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Band 10 • 2007 • Teilband I

ISBN 978-3-86004-205-2

Geschichte im Netz: Praxis, Chancen, Visionen

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Eröffnung - Grußworte - Podiumsdiskussion

 

Eröffnungsrede „.hist 2006: Geschichte im Netz“

von Wilfried Nippel

Meine Damen und Herren,

ich darf Sie im Namen von Clio-online herzlich zu unserer Tagung begrüßen. Zugleich überbringe ich Ihnen die Grüße des Präsidiums der Humboldt-Universität. Der Vizepräsident für Forschung wäre gerne gekommen, muss heute Abend aber einer unabweislichen anderen Verpflichtung nachkommen. Die von ihm übermittelten guten Wünsche sind mehr als diplomatische Höflichkeit, sondern entsprechen der Praxis des Hauses; unsere Universitätsleitung hat in den vergangenen Jahren die Arbeit von Clio-online stets unterstützt und, was natürlich besonders wichtig ist, Mittel zur Fortführung des Projektes nach Ablauf der Finanzierung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in Aussicht gestellt. Auch deshalb sind wir zuversichtlich, dass die von einem liebevollen Spötter schon einmal prophezeite notwendige Umbenennung in „Clio-offline“ nicht ansteht.

Das Verbundprojekt Clio-online startete im Mai 2002 mit seiner Arbeit und hat in den zurückliegenden Jahren erfolgreich verschiedene Teilprojekte und Webportale für die historischen Wissenschaften in Angriff genommen. Es wird, wie erwähnt, dankenswerterweise für die Anschubphase von der DFG finanziert. Es handelt sich um einen Verbund, an dem neben der Humboldt-Universität die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (mit dem Vorhaben Jahresberichte für Deutsche Geschichte), die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, das Bundesarchiv, die Staatsbibliotheken in Berlin und Göttingen und das Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam beteiligt sind. Die in den letzten Jahren praktizierte gute Zusammenarbeit hat sich auch bei den aufwändigen Vorbereitungen für diese Tagung wieder bewährt, bei denen alle Partner ihre finanziellen und organisatorischen Beiträge geleistet haben, wofür ich herzlich allen Beteiligten danken möchte. Wir freuen uns auch sehr, dass die abschließende Podiumsdiskussion im Leibnizsaal der Akademie der Wissenschaften stattfinden kann, der nicht nur wunderschön, sondern – normalerweise – auch teuer ist. Unser Dank gilt auch dem Akademie-Verlag und dem Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, die unsere Tagung finanziell unterstützen. Das ist auch ein symbolisches Zeichen dafür, dass es um Kooperation und nicht um Konfrontation zwischen aus öffentlichen Mitteln finanzierten Internetangeboten und privatwirtschaftlich arbeitenden Verlagen geht.

Unsere jetzige Tagung ist die zweite große Tagung, die Clio-online veranstaltet. Die erste Tagung 2003 war ein großer Erfolg – wegen des Ertrags der Vorträge und Diskussionen, aber auch des großen Medienechos wegen. Die Vielzahl der für diese Tagung angemeldeten Teilnehmer/innen, die Expertise der zahlreichen in- und ausländischen Referenten/innen aus unterschiedlichen institutionellen Kontexten und die thematische Breite des Programms lassen uns auf eine Wiederholung dieses Erfolges hoffen.

„Geschichte im Netz“ soll ein Forum für den Erfahrungsaustausch von Fachleuten aus der Geschichtswissenschaft, der Informatik, den Bibliotheken, Museen, Archiven und Verlagen darstellen, die auf je unterschiedliche Weise an der Erschließung und Präsentation von Materialien und an der Diskussion von Forschungsfragen in diesem Medium beteiligt sind. Die grundsätzliche kulturkritische Frage, ob sich ein solch „flüchtiges“ Medium überhaupt für ernsthafte Wissenschaft eignet und/oder die Buchkultur zerstört, hat sich erledigt. Umso mehr gilt es die Fragen der Sicherheit und Stetigkeit der bereit gestellten Informationen, ihrer optimalen Zugänglichkeit für unterschiedliche Nutzergruppen und die Möglichkeiten ihres Einsatzes auch im akademischen Unterricht zu diskutieren.

Nach mir wird jetzt der Präsident des Bundesarchivs, Hartmut Weber, zu Ihnen sprechen. Anschließend folgt der Vortrag von Herrn Schmale. Beide Redner haben aktiv auch an der vorangehenden Tagung 2003 mitgewirkt. Herr Weber referierte damals unter anderem über das Thema „BundOnline 2005 und was Archivbenutzer davon haben“ und stellte die ambitionierten Projekte des Bundesarchivs vor, wie zum einen die Übertragung der Findmittel und ausgewählter Quellen in elektronische Präsentationen erfolgen soll und welche Perspektiven sich hinsichtlich der langfristigen Verfügbarkeit elektronischer Dokumente im Bundesarchiv ergeben. Herr Weber hat damals berichtet, dass „unspektakuläre“ Archivalien des Bundesarchivs von Archivnutzer/innen nur circa alle 40 bis 45 Jahre eingesehen würden. Andererseits veranschlagte er für die Digitalisierung der häufig oder regelmäßig nachgefragten Archivalien, die circa ein bis zwei Prozent des Bestandes des Bundesarchivs ausmachten, ein etwas 30 Jahre umfassendes Projekt, wenn es bei den vorhandenen Techniken und Förderinstrumenten bliebe. Wir schätzen uns glücklich, dass noch im Jahr 2003 mit dem Bundesarchiv und der Berliner Staatsbibliothek im Rahmen von Clio-online ein wesentlich kleineres und überschaubareres Projekt in Angriff genommen wurde, das den Aufbau eines elektronischen Findmittelkatalogs zum Ziel hat. [1]

Wir freuen uns, dass wir Wolfgang Schmale, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Wien, für den nachfolgenden Eröffnungsvortrag gewinnen konnten. Herr Schmale ist mit zahlreichen Arbeiten zur Verfassungs-, Sozial-, und Kulturgeschichte der Neuzeit, mit Schwerpunkten auf Frankreich wie zum interkulturellen Austausch (so unter anderem beim Thema Menschenrechte) hervorgetreten; er hat zudem Untersuchungen zu einer historischen Anthropologie, darunter zur sozialen Konstruktion von Körperlichkeit und Männlichkeit, vorgelegt.

2003 hat Herr Schmale hier in Berlin eine Sektion mit dem Titel „Historisches Lehren und Lernen über das Netz (E-Learning)“ geleitet. [2] Ein Jahr später wurde das von Herrn Schmale geleitete Web-Projekt pastperfect mit dem Medidaprix 2004 ausgezeichnet, was für die Qualität dieses lehrorientierten Angebots spricht. Beteiligt ist Herr Schmale zusammen mit einer Reihe weiterer Wiener Kollegen/innen an Geschichte Online, einem Forschungsprojekt zu E-Learning im Fach Geschichte. Clio-online hat sich bisher auf die forschungsbezogene Informationsvermittlung konzentriert, aber vielleicht lassen sich ja Schnittflächen und Synergien zwischen den Wiener und Berliner Projekten ausmachen. Herr Schmale steht somit für jene Verbindung von fachwissenschaftlicher Exzellenz und kreativer Nutzung neuer technischer Möglichkeiten, die unser aller Ziel darstellt.

***

Prof. Dr. Wilfried Nippel ist Professor für Alte Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.


[1] Vgl. dazu Barteleit, Sebastian; Zepf, Robert, Struktur meets Schlagwort – der Clio-online Findmittelkatalog, in diesem Band.

[2] Vgl. dazu die Beiträge des Kapitels „Lehre und Wissensvermittlung“, in: Burckhardt, Daniel; Hohls, Rüdiger; Ziegeldorf, Vera (Hgg.), Geschichte und Neue Medien in Forschung, Archiven, Bibliotheken und Museen. Tagungsband .hist 2003, Teilband II (Historisches Forum 7/2005), S. 407ff., vgl. <http://edoc.hu-berlin.de/histfor/7_II/PDF/HistFor_7-2005-II.pdf>.


Grußwort des Präsidenten des Bundesarchivs

von Hartmut Weber

Wie alle Wissenschaften lebt die Geschichtswissenschaft von der Kommunikation – der Kommunikation innerhalb der eigenen Disziplin und über die Grenzen des Fachs hinweg. Die Geschichtswissenschaft ist in besonderem Maße darauf angewiesen, mit den Geschichtsquellen zu kommunizieren, die sich nicht zuletzt in den Archiven finden. Unabhängig von Zeit und Ort und der Erinnerungsfähigkeit von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ermöglicht das Archivgut die Auseinandersetzung mit dem Geschehenen. Nicht nur das „Vetorecht der Quellen“, um den kürzlich verstorbenen Historiker Reinhard Kosellek zu zitieren, lässt die Historikerinnen und Historiker und im Falle des Bundesarchivs insbesondere die Zeithistorikerinnen und Zeithistoriker die Lesesäle der Archive aufsuchen, um einen Zugang zu „Zeugen“ und Relikten der näheren oder ferneren Vergangenheit zu erhalten. Erst diese Formen der Kommunikation ermöglichen Wissenschaft im Sinne eines Austausches von Gedanken und Thesen und die belastbare Auseinandersetzung mit den Thesen anderer.

Kommunikation entsteht in unserer aufgabenteiligen Gesellschaft zwangsläufig aber auch zwischen denen, die Archivgut sichern, erschließen und zugänglich machen und denen, die es nutzen, zwischen Archivarinnen und Archivaren und Historikerinnen und Historikern also. Dies ist auch gut so, weil sich im Idealfall diese Kommunikation für beide Seiten befruchtend auswirkt. Und seit sich die Archive auch bewusst als öffentliche Dienstleistungseinrichtungen verstehen, ist diese Kommunikation ein Gebot der Kundenorientierung. Als Kooperationspartner der Humboldt-Universität im Kooperationsverbund Clio-online freue ich mich sehr, dass diese Tagung mit einer Fülle hochinteressanter Beiträge zustande gekommen ist, die aus der Sicht des Bundesarchivs nicht nur die Funktion einer Leistungsschau hat, sondern zugleich Markt- und Bedarfsforschung im Sinne der angesprochenen Kundenorientierung ermöglicht. So möchte ich Sie, meine Damen und Herren, auch im Namen des Bundesarchivs ganz herzlich begrüßen.

Mit dem Einzug der Informationstechnik und vor allem mit der Vernetzung durch das Internet haben sich diese Kommunikationswege entscheidend verändert. Archive, Bibliotheken und Museen haben sich daran gemacht, im Internet die Erschließungsinformationen zu ihren Beständen mit dem Mehrwert an Navigations-, Recherche- und Verknüpfungsmöglichkeiten bereit zu stellen, die das Medium bietet. Digitales Kulturgut im Netz ist keine Vision mehr. Von nahezu jedem Ort der Erde kann man so gleichzeitig auf Informationen zugreifen, die bislang nur ortsgebunden in den jeweiligen Institutionen und zu bestimmten Öffnungszeiten einzusehen waren. Kommunikation untereinander und Konsultation der im Internet bereitgestellten Informationen kann nun weitgehend grenzenlos und zu jeder Zeit stattfinden. Diese grundsätzlich grenzenlose Verfügbarkeit von kulturellen Inhalten bedeutet aber auch für Archive, Bibliotheken und Museen eine neue Ausrichtung ihrer Arbeit.

So implizieren die großen Digitalisierungsstrategien der letzten Jahre einen zunehmend größeren geografischen Bezugsrahmen – sei es das amerikanische „Google Print“, das französische „Gallica“ oder die jüngste Initiative i2010 der Europäischen Kommission zur Schaffung einer Europäischen Digitalen Bibliothek. Nicht primär der Ort oder die Region, sondern zumindest die Nation oder gar transnationale oder internationale Zusammenhänge werden hier in den Blick genommen. Damit begeben sich die Archive wie die Bibliotheken und Museen in einen neuen internationalen Arbeitskontext, der Chancen bietet, aber natürlich auch Ressourcen bindet. Die heterogene Archivlandschaft macht sich auf den Weg zum Archivsystem. Damit eröffnen sich auch der Geschichtswissenschaft neue Möglichkeiten, die in Ansätzen wie der transnationalen Geschichtsschreibung verfolgt werden. Das viel strapazierte Schlagwort von der Globalisierung trifft hier sicherlich zu. Allerdings verweist der freie Blick über Grenzen hier auf die Chancen, die sich auch für die Geschichtswissenschaft bieten: Die Gegenwart sieht vielleicht nicht das „Ende der Geschichte“, vielleicht auch nicht den „Kampf der Kulturen“, aber sie sieht eine Geschichtswissenschaft, die sich verstärkt einer neuen Weltgeschichte zuwenden wird. Eine Geschichtsschreibung, die den Vergleich zwischen Phänomenen, zwischen Regionen und Staaten, zwischen Kulturen und Religionen stärker in den Blick nimmt.

Meine Damen und Herren, auch wenn die Vision, von seinem heimischen Arbeitsplatz Zugriff auf alle Informationen und Quellen zu erhalten, in den nächsten Jahren nicht Realität wird und es auch kritisch hinterfragt werden sollte, wie sinnvoll ein solch totaler Zugriff tatsächlich wäre, so können Historikerinnen und Historiker doch bereits in weitaus größerem Maße als noch vor wenigen Jahren wichtige Arbeitsschritte an ihrem heimischen Schreibtisch erledigen. Die Vorbereitung von Forschungsaufenthalten wird durch die Bereitstellung von Erschließungsinformationen und Digitalisaten entscheidend verbessert, die Kommunikation mit Fachkollegen wird durch E-Mail, Mailinglisten und Internetpublikationen ebenfalls wesentlich erleichtert.

Nun ist aber das Erreichte zwar gut, aber nicht so als könnte es nicht noch verbessert werden: Deshalb sind wir hier! In den nächsten zwei Tagen werden wir über den erreichten Stand, die Chancen und möglicherweise auch Grenzen, in jedem Fall aber die weiteren Perspektiven der Entwicklung diskutieren. Das Bundesarchiv bringt sich in diesen Kongress mit Beiträgen aus seinen unterschiedlichen Arbeitsfeldern ein: In Regierung und Verwaltung wird in unserem hybriden Zeitalter neben den herkömmlichen Akten mit elektronischen Aufzeichnungen gearbeitet. Nicht allein das Bundesarchiv ist vor die Aufgabe gestellt, auch diese digitalen Aufzeichnungen von bleibendem Wert als Archivgut auf Dauer zu sichern und zugänglich zu machen. Beim letzten Kongress habe ich eher nur von Vorhaben berichten können, was die Bereitstellung von Erschließungsinformationen im Internet angeht. Inzwischen bieten wir unter anderem die komplette Beständeübersicht und über 500 Online-Findbücher im Internet an und man kann nun vor diesem Hintergrund über Recherchestrategien diskutieren. In einem mehrjährigen Programm zur systematischen Retrokonversion vorhandener herkömmlicher Findmittel ist vorgesehen, in den nächsten Jahren eine Million weiterer Titelaufnahmen im Internet bereit zu stellen. Und schließlich stellen wir hier die kontinuierlich wachsende Online-Ausgabe der Kabinettsprotokolle der Bundesregierung vor. Demnächst werden die 23 Bände der Akten der Reichskanzlei der Weimarer Zeit mit entsprechendem Mehrwert für die Nutzung der Forschung im Internet zur Verfügung stehen. Auf dem Erreichten werden wir uns aber nicht ausruhen. Denn eins scheint sicher: Die Entwicklung geht weiter und zumindest für das Bundesarchiv möchte ich sagen, wir werden die Entwicklung nicht nur weiter begleiten, das Bundesarchiv wird seinen Beitrag dazu leisten, sie zu gestalten.

***

Prof. Dr. Hartmut Weber, geboren 1945, ist seit 1999 Präsident des Bundesarchivs. Studium der Geschichte und Germanistik, Ausbildung für den höheren Archivdienst, unterschiedliche Aufgaben beim Hauptstaatsarchiv Stuttgart, beim Generallandesarchiv Karlsruhe und bei der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg. Mitglied nationaler und internationaler Fachgremien. Lehrauftrag an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.


Geschichte im Netz – Praxis, Chancen, Visionen

von Wolfgang Schmale

Einleitung

Über den Titel unseres Kongresses kann man lange nachdenken: Die drei Stichwörter Praxis, Chancen, Visionen sind ausgesprochen positiv: pragmatisch positiv (Praxis), hoffnungsvoll positiv (Chancen), euphorisch positiv (Visionen). Das pragmatische Wort Praxis ließe sich genauso gut auch als Plattform für eine andere Perspektivenfolge verwenden: Dächte man statt an Chancen an Verluste und statt an Visionen an Untergang (der Wissenschaft), so lautete der Titel der virtuellen Gegentagung: Geschichte im Netz: Praxis, Verluste, Untergang. Beides – den nonchalanten Optimismus des Tagungstitels wie den raunzenden Pessimismus des virtuellen Titels (einer Gegentagung) – müssen wir im Auge behalten.

Was aber soll Geschichte im Netz heißen, was kann es heißen? Das Tagungsprogramm legt die Interpretation nahe, dass es sich um bestimmte Praxisformen von Geschichtswissenschaft und deren Potenziale handeln soll. Geschichte lässt sich freilich genauso gut als Darstellung oder Erzählung von Geschichte im Netz, als Auseinandersetzung mit Geschichte im Netz verstehen. Es könnte aber zum Beispiel auch bedeuten, dass sich Geschichte im Netz – sprich WWW oder kurz Web – vollzieht: Ein interessanter Gedanke, doch worauf könnte er sich beziehen: auf die Praxis? Fällt er in das Ressort von Chancen und Visionen? Und was wäre das für eine Geschichte, die sich im Netz vollzieht?

Ich selber stehe auf der Seite der Befürworter der Nutzung des Web für die vielfältigsten geschichtswissenschaftlichen Zwecke; außerdem bin ich der Überzeugung, dass wir erst am Anfang stehen, das heißt, dass vor allem die Chancen, und noch mehr die Visionen unsere Aufmerksamkeit beanspruchen sollten. Zunächst, der Praxis mich zuwendend, stelle ich mich auf den Standpunkt der Interpretation von Geschichte im Netz als „Nutzung des Web für die vielfältigsten geschichtswissenschaftlichen Zwecke“. [1]

Geschichte im Netz: Praxis

Nüchtern betrachtet ist die Nutzung des Netzes für geschichtswissenschaftliche Zwecke eine Minderheitengeschichte. Die meisten Seiten, die irgendwie mit Geschichte zu tun haben, entstammen nicht den Geschichtswissenschaften. Sie wurden von interessierten Laien verfasst, zum Beispiel von solchen, die als Freizeitbeschäftigung mittelalterliche Kostüme, oder das, was sie für mittelalterlich halten, herstellen und irgendwelche Alltagssituationen nachstellen, oder was sie für mittelalterlichen Alltag halten, und das Ganze als Homepage ins Netz stellen. Den Professionisten/innen fällt nun mal – man mag das bedauern – als erstes die in der Regel unfreiwillige Komik auf, die solchen Seiten oftmals eigentümlich ist. Zweifellos sind solche Seiten für die Wissenschaft von Interesse, zum Beispiel für die Erforschung von Geschichtskulturen. Keineswegs grundsätzlich sind Seiten nichtwissenschaftlichen Ursprungs immer zu belächeln; es gibt Seiten schulischen Ursprungs, die ganz hervorragend sind; zuverlässige heimatkundliche Seiten, mal sehr gute, mal grausig schlechte kommunale Seiten zur Ortsgeschichte. Während es in den meisten Fällen in Ordnung geht, die Seiten so schnell wieder zu vergessen, wie man sie mit der Suchmaschine gefunden hat, gibt es Fälle, wo sich eine genauere Beschäftigung lohnt oder sogar zwingend erforderlich ist. In der Wissenschaft berüchtigt sind Seiten mit verstecktem oder offenem rechtsradikalen Inhalt, insbesondere zum Nationalsozialismus, aber es gibt hinreichend viele scheinbar völlig harmlose Seiten, da im gebügelten Cut der Faktografie herkommend, in denen die Kunst des suggestiven Weglassens Regie geführt hat. Die Ausübung dieser Künste steht naheliegenderweise im Zusammenhang mit offiziellen Feierlichkeiten. So beging Österreich 2005 ein offizielles Gedankenjahr (60 Jahre Kriegsende, 50 Jahre Staatsvertrag, 10 Jahre EU-Mitgliedschaft), eine gute Gelegenheit für die Erstellung von Homepages über die österreichische Zeitgeschichte zur Verwendung in den Schulen. Bei manchen Seiten musste man nicht nur zu dem Schluss kommen, dass die Erfindung der Didaktik vermutlich frühestens im nächsten Jahrtausend stattfinden wird [2] , sondern dass vor allem weggelassen wurde, was die Bezeichnung Gedankenjahr für den kritischen Kopf beinhaltet: Innehalten, kritische Distanz nehmen, reflektieren – zum Beispiel über den Umgang mit dem Nationalsozialismus und den Nazis in den Nachkriegsjahren oder über die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit etwa seit den 1970er Jahren in Österreich. Was ich hier kritisiere, stellt kein österreichisches Spezifikum dar, sondern ist generalisierbar.

Besonderer Aufmerksamkeit bedürften Computerspiele und Webgames, insbesondere solche, die den Zweiten Weltkrieg als Kulisse verwenden. Spiele wie Hearts of Iron 2 [3] beinhalten hunderte Seiten an historischen Erläuterungen und, im konkreten Fall, 20.000 Fotos aus der Kriegszeit; andere Spiele bieten Faksimiles historischer Urkunden, Zeitzeugeninterviews und mehr an – ganz zu schweigen vom filmischen Charakter der Spiele, der den Eindruck eines historisch-authentischen Kriegsgeschehens vermittelt. [4] Selbst wenn nicht zu erwarten ist, dass die Spieler/innen – in der Regel Männer zwischen 15 und 45 – das alles lesen, ist auch das Geschichte im Netz, eine ganz spezielle Form, in der die suggestive Kunst selektiver Faktografie besonders tragend zu sein scheint und mit der sich die Geschichtswissenschaft im übrigen künftig etwas genauer befassen sollte.

Noch einmal: Geschichtswissenschaftliche Seiten stellen im Netz eine Minderheit dar, auch wenn die Geschichte als Fach, wie es Michael Nentwich [5] herausgearbeitet hat, zu den eifrigsten Produzenten im Web gehört. Unser Kongress .hist 2006 spiegelt die gegenwärtigen Kategorien von web-basierten geschichtswissenschaftlichen Angeboten umfangreich wider. Es geht um digitalisierte Primär-Quellen, um Inventare aller Art, um Bibliotheks- und andere Kataloge aller Art, um Linkkataloge oder Link-Bibliotheken, um Sekundärquellen aller Art, um webadäquate geschichtswissenschaftliche Einführungen, um historische Darstellungen, um Datenbanken, um E-Learning und E-Didaktik. Natürlich geht es auch um verschiedene technische Lösungen und um Design. Auf Praxis im Sinne der Frage: „Was finden wir eigentlich im Netz?“, das heißt auf Praxis im vordergründigen Sinn, brauche ich unter Verweis auf die kommenden Tage nicht detailliert einzugehen.

Die gegenwärtige Praxis geschichtswissenschaftlicher Seiten im Netz, um deren kritische Reflexion es mir geht, ist beschreibbar als komplexer Prozess, dessen wesentliches Merkmal die Systemmodifikation ist. Es handelt sich um eine Praxis, die als Subtext oder auch subversiver Sprechakt aus der vordergründigen Praxis herausgelesen werden muss. Der Systembegriff bezieht sich auf die Geschichtswissenschaft als institutionalisiertes Kommunikationssystem. Modifiziert werden die Kommunikationsmedien selber wie auch ihr systemischer Zusammenhang, modifiziert wird das traditionelle System geschichtswissenschaftlicher Kommunikation. Umgekehrt moduliert das traditionelle System, das ein System ohne Internet und Web gewesen war, auch das Netz. Den Zustand, den wir gegenwärtig haben, die gegenseitige Beeinflussung alter und neuer Medien in der Geschichtswissenschaft, sehe ich vorerst noch als ein Verbund-System, wenn auch mit zwei deutlich von einander unterscheidbaren Teilsystemen.

Die Systemmodifikation besteht darin, dass einerseits traditionelle Medien beibehalten, aber unter dem Einfluss der so genannten Neuen Medien verändert werden, während andererseits neue Medien eingeführt, aber unter dem Einfluss der alten Medien moduliert werden. In der einschlägigen Forschung wird dies als Remediation bezeichnet. [6] Eine Analyse des Seitenlayouts und einiger didaktischer Vorgehensweisen bei geschichtswissenschaftlichen Lehrbüchern – als Beispiel – ergibt, dass Seitengestaltungsprinzipien und proto-hypertextuelle Techniken, die für eine Website kennzeichnend sind, für Bücher übernommen werden. Ein prominenter Prototyp hierfür ist der Band Frühe Neuzeit des Oldenbourg Geschichte Lehrbuch, dessen Konzept von Anette Völker-Rasor entwickelt wurde. [7] Umgekehrt lässt sich behaupten, dass viele Seiten im Netz nichts anderes darstellen, als die medienadäquat – manchmal auch nicht medienadäquat – aufbereitete Publikation eines Aufsatzes oder sonstigen Textes bis hin zur kompletten Monografie.

Ein Wort zu dem Adjektiv proto-hypertextuell: Der Begriff Hypertext ist von Anfang an für das Web reklamiert worden; eine Web-Adresse beginnt deshalb mit der berühmten Abkürzung http (hypertext transport protocol). Die aktuelle Hypertextforschung empfindet dies aber nicht unbedingt als glücklichen Umstand, weil zumindest der wissenschaftliche Hypertext sich wissenstheoretisch stark von dem unterscheidet, was konventionell in Gestalt des Web auf Grund seiner theoretisch endlosen Verlinkung als Hypertext bezeichnet wird. [8] Eine durchschnittliche Website, die die durchschnittliche Verlinkungstechnik anwendet, hat nur eine proto-hypertextuelle Qualität.

Modifizierende Beeinflussungen in beide Richtungen zwischen den auf Alten Medien und dem auf Neuen Medien basierenden Säulen des Verbund-Systems existieren auch hinsichtlich der Schreibformate. Aus vielerlei Gründen erfordert eine Website die Granulierung oder Portionierung der Inhalte. Idealerweise wird dabei nicht einfach ein langer Text – auf die Multimedialität, die ja mehr ist als nur Text im Designer Gewand des Web, komme ich später zu sprechen – granuliert oder portioniert, sondern Texte werden von vorneherein medienadäquat geschrieben. In Bezug auf das Netz bedeutet medienadäquat: kurz und bündig, präzise, auf das Wesentliche konzentriert, zugleich „an den Enden offen“ für weitere Vernetzung zu schreiben. Das sind Tugenden, die man auch gerne im gedruckten Buch oder Aufsatz verwirklicht sähe, im Web heißt das aber, dass die Rezeptionseinheit bildschirmadäquat zu sein hat, sprich bei Texten, aus nicht mehr als rund 1.500 Zeichen bestehen kann. Die erforderliche Granulierung der Inhalte kommt einer Modularisierung gleich. Die Systemmodifikation berührt somit zentral die wissenschaftlichen Schreibtechniken. Die angesprochene Modularisierung reicht noch weiter: Module werden als informationelle Einheiten erst sinnvoll, wenn sie mit anderen Modulen zu Netzwerken informationeller Einheiten verwoben oder verknüpft werden. Die Tätigkeit des Webens bzw. Knüpfens wird zu einem Gutteil auf die User/innen verlagert; Module sind nicht nur Bausteine unkomplexer Rezeptionsprozesse, wie oft unterstellt wird, sondern Bausteine individueller Sinnbildung.

Eine Systemmodifikation im Sinne der Rückwirkung von Eigenarten der Web-Publikation auf gedruckte wissenschaftliche Publikationen ist hinsichtlich deren Lebensdauer zu diagnostizieren. Vielen wissenschaftlichen Websites oder Web-Publikationen wird die Volatilität bzw. Fluidität ihrer Inhalte vorgeworfen. Oft gleichen sie mehr einem Diskussionsstand als einem gesicherten Ergebnis, ganz zu schweigen vom Verschwinden aus dem WWW. Dieselbe Beobachtung kann natürlich positiv als Stärke des Netzes gewertet werden; ich komme darauf zurück. Parallel zur Verbreitung des Web in den Geschichtswissenschaften ist eine Multiplizierung klassischer Publikationsformate zu beobachten: Noch nie gab es so viele Fachzeitschriften – mit begrenzter oder sehr begrenzter Reichweite! –, noch nie gab es so viele Sammelbände, noch nie gab es so viele Monografien mit immer kleineren Auflagen. Die Erfindung des Publishing-On-Demand ist ebenso aufschlussreich wie symptomatisch. Vieles von dem, was gedruckt wird, stellt auch nichts anderes als einen Diskussionsstand dar. In gewissem Sinne stellt wissenschaftliche Forschung nie etwas anderes als einen Diskussionsstand dar, aber es gibt doch sehr unterschiedliche Reifegrade von Argumenten. Kurz: Der Vorwurf, der oft gegen das Netz erhoben wird, muss sich bei selbstkritischer Betrachtung innerhalb der Geschichtswissenschaften auch gegen gedruckte Publikationen wenden – oder wird, parallel zum Netz, positiv als produktive Stärke gesehen, als Entwicklung weg von der autoritativen, manchmal auch autoritären Lehr-Haltung, weg von der autoritativen Meistererzählung hin zu offeneren Formen der Auffindung wissenschaftlicher Wahrheit. Ob die Entwicklung des WWW die Geschichtswissenschaft auf diesen neuen, gelegentlich als Weg demokratisierter wissenschaftlicher Erkenntnisproduktion bezeichneten Weg geführt hat, also die Ursache dafür ist, ist derzeit schwer nachzuweisen, zumindest aber verstärkt sie diesen Trend, und zwar nicht nur im Web, sondern auch im traditionellen System.

Traditionelle und Neue Medien beeinflussen sich gegenseitig und erleichtern damit den gleichzeitigen Umgang mit dem traditionellen wie dem neuen System. Bezeichnend ist die Tendenz, denselben Wissensbestand sowohl mit Hilfe der alten wie der neuen Medien zu publizieren. Dieses gegenseitige backing ist durchaus erfolgreich und beweist, dass beide Systemteile oder -säulen inzwischen aufeinander angewiesen sind. Der gleichzeitige Umgang mit beiden Systemteilen entspringt keiner Wahlfreiheit, sondern erfolgt zwangsweise. Vorläufig weisen beide einen je spezifischen Mehrwert auf. Trotz zahlreicher inhaltlicher Doppelungen sind die beiden Systeme ja nicht austauschbar. Wer den gleichzeitigen Umgang nicht beherrscht oder nicht will, wird sehr schnell als Staub hinweggepustet.

Chancen

Unter „Geschichte im Netz: Chancen“ ist eine Systemtransformation zu verstehen, die Transformation der Geschichtswissenschaft als institutionalisiertes System. Im Folgenden ist somit von zwei Systemen, von einem alten und einem neuen zu sprechen. Die Transformation lässt sich an sechs Beobachtungsfeldern festmachen:

  1. An erster Stelle steht die Verflüssigung und Beschleunigung der Kommunikation, die hier im Kontext der zunehmenden Verlagerung der geschichtswissenschaftlichen Wissensbestände in das Netz zu sehen ist. Nicht nur laufen Suchprozesse nach Informationen aller Art schneller und schneller ergebnisreich ab, sondern auch die Zurverfügungstellung, die Rezeption, die Verarbeitung von wissenschaftlichem Wissen beschleunigt sich. Anders ausgedrückt: Zumindest potenziell beschleunigt sich Forschung, beschleunigt sich der Weg zu einem Forschungsergebnis, beschleunigt sich die Einspeisung neuer Forschung in den Kommunikationsprozess. Ich verweise diese Feststellung bewusst in das Kapitel Chancen, denn noch wird dieses Potenzial des Netzes nur ansatzweise genutzt, und zwar hauptsächlich aus zwei Gründen: Zum einen entsprechen viele ins Netz eingespeiste Wissensbestände, insbesondere Primär- und Sekundärquellen, in puncto wissenschaftlicher Aufbereitung nicht den Anforderungen der Quellenkritik, der Überprüfbarkeit und der Verlässlichkeit. Viele Seiten sind nicht anders als rudimentär, schlimmstenfalls als Müllhalde, auf die aber doch manch schönes unversehrtes Stück gelangt ist, zu bezeichnen. Oft fehlen die erforderlichen Metadaten. Zum anderen, und daraus resultieren zum Teil die im vorigen Satz skizzierten Zustände, genießt das wissenschaftliche Publizieren im Netz bei einem sehr großen Teil der Historiker/innen nur ein geringes Ansehen, das mit der klassischen Publikation von gedruckten Monografien, Aufsätzen oder Quelleneditionen nicht mithält.

    Andererseits verbessert sich die Qualität der Seiten im Netz zunehmend, die aktive und passive E-Medienkompetenz steigt und ist selber Gegenstand intensiver Debatten, die Masse der für die Geschichtswissenschaft lebensnotwendigen Wissensbestände, die in zuverlässiger Qualität im Netz verfügbar gehalten wird, steigt dynamisch an. Es ist schwer vorherzusagen, wann der kritische Punkt erreicht wird, an dem sich die Verhältnisse umgedreht haben, das heißt ab dem die in alten Medien zugänglichen Informationen und Wissensbestände vorwiegend den Charakter historischer Primärquellen erhalten und beispielsweise Bibliotheken nur mehr die Funktion eines historischen Archivs erfüllen.

    Der Zeitpunkt, von dem an die wesentlichen Forschungsimpulse im Netz passieren, weil das Netz der von allen Mitgliedern des Systems der Geschichtswissenschaften bevorzugte Ort der Publikation und Kommunikation geworden ist, lässt sich nicht genau vorhersagen, ich reihe ihn aber unter die Chancen und nicht unter die Visionen ein.

  2. Forschung in einem Netz-basierten System der Geschichtswissenschaft bedeutet nicht das Gleiche wie im traditionellen System. Während das Publikum, das Fachbibliotheken aufsucht, einigermaßen präzise bestimmt werden kann, während die sozioprofessionellen Gruppen, die wissenschaftliches Wissen verwenden, im traditionellen System ebenfalls relativ genau bekannt sind, herrschen im Netz potenziell andere Verhältnisse. Die Charakterisierung als potenziell erscheint angebracht, da derzeit wissenschaftliche Seiten vorwiegend von denselben sozioprofessionellen Gruppen genutzt werden wie im alten System. Zugriffsstatistiken beweisen außerdem, dass entgegen der Bezeichnung world wide nationale Nutzungsgewohnheiten vorherrschen; Deutsche konsultieren überwiegend deutsche und deutschsprachige Seiten, dann englischsprachige, dann andere. Das gilt sinngemäß für Franzosen wie Spanier und Engländer. Die Barrierelosigkeit des Netzes erweist sich in der Praxis eher als Chance, denn als tatsächlich genutzter Freiraum. Prinzipiell fallen aber viele Mauerringe hinweg, die im alten System den Elfenbeinturm der Wissenschaft sicherten und die Systemhoheit bei den Angehörigen des Systems beließen.

    Um es deutlich zu sagen: die Barrierelosigkeit und Offenheit des Netzes ist aus der Sicht der Geschichtswissenschaft nur dann positiv zu werten, wenn sie die Qualitätsstandards setzt und durchsetzt, wenn sie die Inhalte schafft. Da sie das in einem offenen System macht oder täte, besteht die Chance, den Markt für geschichtswissenschaftliches Wissen deutlich zu erweitern und mehr gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen.

    Forschung in einem netzbasierten System bedeutet deshalb etwas anderes als im traditionellen System, weil das Publikum, das freien Zugang zu den Ergebnissen hat, diffus ist. Der Informationsfluss und seine Auswirkungen, die Verwendung, auch missbräuchliche Verwendung wissenschaftlicher Ergebnisse ist wesentlich weniger kontrollierbar als im System der Printmedien. Das wirkt nicht nur auf die mediale Aufbereitung von Forschungsergebnissen, sondern mittelfristig auf die Forschungsthemen zurück. Der Anteil so genannter relevanter Themen und anwendbarer Forschung wird auch in der Geschichtswissenschaft steigen – jedenfalls solange nicht ein Schritt vollzogen wird, der technisch möglich ist, aber das Entwicklungspotenzial des Netzes abtöten würde, nämlich einen geschichtswissenschaftlichen Webspace einzurichten, in den nur ein kontrollierter, eventuell sogar kostenpflichtiger Zugang vorgesehen ist. Es wäre technisch überhaupt kein Problem, den Elfenbeinturm der Wissenschaft im Web neu aufzubauen und sich ganz auf die unstrittigen Vorteile der Geschwindigkeit und leichten Verfügbarkeit von Wissensbeständen im Netz zu beschränken. In der Perspektive der raunzenden Pessimisten unserer virtuellen Gegentagung wäre das vermutlich eine Chance.

  3. Eine wesentliche Chance besteht im multimedialen Charakter des Mediums Netz. Multimedialität hat drei Gesichter: Multimediale Darstellungsweise, Nutzung multimedialer Quellen, Inter- oder Multidisziplinarität. Alle drei Aspekte sind prinzipiell auch mit dem Modus world wide oder international, sagen wir: mit dem Modus der Globalität verbunden.

    Die Geschichtswissenschaft hat sich in den letzten 25 Jahren zunehmend mit anderen als Text- oder schriftlichen Quellen befasst. Eine der Entwicklungstendenzen lässt sich mit dem Schlagwort „historische Bildwissenschaft“ beschreiben. In der Tat stellen ikonografische Quellen heute neben den Text- und schriftlichen Quellen die wichtigste benutzte Quellengruppe dar und finden sich infolge dessen neben Texten am häufigsten in geschichtlichen Seiten im Netz. An dritter Stelle steht inzwischen die Analyse von Fotografien und von Filmen, an weiteren Positionen folgen Videos und zum Beispiel Web-Games als audiovisuelles Quellenmaterial. Tonquellen wie Musik werden von der Geschichtswissenschaft – ich meine nicht die historische Musikwissenschaft – noch sehr vernachlässigt. Sieht man von Copyright-Fragen und kommerziellen Hürden ab, die insbesondere von den Inhabern der Rechte an Filmen und Tondokumenten aufgebaut werden, dann erleichtert das Netz auf Grund der ihm inhärenten Multimedialität die gleichzeitige Verwendung unterschiedlichster Quellentypen für die Forschung, da sie sich im Original, das heißt Ton als Ton, Film als Film bzw. Videofile usw. wiedergeben lassen. Vielleicht führt über das so genannte elektronische Papier, in dem sich auch Ton und Video drucken lassen, ein Weg zum multimedialen Buch, aber das bleibt abzuwarten. Das Netz macht das Forschen mit unterschiedlichsten Quellentypen auch deshalb attraktiv, weil diese in immer größerer Zahl im Netz zur Verfügung stehen, und fördert wenigstens indirekt die Bereitschaft zu Inter- oder Multidisziplinarität.

    Multimedialität bedeutet also Inter- oder Multidisziplinarität. Da die Zielgruppen im Netz heterogen sind und sich theoretisch nicht um Disziplingrenzen scheren, da das Medium Netz gewissermaßen laut am Bildschirm aufstöhnt, wenn es nur mit Text und nicht wenigstens auch mit Bildquellen gefüttert wird, da es erst dann zufrieden grunzt, wenn auch Tonquellen und Movies enthalten sind, verfügt das Netz über eine Art struktureller Gewalt, die der Inter- und Multidisziplinarität zu Gute kommt.

    Um in diesem Kontext von Chancen zu sprechen, reicht es aber bereits aus, darauf hinzuweisen, dass das Netz den geschichtswissenschaftlichen Blick wieder erweitert. Die Verfügbarkeit unterschiedlichster Quellentypen und die vergleichsweise unkomplizierte technische Möglichkeit, sie miteinander verbunden in eine wissenschaftliche Analyse einzubauen, fördert die Entwicklung der Geschichtswissenschaft in Richtung einer inter- oder multidisziplinären historischen Kulturwissenschaft, die im Idealfall im Modus der Globalität gespielt wird.

  4. Die Systemtransformation, der ich die Chancen zuordne, äußert sich somit einmal in einem Beziehungsnetz mit den Knoten Multimedialität, Inter- oder Multidisziplinarität, historische Kulturwissenschaften, jeweils im Modus der Globalität oder dem einer begrenzteren transnationalen oder einsprachigen Ebene. Sie greift jedoch noch weiter und tiefer. Aus der strukturellen Gewalt des Netzes resultiert ein im Lauf der Zeit immer größer werdender Druck bezüglich inter- und multidisziplinären Forschens und Darstellens. Obwohl Interdisziplinarität seit Jahrzehnten gefordert wird, setzt sie sich im alten System nur sehr langsam durch; alle, die interdisziplinär arbeiten, wissen ein Lied davon zu singen, wie gering die Wertschätzung ist, wenn es darauf ankommt: Interdisziplinär arbeitende Wissenschaftler/innen sind dann plötzlich keine richtigen Historiker/innen mehr, sie gelten als nicht eindeutig zuordenbar – und nichts schadet der beruflichen Karriere mehr als eine solche Einstufung. Im Netz ist Inter- und Multidisziplinarität Pflicht. Je größer das Gewicht des Netzes im System Geschichtswissenschaft wird, umso stärker wird sich die Beherrschung seiner Eigenheiten karrierefördernd auswirken.

    Das genannte Beziehungsnetz ist letztendlich um zahlreiche Komponenten zu erweitern: Ich erwähnte schon, dass im Netz medienadäquate Schreibtechniken gefordert sind, die mit einer inhaltlichen Granulierung und Modularisierung Hand in Hand gehen. Diese Vorgänge wiederum korrespondieren mit der Zielgruppenoffenheit des Netzes und mit der hohen Bedeutung, die der aktiven Sinnbildung durch die Nutzer/innen des Netzes selbst zukommt, bzw. mit dem Bedeutungsverlust, den autoritatives oder autoritäres Wissen erleidet.

  5. Nicht ausgeführt habe ich bisher den Aspekt des elektronischen Lernens, das E-Learning. Es kommt in der Geschichtswissenschaft erst langsam in Gang. Es zählt zu den Chancen, da es der Effektivitätssteigerung des Lehrens und Lernens dienlich ist. An den Universitäten und besonders in den geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächern wird E-Learning vorrangig als Blended Learning betrieben, das heißt es wird eine Mischung aus Präsenz- und Online-Lehre praktiziert. E-Learning, egal in welcher genauen Gestalt – ob nun mittels einer Lernplattform (Lernmanagement System) oder in Gestalt der Internetgestützten Lehre (IGL) –, erhöht grundsätzlich den Anteil kommunikativer Operationen und fördert das selbstgesteuerte Lernen. Darin spiegeln sich die bereits erwähnten Netz-typischen Elemente wie Verflüssigung der Kommunikationsabläufe und Erhöhung der Verantwortung des Individuums für die Wissens- und Sinnbildung. E-Learning und IGL greifen zentrale Elemente aus der heute bestimmenden Alltagskultur auf, die Schüler, Studierende, an Geschichte interessierte andere Erwachsene mitbringen. Viele Elemente sind mit Schnelligkeit verbunden: schnell an Informationen gelangen, schnell Informationen verknüpfen können, schnell zu Ergebnissen gelangen, Probleme und Fragestellungen schnell lösen, schnell zu Entscheidungen kommen. Das ist unser Alltag! Die Nutzung von Web und Internet in der Lehre wie im Fall der IGL greift diesen alltagskulturellen Habitus auf und moduliert ihn in einen wissenschaftlichen Habitus um. Das Netz ermöglicht es Studierenden zum Beispiel, Forschungstechniken und die Ergebnisse, zu denen diese führen, live im Zeitraffertempo vorzuführen. Das Netz als elektronisches Medium ermöglicht es, die Lösungen von Forschungsproblemen auch mit größeren Studierendengruppen effektiv durchzuspielen. Diese Aussage gilt schon jetzt, gehört dennoch in den Bereich der Chancen, da längst nicht alle Hörsäle mit W-Lan ausgestattet sind oder PC-Übungsräume in ausreichender Größe und Menge vorhanden sind, wo alle Studierenden am Notebook oder PC mit Internetanschluss die Forschungs- und Lösungstechniken mitvollziehen bzw. selber durchspielen können. Da gerade Nobelpreisträger nicht müde werden, auf den Zusammenhang von Wissenschaft und Fun hinzuweisen, fühle ich mich legitimiert zu sagen, dass der Einsatz des Netzes den Fun-Faktor in der Geschichtswissenschaft auf produktive Weise wieder erhöht und im Übrigen die traditionelle zivilisatorische Grenze zwischen Wissenschaft und Alltag öffnet.

    Die Wahl der Mittel für E-Learning ist nicht gleichgültig. Lernplattformen stellen geschützte Lern- und Lehrbereiche dar; das hat durchaus gute pädagogische und didaktische Gründe, mit Bezug auf das Netz und seine Potenziale sind aber die, im Fach Geschichte derzeit auch noch überwiegenden, unterschiedlichen Formen der IGL vorzuziehen, da diese im Netz öffentlich zugänglich sind – von der Möglichkeit, Seiten durch Passwort abzuschirmen, wird nur ausnahmsweise Gebrauch gemacht. Lernplattformen, so genannte Lernmanagement Systeme, stützen ungewollt das Elfenbeinturmprinzip. IGL durchbricht dieses Prinzip. Geschichtswissenschaft im Netz – auch für Lehr- und Lernzwecke – kann ein riesiges gesellschaftliches Potenzial entwickeln, wenn die gegebene Chance, Geschichtswissenschaft sehr breit zu vermitteln, genutzt wird: E-Learning ist eine zentrale Möglichkeit, da der Anwendungsbereich nicht auf Universität und Schule begrenzt ist, sondern genauso gut in allen möglichen Spielarten der Erwachsenen- und beruflichen Bildung zu Hause ist, und weil es darüber hinaus sich die Tatsache offener bzw. heterogener Zielgruppen im Netz zu Nutze machen kann.

    Diejenige Wissenschaft, die hier beherzt zugreift, das heißt entsprechende Kräfte, Energien und Gelder in die professionelle und umfassende Nutzung aller Potenziale des Netzes leitet, hat aufgrund der rasant wachsenden Nutzungsraten des Web, die sich arithmetisch auch als Bedeutungszuwachs rechnen lassen, die Chance, ihre Platzierung im System der Wissenschaften und der Wissenschaftspolitik zu verbessern. Praktisch bedeutet das zum Beispiel, multifunktionale virtuelle historische Mehrebenen-Lernobjekte zu erarbeiten. Als Modell ist pastperfect [9] zu nennen, das hypertextbasiert die Geschichte des Zeitalters Karls V. zum Inhalt hat und exakt ein solches multifunktionales virtuelles historisches Mehrebenen-Lernobjekt darstellt. [10]

  6. Das Netz verändert im System der Geschichtswissenschaft die Beziehungen zwischen Individuum, Kollektiv und wissenschaftlichem Wissen. Als Ort autoritativen Wissens wird das Individuum geschwächt, es wird gestärkt als Teil eines riesigen Wissensnetzwerkes, weil ihm eine größere Verantwortung im Prozess der Sinnbildung zugewiesen wird. In der Geschichtswissenschaft als Kollektiv wird die dominante Stellung von Einzelpersonen geschwächt; langfristig wird das weitreichende Auswirkungen auf sämtliche Institutionen der Geschichtswissenschaft haben. An diesem Punkt ist nun der Technik, genauer gesagt, der Software, kurz Aufmerksamkeit zu widmen. Auch das traditionelle System basiert auf unterschiedlichen Techniken. Im Netz kommen andere Techniken zur Anwendung, aber der Unterschied liegt nicht bei Technik-basiert versus nicht Technik-basiert. Unter Weglassung aller Details zeige ich mit dem Finger nur auf einen bestimmten Wandel, der sich im Netz vollzieht: Hat bisher bei der Erstellung von Websites HTML-Software dominiert, setzen sich allmählich Content Management Systeme durch. CMS-Lösungen sind die Teamwork-Software schlechthin – jedenfalls derzeit. Ein CMS wie der Hypertextcreator, den wir in Wien für die Anwendung in den historischen Kulturwissenschaften entwickelt haben, bündelt die hier mehrfach aufgezählten Potenziale des Netzes.Die Systemtransformation im Sinne der Multimedialität und Multidisziplinarität erstreckt sich nicht nur auf die Geschichtswissenschaft im Kontext der historischen Kulturwissenschaften, sondern – ich paraphrasiere Michel Houellebecq [11] – die ‚Kampfzone weitet sich aus‘ in das Feld der Programmiertechnik, des Mediendesigns, ja, der Medienkunst. Damit komme ich von den Chancen zu den Visionen.

Visionen

Kulturgeschichtlich wurden die Phänomene Internet und Web als Medienrevolution charakterisiert. Diese Medienrevolution hat sehr schnell höchste historische Weihen erhalten, insoweit sie bezüglich ihrer Geschichtsmächtigkeit auf eine Stufe mit dem althistorischen Übergang zur Schriftlichkeit in der von dem Philosophen Karl Jaspers zuerst so genannten Achsenzeit [12] sowie mit dem Übergang zum Buchdruck im 15./16. Jahrhundert gestellt wurde. Wir wissen alle, dass Revolution als kulturwissenschaftlicher Begriff nicht in erster Linie auf die Schnelligkeit fundamentaler Transformationen als Merkmal rekurriert, sondern auf die Fundamentalität der Transformationen selbst. Zwar zeichnet sich das Netz wesentlich durch die technische Beschleunigung jedweder Art von Kommunikation und der Wahrnehmung von – allgemein gesprochen – Zeichen aus, aber als kulturelles Phänomen entwickelt es sich eher gemächlich, nicht anders als der Buchdruck. Zweifellos gibt es in Bezug auf den Buchdruck und das Internet jeweils einen historischen Moment, der im weiteren kulturellen Rezeptionsprozess symbolische Kraft erlangt hat. Im Fall des Buchdrucks ist klar, dass dieser Moment in der Person Gutenbergs und des Drucks der 42-zeiligen Bibel 1454 besteht; schon berühmte Zeitgenossen wie der spätere Papst Enea Silvio Piccolomini sahen das so. Im Fall des Internet ist das schwieriger, weil sich die Sache zunächst eher im Stillen entwickelte. Die meisten Bücher über das Internet favorisieren das Jahr 1991 mit der so genannten Erfindung des WWW durch Tim Berners-Lee vom CERN in Genf, ich halte allerdings dafür, dass wir uns für den entscheidenden Moment, wie schon im Falle Gutenbergs, am Papst, diesmal einem zu dem Zeitpunkt, um den es geht, amtierenden, orientieren: 1995 erlaubte Papst Johannes Paul II. die Freischaltung der ersten Website des Vatikan. [13] 1995 ist das Jahr, post quem das Web wahrhaftig die Welt eroberte. Diskussionswürdig bleibt die Frage, wann die fundamentalen Transformationen, um die es geht, erreicht waren bzw. erreicht sein werden. Die zitierten Momente sind qualitativer, aber nicht quantitativer Natur; die Rede von fundamentalen Transformationen visiert jedoch quantifizierbare Phänomene an, das Erreichen der so genannten kritischen Masse, für die ein bestimmtes Medium lebenswichtig wird.

Medienrevolutionen sind Teil einer umfassenden Veränderung einer Kultur oder von Kulturen im Plural. Kultur – ich gehe von einem semiotischen Kulturbegriff aus – ist als ein sehr komplexer Code zu verstehen, der den Sinn oder Widersinn und die Bedeutungen, die menschlichem Tun und Handeln und Denken inhärent sind, codiert – manchmal eindeutig, zumeist aber zwei- und mehrdeutig! Die Zeichen dieses Codes sind vielfältig, auf einer mittleren Ebene werden sie komposit und bilden Subcodes aus: Gemeint mit dieser kompositen Ebene sind Texte, Bilder, musikalische Kompositionen, architektonische Gebilde, Gestik, Mode, Inszenierungen (die mehrere Subcodes miteinander verbinden), nicht zuletzt das WWW.

Wie in der Semiotik sind Bezeichnendes und Bezeichnetes im Konnex zu betrachten. Was bedeutet somit das Netz – hier in der doppelten Bedeutung von Internet und Web – kulturell und kulturgeschichtlich? Das Netz bedeutet zunächst einmal selbst einen Subcode, der bestimmte Transformationen codiert.

Um was für ein Was? handelt es sich, das in der kulturhistorischen Perspektive das Netz als Sprache oder Subcode übersetzt? Das Was ist die nicht-essentialistische, nämlich hybride, fluide, volatile, hypertextuelle Zivilisation, die unsere Gesellschaft zunehmend charakterisiert und die teilweise als Praxis, teilweise als Chance bzw. Schicksal, teilweise aber als Vision – manche würden sagen: Horrorvision – besteht. Hybridität, Fluidität, Volatilität, Hypertextualität, sind in erster Linie global verbreitete großstädtische, metropole Realitäten, die jedoch über ihren direkten Verwirklichungsraum hinaus zivilisationsbildend wirken. Der Zusammenhang zwischen dem Netz als Codierung und der Zivilisation, dem Was, das es codiert, ist keineswegs nur metaphorisch. Die Welt, in der das Netz eine signifikante Bedeutung erlangt hat und von der aus es andere Räume und Köpfe erobert, ist die Zivilisation der metropolen Stadt, in der die sozialen, ökonomischen, religiösen, politischen, kulturellen und anderen Gefüge einen tiefgreifenden Wandel durchmachen, indem sie vom Gefüge zum Netz bzw. Hypertext mutieren.

Der Wandel bezieht sich infolgedessen auf die Auflösung von stabilen Gebundenheiten, Gebundenheiten an soziale, ökonomische, religiöse, politische, kulturelle, berufliche Gruppen. Gebundenheit oder anders ausgedrückt: Loyalität, wird durch Fluidität und Volatilität, oder anders ausgedrückt: durch zeitlich begrenzte und nur noch relative Loyalitäten ersetzt. Das menschliche Individuum nimmt eine neue Position ein: Es handelt sich nicht einfach um die Fortsetzung eines historischen Individualisierungsprozesses, sondern um den Beginn eines neuen Typus. Historisch gehören stabile Gebundenheiten oder Loyalitäten und essentialistische Konzeption des Individuums ebenso zusammen wie in der neuen Zivilisation zeitlich begrenzte und nur noch relative Loyalitäten mit dem Typus der Hybridität korreliert sind.

In der pessimistischen Sichtweise wird dieser Wandel als Verlust interpretiert; dabei wird aber übersehen, dass an die Stelle der essentialistischen Konstellation eine neue tritt, die sich mit dem Wort Kohärenz charakterisieren lässt. Hybridität, Fluidität, Volatilität, Hypertextualität sind erforderlich, um in einer wie noch nie in Fluss geratenen Welt Kohärenzen zu erzielen. Essentialismus kann sich sehr kontraproduktiv auswirken, wenn er Kohärenzbildung verhindert. Es ist unrichtig, Hybridität, Fluidität und anderes mehr mit Wertelosigkeit, Amoralität, Verlorenheit, Identitätsverlust und anderen negativen Begriffen in Verbindung zu bringen.

Wie dem auch sei: In Bezug auf das Thema Geschichte im Netz bleibt festzuhalten, dass das Netz (Internet und Web) den anskizzierten zivilisatorischen Wandel codiert. Das ist – und damit komme ich auf die begrifflichen Abwägungen zu Beginn des Vortrages zurück – die ‚Geschichte, die sich im Netz vollzieht‘.

Die Veränderung unserer Zivilisation bringt eine durchschlagende Veränderung geschichtswissenschaftlicher Grundpositionen mit sich. Unsere Alltagswelt, oder sagen wir: die Gegenwartsgeschichte, funktioniert mehr und mehr nach dem Hypertext-Muster, verständlich wird uns aber auch vergangene Geschichte, wenn wir sie wie einen Hypertext sehen lernen, so dass deren Repräsentation im Medium des Hypertextes adäquat erscheint. Die grundsätzliche Position, von der aus wir Geschichtswissenschaft betreiben, ändert sich radikal. Die Fragen, die wir an die Geschichte stellen, das ist ein banaler Lehrsatz, sind an unsere Gegenwart rückgebunden, genauer: an unsere gegenwärtige Positionierung, die sich darin ausdrückt, dass wir, die einen mehr, die anderen weniger, immer mehr Elemente des vorhin beschriebenen hybriden, fluiden, volatilen, hypertextuellen Individuums annehmen. Wir brauchen nur die Ansätze, Konzepte und Theorien der letzten zehn bis fünfzehn Jahre Revue passieren lassen, die die Geschichtswissenschaft heute prägen: Kulturgeschichte – oft im weiteren Gewand der cultural studies und der historischen Kulturwissenschaften; Kommunikationstheorien, integrationsgeschichtliche Ansätze, also Ansätze, die Kohärenzbildungen untersuchen, und die vom zeitgeschichtlichen Feld der Erforschung der europäischen Integration sowohl auf die antike, wie die mittelalterliche, wie die (früh-)neuzeitliche Geschichte ausgedehnt wurden; Beziehungsgeschichte(n), die je nach Fokus Kulturtransferforschung, histoire croisée, entangled history, Internationale Beziehungen genannt werden; historisch-semiotische Ansätze; nicht zuletzt der Netzwerkbegriff als Begriff mit theoretischem Anspruch, der zunehmend zur kategorialen Einordnung historischer Untersuchungsgegenstände verwendet wird. [14]

Als Vision ergibt sich ein neues Beziehungssystem, das aus den Komponenten Netzwerk-Zivilisation, Konzeptualisierung der Geschichtswissenschaft als Wissenschaft geschichtlicher Kohärenzen im Netzwerk und ihrer Zeitschichten, Web als Netzwerkmedium und dem hypertextuellem, fluidem, volatilem Individuum besteht.

Das Netz als Code wird sich kaum mehr statisch wie derzeit noch präsentieren: Die in Zukunft typische historische Website wird eher dem Typus des Webgame entsprechen: Die erwähnte multidisziplinäre und multimediale Herangehensweise, gegebenenfalls im Modus der Globalität, hat ja den tieferen Sinn, Geschichte nicht mehr selektiv, sondern komposit zu sehen und zu verstehen. Multidisziplinarität und Multimedialität als Forderung sind in dem Maße gewachsen, wie sich die metropole Netzwerkzivilisation entwickelt hat, aus der unsere an die Gegenwart rückgebundenen historischen Fragestellungen resultieren. Das Potenzial von Multidisziplinarität und Multimedialität wird erst dann ausgeschöpft, wenn diese Ansätze im Verbund mit der möglichen Technik genutzt werden, um Geschichte, das heißt geschichtliche Kohärenzen gewissermaßen im Fluss, fließend darzustellen und ebenso zu verstehen. Das Netz codiert die gegenwärtige transformierte Zivilisation besser als die alten Medien, und es codiert unsere neuen Sichtweisen auf Vergangenes adäquater.

Wir wissen nicht, wohin uns dieser Fluss führt, aber so wie vor circa 2.700 Jahren die Europa, nachdem sie ihre anfängliche Angst überwunden hatte, beherzt auf dem Rücken des Stiers ausharrte und das Meer durchquerte, kann ich zum Abschluss nur rufen: „Alle Historiker/innen auf ins Netz!“

***

Prof. Dr. Wolfgang Schmale ist Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Wien, Institut für Geschichte. Seine geschichtswissenschaftliche Forschungsschwerpunkte sind Geschichte und Neue Medien, Europa, Frankreich, Menschenrechte, Männlichkeit, Kulturtransfer. Details unter: <http://www.univie.ac.at/igl.geschichte/mitarbeiter/mitarbeiterangaben_schmale.htm>.


[1] Für kritische Lektüre des Textes danke ich: Jakob Krameritsch, Marion Romberg, Martin Gasteiner (alle Wien).

[2] Vgl. z.B. die Website zur Ausstellung „Österreich ist frei“, die einen „Unterrichtsleitfaden“ anbietet: <http://www.oesterreichistfrei.at/lehr1.htm> (letzter Aufruf 05.04.2006).

[3] Zur Information: <http://www.heartsofiron2.com/> (05.04.2006).

[4] Ich beziehe mich auf eine im Entstehen begriffene Diplomarbeit von Daniel Hufler, Wien, über „Der Zweite Weltkrieg in Computerspielen“.

[5] Nentwich, Michael, Cyberscience. Research in the Age of Internet, Wien 2003.

[6] Vgl. beispielsweise Bolter, Jay David; Grusin, Richard, Remediation. Understanding New Media, Cambridge/Mass 1999; Kümmel, Albert; Scholz, Leander; Schumacher, Eckhard (Hgg.), Einführung in die Geschichte der Medien, Paderborn 2004.

[7] Völker-Rasor, Anette (Hg.), Oldenbourg Geschichte Lehrbuch. Frühe Neuzeit, München 2000.

[8] Vgl. Krameritsch, Jakob, Geschichte(n) im Netzwerk. Hypertext und dessen Potenziale für die Produktion, Repräsentation und Rezeption der historischen Erzählung. Dissertation Universität Wien 2005.

[9] Vgl. <http://www.pastperfect.at/>.

[10] Geleitet von Jakob Krameritsch und Wolfgang Schmale; das Projekt wurde mit dem Medidaprix-Förderpreis 2004 sowie dem Medidaprix-Publikumspreis 2004 ausgezeichnet.

[11] Houellebecq, Michel, Extension du domaine de la lutte, Paris 1994. Houellebecq beschäftigt sich in seinen Romanen nicht zuletzt mit der Bedeutung elektronischer Medien aus gesellschaftskritischer und zukunftskritischer Sicht.

[12] Jaspers, Karl, Vom Ursprung und Ziel der Geschichte, München 1949.

[13] Zehnder, Matthias W., Geschichte und Geschichten des Internets, Kilchberg 1998, S. 80.

[14] Vgl. zur Begriffsbildung: Schulz, Matthias, Netzwerke und Normen in der internationalen Geschichte. Überlegungen zur Einführung, in: Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft 17 (2004), S. 1-14. In Bezug auf Neue Medien vgl. Castells, Manuel, Das Informationszeitalter. Band 1: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft. Band 2: Die Macht der Identität. Band 3: Jahrtausendwende, Opladen 2001, 2002, 2003.


Grußwort des Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

von Günter Stock

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich darf Sie sehr herzlich zu unserer Podiumsdiskussion mit dem Thema Vom Nutzen und Nachteil virtueller Informationswelten für die Historie begrüßen. Diese gemeinsame Veranstaltung unseres Akademievorhabens Jahresberichte für deutsche Geschichte mit dem Fachportal Clio-online bildet den Abschluss der mehrtägigen Tagung .hist 2006. Geschichte im Netz – Praxis, Chancen, Visionen.

Das hier an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften betriebene Akademievorhaben Jahresberichte für deutsche Geschichte ist einzigartig, nicht nur – aber auch –, weil es von externen Gutachtern so gesehen wird, die ihm bescheinigt haben, dass es zur „internationalen Vorhut“ und damit zur Spitze unter den geschichtswissenschaftlichen Bibliografien gehört. Die Jahresberichte können auf eine 125-jährige Tradition in der historischen Fachinformation zurückblicken. Das für ihre Gründung wesentliche Ziel, nämlich der durch einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht mehr zu bewältigenden, enormen Informationsflut in vernünftiger Weise beizukommen und diese einem qualifizierten Zugang zuzuführen, gilt heute mehr denn je. Insoweit ist es auch nicht verwunderlich, sondern nur konsequent, dass die Jahresberichte bereits sehr früh den Weg der EDV-gestützten Arbeitsweise beschritten und damit die Basis für das heutige digitale Informationsangebot, also für die frei zugängliche Online-Datenbank, geschaffen haben.

Der intensive Zugriff auf diese Datenbank zeigt, dass die Jahresberichte für deutsche Geschichte zu den wissenschaftlichen Vorhaben und Projekten zählen, die bei der Integration der digitalen Technologie in ihre Arbeitsabläufe und bei der Nutzung des Internets für die Bereitstellung der Ergebnisse am weitesten fortgeschritten sind. Daher ist es für unsere Akademie besonders erfreulich zu sehen, dass dieses Vorhaben zu einem elementaren Bestandteil der digitalen historischen Fachinformationslandschaft geworden ist. Die Mitbegründung des Kooperationsverbundes Clio-online ist nur eine logische Konsequenz dieser Entwicklung.

Nicht nur aufgrund dieses Projekts, aber auch mit durch dieses und andere Projekte veranlasst, hatte die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften bereits frühzeitig eine Initiative namens „Telota“ (= the electronic life of the academy) ins Leben gerufen. Sie fungiert als Klammer für alle Aktivitäten der Akademie, die der Förderung von Forschung, Kommunikation und Präsentation durch elektronische Medien dienen – eine Aktivität, die unsere Internetpräsenz kontinuierlich erhöht und uns zunehmend besser in die Lage versetzt, über wissenschaftliche Inhalte weithin und fast mühelos, auf jeden Fall ohne Zeitverzug zu kooperieren und zu kommunizieren.

Neben dem Faktor Zeit sollte bei dem Einsatz elektronischer Medien immer auch an den Vorteil gedacht werden, der sich darin manifestiert, dass der Zugang zu relevanten Informationen und deren Verbreitung mit relativ geringer Infrastruktur möglich geworden ist – ein Novum und mittlerweile ein Essential wissenschaftlichen Arbeitens. Unsere Aufgabe, (wissenschaftliches) Wissen zu verbreiten, ist jedoch nur halb erfüllt, wenn die Information für die Gesellschaft nicht breit gestreut und leicht zugänglich ist. Es gilt daher, das Internet als Instrument für eine globale Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und geistiger Reflexion zu fördern. Diesem Grundverständnis entsprechend bekannte sich unsere Akademie bereits früh dazu, die neuen Formen der Wissensverbreitung nicht ausschließlich in der klassischen Form, sondern zunehmend auch nach dem Prinzip des „offenen Zugangs“ über das Internet zu fördern.

Konsequenterweise gehörte die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften daher 2003 – gemeinsam mit den großen deutschen Forschungsorganisationen, aber auch dem französischen Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) zu den Unterzeichnern der „Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities“ – ein Prinzip, das wir aktiv unterstützten.

Meine sehr verehrten Damen und Herren: Während es relativ leicht ist, den Nutzen des elektronischen Mediums darzustellen, sollte gleichwohl auch Raum gegeben werden darüber zu reflektieren, an welcher Stelle Nachteile oder – um in der Sprache des Mediziners zu bleiben –: „unerwünschte Wirkungen“ gleichzeitig ausgelöst werden. Und hier will ich – ebenfalls in Anlehnung an meine Erfahrungswelt – auf kurzfristig sichtbar werdende, aber vor allem auf sehr viel schwieriger sichtbar zu machende, langfristige unerwünschte Folgen verweisen: Gibt es solche? Und wie kann man eventuell deren Auftreten vermeiden?

Ich finde es richtig, dass unser Akademievorhaben sich dieser Frage mit einer Podiumsdiskussion unter Beteiligung ausgewiesener Expertinnen und Experten nähert, und ich danke Ihnen allen ganz herzlich, dass Sie sich die Zeit nehmen, diese Problematik mit uns heute Abend zu vertiefen. Christoph Cornelißen, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Kiel und gleichzeitig neuer wissenschaftlicher Projektleiter der Jahresberichte für deutsche Geschichte, danke ich insbesondere dafür, dass er die Moderation dieses wichtigen Podiumsgesprächs übernommen hat. Abschließend bleibt mir an dieser Stelle nur noch, dem Akademie Verlag, der uns in diesem Projekt sehr treu zur Seite steht, sowie dem Verlag Vandenhoeck & Ruprecht für die freundliche Unterstützung Dank zu sagen. Ihnen allen, meine sehr verehrten Damen und Herren, wünsche ich einen interessanten und spannenden Diskussionsabend.

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Prof. Dr. Dr. h. c. Günter Stock ist Mitglied des Wissenschaftsrates und des Senats- und des Verwaltungsrates der Max-Planck-Gesellschaft, Vize-präsident der MPG, Senator der DFG, Senator der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Mitglied in verschiedenen Kuratorien, Mitglied mehrerer Aufsichtsräte und wissenschaftlicher Institutionen. Seit Januar 2006 ist er Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.


Podiumsdiskussion: „Vom Nutzen und Nachteil virtueller Informationswelten für die Historie“

Zusammenfassung von Daniel Schlögl

Podiumsdiskussion anlässlich der Tagung .hist 2006 am 24.02.2006 im Leibniz-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin

Teilnehmer/innen:

Christoph Cornelißen, Universität Kiel (Moderation)

Friedrich Kittler, Humboldt-Universität zu Berlin

Claudia Lux, Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Winfried Schulze, Universität München

Manfred Thaller, Universität Köln

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Das Internet, stellt Christoph Cornelißen in seiner Einführung fest, ist inzwischen zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Wissenschaftspraxis geworden. Jedoch ist die anfängliche Euphorie teilweise einer gewissen Skepsis gewichen. Die virtuellen Informationswelten mit ihren Chancen und Risiken stellen die Geschichtswissenschaft vor grundlegende Fragen: Kann die Wissenschaft mit ihren herkömmlichen, oft nur schwer verständlichen Diskursen der Geschwindigkeit und Omnipräsenz virtueller Angebote noch Stand halten? Bringt die Tendenz zur Visualisierung einen Wandel der Geschichtsbilder mit sich? Wie verändern sich Auffassung von Quellen und herkömmliche Fragen der Quellenkritik? Wer wird künftig historisch relevante Informationen im Netz bereitstellen, wer wird sie wissenschaftlich kontrollieren? Wie steht es um die Kosten für die Nutzung der Informationen? Trotz der komplexen Thematik sind Pessimismus oder Beliebigkeitszynismus aber nicht angebracht. Mit Blick auf die vermeintlich neue Informationsflut hat Peter Weingart herausgearbeitet, dass sich die Wissenschaft bereits seit dem 18. Jahrhundert in einer Phase des exponentiellen Wachstums befinde. Auch das Phänomen der selektiven Wahrnehmung sei nicht erst mit dem Internet eingetreten; schon von jeher dürften sich circa 80 Prozent aller Zitate auf nur 20 Prozent aller gedruckten Artikel bezogen haben. [1] Nichtsdestoweniger sind starke Unterschiede in der Wahrnehmung der virtuellen Informationswelten festzustellen: Während Praktiker und Netzaktivisten vielfach noch ein ungebrochenes Verhältnis zu ihrer Tätigkeit haben, ist die Stimmung auf Seiten der herkömmlichen Wissenschaft auch durch Skepsis, Zurückhaltung und Unsicherheit gekennzeichnet.

Winfried Schulze weist darauf hin, dass auch die Diskussion um Vor- und Nachteile des Internets keineswegs neu ist, sondern bereits seit Jahren geführt wird. Die schnelle Zugänglichkeit von Rezensionen, aktuellen Zeitungsartikeln und digitalisierten Quellen haben die Techniken der Informationsbeschaffung für Historiker erheblich verändert. Insgesamt stehen jedoch noch zu wenig Inhalte frei im Netz; vielfach werden nur Meta-Informationen angeboten, während die eigentlichen Informationen im Druck oder über Umwege wie zum Beispiel JSTOR verfügbar sind. Eine Stärkung der Open Access-Bewegung ist demnach dringend erforderlich; die wenigen vorhandenen geschichtswissenschaftlichen Portale reichen für eine substantielle Anreicherung des Internets nicht aus. Hingegen sind schon jetzt die neuen Kommunikationswege von erheblichem Nutzen für die akademische Lehre, indem sie eine zeitsparende Begleitung von Lehrveranstaltungen und persönliche Betreuung ermöglichen. Das Problem, dass fremde Inhalte in Studienarbeiten hineinkopiert werden, hält sich durch die vorhandenen Kontrollmöglichkeiten in Grenzen. Was die Geschichtswissenschaft als Ganzes angeht, sieht Schulze eine Parallelität zwischen dem Aufbau des Internets und der inzwischen beklagten thematischen Offenheit von Geschichtswissenschaft. Diese Tendenz hat zwar einerseits zu einer erfreulichen Themenvielfalt geführt. Andererseits erweist sich das Verschwinden kanonisierter Auffassungen und Themen als Problem; es fehlen die großen Geschichtsdebatten in der Öffentlichkeit, die früher für Bewegung gesorgt haben. Insgesamt jedoch ist die Synthese-Aufgabe guter Geschichtsschreibung noch nicht in Gefahr. Die Vorteile der Internetnutzung überwiegen eindeutig, so dass in Anlehnung an Kant gefordert werden kann: „Wage zu denken und auch im Netz zu schreiben“.

Friedrich Kittler sieht bei den Historikern/innen ein deutliches Defizit hinsichtlich der Beschäftigung mit dem Internet und seiner Geschichte. Imperien und Mächte sollten stärker von ihren technischen Medien und Netzen her gedacht werden. Wie im antiken Persien das Botensystem oder ab dem 19. Jahrhundert die Einrichtung von Tiefseekabeln und Funknetzen, prägen auch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten in hohem Maße die Gegenwart. Der Ursprung des Internets liegt im militärischen Sektor: Ausgehend von der Vernetzung von 26 Kommandozentralen und Eliteuniversitäten in Nordamerika hat sich ein System entwickelt, in dem Rechneradressen miteinander kommunizieren und der Weg einer Nachricht nicht mehr vom Absender oder Empfänger, sondern von der Nachricht selbst bestimmt wird. Kittler plädiert dafür, die neuen Strukturen von Computern, Netzen und Daten für das Denken und Arbeiten aufzugreifen und auch bei der Analyse historischer Phänomene anzuwenden. Beispielsweise könnte damit die Chronologie der Vorsokratiker neu gefasst werden.

Manfred Thaller verweist zunächst auf größere Entwicklungstendenzen: Der DFG-Ausschuss für wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme, auf dessen Förderung circa 80 bis 90 Prozent aller bei .hist 2006 vorgestellten Projekte beruhen, geht in einem Perspektivpapier für die kommenden zehn Jahre davon aus, dass das digitale Informationsmedium zum Standard für die Informationsversorgung werden wird. Die Bedeutung des Buches als bibliothekarisches Sammelgut tritt damit zurück. Künftig werden als Standard digitale Angebote erstellt und aus diesen in vielen Fällen Bücher generiert – mit der Folge, dass diese Informationsangebote in allen Bibliotheken verfügbar sein werden. Ausgehend von den vorhandenen Projekten ist die Digitalisierung historisch relevanter Buchbestände in großem Umfang vorgesehen, so dass die essentielle historische Überlieferung komplett digital zur Verfügung stehen wird. Aktuell wird die Digitalisierung der vom 16. bis zum 18. Jahrhundert erschienen Bücher, soweit sie in den Nationalbibliografien nachgewiesen sind, diskutiert. Der Forderungskatalog der DFG enthält darüber hinaus das Ziel, möglichst alle digitalen Angebote miteinander zu vernetzen. Vor diesem Hintergrund besteht bei den Infrastruktureinrichtungen ein erheblicher Nachholbedarf hinsichtlich der Ausweitung der IT-Kenntnisse. Für die Historiker bedeuten die technischen Möglichkeiten wichtige Chancen: 1. Nachdem die Entkanonisierung der Geschichtswissenschaft auch dazu geführt hat, dass die Editionsreihen ihre zentrale Rolle als gemeinsame Materialgrundlage der Forschung eingebüßt haben, bietet die massenhafte Bereitstellung digitalisierter Originalquellen die Chance, das entstandene Dilemma zwischen der Ausweitung der Gegenstandsbereiche und der bislang vielfach fehlenden Überprüfbarkeit der Aussagen zu überwinden. 2. Die bislang geltende Voraussetzung, dass die Beschreibung einer Quelle erheblich einfacher und günstiger ist als ihre Reproduktion, ist nicht mehr gültig. Die Geschichtswissenschaften stehen künftig vor der neuen Herausforderung von jederzeit und massenweise verfügbaren unedierten Quellen. 3. Die Informationswissenschaft ließ sich in den vergangenen Jahrzehnten von grundlegenden Annahmen leiten, wonach Wissen präzise und widerspruchsfrei ist. Das Internet hingegen ist durch Merkmale und Probleme gekennzeichnet, die dieser Annahme diametral entgegengesetzt sind. Aufgrund ihrer Fachkultur wären Historiker deutlich besser geeignet, mit den Herausforderungen des Internets umzugehen. Die Disziplin müsste aber zunächst lernen, mit den Entwicklungen konstruktiv umzugehen, um die neuen Medien mitbestimmen und dadurch gewinnen zu können.

Aus dem Bibliotheksbereich berichtet Claudia Lux, dass die Digitalisierung schon jetzt eine Schwerpunktaufgabe darstellt. Die Bibliotheken fordern aber eine deutlich darüber hinaus gehende nationale Digitalisierungsinitiative. Derzeit wird auf europäischer Ebene zwar in die Herausbildung von Strukturen und Standards investiert; für die historische Forschung käme es aber vielmehr auf die konkrete Bereitstellung von Inhalten an. Immer noch beziehen sich Historiker hauptsächlich auf das Printmedium, während sich etwa Schüler bei Rechercheaufträgen auf CD-ROM, DVD und Video konzentrieren. Auch in der geschichtswissenschaftlichen Forschung muss es zu einer viel stärker multimedialen Entwicklung kommen, insbesondere da sich ein Teil der Historiker den neuen Medien noch weitgehend verschließt und diese nur am Rande benutzt. Angesichts der Beobachtung, dass viele Studenten erst gegen Ende ihres Studiums Bibliotheken aufsuchen, ist es unumgänglich, das Erlernen von Informationskompetenz und Recherchetechniken nicht nur als Pflichtleistung in das Studium, sondern auch als Unterrichtsfach an den Schulen zu verankern. Hinsichtlich der weiteren Beitragsmöglichkeit der Bibliotheken verweist Lux auf das Beispiel der von der Library of Congress gestarteten Initiative World Digital Library, entstanden aus dem Projekt American Memory. [2] Anders als bei Massendigitalisierungsinitiativen wie derjenigen von Google wird hier qualitativ auf den insbesondere für die Geschichte relevanten Bereich gesetzt. Die Größenordnung der finanziellen Förderung – 15 Millionen Dollar vom amerikanischen Kongress, weitere 45 Millionen Dollar von Stiftungen und Unternehmen – wäre beispielhaft für eine ähnlich gelagerte deutsche Initiative.

Kontrastiv zur grundsätzlich positiven Einschätzung der Diskutanten/innen weist Cornelißen auf mögliche Nachteile des Internets hin: Die erleichterte Zugänglichkeit von Informationen erschwert es, die Originalität von Studienleistungen zu überprüfen. Eine gewisse Tendenz zur Bequemlichkeit gefährdet traditionelle Arbeitsweisen der Historiker; wesentliche Erlebnisse bei der Archivarbeit wie etwa die Erfahrung von Authentizität und unvorhersehbare Funde drohen damit zu entfallen. Dem steht zwar eine neuartige Form von Entdeckungen im Internet gegenüber. Die Vielzahl und die Länge der ohne ausreichende qualitative Kontrolle ins Netz gestellten Texte, gerade auch im Bereich der Rezensionen, führen aber zur Übersättigung. Ist demnach trotz aller bisherigen Pluralisierung eine Einschränkung der Perspektiven zu befürchten?

Hinsichtlich der Kontrolle von Studienleistungen sieht Schulze keine besondere Gefahr gegeben. Auch der Verlust des „goût des archives“ ist kaum zu befürchten – das Internet erleichtert zwar die Verfügbarkeit von Quellen, ersetzt aber nicht generell die Recherche vor Ort, zumal für die Auswertung von archivischem Massengut wie etwa Rechnungsbüchern. Die entscheidenden Fragen, an denen Historiker arbeiten sollten, werden weiterhin von der Gesellschaft und nicht vom Netz vorgegeben.

Dem Bedürfnis nach Kontrolle steht Lux grundsätzlich skeptisch gegenüber: Seit dem Einsetzen der Publikationsflut wurde an den Bibliotheken festgestellt, dass diese Möglichkeit nicht mehr gegeben ist. Der Zugang zu fehlerhaften Informationen ist auch im Internet offen.

Thaller benennt es als eine primäre Fähigkeit des Historikers, den Wert eines Dokuments beurteilen zu können. Ähnlich dem unterschiedlichen Renommee von Verlagen im Printbereich kann auch im Internet zwischen weniger ernst zu nehmenden und seriösen Informationsanbietern – etwa Universitäten und akademische Selbstorganisationen – unterschieden werden. Bezüglich der Befürchtung, die Archivnähe der Historiker könnte abnehmen, gibt Thaller zu bedenken, dass aufgrund der gestiegenen Studentenzahlen der Zugang zu Originalquellen aus konservatorischen Gründen stetig schwieriger geworden sei. Mit der Möglichkeit, digitalisierte Quellen ohne institutionelle Hemmnisse via Internet sehen zu können, könnten Studenten auch besser den Umgang mit den Quellen erlernen.

Bezüglich der Kontrollierbarkeit von Studienleistungen ist Kittler davon überzeugt, dass Betrug letztendlich primär den Betrügenden selbst schadet.

Schulze weist darauf hin, dass gegenüber dem früher sehr eingeschränkten Zitierhorizont in den letzten 20 Jahren eine dramatische Veränderung in der Geschichtsschreibung stattgefunden hat. Der bibliografische Erfahrungshorizont ist weltweit geworden. Es besteht nicht mehr die klare professionelle Dominanz einer bestimmten Denkhierarchie, sondern stattdessen eine aufgebrochene Szene ohne klare Positionen. Beispielsweise wird die Historiografie der Französischen Revolution entgegen der traditionellen Dominanz der Pariser Lehrstühle heute eher von amerikanischen Forschern geprägt. Das eigentliche Problem der aktuellen Geschichtsschreibung ist es demnach, diese weltweiten Entwicklungen wahrzunehmen und in eine konsensfähige Rekonstruktion für die Gegenwart zu integrieren: Wo setzt man die Schwerpunkte, wenn man die Welt im Hintergrund hat?

Auf die Nachfrage von Lux, ob das „Früher“ eher im Sinne einer Beschränkung oder einer Beschränktheit zu analysieren sei, führt Schulze weiter aus, dass die ehemals fest gefügten Schulen der Interpretation historischer Ereignisse durchaus eine hilfreiche Beschränkung dargestellt hätten. Die heutige Situation trägt zur Problematik um die Wirkung der Geisteswissenschaften bei: Es gibt nicht mehr in gleicher Weise die kanonisierungs- und damit auch streitfähigen Gegenstände, an denen sich das Fach abarbeitet und die der – für die Wissenschaftsförderung entscheidenden – Politik vermittelt werden könnten. Anstelle der großen Meistererzählungen und Mandarinfiguren gibt es nun ein weites Feld, das integriert werden muss. Zwischen dem generellen Differenzierungs- und Pluralisierungsphänomen und dem, was konkret mit dem Internet geschieht, besteht eine Rückkopplung – es gilt, diesen Zusammenhang in den Griff zu bekommen.

Auch Kittler sieht es als notwendig, aber noch nicht hinreichend an, sich mit der Internetentwicklung und der Globalisierung der Historiografie vertraut zu machen. Er unterstreicht die Notwendigkeit, das Netz nicht nur als Kommunikationsmedium zu nutzen, sondern auch die Formen und Datenstrukturen zu adaptieren, die Computern und Datennetzen inhärent sind. Die Anwendung computerlogischer Strukturen zur Modellierung einfacher Sachverhalte, etwa Genealogien, würde die Geschichtswissenschaft weiterführen. Auch das Werk Shadows and enlightenment des Kunsthistorikers Michael Baxandall [3] , der mit Rendering-Techniken französische Gemälde auf ihre fotografische Treue hin analysiert hat, verdient in diesem Zusammenhang Beachtung.

Cornelißen greift den Gedanken der Enthierarchisierung auf: Gibt es in der neuen Informationswelt anstelle der Mandarine neue verborgene Hierarchien, etwa über das Google-Ranking? Besteht ein Wettbewerb zwischen den Informationen anbietenden Bibliotheken? Wie steht es um die Konkurrenz zwischen europäischen und amerikanischen Angeboten, wie werden diese finanziert?

Lux führt aus, dass trotz der Förderung durch die DFG noch nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen. Die Bibliotheken haben teilweise eigenständig Gelder requiriert oder auch auf Haushaltsmittel zurückgegriffen, wie etwa die ZLB für die Digitalisierung des Berliner Adressbuchs. Eine starke Zentralisierung im Bereich der Digitalisierung wäre nicht zielführend, vielmehr ist eine breit angelegte Kooperation unterschiedlicher Akteure – bis hin zu lediglich historisch Interessierten – notwendig. Sowohl Bibliotheken als auch Archive würden ihre Schätze in einem Großprojekt digitalisieren wollen; auch Museumsbestände sollten digitalisiert werden. Ideen und Initiativen sind zahlreich vorhanden, die Diskussion um Standards schreitet voran, doch es fehlen die Mittel zum Start groß angelegter Projekte. Lux plädiert für ein gemeinsames und energischeres Auftreten von Bibliotheken und Historikern; bestimmte Gelder wären für inhaltliche Projekte nachhaltiger angelegt als für wiederholte betriebswirtschaftliche Analysen. Trotz der zwischen den Bibliotheken bestehenden Konkurrenzen existieren gemeinsame Projekte, etwa die European Digital Library. Ein weltweiter Vergleich zeigt, dass in Asien bereits erhebliche Fortschritte erzielt worden sind: China digitalisiert in großem Umfang Zeitungen und hat mit der Digitalisierung seiner Bibliotheksbestände begonnen. Auf den Philippinen wurde in einem einjährigen Projekt das Nationalgut vollständig digitalisiert. Wo stehen wir?

Dazu merkt Thaller an, dass die Bundesrepublik im internationalen Vergleich sehr viel besser dasteht als gemeinhin angenommen wird. Gemessen an der Zahl der digitalen Objekte liegt Deutschland wohl vor Frankreich und etwa gleichauf mit England. Schwachstelle ist vielmehr die an den föderalen Strukturen scheiternde Vermittlung der digitalen Angebote in Form gemeinsamer Sucheinstiege. Bezüglich der Kostenfrage geht die DFG davon aus, dass die experimentelle Phase der Digitalisierung inzwischen überwunden ist. Für die Digitalisierung sämtlicher Inkunabeln in der Bundesrepublik – dies entspricht etwa 80 Prozent aller bis 1500 in Europa gedruckten Bücher – müsste ein Betrag zwischen fünf und zehn Millionen Euro aufgewendet werden, wobei davon auszugehen ist, dass die Digitalisierungskosten in den kommenden Jahren noch um jeweils zehn Prozent sinken werden.

Auf Fragen aus dem Publikum hin entwickelt sich zunächst eine Diskussion um das Nebeneinander von konventionellen und digitalen Medien. Kittler plädiert für eine Parallelität von Alt und Neu, zumal Digitalisate nicht alle Eigenschaften des Originals aufweisen können, dessen Realitätsdichte womöglich erst in Jahrhunderten erfasst werden kann. Bei allen Medienrevolutionen sind auch die alten Medien immer erhalten geblieben. Auf die Frage von Lux, wie sich Historiker den Medienmix wünschen, fordert Schulze eine Konzentration der Zeitschriften auf den digitalen Bereich. Gedruckte Zeitschriften kommen lediglich dem Gewinnstreben der Verlage entgegen und haben keine Berechtigung mehr. Bezüglich des Wandels in der Geschichtsschreibung führt er aus, dass historisch gesehen alle Pluralisierungsbemühungen immer wieder in neuen Autoritätsbildungen aufgefangen worden sind; Pluralisierung fasert niemals endlos aus, sondern resultiert in neuen Kanonisierungsversuchen, die dann erneut pluralisiert werden. Die Geschichtsschreibung hat dies längst erkannt: Anstelle der überkommenen gottgleichen, festschreibenden Erzählperspektive haben Historiker eine „moderierende Geschichtsschreibung“ entwickelt, die in die Darstellung bereits die unterschiedlichen Perspektiven integriert. Ranke wollte zeigen, wie es eigentlich gewesen ist. Heute wollen Historiker nicht nur zeigen, wie es gewesen ist: Die neue Geschichtsschreibung berücksichtigt idealerweise auch, was aus dem Beobachteten geworden ist, wie es unterschiedlich gesehen worden ist und welche Wirkung dies wiederum erzielt hat. Unterschiedliche Ansätze verlieren demnach an Bedeutung und werden integriert in ein komplexer gewordenes Bild, aber immer noch in der Absicht, die Darstellung mit einer überschaubaren Seitenzahl an die Rezipienten heranzubringen, ohne die die Historiografie nicht leben kann.

Auch Thaller will das Buch nicht generell abschaffen, für ihn ist jedoch die Frage entscheidend, in welchen Fällen man sich die Publikation in Buchform leisten kann. Die Geschäftspolitik bestimmter internationaler Verlage sieht er als Gewinnoptimierung und Ausplünderung des Steuerzahlers. Es ist zu hinterfragen, ob eine nicht mehr veränderliche oder anpassbare Form in allen Fällen die ideale Form darstellt, oder ob zum Führen wissenschaftlicher Diskussionen eine Form sinnvoller ist, in der die Aussagen in sehr kurzen Abständen dynamisch fortgeschrieben und geändert werden können.

Cornelißen stellt abschließend fest, dass die Diskussion um Nutzen und Nachteil der neuen Medienlandschaft für die Geschichtsschreibung noch intensiver werden wird, nicht zuletzt aufgrund der elektronischen Medien selbst. Notwendig wären zunächst noch mehr propädeutische Hilfsmittel für den Umgang mit den Angeboten des virtuellen Informationsmarktes, nicht nur für Studierende, sondern auch für Dozierende. Die Tatsache, dass viele Lehrende die neuen Möglichkeiten noch nicht bzw. zurückhaltend nutzen, stellt angesichts der bereits erreichten Qualität vieler Angebote ein sehr bedauerliches Defizit dar. Sowohl Forscher als auch Internetspezialisten sollten sich demnach um Strategien und Hilfsmittel für die Überwindung dieser Diskrepanz zwischen Angebot und Nutzung bemühen.

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Prof. Dr. Christoph Cornelißen hat den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel inne und ist Projektleiter des Akademienvorhabens Jahresberichte für deutsche Geschichte an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Prof. Dr. Friedrich Kittler ist Lehrstuhlinhaber für Ästhetik und Geschichte der Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin und stellvertretender Direktor des Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik.

Hon.-Prof. Dr. Claudia Lux leitet als Generaldirektorin die Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Sie ist designierte Präsidentin des Weltverbandes der Bibliotheken (IFLA).

Prof. Dr. Winfried Schulze hat den Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München inne.

Prof. Dr. Manfred Thaller ist Lehrstuhlinhaber für Historisch-Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung an der Universität zu Köln.


[1] Weingart, Peter, Die Stunde der Wahrheit? Zum Verhältnis der Wissenschaft zu Politik, Wirtschaft und Medien in der Wissensgesellschaft, Weilerswist 2001.

[2] Siehe <http://www.loc.gov/>.

[3] Baxandall, Michael, Shadows and enlightenment, New Haven 1995.


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