Band 12 • 2009 | ISBN: 978-3-86004-251-9 | "Qualitätsmessung, Evaluation, Forschungsrating. Risiken und Chancen für die Geschichtswissenschaften?" |
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Stellungnahme zum Rating des Wissenschaftsrates
Werner Plumpe Beim nachfolgenden Beitrag handelt es sich um meine Stellungnahme für den Historikerverband im Rahmen eines am 4. April 2009 vom Wissenschaftsrat in Bonn abgehaltenen Workshops über disziplinäre Forschungsratings.
I.
Die Diskussion zum Forschungsrating wird im Historikerverband seit dem Sommer 2008 intensiv geführt. Ende Juni 2008 lehnten Vorstand und Ausschuss des Verbandes eine Teilnahme einstimmig ab, übergaben das Problem der letztgültigen Entscheidung aber der Mitgliederversammlung in Dresden und den dort neuzuwählenden Leitungsgremien. Im Vorfeld des Dresdner Historikertages wurde der Wissenschaftsrat über den Stand der Diskussion im Verband informiert. Die angebotene Möglichkeit, das Verfahren in Dresden erneut zu erläutern, nahm der Wissenschaftsrat an. Im Anschluss an diese Erläuterungen kam es zu einer kontroversen Diskussion in der Mitgliederversammlung, die ohne Entschließung endete. Insofern blieb der Beschluss vom Sommer 2008 in Kraft. Anfang Dezember 2008 führten Vorstand und Ausschuss des Verbandes mit Peter Strohschneider, dem Vorsitzenden des Wissenschaftsrates, eine offene und konstruktive Diskussion zur Frage des Ratings und sagten zu, im Anschluss an eine öffentliche Debatte im Sommer 2009 endgültig zu entscheiden, ob der Historikerverband das Rating unterstützen wird. Der Verband informierte daraufhin seine Mitglieder über das Verfahren und bat um Stellungnahmen auch von Seiten der Historischen Institute.
[1]
Bis heute ist eine Anzahl von Stellungnahmen eingegangen, die in der großen Mehrzahl das Verfahren ablehnen bzw. sehr skeptisch sehen und eine Teilnahme von erheblichen Vorbedingungen abhängig machen. Die Zahl der Befürworter, die es gibt, ist geringer; auch hier wird das Rating zumeist nur unter bestimmten Bedingungen befürwortet. Von acht Seminaren, die sich bisher geäußert haben, lehnen sechs eine Teilnahme ab. Die Debatte wird fortgeführt werden; Ende Mai 2009 soll in Berlin auf einer Podiumsdiskussion zum Thema noch einmal öffentlich diskutiert werden, bevor am 4. Juli 2009 in der gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Ausschuss des Historikerverbandes eine endgültige Entscheidung über die Unterstützung bzw. Ablehnung des Ratings durch den Verband fallen wird. Auch ein zustimmendes Votum würde aber nicht bedeuten, dass alle Institute zu einer Beteiligung bereit sein werden. Eine Anfrage an den Wissenschaftsrat wäre, wie mit der Möglichkeit, dass eine nicht ganz geringe Zahl von Instituten sich verweigert, umgegangen werden soll.
II.
Die Befürworter des Verfahrens argumentieren in aller Regel ex negativo, das heißt, sie beurteilen eine Nichtteilnahme des Verbandes am Rating als nachteilig für das Fach Geschichtswissenschaft im bundesweiten Wettbewerb um die Zuweisung von Ressourcen und öffentlicher Reputation. Da das Rating des Wissenschaftsrates zudem durch Fachkollegen getragen werde, könne in diesem Rahmen außerdem ein mäßigender Einfluss auf das Bewertungsverfahren ausgeübt werden, der in konkurrierenden, durchweg abgelehnten Ranking- und Ratingverfahren fehle. Zur Frage, ob Ratings und dann auch ggf. das angestrebte Rating des Wissenschaftsrats an sich sinnvoll seien, wird in der Regel keine Stellung bezogen. Die Argumentation geht folgerichtig in die Richtung zu sagen, da Ratings nicht vermeidbar und unter Umständen folgenreich seien, sei es das beste, wenn man ein Verfahren wie das des Wissenschaftsrates unterstütze, da man sich hiermit auch gegen konkurrierende Verfahren wertender und messender Amateure wehren könne.
III.
Die ablehnenden Stimmen erkennen an, dass der Versuch des Wissenschaftsrates durch die Bereitschaft der Einbeziehung qualitativer Beurteilungen aufgrund des Oeuvres zu einen Rating zu kommen, ihn deutlich von vergleichbaren Unternehmen absetzt. Dennoch haben sie vielfältige Bedenken. Zunächst wird grundsätzlich der Sinn und die Bedeutung des Ratings in positiver Hinsicht bezweifelt. Hier könne es allein aufgrund der Unmöglichkeit, ein dynamisches Fach wie die Geschichtswissenschaft parametrisch gleichsam in einer Momentaufnahme abzubilden und wertend zu erfassen, zu keinen sinnhaften Resultaten kommen. Was dabei herauskomme, seien teilweise quantifizierte, immer aber parametrisierte Informationen für politische Diskussions- und Entscheidungsprozesse, die gemessen an der Realität des Faches unterkomplex seien, der Politik aber das Gefühl des Informiertseins durch die Wissenschaft selbst vermittelten. Auf diese Weise bediene der Wissenschaftsrat letztlich die politische Illusion, Wissenschaft lasse sich parametrisch durch das Setzen bestimmter Anreize steuern, und fördere damit die Herausbildung und Verfestigung strategischer Verhaltensweisen, die zumindest in den Geisteswissenschaften die akademische Kultur zerstörten. Das Fach habe es aber weder nötig noch sei es im eigenen Interesse verpflichtet, die gefährlichen Illusionen der derzeit politisch hegemonialen Strömungen zu bedienen. Sodann fragen sich viele Kollegen, wie – unterstellt, ein Rating sei an sich möglich – es unter den vorgesehenen Bedingungen überhaupt zu sinnvollen Ergebnissen kommen könne. Zumindest müsste das Rating von nun an in regelmäßigen Abständen wiederholt und zu identischen Bedingungen durchgeführt werden, um das sich dauernd ändernde Fach überhaupt abbilden und einigermaßen zutreffende Aussagen machen zu können. Punktaufnahmen, die zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung schon nicht mehr aktuell seien, könne niemand ernsthaft wollen, würden aber faktisch zementiert, da die Daten nach ihrer Publikation nicht mehr kontrollierbar seien, obgleich auch der Wissenschaftsrat anerkenne, dass das Verfahren noch in einem Versuchsstadium ist. Wenn überhaupt, sei ein solches Verfahren nur in einem regelmäßigen Rhythmus durchzuführen. Dies aber absorbiere derart große Kapazitäten, dass sich viele Historikerinnen und Historiker nicht nur fragen, ob Aufwand und Ertrag in einem angemessenen Verhältnis stehen, sondern wie unter diesen Bedingungen gleichzeitig exzellente Forschung, vorzügliche Lehre und eine verbesserte Selbstverwaltung bei gleichzeitiger laufender Änderung der Lehr- und Studienordnungen und deren permanenter Evaluation überhaupt praktisch durchgeführt werden können. Das Rating sei mithin nicht nur problematisch; bezogen auf die Verbesserung der Bedingungen an den Universitäten sei es geradezu kontraintentional. Sodann machen sich unsere Kolleginnen und Kollegen große Sorgen darüber, ob die sachliche, gegenständliche und methodische Vielfalt, ja Heterogenität unserer Disziplin in einem schematischen und schematisierenden Verfahren überhaupt angemessen zum Ausdruck gebracht werden kann. Insgesamt bestehen mithin neben der grundsätzlichen Skepsis auch erhebliche Zweifel an der Praktikabilität des vorgesehenen Ratings. Skepsis und Zweifel begründen daher zusammen die Haltung, den Verband zur Ablehnung des geplanten Ratings aufzufordern.
IV.
Nimmt man die vielen skeptischen Stimmen und Überlegungen zusammen, dann schält sich eine Anzahl von Punkten heraus, die in jedem Fall zu berücksichtigen sind, sollte es trotz aller Zweifel zum Rating kommen. Ich benenne nur einige prominente Punkte, andere können in der Diskussion ergänzt werden:
- die jeweilige finanzielle und institutionelle Lage der zu begutachtenden Einheiten ist differenziert ins Kalkül zu nehmen;
- die spezifischen Standortfaktoren der unterschiedlichen Universitäten und Forschungsstätten sind zu berücksichtigen;
- es ist genau anzugeben, auf welche Ressourcen der historischen Seminare das Forschungsrating zugreifen wird;
- die Zahl der gutachtenden Kollegen ist entsprechend der Heterogenität des Faches hoch anzusetzen; die gutachtenden Kolleginnen und Kollegen benötigen ausreichend Zeit für ihre Arbeit, insbesondere durch die Gewährung zusätzlicher Freisemester;
- die Beteiligung von Emeriti am Verfahren ist zu vermeiden;
- eine Begrenzung der herangezogenen Texte auf 50 Seiten ist nicht sinnvoll; gerade umfangreiche Monographien können den Höhepunkt eines wissenschaftlichen Oeuvres bilden und sind in den meisten Teilen der Geschichtswissenschaft international besonders anerkannt. Sie müssen daher angemessen einbezogen werden, was durch eine pröbchenweise Lektüre nicht geschehen kann; bei der Bewertung von Beiträgen in Zeitschriften ist auf dort u.U. genutzte Rankinglisten zu verzichten;
- die Lage des wissenschaftlichen Nachwuchses ist gesondert zu berücksichtigen;
- die Situation der kleinen Fächer ist angemessen zu berücksichtigen, u.a. bei der Gutachterauswahl;
- es ist sicherzustellen, dass die Ergebnisse des Ratings transparent verwendet werden;
- insgesamt ist das Verhältnis von Aufwand und Ertrag genau zu bedenken.
Zusammenfassend kann ich daher im Moment nur sagen, dass der Diskussionsprozess läuft, die Stellungnahmen außerordentlich heterogen sind, aber insgesamt Skepsis und Zweifel doch überwiegen. Keinesfalls kann der Historikerverband zum jetzigen Zeitpunkt seine Beteiligung zusagen; es ist sehr gut denkbar, aber nicht prognostizierbar, dass er im Sommer zu einem negativen Ergebnis kommt. Wir hoffen, in der Diskussion der kommenden Wochen mehr Klarheit zu gewinnen, damit dann im Sommer eine verantwortliche Entscheidung fallen kann.
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Werner Plumpe ist seit 1999 Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Seine Hauptforschungsgebiete sind die Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Neuzeit, Unternehmens- und Industriegeschichte und die Geschichte der ökonomischen Theorie. Er ist seit Herbst 2008 Vorsitzender des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD).
[1] Ein PDF-Kopie des Schreibens an die Mitglieder des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands und Geschäftsführenden Direktoren der Historischen Institute und Seminare an deutschen Hochschulen findet sich auf der Webseite der Historikerverbandes unter der URL: http://www.vhd.gwdg.de/pdf/2009-01-mitgliederbrief2.pdf.
Das Forschungsrating des Wissenschaftsrats
Elke Lütkemeier Im Zuge des tiefgreifenden Wandels, in dem sich das deutsche Hochschul- und Wissenschaftssystem derzeit befindet, haben öffentliche Leistungsvergleiche wissenschaftlicher Einrichtungen erheblich an Bedeutung gewonnen. Hierzu zählen insbesondere Rankings, deren Ergebnisse von den Hochschulen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und, sofern sie günstig ausgefallen sind, in der eigenen Öffentlichkeitsarbeit gerne zitiert werden. Viele Hochschulen übernehmen auch Indikatoren, die für Rankings verwendet werden, in ihre internen Zielvereinbarungen, um ihre Platzierungen zu verbessern. Studienanfänger wiederum nutzen oftmals Rankings zur Orientierung bei der Suche nach einem geeigneten Studienort.
Angesichts der Folgen, die Rankings für die wissenschaftlichen Institutionen haben, und ihrer häufig unkritischen Aufnahme erscheint es jedoch umso problematischer, dass die Methodik vieler Rankings nicht transparent ist und die Wissenschaft bei ihrer Fortentwicklung keine Mitsprache hat. Der Wissenschaftsrat
[1]
hat sich daher eingehend mit Zielen und Methoden von Rankings befasst und im November 2004 Empfehlungen zu Rankings im Wissenschaftssystem vorgelegt. Darin hat er bestehende Rankings einer methodischen Kritik unterzogen und ein Verfahren für ein Forschungsrating entwickelt. Hierbei handelt es sich um ein neuartiges Verfahren zur vergleichenden Bewertung von Forschungsleistungen. Eine erste Pilotstudie in den beiden Fächern Chemie und Soziologie hat gezeigt, dass das Verfahren zu aussagekräftigen Ergebnissen führt und einen wesentlichen Fortschritt in der methodischen Entwicklung von Verfahren der Forschungsbewertung darstellt.
[2]
Im Mai 2008 hat der Wissenschaftsrat daraufhin beschlossen, das Verfahren für ein Forschungsrating schrittweise weiterzuentwickeln. In einem nächsten Schritt sollen zwei weitere Fächer, und zwar eine Geistes- und eine Technikwissenschaft, in das Forschungsrating einbezogen werden, um zum einen die Vorschläge zur Weiterentwicklung des Verfahrens aus der Pilotstudie umzusetzen und zum anderen zu überprüfen, ob das Verfahren auch in diesen Wissenschaftsgebieten, die hinsichtlich der Bewertung von Forschungsleistungen als schwierig gelten, anwendbar ist.
Die für die Durchführung des Forschungsratings verantwortliche Steuerungsgruppe hat für die Geisteswissenschaften die Geschichtswissenschaft ausgewählt. Ausschlaggebend war die Überlegung, die Anpassung des Verfahrens möglichst an einer der repräsentativeren Geisteswissenschaften zu erproben. Zudem sprechen die Größe, die innere Komplexität, die interdisziplinären Bezüge sowie die Vielzahl außeruniversitärer Forschungseinrichtungen für die Wahl der Geschichtswissenschaft.
Die Entscheidung des Wissenschaftsrats, ein geisteswissenschaftliches Fach in die Weiterentwicklung des Forschungsratings einzubeziehen, stößt auf eine lebhafte Debatte zur Qualität von Forschungsleistungen in den Geisteswissenschaften und den Möglichkeiten ihrer Bewertung. Angestoßen wurde diese Debatte sicher nicht zuletzt auch durch die Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Entwicklung und Förderung der Geisteswissenschaften in Deutschland
[3]
, in denen einerseits die Leistungen der Geisteswissenschaften entgegen der bis dahin verbreiteten Krisenbeschwörung eine besondere Würdigung erfahren haben. Andererseits hatte der Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen aber auch konkrete Forderungen erhoben, eine Verständigung über disziplinäre Standards herzustellen und angemessene und formalisierte Bewertungsverfahren und -kriterien zu entwickeln. Das Forschungsrating des Wissenschaftsrats ist in besonderer Weise geeignet diesem Desiderat Rechnung zu tragen, da es von seiner Konzeption ausdrücklich darauf ausgerichtet ist, fachspezifische Besonderheiten zu erfassen und einer Bewertung zugänglich zu machen. Es bietet somit eine gute Möglichkeit, zur Klärung von Qualitätskriterien in den Geisteswissenschaften beizutragen. Im Folgenden sollen daher die Grundzüge und Chancen dieses Verfahrens näher beleuchtet und insbesondere die Möglichkeiten einer fachspezifischen Anpassung des Verfahrens an Beispielen der ersten Pilotstudie in den Fächern Chemie und Soziologie verdeutlicht werden.
Wissenschaftsgeleitetes Verfahren
Wissenschaft kann nur von Wissenschaftlern angemessen beurteilt werden. Zu den wichtigsten Wesensmerkmalen des Forschungsratings zählt daher, dass das Verfahren explizit von der Wissenschaft gestaltet wird. Vertreten wird die Wissenschaft im Forschungsrating durch Fachgutachter in den Bewertungsgruppen und durch die Beteiligung der jeweiligen Fachgesellschaften.
Verantwortlich für die erste Pilotstudie sowie auch für die Weiterentwicklung des Forschungsratings ist eine Steuerungsgruppe, die neben Mitgliedern der wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats und weiteren Sachverständigen auch institutionelle Vertreter der großen Wissenschaftsorganisationen (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Hochschulrektorenkonferenz, Max-Planck-Gesellschaft, Leibniz-Gemeinschaft) auf Vizepräsidenten-Ebene sowie Gäste aus Länderministerien und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung umfasst. Für die ausgewählten Fächer setzt die Steuerungsgruppe jeweils eine Bewertungsgruppe ein. Besetzungsvorschläge werden dabei von den genannten Wissenschaftsorganisationen und den jeweils einschlägigen Fachgesellschaften erbeten.
[4]
In der ersten Pilotstudie bestanden die Bewertungsgruppen aus 15 bzw. 16 Gutachtern, die in der Bewertungsphase durch weitere Sondergutachter unterstützt wurden. Bei der Besetzung der Bewertungsgruppen wurde insbesondere auf eine breite Abdeckung der wichtigsten Teilgebiete des jeweiligen Fachs sowie auf die internationale Erfahrung der Gutachter geachtet. Zu den wesentlichen Aufgaben der Bewertungsgruppen zählen die definitive Abgrenzung des Fachgebiets, die fachspezifische Umsetzung der Kriterien (das heißt die Auswahl der Informationen, die der Bewertung zugrunde gelegt werden), die Entwicklung der entsprechenden Fragebögen sowie natürlich die Vornahme der eigentlichen Bewertungen.
Mehrdimensionalität der Bewertung
In dem Forschungsrating des Wissenschaftsrats werden die Forschungsleistungen von Universitäten und außeruniversitären Instituten in drei Dimensionen (Forschung, Nachwuchsförderung, Wissenstransfer) nach insgesamt sechs Kriterien (I. Forschungsqualität, II. Impact/Effektivität, III. Effizienz, IV. Nachwuchsförderung, V.Transfer in andere gesellschaftliche Bereiche, VI. Wissensvermittlung und –verbreitung) bewertet, wobei diese Ergebnisse ungewichtet nebeneinander gestellt werden.
Jeder Einrichtung werden zwei Berichterstatter nach fachlicher Kompetenz und unter Ausschluss von Befangenheiten zugeordnet. Zunächst nehmen diese individuelle Bewertungen vor, die anschließend in mehreren Sitzungen der gesamten Bewertungsgruppe plenar diskutiert und abgestimmt werden. Die Bewertungen werden auf einer fünfstufigen Notenskala von nicht befriedigend bis exzellent angegeben. Dabei wird nicht jeder Indikator unmittelbar in eine bestimmte Note übertragen, sondern immer mehrere quantitative und qualitative Angaben zusammen betrachtet. Die Fachgutachter können aus der Übersicht der verschiedenen Indikatoren ein differenziertes Urteil geben, das somit nie allein durch Zahlenwerte bestimmt ist. Dieses Vorgehen würde seinen Sinn verlieren, wenn abschließend eine Gesamtnote über alle Kriterien ermittelt würde. Folglich findet keine Verrechnung zu einem Gesamtwert statt und es werden auch keine Rangreihenfolgen mit Rangplätzen gebildet. Dadurch dass die Bewertungen aller Kriterien nebeneinander bestehen bleiben, kann für jede Einrichtung ein individuelles Profil erstellt werden, das ihre Leistungen in den einzelnen Bewertungskriterien unabhängig voneinander zeigt. Die verschiedenen Aufträge der einzelnen Einrichtungen werden auf diese Weise berücksichtigt und individuelle Stärken und Schwächen sichtbar gemacht.
Hinsichtlich der Dimension Forschung ist hervorzuheben, dass zwischen dem absoluten Beitrag der Einrichtung zur Entwicklung der Wissenschaft im Fachgebiet und darüber hinaus („Impact/Effektivität“) und einem auf die Größe bzw. den Ressourceneinsatz relativierten Beitrag („Effizienz“) unterschieden wird. Dadurch wird sowohl sichtbar, welche Einrichtungen im jeweiligen Fach eine wichtige Rolle spielen, als auch, welche Einrichtungen die vorhandenen/eingesetzten Mittel am besten nutzen. Eine weitere Differenzierung wird mit dem Kriterium Forschungsqualität vorgenommen, das auf Ebene sogenannter Forschungseinheiten bewertet wird. Bei der Definition dieser Forschungseinheiten zeigten sich in den Fächern der ersten Pilotstudie deutliche fachspezifische Unterschiede, die den Kooperationsgepflogenheiten der beiden Fächer Rechnung tragen: So wurden in der Chemie in der Regel größere Einheiten mit durchschnittlich sechs leitenden Wissenschaftlern gemeldet (Beispielsweise „Institut für Physikalische Chemie“, „Institut für Biochemie“), während in der Soziologie fast 75 Prozent aller Einheiten nur je eine Professur umfasste (Lehrstuhlprinzip).
Fachspezifische Operationalisierung
Die Dimensionen und Kriterien stellen den übergeordneten Rahmen des Forschungsratings dar, der möglichst für alle Fächer gelten soll. Die einzelnen erhobenen Informationen dagegen, welche die eigentliche Bewertung erst ermöglichen, sind von Fach zu Fach unterschiedlich. Sie werden von den Fachvertretern, das heißt den Mitgliedern der jeweiligen Bewertungsgruppen, erarbeitet. Hier ergibt sich für die Fachvertreter ein erheblicher Gestaltungsspielraum, der von den Bewertungsgruppen der ersten Pilotstudie auch entsprechend genutzt wurde. Dies sei an den Kriterien Forschungsqualität und Transfer verdeutlicht: Während in der Chemie zur Bewertung der Forschungsqualität unter anderem eine Zitationsanalyse durchgeführt wurde, war dies in der Soziologie wegen der deutlich heterogeneren, neben Zeitschriftenartikeln insbesondere auch Monografien umfassenden Publikationspraxis nicht möglich. Stattdessen wurden die Wissenschaftler gebeten, ihre besten Publikationen aus dem Erhebungszeitraum einzureichen. Je nach Größe der Forschungseinheit wurde ein mehr oder weniger großer Satz an Publikationen eigener Wahl angefordert. Eingereicht werden konnten Auszüge von Monographien (von nicht mehr als 50 Seiten), Aufsätze in Zeitschriften (auch E-Journals), Beiträge zu Sammelwerken sowie Literaturberichte und Rezensionen. Diese Lektüre ermöglichte ein unmittelbar qualitatives Urteil über die Forschungsleistung einer gegebenen Forschungseinheit. Die umfangreiche Lektüre gehörte in der Pilotstudie Soziologie zu den zentralen Bestandteilen der Bewertungsarbeit und bestimmte in hohem Maße die Bewertung der Forschungsqualität. Bezüglich des Kriteriums „Transfer in andere gesellschaftliche Bereiche“ stand in der Chemie der Transfer in die Industrie im Vordergrund, der sich unter anderem an Patenten, Lizenzen, Spinoffs und Industriemitteln zeigt. In der Soziologie dagegen bezog sich die Bewertung des Transfers vor allem auf die Beratung von Politik und Verbänden im Rahmen beratender Ämter, Projekte und Gutachten.
Auch im Rahmen der Weiterentwicklung des Forschungsratings anhand eines geisteswissenschaftlichen Fachs wird die Definition der Vorgaben für die Lektüre bzw. die Einreichung von Publikationen sowie die Festlegung der weiteren Bewertungsaspekte in der Hand der einzurichtenden Bewertungsgruppe liegen. Über deren Zusammensetzung entscheidet die Steuerungsgruppe in Absprache mit dem Vorsitzenden der Bewertungsgruppe auf der Basis von Vorschlägen, die insbesondere von den jeweiligen Fachgesellschaften und den großen Wissenschaftsorganisationen erbeten werden. Zur Erweiterung ihrer Kompetenzen kann die Bewertungsgruppe zudem noch im Verfahren Ergänzungen vornehmen und zum Beispiel Sondergutachter für Spezialgebiete bei der Bewertung hinzuziehen.
Die Ergebnisse der Operationalisierung durch die Bewertungsgruppen werden für die zu bewertenden Fächer in einer Tabelle festgehalten, in der den einzelnen Kriterien Bewertungsaspekte und diesen die verwendeten Indikatoren zugeordnet werden. Diese sogenannte „Bewertungsmatrix“ wird jeweils zu Beginn der Datenerhebung veröffentlicht, um transparent zu machen, wie die Daten verwendet werden.
Informed-Peer-Review
Anders als in den verbreiteten Rankings wird die Bewertung von Fachgutachtern vorgenommen, denen für jede zu bewertende Einrichtung umfangreiche Daten vorgelegt werden, und zwar sowohl quantitative als auch qualitative Informationen. Beispielsweise gingen in der Pilotstudie Soziologie in die Bewertung der Nachwuchsförderung als quantitative Informationen die Promotionszahlen, die Anzahl der Promotionsstipendien plus Doktorandenstellen, die Anzahl der Postdocstipendien und Nachwuchsgruppenleiter sowie die Zahl der Rufe an Nachwuchswissenschaftler ein. Als qualitative Informationen kamen hinzu die Selbstbeschreibung von Maßnahmen und Erfolgen der Nachwuchsförderung sowie Auflistungen der abgeschlossenen Dissertationen (mit Verlagsangabe), der strukturierten Promotionsprogramme sowie der Rufe an Nachwuchswissenschaftler. Bei dem Forschungsrating handelt es sich also keineswegs um eine quantitative Studie, sondern um ein kombiniertes Verfahren mit quantitativen und qualitativen Bewertungsaspekten und einer hohen Bedeutung von Peer-Bewertungen.
Chancen und Aussichten
Aufgrund seiner konzeptionellen Merkmale wie „Informed-Peer Review“, fachspezifische Operationalisierung durch Fachgutachter, Mehrdimensionalität der Bewertungen einschließlich der Differenzierung der Forschungsqualität nach Forschungseinheiten bietet das Forschungsrating einen erheblichen Mehrwert gegenüber anderen Verfahren der Qualitätssicherung. Hierzu zählen
- die Möglichkeit der beteiligten Disziplinen, sich aktiv an dem Diskurs über die Qualität von Forschung zu beteiligen, die Bewertungsprozesse aktiv mitzugestalten und bei hochschulpolitischen Entscheidungen nicht wissenschaftsfernen und fachunangemessenen Bewertungen zu unterliegen,
- die Erarbeitung validerer Informationen über wissenschaftliche Leistungen als Drittmittelstatistiken und herkömmliche Rankings und damit deren Relativierung im öffentlichen Diskurs,
- die Stärkung der Selbststeuerungsfähigkeit wissenschaftlicher Einrichtungen durch die Bereitstellung adäquater Kriterien für leistungsorientierte Mittelvergabe.
Gerade die Chance, dass die Wissenschaft im Angesicht administrativ notwendiger Steuerungsverfahren die Hoheit über den Qualitätsdiskurs der Forschung zurückgewinnt, ist für den Wissenschaftsrat ein wesentlicher Grund, die Entwicklung eines solchen Verfahrens zu erproben. Fairerweise muss man dem Forschungsrating allerdings zugestehen, dass sich dieses Verfahren noch in einer Erprobungsphase befindet und nicht jegliche Probleme antizipiert und im Vorfeld ausgeschlossen werden können. Gleichfalls müssen unerwünschte Anreizeffekte von Leistungsvergleichen beobachtet und durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Methode sowie durch begleitende Maßnahmen ausgeglichen werden. Ebenso gilt es sorgsam abzuwägen und zu prüfen, ob der Nutzen der Ergebnisse in einem angemessenen Verhältnis zum Aufwand des Verfahrens steht. In einem ersten Schritt haben daher Mitglieder der Steuerungsgruppe auf einem Workshop im Dezember 2008 mit Beteiligten aus der Pilotphase und Nutzern der Ratingergebnisse diskutiert, wie die Informationen, die durch das Rating erzeugt werden, bislang genutzt werden und wie sie ggf. besser auf den Bedarf der Adressaten ausgerichtet werden können. Darüber hinaus wurden die Daten der Pilotstudie dem Zentralarchiv der GESIS übermittelt und damit weiteren Nutzern für Sekundäranalysen zur Verfügung gestellt.
Die Entwicklung angemessener Kriterien und Bewertungsverfahren für die Geisteswissenschaften stellt angesichts der Komplexität der beteiligten Fachgebiete sowie des fachspezifischen Diskursstiles und Publikationsverhaltens sicherlich eine besondere Herausforderung dar, die nicht nur erhebliche reflexive Anstrengungen, sondern auch ein großes Maß an gegenseitigem Vertrauen erfordert. Ob dies tatsächlich gelingen kann, gilt es im Rahmen einer erweiterten Pilotphase des Forschungsratings des Wissenschaftsrates zu prüfen. Dies kann selbstverständlich nur in Form eines Annäherungsprozesses vonstatten gehen, in dessen Verlauf unterschiedliche, in anderen Fachgebieten erprobte und bewährte Kriterien auf ihre Anwendbarkeit in den Geisteswissenschaften überprüft sowie neue, spezifische Kriterien entwickelt werden.
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Elke Lütkemeier ist Projektkoordinatorin des Forschungsratings in der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrats.
[1] Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierung der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung.
[2] Die Empfehlungen zu Rankings im Wissenschaftssystem, Teil 1: Forschung (2004), der Bericht der Steuerungsgruppe über die Pilotstudie Forschungsrating und aktuelle Informationen zur Weiterentwicklung des Forschungsratings sind unter <http://www.forschungsrating.de> (11.05.2009) abrufbar.
[3] Wissenschaftsrat, Empfehlungen zur Entwicklung und Förderung der Geisteswissenschaften in Deutschland, Köln 2006.
[4] Die erste Pilotstudie wurde im Fach Chemie aktiv von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) sowie von dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) und im Fach Soziologie von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) unterstützt.
Das CHE ForschungsRanking in den Geisteswissenschaften
Sonja Berghoff Seit der Erstveröffentlichung des CHE Hochschulrankings im Jahr 1998 sind Forschungsindikatoren wesentlicher Bestandteil dieses Informationssystems. Ein Jahr vor dem ersten Erscheinen des CHE ForschungsRankings im Jahr 2002 wurden zum ersten Mal Forschungsindikatoren für die Geisteswissenschaften im Rahmen des Hochschulrankings veröffentlicht. Hier wurde den Daten seitens der Hochschulen wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht, wohingegen die gleichen Daten bei der detaillierten Aufbereitung und Veröffentlichung im CHE ForschungsRanking vielfältige Diskussion auslösten.
Das CHE ForschungsRanking
Das CHE-ForschungsRanking umfasst bislang 16 Fächer aus den Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften.
[1]
Es weist keine einzelnen Rangplätze aus. Stattdessen werden für einzelne Indikatoren Spitzengruppen ermittelt. Es basiert auf dem umfangreichen Datenmaterial, das durch die jährlichen Untersuchungen zum CHE-HochschulRanking zur Verfügung steht.
[2]
Das Forschungsranking konzentriert sich dabei ausschließlich auf die universitäre Forschung. Die Aktivitäten der Universitäten auf diesem Gebiet sollen bundesweit transparent gemacht werden.
Zur Ermittlung der wissenschaftlichen Aktivität dienen jeweils fachspezifisch die verausgabten Drittmittel sowie die Anzahl der Promotionen, Publikationen, Zitationen und Patentanmeldungen bzw. Erfindungen. Als zusätzliche Information wird die durch eine Professorenbefragung ermittelte Reputation der Universitäten in den untersuchten Fachgebieten dargestellt. Diese Information wird allerdings nicht für die Ermittlung der Gruppen forschungsstarker Einrichtungen je Fach herangezogen.
Neben den "Pro-Kopf"-Forschungsindikatoren (zum Beispiel Drittmittel pro Wissenschaftler), die auch im Hochschulranking ausgewiesen werden, werden im Forschungsranking auch die Absolutwerte (zum Beispiel Drittmittelsumme) mit berücksichtigt. Durch dieses Vorgehen werden sowohl die reine Menge an Forschungsoutput als auch die Effizienz erfasst.
Die Ergebnisse werden sowohl detailliert als auch in aggregierter Form dargestellt: Neben den Ranglisten zu den einzelnen Indikatoren werden fachbezogene Rankings erstellt. Das letzte Forschungsranking zum Fach Geschichte wurde im Dezember 2008 bezogen auf das Untersuchungsjahr 2007 veröffentlicht.
[3]
Dabei verfolgt das Forschungsranking konsequent die CHE-Ranking-Grundsätze, keine Aggregation einzelner Indikatoren bzw. eines Gesamtwertes über eine Universität insgesamt, sondern fachbezogene Darstellung der Ergebnisse, kein gewichteter Gesamtwert für die Forschungsleistung einer Fakultät, sondern Betrachtung einzelner Indikatoren, keine einzelnen Rangplätze, sondern Profile forschungsstarker Universitäten.
Qualitätssicherung in CHE ForschungsRanking
Um die Aussagekraft des Rankings sicherzustellen, bedarf es Maßnahmen zur Qualitätssicherung der eingesetzten Methoden und der erhobenen Daten. Zur Sicherung der Qualität werden vier Schlüsselfaktoren umgesetzt:
- Fachliche Impulse. Das Einholen fachlichen Rats aus der wissenschaftlichen Community. Ein fachbezogenes Ranking benötigt Impulse und Rückmeldungen zu Daten und Methoden aus den jeweiligen fachlichen Kontexten.
- Datenprüfung. Notwendig ist eine Prüfung der Plausibilität und Qualität von Daten, auch im Hinblick auf Datenmanipulationen.
- Klare Spielregeln. Bei den Befragungen wird darauf geachtet, dass qualitätssichernde Verfahren eingehalten werden.
- Verfahrenstransparenz. Erst eine Offenlegung der Methoden ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit den Verfahren.
Publikationsanalysen im CHE ForschungsRanking
Die quantitative Bewertung von Forschungsleistungen über Publikationen beruht auf einem grundlegenden Prinzip des wissenschaftlichen Kommunikationssystems: Forschungsergebnisse werden für die wissenschaftliche Fachgemeinschaft erst dann relevant und formal zurechenbar, wenn sie nach außen dokumentiert werden. Erst dann können sie öffentlich diskutiert und überprüft werden. Dabei kommt der Veröffentlichung in international führenden Fachzeitschriften die größte Bedeutung zu. Sammelbände, Konferenzbeiträge, Monographien oder elektronische Medien spielen abhängig von der Disziplin eine unterschiedliche, aber fast immer untergeordnete Rolle. Im Laufe der letzten Jahrzehnte sind große Literaturdatenbanken entstanden, in denen diese wissenschaftlichen Veröffentlichungen abgespeichert sind und mit geeigneter Retrieval-Software wieder aufgefunden werden können. Mit bibliometrischen Analysen lassen sich daher aus den Datenbanken Indikatoren für die Sichtbarkeit und den Rezeptionserfolg wissenschaftlicher Forschung gewinnen.
Aufgrund von Unterschieden in Publikations- und Zitationsverhalten und zum Teil disziplinspezifischen Datenbanken wurden für die untersuchten Fächer jeweils unterschiedliche Analysen durchgeführt. Aus diesem Grund ist auch ein fachübergreifender Vergleich der Kennwerte nicht möglich.
Grundsätzlich handelt es sich bei den ermittelten Indikatoren um Aktivitätsindikatoren, die die Teilnahme an der fachwissenschaftlichen Forschungskommunikation indizieren und – soweit möglich – um Qualitätsindikatoren, die die Resonanz der Publikationen in der Fachöffentlichkeit messen.
Basis für die bibliometrischen Analysen sind die von den Fachbereichen und Fakultäten gelieferten Namenslisten der Professoren und promovierten wissenschaftlichen Mitarbeiter. Diese werden in der Vorerhebung zur Fachbereichsbefragung mit erfasst und der Fragebogen enthält detaillierte Angaben zur Eingrenzung der zu nennenden Personengruppe. Die Listen werden im CHE geprüft, eventuell werden die Fachbereiche um Ergänzung gebeten. Doppelt genannte Personen werden recherchiert und zugeordnet.
Die personenbezogene Abfrage, die die Grundlage bibliometrischer Analysen in den CHE Rankings bildet, bedeutet für die Fachbereiche wie auch für das CHE einen deutlich höheren Aufwand als die sonst häufig verwendete institutionelle Abfrage. Dennoch zeichnen die personenbezogene Abfrage einige Charakteristika aus, die der Anlage des CHE Rankings entgegenkommen. Zum einen zeigt sich, wie ein Fachbereich für die nähere Zukunft aufgestellt ist, Publikationen der aktuell dort forschenden Wissenschaftler werden auch berücksichtigt, wenn sie an einer anderen Institution entstanden sind. Die institutionelle Abfrage dagegen zeichnet ein Bild der Vergangenheit, sie zählt, was in den letzten Jahren am Fachbereich publiziert wurde. Weiter ergeben sich bei der personenbezogenen Abfrage scharf abgegrenzte Bezugszahlen für Pro-Kopf-Größen, bei der institutionellen Abfrage muss die Zahl potentieller Autoren geschätzt werden. Werden interdisziplinäre Datenbanken wie Thompson Scientific verwendet, erfordert die institutionelle Abfrage zusätzlich eine Einschränkung der auszuwertenden Zeitschriften, eine Charakterisierung des Fachs also. Bei personenbezogener Abfrage hingegen werden alle in der Datenbank geführten Publikationen erfasst, auch beispielsweise die des Mathematikers in Astronomie-Fachzeitschriften.
Die einzubeziehenden Publikationen werden durch Abfragen in Literaturdatenbanken ermittelt, die auf Vorschlägen der jeweiligen Fachvertreter basieren. Wichtig ist, für jeden Fachbereich vergleichbare Auszüge des Publikations-Outputs zu erhalten. Dieser Auszug sollte zudem die wesentlichen Publikationstypen des Faches abdecken. Analysen in den Datenbanken von Thompson Scientific werden durch das Forschungszentrum Jülich durchgeführt, welches langjährige Expertise im Umgang mit dieser Datenbank, speziell im Hinblick auf spezifische Probleme wie Unklarheiten der institutionellen Bezeichnungen oder Namensschreibungen, hat. Für Fächer, bei denen die Verwendung dieser Datenbank unzureichend erscheint, werden zumeist national orientierte Datenbanken herangezogen. Die Abdeckung wird mithilfe der genannten Namen geprüft, die Zusammensetzung der Datenbank mit dem Publikationsverhalten im Fach verglichen. Bei Zweifeln an der Datenqualität sind auch Pilotstudien oder Einzelvergleiche anhand von Publikationslisten durchgeführt worden. Die Eignung der Datenbanken wird in jedem Zyklus neu diskutiert und falls nötig geprüft.
Mitwirkung ist unerlässlich
Insbesondere in den Geisteswissenschaften war und ist eine Anpassung der Untersuchungsmethodik an die Bedürfnisse der Fächer unerlässlich. Es sollen keinesfalls Bewertungskriterien, die für andere Fächer entwickelt wurden und dort gut funktionieren, „übergestülpt“ werden. Wo findet Kommunikation im Fach über Forschung statt? Wie lässt sich diese Aktivität geeignet abbilden? Diese Fragen lassen sich nur in Zusammenarbeit mit Fachvertretern klären.
Im Fach Geschichte fand bislang eine rege Mitarbeit an der Gestaltung des Rankings und seiner Indikatoren statt. Beratende Gespräche im Zuge der Rankingvorarbeiten sowie die Information der Mitglieder des Verbandes der Historiker und Historikerinnen und die Gründung einer Arbeitsgruppe zum Thema Methodik von Forschungsbewertung waren vielfältige Aktivitäten, die eine möglichst gute Anpassung der Methodik an die Bedürfnisse des Fach möglich machen sollten.
Denn ohne Mitwirkung und Rückmeldungen aus den Fächern ist ein angemessenes Ranking kaum zu leisten.
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Sonja Berghoff studierte Statistik an der Universität Dortmund. Dort war sie auch vier Jahre lang Geschäftsführerin des Sonderforschungsbereichs "Komplexitätsreduktion in multivariaten Datenstrukturen". Seit 2000 ist sie Mitarbeiterin am Centrum für Hochschulentwicklung CHE und besonders an der Durchführung des Hochschulrankings beteiligt.
[1] Die Überblicksseite zu den CHE-ForschungsRankings findet sich unter der URL: <http://www.che.de/cms/?getObject=78&getLang=de> (08.06.2009).
[2] Die Ergebnisse des CHE-HochschulRankings sind über ZEIT-online zugänglich unter der URL: <http://www.das-ranking.de/> (08.06.2009).
[3] Zugänglich unter der URL: <http://www.che.de/downloads/CHE_Forschungsranking_Geschichte_2007pdf_894.pdf> (08.06.2009).
Verantwortung für die Geschichtswissenschaft
Thilo Offergeld Nachdem in verschiedenen früheren Beiträgen dieses Forums Analysen und Stellungnahmen eher allgemeiner Art vorgebracht wurden, mag es angebracht sein, einen wesentlichen Anlass für die derzeit im H-Soz-u-Kult-Forum und darüber hinaus geführte Diskussion zur Qualitätsmessung in der Geschichtswissenschaft in den Vordergrund zu rücken, nämlich die in Kürze anstehende Entschließung des Historikerverbands zur Beteiligung am Forschungsrating des Wissenschaftsrats.
[1]
Es ist eine allgemeine Weisheit, dass Reformen und Neuerungen - und das Forschungsrating wäre für die Geschichtswissenschaft eine solche - die Zumutung und Anstrengung der Veränderung mit sich bringen; sie lösen daher in der Regel, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß und auf unterschiedlichem Niveau, Kritik und Abwehr aus. An Einsprüchen gegen den Bologna-Prozess, gegen Evaluationen, Rankings, die Drittmittelfinanzierung von Forschung und dergleichen mehr, herrscht denn auch kein Mangel. Von solchen Attacken und Klagereden, wie sie mit wachsender Lust an der Übersteigerung
[2]
die Feuilletonspalten und inzwischen auch Bücher füllen, ist jedoch die jetzt geforderte Positionierung des Historikerverbands strikt zu unterscheiden. Ihr Ziel kann es nicht sein, einem unter Fachkollegen verbreiteten, mehr oder minder diffusen Unmut Ausdruck zu verleihen, sondern hier ist die Verantwortung der Fachgesellschaft in einer wichtigen, für Ansehen und Bedeutung der eigenen Disziplin voraussichtlich folgenträchtigen Entscheidung gefragt. Im Kern geht es bei dieser Entscheidung um zweierlei: zum einen um das Verhältnis der Geschichtswissenschaft zur nicht-wissenschaftlichen Öffentlichkeit bzw. zum Gesamtbereich der übrigen Wissenschaft, zum anderen um Kommunikation, Orientierung, Selbstvergewisserung innerhalb der Disziplin selbst.
Der Wissenschaftsforscher Uwe Schimank hat kürzlich in einer luziden Skizze darauf hingewiesen, dass die Wissenschaft, ebenso wie alle anderen gesellschaftlichen Teilsysteme auch, von den Akteuren anderer Teilsysteme (Politik, Wirtschaft, Medien etc.) zwar Leistungen erwartet und benötigt, sich von eigener Leistungserbringung für die anderen Gesellschaftsteile prinzipiell jedoch möglichst freihalten möchte.
[3]
Aus der je eigenen Teilsystem-Optik heraus ist dies zweifellos plausibel, und mit der daraus erwachsenden Grund-Disposition dürfte der genannte Unmut unter zahlreichen Wissenschaftlern auch wesentlich zusammenhängen. Im Unterschied dazu allerdings stehen Instanzen und Organisationen, die die Wissenschaft bzw. einzelne Teilbereiche repräsentieren und führen, in der Verantwortung, über die Beschränkungen der jeweiligen Binnenperspektive und Einzelinteressen hinaus zu sehen und unter Berücksichtigung von Folgewirkungen und Wechselbeziehungen zu agieren. Dies gilt für den Historikerverband ebenso wie beispielsweise für Universitätsleitungen oder die Führungsgremien der großen Wissenschaftsorganisationen.
Im vorliegenden Fall ist daraus zu folgern, dass die Historikerzunft das Bedürfnis der Öffentlichkeit – oder genauer gesagt: der Nicht-Geschichtswissenschaft – nach Informationen über die Geschichtswissenschaft als grundsätzlich legitim ansehen und geeignete Modi der Informationsvermittlung bereitstellen muss. Zu diesen Modi aber gehört zweifelsohne eine vergleichende Übersicht über Profile und Leistungen der verschiedenen geschichtswissenschaftlichen Fach-Einheiten, wie sie mit dem Forschungsrating des Wissenschaftsrates geplant ist und gesamtdisziplinär bislang nicht existiert.
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Dass ein solches Verfahren Schwierigkeiten und Probleme aufwirft, dass es Nachteile und Tücken hat, ist dabei nicht ernsthaft zu bestreiten. Zur Pflicht der repräsentierenden Fachgesellschaft aber gehört es, durch aktive Mitgestaltung und sorgfältige Anpassung des Verfahrens auf die Spezifik des eigenen Faches diese Defizite zu minimieren. Im Fall des Forschungsratings ist eine solche Adaptation offensichtlich alles andere als unmöglich, vielmehr haben die in diesem Forum veröffentlichten Beiträge von Ulrich Herbert und Lutz Raphael, aber auch der eher skeptische von Werner Plumpe, schon die entscheidenden Anforderungen definiert, die das Verfahren erfüllen müsste, um den besonderen Bedingungen der Forschungspraxis im Fach Geschichte gerecht zu werden. Sie müssen hier nicht wiederholt werden. Ebenso muss nicht nochmals erörtert werden, dass es in diesem Verfahren nicht um rein quantitative oder gar bibliometrische Methoden gehen kann, worauf sich in manchen Forums-Beiträgen immer noch die Kritik richtet, sondern dass notwendigerweise der qualitativen, beurteilenden Leistungsermittlung eine entscheidende Bedeutung zukommt – dies ist längst Stand der Diskussion.
Einen fachgerecht entwickelten und ausreichend differenzierten Überblick über die Forschungsleistungen der wissenschaftlichen Einrichtungen im Fach zu erhalten, daran äußern nicht nur Regierungen und Parlamente als Haupt-Finanzierungs-Entscheider der geschichtswissenschaftlichen Forschung (übrigens über sämtliche Parteigrenzen hinweg) ein berechtigtes Interesse, sondern darüber hinaus auch zahlreiche andere Gruppen: so etwa die Studierenden, die sich nach Grundstudium oder Bachelor-Abschluss fragen, an welcher Hochschule sie ihre Studien geeigneterweise fortsetzen können, der Wissenschaftler der Nachbardisziplin, der sich über Qualität und Schwerpunktverteilung der Geschichtswissenschaft orientieren möchte, die Universitätsleitungen, die den Leistungsstand des Faches an ihrer Hochschule bundesweit einordnen müssen, selbstverständlich die interessierte Öffentlichkeit, aber auch der Fachhistoriker aus dem Ausland, der sich über die bundesrepublikanische Forschungslandschaft informieren will.
Überhaupt ist es bei Lichte besehen eben nicht nur die Außendarstellung der Geschichtswissenschaft, die hier gefragt ist: Mit einem wissenschaftsadäquaten Verfahren der strukturierten Leistungserfassung wäre vielmehr auch für das Fach ein wesentlicher Gewinn an Wissen über sich selbst verbunden. Hier ist Ulrich Herbert nachdrücklich zuzustimmen, wenn er festhält, dass Qualitätsdefinitionen und Kanonbildung notwendige Prozesse für wissenschaftliche Disziplinen sind – im Sinne einer Verständigung über Standards dürfte das Forschungsrating zweifellos dazu beitragen –, und dass sie, gerade in so großen und weit diversifizierten Fächern wie der Geschichtswissenschaft, die Voraussetzungen für belastbare Kommunikation innerhalb des Faches und darüber hinaus darstellen.
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Fazit: Die Kritikpunkte, die Werner Plumpe aufgeführt hat
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, insbesondere im Hinblick auf die Vertretbarkeit des Aufwands, sind ernst zu nehmen und mit Nachdruck in die Gestaltung des Verfahrens einzubringen. Insgesamt aber sollte das Fach den enormen Qualitätssprung, den das Wissenschaftsrats-Rating gegenüber den derzeit üblichen Rankings und Leistungsmessungen
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bringt, begrüßen und seine Realisierung kritisch-konstruktiv unterstützen. Mindestens die Beteiligung an einem Versuch ist zwingend erforderlich. Mit der Fundamental-Verweigerung dagegen würde die Geschichtswissenschaft sich selbst und ihrem Ansehen in Wissenschaft und Öffentlichkeit beträchtlichen Schaden zufügen.
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Thilo Offergeld ist Mittelalterhistoriker mit Schwerpunkten in der Verfassungs- und Wissenschaftsgeschichte. Nach Tätigkeiten als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Bonn und Düsseldorf ist er derzeit in der Wissenschaftsadministration tätig, seit 2009 als Leiter des Präsidialbüros, der zentralen Stabs- und Planungsstelle, der Universität des Saarlandes.
[1] Der Historikerverband hat bekanntlich auch seine Mitglieder (soweit er sie erreichen kann), zu Stellungnahmen als Diskussionsgrundlage für die Entscheidungsfindung aufgefordert.
[2] Vgl. etwa den im Anschluss an Peter Weichhart von Hanna Schissler allen Ernstes und ausdrücklich als „vortrefflich“ qualifizierten Begriff des „Exzellenzstalinismus“, der „allseits vorherrschend[e]“ sei; Qualitätsmessung: H. Schissler: Rezensionsartikel "What the Hell is Quality?", in: H-Soz-u-Kult, 12.05.2009, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/id=1099&type=diskussionen> (22.06.2009).
[3] Uwe Schimank: Humboldt: Falscher Mann am falschen Ort, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2009.
[4] Etwas anders ist die Lage u.a. bei den Instituten der Leibniz-Gemeinschaft wie dem Münchner Institut für Zeitgeschichte, wo in der Tat die regelmäßige externe Evaluation einen vergleichsweise hoch entwickelten Ansatz der Leistungsmessung darstellt; vgl. den Forums-Beitrag von Bernhard Gotto: Qualitätsmessung: Stellungnahme von Mitarbeitern des IfZ zum Vorhaben eines „Forschungsratings“ der Geschichtswissenschaften, in: H-Soz-u-Kult, 16.06.2009, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/id=1122&type=diskussionen> (22.06.2009). Eine innerfachliche Vergleichbarkeit ist hier allerdings nicht intendiert und auch potentiell nur sehr eingeschränkt gegeben.
[5] Ulrich Herbert / Jürgen Kaube: Die Mühen der Ebene: Über Standards, Leistung und Hochschulreform, in: Elisabeth Lack / Christoph Markschies (Hrsg.), What the Hell is Quality? Qualitätsstandards in den Geisteswissenschaften, Frankfurt am Main 2008, S. 37-51, hier bes. S.51; gekürzt auch in: H-Soz-u-Kult, 14.05.2009, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/id=1100&type=diskussionen> (22.06.2009).
[6] Qualitätsmessung: W. Plumpe: Stellungnahme zum Rating des Wissenschaftsrates aus Sicht des Historikerverbandes, in: H-Soz-u-Kult, 18.05.2009, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/id=1101&type=diskussionen> (22.06.2009).
[7] Hier ist darauf hinzuweisen, dass die Geschichtswissenschaft an den Leistungserhebungen des CHE-Forschungs-Rankings in großer Breite mitwirkt, und zwar ohne dass sich erhebliche Probleme oder Verzerrungen ergeben hätten. Dagegen die Mitwirkung am zweifellos niveauvolleren und fachadäquateren Verfahren des Wissenschaftsrats abzulehnen, hätte eine gewisse Absurdität. Darüber hinaus erfolgen derzeit nicht wenige Entscheidungen und Beurteilungen auf noch deutlich mangelhafterer Datenbasis; vgl. etwa Wim Blockmans: Zählen die Geistes- und Sozialwissenschaften mit?, in: Hildegard Matthies / Dagmar Simon (Hrsg.): Wissenschaft unter Beobachtung. Effekte und Defekte von Evaluationen, Wiesbaden 2007 (Leviathan Sonderheft 24), S. 213-221, bes. S. 216f.
Stellungnahme des Verbandes der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (VHD) zum Pilotprojekt des Wissenschaftsrates „Forschungsrating in den Geisteswissenschaften“
Simone Lässig Stellungnahme des Verbandes der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (VHD) zum Pilotprojekt des Wissenschaftsrates „Forschungsrating in den Geisteswissenschaften“
Der VHD würdigt grundsätzlich das Bemühen des Wissenschaftsrates, die Geisteswissenschaften in Deutschland zu fördern. Anerkennung findet dabei das Anliegen, die Fachverbände aktiv bei der Verständigung über disziplinäre Standards zu beteiligen und in gemeinsamer Arbeit disziplinspezifische Kriterien für Forschungsqualität zu erarbeiten. Dem geplanten Rating kann der VHD gleichwohl nicht zustimmen. Die Mehrheit der historischen Institute und Seminare, die zu dieser Frage Stellung genommen haben, äußert substanzielle Bedenken. Zu den wichtigsten Argumenten gehören die unklaren Kriterien und die nicht absehbaren Konsequenzen eines Ratings, das als Pilotprojekt mit explorativem Charakter konzipiert ist und dessen Repräsentativität und Reichweite daher gar nicht exakt bestimmt werden kann. Abgesehen davon wurden Fragen der Gewinnung von geeigneten Gutachtern, des zeitlichen Mehraufwandes, der ungenügenden Berücksichtigung von Standorten und von Spezifika der Teildisziplinen innerhalb der Geschichtswissenschaft aufgeworfen wie auch die Schwierigkeit betont, die sich aus der konzeptionellen Ausdifferenzierung des Faches ergibt.
Die Historikerinnen und Historiker Deutschlands sind sich ihrer Verantwortung bewusst, gegenüber der Öffentlichkeit Rechenschaft über ihr Tun abzulegen. Sie stellen sich seit langem Bewertungen und erkennen auch an, dass der Wissenschaftsrat nach Wegen sucht, um derzeit dominierenden allgemeinen Evaluationen fachspezifische Verfahren der Bewertung wissenschaftlicher Leistung entgegenzusetzen. In Zusammenarbeit mit anderen Fachverbänden und dem Wissenschaftsrat wird sich der Verband der Historikerinnen und Historiker deshalb in angemessener Form an der Suche nach geeigneten Konzepten und an ergebnisoffenen Diskussionen über die Möglichkeit der Entwicklung und Messung von Qualitätsstandards in den Geisteswissenschaften beteiligen.
Berlin, 3. Juli 2009
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Kontakte:
Prof. Dr. Werner Plumpe
Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (Vorsitzender)
c/o Goetheuniversität Frankfurt am Main, Historisches Seminar
Grüneburgplatz 1, D-60629 Frankfurt am Main
Tel: 069/798-32615; 32613
Fax: 069/798-32614
<w.plumpe@em.uni-frankfurt.de>
Prof. Dr. Simone Lässig
Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (Schriftführerin)
c/o Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung
Celler Str. 3, D-38114 Braunschweig
Tel.: +49 (0)531 123103-217 oder: 59099-52
Fax: +49 531 59099-99
<vhd@gei.de>
Stellungnahme des VHD zum CHE-Ranking
Simone Lässig Stellungnahme des VHD zum CHE-Ranking der deutschen Geschichtswissenschaft
Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) hat es durch Beschluss seines Ausschusses Anfang Juli 2009 abgelehnt, sich am fachfremden Ranking der deutschen Geschichtswissenschaft durch das CHE zu beteiligen. Er bezieht sich dabei vor allem auf die Erfahrung, dass das Verfahren keine akzeptablen Informationen über die Leistungsfähigkeit der deutschen historischen Seminare ermöglicht.
Der Verband betont dabei, dass sich die deutschen Historikerinnen und Historiker ihrer Verantwortung bewusst sind, gegenüber der Öffentlichkeit Rechenschaft über ihr Tun abzulegen. Sie zeigen sich aufgeschlossen gegenüber Bemühungen, den derzeit dominierenden allgemeinen Evaluationen fachspezifische Verfahren der Bewertung wissenschaftlicher Leistung entgegenzusetzen. In Zusammenarbeit mit anderen Fachverbänden und dem Wissenschaftsrat wird sich der Historikerverband deshalb auch in angemessener Form an der Suche nach geeigneten Konzepten und an ergebnisoffenen Diskussionen über die Möglichkeit der Entwicklung und Messung von Qualitätsstandards in den Geisteswissenschaften beteiligen.
Inzwischen haben zahlreiche historische Institute und Seminare erklärt, dass sie fachfremden Rakings ähnlich skeptisch gegenüberstehen wie der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands und sich nicht länger an CHE-Rankings beteiligen werden. Dazu zählen bisher:
Historisches Seminar der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Historisches Institut der Technischen Universität Dresden
Historisches Institut der Universität Paderborn
Historisches Seminar der LMU München
Historisches Institut der Universität Duisburg-Essen
Historisches Seminar der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Seminar für Altorientalistik der Georg-August-Universität Göttingen
Historisches Institut der Universität Stuttgart
Abteilung Geschichtswissenschaft der Universität Bielefeld
Historisches Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Historisches Seminar der TU Braunschweig
Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen
Historisches Seminar I der Universität zu Köln
Historische Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle
Institut für Geschichte und ihre Didaktik der Universität Flensburg
Historisches Seminar der Universität Leipzig
Institut für Geschichte der Universität Bamberg Hinweis:
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