Hoffmann, Björn: Die Tagespresse und der Rundfunk im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus im Vergleich

Humboldt-Universität zu Berlin


Magisterarbeit

Die Tagespresse und der Rundfunk
im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus
im Vergleich

Wissenschaftliche Arbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
eines Magister Artium (M.A.)

Philosophische Fakultät I
Institut für Geschichtswissenschaft

Björn Hoffmann

Dekan: Prof. Dr. Wilfried Nippel

Gutachter:
Prof. Dr. Hartmut Kaelble
Prof. Dr. Bernd Sösemann

eingereicht: 30.8.2000


Man frage nicht, was all die Zeit ich machte.
Ich bleibe stumm;
und sage nicht, warum.
Und Stille gibt es, da die Erde krachte.
Kein Wort, das traf;
man spricht nur aus dem Schlaf.
Und träumt von einer Sonne, welche lachte.
Es geht vorbei;
nachher war‘s einerlei.
Das Wort entschlief, als jene Welt erwachte.
Karl Kraus, 1933.


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Zusammenfassung

Wie konnte der Nationalsozialismus die Zustimmung der Massen zu seiner Politik gewinnen und langfristig sichern, welche Mittel und Maßnahmen musste er nach seiner "Machtergreifung" einsetzen, um seine ideologischen Vorstellungen und Paradigmen gegenüber der Gesellschaft durchzusetzen? Inwieweit war er auf systematische Manipulationen der öffentlichen Meinung angewiesen? Oder auf welche Selbstanpassungsmechanismen und Selbstzensurmaßnahmen der Bevölkerung konnte er bauen, um seine politische Linie durchzusetzen?

Die vorliegende Magisterarbeit versucht diese Frage anhand eines historischen Vergleiches zu beantworten, indem sie die institutionellen, ökonomischen und inhaltlichen Lenkungsversuche des deutschen Nationalsozialismus und des italienischen Faschismus gegenüber der Tagespresse und gegenüber dem Radio vergleicht und entsprechend historisch einordnet.

Dem methodischen Ansatz des Vergleiches folgend, der darüber hinaus auch theoretisch eingehend beleuchtet wird, geht die Arbeit dabei über einen rein parallel beschreibenden Ansatz hinaus, indem sie wechselseitige Impulse, ideologische Transformationen und technisch-materielle Transferleistungen der beiden diktatorischen Systeme aufzeigt.

Die Arbeit gelangt dabei zu dem Ergebnis, dass die tiefgreifenden inhaltlichen und institutionellen Zensurmaßnahmen des italienischen Faschismus gegenüber der Tagespresse die Politik des deutschen Nationalsozialismus im Prinzip vorwegnahmen und in weiten Teilen in seiner Entstehung sogar beeinflussten, aber selbst erst durch die zeitlich spätere "Machtergreifung" des Nationalsozialismus erheblich radikalisiert wurden. Der Versuch, einen möglichst effizienten staatlichen Zensur- und Überwachungsapparat aufzubauen, geriet schließlich sogar zu einem innerfaschistischen Wettlauf, aus dem der Nationalsozialismus freilich als zweifelhafter Sieger hervorging. Am Ende der nationalsozialistischen Herrschaft hatte das Regime die traditionell liberale Zeitungslandschaft in Deutschland so grundlegend zerschlagen, dass die Auswirkungen bis heute zu erkennen sind.

Auch in den Maßnahmen zur Rundfunkpolitik ist dieses grundlegende Strukturmuster gegenseitiger Beeinflussung und Radikalisierung zwischen italienischem Faschismus und


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deutschem Nationalsozialismus zu erkennen, auch wenn der italienische Faschismus die Bedeutung des Radios als hoch emotionalisierendes Propagandamittel zunächst unterschätzte. Erst nach den erfolgreichen radiopolitischen Maßnahmen des unter Goebbels in Deutschland neu geschaffenen Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda setzte der italienische Faschismus zu einer ähnlich gearteten Radiopolitik an, die es sich zum erklärten Ziel gesetzt hatte, das ganze Volk in einen ideologischen "Klangkörper" zu verwandeln.

Die Arbeit wurde als Forschungsüberblick angelegt und trägt alle einschlägigen Forschungsergebnisse der italienischen und deutschen historischen Forschung aus 50 Jahren zusammen, wobei sie insbesondere auch die Ergebnisse aus den einschlägigen Nachbardisziplinen wie der Publizistik und der Kulturwissenschaften miteinbezieht.

Schlagwörter:
Schlagwörter:
Nationalsozialismus, Faschismus, Pressegeschichte, Rundfunkgeschichte, Deutsche Geschichte, Italienische Geschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Massenmedien, Propaganda, Zensur


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Abstract

How could the German National Socialism and the Italian Fascism win the consent of the masses to their politics, how did they carry their ideological ideas and paradigms into the society? How far were the systematically manipulations of the public opinion? Or where could we draw the line between conformity and censorship to understand this part of history?

This work tries to answer this questions with a historical comparison of two dictatorial systems - Nazi Germany and Mussolini's Italy - and their propaganda politics in the field of daily press and early radio.

The work comes to the conclusion, that the far-reaching institutional and economic censorship in Italy was a direct model for the German National Socialism. But after establishing the dictatorship in Germany the radicalization of the politics against the daily press and the radio increased, not only in Germany but also in Italy as a direct result of the "seizure of power" of Adolf Hitler. So that the model "Italian Fascism" turned into an imitation of Nazi Germany.

In the end there was a fully controlled daily press and radio in both countries, radicalized by the war and with little spaces for opposing opinions. We can see some of this structural results even today.

Keywords:
Keywords:
National Socialism, Fascism, Press, Radio, German History, Italian History, 20th Century, Propaganda, Mass Media, Censorship


Seiten: [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [24] [25] [26] [27] [28] [29] [30] [31] [32] [33] [34] [35] [36] [37] [38] [39] [40] [41] [42] [43] [44] [45] [46] [47] [48] [49] [50] [51] [52] [53] [54] [55] [56] [57] [58] [59] [60] [61] [62] [63] [64] [65] [66] [67] [68] [69] [70] [71] [72] [73] [74] [75] [76] [77] [78] [79] [80] [81] [82] [83] [84] [85] [86] [87] [88] [89] [90] [91] [92] [93] [94] [95] [96] [97] [98] [99] [100] [101] [102] [103] [104] [105] [106] [107] [108] [109] [110] [111] [112] [113] [114] [115] [116] [117] [118] [119] [120] [121] [122] [123] [124] [125] [126] [127] [128] [129] [130] [131] [132] [133] [134] [135] [136] [137] [138] [139] [140] [141] [142]

Inhaltsverzeichnis

TitelseiteDie Tagespresse und der Rundfunk im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus im Vergleich
Danksagung
1 Einleitung
1.1Vom typologischen Faschismusvergleich zu einer vergleichenden Faschismusforschung
1.2Gegenstand des Vergleiches: Die Tagespresse und der Rundfunk
1.3Einführung in den Forschungsstand
1.4Vergleichs- und Arbeitshypothesen
2 Die Tagespresse im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus
2.1Chaotische Überorganisation der Presselenkung im Nationalsozialismus
2.2Entwicklungsdiktatorische Presselenkung im italienischen Faschismus
2.3Vom Vorbild zum konkurrierenden Imitator: Vergleich und Beziehungen
3 Der Rundfunk im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus
3.1Der Mythos einer Rundfunkrevolution: Fortgesetzte Zentralisierung und anhaltender Aufstieg des Rundfunks im Nationalsozialismus
3.2Entwicklungsdiktatorische Instrumentalisierung des Rundfunks im italienischen Faschismus
3.3Ideologische Rigorosität als Trennlinie zwischen Faschismus und Nationalsozialismus: Vergleich und Beziehungen
4 Ergebnisse und Forschungsdesiderate
Abkürzungsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis
Anhang A Glossar (italienisch-deutsch)
Bibliographie Literaturliste
Selbständigkeitserklärung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Die Tageszeitungen im Nationalsozialismus
Tabelle 2: Die Tageszeitungen im italienischen Faschismus
Tabelle 3: Die Reichweite des Radios im Nationalsozialismus
Tabelle 4: Die Reichweite des Radios im italienischen Faschismus

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Organisation der nationalsozialistischen Presse- und Rundfunklenkung in Staat, Partei und Berufsstand Ende der 30er Jahre
Abbildung 2: Die Organisation der faschistischen Presse- und Rundfunklenkung in Staat, Partei und Berufsstand Ende der 20er Jahre
Abbildung 3: Die Organisation der faschistischen Presse- und Rundfunklenkung in Staat, Partei und Berufsstand Ende der 30er Jahre

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Fri Oct 11 17:50:39 2002