Hoffmann, Björn: Die Tagespresse und der Rundfunk im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus im Vergleich

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Kapitel 4. Ergebnisse und Forschungsdesiderate

Ausgangspunkt der vergleichenden Darstellung der Tagespresse und des Rundfunks im italienischen Faschismus und im deutschen Nationalsozialismus war die Annahme gewesen, daß sich in der meinungsmanipulatorischen und propagandistischen Entwicklung der beiden diktatorischen Regime signifikante Ähnlichkeiten zeigen lassen, die trotz der vielfältigen landesspezifischen, historischen und kulturellen Unterschiede der beiden Länder auf eine gemeinsame ideologische Prädisposition zurückzuführen sind.

Für die vergleichende Darstellung wurden dabei zwei für den Vergleichshorizont zentrale Themen ausgewählt, die sich jedoch insbesondere in ihren Ausgangsbedingungen unterschieden. War die Situation der Presse in beiden Ländern zur Zeit der jeweiligen Herrschaftsübernahme weitgehend identisch, so konnte sie für den Bereich des Rundfunks nicht unterschiedlicher sein. Die Auswahl der beiden Themen wurde daher speziell unter diesem Gesichtspunkt der unterschiedlichen Ausgangsbedingungen vorgenommen, was für das »erkenntnisleitende Interesse« den Vorteil mit sich brachte, daß die These der ideologischen Prädisposition nicht nur an strukturell gleichen Themen verifiziert, sondern diese auch an einem unterschiedlichen Untersuchungsgegenstand erörtert werden konnte.

Der Vergleich hatte dabei ergeben, daß sich die Politik der beiden Regime sowohl im Bereich der Presse als auch im Bereich des Rundfunks hinsichtlich der ideologischen Rigorosität und des ökonomischen Vorgehens, nicht aber hinsichtlich des Ergebnisses unterschied. Denn es hatte sich gezeigt, daß sich der Nationalsozialismus und der Faschismus eines ähnlichen, wenn auch nicht identischen Instrumentariums der Presse- und Rundfunklenkung bedienten, um die Außendarstellung ihres Herrschaftssystems und die Zustimmung der Bevölkerung zu ihrer Politik zu sichern. Die markanten Ähnlichkeiten des institutionellen Lenkungsapparates und der inhaltlichen Propagandaführung der Medien lassen diesen Schluß jedenfalls zu, wie in einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse noch einmal rekapituliert werden soll.

Sowohl der Nationalsozialismus als auch der Faschismus verfügte über ein geschlossenes, totalitäres System der vollständigen Nachrichtenkontrolle, das durch eine umfassende Vor- und Nachzensur gekennzeichnet war. Dieses geschlossene und engmaschige Nachrichten-


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und Meinungslenkungssystem schlug sich in Deutschland institutionell in der Gründung des RMVP und in Italien in der stufenweisen Errichtung des Minculpop nieder. Beide Institutionen übten über ihre staatlichen Hoheitsfunktionen eine umfangreiche Meinungskontrolle aus, die nicht nur die direkte Herstellung der Informationen und Nachrichten in den Redaktionen der Zeitungen und ihre Verbreitung über die Nachrichtenagenturen betraf, sondern auch eine indirekte Verfügbarkeit über die Inhalte der einzelnen Meldungen in den Zeitungen oder im Rundfunk bedeutete. Denn beide Regime hatten sich über spezielle Berufslisten auch der Kontrolle über die Journalisten versichert, die sowohl im Faschismus als auch im Nationalsozialismus ihre Staats- und Parteiloyalität nachweisen mußten, wenn sie in einem journalistischen Beruf tätig sein wollten. Damit aber gab es im Faschismus wie im Nationalsozialismus ein geschlossenes und »dichtes« System der staatlichen Aufsicht über die veröffentlichte Meinung in den für den Untersuchungszeitraum wichtigsten sekundären und tertiären Medien, der Tagespresse und dem Rundfunk.<409>

Deutliche Unterschiede konnten, wie erwähnt, hinsichtlich der ideologischen Rigorosität und der ökonomischen Durchdringung festgestellt werden. Wurde im Nationalsozialismus eine radikale Politik der Enteignung von Presseverlagen und die auch ökonomische Zentralisierung des Rundfunks in den Händen des Staates betrieben, so versuchte der Faschismus lediglich, indirekten ökonomischen Druck auf die Presse und die Kapitaleigner des italienischen Rundfunks auszuüben. Besitzer großer, überregionaler Zeitungen wurden zwar dazu genötigt, Aktienanteile ihrer Zeitungen abzugeben, aber eine Enteignung wie durch das Holdingwesen Amanns fand im Faschismus nicht statt. Das bedeutete jedoch nicht, daß die indirekte oder »weiche« ökonomische Kontrolle des Faschismus weniger Einfluß auf die Inhalte der Presse und des Rundfunks erzielte. Im Gegenteil schuf die »weiche« Politik des Konsenses sogar mehr Vertrauen in der Bevölkerung als es die radikale nationalsozialistische »Kahlschlagspolitik« vermochte, die zu einer Verarmung der Zeitungslandschaft und einer Vereinheitlichung der Inhalte in der Tagespresse und im Rundfunk führte.<410>


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Die Unterschiede zwischen dem faschistischen und nationalsozialistischen Presse- und Rundfunkeinsatz lassen sich aus den unterschiedlichen kulturellen, historischen und landesspezifischen Bedingungen erklären und sind nicht etwa Ausdruck einer prinzipiell liberaleren Haltung des Faschismus. Der Faschismus hatte im Gegensatz zum Nationalsozialismus mehr Rücksicht auf die alten Eliten Italiens - das Heer, die Bürokratie und die Monarchie - zu nehmen und mußte zudem, wie am Beispiel der Presse abgelesen werden konnte, vor allem der katholischen Kirche immer wieder Zugeständnisse machen. Katholische Presseorgane und die Rundbriefe der katholischen Gemeinden wurden im italienischen Faschismus nicht zensiert oder verboten; ihr Erscheinen wurde zwar über die Auflagenhöhe versucht zu kontrollieren, aber das mächtige System der Vor- und Nachzensur sowie das allumfassende Instrumentarium der ökonomischen Kontrolle, das sich in Deutschland auch auf die religiösen Presseerzeugnisse erstreckte,<411> konnte bis in die inneren Strukturen der italienischen Kirche nicht eindringen.

Außerdem wirkten die »entwicklungsdiktatorischen« Bedingungen, unter denen der Faschismus seine Herrschaft zunächst hatte ausbauen müssen, auch auf die Zentralisierung der Presse und den Ausbau des Rundfunks hemmend. Denn nicht nur die relativ starken lokalen Parteiführer, die im Faschismus mehr Handlungsspielraum als etwa die Gauleiter im Nationalsozialismus besaßen, sondern auch der gesamte Parteiapparat der faschistischen Partei Italiens nahmen lange Zeit großen Einfluß auf die in den Zeitungen veröffentlichte und im Radio verbreitete Meinung. Wie am Beispiel des »Radio Rurale« deutlich geworden war, konnte hier der Staat bzw. das Minculpop erst 1939 volle Weisungsbefugnis erlangen.

Erklären diese Faktoren das im Ergebnis ineffiziente und nicht in alle Bereiche vordringende Kontrollsystem der Medien im italienischen Faschismus, so ist aber dennoch an dem Anspruch des Regimes, alle Lebensbereiche zu durchdringen, abzulesen, daß die Faschisten durchaus beabsichtigten, ein dem deutschen Kontroll- und Manipulationssystem ebenbürtigen Apparat aufzubauen. Denn die Tendenz des Faschismus, ein totales, in sich


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geschlossenes Meinungslenkungssystem zu etablieren, ist nicht nur an den Anfängen der faschistischen Herrschaft in Italien abzulesen, die zunächst von der unorganisierten squadristischen Gewalt u.a. gegen Regionalzeitungen im Norden Italiens geprägt war,<412> sondern auch an den Versuchen zum Aufbau eines Propagandaministeriums in den 30er Jahren, das sich an den Erfolgen des deutschen RMVPs orientierte.

Die Entwicklung des italienischen Auslandsrundfunks zeigt darüber hinaus, daß die italienische Propagandamaschinerie überall dort besonders erfolgreich wirken konnte, wo es keinen inneritalienischen Widerstand gegen den totalen Anspruch des Faschismus gab oder wo auf diesen zumindest keine Rücksicht genommen werden mußte. So hatte die italienische Rundfunkpropaganda etwa auf dem Balkan und im arabischen Raum eine besonders hohe Reichweite und Effizienz.<413>

Die hier kurz zusammengefaßten Ergebnisse des Vergleichs haben gezeigt, daß die in der Einleitung entwickelten Arbeitshypothesen weitgehend bestätigt werden konnten. Sowohl der Faschismus als auch der Nationalsozialismus bedienten sich aus ihren spezifisch ideologischen Ansprüchen heraus einer weitgehend identischen Tagespresse- und Rundfunkpolitik, wobei die Notwendigkeit zur »Visualisierung der Macht«<414> als ein herausragendes Stilelement unterstrichen werden kann. Denn der Zwang zur »Visualisierung der Macht«, der aus dem Anspruch der beiden Regime resultierte, das alte, liberale Zeitalter durch ein neues zu ersetzen, das sich nicht mehr entlang der bürgerlichen Trennlinie von Öffentlichem und Privatem orientierte, zeigt zudem den Charakter der beiden Regime als »omnipräsente Aufmerksamkeitsdiktaturen«,<415> die sich um den Preis


113

ihres Machterhaltes einer gleichgeschalteten Meinungsproduktion bedienen mußten.<416>

Die Notwendigkeit indes, diese »omnipräsente Aufmerksamkeitsdiktatur« zu etablieren, in der der Staat aktiv bis in die Wohnzimmer der Bürger vordringen und zu jeder Zeit in Radio und Tagespresse präsent sein mußte, unterscheidet damit auch den Nationalsozialismus und den Faschismus von den vorangegangenen Epochen passiver, gouvernemental-demokratischer Zensurpolitik<417> oder obrigkeitsstaatlicher, absolutistischer Meinungsbeeinflussung.<418> Die Gemeinsamkeiten, die der Vergleich in der nationalsozialistischen Presse- und Rundfunkpolitik aufzeigen konnte, belegen den qualitativ neuartigen Charakter »faschistischer« Meinungslenkung, der - als europäisches Phänomen -<419> sich zudem auch in den charismatischen Führerpersönlichkeiten Hitlers und Mussolinis niederschlug. Denn charismatische Führung war nicht nur ein Stilelement faschistischer und nationalsozialistischer Presse- und Rundfunkpolitik, sondern geradezu konstituierendes Mittel der Meinungsführung schlechthin. Hatten vorangegangene Epochen noch ihre Meinungshoheit Kraft ihrer staatlichen oder monarchistischen Autorität durchzusetzen vermocht, so löste die politische Religion des »Duce«- bzw. »Führer«-Kultes ihren totalen Anspruch auf Meinungsführerschaft durch die Konstruktion und Verheißung eines pseudoreligiösen Gehorsams ein,<420> der allerdings durch handfeste institutionelle, ökonomische und propagandatechnische Inhalte flankiert werden mußte und überall dort durch sein weitreichendes Unterdrückungs- und Verbotswesen zusätzlich einschreiten mußte, wo dieser Gehorsam verweigert wurde. Das jedenfalls erklärt die enge Beziehung von »Verführung«, »Gewalt« und »Faszination«,<421> die nur zusammen mit den hier ausführlich dargestellten Kategorien ein schlüssiges Bild nationalsozialistischer bzw. faschistischer Presse- und Rundfunkpolitik liefern können und die Trennlinie von


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rationaler und traditionaler zu charismatisch-autoritärer Herrschaft des Nationalsozialismus und Faschismus beschreiben.<422>

Konnte der innerfaschistische Presse- und Rundfunkvergleich diese Gemeinsamkeiten als Basis eines spezifischen Herrschaftstypus herausstellen und die Unterschiede der faschistischen und nationalsozialistischen Politik durch kulturelle und historische Bedingungen erklären, so steht der innerfaschistische Vergleich jedoch zwangsläufig vor einem Problem, das in der Struktur der Arbeit selbst angelegt ist. Dies betrifft zum einen die für den Vergleich gewählten Kategorien der Institutionen, der Wirtschaft und der propagandistischen Inhalte, und zum anderen betrifft dies die Auswahl der für den Vergleich herangezogenen Themen und der diktatorischen Länder selbst.

Die hier zum Vergleich benutzten Kategorien hatten sich aus dem in der Einleitung ausführlich dargestellten Forschungsstand ergeben und beschreiben zum überwiegenden Teil nur die Seite der staatlichen Propagandaorganisation. Diese Ausrichtung der Forschungsliteratur<423> ergibt sich fast zwangsläufig aus der Quellensituation der parteioffiziellen und ministeriellen Überlieferungen, die das NS-Regime und der italienische Faschismus hinterlassen haben.<424> In den Quellen des NS-Regimes, aber auch in denen des italienischen Faschismus<425> finden sich lediglich die NS-spezifische bzw. faschistische Sichtweise der staatlichen Propagandaorganisation, nicht aber die Sichtweise der Hörer oder der Zeitungsleser, weshalb die Quellen „heute zur Klärung von Ursachen, Zusammenhängen und Verantwortlichkeiten nicht viel“ beitragen können.<426> Die Ergebnisse des Vergleichs müssen daher unter dem Vorbehalt stehen, daß die zum Vergleich herangezogenen Kategorien nur die Seite der staatlichen Propagandamaschinerie darstellen konnten, nicht aber die Seite der »Empfänger«. Ein „Gesamtbild der NS-


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Propaganda“<427> bzw. der faschistischen Propaganda in Italien aber darzustellen, muß nach wie vor ein Desiderat der deutschen, aber auch der italienischen Faschismusforschung bleiben. Die gesamte Frage der „symbolischen Interaktion“ einer Gesellschaft, worunter, dem weiten Begriff der Kulturanthropologie folgend, „jede Art von Kommunikation“ gemeint ist,<428> konnte darüber hinaus in dem hier vorliegenden Vergleich nicht näher beschrieben werden, da es nicht nur an verläßlichen Quantifizierungen zum Zeitungswesen und zum Rundfunk vor dem II. Weltkrieg mangelt,<429> sondern außerdem eine wirtschafts- und sozialgeschichtliche Einordnung der nationalsozialistischen und faschistischen Presse- und Rundfunkpolitik nach wie vor fehlt.<430> Diese Forschungslücke ist um so gravierender, als daß nur durch eine solche Einordnung der nationalsozialistischen und faschistischen Presse- und Rundfunkpolitik eine abschließende Würdigung der Propagandaeffizienz möglich ist, da die Einflußmöglichkeiten von Massenmedien, wie die Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann konstatierte, durch „die starken sozialen Wurzelwerke menschlichen Denkens“<431> natürlich begrenzt werden. Diese natürlichen Grenzen der faschistischen und nationalsozialistischen Propagandaführung aber konnten durch den hier vorliegenden Vergleich nicht näher untersucht werden.


116

Ein weiteres Problem für den Vergleich unter der hier gewählten Fragestellung ist das der Länderauswahl. Zwar konnte der innerfaschistische Vergleich von Deutschland und Italien über seine Gemeinsamkeiten und Unterschiede das Bild der staatlichen Presse- und Rundfunklenkung unter autoritär-faschistischer Herrschaft schärfen, da die Gemeinsamkeiten der beiden Länder gerade wegen der zum Teil unterschiedlichen Ausgangsbedingungen auf eine ideologische Prädisposition hindeuteten, aber die radikalisierenden Bedingungen von Krise und Weltkrieg verzerrten den Blick auf einen, in wie weit auch immer »reinen« Typus faschistischer Medienkontrolle. Ein Vergleich, der etwa kriegsbedingte und genuin faschistische Zensurpraxis in der Presse und im Rundfunk genauer unterscheiden wollte,<432> müßte zumindest weitere, auch demokratische Länder in den Vergleich miteinbeziehen. Denn dies böte die Möglichkeit, die Wechselwirkungen und Reaktionen von kriegsbedingter Zensur und genuin ideologischer Propaganda schärfer in das Blickfeld der Untersuchung zu rücken.

Für einen Vergleich dieser Art<433> könnten etwa England, Amerika, aber auch Frankreich herangezogen werden. Denn unter den Bedingungen des Krieges wurden etwa in England mit dem »Ministry of Information« und dem für die Zensur innerhalb der BBC zuständigen »Electra House« (EH)<434> genauso wie in Amerika mit dem »Office of Censorship«, das mit 14.462 Angestellten sogar mehr Mitarbeiter als das RMVP beschäftigte,<435> Institutionen geschaffen, die denen in Deutschland oder Italien nicht unähnlich waren. Die Gegenüberstellung dieser Institutionen könnte helfen, krisen- und kriegsspezifische Bedingungen der institutionellen Ausprägung des RMVP oder des Minculpop von den ideologischen Voraussetzungen zu trennen, so daß sich ein Typus faschistischer Medienkontrolle durch diesen Vergleich einfacher herausarbeiten ließe. Am lohnenswertesten erscheint jedoch die Gegenüberstellung mit dem zeitlich kurzen


117

französischen Fall, da in Frankreich 1939 ein „Commissariat Général à l‘information“ eingerichtet wurde, das die Meinungslenkung und die Zensur der französischen Presse als Kriegsmaßnahme überwachen sollte, obwohl sich die französische Bevölkerung längst auf einen Krieg mit Deutschland eingerichtet hatte und eine Agitation in Frankreich in dieser Form gar nicht notwendig erschien.<436> Ein europäischer pressegeschichtlicher »Gesamtvergleich« für die ersten vier Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts jedoch,<437> der eine solche Fragestellung aufgreifen könnte, muß aber genauso ein Desiderat der Forschung bleiben, wie ein europäisch angelegter Vergleich, der den zeitlichen Rahmen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verließe und sich auch auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts erstreckte. Denn gerade an der presse- und rundfunkpolitischen Organisation der DDR oder der Sowjetunion nach 1945, die nicht ohne Grund mit dem Schlagwort der „Zensur ohne Zensor“<438> charakterisiert wurde, ließe sich über den Vergleich mit dem Nationalsozialismus und dem Faschismus hinaus eine Wesensbestimmung ideologisch motivierter Meinungslenkung schildern, die, soweit dies überhaupt möglich ist, von der historischen Rahmenbedingungen abstrahieren könnte. Denn die Kontrollmechanismen, die sich in der DDR in der Nachfolge der sowjetischen Presse- und Rundfunkpolitik herausbildeten,<439> weisen markante Ähnlichkeiten zu den Instrumentarien und Mechanismen auf, die wir im Faschismus und Nationalsozialismus ausmachen konnten, unterscheiden sich aber deutlich in Absicht und ideologischer Grundausrichtung. Ein eingehender Vergleich, der über eine bloß parallele Darstellung und über den engen Rahmen historischer Gleichzeitigkeit hinausginge, könnte zum Verständnis autoritärer

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Medienkontrolle daher viel beitragen, müßte allerdings den Duktus totalitarismustheoretischer Gleichsetzung verlassen und auch die Meinungslenkung auch in demokratischen Staaten in Form der »Pressearbeit« einschließen.<440>

Schließlich ist die Behandlung der beiden Diktaturen als nationale Entitäten für den Vergleich zumindest immer dort hinderlich gewesen, wo der Kulturtransfer der beiden Länder, die Zirkulation von Ideen und die gegenseitige Rezeption von Techniken der Meinungsbeherrschung weiteren Aufschluß über ein genuin faschistisches Manipulationssystem hätte liefern können. Denn es hatte sich gezeigt, daß die vielfältigen Beziehungen<441> und Beeinflussungen der beiden diktatorischen Länder gerade auf dem Gebiet der Propaganda und der Presse- und Rundfunkkontrolle besonders eng gewesen waren. Dieses Phänomen unter der Fragestellung eines umfassenden »innerfaschistischen Kulturtransfers«<442> näher zu beleuchten, kann aber ebenfalls nur als ein weiteres Forschungsdesiderat formuliert werden.


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Auch die Themenauswahl selbst, die Begrenzung der Rundfunkgeschichte auf die Entwicklung des Hörfunks und die Beschränkung der Pressegeschichte auf die Tagespressepolitik, ist abschließend noch kritisch zu bewerten. Man kann zwar davon ausgehen, daß die sogenannten propagandistischen »Kleinmittel« der „Klebezettel, Handzettel, Flugblätter... Werbehefte, Häuserblockzeitungen und Betriebszellenzeitungen, Plakate, Stempel, fremde Zeitungen, NS-Briefmarken und Bildmarken, Transparente und Werbetafeln, Lichtreklame und Werbefilme“,<443> wie sie der NSDAP Propagandafachmann Stark 1930 aufzählte, für die Regierungszeit des Nationalsozialismus eine weniger große Rolle spielten als für die Zeit ihrer »Bewegungsphase«, die Begrenzung einer Arbeit jedoch auf die propagandistischen »Großmittel« ist immer auch der Gefahr ausgesetzt, die offizielle Selbstdarstellung des Regimes von der alltäglichen Propagandawirklichkeit nicht sauber genug trennen zu können. Denn die Frage, wie Propaganda im Alltag und im alltäglichen Umgang wirkte, konnte der hier vorliegende Vergleich nur indirekt über die Arbeiten Detlef Peukerts<444> und über die Einschätzung der Propagandaeffektivität Ian Kershaws erschließen.<445> Die Einbeziehung aber von Zeitungen und Zeitschriften auch geringerer Reichweite in eine vergleichende Pressegeschichte und die parallele Behandlung des in den 30er Jahren dem Radio zumindest ebenbürtigen Kinos und des Films in Italien und Deutschland<446> muß am Ende dieser Arbeit genauso eine Forderung an die Forschung bleiben, wie eine Einbeziehung der Literatur-, Musik-, Theater-<447> sowie der Erziehungspolitik. Erst dann wäre ein umfassendes Verständnis der alltäglichen Meinungs- und Kulturkontrolle im Faschismus und Nationalsozialismus möglich, von der die Tagespresse- und Rundfunkpolitik hier nur als ein Teil des Ganzen betrachtet wurde.


120

Abbildung 1: Die Organisation der nationalsozialistischen Presse- und Rundfunklenkung in Staat, Partei und Berufsstand Ende der 30er Jahre


121

Abbildung 2: Die Organisation der faschistischen Presse- und Rundfunklenkung in Staat, Partei und Berufsstand Ende der 20er Jahre


122

Abbildung 3: Die Organisation der faschistischen Presse- und Rundfunklenkung in Staat, Partei und Berufsstand Ende der 30er Jahre


123

Tabelle 1: Die Tageszeitungen im Nationalsozialismus

Jahr

tägliche Druck-auflage gesamt
in Mio.<448>

Anzahl der Tageszeitungen gesamt

Anzahl der NS-Tageszeitungen

Auflage der NS-Zeitungen in Mio.

Bevölkerungs-anzahl in Mio.

1932

~ 26

4700<449>

59

0,78

65,72

1933

~ 20<450>

3097<451>

86

3,1

66,03

1935<452>

~ 16

2500 449

100

3,9

66,87

1937

~ 15

-

100

4,5

67,83

1939<453>

~ 18<454>

2000

200<455>

6,1 455

68,56<456>

1944<457>

~ 25<458>

975<459>

350<460>

20 460

-


124

Tabelle 2: Die Tageszeitungen im italienischen Faschismus

Jahr

tägliche Druck-auflage gesamt
in Mio.<461>

Anzahl der Tageszeitungen gesamt

Anzahl der faschistischen Tageszeitungen

Auflage des „Popolo d‘Italia“

Bevölkerungs-anzahl in Mio.

1921

-

250-300

-

60.000<462>

~37

1932

-

-

-

90.000

41,58.

1933

-

-

-

-

41,93

1934

>1,825<463>

-

-

142.000<464>

42,28

1937

~3<465>

80 (67)<466>

-

250.000<467>

43,27

1939

4<468>

82<469>

38<470>

-

44,02<471>


125

Tabelle 3: Die Reichweite des Radios im Nationalsozialismus

Jahr

Radio-abonnements

öffentliche Lautsprecher

Rundfunk-dichte<472>

Wortanteil der Sendungen

Musikanteil der Sendungen

Bevölkerungs-anzahl in Mio.

1933

4.533.000

-

6,87

42,6 %

57,4 %

66,03

1938

9.598.000<473>

100

14

33,4 %

66,8 %<474>

68,56<475>

1941

16.000.000<476>

6.000<477>

~ 23

~ 38 %

~ 62 %

-

1944

15.000.000<478>

-

~ 22

~ 15 %

~ 85 %<479>

-


126

Tabelle 4: Die Reichweite des Radios im italienischen Faschismus

Jahr

Radio-abonnements<480>

Öffentliche Radios

Rundfunk-dichte

Wortanteil der Sendungen

Musikanteil der Sendungen

Bevölkerungs-anzahl in Mio.

1927

40.000<481>

-

0,10

-

-

39,81

1928

63.000

-

0,16

-

-

40,19

1930

176.886

-

0,43

~ 50 %

~ 50 %<482>

40,89

1933

373.000

4.123 (1934)

0,89

-

-

41,93

1938

978.000

40.363<483>

2,24

41,3 %<484>

58,7 %<485>

43,60

1941

1.583.000

-

3,53

-

-

44,83

1943

1.784.000<486>

-

3,98

-

-

44,83<487>


Fußnoten:

<409>

Einteilung nach:

Maletzke, Gerhard: Kommunikationswissenschaften im überblick, 1998,

, hier: S. 50ff.

<410>

Dies läßt sich jedenfalls an den Ergebnissen, zu denen Ian Kershaw gekommen war, ablesen. Skepsis gegenüber der parteilichen Meinung blieb in der Bevölkerung zumindest teilweise tief verwurzelt. Vgl. etwa:

Kershaw, Ian: Der Hitler-Mythos. Volksmeinung und Propaganda im Dritten Reich, 1980,

.

<411>

Vgl.

Frei, Norbert; Schmitz, Johannes: Journalismus im Dritten Reich, Beck, 1989, S. 223,

, hier: S. 65ff. Zur „Entkonfessionalisierung“ der katholischen Presse:

Altmeyer, Karl Aloys: Katholische Presse unter NS-Diktatur. Die katholischen Zeitungen und Zeitschiften Deutschlands in den Jahren 1933 bis 1945, Morus-Verlag, 1962,

, hier: S. 46ff.

<412>

Siehe hierzu die Auflistung der zerstörten Zeitungsredaktionen und Druckereien im ersten Halbjahr 1921. Angelo Tasca nennt insgesamt 17 zerstörte Redaktionen, darunter vier in Venezia Giulia, drei in der Lombardei und in der Toscana und nur zwei in Süditalien. Siehe:

Tasca, Angelo: Glauben, gehorchen, kämpfen. Aufstieg des Faschismus in Italien, 1969,

, hier: S. 439. Die Zahlen entstammen einem parteioffiziellem Geschichtswerk, das Tasca wegen der vielfältigen Daten sehr ausführlich benutzt hat, siehe:
:

Chiurco, Giorgio Alberto: Storia della Rivoluzione Fascista, 1919-1921,

, hier: Bd. III, S. 424. Die Angaben sind auch ausführlich eingegangen in:

Petersen, Jens: "Das Problem der Gewalt im italienischen Faschismus 1919-1925," Mommsen, Wolfgang; Hirschfeld, Gerhard Sozialprotest, Gewalt, Terror. Gewaltanwendung durch politische und gesellschaftliche Randgruppen im 19. und 20. Jahrhundert, 1982, S. 325-348,

, hier: S. 333.

<413>

Vgl.

Boelcke, Willi A.: Die Macht des Radios. Weltpolitik und Auslandsrundfunk 1924-1976, Ullstein, 1977, S. 703,

, hier: S. 36ff.

<414>

Vgl.

Münkler, Herfried: "Die Visibilität der Macht und die Strategien der Machtvisualisierung," Göhler, Gerhard Macht der öffentlichkeit - öffentlichkeit der Macht, 1995, S. 213-229,

.

<415>

Vgl. Anmerkung 32 .

<416>

So auch:

Müsse, Wolfgang: Die Reichspresseschule. Journalisten für die Diktatur? Ein Beitrag zur Geschichte des Journalismus im Dritten Reich, Saur, 1995, S. 299,

, hier: S. 89.

<417>

Für die Weimarer Republik siehe:

Petersen, Klaus: Zensur in der Weimarer Republik, 1995,

. Zu den presserechtlich relevanten Republikschutzgesetzen von 1922 und 1930 siehe:

Müsse, Wolfgang: Die Reichspresseschule. Journalisten für die Diktatur? Ein Beitrag zur Geschichte des Journalismus im Dritten Reich, Saur, 1995, S. 299,

, hier: S. 21.

<418>

Vgl. hierzu:

Daniel, Ute; Siemann, Wolfram: Propaganda: Meinungskampf, Verführung und politische Sinnstiftung (1789-1989), Fischer Taschenbuch Verlag, 1994, S. 248,

, hier: S. 46f.

<419>

Vgl. hierzu auch Anmerkung 21 .

<420>

Vgl. etwa:

Bärsch, Claus-Ekkehard: Die politische Religion des Nationalsozialismus. Die religiöse Dimension der NS-Ideologie in den Schriften von Dietrich Eckart, Joseph Goebbels, Alfred Rosenberg und Adolf Hitler, W. Fink, 1998, S. 406,

, hier: S. 136ff. Die enge Verbindung von »Führer«, Gehorsam, Verheißung und absolutem Wahrheitsanspruch sieht auch:

Merten, Klaus: "Struktur und Funktion von Propaganda," Publizistik. Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung, 2000, 2, S. 143-162,

, hier: S. 154.

<421>

Vgl.

Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus, Fischer, 1994,

Und:

Thamer, Hans-Ulrich: Verführung und Gewalt. Deutschland 1933-1945, Siedler, 1994,

.

<422>

Einteilung nach:

Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie, 1980, 5,

, hier: S. 124.

<423>

Eingehend kritisiert bei:

Paul, Gerhard: Aufstand der Bilder. Die NS-Propaganda vor 1933, Dietz, 1990,

, hier: S. 16. Eine der wenigen Ausnahmen:

Marßolek, Inge; Saldern, Adelheid von (Hrsg.): Zuhören und Gehörtwerden I: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, 1998,

.

<424>

Zur Quellensituation:

Boberach, Heinz: Inventar archivalischer Quellen des NS-Staates. Die überlieferung von Behörden und Einrichtungen des Reichs, der Länder und der NSDAP, K.G. Saur, 1991, S. v. <1 >,

.

<425>

Siehe hierzu:

Petersen, Jens: "Die zeitgeschichtlich wichtigen Archive in Italien: Ein überblick," Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken, 1989, 69, S. 312-378,

.

<426>

So:

Sösemann, Bernd; Schulz, Jürgen Michael: "Nationalsozialismus und Propaganda. Das Konzentrationslager Oranienburg in der Anfangsphase totalitärer Herrschaft," Mosch, Günter Konzentrationslager Oranienburg, 1994, S. 78-94,

, hier: S. 79.

<427>

Paul, Gerhard: Aufstand der Bilder. Die NS-Propaganda vor 1933, Dietz, 1990,

, hier: S. 16.

<428>

Eine der umfassenden Kategorien der Wehlerschen Gesellschaftsgeschichte:

Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Band 1: Vom Feudalismus des Alten Reiches bis zur Defensiven Modernisierung der Reformära 1700-1815, Verlag C.H. Beck, 1996, 3,

, hier S. 10.

<429>

Eine schon etwas ältere, aber nach wie vor aktuelle Forderung:

Wilke, Jürgen: "Quantitative Methoden in der Kommunikationsgeschichte," Bobrowsky, Wolfgang; Langenbucher, Wolfgang R. Wege zur Kommunikationsgeschichte, 1987, S. 49-57,

. Vgl. die detailliert vorliegenden Zahlen nach 1945:

Wilke, Jürgen (Hrsg.): Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland, 1999,

, hier: S. 777ff. Von großem Erkenntniswert wäre eine langfristig angelegte quantitative Inhaltsanalyse, die Aufschluß über Kontinuität und Bruch der nationalsozialistischen Nachrichtenselektion und ihrer dadurch vermittelten »Medienrealität« bieten würde, vgl. die bis 1906 reichende Untersuchung:

Wilke, Jürgen: Nachrichtenauswahl und Medienrealität in vier Jahrhunderten. Eine Modellstudie zur Verbindung von historischer und empirischer Publizistikwissenschaft, 1984,

.

<430>

Hans-Ulrich Wehler hat in den bisher vorliegenden drei Bänden seiner deutschen Gesellschaftsgeschichte versucht, die Geschichte der „öffentlichen Kommunikation“ in einen solch weitgefaßten Begriff der Kultur einzubetten. Er beschreibt die Herkunft des modernen Pressewesens aus den Bedingungen der öffentlichen Bildung und „eines großartigen soziokulturellen Mobilisierungsprozesses“ und sieht schließlich die moderne Kommunikationsgesellschaft aus den Bedingungen von Markt und industriekapitalistischer Produktion erwachsen. Auf den vierten Band seiner Gesellschaftsgeschichte darf man daher diesbezüglich gespannt sein. Vgl.

Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Band 1: Vom Feudalismus des Alten Reiches bis zur Defensiven Modernisierung der Reformära 1700-1815, Verlag C.H. Beck, 1996, 3,

, hier: S. 303ff.

Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Band 2: Von der Reformära bis zur industriellen und politischen >deutschen Doppelrevolution< 1815-1845/49, Verlag C.H. Beck, 1996, 3,

, hier: S. 520ff.

Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Band 3: Von der >Deutschen Doppelrevolution< bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849-1914, Verlag C.H. Beck, 1996,

, hier: S. 1232ff.

<431>

Zitiert nach:

Koszyk, Kurt: "Kommunikationsgeschichte als Sozialgeschichte," Kaase, Max; Schulz, Winfried Massenkommunikation, 1989, S. 46-56,

, hier: S. 51.

<432>

Ein Versuch liegt diesbezüglich bereits vor:

Kohlmann-Viand, Doris: NS-Pressepolitik im Zweiten Weltkrieg. Die "Vertraulichen Informationen" als Mittel der Presselenkung, Saur, 1991, S. 199,

.

<433>

Für den I. Weltkrieg liegt ein solcher Vergleich bereits vor:

Lasswell, Harold Dwight: Propaganda technique in World War I, M.I.T. Press, 1971,

.

<434>

Vgl. etwa:

Briggs, Asa: The BBC. The first fifty years, Oxford University Press, 1985,

, hier: S. 178ff. Noch Bramsted wurde die Einsicht in die von der Political Warfare Executive (PWE) an die BBC-Autoren gegebenen Anweisungen verweigert, da sie als Staatsgeheimnisse betrachtet wurden:

Bramsted, Ernest Kohn: Goebbels und die nationalsozialistische Propaganda 1924-1945, 1971,

, hier: S. 12. Zur BBC Radiopropaganda siehe auch: S. 393ff.

<435>

Zahl nach:

Emery, Michael C.; Emery, Edwin; Roberts, Nancy L.: The press and America. An interpretive history of the mass media, Allyn & Bacon, 2000, 9, S. . cm.,

, hier: S. 347.

<436>

Vgl.

Bellanger, Claude; Godechot, Jacques; Guiral, Pierre: Histoire gÚnÚrale de la presse franšaise. Tome III: De 1871 Ó 1940, 1972,

, hier: S 617.

<437>

Vgl.

Kaelble, Hartmut: Der historische Vergleich. Eine Einführung zum 19. und 20. Jahrhundert, Campus, 1999,

, hier: S. 36ff. Ein europäischer Gesamtvergleich zur Sozial- und Berufsgeschichte des Journalismus im 19. Jahrhundert liegt mit der Arbeit Jörg Requates beispielgebend vor. Einbezogen wurden hier in den Vergleich die Länder Frankreich, Deutschland und England sowie die USA:

Requate, Jörg: Journalismus als Beruf, 1994,

.

<438>

Vgl.

Holzweissig, Gunter: Massenmedien in der DDR, 1989, 2,

, hier: S. 9. Aktueller:

Holzweissig, Gunter: Zensur ohne Zensoren. Die SED Informationsdiktatur, 1997,

. Eine Quellensammlung zur SED Pressepolitik liegt vom selben Autor vor:

Holzweissig, Gunter: DDR-Presse unter Parteikontrolle, 1991,

. Zuletzt:

Holzweissig, Gunter: "Massenmedien in der DDR," Wilke, Jürgen Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland, 1999, S. 573-601,

. Für die Sowjetunion kam Buzek schon 1965 in seiner Untersuchung zu dem Ergebnis, daß die Kontrolle der Presse weniger durch Institutionen ermöglicht, als vielmehr durch ökonomische Faktoren gewährleistet wurde. Siehe:

Buzek, Anton: Die kommunistische Presse, 1965,

.

<439>

Vgl.

Strunk, Peter: Zensur und Zensoren. Medienkontrolle und Propagandapolitik unter sowjetischer Besatzungsherrschaft, 1996,

.

<440>

Vgl.

Toepser-Ziegert, Gabriele: NS-Presseanweisungen der Vorkriegszeit: Eine Einführug in ihre Edition, Saur, 1984, S. <v. 1-5; in 12 >,

, hier: S. 29f. Und:

Baerns, Barbara: "Vielfalt und Verfielfältigung. Befunde aus der Region - eine Herausforderung für die Praxis," Media Perspekiven, 1983, 3, S. 207-215,

.

<441>

Zumindest für diesen Bereich liegt mit Andrea Hoffends Arbeit eine erste, sehr fundierte Studie vor:

Hoffend, Andrea: Zwischen Kultur-Achse und Kulturkampf. Die Beziehungen zwischen "Drittem Reich" und faschistischem Italien in den Bereichen Medien, Kunst, Wissenschaft und Rassenfragen, P. Lang, 1998, S. xiii, 509,

.

<442>

Zuletzt zur Kulturtransferforschung:

Middell, Matthias: "Kulturtransfer und Historische Komparatistik - Thesen zu ihrem Verhältnis," Comparativ, 2000, 1, S. 7-41,

. Besonders lesenswert ist die Darstellung von Michel Espagnes Kritik an einem nur national geführten Vergleich, der die besonderen „Phänomene der Akkulturation“ nicht hinreichend würdigt, hier: S. 31ff.

<443>

Zitiert nach:

Longerich, Peter: "Nationalsozialistische Propaganda," Bracher, Karl Dietrich; Funke, Manfred; Jacobsen, Hans Adolf Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, Bundeszentrale für Politische Bildung, 1992, S. 291-314,

, hier: S. 294f.

<444>

Vgl.

Peukert, Detlev: Alltag unterm Nationalsozialismus, 1981,

.

<445>

Kershaw, Ian: "How Effective was Nazi Propaganda?," Welch, David Nazi Propaganda. The Power and the Limitations, 1983, S. 180-205,

. Und:

Kershaw, Ian: Der Hitler-Mythos. Volksmeinung und Propaganda im Dritten Reich, 1980,

.

<446>

Zum Kino in Italien:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 273ff. Speziell zu Wochenschauen:

Spagnoletti, Giovanni: ""Gott gib uns Brot - Er bereitet es uns und verteidigt es"," Loiperdinger, Martin; Herz, Rudolf; Pohlmann, Ulrich Führerbilder. Hitler, Mussolini, Roosevelt, Stalin in Fotografie und Film, Piper, 1995, S. 111-134,

. Exemplarisch zum Film im Nationalsozialismus:

Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus, Fischer, 1994,

, hier: S. 180ff.

<447>

Vgl.

Longerich, Peter: "Nationalsozialistische Propaganda," Bracher, Karl Dietrich; Funke, Manfred; Jacobsen, Hans Adolf Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, Bundeszentrale für Politische Bildung, 1992, S. 291-314,

, hier: S 307ff.

<448>

Die sinkende Gesamtauflage wurde während der NS-Herrschaft durch die fehlende statistische Genauigkeit vor 1934 und durch die Ungenauigkeit des Begriffes selbst begründet. So:

Zeitungswissenschaft, Institut für: Handbuch der Tagespresse, 1937, 6,

, hier: S. XXVII. Zur Diskussion und zur wissenschaftlichen Bewertung siehe:

Hale, Oron James: Presse in der Zwangsjacke 1933-1945, 1965,

, hier: S. 232ff. Und:

Müsse, Wolfgang: Die Reichspresseschule. Journalisten für die Diktatur? Ein Beitrag zur Geschichte des Journalismus im Dritten Reich, Saur, 1995, S. 299,

, hier: S. 37ff. Allgemein:

Bohrmann, Hans: "Pressestatistik in historischer Sicht," Klaue, Siegfried; Knocke, Manfred; Zerdick, Axel Probleme der Pressekonzentrationsforschung, 1980, S. 31-36,

, hier: S. 33.

<449>

Angaben nach:

Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus, Fischer, 1994,

, hier: S. 174. Darüber hinaus wurden etwa 10.000 Zeitschriften verlegt. Anderen Zahlenangaben zufolge existierten 1932 im Deutschen Reich allerdings lediglich 3400 Tageszeitungen, vgl.

Pross, Harry: Zeitungsreport: Deutsche Presse im 20. Jahrhundert, 2000,

, hier: S. 81.

<450>

Werte nach:

Hale, Oron James: Presse in der Zwangsjacke 1933-1945, 1965,

, hier: S. 234. Bei den Werten ist allerdings nicht ganz klar, ob in ihnen auch die Wochenzeitungen eingegangen sind. Typologisch nicht ganz sauber werden diese nämlich durchaus z.T. miteingerechnet. So für 1934 mit einer Gesamtdruckauflage von 18 Mio., vgl.

Zeitungswissenschaft, Institut für: Handbuch der Tagespresse, 1937, 6,

6, hier: S: XXVIII.

<451>

Angabe nach:

Seidel, Wilhelm: Lizenzen-Handbuch Deutscher Verlage, 1949,

, hier: S. XXVI.

<452>

Seit 1934 bestand erst eine Auflagenmeldepflicht:

Hale, Oron James: Presse in der Zwangsjacke 1933-1945, 1965,

, hier: S. 234. Vgl. auch Anmerkung 164 .

<453>

Einschließlich der Zeitungen in Österreich und im Sudetenland, vgl.

Zeitungswissenschaft, Institut für: Handbuch der Tagespresse, 1944, 7,

, hier: S. XXXXIII.

<454>

Angaben nach:

Ibid.:

, hier: S. XXXXIII ff.

<455>

Zahlen nach:

Sösemann, Bernd: "Stichwort: Nationalsozialismus," Corsten, Severin Lexikon des gesamten Buchwesens, Hiersemann, 1999, 5, S. 307-319,

, hier: S. 317.

<456>

Angaben nach:

Mitchell, Brian R.: International Historical Statistics Europe 1750-1988, Stockton Press, 1992, 4,

, hier: S. 85.

<457>

Ab 1939 existierte ein offizielles Verbot zur Nennung der Druckauflage, vgl.

Zeitungswissenschaft, Institut für: Handbuch der Tagespresse, 1944, 7,

, hier: S: XXXXIII.

<458>

Zahl nach:

Fischer, Dietrich: Handbuch der politischen Presse in Deutschland 1480-1980, 1981,

, hier: S. 301.

<459>

Angaben nach:

Kohlmann-Viand, Doris: NS-Pressepolitik im Zweiten Weltkrieg. Die "Vertraulichen Informationen" als Mittel der Presselenkung, Saur, 1991, S. 199,

, hier: S. 139.

<460>

Die Zahlen von 1944 aus:

Ibid.:

, hier: S. 139. Ob die Auflagensteigerung im Krieg tatsächlich so groß war, wie die Zahlen hier suggerieren, bleibt fraglich, da die Zahlen aus verschiedenen Quellen stammen und eventuell Resultat einer anderen Erhebungsmethode sind. Die Tendenz ist aber in jedem Fall ersichtlich. Ähnliche Zahlen bei:

Meyn, Herrmann: Massenmedien in der Bundesrepublik Deutschland. Alte und neue Bundesländer, 1992,

, hier: S. 17. Leicht variierend auch bei:

Faulstich, Werner; Rückert, Corinna: Mediengeschichte in tabellarischem überblick von den Anfängen bis heute, Wissenschaftler-Verlag W. Faulstich, 1993, S. 2 v. (587 ),

, hier: S. 573.

<461>

Zahlenmaterial existiert für Italien in umfassender Form erst nach dem II. Weltkrieg, vgl. etwa:

Regioni, Comitato Nazionale per la celebrazione del primo centenario dell'UnitÓ d'Italia mostra della: Un secolo di statistiche italiane. 1861-1961, 1961,

, hier: S. 927ff.

<462>

Zahl nach:

Brütting, Richard: Italien-Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Justiz, Gesundheitswesen, Verkehr, Presse, Rundfunk, Kultur und Bildungseinrichtungen, 1995,

, hier: S. 602.

<463>

Der Wert umfaßt nur die acht wichtigsten und auflagenstärksten Zeitungen, es fehlt die Auflage der »Gazetta del Popolo«. Die Angaben wurden von dem Direktor des »Corriere Padano«, Nello Quilici, auf einer Konferenz in Deutschland gemacht und enthalten aus propagandistischen Gründen mindestens einen gänzlich falschen Wert für den »Popolo d‘Italia«. Nach:

Murialdi, Paolo: La stampa del regime fascista, Laterza, 1986, S. 239,

, hier: S. 120.

<464>

Beide Werte nach:

Ibid.:

, hier: S. 120, Anmerkung 18.

<465>

Dieser Wert entspricht einer Schätzung des Handbuches der Weltpresse, das die Auflagen der 5 größten Zeitungen aufzählt und eine Verdopplung dieses Wertes für die Gesamtauflage für realisitisch hält. Vgl.

Zeitungswissenschaft, Institut für: Handbuch der Weltpresse, 1937,

, hier: S. 235.

<466>

Zahlen nach einer amtlichen Statistik vom 1. April 1936, einschließlich der Kolonialpresse, nur Italien: 67 Zeitungen. Dazu kommen noch 530 Zeitschriften. Aus:

Ibid.:

, hier: S. 233. Bei der direkten Gegenüberstellung der italienischen Werte mit denen aus Deutschland ist jedoch Vorsicht geboten, da die verschiedenen Zeitungen in Deutschland häufig nur sog. »Kopfblätter«, d.h. Nebenausgaben ein- und derselben Redaktion waren. So wurde etwa für die Bundesrepublik Deutschland der 60er Jahre errechnet, daß die bis zu 1600 Tageszeitungen von lediglich 189 Redaktionen herausgegeben wurden. Wert nach:

Gillessen, Günther: "Die Tageszeitung," Pross, Harry Deutsche Presse seit 1945, 1965, S. 119-134,

, hier: S. 120.

<467>

Nach:

Zeitungswissenschaft, Institut für: Handbuch der Weltpresse, 1937,

, hier: S. 235.

<468>

Zahl nach:

Murialdi, Paolo: Storia del giornalismo italiano, 1996,

, hier: S. 162. Auch in:

Murialdi, Paolo: La stampa del regime fascista, Laterza, 1986, S. 239,

, hier: S. 175.

<469>

Nach:

Prakke, Henk; Lerg, Winfried B.; Schmolke, Michael: Handbuch der Weltpresse, 1970,

, hier: S. 259.

<470>

Zahl nach:

Dickmann, Elisabeth: Die Rezeption Giuseppe Mazzinis im italienischen Faschismus, Haag + Herchen, 1982, S. xx, 305,

, hier: S. 36.

<471>

Nach:

Mitchell, Brian R.: International Historical Statistics Europe 1750-1988, Stockton Press, 1992, 4,

, hier: S. 87.

<472>

Unter Rundfunkdichte versteht man die pro 100 Einwohnern gemeldeten Radiogeräte. Während des Dritten Reiches kursierten auch Zahlenangaben, die die Rundfunkdichte auf die „Haushaltungen“ bezogen. Da die Haushaltsgrößenziffer nach der letzten Volkszählung 3,72 betrug, erhielte man auf diese Weise etwa für das Jahr 1938 eine Rundfunkdichte von 52. Vgl.

Wipplinger, Hans: Rundfunkstatistik, 1937,

, hier: S. 63. Ähnliche Werte sind zu finden bei:

Höckel, Alois: Die deutsche Rundfunkwirtschaft, 1938,

, hier: S. 21.

<473>

Zahlen nach:

Mitchell, Brian R.: International Historical Statistics Europe 1750-1988, Stockton Press, 1992, 4,

, hier: S. 776. Die Kriegszahlen fehlen.

<474>

Die Angaben zum Wort- und Musikanteil der Sendungen beziehen sich auf den Kriegsanfang im Vergleich zur Machtergreifung der Nationalsozialisten, aus:

Kohlmann-Viand, Doris: NS-Pressepolitik im Zweiten Weltkrieg. Die "Vertraulichen Informationen" als Mittel der Presselenkung, Saur, 1991, S. 199,

, hier: S. 124. Gleiche Zahlen liefert auch:

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, S. 327, dessen Zahlen auf statistischen Angaben der RRG beruhen. Leicht divergierende Angaben:

Drechsler, Nanny: Die Funktion der Musik im deutschen Rundfunk 1933-1945, 1988,

, hier: S. 32ff. Vgl. auch:

Weinbrenner, Hans-Joachim (Hrsg.): Handbuch des Deutschen Rundfunks 1939/40, 1939,

, hier: S. 314.

<475>

Zahlen nach:

Mitchell, Brian R.: International Historical Statistics Europe 1750-1988, Stockton Press, 1992, 4,

, hier: S: 85. Die Kriegszahlen fehlen.

<476>

Angabe nach:

Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus, Fischer, 1994,

, hier S. 160.

<477>

Nach Pohle wurden 1938 in Breslau das erste mal 100 sog. „Reichslautsprechersäulen“ aufgestellt, der bei

Keidel, Hannemor: "Stichwort: Volksempfänger," Benz, Wolfgang Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, dtv, 1992, S. 203-205,

, hier: Fußnote 5 erwähnte Wert von 6000 realisierten öffentlichen Lautsprechern für das Jahr 1941 ist nach Pohle allerdings ein nur angeplanter Wert, der aus kriegsbedingten Erfordernissen nie realisiert wurde: siehe:

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 272.

<478>

Der Rückgang der einsatzbereiten Radiogeräte ist auf kriegsbedingte Schäden zurückzuführen, vgl.

Scheel, Klaus: Krieg über ätherwellen. NS-Rundfunk und Monopole 1933-1945, Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1970, S. 316,

, S. 228.

<479>

Angaben berechnet nach der Auflistung bei:

Klingler, Walther: Nationalsozialistische Rundfunkpolitik 1942-1945. Organisation, Programm und die Hörer, 1983,

, hier: S. 53 und S. 194.

<480>

Der Vergleich der Radioabonnementzahlen von Italien und Deutschland stößt auf zwei grundsätzliche Datenerhebungsprobleme. Zum einen hatte das öffentliche Radiohören in Italien gegenüber Deutschland einen größeren Stellenwert und zum anderen wurden Schwarzhörer in Italien weit weniger als in Deutschland verfolgt, vgl.

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 444, Anmerkung 899.

<481>

Wert nach:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, hier: S. 256.

<482>

Angabe nach:

Ibid.:

, S. 234.

<483>

Enthalten sind öffentliche Radios von Organisationen und Schulen, nach:

Monteleone, Franco: Storia della radio e della televisione in Italia. Societa, politica, strategie, programmi 1922-1992, Marsilio, 1992,

, S.105, Anmerkung 42. Ähnliche Werte enthält:

Cannistraro, Philip V.: La fabbrica del consenso. Fascismo e mass media, Laterza, 1975, S. xiv, 497,

, S. 242, allerdings bezieht Cannistraro die Zahlen nur auf die Schulen, was bei Murialdi weiter aufgeschlüsselt ist.

<484>

Aus den Werten geht allerdings nicht die trotz gegenläufiger Tendenz des Wortanteils gestiegenen politisch-propagandistischen Anstrengungen des Regimes in den 30er Jahren hervor, vgl. die Werte in:

Ibid.:

, hier: S. 255.

<485>

Nach:

Pohle, Heinz: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des deutschen Rundfunks von 1923/38, 1955,

, hier: S. 328.

<486>

Zahlen ab 1928 nach:

Mitchell, Brian R.: International Historical Statistics Europe 1750-1988, Stockton Press, 1992, 4,

, hier: S. 776.

<487>

Nach:

Ibid.:

, hier: S. 87.


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