Zimmer, Stefan: Kariesprophylaxe als multifaktorielle Präventionsstrategie

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Kapitel 1. Einleitung

Nach den letzten bevölkerungsrepräsentativen Daten über die Verbreitung der Karies in der Bevölkerung Deutschlands liegt die Morbidität bei 35- bis 44jährigen Erwachsenen bei 99,2% und bei zwölfjährigen Kindern immerhin schon bei 58,2% . Während bei den Erwachsenen seit den vorangegangenen Erhebungen keine Verbesserung bezüglich der Morbidität eingetreten ist , zeigt sich bei sechs- bis zwölfjährigen Kindern in den letzten Jahren ein deutlicher Kariesrückgang . Unter anderem werden folgende Ursachen für diesen Rückgang diskutiert:

Trotz des deutlichen Kariesrückgangs bei Kindern sind die Kosten für die zahnmedizinische Versorgung in den letzten Jahren gestiegen. Während dafür im Jahre 1992 in den „alten Bundesländern“ insgesamt 24,62 Milliarden DM ausgegeben wurden, belief sich der entsprechende Betrag im Jahre 1997 auf 31,04 Milliarden DM . Für die gesamte Bundesrepublik Deutschland ergaben sich daraus Kosten in Höhe von geschätzten 36,5 Milliarden DM. Das entspricht 0,95% des Bruttosozialproduktes im Jahre 1997 gegenüber 0,87% im Jahre 1992. Von den 36,5 Milliarden DM entfallen ca. 23,3 Milliarden DM auf die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) , der Rest sind Eigenanteile bzw. Leistungen der privaten Krankenkassen (PKV) oder Beihilfestellen. Die seit 1990 gestiegenen Ausgaben für Prophylaxe


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machen nur einen geringen Teil dieser Kosten aus; sie lagen für die GKV im Jahre 1997 bei insgesamt 642 Millionen DM .

Nach eigenen Schätzungen auf der Grundlage der Leistungsstatistiken der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) entfallen ca. 70% aller über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechneten zahnmedizinischen Leistungen auf die Behandlung kariesbedingter Schäden . 87,2% der deutschen Bevölkerung sind Mitglied in der GKV . Es ist davon auszugehen, daß bei den 12,8% nicht in der GKV Versicherten der Anteil kariesbedingter Therapiekosten an allen zahnmedizinischen Ausgaben in etwa dem für die GKV-Mitglieder ermittelten Prozentsatz vergleichbar ist. Weil außerdem die Eigenanteile der GKV-Versicherten in erster Linie Zahnersatz als Folge kariöser Schäden betreffen, kann man insgesamt davon ausgehen, daß mindestens 70% aller zahnmedizinischen Therapiekosten auf die Behandlung kariesbedingter Schäden zurückzuführen sind. Das ergibt pro Jahr einen Betrag von mehr als 25,5 Milliarden DM. Bezogen auf die direkten Krankheitskosten ist die Karies mit ihren Folgeerkrankungen damit in Deutschland die teuerste ernährungsabhängige Einzelerkrankung. Im Vergleich dazu verursachten alle Herz - Kreislauf - Krankheiten zusammen im Jahre 1990 „nur“ 15,4 Milliarden DM direkte Kosten .

Obwohl also in der Bekämpfung der Karies bei Kindern in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht wurden, stellt die Erkrankung nach wie vor ein erhebliches Problem dar. Dies gilt sowohl im Hinblick auf die Morbidität der Bevölkerung als auch für die daraus entstehenden Kosten. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit der Prophylaxe der Karies mit dem Ziel, praktikable Möglichkeiten zur Verbesserung der Zahngesundheit aufzuzeigen.


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1.1 Literaturangaben 1

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3. Dünninger P, Pieper K. "Ergebnisse zur Prävalenz von Karies und Dentalfluorose." In: Institut der Deutschen Zahnärzte , Herausgeber. Mundgesundheitszustand und -verhalten in der Bundesrepublik Deutschland. Köln : Deutscher Ärzte-Verlag ; 1991 . S. 205-260.

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