| Sacklowski, Christine: Expertensysteme - ein Leistungsangebot für Nutzer in BID-Einrichtungen? |
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Um einen Eindruck der gegenwärtigen Situation zu erhalten, wurde eine Befragung geplant und in Berlin durchgeführt. Wichtige Fragen, die in diesem Zusammenhang beantwortet werden sollten, waren: Werden Expertensysteme in BID-Einrichtungen eingesetzt? Welche Kenntnisse sind zu diesen Systemen vorhanden, und welche Meinungen werden vertreten?
Bei der Planung einer Untersuchung muß festgelegt werden, welche Methode für die Untersuchung angewendet werden soll. Bekannte Methoden sind die schriftliche Befragung, das Interview und die Beobachtung. Jede Methode hat Vor- und Nachteile. Die Beantwortung der Fragestellung dieser Arbeit ist durch die Durchführung von schriftlichen Befragungen oder Interviews (mündlichen Befragungen) möglich.
Befragungen können grundsätzlich nach dem Grad ihrer Standardisierung unterteilt werden. Es gibt vollstandardisierte, teilstandardisierte und nicht standardisierte Untersuchungen. Das Instrument einer Befragung kann ein Fragebogen sein. Wählt man die vollstandardisierte Variante, so enthält der Fragebogen nur geschlossene Fragen mit vorgegebenen Antwortkategorien. Die Ergebnisse der vollstandardisierten Befragung sind im Vergleich zu den anderen aufgeführten Untersuchungsarten am besten quantifizierbar. Bei der teilstandardisierten Befragung werden neben geschlossenen auch offene oder halboffene Fragen verwendet. Bei offenen Fragen können die Antworten frei formuliert werden. Bei halboffenen Fragen befindet sich unter den vorgegebenen Antwortmöglichkeiten eine offene Kategorie für Ergänzungen. Eine nicht standardisierte Befragung verwendet ausschließlich offene Fragen.
Die Durchführung einer schriftlichen Befragung eignet sich zur Klärung einfacher Zusammenhänge und zur Untersuchung von großen, homogenen Zielgruppen. Im allgemeinen werden die voll- oder die teilstandardisierte Variante des Fragebogens verwendet. Da für die Untersuchungsteilnehmer keine Rückfragemöglichkeit besteht, müssen die Fragen so verständlich wie möglich formuliert sein. Es dürfen keine komplexen Fragestellungen und Fragenabfolgen mit vielen Verzweigungen verwendet werden. Ein großer Vorteil der schriftlichen Befragung liegt in dem relativ geringen zeitlichen und finanziellen Aufwand, der für die Durchführung erforderlich ist. Ein
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Problem der schriftlichen Befragung besteht darin, daß sich Verzerrungen der Ergebnisse kaum vermeiden lassen. Die Motivation der Untersuchungsteilnehmer kann nur durch eine entsprechende Formulierung des Anschreibens und die Gestaltung des Fragebogen selbst erreicht werden. Man muß grundsätzlich mit einer relativ niedrigen Rücklaufquote von ca. 15 bis 40 % rechnen (vgl. Kluck, 1997, S. 813). Dabei ist nicht sicher, ob die Ausfälle die Ergebnisse systematisch verzerren. Es muß damit gerechnet werden, daß die Befragten, die den Fragebogen ausfüllen und zurücksenden, ein größeres Interesse am Thema der Befragung haben.Die Methode des Interviews ist geeignet, um sich einen Überblick über einen bestimmten Problembereich zu verschaffen, oder qualitativ hochwertige Daten in einer kleinen Stichproben zu erheben. Auch Interviews können nach den verschiedenen Standardisierungsgraden unterschieden werden. Vollstandardisierte Fragebögen sind häufig die Grundlage für Telefonumfragen, die eine Spezialform des Interviews darstellen. Bei persönlichen Interviews wird meist ein mehr oder weniger standardisierter Interview- oder Gesprächsleitfaden verwendet. Ein Vorteil des Interviews, gegenüber der schriftlichen Befragung, besteht im direkten Kontakt zwischen dem Interviewer und dem Interviewten (beim Telefoninterview nur bedingt). Der Interviewte kann jederzeit Rück- und Verständnisfragen stellen. Dadurch wird eine größere Fragentiefe möglich, und es können kompliziertere Fragenverzweigungen verwendet werden. Das Interview ermöglicht die Erörterung komplexerer Zusammenhänge. Durch den persönlichen Kontakt können die Befragten viel besser motiviert werden, so daß die Anzahl der Verweigerer wesentlich geringer als bei schriftlichen Befragungen ist. Einen Nachteil des Interviews stellt der relativ hohe zeitliche und personelle Aufwand dar. Aus diesem Grund muß der erwartete repräsentative Umfang der Stichprobe, anders als bei schriftlichen Befragungen, schon bei einer viel geringeren Anzahl der Befragungen erreicht werden. Auch beim Interview können Antwortverzerrungen auftreten. Die Ursachen dafür bestehen in einer gewissen Zustimmungstendenz des Interviewten und in der größeren sozialen Erwünschtheit bestimmter Antworten im Vergleich zu den angebotenen Alternativen. Um den Befragten nicht in seinem Antwortverhalten zu beeinflussen, sollte sich der Interviewer möglichst neutral verhalten. Er sollte z.B. versuchen, keine zustimmende oder ablehnende Haltung zu den Antworten des Befragten zu vermitteln.
Unter Berücksichtigung der spezifischen Vor- und Nachteile beider Alternativen wurde für die Untersuchung das persönliche Interview als Befragungsmethode ausgewählt. Die
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Interviews werden auf BID-Einrichtungen in Berlin beschränkt.Mit der Wahl der mündlichen Befragung kann die Rücklaufproblematik, die ein erheblicher Nachteil der schriftlichen Befragung ist, vermieden werden. Die Gefahr, daß die Rücklaufquote höchstwahrscheinlich sehr gering ausgefallen wäre, liegt im Thema der Befragung begründet. Wie aus der Diskussion zum Verständnis von Expertensystemen hervorgegangen ist, existieren sehr unterschiedliche Meinungen dazu, was unter einem solchen System zu verstehen ist. Für das Interview ist es von entscheidender Bedeutung, die für die Befragung zugrundegelegte Definition von Expertensystemen darzustellen, um dadurch sicherzustellen, daß sich die Antworten der Befragten wirklich auf Expertensysteme im vorliegenden Verständnis beziehen. Die Möglichkeit von Rück- und Verständnisfragen, die bei einem Interview besteht, ist für die Befragten von großer Wichtigkeit.
Als Erhebungsinstrument wird ein teilstandardisierter Fragebogen verwendet, der sich als Anlage A am Ende der Arbeit befindet.
Ein Fragebogen sollte grundsätzlich übersichtlich und verständlich gestaltet sein.
Bei der Gestaltung eines Fragebogens muß besonders darauf geachtet werden, an wen sich der Fragebogen richtet. Im vorliegenden Fall wird ein Interview durchgeführt, d.h. der Fragebogen ist an erster Stelle für den Interviewer gedacht. Er stellt die Fragen und kreuzt die entsprechenden Antworten an bzw. füllt die offenen Fragen aus. Die Fragen sind dabei als Leitfaden gedacht. Außerdem soll aber auch dem Interviewten eine Kopie des Fragebogens vorgelegt werden. Dies bietet insbesondere bei der Vorgabe mehrerer Antwortmöglichkeiten einen großen Vorteil, da der Befragte sich weder die Frage, noch die angebotenen Varianten merken muß. Diese kleine Unterstützung macht es dem Interviewten möglicherweise leichter, sich auf seine Antworten zu konzentrieren.
Der Fragebogen für das hier geplante Interview soll also sowohl vom Interviewer als auch vom Interviewten genutzt werden. Dementsprechend wurde bei der Gestaltung versucht, die angestrebte gute Handhabbarkeit bestmöglich umzusetzen. Für jeden der einzelnen Fragenkomplexe wurde eine neue Seite begonnen. Der gesamte Fragebogen findet auf 10
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DINA4-Seiten Platz, wobei die inhaltliche Strukturierung mit Hilfe von Filterfragen erfolgt.Die Fragen wurden eindeutig, verständlich und möglichst kurz formuliert. Bei einigen Fragen sind Mehrfachnennungen möglich. Außerdem finden sich hinter einigen Antwortmöglichkeiten Verweise, die darüber Auskunft geben, mit welcher Frage fortzufahren ist. Sie wurden bewußt knapp gehalten, da sie nur für den Interviewer gedacht sind und für diesen schnell und leicht erfaßbar sein sollen.
Der Fragebogen enthält überwiegend geschlossene und halboffene Fragen. Bei einigen Fragen wurden die Antwortmöglichkeiten in Form von Nominalskalen bzw. Ordinalskalen (Rangskalen) vorgegeben. Nominalskalen sind Skalen, bei denen jedes Objekt genau einer Klasse zugeordnet ist. Ordinalskalen geben darüber hinaus Auskunft über die Rangordnung der Objekte, d.h. es wird eine Abstufung im Sinn eines Mehr oder Weniger, Größer oder Kleiner und dergleichen getroffen.
Für viele Fragen mit Nominalskalen wurde eine offene Kategorie (andere, und zwar...) vorgesehen. Bei Ordinalskalen wurde bewußt eine gerade Zahl an Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Damit soll der Tendenz zur Mitte, d.h. der Wahl der mittleren Antwortmöglichkeit, vorgebeugt werden. Zusätzlich enthalten viele Ordinalskalen eine weiß nicht-Kategorie für den Fall, daß der Befragte seine Antwort in keine der vorgegebenen Kategorien einordnen kann.
An einigen Stellen, an denen die möglichen Antworten sehr vielgestaltig sind, wurde, wenn dieses Spektrum nicht eingeschränkt werden konnte oder sollte, die Verwendung offener Fragen bevorzugt.
Der Fragebogen setzt sich aus 46 Fragen zusammen, die zu fünf großen Komplexen zusammengefaßt wurden.
1) Einführung / Filterfragen (Fragen 1-9)
Die Erfragung der realisierten Leistungsangebote für die Nutzer der betreffenden Einrichtung ermöglicht einen wichtigen Überblick und erfüllt die Funktion der Aufwärmfrage. Anhand allgemeiner Fragen zum Thema Expertensysteme wird im
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folgenden versucht, einen ersten Eindruck über Kenntnisstand und Einsatz zu erhalten. Unter Berücksichtigung der möglichen Phasen: Planung, Entwicklung und Einsatz - wird der Stand der Entwicklung zum Zeitpunkt der Befragung bestimmt. Fallen die Ergebnisse diesbezüglich negativ aus, werden die möglichen Gründe dafür ebenfalls abgefragt. Durch diese Bestimmung wird die weitere zielgerichtete Informationsgewinnung in späteren Teilen des Fragebogens möglich.2) Fragen zum eingesetzten Expertensystem (Fragen 10-23)
Während mit den Fragen 11-18 wichtige Informationen zum System (z.B. Einsatzgebiet und -dauer) erfragt werden, konzentrieren sich die Fragen 19-23 auf die Nutzerresonanz und -freundlichkeit.
3) Fragen zum geplanten bzw. entwickelten Expertensystem (Fragen 24-32)
Um Informationen auch über die Systeme zu erhalten, die nicht eingesetzt wurden, deren Einsatz aber geplant war oder ist, oder deren Entwicklung zu keinem Erfolg führte, werden in diesem Abschnitt Fragen zum System (24-30) und Fragen zur Nutzung (31-32) gestellt.
4) Fragen zum Expertensystem für Mitarbeiter (Fragen 33-40)
Für den Fall, daß in der befragten Einrichtung Expertensysteme zum Einsatz kommen, diese aber nicht Nutzer sondern die Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen, werden die entsprechenden Informationen in diesem Abschnitt erfragt. Obwohl sich dies nicht mit der Fragestellung der Arbeit deckt, erscheinen die damit potentiell zu erhebenen Daten zur Technologie im allgemeinen als interessant und wichtig.
5) Fragen zur Einrichtung (Fragen 41-46)
Die in diesem Abschnitt zu gewinnenden Daten erfüllen mehrere Funktionen. Sie sollen trotz Anonymisierung eine Charakterisierung der untersuchten Einrichtungen und damit auch die Bewertung der gewonnenen Ergebnisse ermöglichen. Sie erlauben weiterhin die Zuordnung möglicher Entwicklungstendenzen.
Eine Befragung aller in Berlin befindlichen BID-Einrichtungen läßt sich aufgrund ihrer großen Anzahl im Rahmen einer Magisterarbeit nicht realisieren. Für die gewählte Form
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der Teilerhebung muß die Anzahl der zu untersuchenden Einrichtungen beschränkt werden. Diese Auswahl wird als Stichprobe bezeichnet. Sie wird aus der Grundgesamtheit aller betreffenden Einrichtungen gezogen. Die Grundgesamtheit besteht aus allen BID-Einrichtungen in Berlin, unabhängig von ihrer Größe, ihrem Spezialisierungsgrad oder ihrer Selb- bzw. Unselbständigkeit.Bei einer Teilerhebung muß festgelegt werden, nach welchen Kriterien die zu befragenden Einrichtungen ausgewählt werden sollen.
Auf eine Auswahl nach dem Zufallsprinzip wird bewußt verzichtet, da nach dem ausführlichen Studium der Literatur von einer geringen Verbreitung von Expertensystemen in BID-Einrichtungen ausgegangen werden muß. Aus der geringen Wahrscheinlichkeit, mit der Expertensysteme in sehr großen bzw. spezialisierten Einrichtungen anzutreffen sind, ergibt sich die begründete Vermutung, sie in keiner kleinen öffentlichen Bibliothek antreffen zu können.
Aus diesem Grunde werden 30 zu untersuchende Einrichtungen bewußt ausgewählt, bei denen eine hohe Chance für die Erhebung relevanter Daten vermutet werden kann. Dabei wird versucht, ein breites Spektrum an unterschiedlichen BID-Einrichtungen abzudecken. Die Befragungen sollen in großen und kleinen, allgemeinen und spezialisierten, selb- und unselbständigen, öffentlichen und nicht öffentlichen (internen) Einrichtungen durchgeführt werden.
Obwohl durch die bewußte Auswahl der Einrichtungen die Untersuchung ihren hundertprozentig repräsentativen Charakter verliert, können dennoch für die derzeitige Situation charakteristische Aussagen zum Verhältnis der BID-Einrichtungen zu Expertensystemen getroffen werden.
Eine Auflistung der für die Auswahl der Einrichtungen und die Ermittlung der Adressen genutzten Quellen befindet sich am Ende des Literaturverzeichnisses. Die Liste der befragten Einrichtungen befindet sich als Anlage D im Anhang der Arbeit.
Im Laufe des Monats März 2000 wurde mit den ausgewählten Einrichtungen telefonisch bzw. durch Emails Kontakt aufgenommen. Dabei wurden die Ansprechpartner darüber informiert, daß die Untersuchung im Rahmen einer Magisterarbeit durchgeführt wird. Das
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Thema der Befragung wurde kurz erläutert. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Datenerhebung vertraulich ist, und die Auswertung in anonymisierter Form erfolgt.Nachdem die entsprechenden Termine vereinbart waren, wurden die Interviews durchgeführt. Dies erfolgte in einem ca. vierwöchigen Zeitraum, zwischen Mitte März und Mitte April.
Von den 30 ausgewählten Einrichtungen konnte mit 25 ein Befragungstermin vereinbart werden. Mit 24 der 25 Einrichtungen kam ein Interview zustande. Von diesen 24 Einrichtungen wurden 22 persönlich und 2 telefonisch befragt.
Tabelle 1: Anzahl der Einrichtungen, Befragungstermine und Interviews
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Ausgewählte Einrichtungen |
30 |
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Zustandegekommene Befragungstermine |
25 |
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Zustandegekommene Interviews (persönlich / telefonisch) |
24 (22 / 2) |
Die Interviews dauerten zwischen 15 Minuten und ca. 3 Stunden - durchschnittlich jedoch 30 Minuten.
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HTML - Version erstellt am: Tue Sep 4 15:45:18 2001 |