5 Die Beispiele

↓42

In diesem Kapitel folgen Analysen von sechs Beispielen aus drei derselben Textart zuzuordnenden Texten. Die Aufsätze wurden in der Zeitschrift New Scientist veröffentlicht und sind Teil des Berlin-Korpus. Sie behandeln die Themen Photosynthese 39, Staub im interstellaren Raum 40 und Supernovae 41. Als unmittelbarer Kontext wird jeweils der Abschnitt, der die Beispiele enthält, angeführt. Der weitere Kontext der Beispielsätze wird, soweit relevant, kurz beschrieben. Ausgehend von einer strukturellen und diskursiven Analyse des englischen Originals, wird als erste Variante (V1) jeweils eine Übersetzung mit deutscher Grundwortstellung betrachtet. Diese wird dann schrittweise an die kontextuellen und sprachspezifischen Bedingungen im deutschen Text angepasst, bis hin zur Zielvariante (ZV). Bei Abweichungen zwischen der ZV und der im Berlin-Korpus enthaltenen Übersetzungsvariante (KV), werden im Anschluss an die Begründung der Zielvariante die Unterschiede zur KV kommentiert. Abschließend wird die ZV einer Analogvariante (AV) gegenübergestellt sowie zum Vergleich eine Rückübersetzung (RÜ) der ZV vorgenommen. Bei den Beispielen handelt es sich jeweils um Fälle von Satzgrenzenverschiebungen, Folgen von Trennungen und Verknüpfungen, wobei in den ersten drei Beispielen die Trennung der Verknüpfung vorausgeht und in den folgenden drei Beispielen die Verknüpfung der Trennung.

5.1 Erstes Beispiel

(4) We can separate the interstellar extinction curve into absorption and scattering components (dashed lines in Figure 1) by observing the faint background glow of the Milky Way, also known as the diffuse galactic light. This is the galactic analogy of the blue sky and shows us the distribution in wavelength of the scattered light alone.

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Rein formal ist im ersten Satz von einer engen Fokussierung des Verbs auszugehen, da die verbadjazenten Argumente selbst als Foki kaum in Frage kommen. Das direkte Objekt the interstellar extinction curve ist durch den bestimmten Artikel als kontextuell bereits gegebenes Element gekennzeichnet. Die Fokussierung des pronominalen Subjekts we erscheint unwahrscheinlich, zumal eine solche Fokussierung auch noch kontrastiv wäre. Vielmehr liegt nahe, dass das Pronomen zur Kategorie der bedeutungsschwachen Dummy-Subjekte gehört, die im Englischen aufgrund der Subjekt-Verb-Konfigurationalität häufig zum Einsatz kommen. Mit Hilfe des Kontexts lässt sich diese Analyse bestätigen und verfeinern.

Bei dem Beispiel handelt es sich um die Sätze 41 und 42 aus dem Text über den Staub im interstellaren Raum, der dessen Erforschung und Zusammensetzung behandelt. Unter der Zwischenüberschrift „Studying the starlight“ werden konkrete Ansätze und Methoden beschrieben. Ausgangspunkt der Überlegungen ist der Verdunkelungseffekt des Staubes in Kombination mit dem Zusammenhang von Strahlung und Wellenlänge. Eine annähernde Bestimmung der Staubteilchen wird durch die Tatsache möglich, dass Teilchen vor einer Lichtquelle die kurzwelligen blauen Strahlen in stärkerem Maße eliminieren als die roten (vgl. Sonnenuntergang). Dies ist das Ergebnis von zwei Effekten: Absorption und Streuung. Die Streuung ist ein Indikator für die Größe der beteiligten Teilchen, und die Absorption bestimmter Wellenlängenbereiche ermöglicht Schlüsse auf deren chemische Zusammensetzung. Das Prinzip kommt bei der Erforschung des interstellaren Raums wie folgt zur Anwendung: Verteilungskurven (Extinktionskurven) der Lichtstärken in verschiedenen Wellenlängenbereichen ermöglichen Vergleiche zwischen fernen, verdunkelten und näheren, nicht verdunkelten Sternen gleichen Typs und damit Aussagen über die lichtdämmende Auswirkung des Staubs für die gemessenen Wellenlängen. Der Absatz, dem (1) entnommen ist, beginnt wie folgt:

↓44

Astronomers have derived extinction curves for a large number of stars over a wide range of wavelengths. Groundbased optical and infrared observations have been combined with ultraviolet data from satellites to produce the average extinction curve shown in Figure 1. We can separate the interstellar extinction curve into absorption and scattering components (dashed lines in Figure 1) by observing the faint background glow of the Milky Way, also known as the diffuse galactic light. This is the galactic analogy of the blue sky and shows us the distribution in wavelength of the scattered light alone.

Die interstellar extinction curve wird also im unmittelbaren Vorgängersatz als average extinction curve eingeführt. Absorption und scattering werden zwei Abschnitte vorher, in Satz 28 eingeführt, in den Folgesätzen erklärt und zuletzt in Satz 33 genannt. Die neue, fokussierte Information hier ist also, wie oben angenommen, die Zerlegbarkeit der Kurven. Diese wird dann durch die Modalbestimmung, gefolgt von einer Appositivphrase, noch näher erläutert. Der zweite Satz greift das in der Modalbestimmung eingeführte und durch die Appositivphrase näher bestimmte Hintergrundleuchten pronominal auf und liefert, in einer parallelisierten Struktur, eine Erklärung sowohl für die Erscheinung selbst wie auch für deren Relevanz.

Im Deutschen steht die modale Gerundialkonstruktion nicht zur Verfügung und auch die Appositivphrase muss zu einem Relativsatz erweitert werden:

↓45

(V1) Wir können die interstellare Extinktionskurve in ihre Streuungs- und Absorptionskomponente zerlegen (unterbrochene Linien in Abb. 1), indem wir das schwache Hintergrundleuchten der Milchstraße, das auch als galaktisches Streulicht bekannt ist, auswerten.

Mit dem Relativsatz, der lediglich einen Terminus für das schwache Hintergrundleuchten der Milchstraße einführt und damit eine klare Seitenstruktur ist, steht so am Satzende, wo im Deutschen die wichtigste Information erwartet wird, lediglich welche von sehr niedriger Relevanz. Dies kann zu Schwierigkeiten bei der informationellen Verarbeitung des Satzes führen. Die einzige Möglichkeit, die Information aus dem Relativsatz weiter vorne im Satz unterzubringen, ist die Verkürzung zu einem pränominalen Attribut.

↓46

(V2) Wir können die interstellare Extinktionskurve in ihre Streuungs- und Absorptionskomponente zerlegen (unterbrochene Linien in Abb. 1), indem wir das schwache, auch als galaktisches Streulicht bezeichnete, Hintergrundleuchten der Milchstraße auswerten.

Die nähere Bestimmung der Zerlegbarkeit der Extinktionskurven ist für die Satzendposition im Deutschen hinreichend relevant. Allerdings ist der Modalsatz mit der jetzt pränominal untergebrachten Ergänzung überfrachtet. Eine angemessene Entlastung, im Sinne optimaler Verarbeitbarkeit im Diskurs nach Doherty, kann nur durch eine Abtrennung der Konstituente erreicht werden (vgl. 3.2.1). Das schwache Hintergrundleuchten der Milchstraße muss dann erneut pronominal aufgegriffen werden.

↓47

(V3) Wir können die interstellare Extinktionskurve in ihre Streuungs- und Absorptionskomponente zerlegen (unterbrochene Linien in Abb. 1), indem wir das schwache Hintergrundleuchten der Milchstraße auswerten. Dieses wird auch als galaktisches Streulicht bezeichnet. Es ist die galaktische Entsprechung des blauen Himmels und zeigt uns ausschließlich die Wellenlängenverteilung des gestreuten Lichts.

Da das als Streulicht bezeichnete Hintergrundleuchten im nächsten Satz wieder pronominal aufgegriffen wird, bietet sich anstelle der Satztrennung, die nach Fabricius-Hansen den Nachteil hat, dass sie die Inkrementalität und Redundanz des Textes erhöht, eine Integration der Konstituente in den Folgesatz an.

↓48

(V4) Wir können die interstellare Extinktionskurve in ihre Streuungs- und Absorptionskomponente zerlegen (unterbrochene Linien in Abb. 1), indem wir das schwache Hintergrundleuchten der Milchstraße auswerten. Dieses auch als „galaktisches Streulicht“ bezeichnete Phänomen ist die Entsprechung des blauen Himmels und zeigt uns ausschließlich die Wellenlängenverteilung des gestreuten Lichts.

Im ersten Satz kann durch eine Art Perspektivewechsel in der folgenden Konstruktion mit dem reflexiven Verb lassen das pronominale typisch englische Dummy-Subjekt eliminiert und das Diskurstopik, die Extinktionskurve, als Subjekt in die kanonische Position an den Satzanfang gebracht werden, wodurch die Struktur ausgewogener wird. Der prototypische Singular der interstellar extinction curve wird dabei durch den im Deutschen gebräuchlicheren indefiniten Plural ersetzt, was den Artikel einspart. Als Subjekt des Modalsatzes wird der neuen Perspektive entsprechend das indefinite Pronomen man anstelle des Personalpronomens wir gewählt.

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(V5) Interstellare Extinktionskurven lassen sich in ihre Streuungs- und Absorptionskomponente zerlegen (unterbrochene Linien in Abb. 1), indem man das schwache Hintergrundleuchten der Milchstraße auswertet. Dieses auch als „galaktisches Streulicht“ bezeichnete Phänomen ist die Entsprechung des blauen Himmels und zeigt uns ausschließlich die Wellenlängenverteilung des gestreuten Lichts.

Die koordinierte Struktur des zweiten Satzes, der das Zustandsverb sein im ersten Konjunkt mit dem Verb zeigen im zweiten Konjunkt parallelisiert, kann durch eine Verbalisierung optimiert werden. Die beiden Verben entsprechen und zeigen bzw. anzeigen weisen ein höheres Maß an Gleichartigkeit gemäß Lang auf, was die Verarbeitung der Struktur erleichtert. Infolge der im ersten Satz gewählten indefiniten Perspektive stört darüber hinaus das Personalpronomen uns im zweiten Konjunkt. Es kann eingespart werden.

↓50

(ZV) Interstellare Extinktionskurven lassen sich in ihre Streuungs- und Absorptionskomponente zerlegen (unterbrochene Linien in Abb. 1), indem man das schwache Hintergrundleuchten der Milchstraße auswertet. Dieses auch als „galaktisches Streulicht“ bezeichnete Phänomen entspricht dem Blau unseres Himmels und zeigt ausschließlich die Wellenlängenverteilung des gestreuten Lichts an.

Diese Zielvariante hat mehrere Vorteile: Der erste Satz ist so gekürzt leichter verarbeitbar als in V2. Trotz der Satztrennung bleibt die Inkrementalität des Textes durch die Integration des galaktischen Streulichts in den Folgesatz gewahrt. Dieser gewinnt durch das gewichtigere Subjekt an Ausgewogenheit im Sinne von BID. Schließlich kann durch die Satzgrenzenverschiebung auch die im Deutschen unschöne Wiederholung des Adjektivs galaktisch vermieden werden.

↓51

Der Übersetzer des Korpustextes hat prinzipiell dieselbe Übersetzungslösung gewählt.

(KV) Interstellare Extinktionskurven lassen sich in ihre Streuungs- und Absorptionskomponente zerlegen, wenn man das schwache Hintergrundleuchten der Milchstraße berücksichtigt. Diese auch als "galaktisches Streulicht" bezeichnete Erscheinung entspricht dem Blau unseres Himmels und zeigt ausschließlich die Verteilung des gestreuten Lichts über die verschiedenen Wellenlängen an.

↓52

Die KV unterscheidet sich von der hier vorgeschlagenen ZV in den folgenden, für die Satzgrenzenveränderung nicht relevanten, drei Punkten:

1. Die auf die Abbildung verweisende Parenthese im ersten Satz wurde eliminiert.

2. Die Gerundialkonstruktion by observing, mit der die Zerlegbarkeit der Extinktionskurve näher bestimmt wird, wurde eher konditional interpretiert und mit wenn   man berücksichtigt übersetzt.

↓53

3. Bei der Integration von „galaktisches Streulicht“ in den Folgesatz wurde als Kopf für das pränominale Attribut das deutsche Substantiv Erscheinung gewählt, in der ZV das synonyme Fremdwort Phänomen.

Zu 1: Bei der Erarbeitung der ZV wurde die Parenthese beibehalten, da die Motivation für ihre Eliminierung - Abbildungen sind integrale Bestandteile des Aufsatzes - nicht nachvollzogen werden konnte. Die Abbildung 1 wird im unmittelbaren Vorgängersatz in den Text eingebunden: Groundbased optical and infrared observations have been combined with ultraviolet data from satellites to produce the average extinction curve shown in Figure 1. Die erläuternde Referenz in der Parenthese trägt zum Verständnis des Aufsatzes bei.

Zu 2: Bei der Erarbeitung der ZV wurde die Gerundialkonstruktion modal interpretiert, als Antwort auf die Frage: Wie, auf welche Art und Weise kann die Zerlegung der Kurve vorgenommen werden, d.h. wie kommt man auf die unterbrochenen Linien in Abb. 1? Die leicht abweichende Interpretation ist damit bedingt auch eine Folge der Beibehaltung der Parenthese.

↓54

Zu 3: Die Entscheidung für das Fremdwort Phänomen fiel aus Gründen der Anaphernresolution. In der Korpusvariante könnte das auf die Erscheinung verweisende feminine Demonstrativpronomen zunächst fälschlicherweise als Rückbezug auf die ebenfalls feminine Milchstraße im Vorgängersatz interpretiert werden und einen leichten Holzwegeffekt verursachen. Durch die dem neutralen Substantiv entsprechende neutrale Form des Demonstrativpronomens wird die mögliche Fehlzuordnung ausgeschlossen.

Hier noch einmal die ZV im Zusammenhang des deutschen Korpustextabschnitts und zum Vergleich eine Analogübersetzung des Originals:

↓55

Solche Extinktionskurven gibt es bereits für viele Sterne in einem breiten Bereich von Wellenlängen. Für die durchschnittliche Extinktionskurve in Abbild 1 wurden erdgestützte Meßergebnisse im optischen und infraroten Bereich mit Satellitendaten aus dem Ultraviolettbereich kombiniert. Interstellare Extinktionskurven lassen sich in ihre Streuungs- und Absorptionskomponente zerlegen (unterbrochene Linien in Abb. 1), indem man das schwache Hintergrundleuchten der Milchstraße auswertet. Dieses auch als „galaktisches Streulicht“ bezeichnete Phänomen entspricht dem Blau unseres Himmels und zeigt ausschließlich die Wellenlängenverteilung des gestreuten Lichts an.

(AV) Wir können die interstellare Extinktionskurve in ihre Streuungs- und Absorptionskomponente zerlegen (unterbrochene Linien in Abb. 1), indem wir das schwache Hintergrundleuchten der Milchstraße auswerten, das auch als galaktisches Streulicht bekannt ist. Dieses ist die galaktische Entsprechung des blauen Himmels und zeigt uns die Wellenlängenverteilung des gestreuten Lichts allein.

↓56

Durch die Übernahme der sprachlichen Struktur des Originals in die Zielsprache entstehen im Diskurszusammenhang zahlreiche Verarbeitungsschwierigkeiten. Die zielsprachliche Angemessenheit, im Sinne einer optimalen Verarbeitbarkeit nach Doherty, erfordert in diesem Fall im Wesentlichen Veränderungen und Anpassungen hinsichtlich der Perspektive (die Reflexivierung mit dem Verb lassen), der Wortarten (die Verbalisierung des Substantivs Entsprechung) und schließlich sogar der Satzgrenze (Abtrennung des zum pränominalen Attribut verkürzten Relativsatzes und Integration in den Folgesatz).

Eine analoge Rückübersetzung der ZV ist unter den sprachspezifischen Bedingungen des Englischen ebenso unvorteilhaft wie die Analogvariante.

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(RÜ) Interstellar extinction curves can be separated into their absorption and scattering components (dashed lines in Figure 1), by observing the faint background glow of the Milky Way. This phenomenon, also known as the diffuse galactic light, corresponds to our blue sky and shows the distribution in wavelength of the scattered light only.

Die Verarbeitung des Satzes wird bei dieser Segmentierung, gemäß den Ausführungen von Fabricius-Hansen, durch den Verstoß gegen PIDO 2 erschwert. Der Satz enthält mit der eingefügten alternativen Bezeichnung zu viele neue Informationen: In der koordinierten Struktur im Original werden über den reaktivierten Diskursreferenten zwei Aussagen getroffen, zu denen die alternative Bezeichnung galaktisches Streulicht noch hinzukommt. Die im Deutschen vorteilhafte, geänderte Diskurssegmentierung ist unter den Bedingungen des Englischen ein klarer Verarbeitungsnachteil.

5.2 Zweites Beispiel

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(2) But the four-carbon products are then transported to specialised cells which surround the vascular bundles in the leaves, the tubes and columns of cells that convey water and nutrients through the plant. In these specialised bundle cells CO 2 is released from the four-carbon molecules, and then re-fixed with ribulose bisphosphate (Figure 3).

Rein formal betrachtet besteht der erste Satz aus dem Hauptsatz the four-carbon products are then transported to specialised cells, dessen direktionales Adverbial durch den nicht-restriktiven Relativsatz which surround the vascular bundles in the leaves näher spezifiziert wird. Schließlich wird das direkte Objekt des Relativsatzes dann noch durch die Apposition the tubes and columns of cells that convey water and nutrients through the plant genauer erklärt. Die strukturelle Fokusposition im Haupsatz ist durch das direktionale Adverbial gefüllt, das durch then zusätzlich lexikalisch fokussiert wird. Parallel dazu ist im zweiten Satz das Verb re-fixed ebenfalls durch das Adverbial then lexikalisch fokussiert. Der Satz wird durch den Konnektor but eingeleitet, der eine adversative Diskursrelation zum Vorgängerkontext signalisiert.

Bei dem Beispiel handelt es sich um die Sätze 53 und 54 aus dem Photosynthesetext, der unter der Zwischenüberschrift „The C4-alternative“ eine zweite Strategie zur Überwindung des im ersten Teil des Aufsatzes erläuterten Photosynthesedilemmas vorstellt. Die Strategie wird zu Beginn des Abschnitts zunächst vorgestellt: wann und durch wen sie wie entdeckt wurde. Die C4-Alternative wird dann mit der im direkten Vorgängerkontext beschriebenen Strategie der Sukkulenten, CAM, verglichen und dieser adversativ gegenübergestellt:

↓59

... In CAM plants the two processes - the initial fixation to PEP, and conventional fixation - are separated by time. In cane there is no delay between the two processes; but they take place in different parts of the plant. Hence, the initial fixation to oxaloacetate takes place in the cells in the middle layers of the leaf (the mesophyll) and the oxaloacetate so formed is then converted to four-carbon malate or aspartate. But the four-carbon products are then transported to specialised cells which surround the vascular bundles in the leaves, the tubes and columns of cells that convey water and nutrients through the plant. In these specialised bundle cells CO 2 is released from the four-carbon molecules, and then re-fixed with ribulose bisphosphate (Figure 3).

Der Kontext bestätigt die oben zunächst rein formal festgestellte Fokussierung der specialised cells. Sie werden an dieser Stelle als neue Information eingeführt und dann durch den Relativsatz und die Apposition näher bestimmt. Auch die Fokussierung des Adverbials then wird durch den Kontext bestätigt. Die Fokusprojektion umfasst zudem auch das Vollverb selbst.

↓60

(V1) Aber die C 4 -Verbindungen werden dann in besondere Zellen transportiert, welche die Gefäßbündel in den Blättern umgeben, jene Röhren und Säulen aus Zellen, die Wasser und Nährstoffe durch die Pflanze leiten. In diesen speziellen Bündelzellen wird aus den C 4 -Molekülen Kohlendioxid freigesetzt und dann wieder mit Ribulose-Biphosphat gebunden (Abb. 3).

Der die besonderen Zellen näher bestimmende Relativsatz und die Apposition enthalten Informationen von niedriger, abnehmender Relevanz, die gemäß den informationsstrukturellen Erwartungen im Deutschen, im Gegensatz zum Englischen, nicht am Satzende stehen sollten. Der Relativsatz ließe sich etwas gekürzt in ein Partizip umwandeln und vorziehen, aber auch wenn man die Zellen in der Apposition wegkürzt und, wie hier angemessener, in eine passivische Perspektive wechselt, bleibt die Apposition zu lang, um mit vorgezogen zu werden. Das Mittelfeld des Satzes wird durch diese Umstellung überfrachtet.

↓61

(V2) Aber die C 4 -Verbindungen werden dann in besondere, die Gefäßbündel der Blätter umgebende Zellen - jene Röhren und Säulen, in denen Wasser und Nährstoffe durch die Pflanze geleitet werden - transportiert. In diesen speziellen Bündelzellen wird aus den C 4 -Molekülen Kohlendioxid freigesetzt und dann wieder mit Ribulose-Biphosphat gebunden (Abb. 3).

Der Folgesatz hat die Lokalbestimmung in diesen speziellen   Bündelzellen als Topik und bietet damit den Ausweg für eine zielsprachlich angemessene Umstellung der Apposition.

↓62

(ZV) Aber die C 4 -Verbindungen werden dann in besondere Zellen transportiert, welche die Gefäßbündel in den Blättern umgeben. In diesen speziellen Bündelzellen, jenen Röhren und Säulen, in denen Wasser und Nährstoffe durch die Pflanze geleitet werden, wird aus den C 4 -Molekülen Kohlendioxid freigesetzt und dann wieder mit Ribulose-Biphosphat gebunden (Abb. 3).

Diese Zielvariante weist eine ausgewogene Informationsverteilung über die beiden Sätze auf. Durch die Integration der Apposition in den Folgesatz konnte die den ersten Satz entweder in die Länge ziehende (V1) oder im Mittelfeld überfrachtende (V2) Fülle an Information von niedriger Relevanz so umverteilt werden, dass die komplexe Struktur im Deutschen nicht mehr als störend empfunden wird und leicht verarbeitbar ist.

↓63

Im Folgenden noch einmal die ZV, die mit der Korpusvariante übereinstimmt, und zum Vergleich eine Analogübersetzung des Originals:

... In CAM-Pflanzen sind die zwei Prozesse, die erste Bindung zu PEP und die herkömmliche Bindung, zeitlich getrennt. Beim Zuckerrohr ist das nicht der Fall, doch vollziehen sie sich hier in verschiedenen Teilen der Pflanze. Deshalb erfolgt die erste Bindung zu Oxalazetat in den Zellen der mittleren Schicht des Blattes (Mesophyll) und das so erzeugte Oxalazetat wird dann in C4-Malinsäure oder Aspartate umgewandelt. Aber die C 4 -Verbindungen werden dann in besondere Zellen transportiert, welche die Gefäßbündel in den Blättern umgeben. In diesen speziellen Bündelzellen, jenen Röhren und Säulen, in denen Wasser und Nährstoffe durch die Pflanze geleitet werden, wird aus den C 4 -Molekülen Kohlendioxid freigesetzt und dann wieder mit Ribulose-Biphosphat gebunden (Abb. 3).

↓64

(AV) Aber die C 4 -Verbindungen werden dann in spezialisierte Zellen transportiert, welche die Gefäßbündel in den Blättern umgeben, jene Röhren und Säulen aus Zellen, die Wasser und Nährstoffe durch die Pflanze leiten. In diesen spezialisierten Bündelzellen wird Kohlendioxid freigesetzt aus den C 4 -Molekülen und dann wieder mit Ribulose-Biphosphat gebunden (Abb. 3).

Durch die Übernahme der sprachlichen Struktur des Originals entstehen zahlreiche Verarbeitungsschwierigkeiten. Die zielsprachliche Angemessenheit erfordert in diesem Fall, neben der satzgrenzenübergreifenden Informationsumverteilung, im Wesentlichen Veränderungen und Anpassungen hinsichtlich der Perspektive (der Aktiv-Passiv-Wechsel im zweiten Teilsatz), der Lexik (Vermeidung der durch Analogübersetzung entstehenden ungewollten Personifizierung s pezialisierte Zellen 42) und der Wortstellung (Neutralisierung der durch Analogübersetzung von CO 2 is released from the four-carbon molecules entstandenen, im Deutschen stark markierten Abfolge CO 2 wird freigesetzt aus C 4 -Molekülen im zweiten Satz sowie Umstellung von Ribulose-Biphosphat in die im Deutschen unmarkierte Position vor das Verb).

↓65

Dass die zur Optimierung der Verarbeitbarkeit vorgenommenen strukturellen Veränderungen bei einer analogen Rückübersetzung der ZV ins Englische zu Verarbeitungsnachteilen werden, verdeutlicht die folgende Variante:

(RÜ) But the C 4 -products are then transported to special cells which surround the vascular bundles in the leaves. In these specialised bundle cells, those tubes and columns in which water and nutrients are conveyed through the plant, carbondioxid is released from the C4-molecules and then again fixed with ribulose bisphosphate (Figure 3).

↓66

Diese im Deutschen optimale Segmentierung bereitet im Englischen Verarbeitungsschwierigkeiten. Durch die an das topikalisierte Lokaladverbial angeschlossene Apposition ist die Distanz vom Satzanfang bis zum Verb zu groß. Wie oben angesprochen, ist die Relevanz der eingefügten Information relativ gering – die tubes and columns werden, wie das Demonstrativpronomen (bzw. im Original der bestimmte Artikel) indiziert, präsupponiert. Für eine solche Konstituente ist die Topikposition im Englischen ebenso ungeeignet wie das Satzende im Deutschen. In beiden Sprachen wird an der jeweiligen Stelle mit Information von höherer Relevanz gerechnet, was die informationsstrukturelle Verarbeitung erschwert.

5.3 Drittes Beispiel

(3) Most plants fix carbon only by the method of photosynthesis described above; and – because the first product of carbon fixation is the three-carbon PGA – they are called C 3 plants. But a C 3 plant finds itself in a physiological Catch 22.

↓67

Bei only handelt es sich um ein fokussierendes Element, das die Modalbestimmung in seinem Skopus kontrastiv fokussiert. Ein weiteres fokussierendes Element im Satz ist der Superlativ most, dessen Skopus die plants umfasst. Bei den beiden durch Semikolon und and verknüpften Teilsätzen handelt es sich nach Lang um keine reguläre koordinative Verknüpfung. Mit der Verknüpfung einer Aktiv- und einer Zustandspassivkonstruktion (most plants fix carbon... and they are called...) ist Langs Gleichartigkeitsbedingung I verletzt und eine „spezielle Uminterpretation“ erforderlich, die auch den Bedeutungsanteil von and affiziert, das hier konsekutiven Charakter hat. Die Uminterpretation solcher Konstruktionen wird nach Lang „...durch die Ungleichartigkeit der Konjunkte ausgelöst. Für die Analyse von und und oder heißt das nur, dass ihre semantische Beschreibung mit den Uminterpretationen verträglich sein muss, nicht aber, dass man ein spezielles „finales“ oder „konditionales“ und bzw. oder zu postulieren hätte“ (Lang 1991, 603). Aufgrund der Verletzung der Gleichartigkeitsbedingung I kann im vorliegenden Beispiel kein CI abstrahiert werden, was den Satz nach Lang zu einer „pseudo-koordinativen Struktur mit spezieller Interpretation“ macht, die bei analoger Übernahme ins Deutsche Verarbeitungsschwierigkeiten erwarten lässt.

Bei dem Beispiel handelt es sich um die Sätze 30 und 31 aus dem Photosynthesetext, der in seiner Unterüberschrift die Photosyntheseproblematik zunächst kurz vorgestellt: Die konventionelle Photosynthesemethode hat speziell im tropischen Klima Nachteile und einige Pflanzen haben daher Ausgleichsmechanismen entwickelt. Unter der Zwischenüberschrift „The trouble with Photosynthesis“ wird die Problematik dann genau erklärt: Als erste Schwierigkeit wird der Wasserverlust bei der Kohlendioxidaufnahme angeführt, als zweite, die durch Wärme geförderte Photorespiration. Um zu erklären, wie die Photorespiration die Photosynthese behindert, wird der chemische Umwandlungsprozess bei der Photosynthese zunächst erläutert und dann die Einbindung der Photorespiration in diesen Prozess erklärt. Der Beispielsatz bildet den Anfang des Abschnitts, der sich an diese Ausführungen anschließt:

↓68

Most plants fix carbon only by the method of photosynthesis described above; and - because the first product of carbon fixation is the three-carbon PGA – they are called C 3 plants. But a C 3 plant finds itself in a physiological Catch 22. In order to take in carbon dioxide it must sacrifice water by transpiration. In addition, its photosynthesis is stimulated by a rise in temperature but so too is photorespiration, and at high temperatures the carbon economy of the plant moves towards deficit; on still, hot days, the farmer's crop may actually become smaller. What we may term the "normal" C3 plant may find itself under particular stress in hot, dry conditions. The strategies that some plants adopt to overcome these stresses conform to two basic principles...

Der Kontext bestätigt die oben zunächst rein formal festgestellte kontrastive Fokussierung der plants und der method of photosynthesis described above, durch die Fokusindikatoren most und only. Mit dem Satz wird ein Bezug zum Anfang des Textes hergestellt und die schon in der Unterüberschrift vorgenommene Gegenüberstellung der Mehrheit der Pflanzen und einiger (tropischer) Pflanzen reaktiviert. Letztere haben bestimmte, zuletzt in Satz 6 genannte, strategies, which they superimpose on the basic mechanism of photosynthesis entwickelt, die hier implizit ebenfalls wieder aufgegriffen werden.

In der folgenden Variante wurde das Semikolon, das nach deutscher Zeichensetzungskonvention redundant ist, eliminiert und der prototypische Singular der C3-Pflanzen durch die im Deutschen gebräuchlichere Pluralform ersetzt:

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(V1) Die meisten Pflanzen binden Kohlenstoff nur durch die oben beschriebene Methode der Photosynthese und werden – da das erste Produkt der Kohlenstoffbindung C 3 -PGA ist – als C 3 -Pflanzen bezeichnet. Diese C 3 -Pflanzen befinden sich allerdings physiologisch in der „Klemme“.

Erwartungsgemäß wirkt die pseudo-koordinative Verknüpfung im Deutschen störend und die Verarbeitung erschwerend. Eliminiert man die Verknüpfung, verschwinden die diesbezüglichen Verarbeitungsschwierigkeiten.

↓70

(V2) Die meisten Pflanzen binden Kohlenstoff nur durch die oben beschriebene Methode der Photosynthese. Sie werden – da das erste Produkt der Kohlenstoffbindung C 3 -PGA ist – als C 3 -Pflanzen bezeichnet. Diese C3-Pflanzen befinden sich allerdings physiologisch in der „Klemme“.

Die Pflanzen im ersten Satz sind als aktivisches Subjekt zu binden im Deutschen unangemessen personifiziert. Das Englische hat aufgrund seiner Konfigurationalität einen wesentlich größeren Spielraum bei den semantischen Rollen, die von Subjekten übernommen werden können, als das Deutsche. Durch eine Passivvariante, in der die Pflanzen in einem präpositionalen Objekt untergebracht werden, lässt sich die ungünstige Rollenzuweisung vermeiden. Dies verlängert die Struktur, was durch die Kompositumbildung Photosyntheseverfahren teilweise kompensiert werden kann.

↓71

(V3) Bei den meisten Pflanzen wird der Kohlenstoff nur durch das oben beschriebene Photosyntheseverfahren gebunden. Sie werden – da das erste Produkt der Kohlenstoffbindung C 3 -PGA ist – als C 3 -Pflanzen bezeichnet.

Allerdings stehen die Pflanzen jetzt als Subjekt im zweiten Teilsatz nicht mehr zur Verfügung. Sie müssen erneut explizit aufgegriffen werden. Der im Original durch die Parallelisierung ausgedrückte enge inhaltliche Zusammenhang zwischen den beiden Teilsätzen, wird in der folgenden Variante durch die Wiederholung der Pflanzen, inklusive Demonstrativpronomen, lexikalisch realisiert.

↓72

(V4) Bei den meisten Pflanzen wird der Kohlenstoff nur durch das oben beschriebene Photosyntheseverfahren gebunden. Diese Pflanzen werden – da das erste Produkt der Kohlenstoffbindung C 3 -PGA ist – als C 3 -Pflanzen bezeichnet.

Durch eine Konstruktion mit man lässt sich die strukturelle Wiederholung des Passiv im zweiten Satz vermeiden.

↓73

(V5) Bei den meisten Pflanzen wird der Kohlenstoff nur durch das oben beschriebene Photosyntheseverfahren gebunden. Diese Pflanzen bezeichnet man – da das erste Produkt der Kohlenstoffbindung C 3 -PGA ist – als C 3 -Pflanzen. Diese C 3 -Pflanzen befinden sich allerdings physiologisch in der „Klemme“.

Unter Berücksichtigung des Folgekontexts, speziell des dritten Teilsatzes, besteht der Text so allerdings aus zu vielen Inkrementen und enthält zu viele Wiederholungen der Pflanzen. Der dritte Teilsatz eröffnet ein neues Diskurssegment, das die Problematik des konventionellen Photosyntheseverfahrens zum Thema hat und die folgenden drei Sätze umfasst. Gleichzeitig stellt der adversative Konnektor but, der den dritten Teilsatz einleitet, eine adversative Diskursrelation zu den meisten   Pflanzen im ersten Teilsatz her. Infolge der vorgenommenen Satztrennung hat sich allerdings die Distanz zu dieser Konstituente vergrößert und die Verarbeitbarkeit im Diskurs ist gestört. Da auch der dritte Teilsatz die C 3 -Pflanzen aufgreift, bietet sich eine Verknüpfung des zweiten und des dritten Teilsatzes an. Der zweite Teilsatz wird dabei als Relativsatz in den dritten eingefügt, wobei die Parenthese aufgelöst und der Kausalsatz zu einem präpositionalen Adverbial verkürzt wird.

↓74

(ZV) Bei den meisten Pflanzen wird der Kohlenstoff nur durch das oben beschriebene Photosyntheseverfahren gebunden. Diese Pflanzen, die man nach der ersten Stufe der Kohlenstoffbindung, bei der C 3 -PGA entsteht, als C 3 -Pflanzen bezeichnet, befinden sich allerdings physiologisch in der „Klemme“.

Bei der Erarbeitung dieser Zielvariante wurde also zunächst mit der Trennung der nach Lang pseudo-koordinativ verknüpften ersten beiden Teilsätze, die aus dieser Konstruktion unter den sprachspezifischen Bedingungen des Deutschen entstehenden Verarbeitungsschwierigkeiten eliminiert. Diese Maßnahme hat, gemäß Fabricius-Hansens Ausführungen, die Inkrementalität und die Redundanz des Textabschnitts erhöht und die Verarbeitbarkeit im Diskurszusammenhang erschwert. Nach Verknüpfung des zweiten und dritten Teilsatzes bestehen die diesbezüglichen Schwierigkeiten nun nicht mehr, konkret ist die korrekte Einordnung des Relators allerdings gesichert: Dem konventionellen, von der Mehrheit der Pflanzen angewandten, Photosyntheseverfahren wird die damit verbundene Problematik, die in den beiden Folgesätzen weiter ausgeführt wird, gegenübergestellt.

↓75

Der Übersetzer des Korpustextes hat die ersten beiden Teilsätze ebenfalls getrennt, die Integration des zweiten Teilsatzes in den Folgesatz jedoch nicht vorgenommen, sondern lediglich den die Verarbeitung erschwerenden kausalen Einschub ersetzt, so dass der Lesefluss zweimal weniger unterbrochen wird als in V4.

(KV) Bei den meisten Pflanzenarten wird der Kohlenstoff nur durch das eben beschriebene Verfahren der Photosynthese gebunden. Diese Pflanzen bezeichnet man nach der ersten Stufe der Kohlenstoffbindung, bei der C 3 -PGA entsteht, als C 3 -Pflanzen. Jedoch befinden sich diese C 3 -Pflanzen physiologisch in der "Klemme".

↓76

Neben der anderen Segmentierung unterscheidet sich die KV von der hier vorgeschlagenen ZV noch hinsichtlich der lexikalischen Entscheidung bei der Übersetzung von but. Bei der Erarbeitung der ZV wurde hier der im Vergleich zu jedoch etwas schwächere Relator allerdings im Diskurszusammenhang für angemessener erachtet.

Der Nachteil der KV im Vergleich zur ZV ist ihre höhere Inkrementalität. Auch die Topikalisierung von jedoch im dritten Teilsatz sichert nicht, dass dieser unmittelbar korrekt interpretiert werden kann. Vielmehr wird zunächst ein Gegensatz zu einer Information im unmittelbaren Vorgängersatz, in dem es um die Bezeichnung geht, erwartet. Die Segmentierung führt somit zu einer Art diskursstrukturellem Holzwegeffekt.

Hier noch einmal die ZV mit ihrem unmittelbaren Folgekontext und zum Vergleich eine Analogvariante, die in diesem Fall mit der oben zugrunde gelegten V1 übereinstimmt.

↓77

Bei den meisten Pflanzen wird der Kohlenstoff nur durch das oben beschriebene Photosyntheseverfahren gebunden. Diese Pflanzen, die man nach der ersten Stufe der Kohlenstoffbindung, bei der C 3 -PGA entsteht, als C 3 -Pflanzen bezeichnet, befinden sich allerdings physiologisch in der „Klemme“. Auf der einen Seite verlieren sie bei der Aufnahme von Kohlendioxyd Wasser durch Verdunstung, auf der anderen Seite wird durch eine Temperaturerhöhung nicht nur die Photosynthese, sondern auch die Photorespiration begünstigt, so daß der Kohlenstoffvorrat der Pflanze bei Hitze rasch abnimmt...

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(AV) Die meisten Pflanzen binden Kohlenstoff nur durch die oben beschriebene Methode der Photosynthese und werden – da das erste Produkt der Kohlenstoffbindung C 3 -PGA ist – als C 3 -Pflanzen bezeichnet. Diese C 3 -Pflanzen befinden sich allerdings physiologisch in der „Klemme“.

Die Verarbeitungsschwierigkeiten, die aufgrund der Sprachspezifik durch die Übernahme der Originalstruktur entstehen, wurden im Zusammenhang mit der Erarbeitung der ZV bereits weitgehend kommentiert. Die erforderlichen Anpassungen und Veränderungen waren, neben der Satzgrenzenverschiebung, hier im Wesentlichen zwei Perspektivewechsel - die Passivierung zur Vermeidung einer Art ungewollter Personifizierung der Pflanzen sowie die Konstruktion mit man zur Vermeidung der Wiederholung des Passiv - und die strukturelle Verkürzung des Kausalsatzes in der Parenthese.

Eine analoge Rückübersetzung der ZV erweist sich unter den sprachspezifischen Bedingungen des Englischen in verschiedenen Punkten als unmöglich. Beispielsweise muss die Konstituente nach der ersten Stufe der Kohlenstoffbindung, bei der C 3 -PGA entsteht im Englischen in jedem Fall nachgestellt werden, aber auch in dieser Form ist der zweite Satz sehr schwer verarbeitbar.

↓79

(RÜ) In most plants carbon is fixed only by the method of photosynthesis described above. But these plants, which one calls C 3 plants, in analogy to the first product of carbon fixation, C 3 -PGA, are in a physiologically „difficult situation“.

Auch die Verarbeitbarkeit des ersten Satzes ist im Vergleich zum Original erschwert, wofür das Passiv verantwortlich ist. Eine analoge Konstruktion zu der mit bei im Deutschen steht im Englischen nicht zur Verfügung. Der adversative Relator lässt sich im Englischen nur am Satzanfang oder eventuell – bei der Wahl von though - am Satzende platzieren. Eine analoge Rückübersetzung von sich physiologisch in der Klemme befinden ist genauso unmöglich wie eine Analogübersetzung von to find oneself in a physiological Catch 22. Es ist aber vor allem die geänderte Diskurssegmentierung und die sich daraus ergebende starke Verschachtelung des zweiten Satzes, die die für das Deutsche optimierte Struktur unter den sprachspezifischen Bedingungen des Englischen ausgesprochen schwer verarbeitbar macht.

5.4 Viertes Beispiel

↓80

(4) But if you look through a small telescope on a clear winter's night to a point about 1° (two Moon-diameters) north-west of Zeta Tauri, you will see a faint, untidy nebulosity. Closer study shows that this is an expanding cloud of hot ionised gas, magnetic field and high-speed electrons: at its centre is a pulsar, a rapidly spinning compact neutron star, which sends out regular pulses of electromagnetic radiation.

Rein formal besteht der erste Satz aus einem extraponierten, nach vorne ausgerahmten Konditionalsatz und dem Hauptsatz you will see a faint, untidy nebulosity, wobei die strukturelle Fokusposition im Hauptsatz durch das direkte Objekt gefüllt ist. Das Verb des Konditionalsatzes wird durch drei Adverbiale in Folge (instrumental, temporal und direktional) modifiziert. Eingeleitet wird der Satz durch den Konnektor but, der eine noch näher zu bestimmende adversative Diskursrelation zum Vorgängerkontext signalisiert.

↓81

Bei dem Beispiel handelt es sich um die Sätze 9 und 10 aus dem Supernovaetext, der sich mit dem Stand der Wissenschaft zum Thema beschäftigt. Der Text beginnt mit einem Zitat aus der chinesischen Geschichtsschreibung, das das Erscheinen und Verschwinden eines „Gaststerns“ beschreibt:

"On a chi-chhou day in the fifth month of the first year of the Chi-Ho reign period, a guest star appeared at the south-east of Thien-Kuan, measuring several inches. After more than a year, it faded away." So said the Chinese historian Toktaga in his Records of the Sung Dynasty.

↓82

Die beschriebene Gegebenheit wird im Folgeabschnitt, dem das Beispiel entnommen ist, dann interpretiert und eingeordnet, wobei der Bericht etwas fragwürdig bleibt. Der Abschnitt beginnt wie folgt:

Students of Chinese history tell us that the chi-chhou day of that month and year was 4 July, 1054, and that Thien-Kuan was a region of sky near Zeta Tauri (the 6th brightest star in Taurus the bull). It is not quite so clear how Toktaga measured "inches" in the sky. But if you look through a small telescope on a clear winter's night to a point about 1° (two Moon-diameters) north-west of Zeta Tauri, you will see a faint, untidy nebulosity. Closer study shows that this is an expanding cloud of hot ionised gas, magnetic field and high-speed electrons: at its centre is a pulsar, a rapidly spinning compact neutron star, which sends out regular pulses of electromagnetic radiation. 

↓83

Es ist also die gesamte Beschreibung der historischen Begebenheit, die in Satz 4 beginnt, und ihre Interpretation in den ersten beiden Sätzen des vorliegenden Abschnitts, der die heutige Situation adversativ gegenüber gestellt wird. Der Konnektor but stellt somit eine über mehrere Textsegmente reichende makrostrukturelle Diskursrelation her und fungiert dabei gleichzeitig als Indikator für die textuelle Relevanz des Satzes. Dieser eröffnet ein neues Diskurssegment, das bis zum Ende des Abschnitts reicht.

(V1) Aber man sieht, wenn man in einer hellen Winternacht durch ein kleines Fernrohr in Richtung 1 Grad (zwei Monddurchmesser) nordwestlich von Zeta Tauri blickt, einen blassen, unregelmäßigen Nebelfleck. Nähere Betrachtung zeigt, dass dies eine sich ausdehnende Wolke aus heißem, ionisierten Gas, einem Magnetfeld und schnellen Elektronen ist: In ihrem Mittelpunkt befindet sich ein Pulsar, ein rasch rotierender, kompakter Neutronenstern, der regelmäßige Impulse elektromagnetischer Strahlung aussendet.

↓84

Wie im Original ist die strukturelle Fokusposition im ersten Hauptsatz durch das direkte Objekt gefüllt. Nach deutschem Empfinden erscheint der blasse, unregelmäßige Nebelfleck  als Satzfokus allerdings sehr schwach. Ein möglicher Grund hierfür könnte die hohe textuelle Relevanz des Satzes sein. Man fragt sich, worauf sich der durch aber ausgedrückte Gegensatz eigentlich bezieht. Eine diskursangemessene Füllung der strukturellen Fokusposition lässt sich über eine Verknüpfung des Satzes mit dem folgenden Teilsatz, welcher eine nähere Bestimmung des blassen Nebelflecks liefert, erreichen. Dieser wird relativisch angeschlossen und damit zu einem Teil des direkten Objekts des Hauptsatzes und der Fokusprojektion. Die Bildung des Relativsatzes bedingt einen Perspektivewechsel, z.B. durch Reflexivierung mit dem Verb lassen.

(V2) Aber man sieht, wenn man in einer hellen Winternacht durch ein kleines Fernrohr in Richtung 1 Grad (zwei Monddurchmesser) nordwestlich von Zeta Tauri blickt, einen blassen, unregelmäßigen Nebelfleck, der sich bei näherer Betrachtung als eine sich ausdehnende Wolke aus heißem, ionisierten Gas, einem Magnetfeld und schnellen Elektronen bestimmen lässt: In ihrem Mittelpunkt befindet sich ein Pulsar, ein rasch rotierender, kompakter Neutronenstern, der regelmäßige Impulse elektromagnetischer Strahlung aussendet.

↓85

Durch eine Reduktion des Konditionalsatzes wird die Struktur konziser. Die Direktionalbestimmung wird durch diese Veränderung zu einer Lokalbestimmung, was das Problem eliminiert, dass man im Deutschen nicht 1 Grad (zwei Monddurchmesser) nordwestlich von Zeta Tauri blicken kann, sondern bestenfalls in Richtung   1 Grad (zwei Monddurchmesser) nordwestlich von Zeta Tauri und die zunächst vorgenommene Ergänzung der Blickrichtung überflüssig macht.

(V3) Aber man kann in hellen Winternächten durch ein kleines Fernrohr, 1 Grad (zwei Monddurchmesser) nordwestlich von Zeta Tauri, einen blassen, unregelmäßigen Nebelfleck sehen...

↓86

Allerdings ist der Satz so immer noch im Mittelfeld durch die drei Adverbiale in Folge überlastet, was sich durch die Topikalisierung der Zeitbestimmung beheben lässt.

(V4) In hellen Winternächten kann man aber durch ein kleines Fernrohr, 1 Grad (zwei Monddurchmesser) nordwestlich von Zeta Tauri, einen blassen, unregelmäßigen Nebelfleck sehen, der sich bei näherer Betrachtung als eine sich ausdehnende Wolke aus heißem, ionisierten Gas, einem Magnetfeld und schnellen Elektronen bestimmen lässt: In ihrem Mittelpunkt befindet sich ein Pulsar, ein rasch rotierender, kompakter Neutronenstern, der regelmäßige Impulse elektromagnetischer Strahlung aussendet.

↓87

Im Relativsatz erschwert das zweifache Auftreten von reflexiven Verbformen die Verarbeitung. Ersetzt man sich ausdehnend durch die Form immer größer werdend, wird diese Schwierigkeit ausgeräumt. Die geringfügige Verlängerung der Struktur kann durch die Kompositumsbildung Gaswolke ausgeglichen werden.

(V5) In hellen Winternächten kann man aber durch ein kleines Fernrohr, 1 Grad (zwei Monddurchmesser) nordwestlich von Zeta Tauri, einen blassen, unregelmäßigen Nebelfleck sehen, der sich bei näherer Betrachtung als eine immer größer werdende, heiße, ionisierte Gaswolke mit einem Magnetfeld und schnellen Elektronen bestimmen lässt: In ihrem Mittelpunkt befindet sich ein Pulsar, ein rasch rotierender, kompakter Neutronenstern, der regelmäßige Impulse elektromagnetischer Strahlung aussendet.

↓88

Beim dritten Teilsatz handelt es sich nach Nunbergs Textgrammatik um eine colon-expansion, die in einer elaborierenden oder expandierenden Diskursrelation zur im Vorgänger(teil)satz eingeführten Bestimmung des Nebelflecks als Wolke steht. Setzt man in der deutschen Übersetzung anstelle des Doppelpunkts einen Punkt, so wird die zuvor vorgenommene Verknüpfung ausgeglichen und die Inkrementalität des deutschen Textabschnitts entspricht der des Originals. Greift man die Wolke im dritten Teilsatz erneut explizit auf, wird der enge inhaltliche Zusammenhang zwischen den beiden Sätzen klar erkennbar.

(V6) In hellen Winternächten kann man aber durch ein kleines Fernrohr, 1 Grad (zwei Monddurchmesser) nordwestlich von Zeta Tauri, einen blassen, unregelmäßigen Nebelfleck sehen, der sich bei näherer Betrachtung als eine immer größer werdende, heiße, ionisierte Gaswolke mit einem Magnetfeld und schnellen Elektronen bestimmen lässt. Im Mittelpunkt dieser Wolke befindet sich ein Pulsar, ein rasch rotierender, kompakter Neutronenstern, der regelmäßige Impulse elektromagnetischer Strahlung aussendet.

↓89

Die den Pulsar näher beschreibenden Erweiterungen können schließlich, um mehr Ausgewogenheit zu erzielen und die Verarbeitung der Struktur zu erleichtern, pränominal untergebracht werden, so dass der Relativsatz direkt an den Pulsar  anschließt.

(ZV) In hellen Winternächten kann man aber durch ein kleines Fernrohr, 1 Grad (zwei Monddurchmesser) nordwestlich von Zeta Tauri, einen blassen, unregelmäßigen Nebelfleck sehen, der sich bei näherer Betrachtung als eine immer größer werdende heiße, ionisierte Gaswolke mit einem Magnetfeld und schnellen Elektronen bestimmen lässt. Im Mittelpunkt dieser Wolke befindet sich ein rasch rotierender, kompakter Neutronenstern, ein Pulsar, der regelmäßige Impulse elektromagnetischer Strahlung aussendet.

↓90

Die textuelle Relevanz des ersten Satzes, der ein neues, die Sätze 9 bis 11 umfassendes, Diskurssegment eröffnet und zwischen diesem und dem vorangehenden, die Sätze 4 bis 8 umfassenden, Diskurssegment eine adversative Relation herstellt, erfordert im Deutschen nach Doherty eine „diskursangemessene Füllung der strukturellen Fokusposition“.43 Diese wurde über die Verknüpfung des ersten Satzes mit dem zweiten Teilsatz erzielt. Die Verknüpfung wurde durch die Abtrennung des dritten Teilsatzes, der colon-expansion, kompensiert, so dass die Inkrementalität des Textabschnitts, im Vergleich zum Original unverändert blieb.

Die ZV, die mit der Korpusvariante übereinstimmt, hier noch einmal im Zusammenhang und zum Vergleich eine Analogübersetzung des Originalsatzes:

↓91

Von Kennern der chinesischen Geschichte wird der Tschi-Tschhou-Tag dieses Monats und Jahres als der 4. Juli 1054 bestimmt und Thien-Kuan als eine Himmelsregion in der Nähe des Zeta Tauri (des sechsthellsten Sterns im Sternbild Stier). Darüber, wie Toktaga die Größe des Sterns gemessen hat, besteht allerdings weniger Klarheit. In hellen Winternächten kann man aber durch ein kleines Fernrohr 1 Grad (2 Monddurchmesser) nordwestlich von Zeta Tauri einen blassen, unregelmäßigen Nebelfleck sehen, der sich bei näherer Betrachtung als eine immer größer werdende heiße, ionisierte Gaswolke mit einem Magnetfeld und schnellen Elektronen bestimmen lässt. Im Mittelpunkt dieser Wolke befindet sich ein kompakter, rasch rotierender Neutronenstern, ein Pulsar, der regelmäßige Impulse elektromagnetischer Strahlung aussendet. Aus der Größe des Nebels und der Geschwindigkeit seiner Ausdehnung kann man schließen, dass er um das Jahr 1054 durch eine Explosion in unmittelbarer Nähe des Pulsars entstanden ist.

(AV) Aber wenn man durch ein kleines Fernrohr schaut, in einer klaren Winternacht, 1 Grad (zwei Monddurchmesser) nordwestlich von Zeta Tauri, wird man einen blassen, unregelmäßigen Nebelfleck sehen. Nähere Betrachtung zeigt, dass dies eine sich ausdehnende Wolke aus heißem, ionisiertem Gas, einem Magnetfeld und schnellen Elektronen ist: In ihrem Mittelpunkt ist ein Pulsar, ein rasch rotierender, kompakter Neutronenstern, der regelmäßige Impulse elektromagnetischer Strahlung aussendet.

↓92

Die Analogvariante weist zahlreiche Verarbeitungsschwierigkeiten auf, wobei die vorrangige Schwierigkeit - die weitgehende Unkenntlichkeit der textuellen Relevanz des Satzes und die dadurch erschwerte Einordnung des adversativen Anschlusses -pragmatisch bedingt ist, durch den Diskurs. Die zielsprachliche Angemessenheit, im Sinne einer optimalen Verarbeitbarkeit, erfordert zusätzlich zu der Lösung dieses Problems, Veränderungen und Anpassungen hinsichtlich der Wortstellung (die Ausrahmung des Temporaladverbials nach vorne), hinsichtlich der Bezüge im Satz (die Verschiebung und damit verbundene Umwandlung der direktionalen Bestimmung in eine Lokalbestimmung) sowie lexikalische Veränderungen, die im Fall der Gaswolke  auch die Wortbildung betreffen.

Eine Rückübersetzung der ZV ist unter den sprachspezifischen Bedingungen des Englischen ebenso unvorteilhaft wie die Analogübersetzung des Originals:

↓93

(RÜ) But on clear winter nights you can see, through a small telescope, at a point about 1° (two Moon-diameters) north-west of Zeta Tauri, a faint untidy nebulosity, which on closer study can be determined as a hot, ionised cloud of gas with a magnetic field and high-speed electrons. At the centre of this cloud is a rapidly spinning compact neutron star, a pulsar, which sends out regular pulses of electromagnetic radiation.

So segmentiert ist die Struktur im englischen Diskurs verarbeitungstechnisch ausgesprochen problematisch. Der erste Satz verstößt gegen Fabricius-Hansens Prinzipien der inkrementellen Diskursorganisation. Er ist durch zu viele neue Informationen überfrachtet, wobei der zweite Teilsatz, ein appositiver Relativsatz, zunächst als Seitenstruktur von unangemessen niedriger Relevanz interpretiert werden wird. Die im Deutschen vorteilhafte, geänderte Textsegmentierung ist unter den Bedingungen des Englischen schwer verarbeitbar.

In diesem Zusammenhang stellt sich allerdings die noch zu klärende Frage, weshalb die Einordnung des Originalsatzes hinsichtlich seiner textuellen Relevanz, die ja der Grund für die Änderung der Segmentierung im Deutschen war, im Englischen keine Probleme bereitet.

5.5 Fünftes Beispiel

↓94

(5) This situation is illustrated in Figure 2. The results from 1974 and 1981 are shown for carbon, nitrogen and oxygen; it is clear that the amount of these elements in grains is substantially less than the early estimates suggest.

Die strukturelle Fokusposition im ersten kurzen Satz ist durch die Lokalbestimmung in Figure 2 gefüllt. Der zweite Satz besteht gemäß Nunbergs Textgrammatik aus zwei Text-Teilsätzen, wobei der erste Teilsatz ein Passivsatz ist und der zweite ein Satzgefüge.

↓95

Bei dem Beispiel handelt es sich um die Sätze 80 und 81 aus dem Text über den Staub im interstellaren Raum. Unter der Zwischenüberschrift „A backbone of heavy elements“ wird folgender theoretischer Forschungsansatz beschrieben: Mittels Spektralanalyse lässt sich die chemische Elementehäufigkeit im Kosmos erschließen. Über Abweichungen bei der kosmischen Elementehäufigkeit lässt sich dann auf indirektem Wege der Anteil der schweren Elemete an den Staubteilchen im interstellaren Raum bestimmen, was Rückschlüsse auf deren Zusammensetzung ermöglicht. Die dazu erforderlichen Satellitenmessungen im UV-Bereich sind erst seit Anfang der 70er Jahre möglich und die ersten Ergebnisse diesbezüglich haben die Experten überrascht. Es wurde eine starke Reduktion von Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff im Vergleich zur kosmischen Elementehäufigkeit festgestellt, was die These nahegelegt hat, dass das fehlende Material in komplexen organischen Partikeln gebunden sein muss. Hierauf stützen sich die Theorien über eine organische Natur der interstellaren Teilchen bis heute. Neuere Untersuchungen der interstellaren Häufigkeiten haben allerdings für Sauerstoff gesichert und für Kohlenstoff und Stickstoff tendenziell eine Umkehrung der früheren Ergebnisse ergeben. (5) bildet den Anfang des sich an diese Ausführungen anschließenden Absatzes:

This situation is illustrated in Figure 2. The results from 1974 and 1981 are shown for carbon, nitrogen and oxygen; it is clear that the amount of these elements in grains is substantially less than the early estimates suggest. As well as illustrating the change that has occurred in astronomers' assessments of the carbon, nitrogen and oxygen abundances, Figure 2 also shows that the more refractory elements (those with higher condensation temperatures) such as magnesium, silicon, aluminium and iron are highly depleted, with at least 95 per cent of the available atoms in the solid grains. The picture for the refractory elements has remained essentially unchanged since 1974.

↓96

Im bestehenden Diskurszusammenhang ist this situation also auf den wissenschaftlichen Paradigmenwechsel, der aufgrund der neueren Ergebnisse stattgefunden hat, zu beziehen. Der Forschungsstand in den 70er Jahren wird im die Sätze 71 bis 76 umfassenden Abschnitt beschrieben und im die Sätze 77 bis 79 umfassenden unmittelbaren Vorgängerabschnitt werden, im Kontrast dazu, die Ergebnisse neuerer Untersuchungen skizziert. Diese werden nun mittels der Abbildung 2 und ihrer Beschreibung im vorliegenden Abschnitt den früheren Ergebnissen gegenübergestellt, interpretiert und elaboriert. Die Abbildung 2 wird im ersten Satz eingeführt und ist damit, wie oben angenommen, die neue fokussierte Information im Satz.

(V1) Diese Situation wird in Abb. 2 veranschaulicht. Die Ergebnisse von 1974 und 1981 werden für Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff gezeigt; es ist klar, dass der Anteil dieser Elemente an den Staubteilchen wesentlich geringer, als frühere Schätzungen nahe legen, ist.

↓97

Nach deutschem Empfinden erscheint der erste Satz zu kurz. Der Bezug auf den oben beschriebenen, umfangreichen Antezendenten von diese Situation ist nicht erkennbar. Er kann erst nach der Verarbeitung des Folgesatzes inferriert werden. Der erste Satz führt mit der Abbildung 2 lediglich einen Diskursreferenten ein, über diesen wird jedoch nichts ausgesagt. Alle weiteren Informationen zur Abbildung folgen erst im zweiten Satz. Die Satzfolge ist somit nach den unter 3.2.3 zusammengefassten Ausführungen von Doherty ein prototypischer Kandidat für die Anwendung der strategy of incremental parsimony  und damit für eine Satzverknüpfung im Deutschen.

Durch die Verknüpfung wird auch eine nicht unerhebliche lexikalische Anpassung möglich: In der V1 wurde situation analog mit Situation übersetzt, was als deutsches Subjekt sehr unspezifisch ist und die oben beschriebenen Probleme bei der Antezedentenbestimmung (mit)verursacht. Die im Folgenden gewählte spezifischere Übersetzung mit Unterschied wäre allerdings ohne Satzverknüpfung ambig, denn der Unterschied könnte dann, speziell in Kombination mit dem Demonstrativpronomen, auch fälschlicherweise auf die im Vorgängerabsatz angeführte unterschiedliche Gesichertheit der Ergebnisse für Sauerstoff und Kohlenstoff/Stickstoff bezogen werden. In der folgenden verknüpften Variante ohne Demonstrativpronomen verursacht diese lexikalische Anpassung keine referentiellen Probleme. Der zweite Satz wird relativisch angeschlossen, wobei die Verknüpfung einen Perspektivewechsel bewirkt.

↓98

(V2) Der Unterschied wird in Abb. 2 veranschaulicht, das die Ergebnisse von 1974 und 1981 für Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff zeigt...

Diese Variante, mit dem Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff in der strukturellen Fokusposition, ist allerdings noch kontextuell unangemessen, da sich der Unterschied auf die Jahre und nicht auf die Stoffe bezieht. Durch die folgende Umstellung wird dies behoben. Die Wahl des expliziteren Verbs gegenüberstellen bringt eine weitere Erleichterung bei der Einordnung der Informationen.

↓99

(V3) Dieser Unterschied wird in Abb. 2 veranschaulicht, das die Ergebnisse für Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff von 1974 und 1981 gegenüberstellt...

Durch Kompositumsbildung können, bei einer gleichzeitigen leichten Verkürzung der Struktur, die räumliche Trennung der Ergebnisse von den Zeitbestimmungen und sich daraus ergebende mögliche Fehlzuordnungen vermieden werden.

↓100

(V4) Dieser Unterschied wird in Abb. 2 veranschaulicht, welche die Kohlenstoff-, Stickstoff- und Sauerstoffergebnisse von 1974 und 1981 gegenüberstellt; es ist klar, dass die Menge dieser Elemente in den Staubteilchen wesentlich geringer, als die früheren Schätzungen nahe legen, ist.

Der dritte Teilsatz ist eine Interpretation der Daten bzw. der Abbildung, die veranschaulicht, dass, wie in den Sätzen 78 und 79 beschrieben, die in den 70er Jahren angenommenen Werte viel zu hoch waren. Im Original koordiniert das Semikolon die beiden Teilsätze, die es verbindet. Ihr gemeinsames Topik ist die Abbildung. Anstelle des Semikolons könnte auch die Konjunktion and stehen. In der Übersetzung könnte das Semikolon eine Fehlzuordnung verursachen, denn der folgende Teilsatz wird dadurch auf die hierarchische Stufe des vorausgegangenen Hauptsatzes, dem der Relativsatz untergeordnet ist, gehoben. Der Ausweg ist eine Satztrennung anstelle des Semikolons, wodurch sich nach abschließenden lexikalischen Verbesserungen und der Ausrahmung des Komperativsatzes ans Satzende die folgende Zielvariante ergibt.

↓101

(ZV) Dieser Unterschied wird in Abb. 2 veranschaulicht, das die Kohlenstoff-, Stickstoff- und Sauerstoffergebnisse von 1974 und 1981 gegenüberstellt. Es ist ganz offensichtlich, dass der Anteil dieser Elemente an den Staubteilchen wesentlich geringer ist als ursprünglich angenommen wurde.

Diese Zielvariante gewährleistet die korrekte diskursive Einordnung des Textsegments im Diskurszusammenhang. Die englische Diskurssegmentierung, nach der im ersten Satz lediglich die Abbildung als Diskursreferent eingeführt, über diese jedoch nichts weiter ausgesagt wird, hat sich bei der Übernahme ins Deutsche als irreführend erwiesen, was die Verknüpfung der ersten beiden (Teil)sätze begründet. Die Abtrennung des dritten Teilsatzes ist zur Vermeidung einer texthierarchischen Fehlzuordnung erfolgt und eine Folgeerscheinung der Verknüpfung, im Rahmen derer der zweite Teilsatz relativisch an den ersten angeschlossen wurde. Die beiden Satzgrenzenveränderungen ergänzen sich dahingehend, dass die Inkrementalität des Abschnitts unverändert bleibt.

Die ZV, die mit der Korpusvariante übereinstimmt, hier noch einmal im Zusammenhang des deutschen Textabschnitts und zum Vergleich eine Analogübersetzung des Originalsatzes:

↓102

Dieser Unterschied wird in Abb. 2 veranschaulicht, das die Kohlenstoff-, Stickstoff- und Sauerstoffergebnisse von 1974 und 1981 gegenüberstellt. Es ist ganz offensichtlich, dass der Anteil dieser Elemente an den Staubteilchen wesentlich geringer ist als ursprünglich angenommen wurde. Abbild 2 zeigt nicht nur, wie sich die Annahme der Astronomen über die Kohlenstoff-, Stickstoff- und Sauerstoffhäufigkeiten geändert hat, sondern auch, dass die stabileren Elemente (mit höheren Kondensationstemperaturen), wie Magnesium, Silizium, Aluminium und Eisen, so stark verringert sind, dass mindestens 95% ihrer Atome in festen Teilchen gebunden sein müssen. An dieser Vorstellung hat sich seit 1974 kaum etwas geändert.

↓103

(AV) Diese Situation wird in Abb. 2 veranschaulicht. Die Ergebnisse von 1974 und 1981 werden gezeigt für Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff; es ist klar, dass der Anteil dieser Elemente an den Staubteilchen wesentlich geringer ist als die früheren Schätzungen nahe legen.

Durch die Übernahme der sprachlichen Struktur des Originals entstehen im Diskurszusammenhang zahlreiche Verarbeitungsschwierigkeiten. Die zielsprachliche Angemessenheit, im Sinne einer optimalen Verarbeitbarkeit, erfordert in diesem Fall im Wesentlichen eine Änderung der Diskurssegmentierung. Teilweise bedingt durch die Satzgrenzenverschiebung sind darüber hinaus Anpassungen hinsichtlich der Perspektive (der Passiv-Aktiv-Wechsel im zweiten Teilsatz), der Wortstellung (die Umstellung im zweiten Teilsatz zur Sicherung der korrekten informationsstrukturellen Einordnung seiner Konstituenten) sowie der Lexik, speziell auch der Wortbildung (die Kompositumsbildung Kohlenstoff-, Stickstoff- und Sauerstoffergebnisse) erforderlich.

Zum Vergleich eine analoge Rückübersetzung der ZV, die verdeutlicht, dass auch in der umgekehrten Übersetzungsrichtung die Verarbeitungsvorteile unter den anderen sprachspezifischen Bedingungen zu Verarbeitungsnachteilen werden.

↓104

(RÜ) This difference is illustrated in Figure 2, which contrasts the carbon, nitrogen and oxygen results from 1974 and 1981. It is obvious that the amount of these elements in the grains is substantially less than originally presumed.

Der erste Satz führt auf einen informationsstrukturellen Holzweg: This difference wird hier auf die carbon, nitrogen and oxygen results bezogen werden. Im Folgesatz suggeriert die komplexe Konstruktion dann eine unangemessen hohe textuelle Relevanz und erschwert die korrekte Einordnung der Informationen im Diskurs. Die gemäß den deutschen Bedingungen optimierte Struktur kann unter den Bedingungen des Englischen im Diskurszusammenhang nur schwer verarbeitet werden.

5.6 Sechstes Beispiel

↓105

(6) In order to take in carbon dioxide it must sacrifice water by transpiration. In addition, its photosynthesis is stimulated by a rise in temperature but so too is photorespiration, and at high temperatures the carbon economy of the plant moves towards deficit; on still, hot days, the farmer's crop may actually become smaller.

Im ersten Satz ist der Finalsatz in order to take in carbon dioxide topikalisiert. Die strukturelle Fokusposition ist durch das direkte Objekt water gefüllt. Der zweite Satz ist eine durch and parallelisierte Struktur, die gemäß den Ausführungen von Lang, als pseudo-koordinativ einzuordnen ist. Das koordinierende and hat in diesem Fall eher konsekutiven Charakter, was die Ableitung eines CI erschwert und bei analoger Übernahme der Struktur ins Deutsche Verarbeitungsschwierigkeiten erwarten lässt.

↓106

Die von der Basisposition abweichende Stellung der beiden Adverbiale at high temperatures und on still, hot days in den letzten beiden Konjunkten führt zu einer (kontextuell noch zu überprüfenden) Fokussierung der beiden Konstituenten.

Bei dem Beispiel handelt es sich um die Folgesätze des unter 4.3 betrachteten Beispiels aus dem Photosynthesetext, Sätze 32 und 33. Die meisten Pflanzen gehören zur Klasse der C3-Pflanzen, die sich der konventionellen Photosynthesemethode bedienen. Die Situation für C3-Pflanzen ist allerdings in gewisser Weise paradox, und die Problematik wird in (6) zusammengefasst. Hier noch einmal der unmittelbare Kontext der Sätze:

↓107

Most plants fix carbon only by the method of photosynthesis described above; and - because the first product of carbon fixation is the three-carbon PGA - they are called C3 plants. But a C3 plant finds itself in a physiological Catch 22. In order to take in carbon dioxide it must sacrifice water by transpiration. In addition, its photosynthesis is stimulated by a rise in temperature but so too is photorespiration, and at high temperatures the carbon economy of the plant moves towards deficit; on still, hot days, the farmer's crop may actually become smaller. What we may term the "normal" C3 plant may find itself under particular stress in hot, dry conditions. The strategies that some plants adopt to overcome these stresses conform to two basic principles...

Der Kontext bestätigt und ergänzt die oben für den ersten Satz angenommene Informationsstruktur mit zwei Foki. Zunächst wird die für den Photosynthesevorgang entscheidende Kohlenstoffaufnahme als Diskursreferent reaktiviert und dann ihr Preis auf den Punkt gebracht; Wasserverlust durch Verdunstung. Aus den in den ersten beiden Teilsätzen genannten, aus dem Vorgängerkontext bekannten Gründen, wird in den Pflanzen bei hohen Temperaturen der Kohlenstoff knapp, wobei der im zweiten Satz reaktivierte Faktor Temperatur entscheidend ist. Der Kontext bestätigt also auch die oben angenommene Fokussierung der beiden sich auf diesen Faktor beziehenden Adverbiale im dritten und vierten Teilsatz. Der letzte Teilsatz stellt einen Bezug zum Anfang des Textes her. Ein Hinweis auf die agrarwirtschaftliche Relevanz der Photosynthesestrategien der Pflanzen ist bereits in Satz 9 erfolgt.

↓108

(V1) Sie müssen durch Verdunstung Wasser opfern um Kohlendioxid aufzunehmen. Ihre Photosynthese, aber auch die Photorespiration wird zusätzlich durch eine Temperaturerhöhung begünstigt, und die Kohlenstoffbilanz der Pflanzen entwickelt sich bei hohen Temperaturen in Richtung Defizit; die Kulturen des Landwirts können an ruhigen, heißen Tagen durchaus abnehmen.

Die korrekte informationelle Einordnung der Sätze ist in dieser Variante durch verschiedene Faktoren gestört. Der erste Satz weist, entgegen den deutschen Erwartungen, eine abfallende Informationswertehierarchie auf, was durch eine Umstellung behoben werden kann.

↓109

(V2) Um Kohlendioxid aufzunehmen müssen sie Wasser opfern durch Verdunstung...

Überdies bedingt die Lexik hier eine im Deutschen unangemessene Personifizierung der Pflanzen. Die ungünstige semantische Rollenzuweisung lässt sich durch die Umwandlung des Finalsatzes in ein präpositionales Objekt und die Wahl eines anderen Verbs vermeiden.

↓110

(V3) Bei der Aufnahme von Kohlendioxid verlieren sie Wasser durch Verdunstung. Ihre Photosynthese, aber auch die Photorespiration wird zusätzlich durch eine Temperaturerhöhung begünstigt, und die Kohlenstoffbilanz der Pflanzen entwickelt sich bei hohen Temperaturen in Richtung Defizit...

Da der erste kurze Satz keine neue Information enthält, wird seine Eigenständigkeit im Deutschen als unangemessen empfunden. Die Diskursrelationen innerhalb der Passage (zwei Gründe, ein Ergebnis und seine konkreten Auswirkungen) treten in dieser Variante nur unklar hervor. Wegen der Satzgrenze nach dem ersten Grund wird das Ergebnis zunächst einmal nur auf den zweiten Grund, den Faktor Temperatur, bezogen und der Leser muss diese Interpretation dann mit Hilfe seines Vorwissens revidieren. Klarer, und vom Verarbeitungsaufwand her günstiger, ist da im Deutschen die Abhandlung innerhalb einer Informationseinheit, gemäß der strategy of incremental parsimony, mit entsprechenden, die diskursstrukturellen Zusammenhänge verdeutlichenden, lexikalischen Indikatoren. Durch die Kompositumsbildung Kohlendioxidaufnahme  verkürzt sich die Struktur etwas.

↓111

(V4) Einerseits verlieren sie bei der Kohlendioxidaufnahme Wasser durch Verdunstung, andererseits wird durch eine Temperaturerhöhung nicht nur ihre Photosynthese, sondern auch die Photorespiration begünstigt, und die Kohlenstoffbilanz der Pflanzen entwickelt sich bei hohen Temperaturen in Richtung Defizit...

Eliminiert man das Possessivpronomen vor Photosynthese und optimiert so die Parallelisierung zwischen den beiden Konjunkten im zweiten Teilsatz, so erleichtert dies die Verarbeitung. Durch die Ersetzung des koordinierenden und  vor dem dritten Teilsatz, durch einen konsekutiven Anschluss, gewinnt die Struktur zusätzlich an Klarheit und Überschaubarkeit.

↓112

(V5) Einerseits verlieren sie bei der Kohlendioxidaufnahme Wasser durch Verdunstung, andererseits wird durch eine Temperaturerhöhung nicht nur die Photosynthese, sondern auch die Photorespiration begünstigt, so dass sich die Kohlenstoffbilanz der Pflanzen bei hohen Temperaturen in Richtung Defizit entwickelt...

Über eine Art Perspektivewechsel in Verbindung mit anderer Lexik lässt sich das Ergebnis noch konziser fassen, wodurch sich der Satz insgesamt etwas verkürzt. Durch den eingefügten lexikalischen Fokusindikator rasch wird das Verb in der folgenden Variante angemessen fokussiert.

↓113

(V6) Einerseits verlieren sie bei der Kohlendioxidaufnahme Wasser durch Verdunstung, andererseits wird durch eine Temperaturerhöhung nicht nur die Photosynthese, sondern auch die Photorespiration begünstigt, so dass der Kohlenstoffvorrat der Pflanzen bei Hitze rasch abnimmt; die Kulturen des Landwirts können an ruhigen, heißen Tagen durchaus abnehmen.

Der folgende, im Original mit einem Semikolon angeschlossene Satz, ist eine Seitenstruktur. Der Autor verweist hier nebenbei, wie an mehreren Stellen im Text, auf die agrarwirtschaftliche Relevanz des soeben beschriebenen Zusammenhangs. Im Original ist der Satz Teil der mit dem zweiten Teilsatz und der Reaktivierung des Faktors Temperatur eröffneten Diskursdomäne. In der deutschen Übersetzung ist diese Struktur nach den bisher vorgenommenen Veränderungen nicht mehr innerhalb derselben Informationseinheit unterzubringen. Der Wechsel in die agrarwissenschaftliche Perspektive bekommt in der Zielvariante deshalb einen eigenen Satz. Der enge inhaltliche Zusammenhang zum Vorgängersatz bleibt, durch das auf die Temperatur referierende Adverbial an ruhigen, heißen Tagen, das topikalisiert wird, auch nach Abtrennung mit einem Punkt erkennbar. Die Trennung gleicht die Verknüpfung der beiden Vorgängersätze aus, so dass die Inkrementalität des Abschnitts unverändert bleibt. Um die im Deutschen stilistisch unschöne Wiederholung des Verbs abnehmen zu vermeiden, wird im Vorgängersatz auf die Formulierung zur Neige gehen ausgewichen.

↓114

(ZV) Einerseits verlieren sie bei der Kohlendioxidaufnahme Wasser durch Verdunstung, andererseits wird durch eine Temperaturerhöhung nicht nur die Photosynthese, sondern auch die Photorespiration begünstigt, so dass der Kohlenstoffvorrat der Pflanzen bei Hitze rasch zur Neige geht. An ruhigen, heißen Tagen können die Kulturen des Landwirts durchaus abnehmen.

Da der relativ kurze erste Teilsatz keine neue Information enthält, ist er im Deutschen als eigenständige Informationseinheit im Zusammenhang nicht optimal verarbeitbar. Aus diesem Grund wurde bei der Erarbeitung der ZV die Diskurssegmentierung geändert und der Satz gemäß Dohertys strategy of incremental parsimony mit dem Folgesatz verknüpft. Die durch den zweiten Satz konstituierte Diskursdomäne wurde durch die vorgenommenen strukturellen Veränderungen - die Verknüpfung und die zu deren Ausgleich erfolgte Abtrennung des im Original mit einem Semikolon angeschlossenen letzten Teilsatzes aufgebrochen.

Nach Nunberg sind Text-Sätze im Englischen diskursstrukturelle Grundeinheiten. In der Terminologie von Doherty heißt das, dass im Englischen so lange kein Punkt gesetzt wird, wie die nachfolgende Information noch zur selben Diskursdomäne zu rechnen ist. Dass es sich bei der grundsätzlichen Übereinstimmung von Diskursdomänen und Text-Sätzen möglicherweise um eine sprachspezifische Eigenschaft des Englischen handelt, die nicht auf das Deutsche übertragen werden kann, wurde unter 2.3.1 bereits angedeutet und das vorliegende Beispiel könnte als ein Beleg für diese Annahme interpretiert werden.

↓115

Der Übersetzer des Korpustextes hat prinzipiell dieselbe Übersetzungslösung gewählt:

(KV) Auf der einen Seite verlieren sie bei der Aufnahme von Kohlendioxid Wasser durch Verdunstung, auf der anderen Seite wird durch eine Temperaturerhöhung nicht nur die Photosynthese, sondern auch die Photorespiration begünstigt, so dass der Kohlenstoffvorrat der Pflanze bei Hitze rasch abnimmt. An ruhigen, heißen Tagen kann die Ernte des Landwirtes durchaus schrumpfen.

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Die KV unterscheidet sich von der hier vorgeschlagenen ZV hinsichtlich der folgenden, im Wesentlichen lexikalischen, Entscheidungen:

1. Für die Gegenüberstellung wurde in der ZV die ökonomischeren Formen einerseits, andererseits gewählt.

2. Die Aufnahme von Kohlendioxid wurde, wie oben bereits kommentiert, durch Kompositumsbildung zu Kohlendioxidaufnahme verkürzt.

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3. Der Singular der Pflanze im Konsekutivsatz der KV ist in der ZV aus Konsistenzgründen ein Plural.

4. Im letzten Teilsatz wurde schließlich bei der Erarbeitung der ZV the farmer's crops, statt mit Ernte des Landwirts, etwas näher am Original, mit die Kulturen des Landwirts übersetzt und become smaller mit abnehmen, statt mit schrumpfen.

Hier noch einmal die ZV im Zusammenhang des deutschen Korpustextabschnitts und zum Vergleich eine Analogübersetzung des Originals:

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Bei den meisten Pflanzenarten wird der Kohlenstoff nur durch das eben beschriebene Verfahren der Photosynthese gebunden. Diese Pflanzen bezeichnet man nach der ersten Stufe der Kohlenstoffbindung, bei der C3-PGA entsteht, als C3-Pflanzen. Jedoch befinden sich diese C3-Pflanzen physiologisch in der "Klemme". Einerseits verlieren sie bei der Kohlendioxidaufnahme Wasser durch Verdunstung, andererseits wird durch eine Temperaturerhöhung nicht nur die Photosynthese, sondern auch die Photorespiration begünstigt, so dass der Kohlenstoffvorrat der Pflanzen bei Hitze rasch zur Neige geht. An ruhigen, heißen Tagen können die Kulturen des Landwirts durchaus abnehmen. Was wir die "normale" C3-Pflanze nennen können, ist bei Hitze und Trockenheit einer besonderen Belastung ausgesetzt. Dagegen haben sich bei einigen Pflanzen Schutzmechanismen herausgebildet, denen generell zwei Prinzipien zu Grunde liegen...

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(AV) Um Kohlendioxid aufzunehmen müssen sie Wasser opfern, durch Verdunstung. Zusätzlich wird ihre Photosynthese begünstigt durch eine Temperaturerhöhung, aber auch die Photorespiration, und bei hohen Temperaturen entwickelt sich die Kohlenstoffbilanz der Pflanzen in Richtung Defizit; an ruhigen, heißen Tagen können die Kulturen des Landwirts durchaus abnehmen.

Aus der Übernahme der sprachlichen Struktur des Originals ergeben sich zahlreiche Verarbeitungsschwierigkeiten. Die zielsprachliche Angemessenheit, im Sinne einer optimalen Verarbeitbarkeit nach Doherty, erfordert in diesem Fall, neben der bereits kommentierten Optimierung der Diskurssegmentierung, im Wesentlichen Veränderungen und Anpassungen hinsichtlich der strukturellen Explizitheit (die Verkürzung des Finalsatzes zu einem präpositionalen Objekt), hinsichtlich der Parallelisierung (die Angleichung von ihre Photosynthese und die Photorespiration), hinsichtlich der Explizitheit bei den Anschlüssen (die Ersetzung der wenig expliziten Konjunktion und durch den konsekutiven Anschluss so dass) sowie lexikalische Optimierungen und Verkürzungen, die durch eine Reduktion der zu verarbeitenden Struktur die Verarbeitung erleichtern.

Die folgende, schwerfällige Variante einer analogen Rückübersetzung verdeutlicht, dass die vorgenommenen strukturellen Veränderungen lediglich im Deutschen Verarbeitungsvorteile bringen und eine Optimierung darstellen:

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(RÜ) On the one hand, taking in carbon dioxide they dehydrate through transpiration, on the other hand a rise in temperature stimulates not only photosynthesis but also photorespiration, so that the carbon economy of the plant decreases rapidly when it is hot. On still, hot days the crops of the farmer may very well become smaller.


Fußnoten und Endnoten

39  Moore, P.(1981): The varied ways plants tap the sun. In: New Scientist Vol 89, No 1240, S. 394-397

40  Whittet, D. und Henbest, N. (1982): Dust in space – microbes or minerals? In: New Scientist Vol 93, No 1290, S. 240-243

41  Trimble, V. (1982): Bigger and better bangs in the sky. In: New Scientist Vol 95, No 1317, S. 431-434

42  Zellen können sich im Deutschen zwar spezialisieren, jedoch verwendet man diese Formulierung üblicherweise in Verbindung mit Zellwachstum, Zellteilung, Zellentwicklung. Im vorliegenden Fall ist dagegen eine Anpassung im Laufe der Evolution gemeint. Es ist daher angemessener von besonderen bzw. speziellen Zellen zu sprechen.

43  Doherty 2002, persönliche Kommunikation.



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07.08.2008