Hoffmann, Björn: Die Tagespresse und der Rundfunk im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus im Vergleich

30

Kapitel 2. Die Tagespresse im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus

Im folgenden soll nun die Organisation der Tagespresse im Nationalsozialismus und im Faschismus anhand der in der Einleitung entwickelten Kategorien der institutionellen, ökonomischen und inhaltlichen Ebene dargestellt und verglichen werden.<117> Da die Ausgangsbedingungen der beiden Regime auf dem Gebiet der Tagespresse ähnlich, auf dem Gebiet des Rundfunks jedoch verschiedenen waren, wie es aus den Vergleichs- und Arbeitshypothesen hervorgegangen ist, werden die beiden Themen separat in zwei eigenen Kapiteln behandelt werden und erst im Schlußkapitel eine spezielle Würdigung erfahren. Auf die Darstellung des zeithistorischen Hintergrundes des Nationalsozialismus wie des Faschismus wurde ausdrücklich verzichtet, um mehr Raum für die Darstellung der Presse- und Rundfunkgeschichte und für den Vergleich der beiden Länder zu bekommen. Überall dort jedoch, wo der zeithistorische Hintergrund von besonderer Bedeutung für das Verständnis der Pressepolitik ist, wird dieser kurz erläutert und auf weiterführende Literatur verwiesen werden.

Die Darstellung der nationalsozialistischen Presselenkung wird grundsätzlich Ausgangspunkt des Vergleiches sein, wohingegen in die Darstellung der faschistischen Presselenkung bereits immer dort, wo es gegeben erscheint, Vergleichspunkte einfließen sollen. Dieses Vorgehen bietet sich aus zweierlei Gründen an. Zum einen ergibt sich durch die reichhaltige Forschungsliteratur zur NS-Pressepolitik eine gute Ausgangsbasis für die Darstellung und den sich anschließenden Vergleich mit der faschistischen Pressepolitik und zum anderen kann durch die vergleichende Perspektive innerhalb der Darstellung die Fragestellung der Arbeit auch am Einzelfall überprüft werden, auch wenn die Aufgabe einer ausführlichen Vergleichswürdigung erst in einem abschließenden Kapitel behandelt werden soll.


31

2.1 Chaotische Überorganisation der Presselenkung im Nationalsozialismus

Bereits seit den 60er Jahren kursiert in der wissenschaftlichen Debatte über den Nationalsozialismus die These totalitärer Polykratie,<118> wobei sich zwei Richtungen gegenüberstehen. Die eine geht davon aus, daß die vielfältigen Machtstrukturen innerhalb der nationalsozialistischen Herrschaftsausübung letztlich auf einer Kalkulation Hitlers beruhten, durch möglichst viele Kompetenzstreitigkeiten seine eigene Machtposition zu festigen, die andere dagegen nimmt an, daß der Streit um Einfluß und Macht innerhalb des NS-Staates und nicht Hitlers Machtwille zur inneren Selbstzerstörung und Handlungslähmung der nationalsozialistischen Herrschaft führten.<119>

Für den Bereich der Tagespressepolitik im Dritten Reich stellt sich die aus dieser Debatte hervorgehende Frage in hohem Maße.<120> Wenn auch die hier vorliegende Arbeit diese Debatte nicht in allen ihren Details verfolgen wird, so ist dennoch festzuhalten, daß die Kompetenzprobleme innerhalb der nationalsozialistischen Presseführung so ausgeprägt waren, daß man durchaus von einer „chaotische(n) Überorganisation“<121> bzw. einem „wuchernde(n) Ämter- und Kompetenzchaos“<122> der institutionellen Pressekontrolle des Nationalsozialismus sprechen kann, das einer effektiven Presselenkung eher hinderlich denn hilfreich war.


32

Neben der institutionellen Presselenkung existierten jedoch im Nationalsozialismus auch noch eine ökonomische und eine inhaltliche Lenkung der Tageszeitungen, die von herausragender Bedeutung waren und die die durch die Kompetenzprobleme hervorgerufenen Ineffizienzen zumindest teilweise ausgleichen konnten. Die hier vorliegende Arbeit wird daher auf alle drei Ebenen der nationalsozialistischen Presselenkung in einzelnen Kapiteln eingehen.

Die institutionelle Presselenkung

Die institutionelle Presselenkung im Dritten Reich vollzog sich im Prinzip auf drei Ebenen. Zum ersten auf der Ebene des Staates, zum zweiten auf der Ebene der Partei und zum dritten auf der Ebene des sog. »Berufsstandes«.<123> Die Ebenen selbst waren streng vertikal ausgerichtet, aber nicht strikt voneinander getrennt, sondern im Gegenteil in zentralen Positionen miteinander verwoben. So stand Joseph Goebbels als Reichspropagandaminister, Reichspropagandaleiter der NSDAP und als Präsident der Reichskulturkammer formell allen drei Ebenen vor, wobei er selbst natürlich noch Adolf Hitler als Führer und Reichskanzler unterstellt blieb.

Neben dieser eindeutig hierarchischen Gliederung erwuchsen jedoch vielfältige Kompetenzprobleme, sowohl innerhalb der einzelnen vertikalen Gliederungen als auch zu anderen Ministerien und Organisationen der Partei, was insbesondere ein Ergebnis der Neugründung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (im folgenden kurz: RMVP) gewesen war. Denn das seit dem 13. März 1933 eingerichtete RMVP hatte eine ganze Reihe an Aufgaben von anderen Ministerien und Ämtern geerbt.<124> So ging nicht nur der gesamte Mitarbeiterstab des Preußischen Presseamtes in das neue


33

Ministerium ein, sondern auch die Presseabteilung des Innenministeriums. Darüber hinaus erhielt das Ministerium die Hoheit über all jene Wirtschaftsfragen, die mit den originären Belangen der Propagandatätigkeit zu tun hatten. Nicht umsonst hatte Goebbels damit geprahlt, daß die gesamte Finanzierung des neu geschaffenen Ministeriums alleine aus den Rundfunkgebühren bestritten werden könne,<125> eine Hoheitskompetenz, über die zuvor noch das Reichspostministerium zu entscheiden hatte, das jetzt nur noch mit den technischen Fragen betraut war (siehe hierzu Kapitel 3).

Der größte Widerstand jedoch erwuchs dem RMVP einerseits aus den rivalisierenden Abteilungen des Auswärtigen Amtes (im folgenden kurz: AA), insbesondere ab 1938 unter der Leitung des Außenministers Joachim von Ribbentrop,<126> und andererseits von den neben Goebbels ebenfalls im Rang eines »Reichsleiters« stehenden Max Amann und Otto Dietrich. Der vertikalen Gliederung des Presselenkungssystems folgend, waren zwar sowohl Amann als »Reichsleiter für die Presse« und »Präsident der Reichspressekammer« als auch Dietrich als »Reichspressechef der NSDAP« und ab 1937 als »Pressechef der Reichsregierung« Goebbels de jure unterstellt, de facto aber konnten sie eine eigene Pressepolitik betreiben. Amanns Einfluß auf die Tagespresse erstreckte sich vor allem auf die ökonomische Kontrolle durch die Zerschlagung und den Besitz größerer und kleinerer Zeitungsverlage (siehe hierzu den Abschnitt über die ökonomische Lenkung der Tagespresse), und Dietrich konnte durch sein besonders enges Verhältnis zu Hitler immer wieder Politik über »Führerentscheide«<127> machen, da Dietrich während der Kriegsjahre - anders als Goebbels - stets im ständig wechselnden Führerhauptquartier anwesend war. Mit seiner »Tagesparole des Reichspressechefs«, die ab 1940 parallel zu den Pressekonferenzen des RMVP und des AA als eine weitere Presseanweisungsform eingeführt wurde, hatte Dietrich schließlich einen nicht geringen Einfluß auf die täglich in den Tageszeitungen veröffentlichte Meinung (siehe hierzu auch den Abschnitt zur inhaltlichen Lenkung).


34

Das RMVP selbst war streng hierarchisch gegliedert und besaß neben den horizontal arbeitenden Hauptabteilungen für Propaganda, Bildende Kunst, Schrifttum, Sport, Rundfunk (siehe dazu das Kapitel 3) und Presse noch 32 bzw. 42 regional arbeitende Reichspropagandaämter,<128> mit denen wiederum die Vermengung von Partei, Staat und Berufsstand deutlich wird, die sich nicht selten in personeller Doppelbesetzung niederschlug. Denn die Pressereferenten in den Reichspropagandaämtern waren oft auch Leiter des Gaupresseamtes und damit neben der Tätigkeit als Pressechef des Gauleiters zusätzlich noch »Hauptschriftleiter« einer regionalen Parteizeitung.<129> Außerdem vereinigte der Leiter des Reichspropagandaamtes bzw. des Gaupropagandaamtes noch das Amt des Landeskulturverwalters, das heißt der lokalen Aufsichtsbehörde der Reichskulturkammer, in seiner Person,<130> so daß durch die staatliche, parteiliche und berufsständische Ämterhäufung nicht selten Kompetenzprobleme auftraten. Denn der Gaupropagandaleiter war eben nicht nur dem Gauleiter verantwortlich, sondern durchaus in Konkurrenz dazu auch in seiner Funktion als Leiter des Reichspropagandaamtes Goebbels. Durch diese Konstellation konnte es innerhalb der Nachrichtenhierarchie und damit der öffentlichen Meinungslenkung im Dritten Reich zu ungewöhnlichen Situationen kommen, in denen etwa den Gauleitern Informationen des Deutsches Nachrichtenbüros (im folgenden kurz: DNB) verwehrt wurden, die den Reichspropagandaämtern standardmäßig zugänglich waren.<131>

Die Hauptaufgabe des Presselenkungssystems innerhalb des RMVP wurde überwiegend durch die zentrale Abteilung »Presse« geleistet, die wiederum in die Abteilung »Deutsche Presse« und »Auslandspresse« aufgespalten war, wobei die Abteilung »Auslandspresse«


35

am häufigsten mit der entsprechenden Abteilung des AA in Konflikt kam. Die beiden Abteilungen des Ministeriums standen in direkter Verbindung mit den Reichspropagandaämtern und mit dem DNB, das nach der „Zwangsfusionierung“<132> von Wollfs Telegraphischem Bureau und der Telegraphen-Union eines der zentralsten Instrumente der inhaltlichen Lenkung wurde.

Wenngleich Goebbels erklärt hatte, daß sein Ministerium nie mehr als tausend Mitarbeiter beschäftigen und das Lenkungssystem in eher antibürokratischer Weise geführt werden sollte, so konnte aber auch er den zwangsläufigen Prozeß einer Bürokratisierung nicht aufhalten, der alleine schon aus den vielfältigen Aufgaben der Vor- und Nachzensur erwuchs. Ursprünglich sollte es im RMVP nur 5 Abteilungen geben, aber bereits 1938 hatten sich 11 Abteilungen fest etabliert, die 1942 sogar noch durch drei weitere ergänzt wurden.<133>

Neben den vertikalen und horizontalen Gliederungen der Presselenkung in Partei und Staat zeigte sich die berufsständische Lenkung in ihrer Wirkung diesen zumindest ebenbürtig,<134> da über sie am besten Personalpolitik betrieben werden konnte. Bevollmächtigt durch ein Reichsgesetz vom 22. September 1933, wurde die Reichskulturkammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit insgesamt 7 Unterkammern gegründet,<135> die - nach italienischem Vorbild - alle einschlägigen Berufsgruppen einer Berufssparte korporativ zusammenfassen sollten. Für den Bereich der Presse hieß das, daß sämtliche Berufsgruppen des Pressewesens, angefangen bei den Verlegern und Journalisten bis hin zu den Straßenverkäufern der Zeitungen, in einem Berufsstand zusammengefaßt werden sollten.<136>

Für die presseorganisatorische Gleichschaltung dieses Berufsstandes war vor allem die Reichspressekammer unter ihrem Präsidenten Max Amann bestimmend, der diese zur wirtschaftlichen Übernahme vieler Zeitungen nutzte. Die entscheidende Bedeutung kam


36

dabei jedoch dem der Pressekammer unterstellten »Reichsverband der deutschen Presse« (RDP) zu, der allerdings faktisch eher dem RMVP als der Pressekammer selbst verantwortlich war. Der Reichsverband führte die für die Berufsausübung obligatorischen, nach beamtenrechtlichen Vorschriften organisierten Berufslisten der »Schriftleiter« und Journalisten,<137> in denen bis zu 15.000 Mitglieder registriert waren.

Unter der Führung des Hauptmannes Wilhelm Weiß, der ab 1938 zugleich »Hauptschriftleiter« und Chefredakteur des »Völkischen Beobachters» in Nachfolge Alfred Rosenbergs wurde,<138> entwickelte sich der Reichsverband mit seinen 18 Landesverbänden zu dem zentralen berufsständischen Lenkungsinstrument der Presse,<139> das nicht nur mißliebigen Journalisten die Berufsausübung verwehren konnte, sondern das durch die Reichspresseschule auch für den entsprechend geschulten Nachwuchs sorgte, der in sprachlicher Absetzung nicht mehr als Journalist oder Redakteur bezeichnet wurde, sondern zum »Schriftleiter« avancierte.<140> Die von 1935 bis zum Kriegsanfang bestehende Reichspresseschule wurde, ähnlich wie der berufsständische Gedanke an sich, aus dem italienischen Vorbild gewonnen und in Nachahmung der von 1930 bis 1933 existierenden faschistischen Presseschule in Rom eingerichtet.<141> Goebbels hatte die römische Schule 1933 auf seiner Italienreise besucht und war von dem Gedanken einer einheitlichen Grundausbildung des journalistischen Nachwuchses so überzeugt, daß er daraufhin die Gründung der Reichspresseschule nachhaltig bertrieb. Allerdings konnte sich die Reichspresseschule, ähnlich wie im italienischen Faschismus, nie gänzlich gegen den Widerstand der etablierten journalistischen Ausbildung behaupten, und der Besuch der Schule wurde weder im Faschismus noch im Nationalsozialismus obligatorisch.<142>


37

Darüber hinaus wurden innerhalb der Reichspressekammer sogar die mit dem Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften befaßten Berufe eingegliedert, da man über eine Konzessionierung dieser Berufe glaubte, auch das Verteilen von illegalen Presseerzeugnissen leichter unterbinden zu können. Die Zeitungsverkäufer und -verteiler konnten so durch die Unterabteilungen der Reichspressekammer ständig überwacht und in den Berufsstand des deutschen Pressewesens eingegliedert werden.

Die institutionelle Lenkung der Tagespresse im Dritten Reich geschah freilich nicht im juristisch leeren Raum, sondern wurde vielmehr erst durch zahlreiche Gesetze und Folgeanordnungen möglich gemacht. Das wohl zentralste Gesetz ist das sogenannte Schriftleitergesetz vom 4. Oktober 1933, das über den Zugang zum Berufsstand wachen sollte und im Ergebnis die „Informationsbreite“ im Ditten Reich auf ein Minimum reduzierte.<143> So sah § 5, der die Zulassung zum Schriftleiterberuf regelte, vor, daß nur deutsche Reichsangehörige „arischer Abstammung“ »Schriftleiter« werden konnten. Für die publizierten Inhalte in der Tagespresse mußten die in die Berufslisten eingetragenen Redakteure die volle „berufs-, straf- und zivilrechtliche Verantwortung“ tragen. Die »Hauptschriftleiter« hatten darüber hinaus dafür Sorge zu tragen, daß ausschließlich »Schriftleiter« in den Zeitungen veröffentlichen konnten und daß diese ihre Texte mit vollem Vor- und Zunamen kenntlich machten.<144> Dies sollte die Anonymität der Journalisten bekämpfen, die von den Nationalsozialisten als besonders bedrohlich empfunden wurde.<145>

Das Schriftleitergesetz verwehrte auf diese Weise „mindestens 1300 jüdischen und marxistischen Journalisten“ ihre weitere Berufsausübung, wie Wilhelm Weiß bereits 1934 stolz verkündet hatte. Das ist eine recht hohe Zahl, wenn man bedenkt, daß es nach wie vor an geeigneten nationalsozialistischen »Schriftleitern« mangelte und insgesamt nur 10.300 »Schriftleiter« überhaupt zugelassen waren.<146> Aber auch die Durchführungsverordnung zum Reichskulturkammergesetz vom 1. November 1933 hatte eine ähnliche


38

»Kahlschlagspolitik« zur Folge, bei der mindestens 1.500 Verleger an der Ausübung ihres Berufes gehindert wurden.<147> Diese Zahlen zeigen, daß nicht nur die Auflagen der Zeitungen kontinuierlich zurückgingen,<148> sondern auch die Qualität der Tageszeitungen erheblich litt und das Interesse der Bevölkerung an der oktroyierten Meinung abnahm. Ein Umstand, den Goebbels schon recht früh erkannt hatte und durch seine Anweisungen versuchte auszugleichen.

Bei der marxistischen und sozialdemokratischen Presse dagegen wurde erst gar nicht der Versuch einer Lenkung unternommen, ihre Blätter wurden schlicht und einfach verboten. Dazu berief man sich auf die Notverordnungen vom Februar 1933, namentlich der Reichstagsbrandverordnung und dem Ermächtigungsgesetz, die zunächst ein Verbot und schließlich die vollständige Enteignung sanktionierten.<149> Von nicht unerheblichem Ausmaß in dieser »heißen« Phase der Presselenkung war letztlich auch die Androhung oder der Einsatz von physischer Gewalt und Terror, die neben der weit verzweigten Propagandaorganisation nicht vergessen werden dürfen und die in weiten Teilen des Berufsstandes oft ausreichten, um eine Selbstzensur der Redakteure durchzusetzen. Die Androhung von Gewalt wurde schließlich 1934 in Kombination mit der Abschreckung durch Prozesse wegen Hoch- und Landesverrat<150> mit der Einrichtung des Volksgerichtshofes, vor dem auch etliche Prozesse gegen Journalisten geführt wurden, formaljuristisch institutionalisiert.<151>

Angesichts dieser rigorosen, auch auf liberale und demokratische Zeitungen ausgedehnten Verbotspraxis war es um so verwunderlicher, daß etwa die von Hitler besonders verhaßte linksliberale Frankfurter Zeitung im Gegensatz zu der ebenfalls liberalen Vossischen Zeitung<152> nicht der ersten Verbotswelle zum Opfer viel, ja sogar trotz ihrer zum Teil offen


39

gepflegten Camouflage<153> bis immerhin August 1943 erscheinen konnte, was wohl der Auslandswirkung der Frankfurter Zeitung geschuldet war, die als »Feigenblatt« der nationalsozialistischen Diktatur dienen sollte.

Man kann an der extrem überorganisierten institutionellen Presselenkung des Dritten Reiches erkennen, daß das gesamte Pressewesen in den Augen der Nationalsozialisten als „Produkt der französischen Revolution“<154> und damit als eine gefährliche Waffe galt, die kontrolliert und nötigenfalls zerschlagen werden mußte. Abschließend ist die rasante Geschwindigkeit der Gleichschaltung im Pressesektor festzuhalten, die im Vergleich etwa zu den partiell gescheiterten Gleichschaltungsversuchen im Rundfunkwesen um so mehr verwundert, als daß das Pressewesen der Weimarer Republik von großer ökonomischer und politischer Macht gewesen war.

Die ökonomische Presselenkung

Die ökonomische Presselenkung ist fest verbunden mit dem Namen Max Amanns, der in seiner Funktion als Präsident der Reichspressekammer, als Direktor des zentralen NS-Verlages Eher, als Vorsitzender des Verlegerverbandes und vor allem als NS-Reichsleiter für die Presse die „1. Anordnung über Fragen des Vertriebes und der Bezieherwerbung sowie Neugründungen auf dem Gebiet der Presse zur Befriedigung der wirtschaftlichen


40

Verhältnisse im deutschen Zeitungswesen“ erlassen hatte, die sich wiederum auf § 25 der „1. Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes“ vom 1. November 1933 stützte. Diese Verordnung und eine weitere vom 24. April 1935 zur „Beseitigung ungesunder Wettbewerbsverhältnisse“ ermöglichte es Amann, insgesamt 1.473 Zeitungs- und Zeitschriftverleger zu enteignen und in sein eigenes Verlagsimperium zu integrieren,<155> wobei das zynische Argument der Verordnungen darauf hinaus lief, daß durch die Begrenzung privater Zeitungsmacht die kleineren Verlage geschützt würden. Die Verordnungen sahen vor, daß jeder Verlag maximal nur noch eine Tageszeitung besitzen durfte, mit Ausnahme des Eher Verlages, bei dem diese Regel als Parteiverlag nicht galt. Auf diese Weise konnte Amann recht schnell die ehemals marktbeherrschende Stellung sowohl des Scherl-Hugenberg Presseverlages als auch der beiden Zeitungsgroßverlage Ullstein und Mosse brechen,<156> die alleine in Berlin zusammen zwölf große Tageszeitungen vertrieben und es etwa im Jahre 1932 zusammen auf eine Gesamtauflage von 1.8 Mio. Zeitungen gebracht hatten.<157>

Amann selbst hatte sich durch großzügige Honorarzahlungen an NS-Größen, die Vermarktung von »Mein Kampf« und durch seine Zugehörigkeit zum geschlossenen Kreis der »Alten Kämpfer« einen festen Platz in der NS-Hierarchie gesichert. Durch die so geschaffenen innerparteilichen Einflußzonen und gestützt auf die gesetzlichen Verordnungen, konnten er und seine Assistenten Rolf Rienhard, Max Winkler<158> und Wilhelm Baur praktisch unbegrenzt schalten und walten. Nach Angabe seiner Steuerakten steigerte Amann sein Jahreseinkommen von 108.000 RM im Jahr 1934 auf 3.8 Mio. RM im Jahr 1942.<159>


41

Auch die weitere Statistik ist in diesem Zusammenhang aussagekräftig und zeigt die erdrückende Macht der ökonomischen Presselenkung im Dritten Reich. Denn bereits 1939 kontrollierte Amann über mehrere Holdings<160> 150 Verlage, und gegen Ende des 3. Reiches konnte er auf diese Weise 350 NS-Tageszeitungen<161> beherrschen, die einen Anteil an der Gesamtauflage der deutschen Tagespresse von 80% hatten. Dagegen war die Ausgangslage der NS-Presse durchaus nicht besonders gut gewesen. 1932 hatten die Nationalsozialisten erst über 59 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 780.000 verkauften Blättern verfügt, was einer nur 6%igen Marktdurchdringung entsprochen hatte.<162> Das Holdingwesen selbst hatte Amann dabei zynischerweise durch eine 30 Mio. Reichsmark schwere Anleihe beim ehemaligen Gewerkschaftsvermögen der »Bank der deutschen Arbeit« finanziert.<163> Von erheblich finanziellem Gewicht war darüber hinaus die auf 2 % festgesetzte sogenannte »Werbeabgabe«, die durch den »Werberat der deutschen Wirtschaft« eingetrieben wurde und die bei jeder in den Printmedien geschalteten Anzeige abgegeben werden mußte. Auf diese Weise wurde nicht nur eine Eingliederung des Werbe- und Anzeigenwesens in die NS-Wirtschaft vorgenommen, sondern auch über die Meldepflicht eine direkte Kontrolle der Anzeigen gewährleistet.<164>

Im gleichen Maße jedoch wie die NS-Tagespresse quantitativ und ökonomisch wuchs, sank die Quantität und die Auflagenstärke - und damit auch die Qualität - der übrigen Tagespresse. Gab es 1932 noch 4.700 verschiedene Tageszeitungen in Deutschland, wobei


42

z.B. allein in Berlin etwa 100 erschienen,<165> so sank ihre Gesamtzahl und ihre Gesamtauflage in den Jahren nationalsozialistischer Herrschaft - nicht nur kriegsbedingt - kontinuierlich. 1939 konnten im Deutschen Reich nur noch 2.000 Zeitungen erscheinen, was eine direkte Auswirkung von Amanns Politik war, und 1944 wurde der Einsparungsdruck durch den Krieg so hoch, daß insgesamt nur noch 975 Tageszeitungen publiziert werden durften.<166>

Ein weiteres Druckmittel, über das Amann verfügte, war das der Papierrationierung, das erstaunlicherweise nicht in das Ressort Goebbels‘ fiel.<167> Max Amann war von Hermann Göring in seiner Funktion als Beauftragter für den Vierjahresplan zum „Alleinverantwortlichen über die Zuteilung des Gesamtpapierkontingents an die Presse“<168> ernannt worden. Auf diese Weise konnte die Papierwirtschaftsstelle der Reichspressekammer permanenten Druck auf die Verleger ausüben. Während des Krieges fiel es der Papierwirtschaftsstelle darüber hinaus zu, dafür zu sorgen, daß mit dem Papier sparsam umgegangen wurde und etwa der Anzeigenteil der Zeitungen reduziert wurde, was oft auch in eine inhaltliche Lenkung umschlug, beispielsweise als es das Verbot durchzusetzen galt, keine allzu großen Gefallenenlisten in den Tageszeitungen abzudrucken. Im Anzeigenteil sollten gefallene Soldaten maximal nur noch einmal erwähnt werden, da die Bevölkerung nicht durch den Eindruck zu hoher Gefallenenzahlen demotiviert werden sollte. Hinter einem solchen Vorgehen stand eine Methodik, die bei der inhaltlichen Meinungslenkung der Tagespresse eine zentrale Rolle spielte und im folgenden dargestellt wird.


43

Die inhaltliche Presselenkung

Das auffälligste Element nationalsozialistischer Presselenkung ist aus heutiger Sicht das der inhaltlichen Presseanweisungen und »Vertraulichen Informationen« (V.I.), das freilich während der nationalsozialistischen Herrschaft penibel verschwiegen wurde, dem heutigen Historiker aber glücklicherweise in Form einiger aufbewahrter Sammlungen vorliegt (siehe hierzu die Anmerkungen 54 und 55 ).

Prinzipiell gab es drei Wege, auf denen eine staatlich kontrollierte bzw. erzeugte Nachricht in die Tageszeitungen und damit zur Bevölkerung kommen konnte. Zum ersten gab es die bereits seit dem Ersten Weltkrieg von der Reichsregierung, später auch vom AA abgehaltenen regelmäßigen Pressekonferenzen, zum zweiten die über die Gau- und Reichspropagandaämter verteilten und von der Presseabteilung des RMVP erstellten »Vertraulichen Informationen« und zum dritten existierte ein staatlich kontrollierter Informationsfluß über die keineswegs monopolistisch organisierten Nachrichtenbüros, von denen allerdings das DNB für die Tagespresse faktisch zum einzigen Nachrichtenlieferanten wurde.<169>

Selbstverständlich existierten neben den staatlich erzeugten und kontrollierten Nachrichten auch immer noch jene Nachrichten, die ausschließlich von den jeweiligen Journalisten recherchiert wurden, diese oblagen aber einer nicht minder rigiden Nachzensur und waren nicht selten Gegenstand scharfer Kritik oder zogen sogar offizielle Ermahnungen auf der Pressekonferenz nach sich, wie im Falle der Frankfurter Zeitung, die traditionell eine weitreichende eigenständige redaktionelle Arbeit betrieb.

Der Ursprung regelmäßiger Pressekonferenzen in Deutschland geht auf den I. Weltkrieg zurück. Bereits im August 1914 hatte die Oberste Heeresleitung (OHL) Journalisten zu einer Zusammenkunft nach Berlin gebeten, um eine einheitliche Kriegsberichterstattung zu gewährleisten. Diese Institution einer Pressekonferenz wurde während der Weimarer Republik übernommen, ihr Charakter änderte sich jedoch von einer Veranstaltung der Regierung zu einer der Presse mit eigener Geschäftsordnung und mit einem Journalisten


44

als Vorsitzenden.<170>

Eine so liberale Presseeinrichtung, wie es die Konferenzen von ihrer Anlage her gewesen waren, lief dem nationalsozialistischen Herrschaftsanspruch zuwider, und die Umgestaltung der Berliner Pressekonferenz in eine Presseanweisungskonferenz vollzog sich nach der »Machtergreifung« der Nationalsozialisten entsprechend schnell,<171> auch wenn die höfliche Form, Journalisten lediglich auf bestimmte Umstände oder Ereignisse »hinzuweisen«, zumindest in der ersten Zeit noch gewahrt blieb.

Zunächst wurde der Zutritt zu den Konferenzen kategorisch reglementiert, so daß man es fast schon als Vorrecht begreifen mußte, überhaupt an den Konferenzen teilnehmen zu dürfen, um detaillierte Anweisungen zu erhalten. Juden wurden schon im März 1933 gänzlich von der Konferenz ausgeschlossen, obwohl das Schriftleitergesetz dies erst ab Oktober 1933 endgültig festschrieb. Das Schriftleitergesetz war es dann auch, das den obligatorischen Charakter der auf den Pressekonferenzen gegebenen Anweisungen garantierte, da die »Schriftleiter« hier u.a. dazu verpflichtet wurden, alles aus den Zeitungen fernzuhalten, was gegen die »Ehre und Würde« eines Deutschen verstieß. Eine Regelung, die praktisch beliebig anwend- und auslegbar und damit auch sanktionierbar war.

Neben der Hauptpressekonferenz täglich um 12 Uhr, die im Anschluß an die „geheimen Ministerkonferenzen“ Goebbels‘ stattfand,<172> gab es zusätzlich weitere Fachkonferenzen, auf denen nicht weniger detaillierte Anweisungen an die Presse ergingen. So gab es eine Kultur- und Wirtschaftskonferenz sowie Konferenzen, die von einzelnen Dienststellen geleitet wurden<173> und Spezialfragen behandelten. Eine Konferenz am Abend um 19 Uhr dagegen hatte eher vertraulichen Charakter. Zu ihr wurden aber auch nur besonders vertrauenswürdige »Schriftleiter« eingeladen. Allen Konferenzen gemein war ihr


45

anweisender Charakter. Nach Karl Brammer<174> wurden die auf der Pressekonferenz gegebenen Anweisungen in drei Stufen gegliedert: 1. für die Veröffentlichung zu verwerten, 2. vertraulich, aber zur Weitergabe an die Redaktion und 3. streng vertraulich, nur für die Mitglieder der Pressekonferenz.<175>

Auch wenn es schwierig ist, das äußerst heterogene Anweisungsmaterial in typologische Klassen einzuordnen, zumal sich der Charakter der Anweisungen mit der Zeit veränderte, so liegt mit der Arbeit Jürgen Hagemanns diesbezüglich zumindest der Versuch vor, die verschiedenen Formen der Anweisungen nach 15 Typen zu unterscheiden.<176> Aus ihnen lassen sich bestimmte Muster extrahieren, nach denen verboten, geboten oder angeordnet wurde, wobei das Grundprinzip der »Lautlosigkeit« versuchte, diese ganze Praxis nach Kräften zu verschleiern. Dennoch gingen die Anweisungen so weit, nicht nur Inhalt und Wortwahl vorzuschreiben, einzelne Wörter und Zusammenhänge ganz zu verbieten, sondern schrieben sogar vor, an welcher Stelle und in welcher Aufmachung bestimmte Artikel zu erscheinen hatten. Die Meldungen mußten dabei so variiert werden, daß nicht der Eindruck einer Einheitspresse erweckt wurde.

Jene Tageszeitungen, denen der Zugang zur Pressekonferenz verwehrt war oder die als kleine regionale Tageszeitungen sich keinen eigenen Korrespondenten in Berlin leisten konnten, wurden über die zuständigen Reichspropagandaämter mit den »Vertraulichen Informationen« versorgt, die zwar in Anlehnung an die auf der Pressekonferenz gegebenen Anweisungen erstellt wurden, aber noch einmal durch das RMVP überarbeitet worden waren. Den »Vertraulichen Informationen« wurden darüber hinaus auch noch von den lokalen Propagandaämtern regionale Berichte und Anordnungen hinzugefügt.<177>

Den so an die Presse gerichteten Anweisungen und Informationen konnte sich im Prinzip keine Tageszeitung entziehen, auch wenn zumindest anfänglich die sogenannte NS-Parteipresse den Anordnungen nicht folgte. Spätestens jedoch ab 1936 ging Goebbels auch gegen die eigene Parteipresse vor, da er diese „Radaupresse“ als Gefahr für die


46

Außenwirkung des NS-Regimes erkannt hatte.<178> Bestes Beispiel dafür war die von Julius Streicher herausgegebene Wochenzeitung »Der Stürmer«, deren radikal antisemitische Hetze selbst Goebbels zunehmend mißfiel. Daß aber selbst dieses Blatt, dessen Herausgeber, Julius Streicher, ein enger Freund Hitlers war, spätestens seit Kriegsbeginn auf Linie des RMVP lag, beweist die Tatsache, daß die Zeitung während der gesamten Kriegszeit keinen einzigen Bericht über jüdische Deportationen, Ghettos oder Vernichtungslager brachte.<179>

Insgesamt ergingen während des Dritten Reiches auf diese beiden Arten der Meinungslenkung - durch die Pressekonferenzen und über die V.I. - schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Anweisungen an die Presse.<180> Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, daß diese gehäuften Anweisungen auch Unsicherheit und Verwirrung auf Seiten der Journalisten hinterließen, weshalb ab 1940 versucht wurde, über Dietrichs »Tagesparole des Reichspressechefs« eine zumindest auf die Erfordernisse des Tages zugeschnittene Generallinie in der Meinungslenkung zu finden, freilich um den Preis, daß jetzt zwei weisungsbefugte Instanzen um die Aufmerksamkeit der Presse konkurrierten. Der Konflikt zwischen Goebbels und Dietrich konnte in der gesamten Zeit der Kriegsführung nicht beigelegt werden, erst kurz vor Kriegsende wurde Dietrich auf Drängen Goebbels‘ von Hitler von seinem Posten entfernt. Bis dahin aber blieb das Kompetenzchaos bestehen, und es ergingen nicht selten sogar Anweisungen mit gegenläufiger Tendenz.

Zentral für die inhaltliche Lenkung der Tagespresse wurde zunehmend das Deutsche Nachrichtenbüro (DNB). Es war zwar allgemein bekannt, daß das DNB im Besitz der Reichsregierung war, aber auf Grund seiner Geschichte und der journalistischen Arbeit, die in ihm geleistet wurde, galten die Informationen, die über das Nachrichtenbüro verteilt wurden, zumindest für kleinere Tageszeitungen als verlässlicher als die über die Reichspropagandaämter verteilten Anweisungen und Informationen.

Dabei hatte sich das DNB mittlerweile schon zu einem halben geheimdienstlichen


47

Nachrichtendienst entwickelt und gab sogar in einer höchsten Geheimhaltungsstufe - auf weißem Papier und mit c gekennzeichnet - Nachrichten heraus, im übrigen auf den Abhörberichten des legendären Seehausdienstes beruhend,<181> die nur noch fünf bis sieben Personen der allerhöchsten NS-Prominenz zugänglich waren und selbst einigen Ministern verwehrt wurden. Dadurch aber war das DNB zu einem der bestinformiertesten Nachrichtenbüros weltweit geworden, und die für die Presse freigegebenen Informationen hatten nicht selten, sofern sie dem Regime nutzten, eine besondere Aktualität, die von Seiten der Zeitungsredaktionen und der Leser auch honoriert wurde.

Das DNB selbst verteilte Nachrichten- und Informationsmaterial an die Presse in insgesamt fünf verschiedenen Vertraulichkeitsstufen, wobei eine sechste Stufe, wie beschrieben, der nachrichtendienstlichen Information vorbehalten war. Die erste Stufe (grünes Papier) mußte wörtlich in der Presse übernommen, die zweite Stufe konnte abgeändert werden (gelbes Papier). Die dritte Stufe (rosa Papier) diente genauso wie die vierte (blaues Papier) und die fünfte Stufe (rotes Papier), jeweils nach Vertrauenswürdigkeit der »Schriftleiter« gestaffelt, »nur zur Information«, nicht aber zur Publikation.

Über die Reichweite der inhaltlichen Presselenkung läßt sich zwar anhand der SD-Berichte, der Deutschlandberichte der SPD und anhand etwa der Studien Ian Kershaws mittlerweile einiges sagen, die Einschätzung der Effizienz bleibt aber schwierig, da es zur Zeit des Dritten Reiches noch keine Wirkungsforschung im heutigen Sinne gab. Als Ergebnis läßt sich aber zusammenfassen, daß die nationalsozialistische Meinungsmanipulation durch die Presse überall dort erfolgreich war, wo sie auf bereits bestehenden Werten und Vorurteilen der Bevölkerung aufbauen konnte, also etwa bei der Darstellung der NSDAP als einziger Kraft, die den Bolschewismus in Deutschland aufhalten könne.<182> Überall dort jedoch, wo - wie in der Sudetenkrise - nicht auf bestehenden Vorurteilen aufgebaut werden konnte, schlug die Pressepolitik der Nationalsozialisten in ihrem Ergebnis fehl.<183>


48

Diese Einschätzung Kershaws wird auch durch die Regionalstudie Sösemanns und Schulzes gestützt, die die Berichte zur Einrichtung des KZs Oranienburg in der Lokalpresse untersucht hatten und zu dem Schluß gekommen waren, daß „das Anknüpfen an bereits in Teilen der Bevölkerung vorhandenen Wertvorstellungen, Verhaltensweisen und Hoffnungen der Menschen im Frühjahr 1933 die wichtigste Voraussetzung dafür (war), daß Propaganda und Selbstinszenierung der Nationalsozialisten erfolgreich vermittelt werden konnten“.<184>

Darüber hinaus zeigt sich, daß sich trotz der Presseoffensive zu Beginn des II. Weltkrieges keine Kriegsbegeisterung in der Bevölkerung einstellte und daß etwa die Bemühungen des Regimes, existentielle Informationen vor der Bevölkerung zu verheimlichen, sogar kontraproduktiv wirkten, denn nicht erst die traumatischen Erfahrungen von Stalingrad untergruben den Glauben an die offiziell vermittelte Wahrheit, da ein gewisser Vorbehalt gegenüber parteioffizieller Berichterstattung in der Bevölkerung spätestens seit Kriegsbeginn existierte. Interessanterweise wurde dieses Mißtrauen dabei allerdings lediglich der Partei entgegengebracht, nicht aber dem »Führer«, an dessen Integrität für große Teile der Bevölkerung kein Zweifel bestand.<185>

2.2 Entwicklungsdiktatorische Presselenkung im italienischen Faschismus

Das Presselenkungssystem des italienischen Faschismus ist grundsätzlich ohne die Kenntnis der inneren diktatorischen Entwicklung des italofaschistischen Regimes - insbesondere der »fascistazzione integrale«<186> - nicht verständlich. Denn im Gegensatz zum Nationalsozialismus verlief die Übernahme und Kontrolle des italienischen Staatsapparates und der italienischen Presse sehr viel langsamer und in ständiger Reaktion auf die politisch-soziale Entwicklung.<187> Dennoch läßt sich auch hier die Dreiteilung der


49

faschistischen Presselenkung in eine institutionelle, ökonomische und inhaltliche Dimension vornehmen, wobei noch wichtiger als im Nationalsozialismus zu sagen ist, über welchen Zeitraum man spricht.

Die institutionelle Presselenkung

Zunächst sind zum Verständnis der institutionellen Presseorganisation des faschistischen Regimes und seines anfänglich zurückhaltenden Vorgehens gegenüber der Presse, das man zumindest bis 1925 durchaus als liberal kennzeichnen kann, grundsätzlich drei Vorbedingungen zu berücksichtigen, die eine spezielle Entwicklung in Italien bedingten.

Zum einen darf die journalistische Herkunft Mussolinis nicht unterschätzt werden, der immerhin noch von 1912 bis 1914 selbst im »Avanti«, dem italienischen Pendent zum deutschen »Vorwärts«, publiziert und dort als Chefredakteur gewirkt hatte,<188> und der erst ab 1914 über die Frage einer italienischen Kriegsintervention begann, sich mit der Gründung des »Popolo d‘Italia« von seiner sozialistischen Herkunft wegzuentwickeln.

Zum zweiten ist die grundsätzliche Schwäche des faschistischen Regimes in seiner herrschaftskonstituierenden Phase zu nennen, die eine Zentralisation des Herrschaftsapparates zunächst verhinderte. Das Regime war anfänglich mit den Fragen der Herrschaftssicherung so sehr beschäftigt, daß es auf das Problem einer fehlenden Presselenkung erst durch die Matteotikrise aufmerksam wurde,<189> die man in vielerlei Hinsicht als einen Wendepunkt in der Geschichte des italienischen Faschismus bezeichnen kann und auf die daher auch noch genauer eingegangen werden wird.

Zum dritten ist der relativ starke Einfluß der lokalen Parteiführer - der Ras - mit in die Überlegungen einzubeziehen, da sie nicht nur eine Hausmacht in ihren Regionen durch die


50

Squadrismusbewegung besaßen, sondern darüber hinaus, ganz im Gegensatz zu den lokalen NS-Parteiführern,<190> auch mit relativ eigenständigen Tageszeitungen ausgestattet waren. So besaßen etwa Robert Farinacci in Cremona die »Il Regime fascista« und Italo Balbo in Ferrara die »Il Corriere padano«, beides Zeitungen, die schon während der squadristischen Gewalt im Norden Italiens<191> eine wichtige Rolle gespielt und die Macht der lokalen Parteiführer besiegelt hatten.<192>

Unter Berücksichtigung dieser drei für die Ausbildung einer faschistischen Presselenkung hemmenden Faktoren läßt sich nun das Voranschreiten einer entwicklungsdiktatorischen institutionellen Presseorganisation im italienischen Faschismus - in Analogie zum deutschen Fall aus staatlicher, parteilicher und berufsständischer Sicht - beschreiben.

Anfänglich konnte Mussolini nach seiner Ernennung zum Regierungschef 1922 lediglich auf den klassischen Kanon presseorganisatorischer Lenkung zurückgreifen, der aus zwei Presseabteilungen des Außen- und Innenministeriums und einer Presseabteilung des Regierungschefs (Ufficio stampa del Capo del Governo) bestand. Von Vorteil war dabei, daß Mussolini selbst neben seinen vielfältigen anderen Funktionen zunächst auch das Ressort des Innen- und Außenministeriums übernommen hatte.<193>

Eine erste, aber entscheidende Zäsur der presseorganisatorischen Entwicklung vollzog sich dann erst in Folge der Matteotikrise. Die Matteotikrise, in dessen Verlauf Mussolini kurz vor dem Sturz stand, wurde durch die Ermordung des sozialistischen Abgeordneten Matteoti und die daraufhin auf den Aventin<194> ausgezogenen liberalen und sozialistischen


51

Fraktionen der Opposition ausgelöst. Es zeigte sich dabei, daß die Opposition in Italien noch nicht vollständig unterdrückt war. In den liberalen und sozialistischen Tageszeitungen hielt sich hartnäckig das Gerücht, daß die Mörder Matteotis aus der engsten Umgebung Mussolinis stammten<195> und Mussolini daher zumindest moralisch für dessen Ermordung verantwortlich sei.

Mussolini selbst stand dabei sowohl unter dem Druck der liberalen und sozialistischen Opposition als auch, was vielleicht noch schwerer wog, unter dem Druck der radikalen Flügel in der eigenen Partei unter Anführung Farinaccis, der - ganz ähnlich wie Ernst Röhm in Deutschland - eine zweite Welle der Revolution (»seconda ondata«<196>) und ein scharfes Vorgehen gegen die Opposition und ihre Tageszeitungen forderte.

Nach einigem Zögern entschied sich Mussolini schließlich für den Übergang zur offenen Diktatur, die er am 3. Januar 1925 in der Kammer verkündete. Es liegt auf der Hand, daß die autoritäre Wende innerhalb der faschistischen Herrschaftsausübung zugleich auch restriktive Maßnahmen gegen die oppositionelle Tagespresse bedeutete. Nachdem es im Verlauf der Krise bereits zu einzelnen Verboten gekommen war, wurden bis Ende 1925 die sozialistischen Tageszeitungen - etwa der »Avanti«, die »Giustizia«, die »Unità« oder die »Voce repubblicana« - schließlich ganz verboten.<197> Die liberale Presse dagegen versuchte das faschistische Regime, inhaltlich und ökonomisch zu lenken und in eine umfassende staatliche Presselenkung einzubinden (siehe dazu auch den Abschnitt zur inhaltlichen Presselenkung).

Für den Bereich der institutionellen Presseorganisation hieß ein solches Vorgehen gegen die Presse aber auch, daß man effizientere und schlagkräftigere Instrumente benötigte. Die Geschichte der Presselenkungsinstitutionen nach der Matteotikrise ist daher auch die


52

Geschichte ihrer Zentralisation. Zunächst wurden unter Capasso Torre die Presseabteilungen des Außen- und Innenministeriums zusammengelegt,<198> und das Pressebüro des Regierungschefs wurde ab 1928 intern, vor allem durch den militanten Faschisten Lando Ferretti, erheblich gestrafft.<199>

Am deutlichsten aber zeigte sich die Zentralisation der Presseorganisation darin, daß das Pressebüro des Regierungschefs schließlich zum „nucleo“<200> eines neuen Ministeriums wurde, das erst - in Anlehnung an Goebbels‘ RMVP<201> - 1934 den Namen eines Presse- und Propagandaministeriums (Ministero stampa e propaganda) erhielt, dann aber doch einen nicht ganz so selbstentlarvenden Namen<202> bekam und sich zum Ministerium für Volkskultur (Minculpop) entwickelte. Das Ministerium erbte im Laufe seines Bestehens immer weitere Kompetenzen aus bereits bestehenden Ministerien und Parteiorganisationen und wuchs bis 1937 auf einen Personalbestand von 800 Mitarbeitern an,<203> was zu ganz ähnlichen Kompetenzstreitigkeiten und Effizienzproblemen führte, wie wir sie auch schon für den Nationalsozialismus ausmachen konnten.<204>

Durch die extrem starke Position der lokalen Parteiführer und später der Präfekten gestaltete sich der Zentralisationsprozeß schwierig. Über die Parteiprovinzpresse erlangte das Minculpop erst durch einen Erlaß Mussolinis vom November 1939 Verfügungshoheit. Bis dahin hatte diese den lokalen Parteiführern bzw. der Propagandaabteilung des PNF (Ufficio propaganda del PNF) unterstanden.

Der Aufbau des neuen Ministeriums ist vor allem mit dem Namen Galeazzo Cianos verbunden, der bereits im August 1933 den entscheidenden Impuls zur Umgestaltung des


53

Pressebüros in ein Ministerium nach deutschem Vorbild gegeben hatte und auch zum ersten Propagandaminister 1935 ernannt wurde. Überlegungen zu einer Vereinheitlichung von Kultur und Propaganda hatte es zwar schon seit Anfang der 30er Jahre durch den damaligen Korporationsminister Bottai gegeben,<205> aber erst der rasante Aufstieg des Radios in Italien gab - auch durch die neuartige Konkurrenzsituation mit dem nationalsozialistischen Deutschland verschärft<206> - den letzten entscheidenden Anstoß für den Aufbau eines solchen Ministeriums, das zentral die Außenwirkung des Regimes kontrollieren sollte.

Neben der parteilichen und staatlichen Kontrolle über die Presse etablierte das faschistische Italien den sogenannten korporativen Staatsaufbau,<207> der zur vermeintlichen Überwindung des Klassenkampfes gedacht war und zum Vorbild für alle faschistischen Bewegungen wurde. Auch wenn er selbst in Italien nur ein Torso blieb, ist sein Einfluß bei der Kontrolle der Presse nicht zu unterschätzen. Philip Cannistraro spricht in diesem Zusammenhang davon, daß das faschistische Regime auf dem Gebiet der berufsständischen Organisation der Journalisten unzweifelhaft »gute Arbeit« geleistet habe („indubbiamente fatto un buon lavoro“<208>).

Zunächst mußte Mussolini jedoch den »linken« Flügel in der Partei und in der faschistischen Gewerkschaft ausschalten, der mit dem Namen Edmondo Rossoni verbunden ist. Nach der berühmten Auflösung - dem »sbloccamento« - der faschistischen Gewerkschaften 1928,<209> in dessen Verlauf sechs kleinere Confederazione entstanden, konnte ein in sich geschlossener Verband für die Journalisten geschaffen werden, der korporativ arbeiten sollte und der aus der Zwangsfusion des alten italienischen Journalistenverbandes und des seit 1924 bestehenden faschistischen »Sindicato dei giornalisti« entstanden war.<210> In ihm wurde die Mitgliedschaft für Journalisten ab 1928


54

über eine Berufsliste - der »albo professionale« - Pflicht, wollte man weiterhin seinen Beruf ausüben. Auch wenn die Gründung dieser »Federazione fascista dei giornali fascista«,<211> die unter der Leitung Ermanno Amicuccis zu einem der zentralsten Instrumente der Gleichschaltung des Berufsstandes wurde, nie den Ausschlußgrad an oppositionellen Journalisten erreichte wie etwa in Deutschland, so mußten doch zum Beispiel 32 Redakteure des »Corriere della Sera«<212> aus ihrer Redaktion auf Grundlage des neuen Verbandsstatuts ausscheiden, das strikte Parteiloyalität von seinen Mitgliedern forderte.<213>

Die italienischen Berufslisten sind neben der Presseschule in Rom wohl das beste Beispiel für den auch im konkreten Einzelfall nachweisbaren Vorbildcharakter des italienischen Faschismus für den Nationalsozialismus. Denn die in Italien bestehende Dreiteilung der Liste wurde von den Nationalsozialisten bis in Einzelheiten übernommen. Die »albo professionale« teilte den journalistischen Berufsstand wie die nationalsozialistische Berufsliste in 3 Gruppen ein: a) unbeschränkt journalistisch tätig b) nebenberufliche journalistische Tätigkeit, etwa in kleinen Fachzeitschriften und c) in Ausbildung befindliche Journalisten.<214>

Daneben war auch in Italien ein entsprechender juristischer Rahmen für die Zentralisation, die Verbote und die verschiedenen Formen der Zensur gegeben, die Mussolini auch schon vor der Matteotikrise entfaltet hatte, dessen Instrumente aber erst 1925 ihren Abschluß fanden. So hatte sich Mussolini bereits in Dekreten vom 10. Juli 1923 der Kontrolle über die Tagespresse und anderer Druckerzeugnisse versichert,<215> und ein Dekret vom 15. Juli 1923, das vom König unterzeichnet wurde, brachte den Präfekten jene Befugnisse zur Zensur, auf denen später auch das gesamte inhaltliche Zensur- und Kontrollsystem fußen sollte.<216> Auf diesen Dekreten konnte Mussolini dann im Verlaufe der Matteotikrise


55

aufbauen, als er mit einer Anweisung vom 10. Juli 1924 zahlreichen Zeitungen restriktive Auflagen für das weitere Erscheinen verordnete.<217> Gipfel- bzw. Tiefpunkt dieser Entwicklung wurde ein Gesetz vom 31. Dezember 1925 (»la legge sulla stampa«), das markante Ähnlichkeiten zum späteren nationalsozialistischen Schriftleitergesetz aufwies,<218> auch wenn die rassenpolitische Dimension noch gänzlich fehlte. Diese wurde erst durch die antisemitische Gesetzgebung vom Februar 1938 nachgeholt.<219>

Das neue Pressegesetz selbst koppelte die strafrechtliche Verantwortung des Chefredakteurs, ganz ähnlich wie in Deutschland, mit dem Inhalt der Zeitungen und reduzierte dadurch den Einfluß der Verleger auf die Tageszeitungen, da die Redakteure auf diese Weise nun der staatlichen Autorität unterstanden und damit dem Regime zur Treue verpflichtet waren.

Die ökonomische Presselenkung

Von zentraler Bedeutung für das faschistische Italien war auch die ökonomische Lenkung der Zeitungen. Zwar gab es in Italien deutlich weniger echte Übernahmen von Zeitungen, wie sie von dem nationalsozialistischen Eher-Verlag betrieben wurden, aber es lassen sich dennoch auch im faschistischen Italien zwei grundsätzlich ökonomische Beeinflussungsstrategien auf dem Pressesektor ausmachen. Zum einen wurde versucht, Zeitungen direkt von Regimegegnern in die Hände loyaler Verleger zu bringen, und zum anderen ging man einen indirekten Weg, der regimetreuen gegenüber kritischen und distanzierten Journalisten und Redakteuren durch Subventionen einen ökonomischen Vorteil gewährte.

Um die Größenordnung der indirekten Beeinflussung einschätzen zu können, hilft es, die


56

diesbezüglichen Ausgaben des »Ufficio stampa del capo del Governo« in zeitlicher Abfolge nebeneinanderzustellen. Hatte das Pressebüro noch 1922 lediglich Subventionsausgaben in Höhe von 50.000 Lire getätigt, wuchsen die Ausgaben 1924 schon auf die doppelte Summe an. Bereits im Jahr 1932 hatte der gleiche Ausgabeposten des Pressebüros ein Volumen von 438.000 Lire erreicht, was nicht nur den generell gestiegenen ökonomischen Einfluß zeigt, sondern auch ganz nebenbei den Zentralisationsprozeß des Büros beschreibt, das über immer größere personelle und finanzielle Ressourcen verfügte, ein »Verdienst« der inneren Straffung durch Lando Ferretti.<220>

Die direkte ökonomische Kontrolle der Tageszeitungen dagegen vollzog sich unter der Devise, daß die Zeitungen zwar in den gesellschaftlichen Konsens - in die „macchina dell‘organizzazione del consenso“<221> - eingegliedert, aber nicht zu bloßen Staatszeitungen degradiert werden sollten. Es wurde also anders als im Nationalsozialismus ein behutsamer Weg der ökonomischen Kontrolle über das Austauschen der Verleger selbst beschritten. Das trifft zumindest für die großen, überregionalen Zeitungen zu, bei den kleineren, regionalen Tageszeitungen bedeutete der nicht zuletzt gewaltsame Druck der lokalen Parteiführer, ganz ähnlich wie zu Beginn der nationalsozialistischer Herrschaft,<222> eine oft schnellere und direktere Übernahme der Tageszeitungen auf dem Land, wie etwa die Schicksale des »Il Cittadino« aus Brescia, der »Libertà« aus Piacenza oder der »Gazzetta di Parma« beispielhaft zeigen.<223>

Ökonomischer Druck wurde zudem nur dort ausgeübt, wo eine weitgehende Selbstgleichschaltung gescheitert war.<224> Das traf vor allem für die wohl bedeutendste überregionale Tageszeitung Italiens - dem »Corriere della Sera« - am deutlichsten zu und kann hier als Beispiel herangezogen werden. Denn seit 1900 war Luigi Albertini nicht nur Chefredakteur, sondern vor allem auch zusammen mit seinem Bruder Alberto zugleich


57

größter Aktionär dieser 1876 gegründeten Tageszeitung aus Mailand gewesen. Obgleich anfänglicher Sympathisant der faschistischen Bewegung, ging er im Zuge der Matteotikrise dennoch in das Lager der Kritiker und der Opposition über. Er wurde daraufhin wegen eines vermeintlichen Formfehlers innerhalb des Gesellschaftsvertrages gezwungen, seine Aktien an die drei Crespibrüder - Aldo, Mario und Vittorio<225> - zu verkaufen, unter deren Einfluß auch der Posten des Chefredakteurs in parteiloyale Hände wechselte.<226> 1926 war die Faschisierung des »Corriere« mit der Besetzung des Chefredakteurpostens durch den quasi-offiziellen Kultursprecher der faschistischen Regierung Ugo Ojetti<227> schließlich abgeschlossen, auch wenn die Zeitung durch die Herausgeberschaft Aldo Borellis von 1929 bis 1943 nach wie vor ein ambivalentes Bild bot, das den Vergleich mit der Rolle der »Frankfurter Zeitung« im Dritten Reich zuläßt.<228> Dabei war die Parteiloyalität Aldo Borellis durchaus gesichert, da er im Direktorium des italienischen Schriftstellerverbandes saß und damit eine führende Rolle bei der Gleichschaltung des italienischen Berufsstands gespielt hatte.

Daß das Beispiel des »Corriere« kein Einzelfall blieb, beweist zudem der Fall der Tageszeitung »La stampa« aus Turin. Chefredakteur dieser überregionalen Zeitung war bis 1925 Alfredo Frassati, der wegen seiner Haltung zur Matteotikrise nicht nur zum Rücktritt gezwungen wurde, sondern dessen Aktien zugleich in die Hände Giovanni Agnellis übergingen, der zu den Gründern der FIAT-Werke gehörte. Agnelli konnte auf dem Posten des Chefredakteurs schließlich bekannte faschistische Persönlichkeiten installieren, die eine reibungslose, konsensorientierte Darstellungsweise in der Tageszeitung garantieren konnten. Unter ihnen fanden sich so bekannte Faschisten wie der Squadrist und Schriftsteller Curzio Malaparte und vor allem von 1932 bis 1943 Alfredo Signoretti.


58

Die inhaltliche Presselenkung

Das faschistische Regime setzte - wie die Nationalsozialisten in Deutschland auch - schon recht früh auf eine möglichst weitgehende inhaltliche Kontrolle der Tagespresse, wobei sich intentional drei Phasen unterscheiden lassen, die eng an die politisch-soziale Entwicklung Italiens in den 20er und 30er Jahren gekoppelt sind. In der Konsolidierungsphase der Herrschaft stützte sich die Pressepolitik der Faschisten weitgehend auf das Stilmittel der Agitation. Erst mit einer gewissen Konsolidierung des Regimes, in der die Zustimmung zur faschistischen Politik insgesamt wuchs, ging man über zu einer Integrationspropaganda,<229> die wiederum - ganz ähnlich wie im deutschen Fall - schließlich von einer Kriegsaktivierungspolitik abgelöst wurde.

Dabei entstand in Italien erst zögerlich, dann immer professioneller und ausgefeilter ein ähnliches Presseanweisungssystem wie im nationalsozialistischen Deutschland. Das Pressebüro Mussolinis bzw. später die entsprechende Abteilung des Minculpop übertrug die Anweisungen - als »ordine« bzw. »veline« bezeichnet<230> - zunächst telegraphisch an die regionalen Präfekten, die diese dann an die Direktoren der Zeitungen verteilten.

Interessant ist dabei, daß bereits 1928 Lando Ferretti den Präfekten angeordnet hatte, die Anweisungen an die Direktoren der Zeitungen nur noch mündlich weiterzugeben. Offensichtlich hatte man in Italien mit dem Anweisungssystem ähnliche Probleme wie später im nationalsozialistischen Deutschland, da auf der einen Seite gewährleistet werden mußte, daß das Anweisungssystem nicht allzu publik wurde und andererseits die Vertraulichkeit der angewiesenen Chefredakteure gewährleistet werden mußte. Dies zeigt, daß das autoritäre Presseanweisungssystem auch innerhalb des italienischen Faschismus nur dann eine gewisse Effektivität aufwies, wenn sein Charakter nicht öffentlich wurde.


59

Auch quantitativ braucht sich die italienische Presselenkungspolitik nicht hinter der des NS-Regimes zu verstecken, wobei eine Hochkunjunktur der Anweisungen in Italien schon seit Beginn des Äthiopienkrieges zu verzeichnen war. Vorläufiger Höhepunkt bildete jedoch der Spanische Bürgerkrieg, in dem das faschistische Italien sich auf Seiten Francos engagierte. So ergingen etwa in den zwölf Monaten von Anfang 1937 bis Anfang 1938 insgesamt 4.000 Presseanweisungen an die Zeitungen.<231>

Inhaltlich wurde jedoch auch schon vor dieser Hochkunjunktur der Tagespressesteuerung in die Zeitungen eingegriffen, wobei im Zentrum des Anliegens eindeutig der „mito del duce“<232> stand, der systematisch von Mussolinis Pressebüro gepflegt wurde. So waren schon früh Berichte über die Gesundheit des »Duce« untersagt, und anders als in Deutschland durfte der Geburtstag des »Duce« nicht erwähnt oder gefeiert werden, damit seine »Übermenschlichkeit« besser zum Tragen kam, wenngleich etwa auf Bildern in den Tageszeitungen keine Gelegenheit ausgelassen wurde, seine Volksnähe darzustellen.<233> Außerdem durfte Mussolinis Privatleben nicht publik gemacht werden, da es dem Mythos seiner Unberührbarkeit widersprochen hätte.<234>

Gegen die Skandalpresse und die sogenannte »cronica nera« wurde von Anfang an strikt vorgegangen, wobei nicht unbedingt nur Persönlichkeiten des faschistischen Regimes betroffen sein mußten. »Obszöne« Bilder durften seit einer Anweisung Mussolinis von 1926 genauso wenig gedruckt werden wie über Selbstmorde oder Duelle geschrieben werden sollte.<235> Darüber hinaus sollte das Wort »epidemia« nicht mehr in Zusammenhang mit Typhus-Berichten gebracht werden.<236> So galt es gegen die vermeintliche Dekadenz innerhalb der Gesellschaft vorzugehen, was immer wieder auch gerne zu einem Argument gegen die unliebsame ausländische Presse wurde, die in den Augen der Faschisten nicht


60

nur verderbende kulturelle Einflüße verbreitete, sondern auch im Verdacht stand, die Sprache der Italiener zu zerstören. Englische Begriffe wie »Bar« wurden daher versucht, kurzerhand aus den Zeitungen zu verbannen. Eine Politik der kulturellen Autarkie („politica di autarchia culturale“<237>) begann, die in Analogie und in Ergänzung zur sogenannten Getreideschlacht (»battaglia del grano«), ein ökonomischer Autarkieversuch des italienischen Faschismus, geführt wurde. Die Getreideschlacht war vielleicht der erfolgreichste Propagandafeldzug des faschistischen Regimes, da sie tatsächliche Erfolge bei der Landgewinnung (etwa der Pontinischen Sümpfe) und der technischen Intensivierung der Getreideerzeugung erzielen konnte. Den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise waren allerdings auch diese Anstrengungen nicht gewachsen.

Wie in anderen europäischen Ländern auch, so war die Zeitungsbranche Italiens durch einen allgemeinen technischen Modernisierungsschub in den 20er Jahren gekennzeichnet, der sich vielfach in einer steigenden handwerklichen Qualität der Zeitungen äußerte.<238> Diese Entwicklung steigerte in Italien in der Folge nicht nur die Attraktivität, sondern auch die Auflagen der Tageszeitungen und Wochenschriften erheblich. Hierdurch erklärt sich jedenfalls, weshalb in Italien, anders als im nationalsozialistischen Deutschland der 30er Jahre, die Auflagenzahlen trotz der inhaltlichen Lenkung und der damit einhergehenden Monotonie<239> konstant blieben oder sogar stiegen. Lag zum Beispiel die Auflage des »Corriere« noch 1926 konstant bei 440.000, so stieg sie bereits Anfang der 30er Jahre auf über 500.000, wobei sich die Auflage zum Kriegsausbruch 1939 sogar noch einmal um 100.000 auf 600.000 erhöhen konnte.<240> Eine beachtliche Zahl, setzt man sie etwa in Relation zur italienischen Gesamtauflage 1939 von insgesamt nur 4. Mio. verkauften Tageszeitungen.<241>


61

Die Auflagenzahlen zeigen allerdings auch, daß die Gegenüberstellung mit Deutschland nur bedingt möglich ist, da alleine Berlin etwa im Jahre 1932 schon eine Auflagenhöhe von täglich 3. Mio. verkauften Zeitungen aufweisen konnte und die NS-Tagespresse 1939 bei einer Gesamtauflage von 17 Mio. Tageszeitungen jeden Tag 6 Mio. Blätter verkaufte. Dieses Mißverhältnis ist zum einen der relativ hohen Analphabetenquote Italiens in den 30er Jahren geschuldet,<242> zum anderen der bis heute bestehenden Ausrichtung der Tageszeitungen wie dem »Corriere« auf ein intellektuelles Leserpublikum.<243> Dies wird bei der Bewertung der Reichweite der Tagespressepropaganda eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Ebenfalls nicht unwesentlich für den Vergleich von faschistischer und nationalsozialistischer Pressepolitik ist die Anzahl der Tageszeitungen in beiden Ländern, auch wenn man mit den Angaben in der Literatur vorsichtig umgehen sollte.<244> Denn die faschistische Pressepolitik Mussolinis verminderte die schon 1921 nicht gerade hohe Anzahl an Tageszeitungen in Italien von etwa 300 auf 80 im Jahr 1936.<245> Vergleicht man diese Zahlen mit der Anzahl der Tageszeitungen in Deutschland, wo selbst 1939 noch nach dem extremen Rückgang der Tageszeitungen von einer Zahl um 2000 ausgegangen werden kann, so kann man die italienische Zeitungslandschaft nicht anders als übersichtlich charakterisieren. Diese Übersichtlichkeit der Zeitungslandschaft wird bei der vergleichenden Bewertung ebenfalls nicht unwesentlich sein.

Für die inhaltliche Kontrolle der Tagespresse war im faschistischen Italien daneben, ähnlich wie im Dritten Reich auch, die Kontrolle über die Produktion der Nachrichten in


62

den Nachrichtenbüros wesentlich. Wichtigste und einflußreichste Nachrichtenagentur im Italien der Vorkriegszeit war die »Agenzia Stefani«.<246> Sie wurde bereits 1863 gegründet und stand von 1924 bis 1943 mit ihrem Leiter Manlio Morgagni unter direkter Kontrolle des faschistischen Regimes. Die Anweisungen von Mussolinis Pressebüro ergingen nicht nur an die Präfekten der Provinzen, sondern auch an die Nachrichtenagentur Stefani, damit eine geschlossene Informationskontrolle entstehen und die staatlich konstruierten Nachrichten auch noch die kleinste Tageszeitung erreichen konnten. Denn ähnlich wie das DNB in Deutschland war die »Agenzia Stefani« vor allem für die kleinen Tageszeitungen, die keine eigenen Korrespondenten in Rom hatten, das einzige überregionale Informationsmedium. Die Agentur entwickelte im übrigen 1935 nach dem Modell des DNB und in Anlehnung an »Reuters« einen »Servizio mondiale Stefani« genannten Auslandsinformationsdienst, der zur Information bzw. Beeinflussung der ausländischen Presse gedacht war. Aus demselben Grund wurde auch die Anzahl der Auslandskorrespondenten von 18 im Jahr 1925 auf 60 im Jahr 1934 aufgestockt. Wie wichtig die Agentur auch für die inländische Nachrichtenkontrolle war, zeigt darüber hinaus die Anzahl der Inlandskorrespondenten, die 1924 162, 1929 255 und 1934 schon 300 betrug.<247>

Betrachten wir nun die Effizienz der italienischen Presselenkung, so ist unter Berücksichtigung der vorgenannten einschränkenden Hinweise für den italienischen Faschismus eine erfolgreiche Lenkung der Tagespresse unter ökonomischer, institutioneller und inhaltlicher Hinsicht zu konstatieren, wenngleich hinzugefügt werden muß, daß etwa die katholischen Presseorgane sich einer weitgehenden Kontrolle entziehen konnten. Zudem blieb in den 30er Jahren die Tagespressepropaganda zumeist auf die Städte beschränkt, was an dem spezifisch intellektuellen Charakter der italienischen Zeitungen lag. Daher war die faschistische Presselenkung zwar durchaus effizient, ihre Reichweite blieb jedoch beschränkt. Eine markante Steigerung der staatlichen Propagandareichweite läßt sich erst durch das Radio wahrnehmen, das auch breite analphabetisch geprägte ländliche Regionen etwa über das »Radio Rurale« erreichen


63

konnte, wie in Kapitel 3 noch zu zeigen sein wird.

Die Zustimmung der italienischen Bevölkerung zu den Inhalten, die über die Tagespresse transportiert wurden, vollzog sich dabei allerdings weniger durch die restriktive Presseanweisungspolitik des Regimes als vielmehr durch eine »weiche« Politik des Konsenses, die durch die Freizeit- und Massenorganisationen des italienischen Faschismus zusätzlich gestützt wurden, wie Victoria de Grazia gezeigt hat.<248> Darüber hinaus läßt sich anhand der in der Presse forcierten und konstruierten »Rassenfrage«<249> zeigen, daß - ähnlich wie das Ian Kershaw für das Dritte Reich konstatiert - überall dort, wo die Propagandapolitik des Regimes nicht auf bestehende Werturteile der Bevölkerung zurückgreifen konnte, auch die Effizienz der Propaganda versagte. Die unpopuläre Rassenpolitik etwa trieb trotz der publizistischen Offensive in den Tageszeitungen auf diese Weise immer mehr Leser zu den Presseorganen der katholischen Kirche,<250> die mit dem »Osservatore romano« eine fast unzensierte Tageszeitung vertrieb, wodurch sich sogar Goebbels zu einem offiziellen Protestanruf bei Alfieri, dem damaligen Minister für Volkskultur, veranlaßt sah.<251> Nach einer Intervention Alfieris konnte die Auflage des »Osservatore« zwar zurückgedrängt werden, ihr grundsätzlicher Einfluß aber blieb bestehen und konterkarierte jene Pressepolitik, die versuchte, gegen die Meinung der Bevölkerung zu bestehen. Das zeigte sich der faschistischen Führung auch besonders evident an der Tatsache, daß der II. Weltkrieg im Gegensatz zum äthiopischen Feldzug in Italien gänzlich unpopulär blieb.<252>


64

2.3 Vom Vorbild zum konkurrierenden Imitator: Vergleich und Beziehungen

Die Darstellung der institutionellen, ökonomischen wie inhaltlichen Presselenkung des Nationalsozialismus und des italienischen Faschismus hat gezeigt, daß sich beide Regime - im Ergebnis - ähnlicher, wenn auch nicht identischer Mittel zur Kontrolle der in den Tageszeitungen veröffentlichten Meinung bedienten. Dabei wurde jedoch auch deutlich, daß in beiden Ländern der Weg zu einer weitgehend homogenisierten Presselandschaft radikal verschieden voneinander war und die Effizienz und Reichweite der Kontrolle von nationalen Eigenheiten und Besonderheiten abhing, obwohl sich beide Systeme zu Anfang ihrer Herrschaft doch einer vergleichbaren Ausgangssituation gegenübersahen.

Gemeinsam war beiden Regimen vor allem die inhaltliche und institutionelle Presseorganisation. Was im Dritten Reich die Anweisungen auf den Pressekonferenzen und die »Vertraulichen Informationen« des RMVP an die Provinzzeitungen darstellten, waren in Italien die zunächst »ordine«, dann »veline« genannten Anweisungen des Mussolinischen Pressebüros an die Präfekten und die einzelnen Tageszeitungen.<253> Auch wenn sich die Organisation der institutionellen Lenkung im RMVP und im Minculpop partiell hinsichtlich ihrer ideologischen Rigorosität unterschieden, so ist dabei dennoch festzuhalten, daß hinter beiden Propagandaapparaten der zumindest intendierte Wunsch einer vollkommen kontrollierten Presse und damit der öffentlichen Meinung stand. Beide Regime betrieben, wenn auch in unterschiedlicher Intensität, ein ausgefeiltes und seiner Ausrichtung nach lückenloses Pressekontrollsystem, das sich einer weitreichenden Vor- und Nachzensur bediente, wobei als eine besondere Ähnlichkeit der beiden Regime ihr Versuch gelten kann, Journalisten persönlich an die staatliche Meinung zu binden, was in den jeweiligen neuen Pressegesetzen zum Ausdruck kam und in Deutschland sogar sprachlich durch die Einführung des Begriffes des »Schriftleiters« versucht wurde auszudrücken.

Die Presseorganisation der beiden Länder unterschied sich jedoch vielleicht am deutlichsten in der ökonomischen Kontrolle über die Tageszeitungen. Während die


65

Nationalsozialisten eine direkte Kontrolle der einzelnen Zeitungen bevorzugten, wählten die Faschisten in Italien einen indirekten, wenn auch ähnlich effektiven Weg der ökonomischen Kontrolle. Dabei scheint insbesondere der »weiche« Weg der Konsensbildung in Italien, der sich nicht nur der Anweisungspolitik von oben, sondern auch einer sozialen Flankierung in den Massen- und Freizeitorganisationen bediente, mehr noch als in Deutschland zu einem Verstummen der Kritiker, zumindest bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges, beigetragen zu haben.

Kommt der Vergleich der faschistischen und nationalsozialistischen Presselenkung auch zu dem Resultat, daß sich die Politik der beiden diktatorischen Regime in ihrem Ergebnis und in ihren Absichten weitgehend glichen, so stellt sich dennoch die Frage, warum sich die Wege zu einer kontrollierten Presselandschaft in beiden Ländern so unterschieden, wenn doch Ausgangssituation und ideologische Prädisposition einen ähnlichen Durchsetzungsweg vermuten lassen könnten. Denn es kann nicht übersehen werden, daß die Nationalsozialisten mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit das seit der Weimarer Republik bestehende liberale Pressewesen zerschlugen, während das faschistische Regime in Italien die Presselandschaft anfänglich überhaupt nicht und dann erst „piano piano“<254> in ihre Kontrolle miteinbezog, ein Umstand im übrigen, der noch 1933 zu einer gravierenden Unterschätzung des Nationalsozialismus in Deutschland führte,<255> in dem man lediglich eine Kopie des italienischen Faschismus sah und für den eine ähnliche Diskrepanz zwischen radikalem Anspruch und Herrschaftsrealität prognostiziert wurde.

Woran lag aber nun die schleichende Radikalisierung im Faschismus und die dagegen schon frühzeitig etablierte Kontrolle der Presse im Nationalsozialismus? Die Frage ist grundsätzlich nur zu beantworten, wenn man neben der Berücksichtigung der allgemeinen politisch-sozialen Entwicklung zwei Ebenen mit in die Betrachtung hineinnimmt. Zum einen ist es nötig, den innerparteilichen Strukturwandel sowohl der NSDAP als auch des PNF zu beleuchten, und zum anderen scheint, zumindest was die italienische Seite betrifft,


66

die innerfaschistische Konkurrenzsituation einen tragfähigen Erklärungsansatz zu bieten.

Denn anders als die nationalsozialistische Bewegung, die ihren innerparteilichen Strukturwandel bereits vor ihrer Machtergreifung erlebte,<256> auch wenn die Politik nach 1933 eher anderen Trägerschichten als der innerhalb der Partei gerecht wurde,<257> vollzog sich der Strukturwandel des PNF von einer inhomogenen Sammelbewegung zu einer „bürgerlichen Massenpartei“<258> erst nach ihrer Machteroberung. Das jedenfalls war das Ergebnis der Assimilierungs-, Integrations- und Fusionspolitik Mussolinis nach 1922, die innerparteilich von Farinacci bekämpft wurde, der die „personalistische Binnenstruktur des Faschismus bedroht“<259> sah.

Dieser Prozeß einer nachholenden Parteikonstituierung in Italien bewirkte anfängliche Abstriche bei der Durchsetzung presseorganisatorischer Lenkung. Denn die NSDAP konnte im Gegensatz zum PNF auf eine bereits fest etablierte, hierarchisch organisierte Parteistruktur zurückgreifen, die bis hinunter zu den Orts- und Kreisgruppen strikt vertikal ausgerichtet war. Die PNF aber konnte ihre „chaotische Vielfalt der faschistischen Zersplitterung“ erst Ende der 20er Jahre im Zuge einer Umstrukturierung unter Führung des Parteisekretärs Turati ablegen, der die Partei in eine „bürokratische Massenorganisation“<260> verwandelte.

Erst diese Umwandlung der Partei und die per Zirkular 1927 verfügte Unterordnung der lokalen Parteisekretäre (segretari federali) unter die Provinzpräfekten<261> brachte auch die Möglichkeit einer zentral gesteuerten Presse, da sich erst jetzt das bestehende Machtvakuum zwischen Partei, Staat und den verschiedenen Interessensgruppen zugunsten


67

des Staates verschob und die Partei dem Staat untergeordnet wurde.<262> Daß die Pressekontrolle der Faschisten hinsichtlich ihrer Wirksamkeit schließlich doch hinter der der Nationalsozialisten zurückblieb, ist nicht das Ergebnis eines mangelnden Willens der Faschisten gewesen, sondern ein Beweis der relativen Stärke traditioneller Eliten in Italien, die trotz der erreichten Kompromisse - etwa der Lateranverträge mit der katholischen Kirche -, dem Regime zumindest skeptisch gegenüber eingestellt blieben. Zu diesen Eliten zählte neben der Kirche auch die nach wie vor starke Monarchie und das Heer, das eigenständiger als in Deutschland agierte. Diesen Kräften aber mußten auch gerade in Bezug auf die Pressepolitik Zugeständnisse gemacht werden, da ihre Meinung nicht aus dem italienischen Pressekanon wegzudenken war.

Hatten diese Faktoren zu Anfang der faschistischen Herrschaft eine weitere presseorganisatorische Ausgestaltung und Lenkung gehemmt, so radikalisierte der innerfaschistische Kulturkampf nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten auch die faschistische Propagandaorganisation. Nach außen hin wurde zwar die Achse Berlin-Rom, zumindest seit Italiens Beitritt zum Antikominternpakt und durch Abschluß des deutsch-italienischen Kulturabkommens, gepflegt, nach innen jedoch entfaltete sich eine Abgrenzungs- und Profilbildungsdynamik. Dabei hatte sich die Vorbildfunktion, die der Faschismus für den Nationalsozialismus gespielt hatte, in sein Gegenteil verkehrt.<263> Mussolini versuchte nun, wesentliche Teile des NS-Gleichschaltungs- und Organisationsprinzips zu imitieren, wie u.a. an der Ausgestaltung des Minculpop deutlich geworden ist. Das faschistische Italien als Beispielgeber für den Nationalsozialismus<264> hatte sich selbst in einen Imitator gewandelt, und das »Italia docet« war zu einem »Germania docet« mutiert. Der Charakterisierung und der Einschätzung Manfred Funkes


68

ist in diesem Zusammenhang ohne weiteres zuzustimmen: „Ideologie, Massenpartei, charismatisches Führertum, Terror-, Waffen- und Propagandamonopol sowie eine disponible Wirtschaft waren durchaus Bestimmungselemente der Herrschaft Mussolinis und Hitlers, jedoch von höchst unterschiedlicher Intensität und ideologischem Rigorismus.“<265> Das jedenfalls hat der Blick auf die Presseorganisation bestätigt, ähnliches, freilich unter anderen Bedingungen und Ausformungen, zeigt sich auch auf dem Gebiet des Rundfunks.

Fußnoten:

<117>

Auf diese drei Felder beschränkt sich auch:

Toepser-Ziegert, Gabriele: NS-Presseanweisungen der Vorkriegszeit: Eine Einführug in ihre Edition, Saur, 1984, S. <v. 1-5; in 12 >,

, hier: S. 23. Der rechtliche Rahmen wird als Bestandteil des institutionellen Lenkungsapparates beschrieben, auch wenn man ihn durchaus davon getrennt behandeln kann, so:

Pürer, Heinz; Raabe, Johannes: Medien in Deutschland. Band 1: Presse, Olschlger, 1994,

, hier: S. 68ff. Die von Thomas Bauer vorgeschlagene Kategorie der informellen Lenkung, etwa durch Kameradschaftsabende, wurde wegen der Bewertungsproblematik und fehlendem Material für den italienischen Fall dagegen ausgeklammert, vgl.

Bauer, Thomas: Deutsche Programmpresse 1923 bis 1941. Entstehung, Entwicklung und Kontinuität der Rundfunkzeitschriften, 1993,

, hier: S. 246ff.

<118>

Für eine zusammenfassende Darstellung:

Ruck, Michael: "Führerabsolutismus und polykratisches Herrschaftsgefüge - Verfassungsstrukturen des NS-Staates," Bracher, Karl Dietrich; Funke, Manfred; Jacobsen, Hans Adolf Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, Bundeszentrale für Politische Bildung, 1992, S. 32-56,

, hier: S. 39ff. Freilich kann man auch schon die zeitgenössischen Arbeiten Rauschnings und Neumanns als Frühformen dieser Debatte interpretieren. So:

Herbst, Ludolf: "Der Fall Hitler - Inszenierungskunst und Charismapolitik," Nippel, Wilfried Virtuosen der Macht. Herrschaft und Charisma von Perikles bis Mao, 2000, S. 171-191,

, hier: S. 171.

<119>

So z.B.:

Mommsen, Hans: "Stichwort: Der Nationalsozialismus. Kumulative Radikalisierung und Selbstzerstörung des Regimes," Meyers Enzyklopädisches Lexikon, 1976, 16, S. 785-790,

, besonders: S. 788.

<120>

So auch konstatiert bei:

Broszat, Martin: Der Staat Hitlers. Grundlegung und Entwicklung seiner inneren Verfassung, 2000, 15,

, hier: S. 70.

<121>

So:

Longerich, Peter: "Nationalsozialistische Propaganda," Bracher, Karl Dietrich; Funke, Manfred; Jacobsen, Hans Adolf Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, Bundeszentrale für Politische Bildung, 1992, S. 291-314,

, hier: S. 294.

<122>

Sösemann, Bernd: "Stichwort: Nationalsozialismus," Corsten, Severin Lexikon des gesamten Buchwesens, Hiersemann, 1999, 5, S. 307-319,

, hier: S. 309.

<123>

Diese drei Ebenen skizzierte bereits Hans Frietzsche, ehemaliger Leiter der Abteilung ‚Deutsche Presse‘, 1947 während seiner Haft in Nürnberg. Die Skizze fand im sog. »Wilhelmstraßen-Prozeß« Verwendung. Abgedruckt in:

Abel, Karl-Dietrich: Presselenkung im NS-Staat. Eine Studie zur Lenkung der Publizistik in der nationalsozialistischen Zeit, 1968,

, hier: S. 108f. Siehe hierzu auch: Abbildung 1.

<124>

Vgl. exemplarisch:

Bramsted, Ernest Kohn: Goebbels und die nationalsozialistische Propaganda 1924-1945, 1971,

, hier: S. 102. Einen knappen, dafür in den größeren Kontext einordnenden Überblick bietet:

Herbst, Ludolf: Das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945. Die Entfesselung der Gewalt: Rassismus und Krieg, Suhrkamp, 1996, S. 494, [1],

., hier: S. 85ff.

<125>

Vgl.

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 197. Siehe auch Kapitel 3.1 zur Rundfunkorganisation im Dritten Reich.

<126>

Am ausführlichsten behandelt bei:

Longerich, Peter: Propagandisten im Krieg. Die Presseabteilung des Auswärtigen Amtes unter Ribbentrop, R. Oldenbourg, 1987, S. 356,

, hier: S. 126ff.

<127>

Die entscheidende Rolle von »Führerentscheiden«, »Führererlassen« und »Führerbefehlen« war zum einen Ausdruck einer „führerstaatlichen Verfassungstheorie“, zum anderen aber auch Ergebnis der Kriegsentwicklung. So:

Broszat, Martin: Der Staat Hitlers. Grundlegung und Entwicklung seiner inneren Verfassung, 2000, 15,

, hier: S. 355 und S. 389.

<128>

Durch die Erweiterung des Reichsgebietes und durch den Verlauf des Krieges bedingt wurde die Anzahl der Ämter permanent erhöht. Vgl.

Thamer, Hans-Ulrich: Verführung und Gewalt. Deutschland 1933-1945, Siedler, 1994,

, hier: S. 430 bzw.

Boelcke, Willi A.: Kriegspropaganda 1939-1941. Geheime Ministerkonferenzen im Reichspropagandaministerium, Deutsche Verlagsanstalt, 1966,

, hier: S. 185. Für eine graphische Übersicht des RMVP siehe:

Sösemann, Bernd: "Stichwort: Nationalsozialismus," Corsten, Severin Lexikon des gesamten Buchwesens, Hiersemann, 1999, 5, S. 307-319,

, hier: S. 308 und 312.

<129>

Vgl.

Boelcke, Willi A.: Kriegspropaganda 1939-1941. Geheime Ministerkonferenzen im Reichspropagandaministerium, Deutsche Verlagsanstalt, 1966,

, hier: S. 152. Und:

Bramsted, Ernest Kohn: Goebbels und die nationalsozialistische Propaganda 1924-1945, 1971,

, hier mit Beispielen: S. 124.

<130>

Nach:

Kohlmann-Viand, Doris: NS-Pressepolitik im Zweiten Weltkrieg. Die "Vertraulichen Informationen" als Mittel der Presselenkung, Saur, 1991, S. 199,

, hier: S. 76ff.

<131>

So erhielten die Gauleiter ab 1940 keine blauen Informationsbriefe des DNB mehr, die sogar „vertrauenswürdigen Schriftleitern“ zugänglich waren und lediglich die fünft höchste Geheimhaltungsstufe darstellten. Vgl.

Uzulis, André: Nachrichtenagenturen im Nationalsozialismus. Propagandainstrumente und Mittel der Presselenkung, P. Lang, 1995, S. 356,

, hier: S. 205f.

<132>

So:

Boelcke, Willi A.: Kriegspropaganda 1939-1941. Geheime Ministerkonferenzen im Reichspropagandaministerium, Deutsche Verlagsanstalt, 1966,

, hier: S. 151.

<133>

Vgl.

Bramsted, Ernest Kohn: Goebbels und die nationalsozialistische Propaganda 1924-1945, 1971,

, hier: S. 114.

<134>

Zur Entwicklung des berufsständischen Gedankens im Nationalsozialismus mit weiterführender Literatur:

Faustmann, Uwe Julius: Die Reichskulturkammer. Aufbau, Funktion und rechtliche Grundlagen einer Körperschaft des öffentlichen Rechts im nationalsozialistischen Regime, [s.n.], 1990,

, hier: S. 19ff.

<135>

Zur rechtswissenschaftlcihen Würdigung der Rechskulturkammer vgl.

Ibid.:

.

<136>

Vgl.

Bramsted, Ernest Kohn: Goebbels und die nationalsozialistische Propaganda 1924-1945, 1971,

, hier: S. 128ff.

<137>

Zur rechtswissenschaftlichen Würdigung der Reichspressekammer vgl.

Faustmann, Uwe Julius: Die Reichskulturkammer. Aufbau, Funktion und rechtliche Grundlagen einer Körperschaft des öffentlichen Rechts im nationalsozialistischen Regime, [s.n.], 1990,

, hier: S. 219ff.

<138>

Einen knappen Überblick zum Völkischen Beobachter bietet:

Plewnia, Margarete: "Völkischer Beobachter, München/ Berlin (1887-1945)," Fischer, Heinz-Dietrich Deutsche Zeitungen des 17. bis 20. Jahrhunderts, 1972, S. 381-390,

. Das »Programm« des Völkischen Beobachters findet sich in:

Fischer, Dietrich: Handbuch der politischen Presse in Deutschland 1480-1980, 1981,

, hier: S. 624ff.

<139>

Vgl.

Wulf, Joseph: Presse und Funk im Dritten Reich. Eine Dokumentation, Ullstein, 1983,

, hier: S. 52ff.

<140>

Vgl. hierzu die Dokumente bei:

Ibid.:

, hier: S. 202ff.

<141>

Die Presseschule in Rom wurde 1933 wegen mangelnder Professionalität und mangelndem Praxisbezug geschlossen: Vgl.

Gallavotti, Eugenio: La scuola fascista di giornalismo (1930-1933), SugarCo, 1982, S. 141,

, hier: S. 41ff.

<142>

Vgl.

Müsse, Wolfgang: Die Reichspresseschule. Journalisten für die Diktatur? Ein Beitrag zur Geschichte des Journalismus im Dritten Reich, Saur, 1995, S. 299,

, hier: S. 88ff.

<143>

Siehe hierzu:

Günsche, Karl-Ludwig: Phasen der Gleichschaltung. Stichtags-Analyse deutscher Zeitungen 1933-1938, 1970,

, hier: S. 11. Vgl. auch Anmerkung 105 .

<144>

Zitiert nach:

Wulf, Joseph: Presse und Funk im Dritten Reich. Eine Dokumentation, Ullstein, 1983,

, hier: S. 74ff.

<145>

Zur rechtlichen Würdigung:

Faustmann, Uwe Julius: Die Reichskulturkammer. Aufbau, Funktion und rechtliche Grundlagen einer Körperschaft des öffentlichen Rechts im nationalsozialistischen Regime, [s.n.], 1990,

, hier: S. 234f.

<146>

Zahlen nach:

Toepser-Ziegert, Gabriele: NS-Presseanweisungen der Vorkriegszeit: Eine Einführug in ihre Edition, Saur, 1984, S. <v. 1-5; in 12 >,

, hier: S. 25.

<147>

Vgl.

Hagemann, Walter: Publizistik im Dritten Reich. Ein Beitrag zur Methode der Massenführung, 1948,

, hier: S. 19f. Weitere Angaben siehe: Anmerkung 155 .

<148>

Vgl. hierzu auch den Abschnitt zur ökonomischen Lenkung der Tagespresse und Tabelle 1.

<149>

Vgl.

Longerich, Peter: "Nationalsozialistische Propaganda," Bracher, Karl Dietrich; Funke, Manfred; Jacobsen, Hans Adolf Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, Bundeszentrale für Politische Bildung, 1992, S. 291-314,

, hier: S. 297.

<150>

Vgl.

Lauf, Edmund: Der Volksgerichtshof und sein Beobachter. Bedingungen und Funktionen der Gerichtsberichterstattung im Nationalsozialismus, Westdeutscher Verlag, 1994,

, hier: S. 196ff.

<151>

Siehe hierzu:

Rätsch, Birgit: Hinter Gittern. Schriftsteller und Journalisten vor dem Volksgerichtshof, 1934-1945, Bouvier, 1992,

.

<152>

Die Vossische Zeitung wurde bereits am 31. März 1934 im Zuge der Übernahme des Ullsteinverlages eingestellt. Als dritte überregionale liberale Tageszeitung konnte sich das Berliner Tageblatt bis immerhin 1939 halten, wobei die Zeitung allerdings durch die Besetzung des Chefredakteurpostens mit einem SS-Mann bereits seit 1935 auf strikte Parteilinie gebracht worden war. Vgl.

Gillessen, Günther: Auf verlorenem Posten. Die Frankfurter Zeitung im Dritten Reich, Siedler, 1986, S. 585,

, hier: S. 95 und S. 188. Zur Geschichte der Vossischen Zeitung siehe:

Bender, Klaus: "Vossische Zeitung, Berlin (1617-1934)," Fischer, Heinz-Dietrich Deutsche Zeitungen des 17. bis 20. Jahrhunderts, 1972, S. 25-40,

. Zum Berliner Tageblatt:

Schwarz, Gotthard: "Berliner Tageblatt, Berlin (1872-1939)," Ibid. S. 315-328,

. Eine Gesamteinordnung bietet:

Frei, Norbert; Schmitz, Johannes: Journalismus im Dritten Reich, Beck, 1989, S. 223,

, hier: S. 39ff.

<153>

Unter »Camouflage« versteht man in der Publizistik die Tarnung der eigenen politischen Meinung hinter einem nur für den Eingeweihten verständlichen Vokabular. Vgl. für den Fall der Frankfurter Zeitung:

Diel, Helmut: Grenzen der Presselenkung und Pressefreiheit im Dritten Reich untersucht am Beispiel der 'Frankfurter Zeitung', : Freiburg i.Br., 1960,

<154>

So Joseph Goebbels in seinen Tagebüchern. Ideengeschichtlich sicher nicht ganz verkehrt, findet man jedoch bereits Vorformen der Meinungspresse im Gegensatz zur Kommunikationspresse noch vor dem Dreißigjährigen Krieg. Zitat nach:

Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus, Fischer, 1994,

, hier: S. 159. Für einen historisch umgreifenden pressegeschichtlichen Überblick siehe:

Fischer, Dietrich: Handbuch der politischen Presse in Deutschland 1480-1980, 1981,

, hier speziell: S. 165ff.

<155>

Vgl. hierzu:

Toepser-Ziegert, Gabriele: NS-Presseanweisungen der Vorkriegszeit: Eine Einführug in ihre Edition, Saur, 1984, S. <v. 1-5; in 12 >,

, hier: S. 26ff.

Longerich, Peter: "Nationalsozialistische Propaganda," Bracher, Karl Dietrich; Funke, Manfred; Jacobsen, Hans Adolf Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, Bundeszentrale für Politische Bildung, 1992, S. 291-314,

, hier: S. 297ff. ,

Bramsted, Ernest Kohn: Goebbels und die nationalsozialistische Propaganda 1924-1945, 1971,

hier: S. 136 und am weitreichendsten:

Hale, Oron James: Presse in der Zwangsjacke 1933-1945, 1965,

.

<156>

Vgl.

Sösemann, Bernd: Das Ende der Weimarer Republik in der Kritik demokratischer Publizisten, 1976,

, hier: S. 40ff. Allgemeiner:

De Mendelssohn, Peter: Zeitungsstadt Berlin. Menschen und Mächte in der Geschichte der deutschen Presse, 1982,

, hier: S. 89ff, S. 114ff und S. 233ff.

<157>

Friedrich, Thomas: "Die Berliner Zeitungslandschaft am Ende der Weimarer Republik," Kerb, Diethart; Stahr, Heinrich Das letzte Jahr der Weimarer Republik, 1992, S. 56-67,

, hier: S. 59.

<158>

Vgl.

Schmidt, Fritz (anonym): Presse in Fesseln. Gemeinschaftsarbeit des Verlages auf Grund authentischen Materials, 1948,

, hier: S. 40ff und S. 83ff.

<159>

Angabe nach:

Weiß, Hermann (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich, 1998,

, hier: S. 22.

<160>

Darunter die seit 1939 eingerichtete „Herold Verlags Gmbh“ als Erweiterung der seit 1934 bestehenden Gauverlagsgesellschaften, die „Vera Verlagsgesellschaft“ zur Übernahme der Generalanzeigerpresse und die „Phönix GmbH“, in die die katholischen Presseorgane eingingen. Vgl. hierzu:

Pürer, Heinz; Raabe, Johannes: Medien in Deutschland. Band 1: Presse, Olschlger, 1994,

, hier: S. 81. Und:

Hale, Oron James: Presse in der Zwangsjacke 1933-1945, 1965,

, hier: S. 104ff. Auch schon mit ausführlichem Datenmaterial behandelt bei:

Hagemann, Walter: Publizistik im Dritten Reich. Ein Beitrag zur Methode der Massenführung, 1948,

, hier: S. 40. Eine schematische Übersicht bietet:

Schmidt, Fritz (anonym): Presse in Fesseln. Gemeinschaftsarbeit des Verlages auf Grund authentischen Materials, 1948,

, hier: Anhang VIII.

<161>

Darunter befand sich ein großer Teil der ehemals bürgerlich-konservativen Tageszeitungen und der unpolitischen Generalanzeigerpresse, wie etwa die »Münchener Neuesten Nachrichten« (MNN), das »Hamburger Fremdenblatt«, der »Fränkische Kurier«, die »Dresdner Neuesten Nachrichten«, der »Lübecker Generalanzeiger«, der »Rostocker Anzeiger« u.v.a.m., vgl. die detaillierte Auflistung bei:

Frei, Norbert; Schmitz, Johannes: Journalismus im Dritten Reich, Beck, 1989, S. 223,

, hier: S. 56-59.

<162>

Sösemann, Bernd: "Stichwort: Nationalsozialismus," Corsten, Severin Lexikon des gesamten Buchwesens, Hiersemann, 1999, 5, S. 307-319,

, hier: S. 317. Und:

Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus, Fischer, 1994,

, hier: S. 184. Vgl. hierzu insgesamt auch Tabelle 1.

<163>

Vgl.

Frei, Norbert; Schmitz, Johannes: Journalismus im Dritten Reich, Beck, 1989, S. 223,

, hier: S. 59.

<164>

Das war auch der Grund, warum ab 1934 eine Pflicht zur Nennung der Auflagenhöhe eingeführt wurde, vgl.

Schmidt, Fritz (anonym): Presse in Fesseln. Gemeinschaftsarbeit des Verlages auf Grund authentischen Materials, 1948,

, hier: S. 233.

<165>

Zur begrifflichen Diskussion vgl.

Friedrich, Thomas: "Die Berliner Zeitungslandschaft am Ende der Weimarer Republik," Kerb, Diethart; Stahr, Heinrich Das letzte Jahr der Weimarer Republik, 1992, S. 56-67,

, hier: S. 59ff.

<166>

Kohlmann-Viand, Doris: NS-Pressepolitik im Zweiten Weltkrieg. Die "Vertraulichen Informationen" als Mittel der Presselenkung, Saur, 1991, S. 199,

, hier: S. 139.

<167>

Vgl.

Ibid.:

, hier: S. 56ff.

<168>

Zitiert nach:

Ibid.:

, hier: S. 57.

<169>

Vgl.

Uzulis, André: Nachrichtenagenturen im Nationalsozialismus. Propagandainstrumente und Mittel der Presselenkung, P. Lang, 1995, S. 356,

.

<170>

Vgl.

Daniel, Ute; Siemann, Wolfram: Propaganda: Meinungskampf, Verführung und politische Sinnstiftung (1789-1989), Fischer Taschenbuch Verlag, 1994, S. 248,

., hier: S. 60.

<171>

Vgl. auch für das folgende:

Bramsted, Ernest Kohn: Goebbels und die nationalsozialistische Propaganda 1924-1945, 1971,

, hier: S. 150ff. Auch:

Toepser-Ziegert, Gabriele: NS-Presseanweisungen der Vorkriegszeit: Eine Einführug in ihre Edition, Saur, 1984, S. <v. 1-5; in 12 >,

, hier: S. 29ff. Ausführlich:

Hagemann, Jürgen: Die Presselenkung im Dritten Reich, 1970,

, hier: S. 32ff.

<172>

Vgl. die erhalten gebliebenen Mitschriften:

Boelcke, Willi A.: Wollt Ihr den totalen Krieg? Die geheimen Goebbels-Konferenzen 1939-43, Pawlak, 1989,

.

<173>

Vgl.

Hagemann, Jürgen: Die Presselenkung im Dritten Reich, 1970,

, hier: S. 36.

<174>

Vgl. zur Person Karl Brammers auch die Anmerkung 55 .

<175>

Nach:

Toepser-Ziegert, Gabriele: NS-Presseanweisungen der Vorkriegszeit: Eine Einführug in ihre Edition, Saur, 1984, S. <v. 1-5; in 12 >,

, hier: S. 40.

<176>

Vgl.

Hagemann, Jürgen: Die Presselenkung im Dritten Reich, 1970,

, hier: S. 175ff.

<177>

Kohlmann-Viand, Doris: NS-Pressepolitik im Zweiten Weltkrieg. Die "Vertraulichen Informationen" als Mittel der Presselenkung, Saur, 1991, S. 199,

, hier: S. 76.

<178>

Vgl. auch mit einer umfangreichen Aufzählung:

Frei, Norbert; Schmitz, Johannes: Journalismus im Dritten Reich, Beck, 1989, S. 223,

, hier: S. 96ff.

<179>

So:

Ibid.:

, hier: S. 104.

<180>

Angabe nach:

Toepser-Ziegert, Gabriele: NS-Presseanweisungen der Vorkriegszeit: Eine Einführug in ihre Edition, Saur, 1984, S. <v. 1-5; in 12 >,

, hier: S. 24. Davon waren schätzungsweise alleine 25% nur Schweigegebote:

Hagemann, Walter: Publizistik im Dritten Reich. Ein Beitrag zur Methode der Massenführung, 1948,

, hier: S. 167. Hagemann geht allerdings von nur 50.000 Anweisungen aus.

<181>

Vgl.

Uzulis, André: Nachrichtenagenturen im Nationalsozialismus. Propagandainstrumente und Mittel der Presselenkung, P. Lang, 1995, S. 356,

, hier S. 179ff.

<182>

Kershaw, Ian: "How Effective was Nazi Propaganda?," Welch, David Nazi Propaganda. The Power and the Limitations, 1983, S. 180-205,

, hier: S. 185.

<183>

So:

Schwarzenbeck, Engelbert: Nationalsozialistische Pressepolitik und die Sudetenkrise 1938, Minerva-Publikation, 1979,

.

<184>

Sösemann, Bernd; Schulz, Jürgen Michael: "Nationalsozialismus und Propaganda. Das Konzentrationslager Oranienburg in der Anfangsphase totalitärer Herrschaft," Mosch, Günter Konzentrationslager Oranienburg, 1994, S. 78-94,

, hier: S. 89.

<185>

Vgl.

Kershaw, Ian: "How Effective was Nazi Propaganda?," Welch, David Nazi Propaganda. The Power and the Limitations, 1983, S. 180-205,

, hier: S. 200.

<186>

Vgl. insbesondere für das Pressewesen:

Murialdi, Paolo: La stampa del regime fascista, Laterza, 1986, S. 239,

, hier: S. 1f.

<187>

Zur politischen Geschichte des faschistischen Italiens in deutscher Sprache immer noch am besten:

Lill, Rudolf: Geschichte Italiens in der Neuzeit, 1986, 3,

. Vom gleichen Autor:

Lill, Rudolf: "Italienischer Faschismus und deutscher Nationalsozialismus," Lill, Rudolf; Oberreuter, Heinrich; Altgeld, Wolfgang Machtverfall und Machtergreifung. Aufstieg und Herrschaft des Nationalsozialismus, Bayerische Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit, 1983, S. 169-188,

.

<188>

Die Artikel liegen zum Teil publiziert vor in:

De Felice, Renzo: Mussolini Giornalista, Rizzoli, 1995,

, hier: S. 5-81.

<189>

Vgl.

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier S. 16f.

<190>

Bereits seit 1934 hatte Amann die Gauzeitungen über die „Standarte GmbH“ aus dem Einflussbereich der Gauleiter herausgelöst und in sein Verlagsimperium eingegliedert. Vgl.

Pürer, Heinz; Raabe, Johannes: Medien in Deutschland. Band 1: Presse, Olschlger, 1994,

, hier: S. 80. Der NS-Gaupresse fehlte es darüber hinaus auch nach 1933 zunächst an einem entsprechend großen Marktanteil, vgl.

Hale, Oron James: Presse in der Zwangsjacke 1933-1945, 1965,

, hier: S. 108.

<191>

Siehe zum Problem der Gewalt und zu detaillierten quantitativen Angaben:

Petersen, Jens: "Das Problem der Gewalt im italienischen Faschismus 1919-1925," Mommsen, Wolfgang; Hirschfeld, Gerhard Sozialprotest, Gewalt, Terror. Gewaltanwendung durch politische und gesellschaftliche Randgruppen im 19. und 20. Jahrhundert, 1982, S. 325-348,

.

<192>

Vgl. hierzu die ausführlichere Aufzählung bei

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 175f.

<193>

Vgl. hierzu die detaillierte personelle Aufschlüsselung der faschistischen Staats- und Parteiorganisation in:

De Felice, Renzo: Mussolini il fascista. La conquista del potere 1921-1925, 1966,

, hier: Anhang 4: Governo.

<194>

Der Aventin bzw. der Aventinische Hügel ist einer der sieben Hügel Roms. Der Ausweichort der Opposition war symbolträchtig gewählt, da der Hügel zum einen seit der Römischen Antike für das Versammlungsrecht der Schriftsteller und Dichter stand und zum anderen immer wieder zum Zufluchtsort bedrängter Oppositioneller wurde, etwa schon für Gaius Sempronius Gracchus 122 v.u.Z.

<195>

Direkt an der Entführung und Ermordung Matteotis beteiligt war der Chef von Mussolinis eigenem Pressebüro, Cesare Rossi, den Mussolini daraufhin 1924 auch entlassen mußte. Vgl.

Mantelli, Brunello: Kurze Geschichte des italienischen Faschismus, Wagenbach, 1998,

, hier: S. 69. Dieser Umstand wurde selbst vom Amtsleiter der Reichspressestelle der NSDAP nicht geleugnet:

Dresler, Adolf: Geschichte der italienischen Presse. Teil 3: Von 1900-1935, 1934,

, hier: S. 128.

<196>

Vgl.

Schieder, Wolfgang: "Der Strukturwandel der faschistischen Partei Italiens in der Phase der Herrschaftsstabilisierung," Schieder, Wolfgang Faschismus als soziale Bewegung. Deutschland und Italien im Vergleich, 1983, S. 69-96,

, hier: S. 73.

<197>

Vgl.

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 182.

<198>

Murialdi, Paolo: La stampa del regime fascista, Laterza, 1986, S. 239,

. hier: S. 3.

<199>

Die Disziplinierungsanordnungen Lando Ferrettis sind abgedruckt in:

De Felice, Renzo: Mussolini il fascista. L'organizzazione dello Stato fascista 1925-1929, 1968,

, hier: S. 554ff.

<200>

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 17.

<201>

Vgl. auch:

Arcangeli, Gianfranco: La cattura della ragione. Aspetti della propaganda fascista, Nuova Spada, 1979, S. 154,

, hier: S. 48ff.

<202>

Der Begriff der Propaganda scheint sich im Gegensatz zur NS-Ideologie nicht ganz so gut in die faschistischen Vorstellungen einer Gesellschaftsordnung eingepaßt zu haben. Zur positiven Rezeption des Propagandabegriffes im Nationalsozialismus siehe:

Schieder, Wolfgang; Dipper, Christof: "Stichwort: Propaganda," Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, 1984, 5, S. 69-112,

, hier: S. 104.

<203>

Zahl nach:

Whittam, John: Fascist Italy, Manchester University Press : Distributed exclusively in the USA and Canada by St. Martin's Press, 1995, S. ix, 179,

, hier: S. 91.

<204>

Vgl.

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 243ff.

<205>

Vgl.

Ibid.:

, hier: S. 98f.

<206>

Andrea Hoffend spricht daher auch mehr von einem Kulturkampf als von einer kulturellen Zusammenarbeit der beiden Regime:

Hoffend, Andrea: Zwischen Kultur-Achse und Kulturkampf. Die Beziehungen zwischen "Drittem Reich" und faschistischem Italien in den Bereichen Medien, Kunst, Wissenschaft und Rassenfragen, P. Lang, 1998, S. xiii, 509,

, hier: S. 427ff.

<207>

Vgl. das dritte Kapitel bei:

Aquarone, Alberto: L'organizzazione dello Stato totalitario, G. Einaudi, 1978, 2, S. 2 v. (xii, 620 ),

.

<208>

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 187.

<209>

Vgl. zum Korporativstaatsaufbau, zu Rossoni und dem »sbloccamento«:

Cannistraro, Philip: Historical dictionary of fascist Italy, Greenwood Press, 1982,

, hier: S. 138ff und S. 473f.

<210>

Siehe auch:

Zeitungswissenschaft, Institut für: Handbuch der Weltpresse, 1937,

, hier: S. 230f.

<211>

Detailliert:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 185.

<212>

Für den »Corriere« liegt seit Mitte der 60er Jahre eine detaillierte Geschichte vor:

Melograni, Piero: Corriere della sera (1919-1943), Cappelli, 1965, S. xciii, 624 , [8] of plates,

.

<213>

Murialdi, Paolo: Storia del giornalismo italiano, 1996,

, hier: S. 147.

<214>

Vgl. hierzu auch die weiteren Belege in:

Müsse, Wolfgang: Die Reichspresseschule. Journalisten für die Diktatur? Ein Beitrag zur Geschichte des Journalismus im Dritten Reich, Saur, 1995, S. 299,

, hier: S. 104.

<215>

Siehe auch Fußnote 12 bei:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 19.

<216>

Bereits diese Anordnungen befugten die Präfekten dazu, die verantwortlichen Direktoren einer Zeitung zu bestätigten. Außerdem konnten die Präfekten aufgrund der Verordnungen die Zeitungen beschlagnahmen. Vgl.

Zeitungswissenschaft, Institut für: Handbuch der Weltpresse, 1937,

, hier: S. 230.

<217>

Vgl.

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 181.

<218>

Vgl. auch für alles weitere detailliert:

Murialdi, Paolo: La stampa del regime fascista, Laterza, 1986, S. 239,

, hier: S. 5ff. Diese These vertritt auch im Hinblick auf das italienische Berufsregister, das Vorbild für das Schriftleitergesetz gewesen sein soll:

Schwarzenbeck, Engelbert: Nationalsozialistische Pressepolitik und die Sudetenkrise 1938, Minerva-Publikation, 1979,

, hier: S. 16.

<219>

Vgl.

Mantelli, Brunello: Kurze Geschichte des italienischen Faschismus, Wagenbach, 1998,

, hier: S. 118ff.

<220>

Zahlen nach:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 76. Zu Lando Ferretti siehe auch:

Cannistraro, Philip: Historical dictionary of fascist Italy, Greenwood Press, 1982,

, hier: S. 224.

<221>

Vgl. dazu und für das folgende:

Murialdi, Paolo: Storia del giornalismo italiano, 1996,

, hier: S. 141.

<222>

Vgl. dazu:

Frei, Norbert: Nationalsozialistische Eroberung der Provinzpresse. Gleichschaltung, Selbstanpassung und Resistenz in Bayern, : Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart, 1980, S. 360,

, hier: S. 39.

<223>

Vgl.

Murialdi, Paolo: Storia del giornalismo italiano, 1996,

, hier: S. 144.

<224>

Vgl. hierzu:

Murialdi, Paolo: La stampa del regime fascista, Laterza, 1986, S. 239,

, hier: S. 63ff. Zudem befindet sich im Anhang ab S. 219 eine Übersicht über die wichtigsten Tageszeitungen und ihrer Direktoren im faschistischen Italien.

<225>

Vgl.

Cannistraro, Philip: Historical dictionary of fascist Italy, Greenwood Press, 1982,

, hier: S. 44f. Die Zeitung blieb bis Anfang der 70er Jahre in den Händen der Familie, vgl.

Brütting, Richard: Italien-Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Justiz, Gesundheitswesen, Verkehr, Presse, Rundfunk, Kultur und Bildungseinrichtungen, 1995,

, hier: S. 229.

<226>

Zur Geschichte des »Corriere« unter faschistischer Herrschaft siehe auch:

Fischer, Heinz-Dietrich: Die großen Zeitungen. Porträts der Weltpresse, 1966,

, hier: S. 129ff, speziell S. 133ff.

<227>

Vgl.

Cannistraro, Philip: Historical dictionary of fascist Italy, Greenwood Press, 1982,

, hier: S. 376.

<228>

So:

Fischer, Heinz-Dietrich: Die großen Zeitungen. Porträts der Weltpresse, 1966,

, hier: S. 137.

<229>

Vgl. für diese Einteilung:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 72. Die ersten beiden Kategorien unterscheidet auch:

Ellul, Jacques: Propaganda. The formation of men's attitudes, Vintage Books, 1973, S. xxii, 320, vii,

, hier: S. 70f.

<230>

Anders als in Deutschland wurden die Presseanweisungen schon 1945 publiziert:

Flora, Francesco: Stampa dell'era fascista. Le note di servicio, 1945,

. Veline wurden die Anweisungen zwar schon seit 1930 unter Lando Ferrettio genannt, ihre große Reichweite erlangten sie aber erst durch die »Institutionalisierung« Cianos. Der Name »Veline« kommt von dem Seidenpapier, auf dem sie gedruckt waren:

De Felice, Renzo: Mussolini il duce. Gli anni del consenso 1929-1936, 1974,

, hier: S. 186. Auch:

Brütting, Richard: Italien-Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Justiz, Gesundheitswesen, Verkehr, Presse, Rundfunk, Kultur und Bildungseinrichtungen, 1995,

, hier: S. 863f. Und:

Cannistraro, Philip: Historical dictionary of fascist Italy, Greenwood Press, 1982,

, hier: S. 439.

<231>

Zahlen nach:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 194.

<232>

Vgl. auch für das folgende:

Ibid.:

, hier: S. 80ff.

<233>

Vgl.

Spagnoletti, Giovanni: ""Gott gib uns Brot - Er bereitet es uns und verteidigt es"," Loiperdinger, Martin; Herz, Rudolf; Pohlmann, Ulrich Führerbilder. Hitler, Mussolini, Roosevelt, Stalin in Fotografie und Film, Piper, 1995, S. 111-134,

.

<234>

Detailliert auch:

Petersen, Jens: "Mussolini - der Mythos des allgegenwärtigen Diktators," Nippel, Wilfried Virtuosen der Macht. Herrschaft und Charisma von Perikles bis Mao, 2000, S. 155-170,

, hier: S. 161.

<235>

Vgl.

Murialdi, Paolo: Storia del giornalismo italiano, 1996,

, hier: S. 147.

<236>

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 88.

<237>

Vgl.

Ibid.:

, hier: S. 89.

<238>

So richtete z.B. Luigi Albertini den »Corrire della sera« nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch und im Format nach englischem Vorbild aus. Vgl. hierzu das Stichwort „Corriere della Sera“ in:

Brütting, Richard: Italien-Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Justiz, Gesundheitswesen, Verkehr, Presse, Rundfunk, Kultur und Bildungseinrichtungen, 1995,

, hier: S. 229.

<239>

So auch:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 200.

<240>

Zahlen nach:

Murialdi, Paolo: Storia del giornalismo italiano, 1996,

, hier: S. 142, 154 und 162. Andere Quellen liefern Zahlen von 680.000, so:

Talamo, Giuseppe: Il "Messaggero" un giornale durante il fascismo. Cento anni di storia. Vol. II: 1919 - 1946, 1984,

, hier: S. 310.

<241>

Die Auflagen der Tageszeitungen sind bis heute nicht viel weiter angestiegen. Sie liegen zur Zeit (1997) bei 6.8 Mio. verkauften Exemplaren. Vgl.

Petersen, Jens: "Zur Situation der Massenmedien in Italien heute," Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken, 1997, 77, S. 412-436,

, hier: S. 415. Vgl. zur quantitativen Entwicklung der Tageszeitungen in den 20er und 30er Jahren auch: Tabelle 2.

<242>

1931 wurden in Italien bei einer Gesamtbevölkerung von 41 Mio. 7.4 Mio. Analphabeten über 6 Jahre gezählt, was einen Rückgang gegenüber 1921 von 1.9 Mio. bedeutet. Dieser Rückgang ist allerdings nicht auf die faschistische Erziehungspolitik zurückzuführen, sondern Ergebnis eines allgemeinen Trends, da von 1911 bis 1921 die Analphabetenqutoe etwa um den gleichen Faktor wie von 1921 bis 1931 sank. Genaue Werte liefert:

Regioni, Comitato Nazionale per la celebrazione del primo centenario dell'Unità d'Italia mostra della: Un secolo di statistiche italiane. 1861-1961, 1961,

, hier: S. 795.

<243>

Vgl. hierzu:

Petersen, Jens: "Zur Situation der Massenmedien in Italien heute," Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken, 1997, 77, S. 412-436,

.

<244>

Oft scheint vor allem das Problem darin zu bestehen, daß Regional- und Vorortausgaben doppelt gezählt werden. Siehe:

Friedrich, Thomas: "Die Berliner Zeitungslandschaft am Ende der Weimarer Republik," Kerb, Diethart; Stahr, Heinrich Das letzte Jahr der Weimarer Republik, 1992, S. 56-67,

, hier: S. 60f.

<245>

Siehe:

Zeitungswissenschaft, Institut für: Handbuch der Weltpresse, 1937,

, hier: S. 233.

<246>

Für das folgende:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier. S. 198f. Daneben gab es noch 30 weitere Agenturen, die jedoch keine größere Rolle spielten:

Zeitungswissenschaft, Institut für: Handbuch der Weltpresse, 1937,

, hier: S. 233f.

<247>

Nach:

Ibid.:

, hier: S. 234.

<248>

De Grazia unterscheidet dabei nicht zwischen weichen und harten Maßnahmen zur Konsensbildung, sondern zwischen denen der hohen, bürokratischen und denen der subalternen Politik, die sich eher en passant im Alltag zuträgt:

De Grazia, Victoria: The culture of consent. Mass organization of leisure in fascist Italy, Cambridge University Press, 1981, S. x, 310,

.

<249>

Manfred Funke spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem „Presse-Pogrom“:

Funke, Martin: "Hitler, Mussolini und die Substanz der "Achse"," Bracher, Karl Dietrich; Funke, Manfred; Jacobsen, Hans Adolf Nationalsozialistische Diktatur 1933-1945. Eine Bilanz, Bundeszentrale für politische Bildung, 1986, 192, S. 345-369,

, hier: S. 364.

<250>

Hierzu:

Thompson, Doug: State control in fascist Italy. Culture and conformity, 1925-43, Manchester University Press ;
Distributed exclusively in the USA and Canada by St. Martin's Press, 1991, S. xvi, 174,

, hier: S. 145.

<251>

Vgl.

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 213.

<252>

So:

Ibid.:

, hier: S. 164.

<253>

Während des Krieges wurde auch in Italien wieder eine Pressekonferenz eingeführt. Sie hatte aber zu keiner Zeit eine Bedeutung wie in Deutschland.

<254>

Murialdi, Paolo: La stampa del regime fascista, Laterza, 1986, S. 239,

, hier: S. 146.

<255>

Die Ansicht, daß der deutsche Nationalsozialismus durch seine Regierungsübernahme gezähmt werden würde, war sehr weit verbreitet, auch international. Siehe hierzu:

Thamer, Hans-Ulrich: Verführung und Gewalt. Deutschland 1933-1945, Siedler, 1994,

, hier: S. 9ff. Darüber hinaus wurde der Aufstieg des Nationalsozialismus zum Beispiel aus Sicht der französischen Presse lediglich als ein überspitzter Nationalismus in Deutschland gewertet, vgl.

Kimmel, Adolf: Der Aufstieg des Nationalsozialismus im Spiegel der französischen Presse 1930-1933, 1969,

.

<256>

Vgl.

Kater, Michael H.: "Sozialer Wandel in der NSDAP im Zuge der nationalsozialistischen Machtergreifung," Schieder, Wolfgang Faschismus als soziale Bewegung. Deutschland und Italien im Vergleich, Vandenhoeck & Ruprecht, 1983, S. 25-68,

, hier: S. 25ff.

<257>

Winkler, Heinrich August: "Mittelstandsbewegung oder Volkspartei? Zur sozialen Basis der NSDAP," Ibid. S. 97-118,

, hier: S. 111.

<258>

So:

Petersen, Jens: "Wählerverhalten und soziale Basis des Faschismus in Italien zwischen 1919 und 1928," Ibid. S. 119-156,

, hier: S. 151.

<259>

Schieder, Wolfgang: "Der Strukturwandel der faschistischen Partei Italiens in der Phase der Herrschaftsstabilisierung," Ibid. S. 69-96,

, hier: S. 83.

<260>

Ibid.:

, hier: S. 85 und 87.

<261>

Vgl.

Cannistraro, Philip: Historical dictionary of fascist Italy, Greenwood Press, 1982,

, hier: S. 434f.

<262>

Diese im Gegensatz zum Nationalsozialismus bestehende Unterordnung der Partei unter den Staat im italienischen Faschismus ausführlich behandelt bei:

Germino, Dante: "Der italienische Faschismus in vergleichender Perspektive," Nolte, Ernst Theorien über den Faschismus, 1984, S. 426-448,

, hier: S. 426. Germino geht davon aus, daß im NS-System die Partei mit dem Staat verschmolz.

<263>

So:

Hoffend, Andrea: Zwischen Kultur-Achse und Kulturkampf. Die Beziehungen zwischen "Drittem Reich" und faschistischem Italien in den Bereichen Medien, Kunst, Wissenschaft und Rassenfragen, P. Lang, 1998, S. xiii, 509,

, hier: S. 28. Die Reichspresseschule und die Berufslisten sind dabei zwar keine vernachlässigbaren, aber dennoch strukturell eher unbedeutende Ausnahmen. Vgl.

Müsse, Wolfgang: Die Reichspresseschule. Journalisten für die Diktatur? Ein Beitrag zur Geschichte des Journalismus im Dritten Reich, Saur, 1995, S. 299,

, hier: S. 88ff und S. 104.

<264>

Allgemein:

Hoepke, Klaus Peter: Die deutsche Rechte und der italienische Faschismus. Ein Beitrag zum Selbstverständnis und zur Politik von Gruppen und Verbänden der deutschen Rechten, Droste, 1968,

, hier: S. 125ff. Zum durchaus differenten Italienbild der NSDAP vor 1933 siehe:

Lönne, Karl Egon: "Der "Völkische Beobachter" und der italienische Faschismus," Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken, 1971, 51, S. 539-583,

.

<265>

Funke, Martin: "Hitler, Mussolini und die Substanz der "Achse"," Bracher, Karl Dietrich; Funke, Manfred; Jacobsen, Hans Adolf Nationalsozialistische Diktatur 1933-1945. Eine Bilanz, Bundeszentrale für politische Bildung, 1986, 192, S. 345-369,

, hier: S. 346.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiML DTD Version 2.0
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Fri Oct 11 17:50:39 2002