Hoffmann, Björn: Die Tagespresse und der Rundfunk im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus im Vergleich

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Kapitel 3. Der Rundfunk im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus

Anders als auf dem Pressesektor konnten die Ausgangsbedingungen für den italienischen Faschismus und den deutschen Nationalsozialismus im Bereich des Rundfunks nicht unterschiedlicher sein. Während sich in Italien ein Rundfunkwesen zum Zeitpunkt der Machteroberung des Faschismus noch erst herausbilden mußte, konnte der Nationalsozialismus auf einem bereits bestehenden, vollständig entwickelten Rundfunksystem aufbauen, das sich bereits vor seinem Machtantritt zu einem Massenmedium entwickelt hatte.<266>

Trotz der ungleichen Ausgangsbedingungen in Italien und Deutschland entwickelte sich das Radio im faschistischen Italien jedoch ähnlich wie im Nationalsozialismus zu einem immer intensiver genutzten, weite Teile der eigenen, aber auch der ausländischen Bevölkerung erfassenden Propagandainstrument, das zwar dem Zeitungswesen nie vollständig den Rang als erstes Meinungslenkungsinstrument ablaufen konnte, aber vor allem in Bevölkerungsschichten vorzudringen vermochte, die vordem noch nicht von der Propagandamaschine des italienischen Faschismus erfaßt und in den nationalen Konsens integriert worden waren.

Um die in der Einleitung entwickelte Arbeitshypothese einer ideologischen Prädisposition faschistischer Meinungsmanipulation nun auch an einer im Gegensatz zur Pressepolitik unterschiedlichen Ausgangssituation aufzuzeigen, soll nun im folgenden auf die drei bereits bewährten Kategorien der institutionellen, ökonomischen und inhaltlichen Rundfunklenkung zurückgegriffen werden. Das bringt auch den Vorteil mit sich, daß dadurch die Presse- und Rundfunkpolitik der beiden Regime über die gleichen Kategorien auch in sich miteinander vergleichbar sind. Ausgangspunkt des Vergleiches wird wiederum die nationalsozialistische Rundfunkpolitik sein, wobei in die Darstellung zur faschistischen Rundfunkpolitik überall dort Vergleichselemente miteingehen werden, wo es sich für die Fragestellung des Vergleiches anbietet.


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3.1 Der Mythos einer Rundfunkrevolution: Fortgesetzte Zentralisierung und anhaltender Aufstieg des Rundfunks im Nationalsozialismus

Das Selbstverständnis der Nationalsozialisten speiste sich auf politischer Ebene in nicht unwesentlichen Teilen daraus, durch einen revolutionären Staatsstreich an die Macht gelangt zu sein, was durch den Terminus der nationalsozialistischen »Machtergreifung« auch zum Ausdruck gebracht wurde. Ähnlich verhielt es sich auf rundfunkpolitischer Ebene. Da man den »Systemrundfunk« der Weimarer Republik in allen inhaltlichen und organisatorischen Belangen kritisiert hatte, konnte man ihn zumindest propagandistisch nicht einfach übernehmen. Das Schlagwort einer »Rundfunkrevolution« mußte daher konstruiert werden.

Diese »Funkrevolution«, wie sie von den Nationalsozialisten auch genannt wurde, beruhte dabei auf dem Mythos, daß Eugen Hadamovsky, späterer Reichssendeleiter, zur Zeit der Machtergreifung jedoch noch Abteilungsleiter der Reichspropagandaleitung der NSDAP und »Gaufunkwart« in Berlin, eine reichsweite Übertragung des nationalsozialistischen Fackelzuges durch das Brandenburger Tor mehr oder weniger erzwungen habe.<267> Daß es eine solche »Funkrevolution« jedoch weder am Tag der Machtergreifung gegeben hat, da die Übertragung des Fackelzuges auf dem Instanzenweg über den Reichsinnenminister angeordnet wurde, noch in dieser propagierten Schärfe bei der Reorganisation der Rundfunkinstitutionen oder der Umgestaltung des Rundfunkprogrammes,<268> wird die Darstellung der institutionellen, inhaltlichen und ökonomischen Rundfunklenkung zeigen. Denn die institutionelle Umgestaltung des Rundfunks durch die Nationalsozialisten beschränkte sich trotz späterer Versuche letztlich darauf, den bereits seit 1932 eingeleiteten Zentralisationsprozeß in einer ideologisch besonders radikalisierten Form zu vollenden.<269>

Diese Diskrepanz zwischen propagierter Radikalität und der bestehenden Realität wird sich schließlich auch auf den Gebieten der ökonomischen und der inhaltlich-


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programmgestalterischen Rundfunklenkung zeigen, die keineswegs so außergewöhnlich waren, wie es im alltäglichen Geschichtsbild fest verankert zu sein scheint.<270>

Der institutionelle Rahmen der nationalsozialistischen Rundfunkorganisation

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 die Macht in Deutschland übernahmen, konnten sie auf ein bereits in allen Belangen gut ausgebautes und in Teilen zentralisiertes Rundfunk- und Sendernetz zurückgreifen, das jedoch noch nicht vollständig zentral gelenkt wurde, sondern durch seine Dreiteilung eine föderale Struktur aufwies, deren Zerschlagung aber bereits im vollen Gange war. Die Deutsche Reichspost war dabei bis 1933 für die gesetzgeberischen Arbeiten, die Gebührenerhebung und die Errichtung der Sender, aber auch für die gesamte Wirtschaftsführung des Rundfunks verantwortlich gewesen. Dem Reichsministerium des Inneren dagegen oblag zusammen mit den Länderregierungen die Programmüberwachung und die Entscheidungshoheit über alle kulturellen und politischen Fragen, die bei der Programmgestaltung auftraten und die durch die regional arbeitenden Rundfunkgesellschaften im Detail organisiert wurden.<271>

Die nationalsozialistische Bewegung hatte schon frühzeitig gegen diese Struktur der Rundfunkorganisation polemisiert, eine straffe Zentralisierung des Rundfunkwesens und eine staatliche Kontrolle der Sendeinhalte gefordert. Damit stimmte sie durchaus mit den Vorstellungen der Präsidialkabinette vor 1933 überein, die spätestens seit 1932 mit der personellen Umgestaltung<272> und Zentralisierung des Rundfunkwesens begonnen hatten, die durch die Nationalsozialisten in einer freilich radikalisierten Form vollendet wurde.<273>

Denn mit dem Aufbau des Reichspropagandaministeriums (siehe hierzu auch den Abschnitt zur institutionellen Presselenkung) wurde der Zentralisierungsprozeß de facto


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und de jure weitgehend abgeschlossen, wobei anders als auf dem Gebiet des Pressewesens der staatlichen Kontrolle nicht das Interesse privater Verleger, sondern lediglich der Einfluß einiger Ministerien und die Programmhoheit der Länder entgegenstanden. Dies führte zu Kompetenzstreitigkeiten, die sich sowohl innerparteilich als auch staatlich niederschlugen. Im Ergebnis konnte sich jedoch das RMVP, anders als auf dem Gebiet der Presse, in den entscheidenden Fragen zur Rundfunkpolitik voll durchsetzen.<274>

Dem Postministerium blieb nach der Neuordnung des Rundfunkwesens durch die Nationalsozialisten nur noch die Aufgabe der technischen Instandhaltung der Reichssender, das Innenministerium und die Länder mußten ihre Überwachungsbefugnisse an die entsprechenden Stellen des RMVP abtreten und die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (im folgenden kurz: RRG), die bisher den einzelnen, jetzt aufgelösten Rundfunkgesellschaften übergeordnet war, wurde durch eine personelle Umbesetzung des Aufsichtsrates praktisch mit dem RMVP gleichgeschaltet.<275> Den Vorsitz in der RRG, die nun die „Gesamtleitung des deutschen Rundfunksenderbetriebes“<276> erhielt, führte der jeweilige Staatssekretär im RMVP.

Die fortschreitende Zentralisierung des Rundfunkwesens begünstigte darüber hinaus die personelle Umbesetzung in den ehemaligen Rundfunkgesellschaften, die jetzt als »Reichssender« bezeichnet wurden.<277> Wenn auch die Umstrukturierung in Einzelfällen aus Personalmangel erst im November 1934 abgeschlossen war,<278> so ist die nationalsozialistische Rundfunkpolitik vornehmlich als Personalpolitik zu verstehen.<279> Außerdem hatte die im Gegensatz zur Presse reibungslose Zentralisation des Rundfunkwesens in den Händen des RMVP den Nebeneffekt, daß es, anders als im


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Bereich der Presselenkung, nun keine allzu großen innerparteilichen Konflikte mehr über die Kontrolle der Sender gab. Die Gliederungen der Partei hatten zwar eine wichtige Rolle bei der »Eroberung« des Rundfunks gespielt<280> - Klaus Scheel spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer nationalsozialistischen Unterwanderung des Weimarer Rundfunks<281> -, an der Kontrolle oder auch nur an der Programmgestaltung der Sender aber waren sie nach 1933 nicht beteiligt. Ihre Aufgabe beschränkte sich eher darauf, die Rundfunkhörer organisatorisch zu bündeln, zusammenzufassen und damit zu kontrollieren.

Der Einfluß der Gauleiter und der Gaufunkwarte auf die Kontrolle und die Programmgestaltung der Regionalsender war auch allein deshalb schon beschränkt, weil die Sender in der ersten Phase nationalsozialistischer Herrschaft überregionale Aktivierungspropaganda - etwa durch das verstärkte Senden von Führerreden - betrieben, in der Folgezeit jedoch wieder zu konsensbildender Integrationspropaganda<282> - etwa durch Unterhaltungsmusik - wechseln mußten (siehe hierzu den Abschnitt zur inhaltlichen Programmgestaltung). Der Mitgestaltungsspielraum der Sender war von daher sowohl während der Aktivierungs-, als auch während der Integrationspropaganda begrenzt, da über eine solche im Dienste der Reichsregierung stehende Propaganda keine regionale Akzentuierung der Reichssender möglich war. Einen kurzfristigen Einfluß auf die Gestaltung der Sender konnten die Gauleiter lediglich in ihrer erfolgreichen Abwehr der Sendergruppenzusammenfassung 1934 erzielen,<283> die eine deutliche Ablehnung in der Bevölkerung, aber auch unter überzeugten Nationalsozialisten ausgelöst hatte<284> und daher wieder vorübergehend abgeschafft wurde.

Die Neugestaltung des Rundfunks zum »Großdeutschen Rundfunk« 1937, die sich auch personell in der faktischen Entmachtung Hadamovskys und der Benennung des Kölner


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Intendanten Heinrich Glasmeier zum »Hauptgeschäftsführer« des RRG niederschlug,<285> die Vorbereitung auf den Krieg und das ab 1940 eingeführte Einheitsprogramm des deutschen Rundfunks, beendete schließlich vollständig jede regionale Mitgestaltung am Rundfunkprogramm. Das RMVP hatte nun, jedenfalls für das Hoheitsgebiet des Deutschen Reiches, alleinige Weisungskompetenz für den Rundfunk. Die parteiliche Funkwarte-Organisation, die unter Leitung von Horst Dreßler-Andreß stand,<286> war - ebenso wie die »NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude« (KDF) - nur noch mit der Organisation des Rundfunk-Gemeinschaftsempfanges in den Betrieben und während der Freizeit betraut.<287>

Trotz der führenden Rolle des RMVP in der Organisationshierarchie des Rundfunkwesens blieb die ebenfalls bis 1937 unter Leitung von Dreßler-Andreß stehende Rundfunkabteilung des Ministeriums intern schwach und permanent personell unterbesetzt. Das lag zum einen an der persönlichen Neigung von Goebbels, selbst in das Rundfunkprogramm dirigistisch einzugreifen und sich eine Mitsprache auch im konkreten Fall vorzubehalten, zum anderen jedoch auch an dem Machtkampf zwischen Dreßler-Andreß und Eugen Hadamovsky, der in seiner Funktion als »Reichssendeleiter« immer größeren Einfluß auf die Programmgestaltung ausübte. Heinz Pohle charakterisiert das Verhältnis von Goebbels und Hadamovsky auch dementsprechend: „Was der Presse mit der „Sprachregelung“ auf der täglichen Pressekonferenz gegeben wurde, das vollzog sich für den Rundfunk zur Hauptsache in dieser Kurzschaltung zwischen Goebbels und Hadamovsky“.<288>

Die berufsständische Rundfunkorganisation spielte dagegen mit der Reichsrundfunkkammer anders als im Pressewesen eine untergeordnete Bedeutung und war ihrem Wesen nach eher eine „Werbeagentur“ als ein korporatives


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Kontrollinstrumentarium.<289> Sie ist zwar in ihrer Anlage wohl am deutlichsten nach italienischem Vorbild gestaltet worden, hat jedoch im Gegensatz zur Reichspressekammer nie eine große Rolle gespielt, da sich die Industrie schon 1934 wieder aus der Kammer verabschieden konnte. Der Idee nach sollten in der Reichsrundfunkkammer unter Leitung Dreßler-Andreß‘ die Sprecher und »Schriftleiter« der Rundfunkpresse, die Produzenten und Ingenieure der Radios, die Vertreiber und Verkäufer der Rundfunkgeräte und nicht zuletzt alle Hörerverbände in einer »Rundfunkeinheit« vereinigt werden, in der Praxis jedoch konnte dieser Anspruch nie durchgesetzt werden. Das Reichswirtschaftsministerium hatte erfolgreich zugunsten der Elektroindustrie und der Rundfunkhersteller interveniert,<290> unter denen die wichtigsten die »AEG«, der »Siemens & Halske Konzern« sowie die »Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbh System Telefunken«<291> waren, und damit eine Loslösung der Rundfunkwirtschaft aus der »Rundfunkeinheit« bewirkt.

Die Rundfunkkammer wurde darüber hinaus auch dadurch geschwächt, daß die »Schriftleiter« der Rundfunkpresse nicht in die Rundfunk-, sondern in die Reichspressekammer eingegliedert wurden, und nach der Auflösung der Hörervereinigungen, die der Gleichschaltung zum Opfer fielen, blieb letztlich nur noch ein Angestelltenverband, »die Reichsfachschaft Rundfunk«, in der viel beschworenen »Rundfunkeinheit« zurück. Ohne eine nennenswerte Funktion wurde die Reichsrundfunkkammer 1939 einfach aufgelöst und ihre Aufgaben dem RRG übertragen.

Als Fazit können wir für die institutionelle Rundfunkorganisation im Nationalsozialismus daher festhalten - und dies wird bei der Bewertung von Reichweite und Effizienz der Rundfunkpropaganda von Bedeutung sein -, daß die Organisation des Rundfunks, anders als im Bereich der Presse, zentral durch den Staat geleitet wurde, Parteigliederungen und


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Berufsstand jedoch kaum eine Rolle spielten. Das RMVP konnte sich, wie kaum sonst auf einem Gebiet, im Rundfunkwesen eindeutig durchsetzen, wenn auch das Auswärtige Amt immer wieder versuchte, Kompetenzhoheit für den Auslandsrundfunk zu erlangen.<292> Mehr noch als auf dem Gebiet der Presse vollzog sich die nationalsozialistische Rundfunklenkung über eine bis 1934 abgeschlossene Personalpolitik, die zentrale Posten in den einzelnen Reichssendern mit überzeugten Nationalsozialisten besetzte, wobei die seit 1932 eingeleitete staatliche Zentralisation des Rundfunks zwar hilfreich, aber zur vollständigen Kontrolle des Rundfunks nicht notwendig war, da eine Lenkung des Rundfunks, anders als bei der Presse, schon mit wenigen überzeugten Anhängern nahezu vollständig möglich war.

Der ökonomische Rahmen der nationalsozialistischen Rundfunkorganisation

Ökonomisch konnte sich das RMVP nicht ganz so souverän durchsetzen. Dem Ministerium gehörte zwar die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft zu 100%, nachdem die staatliche Mehrheit an der Gesellschaft bereits seit 1932 mit 51%-iger Beteiligung durch das Postministerium gesichert worden war, eine vollständige Kontrolle über die Rundfunkwirtschaft jedoch, insbesondere über das produzierende Gewerbe, erlangte das Ministerium nie.

Dennoch konnte das Ministerium einen propagandistisch nicht zu unterschätzenden ökonomischen Erfolg aufweisen, den es zum Teil auch gegen den Widerstand der Rundfunkindustrie durchsetzen konnte.<293> Denn mit der Einführung des »Volksempfängers VE 301« konnte der Aufstieg des Radios als Massenmedium, der im übrigen keinesfalls dem Radiogerät als solchem seine soziale Distinktionswirkung nahm,<294> propagandistisch,


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ideologisch und ökonomisch über ein revolutionäres „Teilzahlungssystem“<295> flankiert werden, auch wenn die Idee zu einem billigen Massenempfangsgerät bzw. einem „Einheitsgerät“<296> nicht auf Goebbels oder auf die Nationalsozialisten selbst zurückgeht, sondern entsprechende Bastelanleitungen schon in der Amateur-Rundfunkbewegung der frühen 30er Jahre zu finden ist,<297> und der schwunghafte Aufstieg des Rundfunks Anfang der 30er Jahre als Teil einer europäischen Entwicklung begriffen werden muß. Denn so erstaunlich sich die Entwicklung des deutschen Rundfunks in ihren steigenden Hörerzahlen und verkauften Empfangsgeräten auch ausnehmen mag, so normal erscheint sie doch im internationalen Vergleich.

Die Zahlen zur deutschen Rundfunkentwicklung der 30er Jahre scheinen zunächst für einen vollen Erfolg nationalsozialistischer Rundfunkpolitik zu sprechen. Denn seit der ersten Herstellung des preiswerten »Volksempfängers VE 301« im Jahre 1933 wurden allein bis zur Funkausstellung 1935 1.3 Mio. Hörfunkgeräte verkauft, und bis zum Ausbruch des Krieges waren auf diese Weise schließlich 3.5 Mio. Radios vertrieben worden.<298> Und auch der Anstieg der Rundfunkhörer selbst scheint diese Einschätzung zu stützen. Während 1933 lediglich 4.5 Mio. Radioabonnements in Deutschland verzeichnet werden konnten, so registrierte man 1938 bereits 9.5 Mio. Hörer,<299> deren Zahl 1941 nach


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Ausbruch des Krieges sogar noch einmal auf 16 Mio. anwuchs.<300>

Vergleicht man die deutsche Entwicklung aber mit ähnlich entwickelten Industrieländern, dann ergibt sich ein anderes Bild. So konnte sich zwar die Rundfunkempfangsdichte in Deutschland von 33,3% 1934 auf 46,9% im Jahr 1937 steigern, im Vergleich zu den USA und Großbritannien, die eine Empfangsdichte im gleichen Jahr von 78,3% bzw. 66,1% aufwiesen, erscheint diese Entwicklung jedoch eher als eine nachholende Modernisierung, die nichts mit nationalsozialistischer Politik zu tun hatte, sondern unter den allgemeinen ökonomischen Bedingungen eines neuen, auch wirtschaftlich erfolgreichen Mediums zu sehen ist.<301> Denn erst 1941 konnte das Deutsche Reich mit einer Empfangsdichte von 65% international zu den USA und Großbritannien aufschließen.<302> Man kann daher durchaus annehmen, daß auch unter anderen politischen Bedingungen eine ähnlich schwunghafte Entwicklung des Rundfunks in Deutschland stattgefunden hätte, wobei sich die intendierte radikalideologische bis religiöse Verklärung und Instrumentalisierung durch den Nationalsozialismus gerade auf inhaltlichem Gebiet zeigt, wie im folgenden deutlich wird.

Die inhaltliche Programmgestaltung des nationalsozialistischen Rundfunks

Die der nationalsozialistischen Machtergreifung folgende Neugestaltung des Rundfunks war - vor allem in den ersten Jahren - mit dem ehrgeizigen Ziel verbunden, das liberale


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und individualistische Zeitalter der Presse durch das »neue, nationalsozialistische Zeitalter«<303> des Rundfunks zu ersetzen. Dabei schreckte Reichssendeleiter Hadamovsky auch nicht davor zurück, die »Sendung« des Rundfunks nicht nur in einem physikalisch-technischen Zusammenhang zu erwähnen, sondern als »geistige Sendung« sakral zu erhöhen.<304> Dieser pseudo-religiöse und radikalideologische Anspruch läßt sich dementsprechend auch in den ersten programmgestalterischen Bemühungen der Nationalsozialisten wiederfinden.<305> Allein im ersten Jahr nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurden 50 Hitlerreden im Rundfunk ausgestrahlt und damit jene politisierte und religiös verklärte »Neue Zeit« eingeleitet, die man versprochen hatte.

Allerdings blieben diese Anstrengungen der Nationalsozialisten nicht ohne Widerspruch der Hörer, so daß die Diskrepanz zwischen propagandistischer Indoktrination und dem Wunsch der Hörer nach Unterhaltung, die sich auch schon im Jahr 1933 zeigte, schließlich die gesamte Zeit der nationalsozialistischen Programmgestaltung durchzog und im übrigen andeutet, daß die Propagandamaschinerie des RMVP keineswegs allmächtig schalten und walten konnte, sondern sich vielmehr den Bedürfnissen der Hörer anpassen mußte, auch wenn mit den schon seit der Weimarer Republik bestehenden Intendantenkonferenzen und den seit 1942 abgehaltenen »Hinkel-Sitzungen« in Analogie zu den Reichspressekonferenzen durchaus mächtige inhaltliche Lenkungsinstrumentarien für die Programmstruktur der Reichssender existierten.<306> Insgesamt lassen sich fünf große Phasen programmgestalterischer Rundfunkkonzeption im Nationalsozialismus unterscheiden.<307>

Die erste Phase begann, wie erwähnt, mit dem propagandistischen Trommelfeuer der


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»Neuen Zeit«. Es wurden nicht nur unentwegt politische Reden übertragen, sondern auch pausenlos das gesamte Repertoire an neugeschaffenen NS-Feiern ausgestrahlt. Am berühmtesten ist dabei vielleicht die Wiedergabe des Potsdamer Tages im Rundfunk geworden, in der sich die nationalsozialistische Selbststilisierung exemplarisch ausleben konnte. In den Schulen wurde sogar der Gemeinschaftsempfang dieser Übertragung für alle Schüler angeordnet, um die atmosphärische Dichte dieses Ereignisses noch einmal zu unterstreichen.<308>

Auf die Übersättigung der Bevölkerung mit politisch-propagandistischen Übertragungen<309> reagierte Goebbels bereits im Mai 1933, als er anordnete, maximal nur noch 2 politische Reden im Monat im Rundfunk auszustrahlen. Die Gefahr des Hörerschwundes war damit allerdings noch nicht ausreichend gebannt, weshalb im Winter 1933/34 eine zweite Phase nationalsozialistischer Programmgestaltung einsetzte, die durch das verstärkte Senden deutscher Hochkultur versuchte, die verlorenen Hörer wieder an das Radio zu binden. In einem sogenannten Beethoven-Zyklus wurden sämtliche Beethoven-Sinfonien und die Oper »Fidelio« innerhalb von zwölf Tagen gesendet, und das Frühjahrsprogramm, in der Weimarer Zeit eigentlich durch leichte Unterhaltung geprägt, erlebte im Jahr 1934 eine verstärkte „Kulturpropaganda“,<310> in der Opern von Wagner, Gedichte von Schiller und die Schriften von Chamberlain als „Vorkämpfer einer nationalsozialistischen Weltanschauung“ ausgestrahlt wurden.

Doch auch dieses ambitionierte Programm fand nicht das Gehör der breiten Masse der Bevölkerung, und man mußte notgedrungen 1935 noch einmal das Programm umstellen. Die dritte Phase inhaltlicher Programmgestaltung ist daher durch die Unterhaltungsmusik geprägt,<311> die immer häufiger gesendet wurde. Lag der Musikanteil der Sendungen 1933 noch bei 57,4%, so erhöhte sich dieser Anteil 1938 auf 66,8%.<312> Daneben wurde die neue


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Form der »bunten Unterhaltungssendung« mit hohem Musikanteil ins Leben gerufen, darunter so bekannte Sendungen wie »Der frohe Samstagnachmittag«, »Der blaue Montag« oder das noch nicht militärisch geprägte »Wunschkonzert«.<313> Die vielbeschworene Rundfunkrevolution war damit schließlich auch inhaltlich gescheitert, da man auf bewährte unterhalterische Konzepte aus der Weimarer Zeit zurückgreifen mußte. Der kurzfristige programmgestalterische Umbruch im Jahr 1933 hatte somit auf die langfristige Programmentwicklung des Hörfunks keinen Einfluß, eine politische Instrumentalisierung erfolgte seit Mitte der 30er Jahre fast nur noch über die Gestaltung der Kurznachrichten.<314>

Eine vierte Phase nationalsozialistischer Programmgestaltung ergab sich fast zwangsläufig aus den Bedingungen des Krieges. Wegen des gesteigerten Informationsbedürfnisses der Bevölkerung nach aktuellen Informationen, aber auch wegen der manipulatorischen Absichten des Regimes, die Menschen auf die immer neuen Kriegssituationen einzustimmen, stieg der Anteil der Nachrichten im Rundfunkprogramm seit 1938 wieder kontinuierlich an, was sich auch an dem gestiegenen Wortanteil des Rundfunkprogrammes ablesen läßt, der 1938 nur noch 33 % betragen hatte und bis 1941 wieder auf 38 % anstieg.

Wurde diese Entwicklung von der Bevölkerung anfänglich noch hingenommen und zum Teil sogar erwünscht, so wuchs jedoch mit zunehmender Dauer des Krieges der Unmut der Bevölkerung, wobei noch erschwerend hinzukam, daß unter den Auswirkungen des Krieges auch die Qualität des Rundfunks litt. Zum einen fehlte es an geschultem Rundfunkpersonal, da viele der geeigneten Journalisten an der Front innerhalb der Propagandakompanien<315> eingesetzt wurden, und zum anderen mußten viele der Sender abends abgeschaltet werden, um nicht den feindlichen Bomberverbänden zur Ortung zu dienen. Das RMVP reagierte auf die vielfältigen Klagen der Bevölkerung, aber auch auf


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die zunehmend ungünstigere Kriegssituation dadurch, daß erneut - zum Ende des Krieges hin sogar drastisch - der Wortanteil der Radiosendungen gedrosselt wurde und wieder vermehrt auf Unterhaltung und damit auf die Stärkung der Leidensfähigkeit der Bevölkerung gesetzt wurde. Das beste Beispiel für diese letzte und fünfte Phase programmgestalterischer Ausrichtung während der nationalsozialistischen Herrschaft ist wohl das »Wunschkonzert für die Wehrmacht«, das als die populärste Sendung überhaupt bezeichnet werden kann und zum „Meisterstück“ der Nationalsozialisten bei der „Herstellung einer entpolitisierten »Volksgemeinschaft«“<316> wurde. Bereits seit 1939 in den festen Programmkanon der Reichssender mitaufgenommen, konnte es seine volle Bedeutung vor allem auf dem Höhepunkt des »Rußlandfeldzuges« 1942 erlangen, da das Wunschkonzert, ganz auf »Heiterkeit, Entspannung und Unterhaltung« ausgerichtet, eine propagandistische Brücke zwischen Heimat und Front zu schlagen versuchte. Gustaf Gründgens, der am 1. Oktober 1939 als „Stimme der Heimat“ das »Wunschkonzert für die Wehrmacht« eröffnet hatte, konnte auf diese Weise den Soldaten an der Front „ über Raum und Zeit die Treue der Heimat“ versichern.<317> Außerdem manifestierte sich in den Wunschkonzerten jene als Idealbild konstruierte Geschlechterordnung des nationalsozialistischen Staates, die die zu Hause sorgende Mutter mit dem an der Front kämpfenden Mann zu einer mustergültigen „Volksfamilie“ zusammenschweißte.<318>

Neben dieser zeithistorischen und politischen Einteilung des Radioprogrammes läßt sich darüber hinaus auch eine „geschlechts-, generations- und berufsspezifische Aufteilung des Rundfunkprogrammtages“<319> im Nationalsozialismus ausmachen, die zwar keinen


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spezifisch nationalsozialistischen Ursprung hatte, da es solche diversifizierten Zielgruppensendungen<320> bereits in der Weimarer Republik gab, die aber dennoch in das ideologische Weltbild des Nationalsozialismus eingefügt und entsprechend instrumentalisiert wurde.

Unter Berücksichtigung der hier dargestellten Phasen nationalsozialistischer Radioprogrammgestaltung läßt sich nun auch einiges zur Reichweite und zur Effizienz des Propagandamediums Rundfunk sagen. Denn es hat sich gezeigt, daß die Propagandamaschinerie des RMVP in vielfältiger Weise Rücksicht auf die Wünsche der Bevölkerung hatte nehmen müssen, und es keineswegs so war, daß das RMVP, ohne den Willen der Bevölkerung zu beachten, ihre Programmhoheit ausleben konnte. Im Gegenteil hatte das RMVP mit dem Problem zu kämpfen, daß der Rundfunk im Prinzip schwieriger zu beherrschen war als die Presse, da zwar die Schwarz- und Piratensender eher die Ausnahme blieben,<321> aber der Auslandsrundfunk und die Exilsender,<322> die auf Langwelle bis Deutschland funkten, technisch schwer zu kontrollieren waren, auch wenn das RMVP diesem Phänomen verstärkt mit Störsendern versuchte entgegenzuwirken. Da aber über den Auslandsrundfunk trotz Abhörverbot seit 1939 ungefilterte Informationen nach Deutschland dringen konnten, sah sich Goebbels zu einer offensiveren Politik im Rundfunk genötigt, die mehr auf die Bedürfnisse der Bevölkerung einging. Aus diesem Grund war es im übrigen auch nicht ohne Genehmigung erlaubt, Informationen und Meldungen der Reichssender in den Tageszeitungen einfach zu übernehmen. Man wollte das vergängliche Medium des Radios nicht auf Papier gebannt sehen, da sich auf diese Weise die Widersprüche der Berichterstattung hätten nachvollziehen lassen können.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der auf die Effizienz der rundfunkpolitischen


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Propagandaaktivitäten des nationalsozialistischen Staates hemmend wirkte, war der des „historische(n) Eigensinn(s)“ der Rundfunknutzer und ihrer „eigensinnigen Aneignungsweisen“ des neuen Mediums.<323> Denn auf die individuelle Nutzung der Rundfunkgeräte, d.h. auf das Konsumverhalten der Radiohörer als »Verbraucher« konnte der nationalsozialistische Staat kaum Einfluß nehmen. Wo, wie, warum und ob einem Beitrag im Radio zugehört wurde, das entschieden die Menschen nur für sich allein, sieht man einmal von den öffentlich zelebrierten Rundfunkübertragungen ab.

Wenn auch die Effizienz des Rundfunkmediums damit fragwürdig erscheint, so ist seine Reichweite dennoch als beträchtlich einzuschätzen. Zum einen konnte das nationalsozialistische Deutschland durch den exzessiven Gebrauch des Radios und über seine Politik der »Volksempfänger« zumindest propagandistisch eine „Technikbegeisterung“<324> in der Bevölkerung etablieren, die damit auch die Zustimmung zur nationalsozialistischen Politik an sich zu steigern half,<325> zum anderen darf die technische Innovation des Radios nicht unterschätzt werden, die es der NS-Propaganda ermöglichte, in jede Wohnung und auch noch in das abgelegenste Dorf »live« vorzudringen,<326> auch wenn Goebbels diese Entwicklung durchaus kritisch einschätzte, da er das Radio auf diese Weise zu einem „moderne(n) Verspießungsmittel“<327> verkommen sah, wie er in seinen Tagebüchern vermerkte. Denn die innovative Wirkung des Radiomediums half, auch entgegen der nationalsozialistischen Ideologie, eine spezifische


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angebotsökonomische Massenkultur<328> in Deutschland zu etablieren, die sich von der vorhergehenden bürgerlichen Hochkultur wesentlich unterschied und den Menschen das Gefühl einer gestiegenen Partizipation vermittelte, wenn sich etwa den Frauen, denen der Zugang zum Beruf der Rundfunksprecherin oder der Reporterin aus ideologischen Gründen weitgehend verwehrt wurde,<329> über das Radio im eigenen Haus die Möglichkeit zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bot.<330> Zugespitzt formuliert könnte man diesen reichweitenintensiven Veralltäglichungsprozeß, der sich während des Dritten Reiches nicht zuletzt auch aus ökonomischen Gründen und entgegen der nationalsozialistischen Ideologie, aber durchaus zum Nutzen der staatlichen Radiopropagandanutzung vollzog, als eine „Verweiblichung der Radioaneignung“ bezeichen.<331>

Die Reichweite des Radios im Nationalsozialismus resultierte daher mehr aus der geschickten Steigerung der Popularität des neuen Mediums als aus seiner Ideologisierung. So verstanden es die Nationalsozialisten etwa besonders, die Sportberichterstattung im Dritten Reich an den Namen des Sportjournalisten Dr. Paul Laven zu binden, der nicht nur die Olympiade 1936 in Berlin kommentierte, sondern auch in Leni Riefenstahls »Olympia« Film als Sprecher auftrat, womit nicht nur eine Vermischung von politischer Werbung und journalistischer Berichterstattung zu Tage trat, sondern darüber hinaus auch das Phänomen der persönlichen Hörerbindung effizient ausgenutzt wurde.<332>

Ansonsten gilt jedoch auch für das Radio das, was bereits für den Pressesektor konstatiert werden mußte: die Radiopropaganda der Nationalsozialisten war nur dort erfolgreich, wo


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sie auf bereits bestehenden Werturteilen der Bevölkerung aufbauen konnte. Dort, wo Unglauben, Unverständnis oder existentielle Angst vorherrschte, half auch das Abhörverbot für die ausländischen Sender nicht mehr weiter, das im übrigen sogar für viele Minister und hohe Parteifunktionäre galt.<333> Die Verlautbarungen des »Nationalkomitees Freies Deutschland«<334> (NKFD) etwa, die über den »Deutschen Volkssender»<335> ausgestrahlt wurden, hörte die deutsche Bevölkerung, sofern sie die Wahrheit nicht schon aus dem persönlichen Gespräch mit Soldaten kannte,<336> vor allem deshalb ab, weil man wissen wollte, was mit den eigenen Familienangehörigen an der Front passiert war. Denn entsprechende Berichte über das Schicksal der Soldaten an der Ostfront wurden in deutscher Sprache über den Sender des Nationalkomitees verbreitet.<337>

Die Akzeptanz des nationalsozialistischen Rundfunks sank daher überall dort, wo den Inhalten nicht mehr geglaubt wurde, was sich besonders markant im Verlauf des Zweiten Weltkrieges zeigte. Die Aktivierungserfolge des Rundfunks etwa zur Saarabstimmung dagegen, die auf dem Werturteil der Bevölkerung aufsetzen konnten, waren beträchtlich und haben vielleicht am nachhaltigsten mit dazu beigetragen, die Rundfunkpropaganda der Nationalsozialisten in der ersten Nachkriegszeit als allmächtig einzuschätzen.<338> Die Darstellung hat jedoch gezeigt, daß man keineswegs von einer allmächtigen Rundfunkpropagandamaschinerie des Nationalsozialismus ausgehen kann.


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3.2 Entwicklungsdiktatorische Instrumentalisierung des Rundfunks im italienischen Faschismus

Im Gegensatz zu den Nationalsozialisten gelangten die italienischen Faschisten in einer Zeit zur Herrschaft, als der Rundfunk europaweit noch in seinen Anfängen steckte. Von daher erklärt sich zunächst die vollkommen andere Ausgangssituation, in der eine faschistische bzw. nationalsozialistische Rundfunkpolitik überhaupt erst stattfinden konnte. Dies soll bei der Darstellung und dem Vergleich besonders berücksichtigt werden.

Ungeachtet der für den Faschismus im Vergleich zum Nationalsozialismus ungünstigeren Ausgangslage fällt darüber hinaus jedoch auf, daß der Faschismus den Rundfunk als Propagandamedium erst sehr spät erkannte und eine wirklich effiziente Kontrolle eigentlich erst mit der Errichtung des Minculpop ab 1937 ausüben konnte, wobei entscheidende Teile des Rundfunkwesens wie der Landrundfunk (»Radio Rurale«) sogar erst 1939 zentral durch das Ministerium beaufsichtigt werden konnten.

Dennoch ist auch nicht zu übersehen, daß das faschistische Italien zu Beginn der 30er Jahre in eine nachholende Intensivierungsphase rundfunkpolitischer Propaganda eintrat, die einmal, wie bereits am Beispiel der Presse gesehen, der innerdiktatorischen Entwicklung der faschistischen Herrschaft selbst geschuldet war, die aber auch aus den zunehmenden internationalen Konflikten, in die sich Italien immer mehr verstrickte, resultierte. Im Ergebnis läßt sich der faschistische Rundfunkeinsatz, in Analogie zur Pressepolitik, nur noch in seiner ideologischen Rigorosität, nicht aber in seiner Massivität und politischen Prädisposition von dem nationalsozialistischen unterscheiden.

Um diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Entwicklung des Rundfunkeinsatzes im italienischen Faschismus und im Nationalsozialismus zu erklären, wird es nötig sein, die institutionelle, ökonomische und inhaltliche Rundfunklenkung im italienischen Faschismus darzustellen, wobei - soweit möglich - auch auf die Ergebnisse der Presseorganisation zurückgegriffen werden soll. Denn ähnlich wie im Bereich der Presse wird es auch hier von zentraler Bedeutung sein, die Rundfunkorganisation und ihre


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entwicklungsdiktatorische Instrumentalisierung anhand einer zeitlichen Einordnung in die politische Entwicklung des Faschismus selbst zu beurteilen.<339>

Der institutionelle Rahmen der faschistischen Rundfunkorganisation

Der institutionelle Rahmen rundfunkpolitischer Organisation in Italien ist nicht ohne einen Blick auf seine prinzipiell privatwirtschaftlichen Anfänge zu verstehen.<340> Denn jene Organisation - die Unione Radiofonica Italiana (im folgenden kurz: URI) -, die am 6. Oktober 1924 ein erstes regelmäßiges Programm aus Rom auszustrahlen begann, war in ihrem Kern privatwirtschaftlich organisiert, wenn auch nach Intervention Mussolinis die staatliche Hoheit über das Rundfunkwesen grundsätzlich gewahrt blieb. Mussolinis Forderung, nur einer Organisation und nicht vielen kleineren Unternehmen eine Konzession zum Rundfunkbetrieb zu erteilen, war damit durchgesetzt, denn die URI erhielt als Aktiengesellschaft nur eine zeitlich begrenzte Sendeerlaubnis.

Daß Mussolini sich selbst allerdings anfänglich kaum um das neue Medium Radio kümmerte, dürfte, wie schon erwähnt, vor allem an seiner eigenen journalistischen Ausrichtung und der allgemeinen politischen Situation des faschistischen Regimes gelegen haben. Daß das Radio jedoch durch den privatwirtschaftlichen Betrieb zunächst nur ein Medium der Eliten blieb,<341> hatte vor allem eine soziale und eine kulturelle Ursache. Denn so sehr die soziale Randständigkeit Italiens mit seiner überproportionalen Analphabetenquote vor allem im Süden eine spätere Ausbreitung des Rundfunkmediums begünstigte, so sehr verschleppte sie sie anfänglich dadurch, daß weite Teile der ländlichen Bevölkerung mit Befremden auf die neue Technologie reagierten, ein Umstand, den das Regime bei der späteren Einführung des »Radio Rurale« noch einmal deutlich zu spüren bekam. Erschwerend kam hinzu, daß sich in Italien unter den Bedingungen des Faschismus


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keine Radioamateurbewegung hatte ausbilden können,<342> die für die Radioaneignung in Deutschland von zentraler Bedeutung gewesen war.<343>

Zur Überwachung der URI diente das aus dem Postministerium hervorgegangene Kommunikationsministerium (Ministero delle Communicazioni) unter Federführung Costanzo Cianos, dessen Sohn Galeazzo Ciano später erster Propagandaminister wurde. Doch das Ministerium erwies sich als zu schwach, um das in seiner anfänglichen Ausrichtung private Radiomedium zu steuern, weshalb sich 1926 eine Kommission unter Parteisekretär Turati mit der Frage beschäftigte, wie eine effizientere Kontrolle des Staates über das gesamte Rundfunkwesen gewährleistet werden könne.<344> Die Gründung der Kommission war auch eine Reaktion auf die Lehren der Matteotikrise gewesen, zeigt aber darüber hinaus, daß das Regime die Bedeutung des Rundfunks als Propagandainstrument zunehmend erkannte.

Die Vorstellungen der Kommission fielen dementsprechend aus. Man schlug vor, den Ausbau von landesweiten Sendern voranzubringen, die URI durch eine neue, effizientere und unter direkter staatlicher Kontrolle stehende Institution abzulösen und außerdem eine Zensur- und Kontrollbehörde zu schaffen, die zwischen dem Ministerium und der neuzuschaffenden Institution als Vermittler angesiedelt werden sollte. Innerhalb eines Jahres wurden sämtliche Vorschläge der Kommission umgesetzt, und die staatliche Zentralisierung des Rundfunks konnte damit wesentlich vorangebracht werden.

Schon im Januar 1928 wurde die URI durch die »Ente Italiano per le Audizioni Radiofoniche« (im folgenden kurz: EIAR) abgelöst, die bis zum Ende der faschistischen Herrschaft für die Programmgestaltung des Radios zuständig blieb. Die Kontinuität der Rundfunkanstalt blieb dadurch gewahrt, daß der Direktor der URI, Raul Chiodelli,<345> auch Generaldirektor der EIAR wurde, ein Posten den er bis 1943 behielt. Zwar rekrutierten sich die Träger der neu geschaffenen Rundfunkanstalt auch weiterhin aus privaten Investoren, aber der Einfluß von Partei und Regime vollzog sich jetzt vor allem indirekt über die


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berufsständische Kontrolle der Autoren und Journalisten<346> und direkt über die ebenfalls neu eingerichtete Kontrollinstanz, die sich »Comitato superiore di vigilanza sulle Radiodiffusione« nannte. Diese Instanz, die das Recht zur Zensur und zur Überwachung der kulturellen Programminhalte erhielt, setzte sich aus bekannten Faschisten zusammen. Gaetano Polverelli, der 1931 vorübergehend zum Chef des Pressebüros und noch im Jahre 1943 zum Minister für Volkskultur ernannt wurde,<347> erhielt die Kontrollhoheit über sämtliche journalistischen Fragen, Giuseppe Mulè überwachte die im Radio gesendete Literatur, und Pietro Mascagni etwa, führender Komponist des faschistischen Italien, war für die Kontrolle der Musikinhalte zuständig.<348>

Auch der Ausbau der Sender vollzog sich in Nachfolge der Kommissionsempfehlungen rapide. Hatte es bis 1926 lediglich Sender in Rom, Mailand und Neapel gegeben, kamen bis 1928 die zur flächendeckenden Rundfunkausstrahlung wichtigen Sender in Genua und Bozen hinzu. Außerdem hatten sich mittlerweile auch die Abonnementzahlen von 27.000 im Jahr 1926 auf 61.000 im Jahr 1928 mehr als verdoppelt.<349> Im internationalen Vergleich sind diese Werte zwar verschwindend gering, verdeutlichen aber dennoch die zunehmende Bedeutung des Mediums auch in Italien.

Aber erst mit dem rasanten Anstieg der Hörerzahlen nach 1930, die nach 176.000 im Jahre 1930 978.000 im Jahre 1938 erreichten,<350> wuchs auch noch einmal die Aufmerksamkeit des Regimes. Denn jetzt erreichte das Medium so viele Hörer, daß es Galeazzo Ciano, unter dessen Leitung seit August 1933 das Pressebüro Mussolinis stand, gelang, die Kontrolle über das Radio nach deutschem Vorbild in das neu entstehende Propagandaministerium zu integrieren und damit zentral zu leiten. Konnte er sich noch anfänglich mit seinen Plänen nicht durchsetzen, so entschied Mussolini 1935, die Kontrolle des Radios ganz in die Hände Cianos zu legen. Damit war der Weg frei, dem Propagandaministerium bzw. dem späteren Minculpop jene Aufsichtsfunktion zu


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übertragen, die bis dahin das Kommunikationsministerium inne hatte.

Um die Lenkungsinteressen des Minculpop noch besser durchzusetzen, richtete Cianos Nachfolger und erster Minister des Minculpop, Dino Alfieri, 1937 eine oberste Rundfunkbehörde mit dem Namen »Ispettorato per la radiodiffusione e la televisione« ein, die den Rundfunk nun zentral kontrollieren sollte. Der Leiter wurde direkt von Mussolini ernannt und hatte bis hinein in die Programmgestaltung direkte Weisungsbefugnis.<351> Darüber hinaus erhielt die Behörde nach einer Krisenintervention Mussolinis („istruzioni d‘emergenza“)<352> zum Kriegsausbruch 1940 noch weitere Befugnisse und wurde in drei Sektionen unterteilt, die sich auf die Inlands-, die Auslandspropaganda und das Abhören ausländischer Rundfunkprogramme spezialisierten.<353>

Durch die Vorbereitungen auf den Krieg und den Kriegsverlauf selbst wurde die direkte staatliche Kontrolle über den Rundfunk und seine halbstaatlichen Anstalten schließlich abgeschlossen, indem man zwei weitere Institutionen zu den bereits bestehenden schuf, die vor allem die Kommunikation mit den militärischen Befehlshabern und die direkte Indienstnahme des Radios für den Krieg gewährleisten sollten. Das »Centro radio guerra« war dabei für das militärische Nachrichtenwesen im Rundfunk zuständig, und das »Giornale radio«, das für die rein politischen Nachrichten verantwortlich blieb, wurde zum festen Bestandteil der EIAR.

Neben dieser staatlichen Kontrolle existierte jedoch noch in Analogie zur Presseorganisation die Kontrolle der Partei, die sich zwar weniger auf die regionalen Sender erstreckte, dafür jedoch zumindest bis 1939 nicht unerhebliche Bedeutung für das sogenannte »Radio Rurale« auf dem Land und in den Schulen erlangte. Unter dem Begriff »Radio Rurale« lassen sich all jene Bemühungen des Regimes zusammenfassen, die die Verbreitung des Radios auf dem Land durch spezielle Zielgruppenprogramme, aber auch durch die Verteilung von Empfangsgeräten fördern sollten. Begonnen hatten solche Aktivitäten schon unter dem Kommunikationsminister Costanzo Ciano, der seit 1930


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spezielle Programme zur landwirtschaftlichen Bildung und Unterrichtung hatte entwickeln und ausstrahlen lassen. Auf ihn ist auch die Idee zurückzuführen, Radioapparate in ländlichen Schulen zu verteilen, um dadurch einen Gemeinschaftsempfang<354> der Schüler, so wie es ihn bereits seit 1924 in Deutschland und Großbritannien gab,<355> zu ermöglichen.

Die Bemühungen zu einer möglichst weiten Verbreitung der Radioapparate auf dem Land mündeten schließlich in die Gründung eines Verbandes mit dem Namen »Ente Radio Rurale«, dessen erster Präsident Enrico Marchesi wurde. Dem Verband sollte die Aufgabe obliegen, Rundfunkgeräte an den Elementarschulen des Landes systematisch zu verteilen. Doch die staatlichen Versuche, sich Einflußzonen auf dem Land zu sichern, wurden von den regionalen Parteigliederungen nicht nur positiv betrachtet, da diese um ihren traditionell starken Einfluß in den ländlichen Regionen fürchteten.

Auf Drängen Staraces, Parteisekretär von 1931 bis 1939, gelangte das »Radio Rurale« 1934 schließlich unter die Aufsicht der Partei, nachdem Mussolini Starace selbst zum Präsidenten des Verbandes ernannt hatte. Dadurch hatte sich die Partei zunächst den Einfluß auf den Landfunk gesichert, dessen Attraktivität und Verbreitung damit immer schneller wuchs. Das Schlagwort Mussolinis, in jedes Dorf zumindest einen Radioapparat zu bringen („il villagio deve avere la radio“<356>), rückte so in immer greifbarere Nähe, wenn auch die relativen Erfolge des Landrundfunks in den Schulen und den Organisationen des Dopolavoros, deren Radioapparate man von 4.000 im Jahre 1934 auf 40.000 im Jahre 1938 steigern konnte,<357> nicht darüber hinwegtäuschen können, daß der Einfluß dieser Maßnahmen letztlich dadurch beschränkt blieb, daß man anders als in Deutschland keine auch nur annähernd flächendeckende Radioapparatversorgung gewährleisten konnte. Denn von den 40.000 Dörfern Italiens hatten 1937 erst 6.000 einen Gemeinschaftsempfänger.<358>


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Erst 1939 stiegen die Abonnementenzahlen in Italien auf mehr als 1 Mio. an, und noch 1943 konnte man lediglich 1.7 Mio. registrierte Rundfunkhörer verzeichnen.<359> Im Vergleich zu Deutschland, das 1942 schon über 16 Mio. Hörer zählen konnte, sind das selbst dann noch geringe Werte, wenn man die um 20 Mio. geringere Einwohnerzahl Italiens mitberücksichtigt.<360>

1939 übernahm das Minculpop dann nach zähem Ringen mit den Gliederungen der Partei und dem Erziehungsministerium, das ebenfalls Mitsprache über den Schulfunk verlangte, die Kontrolle über das »Radio Rurale« ganz, womit kurz vor Beginn des II. Weltkrieges die Zentralisierung des Rundfunks abgeschlossen war, ein Ergebnis, das sich im übrigen besonders deutlich an der Programmentwicklung abzeichnete, wie noch darzustellen sein wird.

Ein weiterer Mechanismus zur Kontrolle des Rundfunkwesens ist analog zur Presseorganisation zu werten. Die ständische Zusammenfassung aller für den Rundfunk relevanten Berufe innerhalb der korporativen Syndikatsverfassung blieb zwar, wie bereits beschrieben, ein Torso, die Loyalität der Rundfunkjournalisten konnte auf diese Weise aber ebenso wie die ihrer Kollegen bei den Tageszeitungen gegenüber dem Staat und gegenüber der Partei sichergestellt werden.

Möchte man nun aus den hier vorliegenden Ergebnissen ein Fazit ziehen, dann ist die fortschreitende institutionelle Zentralisierung und Instrumentalisierung des Rundfunks in den Händen des Minculpop nicht zu übersehen. Dennoch kann man auch nicht die Kompetenzprobleme außen vor lassen, die bei der Einschätzung der Effizienz des Rundfunks mit berücksichtigt werden müssen. Denn ähnlich wie der nationalsozialistische war auch der faschistische Herrschaftsapparat von einem permanenten Durcheinander der Machtbereiche, der Zuständigkeiten und der Verantwortlichkeiten geprägt („continua confusione di poteri, di responsabilità, di attribuzioni“<361>), wie Alberto Aquarone aus seiner Analyse des totalitären faschistischen Herrschaftsapparates schlußfolgerte.


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Um jedoch ein endgültiges Bild von der Zentralisation des Rundfunks und von der Reichweite und Effizienz des italienischen Rundfunkwesens unter faschistischer Herrschaft zu bekommen, wird es zunächst nötig sein, den ökonomischen Rahmen des Rundfunks und die programmgestalterische Entwicklung näher darzustellen.

Der ökonomische Rahmen der faschistischen Rundfunkorganisation

Aus der Darstellung der institutionellen Rundfunkkontrolle in Italien ging bereits deutlich die privatwirtschaftliche Ausrichtung des italienischen Rundfunkwesens hervor, die zwar keinesfalls so ausgeprägt war wie in den Vereinigten Staaten von Amerika, aber dennoch einen weit stärkeren Einfluß auf die Programmgestaltung hatte, als es in Deutschland der Fall war. Grundsätzlich waren sowohl die URI als auch ihre Nachfolgerin - die EIAR - als halbstaatliche Aktiengesellschaften organisiert, wobei die 1924 gegründete URI über ein Kapital von 2 Mio. Lire verfügte, die EIAR jedoch zunächst auf 8 und dann auf 10 Mio. Lire zurückgreifen konnte.<362>

Waren in der URI noch vornehmlich die Gesellschaft Marconis und Unternehmen aus der Elektronik- und Telefonindustrie vertreten,<363> so vergrößerte sich die Anzahl der Aktionäre innerhalb der EIAR mit ihrer Neugründung deutlich. Denn an der neuen Gesellschaft waren nun auch Unternehmen beteiligt, die verstärkt aus dem produzierenden und herstellenden Gewerbe kamen. Daneben gesellten sich das erste mal auch Autorenvereinigungen wie die »società autori« oder die »editori musicali e radiodilettanti« und die faschistische Pressegewerkschaft, die »Sindicato del Stampa«, die sich durch ihre Beteiligung an der EIAR nun auch eine Mitsprache der Partei auf die Programminhalte des Rundfunks sicherte. Daran änderte sich auch nichts Grundsätzliches, als im Zuge der


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Weltwirtschaftskrise die Dominanz der SIP (Società Idroellettrica Piemonte) in der EIAR immer ausgeprägter wurde.<364>

Die Zunahme der Aktionäre und die Aufstockung des Aktienkapitals der EIAR bedeuteten zunächst, daß die ökonomische Macht und damit auch der Einfluß des Rundfunkwesens in Italien grundsätzlich wuchs. Das zeichnete sich nicht nur an der Zunahme der Sender und den steigenden Hörerzahlen ab, sondern überdies auch an der Bedeutung, die man der neuen Technik nun zusprach. Dennoch konnte der insgesamt breitere finanzielle Spielraum der EIAR nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Radio in Italien zu Beginn der 30er Jahre wegen zu hoher Kosten für die Teilnehmer<365> noch immer kein Massenmedium war, weshalb sich im Bewußtsein der Funktionäre der EIAR die Einsicht durchsetzte, daß eine Aufwertung und Ausweitung des Rundfunkwesens in Italien nur über steigende Hörerzahlen zu bewerkstelligen sei.

Die Ausweitung der Hörerzahlen aber konnte nur über die Produktion preiswerter Radioapparate gelingen. Anfang der 30er Jahre kosteten die Radios in Italien jedoch noch mehr als 2000 Lire, was bei einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 3000 Lire nur die Wenigsten bereit waren auszugeben. Daher gab es innerhalb der EIAR schon seit Anfang 1930 Bestrebungen, Radiogeräte unter 1000 Lire herstellen und verkaufen zu lassen. Die Überlegungen dazu kamen aber erst ab 1933 richtig in Gang, nachdem man den Erfolg des Goebbelsschen »Volksempfängers« hatte beobachten können.<366> Dies zeigt im übrigen, daß die erfolgreiche deutsche Radiopolitik zwar durchaus als Katalysator für die italienische Entwicklung wirkte, die Einsicht in den Ausbau des Rundfunkwesens in Italien jedoch schon älter als die deutschen Bemühungen war. Auch in Italien gehorchte der Aufstieg des Radios als Massenmedium damit einer allgemeinen ökonomischen Entwicklung.

Bis es jedoch auch in Italien zu einer wirklich forcierten Radiogeräteproduktion kommen konnte, mußten zunächst noch die Konfliktlinien zwischen der Parteiführung und dem


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Minculpop beseitigt werden, da die Parteiführung durch die Popularisierung des Rundfunks nicht ganz zu Unrecht ihren Einfluß zugunsten des Ministeriums schwinden sah. Nachdem sich jedoch Alfieri und Starace 1935 auf eine Aufgabenteilung einigen konnten, die vorsah, daß das Ministerium die Produktion der Radios koordinieren und die Partei über die »Ente Radio Rurale« die Distribution der Radios selbst organisieren sollte, konnte es auch in Italien endlich losgehen. Waren im Laufe des »Radio Rurale« die Preise für Radios schon 1936 auf 575 Lire gefallen,<367> so brachte nun die im April 1937 ausgerufene Aktion des »Radio Ballila« noch einmal eine Senkung des Preises auf 430 Lire, wobei man flankierend auch auf die in Deutschland bewährten Teilzahlungen zurückgriff.<368> Mit dem »Radio Ballila« konnte das Minculpop nun auch seinen ökonomischen Einfluß auf das Rundfunkwesen in voller Breite geltend machen.

Die inhaltliche Programmgestaltung des faschistischen Rundfunks

Die privatwirtschaftliche und damit zunächst nur auf einige wenige Hörer ausgerichtete Orientierung der URI bewirkte, daß es eine politische Beeinflussung des Rundfunkprogrammes durch das faschistische Regime in Italien zunächst nicht gab. In den ersten Jahren wurde überproportional viel erfolgreiche und religiöse Musik von den Rundfunksendern ausgestrahlt, die dem Geschmack des kleinen, elitären Kreises von Hörern entsprach.<369>

Doch mit der Einrichtung der EIAR, dem steigenden Einfluß der Partei auf die Programmgestaltung und der allgemeinen Zentralisierung des Rundfunks begann auch zunehmend die politische Instrumentalisierung des Rundfunks und seiner Programminhalte. Mussolini selbst hatte zwar schon Ende 1925 seine erste Rede im Radio


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gehalten, einen ersten propagandistischen Erfolg aber konnte er im Radio nicht vor seiner berühmten Rede zum »battaglia del grano« am 10. Oktober 1926 verbuchen, einer Rede, die zeitlich ziemlich genau mit den Ausarbeitungen Turatis zur Neuorganisation des Rundfunks zusammenfiel.<370>

Doch auch diese anfänglichen Politisierungserfolge änderten zunächst nichts daran, daß das faschistische Regime kaum oder nur indirekten Einfluß auf die Programmgestaltung der Rundfunksender nahm. Zwar war das Programm auch nicht antifaschistisch ausgerichtet, wie es noch einige Tageszeitungen im Pressewesen gewesen waren, aber eine direkte Gestaltung des Programmes, wie es der Nationalsozialismus vom ersten Tage seiner Herrschaft an betrieben hatte, gab es im italienischen Faschismus anfänglich nicht.

Einen ersten Einschnitt in das Programm des Rundfunks bedeuteten jedoch die täglichen Nachrichtensendungen, »Giornale Radio« genannt, die auf Veranlassung der Regierung ab 1929 täglich 10 bis 30 Minuten lang ausgestrahlt wurden.<371> Die Nachrichten kündigten nicht nur eine erste Politisierung des Rundfunkprogrammes an, sondern erfreuten sich auch schnell einer wachsenden Beliebtheit in der Bevölkerung, da über die gesprochenen Nachrichten auch jene Teile der Bevölkerung Zugang zu den täglichen Nachrichten erlangen konnten, die nicht über die entsprechende Bildung zum Lesen der Tageszeitungen verfügten. Die Übertragung der Nachrichten auf die Dorfplätze oder der Gemeinschaftsempfang in den Organisationen des Dopolavoro (OND) taten ihr übriges, um die anfänglichen Vorbehalte der Landbevölkerung gegenüber der modernen Technik auf ein Minimum zu reduzieren.<372>

Zur Steigerung des Interesses am Rundfunk trugen maßgeblich auch die sogenannten »radiocronace« bei, die mit zunehmender Professionalität schon seit 1926 in Form von Rundfunkreportagen produziert wurden und zumeist aus Direktübertragungen von Reden


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oder von überregionalen Ereignissen bestanden. Am berühmtesten waren dabei die Reden des »Duce«, in denen er vom Balkon seines Büros am Piazza Venezia zu der Bevölkerung sprach. Von besonders einprägender emotionaler Dichte entstanden so etwa die im Radio übertragenen Reden zur Ausrufung des Imperiums am 9. März 1936 oder Mussolinis Rede zum Kriegseintritt Italiens am 10. Juli 1940, die - wie George L. Mosse festgestellt hat - in ihrer Dramaturgie und mythischen Konstruktion einen „neuen politischen Stil zur Beeinflussung der Massen“<373> darstellten.

Die steigende Politisierung des Rundfunks zeigte sich auch an der wohl berühmtesten und beliebtesten Sendung Anfang der 30er Jahre von Roberto Forges Davanzati, der »Cronache del regime«, die am 27. November 1933 das erste Mal ausgestrahlt wurde und ebenfalls eine direkte Reaktion auf die propagandistischen Erfolge in NS-Deutschland war.<374> Davanzati, dessen einfache und emotional ansprechende Sprache den Geschmack seiner Hörer traf, half damit nicht unwesentlich dazu beizutragen, die Zustimmung der Bevölkerung zur Politik des Faschismus zu erhöhen. Davanzatis Kommentare, Berichte und Gespräche mit vielen Persönlichkeiten faschistischer Provenienz schufen ein familiäres Zusammengehörigkeitsgefühl in der Bevölkerung,<375> das seinen danach nicht wieder erlangten Höhepunkt wohl während des Äthiopienkrieges erlebte. Denn nach dem Tod Davanzatis 1936 und nach der Umgestaltung und Umbenennung der Kommentare zunächst in »Cronache fasciste« und dann während des II. Weltkrieges in »Commenti ai fatti del giorno« konnte diese Form staatlicher Meinungslenkung nicht mehr an bereits Geleistetes anknüpfen.<376>

Die 30er Jahre brachten zudem eine in den 20er Jahren noch unbekannte Vielfalt einzelner Sendungen in die Radios, die auf ganz spezielle Hörergruppen ausgerichtet waren. So gab


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es Programme, die nur für Arbeiter auf dem Land (»ora dell‘agricoltore«) und in den Fabriken (»Dieci minuti del lavoratore«) ausgerichtet waren, oder Sendungen, die speziell für Kinder und Jugendliche oder für die vornehmlich zu Hause arbeitenden Frauen gemacht worden waren. Die Zustimmung der Bevölkerung zum Radio zu fördern und zugleich die faschistische Ästhetik<377> auf diese Weise zu befördern, war Absicht von Sendungen, die sich etwa mit den Erfolgen Italiens auf dem Gebiet des Sportes beschäftigten (»Cronache dello Sport« und »Radiosport«) oder Kulturfragen behandelten wie in der »Ora radiofonica«, eine Sendung, die vom faschistischen Kulturinstitut organisiert und ausgestrahlt wurde.<378>

Auch wenn die belehrenden und unterrichtenden Sendungen weniger geschätzt wurden als die unterhaltenden,<379> so setzte das Regime dennoch in der Folgezeit auf das Konzept einer umfassende Volksbildung durch das Radio, etwa mit der »Universitá Radiofonica Italiana« genannten Sendung, in der u.a. das Geschichtsbild des Faschismus vermittelt wurde, indem die italienische Geschichte von Cäsar bis zum Faschismus als eine natuergesetzliche Entwicklung abgehandelt wurde.<380>

Der steigende Anteil staatlicher bzw. ministerieller Programmgestaltung im Radio läßt sich auch quantitativ beschreiben, wie aus einer Aufstellung der Radioprogramme nach Anbietern deutlich hervorgeht. Hatte der Anteil rein staatlicher Sendungen im Hörfunk 1931 noch 22% betragen, so stieg ihr Anteil 1934, auch als Reaktion auf die forcierte deutsche Radiopolitik, auf 33%, ein Wert, der in den Folgejahren trotz des zeitlich sich auch auf bisher ungenutzte Tageszeiten ausweitenden Programmes und des nach wie vor hohen Musikanteiles von 50% gehalten werden konnte.<381> Dazu trugen nicht zuletzt auch die besonders zum Kriegseintritt Italiens verstärkt gesendeten Militär- und Kriegslieder


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bei, die ohne Bedenken auch als Teil der staatlichen Propaganda gewertet werden können.

Überhaupt stellte der II. Weltkrieg ganz neue Anforderungen an das Radio, etwa an jene Rundfunkprogramme, die nur von speziellen Frontsendern ausgestrahlt wurden und den Soldaten auf eine möglichst einfache und leichte Art und Weise tagesaktuelle Ereignisse mitteilen sollten. Eine Spezialform dieser Art der Propaganda stellten die »radioriviste« dar, die aus der Tradition der Theatervarietés hervorgegangen waren<382> und nun dazu benutzt wurden, den Soldaten einen »humoristischen« Nachrichtenüberblick zu geben. Waren die in ihrer Tendenz euphorischen Sendungen zu Beginn des Krieges noch durchaus beliebt, so mußten ihre Macher mit zunehmend ungünstigem Kriegsverlauf einsehen, daß das Programm immer mehr in Sarkasmus abglitt und von den Soldaten als Ironie aufgefasst wurde.<383>

Neben den neueingeführten Kriegsprogrammen wie dem »Radio del Combattente« und der »L‘ora del Soldato«<384> wurde 1941 darüber hinaus ein Programm eingerichtet, das ähnlich wie in Deutschland das »Wunschkonzert für die Wehrmacht«, eine Brücke zwischen Heimat und Front herstellen sollte. In dem sogenannten »Radio Sociale« wurden Hörer dazu aufgefordert, für Soldaten Geld zu sammeln. Bereits im ersten Jahr kamen auf diese Weise über 1 Mio. Lire zusammen.<385>

Betrachtet man nun die institutionelle, ökonomische und inhaltliche Entwicklung des Rundfunks in Italien, so fällt zunächst deutlich die Diskrepanz zwischen der immer weiter fortschreitenden und zunehmenden Kontrolle durch das Minculpop un der nicht steigenden Integrationsfähigkeit durch die Rundfunkpropaganda selbst auf. Denn auch für den italienischen Fall gilt, was wir bereits für den deutschen konstatieren konnten: Überall dort, wo das Regime auf bereits bestehenden Werturteilen und Ansichten der Bevölkerung aufbauen konnte, erzielte es auch Zustimmung zu seiner Politik, wie etwa im Falle des


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Äthiopienkrieges, der dem Wunsch der Bevölkerung nach wiedererlangter Weltgeltung entgegenkam. Aber überall dort, wo Ängste, Befürchtungen und Vorbehalte gegenüber der Politik und ihren Inhalten in der Bevölkerung bestanden, etwa gegenüber den Vorbereitungen zum II. Weltkrieg oder der antisemitischen Propaganda ab 1938,<386> dort wurde auch den staatlichen Verlautbarungen im Radio nicht mehr geglaubt. Schlagendster Beweis hierfür ist der Umstand, daß in Italien der weitgehend unzensierte Sender des »Radio Vaticano« immer größere Hörerschichten erobern konnte. Der Sender hatte zwar erst 1931 seine Arbeit in Italien aufgenommen, sendete dafür jedoch so weit, daß er im ganzen Land empfangen werden konnte. Prinzipiell schwer zu kontrollieren und zu zensieren, entwickelte er sich zu einer regelrechten Gegeninformationsquelle in Italien, die sogar von Goebbels mehr als die kommunistischen Sender gefürchtet wurde, da sie »gläubige« Hörer ansprach und damit, seiner Meinung nach, auch unter den deutschen Katholiken ein sehr großes Ansehen besaß.<387> »Radio Vaticano« sprach sich im Verlaufe des II. Weltkrieges sogar mehrfach gegen die Rassenpolitik des Regimes aus und kritisierte öffentlich die nationalsozialistischen Verbrechen etwa in Polen.<388>

Diese grundsätzlichen Ineffizienzen, die die rundfunkpolitische Organisation des Faschismus aufwies, bedeuteten jedoch nicht, daß es in Italien keinen reichweitenstarken Propagandaeinsatz des Radios für das Regime gab. Im Gegenteil, gerade die Zentralisierungsbemühungen des Minculpop haben gezeigt, daß immer weitere Teile des Rundfunks in den Händen des Ministeriums zusammengefasst wurden. Der springende Punkt jedoch ist, daß gerade die forcierte Propagandisierung des Rundfunks in den späten 30er und den frühen 40er Jahren kontraproduktiv wirkte. Hatte das Regime noch in den 20er Jahren nach der Matteotikrise über die »weichen« Mittel der Propaganda einen weitgehenden Erfolg bei der gesamtgesellschaftlichen Konsensbildung erzielt,<389> so waren es gerade die von den Nationalsozialisten übernommenen Methoden einer radikal beschleunigten Ideologisierung, die von der Bevölkerung abgelehnt wurden.


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Den meisten Erfolg hatte das Regime jedoch auf dem Gebiet der Auslandspropaganda, die man über Kurzwellensender aus Bari vornehmlich in das östliche Mittelmeergebiet und in den arabischen Raum ausstrahlte.<390> Flankiert durch einen »servizio radiofonico« genannten Auslandsrundfunkdienst der »Agenzia Stefani« in mehreren Sprachen<391> und einer Verdreifachung der Sendeleistung dort in den Jahren von 1930 bis 1932, wollte das faschistische Regime „die Renaissance des Imperium Romanum im Mittelmeerraum“<392> vorbereiten. Das gelang ihr propagandistisch im eigenen Land und in einigen Teilen des arabischen Raumes so gut, daß der größte Konkurrent, Großbritannien, seine propagandistische Zurückhaltung aufgab, und sich 1937 mit der BBC ein wahrer »Ätherkrieg« um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum entfaltete.<393> Interessanterweise entwickelte sich Italien in der Folgezeit zu einer der größten Mächte im Bereich der Auslandspropaganda, wohingegen die Erfolge des Inland-Rundfunks weiterhin eher mäßig blieben. Bereits im Oktober 1935, zu einer Zeit da die BBC noch gar keinen Fremdsprachendienst besaß, wurde zu Beginn des Äthiopienkrieges in 14 verschiedenen Sprachen aus Bari gesendet, darunter unter anderem in Deutsch, Französisch und fast allen Balkansprachen.

Dieses Mißverhältnis von einer führenden Rolle Italiens im Auslandsrundfunk und der nach wie vor schleppenden Rundfunkentwicklung im Inneren<394> zeigt aber auch, daß das faschistische Regime in Italien, nachdem es einmal die Wirksamkeit des Radios für seine propagandistischen Ziele entdeckt hatte, in eine rasante nachholende rundfunkpolitische Intensivierungsphase eintrat. Daß sich diese nachholende Propagandisierungsphase im Inneren nicht so entfalten konnte wie im Bereich des Auslandsrundfunks, lag an den bereits dargestellten verschiedenen kulturellen, sozialen und innergesellschaftlichen hemmenden Bedingungen, nicht aber an den Absichten und Zielen faschistischer Rundfunkpolitik, die mehr wollte, als sie letztendlich zu realisieren vermochte.


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3.3 Ideologische Rigorosität als Trennlinie zwischen Faschismus und Nationalsozialismus: Vergleich und Beziehungen

Die Darstellung der rundfunkpolitischen Entwicklungen in Italien und in Deutschland unter den Bedingungen des Faschismus und des Nationalsozialismus haben gezeigt, daß die beiden diktatorischen Staaten trotz vollkommen unterschiedlicher Ausgangssituationen zu einer vergleichbar kontrollierten und meinungsmanipulatorisch gestalteten Rundfunkorganisation und -politik gelangten. Der Schluß liegt nahe, daß man die prinzipiellen Ähnlichkeiten des Rundfunkeinsatzes im Faschismus wie im Nationalsozialismus einer ideologischen Prädisposition zuschreiben kann. Dies bedarf jedoch einer bewertenden Betrachtung.

Die vergleichende Darstellung hatte gezeigt, daß sich der italienische Faschismus erst sehr viel später als der Nationalsozialismus des Radios als Propagandamittel bediente, und das auch erst zu einer Zeit, als sich die internationalen Beziehungen in Europa grundsätzlich verschärften und selbst demokratisch orientierte Regierungen ihren staatlichen Propagandaapparat begannen auszubauen.<395> Von daher wäre grundsätzlich die nachholende Intensivierungsphase des italienischen Rundfunkeinsatzes unter faschistischer Herrschaft auch aus den Bedingungen von Krise und kumulativer Radikalisierung durch den Krieg zumindest mit erklärbar.

Es darf demgegenüber jedoch nicht vergessen werden, daß sowohl der faschistische wie der nationalsozialistische Rundfunkeinsatz diktatorischer Natur war und von daher auf einer anders gearteten Strategie der Macht beruhte als in demokratisch verfaßten Staaten. Der Politologe Herfried Münkler hat in einer Untersuchung zum idealtypischen Einsatz von Macht und Machtausübung in demokratischen und autoritär-despotischen Staaten dieses Phänomen theoretisch beschrieben,<396> das sich auf die Politik des Rundfunkwesens


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unter faschistischer Herrschaft beispielhaft anwenden läßt. Münkler geht davon aus, daß totalitäre im Gegensatz zu demokratischen Staaten ihre Entscheidungsprozesse unsichtbar halten müssen, ihre Art der Machtausübung und ihre Form der Machtdemonstration aber überdurchschnittlich radikal betonen müssen. Auch wenn Münkler dieses Verhältnis von Machtausübung und Entscheidungsprozessen in Demokratien und despotischen Staaten durchaus in einem dialektischen Verhältnis stehen sieht, so läßt sich seine Theorie doch auf unseren Fall übertragen. Denn während etwa Roosevelt mit seinen Kamingesprächen den Rundfunk erfolgreich und geschickt auf eine „sehr kühle Art“<397> einzusetzen vermochte, spiegelte sich in den Rundfunkreden Mussolinis, Cianos, Goebbels‘ oder Hitlers jene theatralische und suggestive Kraft wider, wie sie sich in das zeitgenössische Gedächtnis eingeprägt hat.<398>

Auch wenn man nicht so weit gehen sollte wie Marshall McLuhan, der innerhalb seines Theoriegebäudes ganz folgerichtig, aber historisch schief behaupten konnte, daß Hitler „seine politische Existenz nur dem Radio und den Lautsprecherwagen“<399> verdankte, so stoßen wir über den Vergleich von Faschismus und Nationalsozialismus doch auf eine Gemeinsamkeit, ein Muster oder wesensmäßiges Strukturelement dieser beiden Herrschaftsformen, das in dem propagandistischen Einsatz des Radios paradigmatisch zum Vorschein kommt. Denn es war gerade nicht das Radio selbst, das Hitler und Mussolini hervorbrachte, sondern es war seine perfekte Inszenierung, die es in diesen beiden Regimen so verhältnismäßig groß und mächtig machte. Das hatte freilich seine Grenzen, wie wir gesehen haben. In Italien scheiterte der forcierte Ausbau des Rundfunksystems im Inneren dabei nicht an dem mangelnden Willen der Faschisten zu einer totalen gesellschaftlichen Durchdringung, sondern anfänglich an der nicht genügend großen Einsicht der Entscheidungsträger wie Mussolini in die propagandistische Macht des Mediums, und später verhinderten soziale, kulturelle und machtineffiziente Hindernisse


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den nationalen Ausbau des Radios auf ein ähnliches Niveau wie in Deutschland. Auf dem Gebiet des außenpolitischen Rundfunkeinsatzes aber, und auch das geht aus der vergleichenden Darstellung hervor, konnte sich das faschistische Italien, genauso wie das nationalsozialistische Deutschland, das auf eine besonders günstige politische Voraussetzung zur rundfunkpolitischen Propaganda getroffen war, zu einer hoch wirksamen propagandistischen Großmacht entwickeln.

Es ist daher eher der von Marshall McLuhan kritisierten Aussage Paul Lazarsfelds zuzustimmen, daß „Hitler nicht durch das Radio zur Macht kam, sondern fast trotz dieses Mediums, weil zur Zeit seines Aufstiegs zur Macht das Radio in den Händen seiner Gegner war“.<400> Denn es lag in der ideologischen Prädisposition und in der Notwendigkeit zur »Visualisierung der Macht« des Faschismus und des Nationalsozialismus begründet, den Rundfunk in einer besonders radikalen Art und Weise zu benützen und einzusetzen. Adorno und Horkheimer hatten diese Radikalität, die ihrer Meinung nach zur eigentlichen Aussage des Faschismus selbst wurde, noch aus eigener Anschauung so formuliert: „Die Nationalsozialisten selber wußten, daß der Rundfunk ihrer Sache Gestalt verlieh wie die Druckpresse der Reformation... Das gigantische Faktum, daß die Rede überall hindringt, ersetzt ihren Inhalt, wie die Wohltat jener Toscaniniübertragung anstelle ihres Inhalts, der Symphonie, tritt.“<401>

Daneben half das Radio sowohl den Faschisten als auch den Nationalsozialisten ganz wesentlich dazu beizutragen, den gesamtgesellschaftlichen Konsens zu steigern, da das Radio zugleich atavistische und modernistische Anschauungen zu transportieren half. Marshall McLuhan schreibt dazu: „Die unterschwelligen Tiefen des Radios sind erfüllt vom Widerhall der Stammeshörner und uralten Trommeln. Das ist dem Wesen dieses Mediums eigen, das die Macht hat, die Seele und die Gemeinschaft in eine einzige Echokammer zu verwandeln.“<402> Diese Echokammer war es, die die Nationalsozialisten und die Faschisten ausfüllen konnten, weniger durch eine anders geartete Programmgestaltung oder durch eine Neuordnung des Rundfunkwesens insgesamt, als vielmehr in der Radikalität ihres Einsatzes, die nicht zuletzt auch aus dem Dualismus des


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Bewegungs- und Regierungscharakters der beiden Regime entsprang.<403>

Bei allen Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten, die zwischen faschistischem und nationalsozialistischem Rundfunkeinsatz festgestellt werden konnten, müssen aber daneben auch die gravierenden Unterschiede vor allem hinsichtlich der zeitlichen Entwicklung und der ideologischen Rigorosität erkannt und eingeschätzt werden. Während die zeitlichen Verzögerungen des faschistischen Rundfunkeinsatzes bereits durch zahlreiche innenpolitische Entwicklungen und sozio-kulturelle Bedingungen erklärt scheinen, so ist die Frage der unterschiedlichen ideologischen Rigorosität dagegen noch nicht hinreichend erläutert.

Giovanni Spagnoletti hat versucht, den in seiner Intensität so unterschiedlichen Einsatz des Radios als Propagandainstrument in den beiden Ländern mit der unterschiedlichen Konstruktion charismatischer Führung zu erklären. Seiner Ansicht nach unterschieden sich der Mythos des »Duce« und der des »Führers« so grundlegend voneinander, daß sich dieser Unterschied auch wesentlich auf die Gestaltung der Propaganda ausgewirkt habe. Spagnoletti sieht die Konstruktion des Duce-Kultes durch die „szenische Bravour ihres Protagonisten“ visuell wirken, wohingegen der Kult des »Führers« auf eine „geometrische Anordnung der Massen“,<404> also auf eine eher räumliche Gestaltung der Propaganda hinauslief. Dabei, so Spagnoletti, habe die Andersartigkeit der propagandistischen Choreographie auch eine prinzipiell verschiedene Anwendung der Mittel hervorgerufen, die in ihrem Kern für den Faschismus indirekt und damit tendenziell kleinbürgerlich gewesen seien, für den Nationalsozialismus aber radikal und daher originär faschistisch.<405>

Diese Einschätzung Spagnolettis deckt sich auch mit den Ergebnissen einer vergleichenden Analyse charismatischer Herrschaftsstrukturen durch Maurizio Bach, der den institutionellen Rahmen der charismatischen Diktaturen in Italien und in Deutschland


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untersucht und verglichen hatte. Neben den Ergebnissen, die sich auch hier aus der Darstellung der Presse- und Rundfunkorganisation ergeben haben, sieht Marizio Bach als herausragendsten Unterschied der beiden Systeme, daß dem italienischen Faschismus die „maßnahmenstaatliche Doppelstruktur des Verwaltungssystems“<406> im Sinne Ernst Fraenkels gefehlt habe. Zwar lassen sich auch für den italienischen Faschismus durchaus maßnahmenstaatliche Elemente finden, aber die Einschätzung des Nationalsozialismus als ein System, daß die Willkür zum Regierungsprinzip erhoben habe, läßt zumindest die stärkere ideologische Rigorosität, die wir für den Bereich des Rundfunks, aber auch für den Bereich der Presse feststellen konnten, erklären.

Neben der Einordnung dieser Ähnlichkeiten und Unterschiede bleibt auch noch die Frage nach den rundfunkpolitischen Beziehungen der beiden Regime und damit die Frage nach ihren gegenseitigen Beeinflussungen zu beantworten. Es ist zwar durchaus so, daß ähnlich wie auf dem Pressesektor auch für den Bereich des Rundfunks zumindest für den institutionellen Zentralisationsprozeß, aber auch etwa für den rassenpolitischen Radikalisierungsprozeß von einer Vorbildfunktion des Nationalsozialismus für den Faschismus gesprochen werden kann, da aber der Faschismus selbst, besonders verstärkt ab den 30er Jahren, eine außenpolitische Intensivierung seiner Rundfunkpolitik betrieb, ist dieses Verhältnis nicht ganz so eindeutig zu beantworten, wie auf dem Gebiet der Presse.

Die direkten Beziehungen der beiden Länder auf dem Rundfunksektor<407> fanden nach den zaghaften Anfängen in Folge des deutsch-italienischen Kulturabkommens vom November 1938<408> zu Beginn des Zweiten Weltkrieges ein relativ jähes Ende, da zwar nicht die inhaltliche Absprache der beiden Propagandaministerien bzw. der Auswärtigen Ämter durch den Krieg beendet wurde, wohl aber das deutsche Abhörverbot für ausländische Sender auch die italienischen Sendestationen miteinbezog. Damit aber gab es nach 1939


108

offiziell keine italienische Rundfunkpropaganda in Deutschland mehr, in Italien dagegen durfte auch weiterhin deutsche Propaganda in italienischer Sprache ausgestrahlt werden, auch wenn man im April 1940 darin übereinkam, die deutschen Sendungen täglich auf eine Viertelstunde zu begrenzen.

Einflußreicher und bedeutender dagegen waren die indirekten Beziehungen bzw. Beeinflussungen der beiden Regime, so wie sie sich auch auf dem Pressesektor gezeigt hatten. Die Zentralisierung der Rundfunklenkung in den Händen des Minculpop ist dafür das beste Beispiel, da sich die Organisation des Rundfunks in Italien nach deutschem Vorbild richtete. Interessant bleibt dabei jedoch die Tatsache, daß zwar die Faschisten die straffe Organisation der Rundfunklenkung von den Nationalsozialisten imitierten, die Nationalsozialisten jedoch ihre Idee einer Rundfunkeinheit zuvor von den Faschisten übernommen hatten. Auch für den Rundfunk läßt sich daher konstatieren, daß sich das »Italia docet« in ein »Germania docet« wandelte, wobei jedoch gerade hier immer mehr der innerfaschistische Kulturkampf und die Radikalisierungen durch den Krieg im Vordergrund standen.


Fußnoten:

<266>

Vgl.

Führer, Karl Christian: Wirtschaftsgeschichte des Rundfunks in der Weimarer Republik, Verlag für Berlin-Brandenburg, 1997,

, hier: S. 55ff.

<267>

Vgl. hierzu:

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 154ff. Aktueller:

Diller, Ansgar: Rundfunkpolitik im Dritten Reich, 1980,

, hier: S. 56ff.

<268>

So:

Dussel, Konrad: Deutsche Rundfunkgeschichte. Eine Einführung, 1999,

, hier: S. 89ff.

<269>

Vgl. hierzu am ausführlichsten:

Wessels, Wolfram: Hörspiele im Dritten Reich. Zur Institutionen-, Theorie- und Literaturgeschichte, Bouvier, 1985, S. 561,

, hier: S. 64ff.

<270>

So auch:

Keidel, Hannemor: "Stichwort: Volksempfänger," Benz, Wolfgang Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, dtv, 1992, S. 203-205,

, hier: S. 205.

<271>

Nach:

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 189.

<272>

Hierzu:

Dahl, Peter: Arbeitersender und Volksempfänger. Proletarische Radio-Bewegung und bürgerlicher Rundfunk bis 1945, Syndikat, 1978,

, hier: S. 105.

<273>

Insbesondere unter den Kabinetten Papen und Brüning wurde der Zentralisierungsprozeß forciert, so ging bereits im November 1932 die Aktienmehrheit der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft auf die Reichspost über. Vgl.

Klingler, Walther: Nationalsozialistische Rundfunkpolitik 1942-1945. Organisation, Programm und die Hörer, 1983,

, hier: S. 21f.

<274>

Am hartnäckigsten versuchte Göring als preußischer Ministerpräsident seinen Einfluß zu wahren:

Diller, Ansgar: Rundfunkpolitik im Dritten Reich, 1980,

, hier: S. 84f.

<275>

Vgl.

Klingler, Walther: Nationalsozialistische Rundfunkpolitik 1942-1945. Organisation, Programm und die Hörer, 1983,

, hier: S. 28.

<276>

Zitiert nach:

Diller, Ansgar: Rundfunkpolitik im Dritten Reich, 1980,

, hier: S. 134.

<277>

Nach:

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S.190.

<278>

So etwa im Falle des Reichssenders in Köln:

Heimann, Dieter: "NS-Rundfunkführung am Beispiel des westdeutschen Rundfunks," Lerg, Winfried B. Rundfunk und Politik 1923 bis 1973, 1975, S. 153-178,

, hier: S. 159.

<279>

Ansgar Diller geht in diesem Zusammenhang sogar so weit, die nationalsozialistische Personalpolitik als „Revolutionsersatz“ zu bezeichnen:

Diller, Ansgar: Rundfunkpolitik im Dritten Reich, 1980,

, hier: S. 108. Eingehend dargestellt auch bei:

Münkel, Daniela: "Produktionssphäre," Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998, S. 45-128,

, hier: S. 51ff.

<280>

Vgl.

Rimmele, Dorette: "Anspruch und Realität nationalsozialistischer Rundfunkarbeit vor 1933 in Hamburg," Lerg, Winfried B. Rundfunk und Politik 1923 bis 1973, 1975, S. 135-157,

.

<281>

Vgl.

Scheel, Klaus: Krieg über ätherwellen. NS-Rundfunk und Monopole 1933-1945, Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1970, S. 316,

, hier: S. 24ff.

<282>

Siehe hierzu:

Ellul, Jacques: Propaganda. The formation of men's attitudes, Vintage Books, 1973, S. xxii, 320, vii,

, hier: S. 70f.

<283>

Insgesamt wurde um die Jahreswende 1933/34 versucht, drei Sendergruppen in Deutschland zu etablieren, die geographisch in ein Nord-, ein West- und in ein Südostgebiet aufgeteilt werden sollten. Hadamovsky hatte die geplante Zusammenlegung mit einer Qualitätssicherung begründet, dahinter stand jedoch das Ziel einer stärkeren Kontrolle der einzelnen Reichssender. Vgl.

Diller, Ansgar: Rundfunkpolitik im Dritten Reich, 1980,

, hier: S. 169ff.

<284>

Vgl.

Heimann, Dieter: "NS-Rundfunkführung am Beispiel des westdeutschen Rundfunks," Lerg, Winfried B. Rundfunk und Politik 1923 bis 1973, 1975, S. 153-178,

, hier: S. 163.

<285>

Damit war das alte kollegiale Prinzip innerhalb der RRG endgültig beendet und das »Führerprinzip« hielt auch im Rundfunk Einzug:

Dussel, Konrad: Deutsche Rundfunkgeschichte. Eine Einführung, 1999,

, hier: S. 88.

<286>

Eine der wenigen Aufgaben, die Dreßler-Andreß nach der Neuordnung des Rundfunks 1937 noch geblieben war, da er die Leitung der Rundfunk-Abteilung im RMVP an den Breslauer Intendanten Hans Kriegler ebenso wie die Präsidentschaft in der Reichrundfunkkammer abgeben mußte und seine Funktion im RMVP auf die organisatorische Zusammenarbeit mit der KDF begrenzt wurde. Vgl.

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 218f. Und:

Dussel, Konrad: Deutsche Rundfunkgeschichte. Eine Einführung, 1999,

, hier: S. 88.

<287>

Eingehend:

Krausse, Joachim: "Volksempfänger. Zur Kulturgeschichte der Monopolware," Bonn, Staatliche Kunsthalle Berlin und Bundesverband Bildender Künstler Kunst und Medien, 1984, S. 81-112,

, hier: S. 108ff.

<288>

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 216.

<289>

Faustmann, Uwe Julius: Die Reichskulturkammer. Aufbau, Funktion und rechtliche Grundlagen einer Körperschaft des öffentlichen Rechts im nationalsozialistischen Regime, [s.n.], 1990,

, hier: S. 248, allgemein zur rechtlichen Würdigung der Kammer: S. 239ff. So wurden etwa im Auftrag der Kammer Anfang der 30er Jahre täglich 2000 Prospekte für den Volksempfänger verteilt und Werbefahrten in entlegene Dörfer organisiert. Eine eingehende Beschreibung liefert auch:

Kutsch, Arnulf: Rundfunkwissenschaft im Dritten Reich, Saur, 1985,

, hier: S: 8ff.

<290>

Bramsted, Ernest Kohn: Goebbels und die nationalsozialistische Propaganda 1924-1945, 1971,

, hier: S. 138.

<291>

Vgl.

Scheel, Klaus: Krieg über ätherwellen. NS-Rundfunk und Monopole 1933-1945, Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1970, S. 316,

, hier: S. 8. Zur Konzentrationsbewegung in der Rundfunkindustrie seit Mitte der 20er Jahre vgl.

Führer, Karl Christian: Wirtschaftsgeschichte des Rundfunks in der Weimarer Republik, Verlag für Berlin-Brandenburg, 1997,

, hier: S. 40ff.

<292>

Vgl.

Boelcke, Willi A.: Die Macht des Radios. Weltpolitik und Auslandsrundfunk 1924-1976, Ullstein, 1977, S. 703,

, hier: S. 83ff. Und:

Diller, Ansgar: Rundfunkpolitik im Dritten Reich, 1980,

, hier: S. 206ff.

<293>

Die Funkindustrie fürchtete eine zu geringe Verdienstspanne:

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 255.

<294>

Denn es gab nach wie vor Rundfunkgeräte in der Größe einer Truhe, die bürgerliches Prestige evozieren sollten, vgl.

Schmidt, Uta C.: "Radioaneignung," Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998, S. 243-360,

, hier: S. 313f.

<295>

Das Teilzahlungssystem hatte mit 18 Monaten eine ungewöhnlich lange Laufzeit und wurde zusammen mit der Stromrechnung kassiert, was eine fristgerechte Bezahlung garantierte. Vgl.

Krausse, Joachim: "Volksempfänger. Zur Kulturgeschichte der Monopolware," Bonn, Staatliche Kunsthalle Berlin und Bundesverband Bildender Künstler Kunst und Medien, 1984, S. 81-112,

, hier: S. 91.

<296>

Überlegungen zu einem Radio-Einheitsgerät bestanden in der deutschen Rundfunkindustrie bereits seit 1928, worauf das Emblem des »Volksempfängers« hindeutet, das bereits 1928 entworfen worden war, vgl.

Friemert, Chup: "Radiowelten. Objektgeschichte und Hörformen," Ruppert, Wolfgang Chiffren des Alltags. Erkundungen zur Geschichte der industriellen Massenkultur, 1993, S. 61-104,

, hier: S. 94.

<297>

Die Idee zu einem Volksempfänger tauchte bereits 1930 in der Funkwochenschrift »Die Sendung« auf. Selbst der Name „Volksempfänger“ ist keine Erfindung der Nationalsozialisten, Bastelanleitungen für preiswerte Geräte unter dieser Bezeichnung finden sich etwa schon 1931 in der Fachzeitschrift »Funk«. Vgl.

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 253. Moderne Marketingstrategien für preiswerte Rundfunkgeräte, die zudem leicht bedienbar sein sollten, kamen daneben vor allem aus Amerika, vgl.

Krausse, Joachim: "Volksempfänger. Zur Kulturgeschichte der Monopolware," Bonn, Staatliche Kunsthalle Berlin und Bundesverband Bildender Künstler Kunst und Medien, 1984, S. 81-112,

, hier: S. 93.

<298>

Zahlen nach:

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 256.

<299>

Zahlen nach:

Mitchell, Brian R.: International Historical Statistics Europe 1750-1988, Stockton Press, 1992, 4,

, hier: S. 776.

<300>

Zahl nach

Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus, Fischer, 1994,

, hier: S. 160. Danach sank die Zahl der Rundfunkgeräte kriegsbedingt wieder auf 15. Mio. Vgl.

Scheel, Klaus: Krieg über ätherwellen. NS-Rundfunk und Monopole 1933-1945, Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1970, S. 316,

, hier: S. 228.

<301>

Allerdings wirkte sich die monopolisierte und kartellierte Wirtschaft durchaus absatzfördernd aus, so:

Krausse, Joachim: "Volksempfänger. Zur Kulturgeschichte der Monopolware," Bonn, Staatliche Kunsthalle Berlin und Bundesverband Bildender Künstler Kunst und Medien, 1984, S. 81-112,

, hier: S. 84f. Dagegen geht Ansgar Diller davon aus, daß ohne den Volksempfänger 1937 erst 6 Mio. anstelle der 9.5 Mio. Rundfunkgeräte angemeldet gewesen wären. Vgl.

Diller, Ansgar: "Der Volksempfänger. Propaganda- und Wirtschaftsfaktor," Mitteilungen des Studienkreises Rundfunk und Geschichte, 1983, 3, S. 140-157,

, hier: S: 156.

<302>

Alle Zahlen nach:

Keidel, Hannemor: "Stichwort: Volksempfänger," Benz, Wolfgang Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, dtv, 1992, S. 203-205,

, hier: S. 204. Vgl. hierzu auch Tabelle 3 und zum Problem der Rundfunkempfangsdichte Anmerkung 472 .Leicht variierende Zahlen bei:

Krausse, Joachim: "Volksempfänger. Zur Kulturgeschichte der Monopolware," Bonn, Staatliche Kunsthalle Berlin und Bundesverband Bildender Künstler Kunst und Medien, 1984, S. 81-112,

, hier: S. 87. Krausse bezieht sich auf Angaben bei:

Höckel, Alois: Die deutsche Rundfunkwirtschaft, 1938,

, hier: S. 21.

<303>

Die Ausrufung bzw. Antizipation einer »Neuen Zeit« war überhaupt fester Bestandteil der politischen Religion des Nationalsozialismus, in ihr wurde für die Nationalsozialisten das Kommende zum „Prinzip des Bewußtseins von Gesellschaft und Geschichte“, so:

Bärsch, Claus-Ekkehard: Die politische Religion des Nationalsozialismus. Die religiöse Dimension der NS-Ideologie in den Schriften von Dietrich Eckart, Joseph Goebbels, Alfred Rosenberg und Adolf Hitler, W. Fink, 1998, S. 406,

, hier: S. 45.

<304>

Zitiert nach:

Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus, Fischer, 1994,

, hier: S. 164. Vgl. zur „Metaphysik des Rundfunks“ auch:

Wessels, Wolfram: Hörspiele im Dritten Reich. Zur Institutionen-, Theorie- und Literaturgeschichte, Bouvier, 1985, S. 561,

, hier: S. 116ff.

<305>

Einen Überblick über die weltanschaulichen Grundlagen des Rundfunks im Dritten Reich bietet:

Ibid.:

, hier: S. 109ff.

<306>

Vgl.

Münkel, Daniela: "Produktionssphäre," Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998, S. 45-128,

, hier: S. 97f.

<307>

Nach:

Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus, Fischer, 1994,

, hier: S. 165ff. vgl. dazu auch:

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 273ff.

<308>

Vgl.

Halefeldt, Horst O.: Schul- und Bildungsfunk in Deutschland. Quellen 1923-1945, 1976,

, hier: S. 21.

<309>

Vgl. auch:

Frei, Norbert; Schmitz, Johannes: Journalismus im Dritten Reich, Beck, 1989, S. 223,

, hier: S. 85f.

<310>

So:

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 280.

<311>

Vgl. zum Wandel der Musikinstrumentalisierungen:

Grün, Rita von der: "Funktionen und Formen von Musiksendungen im Rundfunk," Heister, Hanns-Werner; Klein, Hans-Günter Musik und Musikpolitik im faschistischen Deutschland, 1984, S. 98-106,

.

<312>

Zahlen nach:

Kohlmann-Viand, Doris: NS-Pressepolitik im Zweiten Weltkrieg. Die "Vertraulichen Informationen" als Mittel der Presselenkung, Saur, 1991, S. 199,

, hier: S. 124. Gleiche Werte liefert auch:

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, S. 327, dessen Zahlen auf statistischen Angaben der RRG beruhen. Vgl. hierzu auch Tabelle 3.

<313>

Zitiert nach:

Drechsler, Nanny: Die Funktion der Musik im deutschen Rundfunk 1933-1945, 1988,

, hier: S. 102.

<314>

Zu diesem Ergebnis war auch Konrad Dussel durch eine Querschnittsanalyse des Hörfunkprogrammes von den 20er bis zu den 60er Jahren gekommen:

Dussel, Konrad: "Kontinuität und Wandel des Rundfunks. Hörfunkprogramme zur Mittagszeit von den 20er bis zu den 30er Jahren," Mitteilungen des Studienkreises Rundfunk und Geschichte, 1995, 4, S. 201-209,

.

<315>

Als Vorbild des kämpfenden Journalisten in den Propagandakompanien galt im übrigen Mussolini, der als Journalist und Soldat am I. Weltkrieg teilgenommen hatte.

<316>

So:

Pater, Monika: "Rundfunkangebote," Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998, S. 129-242,

, hier: S. 224.

<317>

Zitiert nach:

Schröter, Heinz: Unterhaltung für Millionen. Vom Wunschkonzert zur Schlagerparade, 1973,

, hier: S. 102. Vgl. dazu auch die Transkription der Weihnachtsringschaltung von 1942, in der Teilnehmer von fast jedem Frontabschnitt zusammen mit der »Heimat« „Stille Nacht, heilige Nacht“ sangen, in:

Schmidt, Uta C.: "Radioaneignung," Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998, S. 243-360,

, hier: S. 357f.

<318>

Vgl.

Pater, Monika: "Rundfunkangebote," Ibid. S. 129-242,

, hier: S. 239.

<319>

Münkel, Daniela: "Produktionssphäre," Ibid. S. 45-128,

, hier: S. 103.

<320>

Darunter Schul-, Lehrer,- Frauen-, Land- und Arbeiterfunk etc., vgl.

Leonhard, Joachim-Felix: Programmgeschichte des Hörfunks in der Weimarer Republik, DTV, 1997,

, hier: S. 348.

<321>

So gab es einen aktiven Piratensender während des Krieges, der aus einer Berliner Ruine sendete. Außerdem hatten Häftlinge des KZ Buchenwald einen Sender gebaut, der allerdings bis zum Eintreffen der Amerikaner nicht in Betrieb genommen wurde. Vgl.

Dahl, Peter: Arbeitersender und Volksempfänger. Proletarische Radio-Bewegung und bürgerlicher Rundfunk bis 1945, Syndikat, 1978,

, hier: S. 183.

<322>

Am ausführlichsten zu den Exilsendern in Spanien, Paris und Moskau:

Ibid.:

, hier: S. 184ff. Vgl. zu Spanien und zur kommunistischen Exilpropaganda:

Scheel, Klaus: Krieg über ätherwellen. NS-Rundfunk und Monopole 1933-1945, Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1970, S. 316,

, hier: S. 95ff. Handbuchüberblick:

Pütter, Conrad; Loewy, Ernst: Rundfunk gegen das 'Dritte Reich'. Deutschsprachige Rundfunkaktivitäten im Exil 1933-1945. Ein Handbuch, Saur, 1986,

.

<323>

So:

Schmidt, Uta C.: "Radioaneignung," Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998, S. 243-360,

, hier: S. 252ff.

<324>

So Hans Mommsen in seinem Nachwort zu David Schoenbaums Arbeit:

Schoenbaum, David: Die braune Revolution. Eine Sozialgeschichte des Dritten Reiches, Ullstein, 1999,

, hier: S. 319. Vgl. auch:

Dröge, Franz; Müller, Michael: Die Macht der Schönheit. Avantgarde und Faschismus oder die Geburt der Massenkultur, 1995,

, hier: S. 22f.

<325>

Dazu gehört sicher auch die Tatsache, daß der »Volksempfänger« seit 1934 nicht gepfändet werden durfte. Vgl.

Krausse, Joachim: "Volksempfänger. Zur Kulturgeschichte der Monopolware," Bonn, Staatliche Kunsthalle Berlin und Bundesverband Bildender Künstler Kunst und Medien, 1984, S. 81-112,

, hier: S. 90.

<326>

Auf dem Land wurde dem Radio eine besonders hohe Aufmerksamkeit entgegengebracht, vgl.

Führer, Karl Christian: Wirtschaftsgeschichte des Rundfunks in der Weimarer Republik, Verlag für Berlin-Brandenburg, 1997,

, hier: S. 41. Da es keine Aufzeichnungstechnik im größeren Umfang gab bzw. eine Studiotechnik im heutigen Sinne noch nicht entwickelt war, mußten alle Sendungen im Rundfunk »live« ausgestrahlt werden, vgl. auch zu weiterführender Literatur:

Pater, Monika: "Rundfunkangebote," Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998, S. 129-242,

, hier: S. 140.

<327>

Zitiert nach:

Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus, Fischer, 1994,

, hier: S. 159.

<328>

Vgl. hierzu:

Dröge, Franz; Müller, Michael: Die Macht der Schönheit. Avantgarde und Faschismus oder die Geburt der Massenkultur, 1995,

, hier: S. 29.

<329>

In der Weimarer Republik hatte es zwar nicht viele Sprecherinnen gegeben, aber das Berufsbild hatte zumindest begonnen, sich herauszubilden. Erst durch den Personalmangel im II. Weltkrieg bedingt, wurden verstärkt Frauen als Ansagerinnen beschäftigt. Vgl.

Münkel, Daniela: "Produktionssphäre," Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998, S. 45-128,

, hier: S. 73ff.

<330>

Vgl.

Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von (Hrsg.): Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998,

, hier: S. 28f. Eingehend:

Schmidt, Uta C.: "Radioaneignung," Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998, S. 243-360,

, hier: S. 333ff. Daneben:

Friemert, Chup: "Radiowelten. Objektgeschichte und Hörformen," Ruppert, Wolfgang Chiffren des Alltags. Erkundungen zur Geschichte der industriellen Massenkultur, 1993, S. 61-104,

.

<331>

Schmidt, Uta C.: "Radioaneignung," Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998, S. 243-360,

, hier: S. 305.

<332>

Vgl.

Münkel, Daniela: "Produktionssphäre," Ibid. S. 45-128,

, hier: S. 73ff.

<333>

Am 15. Januar 1942 erließ Hitler sogar die Weisung, daß nur Göring, Ribbentrop, Keitel, die drei Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtsteile, sowie Lammers, Frick, Goebbels und der Reichspostminister Ohnesorge zum Abhören von Auslandssendern berechtigt seien:

Boelcke, Willi A.: Die Macht des Radios. Weltpolitik und Auslandsrundfunk 1924-1976, Ullstein, 1977, S. 703,

, hier: S. 456.

<334>

Dem Komitee gehörte neben zahlreichen Kommunisten etwa auch der Oberbefehlshaber der 6. Armee, Generaloberst Friedrich Paulus, an, der bis zum Ende in Stalingrad hatte ausharren müssen.

<335>

Neben dem Rundfunksender vertrieb das Komitee auch eine Zeitung, vgl.

Petrik, Birgit: 'Freies Deutschland' - die Zeitung des Nationalkomitees 'Freies Deutschland' (1943-1945), 1979,

.

<336>

Dussel hält die „direkte Kommunikation“ der Bevölkerung mit Nachbarn oder heimgekehrten Soldaten für den entscheidenden Faktor, der zu den Glaubwürdigkeitsverlusten des NS-Rundfunks geführt habe:

Dussel, Konrad: Deutsche Rundfunkgeschichte. Eine Einführung, 1999,

, hier: S. 116. Vgl. auch die Transkription von Erinnerungen in:

Schmidt, Uta C.: "Radioaneignung," Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998, S. 243-360,

, hier: S. 355.

<337>

Scheel zufolge häuften sich nach dem Fall von Stalingrad die anonymen Zuschriften an Familien, die man aus dieser Quelle über die Kriegsgefangenschaft ihrer Söhne oder Väter informierte. Vgl.

Scheel, Klaus: Krieg über ätherwellen. NS-Rundfunk und Monopole 1933-1945, Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1970, S. 316,

, hier: S. 205f.

<338>

Vgl.

Heinzle, Christoph: "Großeinsatz im "Saarkampf". Testlauf für die nationalsozialistische Rundfunkpropaganda," Mitteilungen des Studienkreises Rundfunk und Geschichte, 1995, 2/3, S. 117-131,

.

<339>

Zur Übersicht und zur besseren Einordnung siehe auch die Abbildungen 1 und 2.

<340>

Vgl.

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 226. Und:

Monteleone, Franco: Storia della radio e della televisione in Italia. Societa, politica, strategie, programmi 1922-1992, Marsilio, 1992,

, hier: S. 5ff. Eingehend auch:

Papa, Antonio: "Le origine politiche della radio in Italia (1922-1926)," Belfagor, 1975, XXX, S. 45-66,

.

<341>

Dies jedenfalls beschreibt:

Monticone, Alberto; Parola, Luigi: Il fascismo al microfono. Radio e politica in Italia (1924-1945), Studium, 1978, S. xii, 450,

, hier: S. 1ff.

<342>

So zeitgenössich:

Gorini, Mario: "Die Entwicklungsgeschichte des italienischen Rundfunks und sein Kriegseinsatz," Welt-Rundfunk, 1941, 11/12, S. 6-19,

, hier: S. 8.

<343>

Vgl.

Dahl, Peter: Arbeitersender und Volksempfänger. Proletarische Radio-Bewegung und bürgerlicher Rundfunk bis 1945, Syndikat, 1978,

<344>

Vgl. hierzu:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 228f.

<345>

Vgl.

Cannistraro, Philip: Historical dictionary of fascist Italy, Greenwood Press, 1982,

, hier: S. 117.

<346>

Vgl.

Monticone, Alberto; Parola, Luigi: Il fascismo al microfono. Radio e politica in Italia (1924-1945), Studium, 1978, S. xii, 450,

, hier: S. 38.

<347>

Vgl.

De Felice, Renzo: Mussolini l'alleato 1940-1945. I. L'Italia in guerra 1940-1943: Crisi e agonia del regime, 1990,

, hier: S. 740. Daneben:

Cannistraro, Philip: Historical dictionary of fascist Italy, Greenwood Press, 1982,

, hier: S. 432.

<348>

Vgl.

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 229. Zu Einzelbiographien vgl.

Cannistraro, Philip: Historical dictionary of fascist Italy, Greenwood Press, 1982,

.

<349>

Zahlen nach:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 230.

<350>

Zahlen nach:

Mitchell, Brian R.: International Historical Statistics Europe 1750-1988, Stockton Press, 1992, 4,

, hier: S. 776. Vgl. hierzu auch Tabelle 4.

<351>

Erster Inspektor wurde Giuseppe Pession, Pionier der Rundfunktechnik und pensionierter Admiral. Vgl.

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 246.

<352>

Vgl.

Ibid.:

, hier: S. 259.

<353>

Es scheint bis jetzt noch nicht näher untersucht worden zu sein, ob die Sektion zum Abhören ausländischer Radiostationen eventuell den deutschen Seehausdienst zum direkten Vorbild gehabt hatte.

<354>

Siehe hierzu auch zeitgenössisch:

Reinboth, Gerhard: "Italienische Volksgemeinschaft und Gemeinschaftsempfang," Welt-Rundfunk, 1940, 4/9, S. 35-39,

.

<355>

Vgl.

Halefeldt, Horst O.: Schul- und Bildungsfunk in Deutschland. Quellen 1923-1945, 1976,

, hier: S. 11ff.

<356>

Zitiert nach:

Monticone, Alberto; Parola, Luigi: Il fascismo al microfono. Radio e politica in Italia (1924-1945), Studium, 1978, S. xii, 450,

, hier: S. 88.

<357>

Zahlen nach:

Monteleone, Franco: Storia della radio e della televisione in Italia. Societa, politica, strategie, programmi 1922-1992, Marsilio, 1992,

, hier: Anmerkung 42, S.105. Ähnliche Werte enthält:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, S. 242, allerdings bezieht Cannistraro die Zahlen nur auf Schulen.

<358>

Zahl nach:

Reinboth, Gerhard: "Italiener und der Rundfunk," Wagenführ, Kurt Jahrbuch Welt-Rundfunk 1937/38, 1938, S. 50-54,

, hier: S. 53.

<359>

Zahlen nach:

Mitchell, Brian R.: International Historical Statistics Europe 1750-1988, Stockton Press, 1992, 4,

, hier: S. 776. Vgl. hierzu auch Tabelle 4.

<360>

Allerdings muß dabei auch berücksichtigt werden, daß das Schwarzhören in Italien aus propagandistischen Erwägungen heraus weniger bestraft wurde als etwa in Deutschland, und der Gemeinschaftsempfang im Italien der 30er Jahre einen wesentlich höheren Stellenwert besaß. Nach:

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 444, Anmerkung 899.

<361>

Aquarone, Alberto: L'organizzazione dello Stato totalitario, G. Einaudi, 1978, 2, S. 2 v. (xii, 620 ),

, hier: S. 305.

<362>

Zahlen und ökonomische Entwicklung bei:

Monticone, Alberto; Parola, Luigi: Il fascismo al microfono. Radio e politica in Italia (1924-1945), Studium, 1978, S. xii, 450,

, hier: S. 37ff.

<363>

Hauptaktionärin 1923 war mit 82,9 % die »Radiofono - Società Italiana per le Radiocommunicazioni Circolari«, während die »SIRAC - Società Italiana Radio Audizioni Circolari« mit 17,1 % als Minderheitsaktionärin in die URI einstieg. Vgl.

Strenske, Bettina: Rundfunk und Parteien in Italien, 1993,

, hier: S. 110.

<364>

Vgl. hierzu:

Monticone, Alberto; Parola, Luigi: Il fascismo al microfono. Radio e politica in Italia (1924-1945), Studium, 1978, S. xii, 450,

, hier: S. 40f.

<365>

1937 betrug die Rundfunkgebühr in Italien noch 82 Lire, was schon zeitgenössisch etwa von Gerhard Reinboth als hemmender Faktor für die italienische Rundfunkentwicklung betrachtet wurde. Vgl.

Reinboth, Gerhard: "Italiener und der Rundfunk," Wagenführ, Kurt Jahrbuch Welt-Rundfunk 1937/38, 1938, S. 50-54,

, hier: S. 51.

<366>

Vgl.

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 242.

<367>

Zahl nach:

Ibid.:

, hier: S. 241.

<368>

Interessant erscheint in diesem Zusammenhang, daß man in Italien genau wie in Deutschland das Teilzahlungssystem auf 18 Raten festsetzte, wobei hier nicht geklärt werden konnte, ob es sich dabei um eine direkte Übernahme des deutschen Konzeptes oder eher um Zufall handelte. Vgl. auch Fußnote 295 . Außerdem:

Ibid.:

, hier: S. 243.

<369>

Vgl.

Ibid.:

, hier: S. 227.

<370>

Vgl.

Ibid.:

, hier: S. 233.

<371>

Nach:

Ibid.:

, hier: S. 232.

<372>

Dieses Phänomen kann man auch in anderen europäischen, »ländlich« geprägten bzw. schwerer zugänglichen Regionen Europas feststellen. In der alpinen Schweizer Region Tessin z.B. verfügten schon 1940 40% der Haushalte über ein Radio, wohingegen 1949 nur 10% der Familien eine Dusche benutzen konnten. Allerdings ist noch nicht näher untersucht worden, ob die Ausbreitung des Radios auf dem Land die Landfluchtr eher begünstigt oder verlangsamt hat. Vgl.

Abich, Hans: "Der große Bausch hat seine Programmgeschichte noch nicht hergegeben. Erinnerungen an Personen als Versuch einer Bilanz," Reimers, Karl Friedrich; Steinmetz, Rüdiger Rundfunk in Deutschland - Entwicklungen und Standpunkte, 1988, S. 41-56,

.

<373>

Mosse, Georg L.: Die Nationalisierung der Massen. Politische Symbolik und Massenbewegungen von den Befreiungskriegen bis zum Dritten Reich, Campus, 1993,

, hier: S. 10. Vgl. hierzu auch die Bilder der sogenannten „Cremona-Preis-Ausstellung“, die sich mit dem Thema „Der Duce spricht“ beschäftigten:

Petersen, Jürgen: "Der Duce spricht," Welt-Rundfunk, 1939, 5/6, S. 23-25,

. Fast identische, romantisierende Bilder existieren für die Rundfunkreden Hitlers von Paul Mathias Padua mit dem Titel „Der Führer spricht“, abgedruckt in:

Dahl, Peter: Arbeitersender und Volksempfänger. Proletarische Radio-Bewegung und bürgerlicher Rundfunk bis 1945, Syndikat, 1978,

, hier: S. 109.

<374>

Vgl.

Monticone, Alberto; Parola, Luigi: Il fascismo al microfono. Radio e politica in Italia (1924-1945), Studium, 1978, S. xii, 450,

, S. 119ff, hier speziell: S. 121.

<375>

Cannistraro spricht in diesem Zusammenhang von einer „presenza familiare per molti italiani“, siehe:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 249.

<376>

Cannistraro geht davon aus, daß daneben vor allem auch die Zentralisierungsbestrebungen des Minculpop gegenläufige Wirkung hatte:

Ibid.:

, hier: S. 249.

<377>

Zuletzt eingehend beschrieben von:

Stone, Marla: The patron state. Culture & politics in fascist Italy, Princeton University Press, 1998, S. xiv, 334,

, hier: S. 23ff.

<378>

Aufzählung bei:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 251.

<379>

So:

Cannistraro, Philip: "The Radio in Fascist Italy," Journal of European studies, 1972, 1, S. 127-154,

, hier: S. 137.

<380>

Vgl.

Ibid.:

, hier: S. 142.

<381>

1931 wurden 18.000, 1934 31.000 und 1938 bereits 65.000 Stunden Programm durch den Staat beansprucht. Zahlen nach:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 255.

<382>

Vgl. hierzu die Untersuchung von:

Cavallo, Pietro: Riso amaro. Radio, teatro e propaganda nel secondo conflitto mondiale, Bulzoni, 1994, S. 224,

, hier speziell: S. 32ff.

<383>

So:

Ibid.:

, hier: S. 85.

<384>

Siehe hierzu das Stichwort Italien in:

"Chronik des Weltrundfunks," Welt-Rundfunk, 1942, 7/8, S. 181-183,

. Daneben:

Cannistraro, Philip: "The Radio in Fascist Italy," Journal of European studies, 1972, 1, S. 127-154,

, hier: S. 149.

<385>

Siehe hierzu das Stichwort Italien in:

"Chronik des Weltrundfunks," Welt-Rundfunk, 1942, 3/4, S. 87-90,

.

<386>

Vgl.

Zeman, Zbynek: Nazi propaganda, Published in association with the Wiener Library by Oxford U.P, 1964,

, hier: S. 78.

<387>

Vgl.

Brütting, Richard: Italien-Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Justiz, Gesundheitswesen, Verkehr, Presse, Rundfunk, Kultur und Bildungseinrichtungen, 1995,

, hier: S. 665f. Der Sender war in Deutschland allerdings nur schwer zu empfangen.

<388>

Vgl. auch:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 258.

<389>

So etwa:

Lyttelton, Adrian: The seizure of power. Fascism in Italy, 1919-1929, Princeton University Press, 1987, 2, S. 556,

, hier: S. 401.

<390>

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 441ff.

<391>

Vgl.

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 199.

<392>

Boelcke, Willi A.: Die Macht des Radios. Weltpolitik und Auslandsrundfunk 1924-1976, Ullstein, 1977, S. 703,

, hier: S. 36.

<393>

Erst in Reaktion auf die italienische Fremdsprachenpropaganda im arabischen Raum entwickelte die BBC 1937 einen eigenen Fremdsprachendienst. Vgl.

Briggs, Asa: The BBC. The first fifty years, Oxford University Press, 1985,

, hier: S. 141f.

<394>

Vgl.

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 443.

<395>

Für den Fall der BBC etwa:

Briggs, Asa: The war of words, Oxford University Press, 1995,

. Zum US-Amerikanischen „Office of Censorship“ siehe:

Emery, Michael C.; Emery, Edwin; Roberts, Nancy L.: The press and America. An interpretive history of the mass media, Allyn & Bacon, 2000, 9, S. . cm.,

, hier: S. 343ff.

<396>

Vgl. dazu:

Münkler, Herfried: "Die Visibilität der Macht und die Strategien der Machtvisualisierung," Göhler, Gerhard Macht der öffentlichkeit - öffentlichkeit der Macht, 1995, S. 213-229,

.

<397>

McLuhan, Marshall: Die magischen Kanäle. Understanding Media, Fundus, 1995,

, hier: S. 453. Vgl. auch:

Loiperdinger, Martin; Herz, Rudolf; Pohlmann, Ulrich: Führerbilder. Hitler, Mussolini, Roosevelt, Stalin in Fotografie und Film, Piper, 1995,

.

<398>

Diese Form theatralischer Suggestivreden ist allerdings kein spezifisch faschistisches Stilelement. Noch die Reden etwa Kurt Schumachers nach Ende des II. Weltkrieges bedienten sich einer besonders emphatischen Ausdrucksweise, wenn auch in abgeschwächter Form.

<399>

McLuhan, Marshall: Die magischen Kanäle. Understanding Media, Fundus, 1995,

, hier: S. 454.

<400>

Zitiert nach:

Ibid.:

, hier: S. 451.

<401>

Horkheimer, Max; Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung, Fischer TB, 1988,

, hier: S. 168.

<402>

McLuhan, Marshall: Die magischen Kanäle. Understanding Media, Fundus, 1995,

, hier: S. 453f.

<403>

Martin Broszat führt auf diesen Dualismus letztlich sogar die Widersprüche der “Organisations-, Rechts- und Machtstruktur“ innerhalb des Nationalsozialismus zurück. Vgl.

Broszat, Martin: Der Staat Hitlers. Grundlegung und Entwicklung seiner inneren Verfassung, 2000, 15,

, hier: S. 424.

<404>

Spagnoletti, Giovanni: ""Gott gib uns Brot - Er bereitet es uns und verteidigt es"," Loiperdinger, Martin; Herz, Rudolf; Pohlmann, Ulrich Führerbilder. Hitler, Mussolini, Roosevelt, Stalin in Fotografie und Film, Piper, 1995, S. 111-134,

, hier: S. 125.

<405>

Ibid.:

, hier: S. 112ff.

<406>

Bach, Maurizio: Die charismatischen Führerdiktaturen. Drittes Reich und italienischer Faschismus im Vergleich ihrer Herrschaftsstrukturen, Nomos, 1990,

, hier: S. 181.

<407>

Vgl.

Hoffend, Andrea: Zwischen Kultur-Achse und Kulturkampf. Die Beziehungen zwischen "Drittem Reich" und faschistischem Italien in den Bereichen Medien, Kunst, Wissenschaft und Rassenfragen, P. Lang, 1998, S. xiii, 509,

, hier: S. 126ff.

<408>

1938 übernahm der deutsche Rundfunk insgesamt 74 Sendungen vom italienischen Rundfunk. Italien hatte damit zum ersten mal mehr Sendungen für den deutschen Rundfunk gestellt als jedes andere Land. Noch 1936 wurden lediglich 21 Sendungen aus Italien übernommen. Vgl.

Weinbrenner, Hans-Joachim (Hrsg.): Handbuch des Deutschen Rundfunks 1939/40, 1939,

, hier: S. 324. Für 1936:

Weinbrenner, Hans-Joachim (Hrsg.): Handbuch des Deutschen Rundfunks 1938, 1938,

, hier: S. 302.


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Fri Oct 11 17:50:39 2002