösen. Dazu gehören Histamin, Leukotriene, einige Zytokine und Proteasen, und Mediatoren, hauptsächlich Zytokine, Chemokine und Wachstumsfaktoren, deren Expression erst nach der Stimulation initiiert wird. Ihre Freisetzung erfolgt nach Stunden und verursacht so genannte „Late-Phase-Reactions“.

Eine vollständige Darstellung aller von Mastzellen in verschiedenen physiologischen und pathologischen Prozessen freigesetzten Faktoren in ihrer Mittlerfunktion zu den anderen Zelltypen der Haut ist hier nicht möglich. Erwähnt werden sollte, dass sich das Spektrum der freigesetzten Mediatoren nicht nur während physiologischer und pathologischer Prozesse verändert, die Mastzellen setzen auch, je nach Reifegrad, unterschiedliche Faktoren frei (XII). Während unreifere Vorläuferzellen, wie sie im peripheren Blut zu finden sind, mehr IL-1 und IL-6 freisetzen, exprimieren die Zellen, welche eine Differenzierung Richtung Mastzelle durchlaufen haben, mehr TNFα und IL-3 (XI). Da die Zellen in vivo dabei das Kompartiment vom Blut ins Gewebe wechseln, ist dies als Anpassung an die Bedingungen durch die umgebenden Zellen zu erklären.

Besonders zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass Mastzellen auch den wichtigsten Faktor für ihre Entwicklung und Funktion, SCF, selbst exprimieren können (XIII). Diese Fähigkeit steigt mit zunehmender Reife an (XIII). Die Freisetzung lässt sich durch IgE/Anti-IgE-Stimulation erhöhen. Interessant ist dabei auch, dass die Zellen beide Splice-Varianten des SCF (siehe Kapitel 3) exprimieren können, wobei aber das prozentuale Mengenverhältnis sich im Prozess der Reifung der Mastzelle verändert. Unreife Vorläuferzellen im peripheren Blut exprimieren mehr die membranständige Splicevariante, welche ihnen vielleicht ermöglicht durch Interaktion mit dem Endothel ins Gewebe einzuwandern. Differenzierte Mastzellen setzen eher die lösliche SCF-Splicevariante frei. Das ermöglicht der Zelle in einem autokrinen Mechanismus einen Schutz vor Apoptose und funktionelle Wirkungen auf c-Kit exprimierende Vorläuferzellen. In pathologischen Prozessen mit erhöhten Mastzellzahlen, wie in der Atopischen Dermatitis, Psoriasis oder Urtikaria pigmentosa, sowie in der Wundheilung (starker Anstieg der SCF-Expression, IX), und Tumorangiogenese kann dies zur Akkumulation der Mastzellen im Gewebe führen.


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18.11.2003