Zimmer, Stefan: Kariesprophylaxe als multifaktorielle Präventionsstrategie

176

Kapitel 5. Verbesserung der häuslichen Mundhygiene durch neu entwickelte Zahnbürsten

5.1 Ermöglicht eine neu entwickelte dreiköpfige Handzahnbürste eine bessere Mundhygiene als eine konventionelle Handzahnbürste und eine elektrische Zahnbürste mit oszillierendem Kopf? (Studie 3)

5.1.1 Material und Methode

36 Freiwillige (18 männlich, 18 weiblich) im Alter von 6 bis 60 Jahren nahmen an der untersucherblinden Crossover-Studie teil. Sie wurden in einem Screening auf ihre Tauglichkeit für eine Teilnahme an der Studie untersucht.

Einschlußkriterien waren:
- guter Allgemeinzustand
Ausschlußkriterien waren:
- weniger als 20 natürliche Zähne,
- herausnehmbarer Zahnersatz,
- schwere Parodontalerkrankung

Die Probanden wurden nach Altersklassen stratifiziert. Jeweils zwölf Probanden waren 6-12 , 23-35 oder 37-60 Jahre alt. Die drei untersuchten Zahnbürsten waren die Braun Plak Control (D5) (Braun AG, Frankfurt/Main) [PC], die Elmex Super 29 bzw. 39, (Wybert GmbH, Lörrach) [E] sowie die Superbrush (Denta Co AS, Minde/Bergen, Norwegen) in den Größen „Junior“ und „Regular“ [SB] (Abbildung 54). Die Braun Plak Control ist eine elektrische Zahnbürste mit oszillierendem Kopf und einem Timer, der auf zwei Minuten eingestellt ist, die Elmex Super 29/39 eine konventionelle Handzahnbürste mit ebenem Borstenfeld und die Superbrush eine dreiköpfige Handzahnbürste. In der Gruppe der 6-12jährigen wurden die Elmex Super 29 (29 Büschel) und die Superbrush „Junior“ verwendet, während die beiden Erwachsenengruppen die Elmex Super 39 (39 Büschel) und die Superbrush „Regular“ verwendeten.


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Abbildung 54: Die Superbrush ist eine dreiköpfige Zahnbürste, mit der die Zähne gleichzeitig oral, vestibulär und okklusal geputzt werden können.

Unter Berücksichtigung der Altersstratifizierung wurden die 36 Probanden randomisiert auf drei Testgruppen A, B und C mit jeweils zwölf Probanden verteilt. Dadurch wurde sichergestellt, daß in jeder Testgruppe jeweils vier Mitglieder der drei Altersgruppen vertreten waren. Jeder Versuchsteilnehmer erhielt zu Beginn der Studie eine professionelle Zahnreinigung, um ein plaquefreies Gebiß zu gewährleisten. Die Plaquefreiheit wurde mit einem Plaquerevelator überprüft (Red Cote, Butler, Chicago, U.S.A.). Es fand keine Eingangsuntersuchung statt. Jede Gruppe begann das Experiment mit einem unterschiedlichen Zahnbürstentyp. Zuvor erfolgte eine kurze Einweisung zur Benutzung des zugeteilten Produkts nach den Empfehlungen des Herstellers. Für die Handzahnbürste wurde die Bass-Technik instruiert . Die Putzfrequenz wurde auf zweimal täglich, die jeweilige Putzzeit auf drei Minuten festgelegt. Die Probanden wurden angewiesen, bei Verwendung der Braun Plak Control nach Ablauf des auf zwei Minuten eingestellten Timers noch eine Minute länger zu putzen. Nach einer Woche Anwendung wurden die folgenden Mundhygieneindizes erhoben: Papillen-Blutungs-Index (PBI) , Quigley-Hein-Plaque-Index (QHI) in der Modifikation nach Turesky, Gilmore und Glickman und Approximal-Plaque-Index (API) . Beim QHI nach Turesky et al. werden sowohl die oralen als auch die


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vestibulären Zahnflächen bewertet . Neben der Gesamtauswertung wurden die Werte für oral und vestibulär auch gesondert analysiert. An die Abschlußuntersuchung schloß sich eine Wash-out-Phase von einer Woche an. Nach dieser Woche erfolgte erneut eine professionelle Zahnreinigung, bevor jede Gruppe die Studie mit einem anderen Zahnbürstentyp fortsetzte. Dieser Ablauf wurde wiederholt, bis jeder Proband alle drei Typen von Zahnbürsten verwendet hatte. Die Abbildung 55 zeigt den Ablauf der Studie. Während der Studiendauer war die Benutzung von Mundspüllösungen und Gelees sowie von Hilfsmitteln zur Reinigung der Zahnzwischenräume untersagt. Während der Wash-out-Phasen verwendeten alle Probanden die gleiche Handzahnbürste (Elmex Super 29 bzw. 39). Alle Probanden verwendeten während der gesamten Studiendauer von fünf Wochen die gleiche Zahnpasta (Elmex, Wybert GmbH, Lörrach).

Alle Untersuchungen waren untersucherblind und wurden von einer Zahnärztin (Dr. Birgit Didner) durchgeführt. Dritte Molaren wurden von der Analyse ausgeschlossen.

5.1.1.1 Statistik

Die statistische Analyse erfolgte mit SPSS 7.0. Die Tests nach Friedman und Wilcoxon für abhängige nonparametrische Meßreihen fanden Anwendung. Bei jeder Analyse wurde der Proband als statistische Einheit betrachtet. Die intrapersonelle Reliabilität der Untersuchungen wurde durch wiederholte Messungen der verwendeten Indizes geprüft und führte zu einem Reliabilitäts-Koeffizienten von 0,92 (Cohen‘s Kappa-Test, p<0,001).

5.1.1.2 Votum der Ethikkommission

Die Studie wurde von dem Vorsitzenden der Ethikkommission des Fachbereiches Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten der Freien Universität Berlin als nicht genehmigungspflichtig bewertet.


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Abbildung 55: Ablauf der im Crossover-Design angelegten Studie. Die einzelnen Schritte sind am linken Bildrand durchnummeriert.

5.1.2 Resultate

Die Abbildungen 56 bis 60 sowie die Tabellen 23 bis 27 zeigen die Mundhygieneindizes nach jeweils einwöchiger Anwendung der verschiedenen


180

Zahnbürstentypen. In allen Indizes war die Superbrush den beiden anderen Zahnbürsten statistisch signifikant überlegen (p<0,001; Friedman- und Wilcoxon-Test). Zwischen der Braun Plak Control und der Handzahnbürste wurde hingegen kein Unterschied gefunden. Die Tabellen 28 bis 30 zeigen die altersgruppenspezifischen Ergebnisse. Auch hier war die Superbrush den beiden anderen Zahnbürsten in allen Indizes und in jeder Altersgruppe überlegen (p<0,05 bzw. p<0,01; Friedman- und Wilcoxon-Test)

Abbildung 56: Median des QHI in der Modifikation nach Turesky et al. zum Zeitpunkt der Abschlußuntersuchung. (***p<0,001)

Tabelle 23: Die detaillierten Werte aus Abbildung 56

 

QHI (gesamt) zur Abschlußuntersuchung

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Superbrush

0,84

2,21

0,24

0,59

1,29

Braun Plak Control

1,56

3,14

0,30

1,20

2,07

Elmex Super 39

1,56

2,91

0,52

1,24

2,15


181

Abbildung 57: Median des QHI (oral) zum Zeitpunkt der Abschlußuntersuchung. (***p<0,001)

Tabelle 24: Die detaillierten Werte aus Abbildung 57

 

QHI (oral) zur Abschlußuntersuchung

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Superbrush

0,75

1,81

0,18

0,53

0,99

Braun Plak Control

1,52

3,10

0,37

1,17

2,03

Elmex Super 39

1,61

2,74

0,43

1,17

2,04


182

Abbildung 58: Median des QHI (vestibulär) zum Zeitpunkt der Abschlußuntersuchung. (***p<0,001)

Tabelle 25: : Die detaillierten Werte aus Abbildung 58

 

QHI (vestibulär) zur Abschlußuntersuchung

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Superbrush

0,92

3,02

0,28

0,67

1,61

Braun Plak Control

1,69

4,01

0,19

1,05

2,33

Elmex Super 39

1,50

3,43

0,49

1,03

2,29


183

Abbildung 59: Median des API zum Zeitpunkt der Abschlußuntersuchung. (***p<0,001)

Tabelle 26: Die detaillierten Werte aus Abbildung 59

 

API zur Abschlußuntersuchung

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Superbrush

0,69

1,00

0,43

0,55

0,78

Braun Plak Control

0,87

1,00

0,44

0,77

1,00

Elmex Super 39

0,94

1,00

0,54

0,79

1,00


184

Abbildung 60: Median des PBI zum Zeitpunkt der Abschlußuntersuchung. (***p<0,001)

Tabelle 27: Die detaillierten Werte aus Abbildung 60

 

PBI zur Abschlußuntersuchung

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Superbrush

0,36

0,73

0,04

0,23

0,43

Braun Plak Control

0,55

1,41

0,11

0,37

0,65

Elmex Super 39

0,57

1,32

0,14

0,40

0,68


185

Tabelle 28: altersspezifische Darstellung der Ergebnisse: 6-12jährige (**p<0,01; *p<0,05)

Tabelle 29: altersspezifische Darstellung der Ergebnisse: 23-35jährige (**p<0,01; *p<0,05)


186

Tabelle 30: altersspezifische Darstellung der Ergebnisse: 37-60jährige (**p<0,01; *p<0,05)

5.1.3 Diskussion

Zu Beginn der Studie wurde bei jedem Probanden eine professionelle Zahnreinigung vorgenommen und die Vollständigkeit der Plaqueentfernung mit einem Plaquerevelator überprüft. Es konnte also davon ausgegangen werden, daß die Plaqueindizes (QHI und API) zu Beginn null waren. Deshalb wurde keine Eingangsuntersuchung vorgenommen. Es ist davon auszugehen, daß auch der PBI durch die professionelle Zahnreinigung stark beeinflußt worden ist , was die Entscheidung, keine Eingangsuntersuchung zu erheben, als gerechtfertigt erscheinen läßt. Bei einer experimentellen Phase von nur sieben Tagen ist auch denkbar, daß die Ergebnisse der Abschlußuntersuchung von der initialen professionellen Zahnreinigung beeinflußt werden, weshalb es problematisch erschien, die von der professionellen Zahnreinigung unbeeinflußten Daten der Eingangsuntersuchung in Relation zu denjenigen der Abschlußuntersuchung zu setzen. Es muß allerdings kritisch angemerkt werden, daß aufgrund dieses Versuchsansatzes eine Überprüfung der Gleichmäßigkeit der gingivalen Entzündungsverhältnisse zu Beginn der Studie nicht möglich war. Aus diesem Grunde wurde in den Studien 4 und 5 eine Eingangsuntersuchung vorgenommen. Andererseits dürfte das Risiko einer unterschiedlichen Ausgangssituation in den drei Gruppen durch die randomisierte Zuteilung der Probanden und das Crossover-Design minimiert worden sein. Eine professionelle Zahnreinigung in enger zeitlicher Beziehung zum Beginn einer klinischen


187

Studie zur Effektivität von Zahnbürsten wird zur Standardisierung der Ausgangssituation als unverzichtbar betrachtet.

Die Idee einer Zahnbürste, die gleichzeitig mehr als eine Zahnfläche reinigen kann, ist nicht neu. Eine doppelköpfige Zahnbürste, die zuerst von Bay et al. beschrieben wurde, war Gegenstand mehrerer Untersuchungen . In der Studie von Horowitz et al. mit Kindergartenkindern war die doppelköpfige Zahnbürste weniger effektiv in der Entfernung von Plaque als eine konventionelle Handzahnbürste . Im Gegensatz dazu ergaben die anderen Studien eine Überlegenheit der doppelköpfigen Bürste in der Plaqueentfernung an oralen und vestibulären Flächen . Vergleichbare Ergebnisse erhielten Gibson et al., die in ihrer Untersuchung eine andere Doppelkopf-Zahnbürste verwendeten . Gegenüber den bereits untersuchten Doppelkopf-Zahnbürsten hat die Superbrush noch ein drittes Borstenfeld für die Reinigung der Okklusalflächen. Damit wird auch sichergestellt, daß die oralen und vestibulären Borstenfelder richtig positioniert werden. Das okklusale Borstenfeld dient sozusagen als „Tiefenanschlag“ (Abbildung 61).

Abbildung 61: Neben der Reinigung der Okklusalflächen dient das blaue Borstenfeld auch der richtigen Positionierung der oralen und vestibulären Borstenfelder.

In der Planungsphase der Studie wurde die Arbeitshypothese formuliert, daß die Superbrush insbesondere bei Personen mit eingeschränkten manuellen Fertigkeiten,


188

z.B. Kindern und älteren Menschen, nützlich sein könnte. Es wurde nicht erwartet, daß sie bei gut instruierten und manuell geschickten Probanden von Nutzen sein könnte. Aus diesem Grunde wurde jeweils eine Gruppe von Kindern mit noch nicht voll ausgebildeten feinmotorischen Fähigkeiten (sechs bis zwölf Jahre), jüngeren (23 bis 35 Jahre) und älteren Erwachsenen (37 bis 60 Jahre) in die Studie einbezogen. Bei den 23- bis 35jährigen handelte es sich um Studenten der Zahnmedizin, die gerade einen praktischen Kurs in Präventivzahnmedizin absolviert hatten. Ein Bestandteil dieses Kurses ist das Trainieren von Zahnpflegemaßnahmen mit einer Handzahnbürste mit ebenem Borstenfeld. Die Mitglieder der älteren Altersgruppe hatten beruflich nichts mit Zahnmedizin zu tun. Bei dieser Gruppe ist aufgrund der Altersverteilung keine eingeschränkte manuelle Geschicklichkeit zu erwarten. Nach den ursprünglichen Planungen sollte diese Gruppe Probanden von 65 bis 75 Jahren umfassen. Es war jedoch nicht möglich, Freiwillige dieser Altersgruppe zu finden, die die Eingangskriterien erfüllten (mind. 20 natürliche Zähne, kein herausnehmbarer Zahnersatz, keine schwere Parodontalerkrankung) und zu einer Teilnahme an der Studie bereit waren. Es wirkte sich ungünstig auf die Bereitschaft zur Teilnahme an der Studie aus, daß keine Probandengelder gezahlt wurden. Entgegen den ursprünglichen Planungen ist also die Gruppe der „älteren“ Erwachsenen nicht als Beispiel manuell Ungeschickter zu sehen, sondern vielmehr als „normale“ Referenz zur Gruppe der Kinder mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten und der Studenten, die als besonders trainiert und geschickt anzusehen sind.

In der vorliegenden Studie war die Superbrush den beiden anderen Bürsten nicht nur in den Händen von Kindern überlegen, sondern auch bei älteren Erwachsenen und in der Mundhygiene gut trainierten Zahnmedizinstudenten. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu der ursprünglichen Annahme, daß nur manuell Ungeschickte von der dreiköpfigen Zahnbürste profitieren könnten.

In einer Studie von Bloch-Zupan und Maniere wurde die Effektivität der Superbrush bei 25 Kindern im Alter von vier bis 15 Jahren untersucht. Nach achttägiger Benutzung zeigte die Superbrush eine bessere Reinigungseffizienz als die als Vergleich dienende konventionelle Handzahnbürste. Dies steht in Übereinstimmung mit den Resultaten der vorliegenden Studie. Eine weitere Studie wurde mit 25 geistig Behinderten in


189

Brüssel/Belgien durchgeführt. Im Vergleich zu einer konventionellen Handzahnbürste war die Superbrush nach 21 Tagen Benutzung im Entfernen von Plaque und der Vorbeugung einer Gingivitis an sechs Indikatorzähnen ähnlich effektiv . Eine Erklärung für dieses Studienergebnis könnte sein, daß Zähneputzen für geistig Behinderte auch dann sehr schwierig bleibt, wenn eine einfach anzuwendende Zahnbürste benutzt wird. In der vorliegenden Studie wurde die Superbrush unter anderem von einer Gruppe sechs- bis zwölfjähriger Kinder benutzt, deren motorische Fähigkeiten noch nicht voll entwickelt sind. Bei Benutzung dieser Zahnbürste lagen die Indizes für Plaque in der gleichen Größenordnung wie bei den Erwachsenengruppen bei Benutzung der beiden Vergleichszahnbürsten, der PBI lag sogar niedriger.

In mehreren In-vitro-Studien wurde die Braun Plak Control mit Handzahnbürsten verglichen . Zwei davon waren Kurzzeitstudien über sechs bzw. zwölf Wochen . Die Dauer der anderen Untersuchungen lag bei acht und zwölf Monaten . Zwei der zitierten vier Studien zeigten für die Braun Plak Control im Vergleich zur Handzahnbürste eine überlegene Plaqueentfernung . In den beiden anderen Untersuchungen wurde hingegen kein Unterschied gefunden .

In der vorliegenden Studie war die Braun Plak Control in der Vorbeugung von Plaque und Gingivitis nicht besser als die Handzahnbürste und schlechter als die Superbrush. Dieses Ergebnis kann zum Teil möglicherweise dadurch erklärt werden, daß der Gebrauch einer elektrischen Zahnbürsten mit anfänglichen Schwierigkeiten verbunden sein kann und daher etwas Training erfordert . Im Gegensatz hierzu ist die Anwendung der Superbrush sehr einfach und erfordert keine Eingewöhnungszeit. In der Benutzung einer konventionellen Handzahnbürste war jeder Proband erfahren. Eine längere Studiendauer mit der Möglichkeit, die Anwendung der getesteten elektrischen Zahnbürste zu trainieren, hätte aus diesem Grunde möglicherweise zu anderen Ergebnissen geführt.

Der Plaque-Index nach Quigley-Hein erlaubt eine differenzierte Bewertung der Plaqueakkumulation auf den Glattflächen der Zähne. Die Klassifizierung reicht von 0 (keine Plaque) bis 5 (Plaquebesiedelung bis ins inzisale bzw. okklusale Drittel). Da die Reinigung der Approximalflächen sowohl für die Prophylaxe der Karies als auch der


190

Parodontitis von großer Bedeutung ist, wurde zusätzlich der API erhoben. Aus demselben Grunde wurde auch der PBI verwendet, der durch seine Graduierung von 0-4 eine differenzierte Bewertung des Entzündungszustandes der approximalen Gingiva erlaubt.

Jeder Versuchszyklus dauerte in der vorliegenden Studie eine Woche, woraus unter Einrechnung der Wash-out-Phasen eine Gesamtlaufzeit von fünf Wochen resultierte. Eine Woche scheint als Zeitraum für die Bewertung der Effizienz einer Zahnbürste ausreichend zu sein, denn es dauert nur wenige Stunden bis zur Etablierung einer sichtbaren Plaque und nur wenige Tage bis zur Ausbildung einer Gingivitis . Auch die gefundenen deutlichen Unterschiede zwischen der Benutzung der Superbrush und den beiden anderen Zahnbürsten belegen, daß die Studiendauer ausreichend war.

In der vorliegenden Studie wurden bei den beiden Handzahnbürsten unterschiedliche Größen in den Erwachsenengruppen und der Kindergruppe verwendet (Elmex Super 29 und 39, Superbrush Junior und Regular). Daher stellt sich die Frage, ob es legitim ist, die Daten aller Altersgruppen zu poolen (Abbildung 56 bis 60; Tabelle 23 bis 27). Jede Zahnbürste repräsentiert jedoch einen speziellen Typus (konventionelle Handzahnbürste, dreiköpfige Handzahnbürste) und wurde entsprechend der Empfehlungen des Herstellers verwendet. Daher erscheint es zulässig, jeweils die beiden Größen der Handzahnbürsten einer gemeinsamen Analyse zu unterziehen.

Es ist belegt, daß effektive Plaqueentfernung einen kariesprophylaktischen Effekt hat . Während der karieshemmende Effekt häufiger professioneller Zahnreinigungen gut dokumentiert ist, wurde zwischen häuslicher Mundhygiene und Karies in früheren Studien nur ein schwacher Zusammenhang gefunden. Es wurde diskutiert, daß es sehr schwierig sei, eine häusliche Mundhygiene aufrecht zu erhalten, die ausreicht, der Kariesentwicklung an allen Zahnflächen vorzubeugen . Die Untersuchungen, die Bellini et al. in ihrer Übersichtsarbeit bewerteten, stammen überwiegend aus einer Zeit, in der lokal wirksame Fluoride, z.B. in Zahnpasten, noch selten Anwendung fanden. Mathiesen et al. konnten dem gegenüber einen deutlichen Zusammenhang zwischen häuslicher Mundhygiene und Karies nachweisen, wenn regelmäßig Fluorid angewendet wurde . Sie stellten auch fest, daß ein niedriger bis mäßiger Plaquebefall in der Prä-


191

Fluorid-Ära zu Karies führte, bei gleichzeitiger Anwendung von Fluorid jedoch nicht mehr . Angesichts dieser Zusammenhänge kann vermutet werden, daß eine verbesserte häusliche Mundhygiene auch zu einem meßbaren Erfolg in der Kariesprophylaxe führt, auch wenn keine vollständige Plaquefreiheit erreicht werden kann.

Saxer et al. ermittelten in ihrer Studie eine tatsächliche Zahnputzzeit von 72,8 bis 83,5 Sekunden, während ihre Probanden geglaubt hatten, daß sie wesentlich länger geputzt hatten (134,1 bis 148,8 Sekunden) . Diese Zahlen bestätigen die Erkenntnisse von Bauch et al., die herausgefunden hatten, daß altersabhängig zwischen 70,7 und 76,5% der deutschen Bevölkerung seltener als zweimal täglich oder kürzer als 90 Sekunden putzen . In der vorliegenden Untersuchung wurden die Probanden instruiert, ihre Zähne drei Minuten lang zu putzen. Bei diesem Versuchsansatz war die Superbrush den beiden Vergleichszahnbürsten deutlich überlegen. Es ist anzunehmen, daß die gefundenen Relationen auch für eine kürzere Zahnputzzeit gelten. Gewißheit kann in dieser Frage jedoch erst durch eine weitere Untersuchung mit verkürzter Zahnputzzeit erlangt werden.

5.1.4 Schlußfolgerungen

Die Superbrush, eine Handzahnbürste mit drei Köpfen, ist einer konventionellen Handzahnbürste und der Braun Plak Control (D5) im Hinblick auf Plaqueentfernung und Vorbeugung einer Gingivitis im Kurzzeitversuch statistisch signifikant und klinisch relevant überlegen. Dies gilt für Personen ohne schwere Parodontalerkrankungen, die im Umgang mit den untersuchten Zahnbürsten zwar instruiert, jedoch nicht trainiert wurden. Die Überlegenheit wurde für sechs- bis zwölfjährige Kinder, für 23-35jährige Studenten der Zahnmedizin und für 37-60jährige Erwachsene belegt. Es ist davon auszugehen, daß die Superbrush für diesen Personenkreis, aufgrund des repräsentativen Charakters der Probandengruppe aber auch für andere Menschen, eine besonders effektive Alternative zu einer konventionellen Handzahnbürste und der Braun Plak Control (D5) ist.


192

5.2 Literaturangaben 6

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194

5.3 Ermöglichen neu entwickelte schallaktive elektrische Zahnbürsten eine bessere Mundhygiene als eine konventionelle Handzahnbürste? (Studie 4)

5.3.1 Material und Methode

36 Freiwillige von 13 bis 69 Jahren (22 männlich, 14 weiblich) nahmen an der untersucherblinden Crossover-Studie teil.

Einschlußkriterien waren:
- guter Allgemeinzustand,
- Papillen-Blutungs-Index (PBI)/Zahnge0,5 ,
- Quigley-Hein Plaque Index(QHI)/Zahnge2,0

Ausschlußkriterien waren:
- weniger als 20 natürliche Zähne,
- herausnehmbarer Zahnersatz,
- schwere Parodontalerkrankung,
- dauernder Konsum von Medikamenten, insbesondere mit entzündungshemmenden Eigenschaften
- Einnahme von Antibiotika während der Studiendauer,
- frühere Benutzung einer der untersuchten elektrischen Zahnbürsten

Nach einer Screeninguntersuchung, in der die Eignung der Probanden für eine Teilnahme an der Studie anhand der Ein- und Ausschlußkriterien festgestellt wurde, erfolgte ihre randomisierte Verteilung auf drei Gruppen mit jeweils zwölf Personen.

Die drei untersuchten Zahnbürsten waren die Water Pik Sonic Speed [W] (Teledyne Water Pik, Fort Collins, CO, U.S.A.), die Sonicare [S] (Optiva Corp., Bellevue, WA, U.S.A.) und eine konventionelle Handzahnbürste (Elmex Sensitive, 39 Büschel, Wybert GmbH, Lörrach) [E] (Abbildung 62). Die Waterpik Sonic Speed und die Sonicare sind schallaktive Zahnbürsten, deren Borsten in einer Frequenz von 250 Hz schwingen.


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Abbildung 62: Die drei untersuchten Zahnbürsten von links nach rechts: Sonicare (S), Waterpik Sonic Speed (W), Elmex Sensitive (E)

In Abweichung vom Procedere in Studie 3 erfolgte zu Beginn der experimentellen Phase unmittelbar vor der professionellen Zahnreinigung eine Eingangsuntersuchung. Die folgenden Mundhygieneindizes wurden erhoben: Papillen-Blutungs-Index (PBI) , Quigley-Hein-Plaque-Index (QHI) und Approximal-Plaque-Index (API) . Neben der Gesamtauswertung wurden alle Indizes auch nach Front- und Seitenzahngebieten getrennt analysiert. Jede Gruppe begann das Experiment mit einem unterschiedlichen Zahnbürstentyp. Zuvor erfolgte eine kurze Einweisung zur Benutzung des zugeteilten Produkts nach den Empfehlungen des Herstellers. Für die Handzahnbürste wurde die Bass-Technik instruiert . Die Putzfrequenz wurde auf zweimal täglich, die jeweilige Putzzeit auf drei Minuten festgelegt. Zur Kontrolle der Putzzeit sollte eine Stoppuhr verwendet werden. Die Probanden wurden angewiesen, bei Verwendung der Sonicare deren Timer zu ignorieren. Dieser signalisiert nach jeweils 30 Sekunden das Ende der Putzzeit für einen Gebißquadranten, woraus eine Gesamtzeit von zwei Minuten resultiert. 14 Tage nach der Eingangsuntersuchung wurden die drei Mundhygieneindizes (PBI, QHI, API) ein zweites Mal erhoben. Daran schloß sich eine vierzehntägige Wash-out-Phase an. Anschließend setzte jede Gruppe die Studie mit dem nächsten


196

Zahnbürstentyp fort. Dieser Ablauf wurde solange wiederholt, bis jeder Proband alle drei Testprodukte verwendet hatte (Abbildung 63).

Während der Studiendauer war die Benutzung von Mundspüllösungen und Gelees sowie von Hilfsmitteln zur Zahnzwischenraumreinigung untersagt. Während der zwei Wochen zwischen Screening- und Eingangsuntersuchung und während der Wash-out-Phasen verwendeten alle Probanden die gleiche Handzahnbürste (Elmex Sensitive, Wybert, Lörrach). Die Probanden waren gehalten, am Tag der jeweiligen Untersuchung ihre Zähne nicht zu putzen. Die Untersuchungen fanden jeweils am frühen Nachmittag statt. Alle Probanden verwendeten während der gesamten Studiendauer von 12 Wochen die gleiche Zahnpasta (Elmex, Wybert, Lörrach).

Alle Untersuchungen waren untersucherblind und wurden von einem Zahnarzt (Mario Fosca) durchgeführt. Dritte Molaren wurden von der Analyse ausgeschlossen.

5.3.1.1 Statistik

Alle 36 Probanden konnten in die Datenanalyse einbezogen werden. Diese erfolgte mit SPSS 8.0. Die Testverfahren nach Friedman und Wilcoxon für nonparametrische abhängige Meßreihen fanden Anwendung. Bei jeder Analyse wurde der Proband als statistische Einheit betrachtet. Zur Berechnung der Unterschiede zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung wurde der Median benutzt (Eingangsuntersuchung minus Abschlußuntersuchung) Die intrapersonelle Reliabilität der Untersuchungen wurde durch wiederholte Messungen der verwendeten Indizes geprüft und führte zu einem Reliabilitäts-Koeffizienten von 0,90 (Cohen‘s Kappa-Test, p<0,001).

5.3.1.2 Votum der Ethikkommission

Die Studie wurde von der Ethikkommission der Charité Berlin genehmigt.


197

Abbildung 63: Ablauf der im Crossover-Design angelegten Studie. Die einzelnen Schritte sind am linken Bildrand durchnummeriert.

5.3.2 Resultate

Die Tabelle 31 zeigt die Indizes zur Eingangs- und Abschlußuntersuchung. Teilweise bestanden zwischen den einzelnen Gruppen statistisch signifikante Unterschiede (*p<0,05; **p<0,01; ***p<0,001; Friedman- und Wilcoxon-Test). Die Abbildungen 64 bis 66 sowie die Tabellen 32 bis 34 zeigen die Veränderungen der Indizes zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung. Bei allen Indizes zeigten die Schallzahnbürsten


198

signifikant stärkere Verbesserungen als die Handzahnbürste (p<0,001; Wilcoxon-Test). Darüber hinaus bestand ein signifikanter Unterschied zwischen der Sonicare und der Sonic speed für den PBI (p<0,01; Wilcoxon-Test). Die Abbildungen 37 bis 72 und die Tabellen 35 bis 40 zeigen die separaten Analysen für Front- und Seitenzähne. Bei den Seitenzähnen waren die Verbesserungen bei allen Indizes signifikant größer bei den Schallzahnbürsten als bei der Handzahnbürste (p<0,01 und p<0,001; Wilcoxon-Test). Bei den Frontzähnen traf dasselbe für den PBI und den QHI zu, wogegen für den PBI im Frontzahnbereich kein Unterschied zwischen der Water Pik Sonic Speed und der Handzahnbürste gefunden wurde.

199

Tabelle 31: Mediane der erhobenen Indizes zur Eingangs- und Abschlußuntersuchung. Zwischen den Gruppen wurden teilweise statistisch signifikante Unterschiede gefunden (*p<0,05; **p<0,01; ***p<0,001).


200

Abbildung 64: Veränderungen des QHI. Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (***p<0,001)

Tabelle 32: Die detaillierten Werte aus Abbildung 64

 

Veränderungen des QHI von der Eingangs-
zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Sonic Speed

1,48

2,85

0,39

1,06

1,81

Sonicare

1,27

2,77

-0,93

0,80

1,91

Elmex Sensitive

0,35

0,96

-0,89

0,14

0,48


201

Abbildung 65: Veränderungen des API. Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (***p<0,001)

Tabelle 33: Die detaillierten Werte aus Abbildung 65

 

Veränderungen des API von der Eingangs-
zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Sonic Speed

0,39

0,96

0,04

0,32

0,50

Sonicare

0,45

0,83

-0,47

0,22

0,64

Elmex Sensitive

0,14

0,46

-0,46

0,00

0,30


202

Abbildung 66: Veränderungen des PBI. Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (**p<0,01, ***p<0,001)

Tabelle 34: Die detaillierten Werte aus Abbildung 66

 

Veränderungen des PBI von der Eingangs-
zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Sonic Speed

0,31

1,25

0,00

0,20

0,43

Sonicare

0,49

1,25

0,14

0,32

0,68

Elmex Sensitive

0,13

0,66

-0,50

0,00

0,28


203

Abbildung 67: Detailanalyse: Veränderungen des QHI an den Frontzähnen. Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (***p<0,001)

Tabelle 35: Die detaillierten Werte aus Abbildung 67

 

Veränderungen des QHI an den Frontzähnen von der Eingangs- zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Sonic Speed

1,33

3,00

0,17

0,92

1,67

Sonicare

1,29

3,08

-1,33

0,52

1,83

Elmex Sensitive

0,25

1,17

-0,83

0,02

0,60


204

Abbildung 68: Detailanalyse: Veränderungen des QHI an den Seitenzähnen. Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (***p<0,001)

Tabelle 36: Die detaillierten Werte aus Abbildung 68

 

Veränderungen des QHI an den Seitenzähnen von der Eingangs- zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Sonic Speed

1,52

2,67

0,31

1,08

2,02

Sonicare

1,45

2,88

-0,75

0,64

2,00

Elmex Sensitive

0,31

0,91

-0,94

0,06

0,55


205

Abbildung 69: Detailanalyse: Veränderungen des API an den Frontzähnen. Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. Es wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt (Friedman-Test).

Tabelle 37: Die detaillierten Werte aus Abbildung 69

 

Veränderungen des API an den Frontzähnen von der Eingangs- zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Sonic Speed

0,17

1,00

-0,17

0,08

0,42

Sonicare

0,33

1,00

-0,50

0,10

0,58

Elmex Sensitive

0,17

0,67

-0,67

0,00

0,33


206

Abbildung 70: Detailanalyse: Veränderungen des API an den Seitenzähnen. Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (***p<0,001)

Tabelle 38: Die detaillierten Werte aus Abbildung 70

 

Veränderungen des API an den Seitenzähnen von der Eingangs- zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Sonic Speed

0,48

0,92

0,04

0,38

0,63

Sonicare

0,56

0,88

-0,50

0,20

0,74

Elmex Sensitive

0,07

0,58

-0,29

0,00

0,31


207

Abbildung 71: Detailanalyse: Veränderungen des PBI an den Frontzähnen. Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (***p<0,001; *p<0,05)

Tabelle 39: die detaillierten Werte aus Abbildung 71

 

Veränderungen des PBI an den Frontzähnen von der Eingangs- zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Sonic Speed

0,21

1,08

-0,08

0,08

0,40

Sonicare

0,25

1,33

-0,17

0,17

0,58

Elmex Sensitive

0,08

0,75

-0,67

0,00

0,33


208

Abbildung 72: Detailanalyse: Veränderungen des PBI an den Seitenzähnen. Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (***p<0,001; **p<0,01; *p<0,05)

Tabelle 40: die detaillierten Werte aus Abbildung 72

 

Veränderungen des PBI an den Seitenzähnen von der Eingangs- zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Sonic Speed

0,38

1,44

0,00

0,25

0,64

Sonicare

0,60

1,46

0,03

0,38

0,81

Elmex Sensitive

0,18

0,94

-0,38

0,03

0,26


209

5.3.3 Diskussion

Im Vergleich zur Studie 3 wurden in der vorliegenden Untersuchung eine Eingangsuntersuchung durchgeführt sowie die experimentelle und die Wash-out-Phase auf jeweils vierzehn Tage verlängert. Die Eingangsuntersuchung wurde vorgenommen, um die in Kapitel 6.1.3 diskutierte Unsicherheit bei der Bewertung der gingivalen Entzündungsverhältnisse zu Beginn der Studie auszuschalten. Durch die Verlängerung der experimentellen und der Wash-out-Phase sollten mundhygienebedingte Auswirkungen auf den Entzündungszustand der Gingiva sicherer erfaßt (experimentelle Phase) und Carry-over-Effekte minimiert werden (Wash-out-Phase). Die Tatsache, daß die untersuchten Indizes teilweise in der Eingangsuntersuchung statistisch signifikant voneinander abwichen (Tabelle 31), bestätigt einerseits die Entscheidung für eine Eingangsuntersuchung, läßt jedoch andererseits die Frage offen, ob dieser Unterschied im Hinblick auf die Ergebnisse der Abschlußuntersuchung relevant ist oder durch die professionelle Zahnreinigung nivelliert wurde.

Wegen der in der Eingangsuntersuchung unterschiedlichen Mundhygieneindizes wurde die Entwicklung zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung zur Beurteilung der Effektivität der untersuchten Zahnbürsten herangezogen (Abbildung 64 bis 72; Tabelle 32 bis 40). Diese Veränderungen zeigen, daß die beiden schallaktiven Zahnbürsten sehr viel effektiver in der Vorbeugung von Plaque und Gingivitis sind als die verglichene konventionelle Handzahnbürste. Darüber hinaus war die Sonicare der Sonic Speed hinsichtlich der Veränderung des PBI überlegen. Diese Tatsache muß jedoch näher beleuchtet werden. Sie steht offensichtlich im Zusammenhang mit den Ausgangswerten. Der PBI lag für die Sonicare in der Baseline-Untersuchung signifikant höher als für die Sonic Speed (0,56 vs. 0,35). In der Abschlußuntersuchung war dieser Index für beide Schallzahnbürsten bei nahezu null (0,07 und 0,06). Dies resultierte in einer statistisch signifikant größeren Verbesserung für die Sonicare als für die Sonic Speed (0,49 vs. 0,31). Möglicherweise wäre bei gleichem Ausgangswert für beide Geräte mit der Sonic Speed eine ähnliche Reduktion des PBI wie bei der Sonicare möglich gewesen. Da es nicht möglich ist, einen PBI<0 zu erreichen, ist die klinische Relevanz der gefundenen statistisch signifikanten Überlegenheit der Sonicare gegenüber der Sonic Speed in Frage zu stellen.


210

Die beiden Schallzahnbürsten waren insbesondere in der Reinigung der schwieriger zu erreichenden Seitenzähne der Handzahnbürste überlegen (Abbildung 68, 70, 72; Tabelle 36, 38, 40). Diese Erkenntnis spricht für die Verwendung einer der beiden elektrischen Zahnbürsten, denn das Hauptrisiko für die Entwicklung kariöser Läsionen und parodontaler Schäden liegt im Seitenzahngebiet. Bereits Bellini et al. hatten 1981 konstatiert, daß Verbesserungen der (mit konventionellen Hilfsmitteln ausgeübten) Mundhygiene sich vor allen Dingen an den leicht zugänglichen Stellen wie Glattflächen und Frontzähnen positiv auswirkten, schwer zugängliche Bereiche aber davon kaum profitierten .

Für die Sonic Speed liegen bisher keine Studien vor. Dem gegenüber war die Sonicare bereits mehrfach Gegenstand von Vergleichsstudien mit einer Handzahnbürste, sowohl in vivo als auch in vitro . In einer der beiden In-vitro-Studien wurde die Fähigkeit des Eindringens in Approximalräume untersucht . Gegenüber der Handzahnbürste, die mit der in der vorliegenden Studie verwendeten vergleichbar war, zeigte die Sonicare signifikant bessere Werte. Dies wird durch die vorliegende Studie unterstützt, wo die Verbesserungen der Indizes, die Approximalräume bewerten (API, PBI), bei Verwendung der Sonicare gegenüber der Handzahnbürste erheblich stärker waren (Abbildung 65, 66, 69 bis 72; Tabelle 33, 34, 37 bis 40).

In der In-vitro-Studie von Stanford et al. ließen sich mit der Sonicare 56-78% der auf Schmelzproben befindlichen Plaque aus einer Distanz von 3 mm entfernen, das heißt, ohne daß die Borsten der Zahnbürste die Schmelzoberfläche bzw. die Plaque berührten . Die Entfernung der Plaque wurde einer Flüssigkeitsströmung zugeschrieben, die durch die hochfrequenten Schwingungen der Borsten der Sonicare hervorgerufen wird. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, daß die Schallenergie, die von der Sonicare ausgeht imstande ist, die Adhäsion des Bakteriums Actinomyces viscosus zu reduzieren und seine Fimbrien zu zerstören . Möglicherweise sind diese Effekte eine Erklärung für die Überlegenheit, die für die beiden Schallzahnbürsten in der vorliegenden Studie gegenüber der Handzahnbürste gefunden wurde.

In zwei Studien mit erwachsenen kieferorthopädischen Patienten, die mit festsitzenden Apparaturen behandelt wurden, wurde die Sonicare mit einer Handzahnbürste


211

verglichen. Plaque- und Gingivitisindizes wurden erhoben . In beiden Untersuchungen war die Sonicare signifikant effektiver als die Handzahnbürste.

Tritten und Armitage verglichen die Sonicare mit einer Handzahnbürste in einer Population, die ähnlich zusammengesetzt war wie die in der vorliegenden Untersuchung . Sie fanden, daß die Sonicare im Entfernen von Plaque effektiver war als eine Handzahnbürste. Allerdings wurde kein Unterschied bezüglich der gingivalen Gesundheit gefunden . Diese Ergebnisse bestätigten die klinischen Resultate von Johnson und McInnes . Sie konnten zeigen, daß der Grad der Plaqueentfernung mit der Schallzahnbürste dreimal so hoch war wie mit der Handzahnbürste. Allerdings fanden auch diese Autoren keinen Unterschied zur Handzahnbürste in bezug auf den erhobenen Gingivitisindex . Was die Gingivitisindizes anbelangt, stehen die Ergebnisse von Tritten und Armitage sowie von Johnson und McInnes im Widerspruch zu den Ergebnissen der vorliegenden Studie und den Resultaten von White sowie Ho und Niederman . Es ist hinreichend belegt, daß eine Plaqueakkumulation Gingivitis verursacht . Deshalb scheint es wahrscheinlicher, daß eine verbesserte Mundhygiene, wie sie z.B. durch eine wirkungsvolle elektrische Zahnbürste erreicht werden kann, einen Effekt auf Plaque und Gingivitis hat und nicht auf Plaque allein.

5.3.4 Schlußfolgerungen

Die Resultate der Untersuchung zeigen eine eindeutige Überlegenheit der beiden Schallzahnbürsten gegenüber einer konventionellen Handzahnbürste. Die beiden elektrischen Bürsten scheinen in ihrer Reinigungswirkung gleichwertig zu sein. Die Untersuchung wurde mit 13- bis 69jährigen Probanden ohne schwere parodontale Erkrankungen durchgeführt. Für diesen Personenkreis scheinen die beiden schallaktiven Zahnbürsten eine besonders effektive Alternative zu einer konventionellen Handzahnbürste zu sein.


212

5.4 Literaturangaben 7

516. Mühlemann HR. "Patientenmotivation mit individuellem Intensivprogramm für orale Gesundheit." In: Peters S, Herausgeber. Prophylaxe. Ein Leitfaden für die tägliche Praxis . Berlin: Quintessenz; 1978 .

517. Quigley GA, Hein JW. "Comparative cleansing efficiency of manual and power brushing." J Am Dent Assoc 1962 ;65:26-29.

518. Lange DE, Plagmann HC, Eenboom A, Promesberger A. "Klinische Bewertungsverfahren zur Objektivierung der Mundhygiene. " Dtsch Zahnärztl Z 1977 ;32:44-47.

519. Bass CC. "An effective method of personal oral hygiene." Journal of Louisiana State Medical Society 1954 ;106:57-73.

520. Bellini HT, Arneberg P, Von der Fehr FR. "Oral hygiene and caries. A review. " Acta Odontol Scand 1981 ;39:257-265.

521. White LW. "Efficacy of a sonic toothbrush in reducing plaque and gingivitis in adolescent patients." J Clin Orthodont 1996 ;30:85-90.

522. Tritten CB, Armitage GC. " Comparison of a sonic and a manual toothbrush for efficacy in supragingival plaque removal and reduction of gingivitis. " J Clin Periodontol 1996 ;23:641-648.

523. Ho HP, Niederman R. "Effectiveness of the Sonicare Sonic Toothbrush on Reduction of Plaque, Gingivitis, Probing Pocket Depth and Subgingival Bacteria in Adolescent Orthodontic Patients." J Clin Dent 1997 ;8(Special Issue):15-19.

524. Stanford CM, Srikantha R, Wu CD . "Efficacy of the Sonicare Toothbrush Fluid Dynamic Action on Removal of Human Supragingival Plaque." J Clin Dent 1997 ;8(Special Issue):10-14.

525. Yankell SL, Emling RC, Shi X. "Interproximal Access Efficacy of Sonicare Plus and Braun Oral-B Ultra Compared to a Manual Toothbrush." J Clin Dent 1997 ;8(Special Issue):26-29.

526. McInnes C, Engel D, Moncla BJ, Martin RW. "Reduction in adherence of Actinomyces viscosus after exposure to low-frequency acoustic energy." Oral Microbiol Immunol 1992 ;7:171-176.

527. McInnes C, Engel D, Martin RW. "Fimbria damage and removal of adherent bacteria after exposure to acoustic energy." Oral Microbiol Immunol 1993 ;8:277-282.

528. Johnson BD, McInnes C. " Clinical evaluation of the efficacy and safety of a new sonic toothbrush. " J Periodontol 1994 ;65:692-697.

529. Löe H, Theilade E, Jensen SB. " Experimental gingivitis in man. " J Periodontol 1965 ;36:177-187.


213

5.5 Effektivität neu entwickelter elektrischer Zahnbürsten mit oszillierendem Kopf mit und ohne Kombination mit einer Munddusche im Vergleich zu einer Handzahnbürste und der Braun Plak Control Ultra (Studie 5)*<3>

5.5.1 Material und Methode

50 Freiwillige von 20 bis 75 Jahren (22 männlich, 28 weiblich) nahmen an der untersucherblinden Crossover-Studie teil.

Einschlußkriterien waren:
- guter Allgemeinzustand,
- Papillen-Blutungs-Index (PBI)/Zahnge0,5 ,
- Quigley-Hein Plaque Index(QHI)/Zahnge2,0

Ausschlußkriterien waren:
- weniger als 20 natürliche Zähne,
- herausnehmbarer Zahnersatz,
- schwere Parodontalerkrankung,
- dauernder Konsum von Medikamenten, insbesondere mit entzündungshemmenden Eigenschaften
- Einnahme von Antibiotika während der Studiendauer,
- frühere Benutzung einer der untersuchten elektrischen Zahnbürsten.

Nach einer Screeninguntersuchung, in der die Eignung der Probanden für eine Teilnahme an der Studie anhand der Ein- und Ausschlußkriterien festgestellt wurde, erfolgte ihre randomisierte Verteilung auf fünf Gruppen mit jeweils zehn Personen.

Die fünf untersuchten Zahnpflegesysteme waren die Krups Biocare Family [BF], die Krups Biocare Program [BP], die Krups Biocare Jetpack [BJ] (Groupe Moulinex, Paris/Frankreich) die Braun Plak Control Ultra (D9) [PC] (Braun AG, Frankfurt/Main) und die Elmex Super 39 [E] (Wybert GmbH, Lörrach) (Abbildung 73). BF, BP und PC sind elektrische Zahnbürsten mit einem runden oszillierenden Kopf. Sie unterscheiden sich


214

im wesentlichen in ihrer Oszillationsfrequenz und ihrem Oszillationswinkel. Die BJ ist die Kombination einer elektrischen Zahnbürste des beschriebenen Typs mit einer Munddusche. Die Elmex Super 39 ist eine konventionelle manuelle Vielbüschel-Kurzkopfzahnbürste mit ebenem Borstenfeld.

Abbildung 73: Die untersuchten Zahnpflegesysteme Krups Biocare Jetpack (BJ), Krups Biocare Family (BF), Krups Biocare Program (BP), Braun Plak Control Ultra D9 (PC) und Elmex Super 39 (E).

Zwei Wochen nach der Screeninguntersuchung erhielt jeder Proband eine professionelle Zahnreinigung. In Abweichung zum Procedere in Studie 4 erfolgte die Eingangsuntersuchung nicht unmittelbar vor der professionellen Zahnreinigung, sondern drei Tage danach. Folgende Mundhygieneindizes wurden in der Eingangsuntersuchung erhoben: Papillen-Blutungs-Index (PBI) , Quigley-Hein-Plaque-Index (QHI) in der Modifikation nach Turesky, Gilmore und Glickman und Approximal-Plaque-Index (API) . Beim QHI nach Turesky et al. werden sowohl die oralen als auch die vestibulären Zahnflächen bewertet . Neben der Gesamtauswertung wurden die Werte für oral und vestibulär auch gesondert analysiert. Jede Gruppe begann das Experiment mit einem unterschiedlichen Zahnpflegesystem. Zuvor erfolgte eine Einweisung zur Benutzung des zugeteilten Produkts nach den Empfehlungen des Herstellers. Zur


215

Benutzung der Handzahnbürste wurde die Bass-Technik instruiert . Die Putzfrequenz wurde auf zweimal täglich, die jeweilige Putzzeit auf drei Minuten festgelegt. Die Probanden wurden angewiesen, nach Aktivierung des Timers bei der Braun Plak Control (nach zwei Minuten Putzzeit) noch eine Minute weiter zu putzen. Bezüglich der Anwendung der der Biocare Jetpack wurden sie instruiert, nach dem dreiminütigen Zähneputzen jeden Approximalraum mit der Munddusche zu spülen. Zur Kontrolle der Putzzeit sollte eine Stoppuhr verwendet werden. Elf Tage nach der Eingangsuntersuchung wurden die drei Mundhygieneindizes (PBI, QHI, API) ein zweites Mal erhoben. Daran schloß sich eine zweiwöchige Wash-out-Phase an, die mit einer professionellen Zahnreinigung endete. Danach setzte jede Gruppe die Studie mit dem nächsten Zahnpflegesystem fort. Dieser Ablauf wurde solange wiederholt, bis jeder Proband alle fünf Testprodukte verwendet hatte. Die Abbildung 74 zeigt den Ablauf der Studie.

Während der Studiendauer war die Benutzung von Mundspüllösungen und Gelees sowie von anderen Hilfsmitteln zur Zahnzwischenraumreinigung als die zugewiesenen untersagt. Während der zwei Wochen zwischen Screening- und Eingangsuntersuchung und während der Erholungsphasen verwendeten alle Probanden die gleiche Handzahnbürste (Elmex sensitive 39, Wybert GmbH, Lörrach). Die Probanden waren gehalten, eine Stunde vor der jeweiligen Untersuchung ihre Zähne nicht zu putzen. Alle Probanden verwendeten während der gesamten Studiendauer von 20 Wochen die gleiche Zahnpasta (Elmex, Wybert GmbH, Lörrach).

Alle Untersuchungen waren untersucherblind und wurden von einer Zahnärztin (Dr. Birgit Didner) durchgeführt. Dritte Molaren wurden von der Analyse ausgeschlossen.

5.5.1.1 Statistik

In die Datenanalyse konnten 49 Probanden einbezogen werden. Diese erfolgte mit SPSS 8.0. Die Testverfahren nach Friedman und Wilcoxon für nonparametrische abhängige Meßreihen fanden Anwendung. Bei jeder Analyse wurde der Proband als statistische Einheit betrachtet. Zur Berechnung der Unterschiede zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung wurde der Median benutzt (Eingangsuntersuchung minus Abschlußuntersuchung). Ein negativer Wert bedeutet also eine Verschlechterung. Die


216

intrapersonelle Reliabilität der Untersuchungen wurde durch wiederholte Messungen der verwendeten Indizes geprüft und führte zu einem Reliabilitäts-Koeffizienten von 0,92 (Cohen‘s Kappa-Test, p<0,001).

5.5.1.2 Votum der Ethikkommission

Die Studie wurde von der Ethikkommission der Charité Berlin genehmigt.


217

Abbildung 74: Ablauf der im Crossover-Design angelegten Studie. Die einzelnen Schritte sind am linken Bildrand durchnummeriert.


218

5.5.2 Resultate

Die Tabelle 41 zeigt die Indizes zur Eingangsuntersuchung, die drei Tage nach der professionellen Zahnreinigung stattgefunden hatte. Zwischen den einzelnen Gruppen bestanden keine statistisch signifikanten Unterschiede (Friedman-Test).

Tabelle 41: Mediane der erhobenen Indizes zur Eingangsuntersuchung.

 

Mediane der Indizes zur Eingangsuntersuchung

 

QHI gesamt

QHI
oral

QHI vestibulär

API

PBI

Biocare Family

1,70

1,83

1,64

0,94

0,43

Biocare Program

1,66

1,64

1,68

0,82

0,38

Biocare Jetpack

1,78

1,87

1,65

0,89

0,39

Braun Plak Control

1,61

1,71

1,60

0,89

0,32

Elmex Super 39

1,71

1,79

1,72

0,93

0,37

Die Abbildungen 75 bis 79 sowie die Tabellen 42 bis 46 zeigen die Mediane der Veränderungen zwischen Ausgangs- und Abschlußuntersuchung. Bezogen auf den QHIgesamt war die Handzahnbürste statistisch signifikant schlechter als die Biocare Program (p<0,001; Wilcoxon-Test) und die Braun Plak Control (p<0,05; Wilcoxon-Test) (Abbildung 75, Tabelle 42). Die getrennte Analyse oraler und vestibulärer Flächen zeigte, daß der beim QHIgesamt gefundene Unterschied zwischen der Handzahnbürste und der Braun Plak Control auf deren Überlegenheit an den oralen Flächen zurückzuführen ist (p<0,05; Wilcoxon-Test) (Abbildung 76, Tabelle 43). An den vestibulären Flächen war hingegen die Biocare Program allen anderen Zahnpflegesystemen überlegen (Abbildung 77, Tabelle 44; p<0,01 bzw. p<0,001; Friedman- und Wilcoxon-Test). Gegenüber der Handzahnbürste, bei der im Studienverlauf sogar eine Verschlechterung eingetreten war, lag der Unterschied für den QHIvestibulär bei 0,58 (Abbildung 77, Tabelle 44). Für den API konnte kein Unterschied zwischen den fünf untersuchten Zahnbürstensystemen festgestellt werden (Abbildung 78, Tab 45). Beim PBI wiederum war die Biocare Program allen anderen Systemen signifikant überlegen (p<0,01 bzw. p<0,001; Friedman- und Wilcoxon-Test)


219

(Abbildung 79, Tabelle 46). Wie beim QHIvestibulär war die Überlegenheit gegenüber der Handzahnbürste am deutlichsten (0,26).

220

Abbildung 75: Veränderungen des QHI in der Modifikation nach Turesky et. al. Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (***p<0,001; *p<0,05)

Tabelle 42: Die detaillierten Werte aus Abbildung 75

 

Veränderungen des QHI (gesamt) von der Eingangs-
zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Biocare Family

0,02

1,67

-1,35

-0,24

0,22

Biocare Program

0,25

1,04

-0,79

-0,00

0,46

Biocare Jetpack

0,07

1,46

-0,95

-0,24

0,37

Braun Plak Control

0,05

1,18

-0,63

-0,14

0,34

Elmex Super 39

-0,18

1,00

-0,95

-0,40

0,07


221

Abbildung 76: Veränderungen des QHI (oral). Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (**p<0,01)

Tabelle 43: Die detaillierten Werte aus Abbildung 76

 

Veränderungen des QHI (oral) von der Eingangs-
zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Biocare Family

0,13

1,65

-1,44

-0,18

0,31

Biocare Program

0,06

1,19

-1,21

-0,22

0,38

Biocare Jetpack

0,09

1,61

-1,07

-0,19

0,44

Braun Plak Control

0,20

1,25

-0,71

-0,14

0,48

Elmex Super 39

-0,13

1,03

-1,54

-0,42

0,21


222

Abbildung 77: Veränderungen des QHI (vestibulär). Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (**p<0,01; ***p<0,001)

Tabelle 44: Die detaillierten Werte aus Abbildung 77

 

Veränderungen des QHI (vestibulär) von der Eingangs-
zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Biocare Family

-0,10

1,69

-1,61

-0,43

0,26

Biocare Program

0,37

1,13

-0,66

0,14

0,59

Biocare Jetpack

-0,03

1,46

-1,08

-0,26

0,23

Braun Plak Control

-0,03

1,21

-0,93

-0,26

0,17

Elmex Super 39

-0,21

0,97

-1,10

-0,49

0,13


223

Abbildung 78: Veränderungen des API. Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (keine signifikanten Unterschiede)

Tabelle 45: Die detaillierten Werte aus Abbildung 78

 

Veränderungen des API von der Eingangs-
zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Biocare Family

0,00

0,38

-0,39

-0,11

0,00

Biocare Program

0,00

0,28

-0,45

-0,15

0,00

Biocare Jetpack

-0,08

0,00

-0,52

-0,14

0,00

Braun Plak Control

-0,07

0,61

-0,54

-0,13

0,00

Elmex Super 39

-0,04

0,00

-0,39

-0,13

0,00


224

Abbildung 79: Veränderungen des PBI. Dargestellt sind die Mediane der Veränderungen zwischen Eingangs- und Abschlußuntersuchung (Eingang minus Abschluß). Negative Werte bedeuten also eine Verschlechterung des Index. (***p<0,001)

Tabelle 46: Die detaillierten Werte aus Abbildung 79

 

Veränderungen des PBI von der Eingangs-
zur Abschlußuntersuchung
(negative Werte sind Verschlechterungen)

 

Median

Maximum

Minimum

25. Perzentil

75. Perzentil

Biocare Family

0,00

0,80

-0,79

-0,16

0,08

Biocare Program

0,09

0,83

-0,50

0,03

0,17

Biocare Jetpack

0,00

0,52

-0,73

-0,14

0,10

Braun Plak Control

-0,04

0,75

-0,44

-0,14

0,10

Elmex Super 39

-0,17

0,38

-2,25

-0,24

-0,01


225

5.5.3 Diskussion

Die Geräte der Krups Biocare Serie wurden in der vorliegenden Studie zum ersten Mal auf ihre Effektivität untersucht. Die Oszillationsfrequenz der Biocare Family beträgt 1800 Zyklen/Minute, während sie bei der Biocare Program und der Zahnbürste des Biocare Jetpack bei 2400 Zyklen/Minute liegt. Der Oszillationswinkel liegt bei allen Bürsten der Biocare-Serie bei 110°. Die Biocare Program besitzt als einziges der Krups-Geräte einen Timer. Dieser schaltet drei Minuten nach dem Einschalten die Zahnbürste automatisch ab. Die Braun Plak Control Ultra hat einen Oszillationswinkel von 70° und eine -frequenz von 3800 Zyklen/Minute. Die Braun-Zahnbürste unterscheidet sich auch im Design des Bürstenkopfes (Abbildung 80, Tabelle 47) und der Länge der Borsten von den Krups-Geräten (Krups: 9,5 mm, Braun: 8,0 mm).

Abbildung 80: Köpfe der getesteten Zahnbürsten sowie Düse der Munddusche: Krups Biocare Family (BF), Krups Biocare Jetpack (BJ), Krups Biocare Program (BP), Braun Plak Control Ultra D9 (PC) und Elmex Super 39 (E). Die drei Produkte der Firma Krups haben identische Köpfe mit etwas längeren Borsten als die Braun Plak Control.


226

Tabelle 47: Die wichtigsten Unterschiede der untersuchten Zahnpflegesysteme

 

Biocare Family

Biocare Program

Biocare Jetpack

Plak Control

Oszillations-
frequenz

1800 Zyklen/Minute

2400 Zyklen/Minute

2400 Zyklen/Minute

3800 Zyklen/Minute

Oszillations-
winkel

110°

110°

110°

70°

Topographie des Borstenfeldes

zentral: lange Borstenbüschel
peripher: alternierend lange und kurze Borstenbüschel

ebenes Borstenfeld mit 2x je 3 längeren Borstenbüscheln peripher

Borstenlänge

lange Borsten: 9,5 mm
kurze Borsten: 8,0 mm

Lange Borsten: 9,5 mm
Kurze Borsten: 8,0 mm

lange Borsten: 9,5 mm
kurze Borsten: 8,0 mm

lange Borsten: 8,0 mm
kurze Borsten: 7,0 mm

Timer

Nein

3 Minuten

Nein

2 Minuten

In der vorliegenden Studie fand in Abweichung zur Studie 4 die Eingangsuntersuchung nicht unmittelbar vor der professionellen Zahnreinigung statt, sondern erst drei Tage danach. Mit diesem zeitlichen Ablauf wurde versucht, die nivellierende Wirkung der professionellen Zahnreinigung auf Plaque- und Gingivaindizes im Ausgangsbefund zu berücksichtigen. Damit sollten die Nachteile der Methodik aus Studie 3 (keine Aussage über PBI zu Beginn der Studie) und 4 (keine Erfassung der nivellierenden Wirkung der professionellen Zahnreinigung) aufgehoben werden. Der Erfolg dieser Maßnahme spiegelte sich darin wider, daß in der Eingangsuntersuchung für keinen der erhobenen Mundhygieneindizes ein Unterschied zwischen den Gruppen gefunden wurde (Tabelle 41). Drei Tage nach der professionellen Zahnreinigung sind die gingivalen Entzündungsverhältnisse und die Plaquebesiedelung günstiger zu beurteilen als ohne diese Maßnahme. Es wurde also in dieser Studie im wesentlichen die Plaque-Wiederbesiedelung und die Re-Etablierung einer Gingivitis nach der Schaffung günstiger Verhältnisse untersucht. Aus diesem Versuchsansatz erklärt sich, weshalb teilweise Verschlechterungen der Mundhygiene-Indizes über die elftägige Versuchsdauer zu verzeichnen waren.


227

Es stellt sich die Frage, wie die insbesondere beim QHIvestibulär und PBI gefundenen Unterschiede zu erklären sind. Im Vergleich zwischen der Biocare Family und der Biocare Program könnte die Oszillationsfrequenz eine Rolle gespielt haben. Andererseits hätte dann auch ein Unterschied zwischen Biocare Family und Biocare Jetpack gefunden werden müssen. Dies war jedoch nicht der Fall. Überraschend war in der vorliegenden Studie das Ergebnis, daß die Biocare Jetpack bei QHIvestibulär und PBI schlechter abschnitt als die Biocare Program. Beide Zahnbürsten sind mit Ausnahme des Timers technisch identisch. Außerdem wurde bei der Biocare Jetpack nach dreiminütigem Bürsten zusätzlich noch die Munddusche zum Spülen aller Zahnzwischenräume eingesetzt. Auch die Braun Plak Control verfügt über einen Timer, der allerdings auf zwei Minuten eingestellt ist. Die Probanden waren angewiesen, die Zahnbürste nach Auslösen des Timers noch eine weitere Minute zu benutzen. Zwar wurden die Probanden instruiert, bei Verwendung jedes Zahnbürstentyps ihre Zähne drei Minuten zu bürsten und dies mit Hilfe einer Stoppuhr zu überprüfen; aufgrund der Ergebnisse müssen jedoch Zweifel angemeldet werden, ob sie sich tatsächlich an diese Anweisung gehalten haben. Wenn aber keine Stoppuhr verwendet wurde, ist nach der eingangs bereits zitierten Studie von Saxer et al. davon auszugehen, daß die tatsächliche Putzdauer von den Probanden massiv überschätzt wurde . In Verbindung mit der Tatsache, daß zwischen Putzdauer und Plaqueentfernung ein starker Zusammenhang besteht , könnten so die in der vorliegenden Studie gefundenen Ergebnisse erklärt werden. Es scheint also, daß der Timer einen entscheidenden Einfluß auf die Effektivität der Zahnbürsten hatte. In dem Design der vorliegenden Studie mag es angesichts der eben ausgeführten Ergebnisinterpretation ein Nachteil gewesen sein, daß die Probanden angehalten worden waren, eine eigene Stoppuhr zu verwenden. Möglicherweise wären die Ergebnisse anders ausgefallen, wenn jeder Proband eine Stoppuhr mitbekommen hätte. Ob die zwischen den Geräten der Firma Krups und Braun unterschiedlichen Oszillationsfrequenzen und -winkel die Ergebnisse beeinflußt haben, kann aufgrund des Studiendesigns nicht gesagt werden. Das gilt auch für die unterschiedliche Länge des Borsten.

Ein Vergleich zwischen der Biocare Jetpack und der Biocare Family deutet darauf hin, daß die Verwendung der Munddusche zusätzlich zur Zahnbürste keinen positiven Effekt


228

hatte. Dies steht in Übereinstimmung mit den Resultaten der Untersuchungen von Hugoson sowie Boyd et al. , in denen der Einsatz einer Munddusche zusätzlich zum täglichen Zähnebürsten keinen positiven Effekt zeigte. Nur für die Benutzung der Munddusche allein im Vergleich zu gar keinen Mundhygieneaktivitäten konnte ein günstiger Effekt auf Plaque und gingivale Gesundheit gefunden werden .

In einigen In-vivo-Studien wurde die Braun Plak Control (D5, D7) mit verschiedenen Handzahnbürsten verglichen . Drei dieser Untersuchungen waren Kurzzeitstudien über fünf , sechs und zwölf Wochen . Die beiden anderen dauerten acht und zwölf Monate . Die Untersuchungen von Stoltze und Bay sowie Van der Weijden et al. ergaben eine signifikant bessere Plaqueentfernung für die Braun Plak Control im Vergleich zur Handzahnbürste. In den drei anderen Studien wurde kein Unterschied gefunden . In der vorliegenden Studie war die Braun Plak Control lediglich beim QHIoral besser als die Handzahnbürste.

Die Tatsache, daß außer für die Zahnbürsten mit Timer (Biocare Program und mit Einschränkungen Braun Plak Control) keine Überlegenheit der elektrischen Bürsten im Vergleich zur Handzahnbürste festgestellt wurde, mag teilweise darauf zurückzuführen sein, daß es einer gewissen Trainingszeit bedarf, um eine elektrische Zahnbürste effektiv einsetzen zu können . Eine Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie war, daß die Probanden keine Erfahrung im Umgang mit einer der getesteten elektrischen Zahnbürsten hatten. Dadurch sollten gleiche Verhältnisse für den Vergleich der elektrischen Zahnpflegesysteme untereinander hergestellt werden. Im Gegensatz dazu hatte jeder Proband langjährige Erfahrung im Umgang mit einer Handzahnbürste. Die Handzahnbürste erhielt durch diese Methodik einen Vorteil.

5.5.4 Schlußfolgerungen

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, daß die elektrischen Zahnbürsten der Biocare-Familie gegenüber der Braun Plak Control Ultra (D9) und einer konventionellen Handzahnbürste gleichwertig, im Falle der Biocare Program sogar überlegen sind. Allerdings ist nicht unbedingt davon auszugehen, daß die gefundenen statistisch signifikanten Unterschiede auch eine klinische Relevanz haben, da sie zum Teil relativ klein waren. Die Überlegenheit der Biocare Program ist möglicherweise auf deren


229

Timer mit drei Minuten Laufzeit zurückzuführen. Die Braun Plak Control Ultra (D9) hat einen Timer mit zwei Minuten Laufzeit, bei allen anderen untersuchten Produkten fehlt diese Einrichtung. Zwar wurden alle Probanden instruiert, sich jeweils drei Minuten lang die Zähne zu putzen, es muß angesichts der Ergebnisse der Studie jedoch angezweifelt werden, daß sich alle an diese Vorgabe gehalten haben. Der Timer scheint hier einen disziplinierenden Effekt zu haben. Die Verwendung einer Munddusche zusätzlich zu einer elektrischen Zahnbürste scheint im Falle des Biocare Jetpack zu keinem zusätzlichen Nutzen zu führen. Diese Studie erfolgte an erwachsenen Personen (20 bis 75 Jahre) ohne schwere Parodontalerkrankungen. Wenn man den Einfluß des Timers außer acht läßt, scheint für diesen Personenkreis eine konventionelle Handzahnbürste eine gleich gute Alternative zu den untersuchten elektrischen Zahnpflegesystemen zu sein. Dies deckt sich mit den Ergebnissen der Studie 3.


230

5.6 Literaturangaben 8

530. Mühlemann HR. "Patientenmotivation mit individuellem Intensivprogramm für orale Gesundheit." In: Peters S, Herausgeber. Prophylaxe. Ein Leitfaden für die tägliche Praxis. Berlin : Quintessenz ; 1978 .

531. Quigley GA, Hein JW. "Comparative cleansing efficiency of manual and power brushing." J Am Dent Assoc 1962 ;65:26-29.

532. Turesky S, Gilmore ND, Glickman I. "Reduced plaque formation by the chloromethyl analogue of vitamine C. " J Periodontol 1970 ;41:41-43.

533. Lange DE, Plagmann HC, Eenboom A, Promesberger A. "Klinische Bewertungsverfahren zur Objektivierung der Mundhygiene." Dtsch Zahnärztl Z 1977 ;32:44-47.

534. Bass CC. "An effective method of personal oral hygiene. " Journal of Louisiana State Medical Society 1954 ;106:57-73.

535. Saxer UP, Barbakow J, Yankell SL. "New Studies on Estimated and Actual Tootbrushing Times and Dentifrice Use." J Clin Dent 1998 ;9:49-51.

536. Honkala E, Nyyssonen V, Knuuttila M, Markkanen H. " Effectiveness of children's habitual toothbrushing. " J Clin Periodontol 1986 ;13:81-85.

537. Hugoson A. "The effect of the water pik device on the development of plaque and gingivitis." J Clin Periodontol 1978 ;5:95-104.

538. Boyd RL, Leggott P, Quinn R, Buchannan S, Eakle W, Chambers D. "Effect of self-administered daily irrigation with 0.02% SnF2 on periodontal disease activity." J Clin Periodontol 1985 ;12:420-431.

539. Gupta O, O'Toole E, Hammermeister R. "Effects of a water pressure device on oral hygiene and gingival inflammation. " J Periodontol 1973 ;44:294-298.

540. Barnes CM, Weatherford TWd, Menaker L. "A comparison of the Braun Oral-B Plaque Remover (D5) electric and a manual toothbrush in affecting gingivitis." J Clin Dent 1993 ;4:48-51.

541. Weijden van der GA, Timmerman MF, Reijerse E, Danser MM, Mantel MS, Nijboer A, et al. "The long-term effect of an oscillating/rotating electric toothbrush on gingivitis. An 8-month clinical study." J Clin Periodontol 1994 ;21:139-145.

542. Stoltze K, Bay L. "Comparison of a manual and a new electric toothbrush for controlling plaque and gingivitis." J Clin Periodontol 1994 ;21:86-90.

543. Ainamo J, Xie Q, Ainamo A, Kallio P. "Assessment of the effect of an oscillating/rotating electric toothbrush on oral health. A 12-month longitudinal study." J Clin Periodontol 1997 ;24:28-33.

544. Zimmer S, Didner B, Roulet J-F. "Clinical study on the plaque-removing ability of a new triple-headed toothbrush." J Clin Periodontol 1999 ;26:281-285.

545. Walmsley AD. "The electric toothbrush: a review." Br Dent J 1997 ;182:209-218.


231

5.7 Resümee der Studien 3 bis 5

Die drei dargestellten Studien zur Effektivität neuer Zahnbürstentypen können aufgrund teilweise unterschiedlicher Versuchsdesigns nicht unmittelbar miteinander verglichen werden. Die Ergebnisse lassen sich jedoch wie folgt zusammenfassen:

Eine klinisch relevante Überlegenheit der Superbrush gegenüber einer konventionellen Handzahnbürste und der Braun Plak Control (D5) wurde nachgewiesen.

Eine klinisch relevante Überlegenheit der Schallzahnbürsten Waterpik Sonic Speed und Sonicare gegenüber einer konventionellen Handzahnbürste wurde nachgewiesen.

Eine Überlegenheit der Krups Biocare Program gegenüber den anderen Produkten der Biocare-Serie, der Braun Plak Control Ultra (D9) und einer konventionellen Handzahnbürste wurde nachgewiesen. Die klinische Relevanz ist allerdings fraglich. Die Produkte Biocare Jetpack und Biocare Family waren einer Handzahnbürste nicht, die Braun Plak Control Ultra (D9) nur in Teilbereichen überlegen, allerdings mit fraglicher klinischer Relevanz. Die gefundenen Unterschiede waren möglicherweise auf einen eingebauten Timer zurückzuführen (Biocare Program, Braun Plak Control Ultra).

Während für die Superbrush und die beiden Schallzahnbürsten Waterpik Sonic Speed und Sonicare eine Überlegenheit gegenüber einer konventionellen Handzahnbürste eindeutig nachgewiesen (Studien 3 und 4) wurde, war das bei den elektrischen Zahnbürsten mit oszillierenden Bürsten nicht (Biocare Jetpack, Biocare Family) bzw. mit nur fraglicher klinischer Relevanz und vielleicht sogar nur aufgrund des eingebauten Timers der Fall (Biocare Program, Braun Plak Control) (Studien 3 und 5). Aus diesen Ergebnissen läßt sich der Schluß ziehen, daß die Superbrush und die beiden Schallzahnbürsten Waterpik Sonic Speed und Sonicare einer konventionellen Handzahnbürste klinisch relevant überlegen sind und ihr deshalb vorgezogen werden sollen. Für die anderen untersuchten elektrischen Zahnbürsten konnte eine solche Überlegenheit nicht nachgewiesen werden.


Fußnoten:

<3>

* Die Studie wurde von der Groupe Moulinex, Paris/Frankreich finanziert.


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