Anhang

Anhang 1: Glossar

Afferente Bahnen:
Nervenbahnen, welche Reize von der Peripherie in Richtung Gehirn leiten (Hülshoff, 2000, S. 411).

Aktionspotenzial:
„Spannungsänderung an der Nervenzellmembran, die durch das Einströmen von Natrium in die Zelle entsteht.“ (Hülshoff, 2000, S. 411).

Allodynie:
Durch normalerweise nicht schmerzhafte, niederschwellige Reize werden Schmerzen ausgelöst (Sandkühler & Benrath, 2000, S. 10).

Atemzeitvolumen:
Produkt aus Atemzugsvolumen und Atemfrequenz (Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 196).

Apgar-Index:
Der Apgar-Index ist ein von Virginia Apgar 1952 erarbeitetes Schema, durch welches der Vitalzustand des reifen Neugeboren unmittelbar nach der Geburt erfasst wird. Da Atemtätigkeit, Muskeltonus und Reflexerregbarkeit stark vom Gestationsalter abhängig sind, lassen sich Frühgeborene nur unzureichend mit diesem Test beurteilen (von Harnack, Koletzko, 1997, S.57). Die Beurteilung erfolgt zu drei Zeitpunkten: Direkt nach der Geburt, fünf Minuten sowie zehn Minuten später. Die Höhe des Apgar-Index gibt Auskunft über den Zustand des Kindes. Werte <7 gelten als pathologisch. Kinder mit einem Apgar-Index von 10 haben den höchsten zu erreichenden Wert, welcher besagt, dass der Zustand des Neugeborenen der Norm entspricht (Dick, Weitbrecht, Lindroth, 1998, S. 21). Im Bezug auf eine längerfristige Prognose von Gesundheits- oder Verhaltensproblemen hat sich der Apgar-Index nicht als bedeutsam erwiesen (Rauh, 1998, S.178).

Punkte

0

1

2

Atmung

fehlt

langsam oder schwach oder unregelmäßig

gut, schreien

Herzfrequenz

Herzschlag nicht hörbar

<100/Min.

> 100/mMin.

Muskeltonus und Spontanmotorik

völlig schlaff

mäßig, wenige und träge Beugebewegungen

Gut, normale Spontanbewegungen

Reaktion auf Reize

keine Reaktion

geringe oder träge Reaktion

Grimassieren, Husten oder Niesen, Fluchtbewegung

Hautfarbe

zyanotisch oder blaß

Körper rosig und Extremitäten blaß

völlig rosig

Apnoe:
Atempause. Sie kann nach einer Phase der verstärkten oder abgeflachten Atmung entstehen und bis zum Atemstillstand gehen. Ursächlich können sie u.a. auf ein unreifes Atemzentrum zurückgeführt werden. Treten sie gehäuft auf, muss das Kind künstlich beatmet werden. (Steidinger & Uthicke, 1995, S.136). Siehe auch: Ventil a tionszustände

Atemnotsyndrom:
„[...] Zustände von Atemnot mit Dyspnoe, Tachypnoe und drohendem Sauerstoffmangel. [...] eine andere Bezeichnung ist das Respiratory-distress-Synodrome (RDS) [...]“ (Steidinger & Uthicke, 1995, S.136f).

Axon:
„Fortsatz der Nervenzelle, über den bioelektrische Informationen weitergeleitet wird. Wird auch als Neurit bezeichnet.“ (Hülshoff, 2000, S.413).

Basale Stimulation:
Die basale Stimulation wurde von A. Fröhlich ursprünglich für Kinder mit Wahrnehmungs- und Aktivitätsstörungen entwickelt. Gemeinsam mit C. Bienstein wurde das kommunikations- und entwicklungsfördernde Konzept für Erwachsene ausgebaut und in die Intensivpflege integriert. Für Frühgeborene wurden spezielle Ansätze erarbeitet, welche den eingeschränkten Wahrnehmungsmöglichkeiten der Kinder angepasst sind und an die elementaren Erfahrungen im Mutterleib anknüpfen. Stimulationen können daher auf unterschiedlichen Ebenen angeboten werden: Auditive Stimulation, taktil – haptische Stimulation, oral-gustatorische Stimulation, vibratorische Stimulation, visuelle Stimulation, vestibuläre Stimulation und somatische Stimulationen wie Massagen oder Streicheln werden benannt (Teising, 2001, S. 23f).

•Förderung der Entwicklung, speziell im Hinblick auf Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation

•Schutz vor sensorischer Deprivation einerseits, vor Überreizung andererseits (bei Intensivpatienten meist Reizüberflutung)

•Anbieten positiver Erfahrungen im Gegensatz zum Schmerz z.B. durch Blutentnahme oder zum Unbehagen durch ständige Lärmkulisse und hohen Lichtpegel (ebd.).

Bindung, Bindungsverhalten:
Unter Bindung lässt sich eine langfristige, emotionale Beziehung zu Bezugspersonen verstehen, welche Schutz und Unterstützung bietet. „Das Ziel von Bindungsverhalten ist die Beruhigung und die Wiedergewinnung eines Gefühls der Sicherheit; die Bezugspersonen tragen also zur Emotionsregulation der Kinder bei.“ (Zimmermann, 2000, S122f). Die Emotionale Sicherheit bildet die Basis eines explorativen kindlichen Verhaltens. Sie ermöglicht es dem Kind, sich Wissen über die Umwelt anzueignen und Bewältigungsstrategien bei Belastung zu entwickeln (Zimmerman et al., 2000, S.313). Durch den Fremden Situationstest (Ainsworth, Blehar, Waters, Wall, 1978) lassen sich sicher gebundene Kinder von unsicher- vermeidend gebundenen und unsicher-ambivalent gebundenen Kindern unterscheiden. Eine vierte Bindungsdimension stellt die Bindungsdesorganisation dar, welche sich durch widersprüchliches, kindliches Verhalten auszeichnet und die eigenständig oder im Rahmen der anderen Bindungsmuster auftreten kann (Zimmermann, 2000, S. 123).

Bradykardie:
Während sich der normale Puls eines Frühgeborenen zwischen 120 und 160 liegt, beschreibt eine Bradykardie den Zustand, bei dem das frühgeborene Kind weniger als 100 Herzschläge in der Minute aufweist. Bradykardien können als Folgeerscheinung von Apnoen eintreten. Infektionen, Hypothermie, drohender Sauerstoffmangel, sowie intrazerebrale Blutungen stellen ebenfalls potenzielle Auslöser dar (Steidinger & Uthicke, 1995, S.140).

Bronchopulmonale Dysplasie:
„[...] chronische Atemwegserkrankung (Versteifung der Lunge) von Frühgeborenen, die über sieben Tage maschinell beatmet werden und über den 28. Lebenstag hinaus einen erhöhten Sauerstoffbedarf zur Erhaltung eines arteriellen PO² von über 50mm/Hg aufweisen.“ (Sarimski, 2000, S.16). Die bronchopulmonale Dysplasie kann tödlich verlaufen. Es besteht jedoch eine Chance zur Ausheilung nach einigen Monaten. Eine Infektneigung der Atemwege bleibt oft zurück (Enders & Giese, 1993, S 104).

Cortisol:
Von der Nebennierenrind unter Stresseinfluss verstärkt ausgeschüttetes Hormon aus der Gruppe der Glucocorticoide. Neben einer schnellen Bereitstellung von Energie wirkt es entzündungshemmend. Chronischer Stress geht mit einem erhöhten Cortisolspiegel einher und kann pathologischen Konsequenzen haben.

CPAP-Behandlung:
(engl. Continuous Positive Airway Pressure), Kontinuierlich positiver Atemwegsdruck: Beatmungsform, bei der Sauerstoff über einen Nasotrachealtubus zugeführt wird (Obladen, 1995, S.132). Schonende Alternative zur mechanischen Beatmung (Steidinger & Uthicke,1995).

Dendrit:
„Feinverästelter Fortsätze der Nervenzellen, über die Informationen aufgenommen werden.“ (Hülshoff, 2000, S. 415).

Dezibel (dB):
Maßeinheit zur Messung der Lautstärke. 1 dB ist der Intensitätsunterschied, den das menschliche Ohr eben noch wahrnimmt (Young, 1997, S. 113).

Ductus arteriosus:
Als Ductus arteriosus wird ein Gefäß bezeichnet, welches zwischen der großen Körperschlagader und den Lungenarterien angelegt ist. Während das sauerstoffarme Blut extrauterin über die rechte Herzkammer und die Lungenarterien in die Lunge geleitet wird, ist dieses intrauterin noch nicht notwendig, da beim Fetus die Lunge zum größten Teil von der Durchblutung ausgeschlossen ist. Die intrauterine Sauerstoffversorgung erfolgt über die Plazenta der Mutter. Um eine intrauterine Durchblutung der Lunge gering zu halten, sind einerseits die fetalen Lungenarterien stark verengt, andererseits erfolgt eine Umleitung des Blutes, an der Lunge vorbei, über den Ductus arteriosus. Nach dem ersten Schrei schließt sich diese Gefäßverbindung und das Blut nimmt seinen normalen Lauf durch die Lungenflügel. Beim Frühgeborenen kann der Ductus arteriosus noch über längere Zeit geöffnet bleiben und die kindliche Sauerstoffversorgung beeinträchtigen. In diesem Fall wird von einem persistierenden Ductus arteriosus gesprochen (Steidinger & Uthicke, 1995, S. 144).

Dyspnoe:
Jede Form der Atemnot. Ihre Ursachen sind verschieden. Erkennbare Zeichen sind: „Bebende Nasenflügel, verlängerte Ausatmung, angestrengte Einatmung, tiefe Furchen zwischen den Rippen bei der Einatmung, Stöhnen.“ (Steidinger & Uthicke, 1995, S.145).

Einlaufende Nahrung:
Ein mit Nahrung gefüllter Plastikbehälter wird mit Hilfe einer Schlaufe an der Inkubatordecke befestigt. Die Nahrung läuft auf diese Weise kontinuierlich über eine Sonde in den Magen des Kindes. Ein in Etappen erfolgendes Einspritzen der Nahrung wird so umgangen.

Elektroenzephalogramm (EEG):
Methode zur Aufzeichnung von elektrischen Aktivitäten des Gehirns. EEG-Aufzeichnungen gelten als wichtiger methodischer Zugang zur Betrachtung von Zusammenhängen zwischen menschlichem Verhalten und Hirnaktivität (Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 490).

Embryo:
In den ersten acht bis zwölf Wochen der Gestationszeit wird das werdende Kind als Embryo bezeichnet. Während dieser Zeit entwickeln sich die inneren Organe und Körperstrukturen (Rauh, 1998, S. 170).

Endotracheal:
Endotracheales Absaugen: Absaugen des Bronchialsekrets aus der Trachea (Luftröhre) (Teising, 2001, S.16).

Entwicklungsstörung:
„Die Diagnose Entwicklungsstörung wird zunächst ohne Berücksichtigung der Ursachen gestellt. Erst nach der weiteren Diagnostik und entsprechend dem klinischen Verlauf werden die Störungsbilder klassifiziert. Die Förderung und Behandlung richtet sich vor allem nach der klinischen Symptomatik.“ (Karch, 2002, S. 12).
Nach ICD-10 werden Entwicklungsstörungen in 7 Bereiche gegliedert:

EKG:
„Elektrokardiographie ist das Aufzeichnen von elektrischen Potentialdifferenzen von der Hautoberfläche, die durch die Depolarisation und Repolarisation des Herzmuskels entstehen.“ (Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 172).

Ereigniskategorie:
Ereigniskategorien halten fest, welches Ereignis aufgetreten ist, geben jedoch keine Auskunft über deren Intensität. Sie müssen leicht diskriminierbar und unabhängig voneinander sein (Mees & Selg, 1977, S. 20ff).

Erythrozyten:
rote Blutkörperchen

Extrapyramidales System:
„Zusammenfassung aller motorischer Bahnen und Steuerungsinstanzen außerhalb des Pyramidenbahnsystems [...]. Dient vor allem der nicht-willkürlichen Koordination, Modifizierung und Feinsteuerung motorischer Prozesse.“ (Hülshoff, 2000, S.416).

Fötus:
Das werdende Kind wird ab der dritten Gestationswoche als Fötus bezeichnet. In dieser Zeit beginnen die Organe ihre Funktionen aufzunehmen. Das Zentralen Nervensystems entwickelt sich stark und gewinnt an Umfang (Rauh, 1998, S. 170).

Freie Radikale:
Die sehr reaktionsfähigen freien Radikale entstehen bei Hyperoxie, da ein Teil der Sauerstoffmoleküle statt vier nur ein bis drei Elektronen aufnimmt. Neugeborene sind nur eingeschränkt zum Abbau dieser Stoffe fähig, woraus sich die besondere Vulnerabilität gegenüber freien Radikalen in der Neonatalperiode erklären lässt (Obladen, 1995, S.119).

Glukose:
Zucker, Energieträger, Die Bereitstellung von Glukose im Blut dient zur schnellen Bewältigung von Belastungssituationen.

Gestationszeit/alter: Im bezug auf das werdende Kind bezeichnet man die Zeit von der Befruchtung bis zur Geburt als Gestationszeit. Diese beträgt bei einem reifgeborenen Kind 260-293 Tage. Im Bezug auf die werdende Mutter wird dieser Zeitraum Schwangerschaft genannt (Rauh, 1998, S. 170).

Gliazellen:
„Stützzellen, die die Axone der Nervenzellen umgeben. Sie haben Strukturierungs-, Schutz- und Ernährungsfunktionen und tragen zur schnellen Reizweiterleitung bei.“ (Hülshoff, 2000, S. 417).

Habituation:
Gewöhnung

Hämoglobin:
Farbstoff der roten Blutkörperchen. In der Mitte jedes ringförmig aufgebauten Hämoglobins befindet sich ein Eisenatom, an das in der Lunge ein Sauerstoffmolekül lose gebunden werden kann (Birbauemer &Schmidt, 1999, S. 201).

Herzminutenvolumen:
Als Herzzeitvolumen wird das Blutvolumen benannt, welches in einer bestimmten Zeit vom Herz umgepumpt wird. In der Regel wird dieses als Herzminutenvolumen angegeben (Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 169).

Herzperiode, HP:
Zeitlicher Abstand zwischen den Herzschlägen. R –P Abstand im Elektrokardiogramm (EKG)

Hippocampus:
„Archaische, subcorticale Hirnstruktur, die dem Limbischen System zugeordnet wird und ohne die Gedächtnisinhalte nicht dauerhaft gespeichert werden können.“ (Hülshoff, 2000, S. 418).

Hirnstamm:
„Entwicklungsgeschichtlich archaischer, basaler Teil des Gehirns, der sich an das Rückenmark anschließt und überlebenswichtige Funktionen steuert.“ (Hülshoff, 2000, S. 418).

Hydrocephalus:
„[...] Vergrößerung des Kopfes durch zunehmende Ansammlung von Hirnwasser (Liquor) im Schädelinneren. [...]Eine rechtzeitige Operation [...] kann Folgeschäden durch ein Zusammenpressender Hirnmassen bei sich stark vermehrender Liquormenge vermeiden.“ (Sarimski, 2000, S.16f).

Hyperalgesie:
Eine Hyperalgesie besteht, wenn Schmerzreize zu abnorm gesteigerten Schmerzempfindungen führen (Sandkühler & Benrath, 2000, S.10).

Hypoxämische Episoden (Hypoxämie):
starkes Absinken der Sauerstoffsättigung (Young, 1997, S. 45)

Hyperkinetisches Syndrom:
Hyperkinetische Störungen werden in der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10, F90) durch verschiedene Symptome charakterisiert. So müssen folgende Merkmale beobachtet werden können:

Hypoglykämie:
Ein Absinken des Blutzuckerspiegels unter 50 mg pro 100 ml Blut wird als Hypoglykämie bezeichnet. Schweißausbrüche, Herzjagen, Zittern, Heißhunger und innere Unruhe lassen sich als Symptome einer solchen „Unterzuckerung“ beobachten (Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 70).

Hypophyse:
„Hirnanhangdrüse. „Oberste Hormondrüse“, deren Hormone ihrerseits andere hormonausschüttende Drüsen beeinflussen können.“ (Hülshoff, 2000, S. 419).

Hypothermie:
Starkes Absinken der Körpertemperatur. „Bei Körpertemperaturen um 26-28º C kann [...] der Tod durch Herzflimmern eintreten.“ (Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 214).

Iatrogene Effekte:
aus der Behandlung resultierende Beeinträchtigungen

Infantile Zerebralparese:
Seit 1957 gilt folgende, international anerkannte Definition:

„Die infantile Zerebralparese ist eine permanente, aber nicht unveränderbare Haltungs- und Bewegungsstörung. Die Störung ist bedingt durch einen zerebralen Defekt oder eine Schädigung, die nicht fortschreitet und vor Abschluss der wichtigsten morphofunktionellen Reifungsprozesse des Gehirns aufgetreten ist. Die motorischen Störung ist die vorherrschende, aber nicht die ausschließliche Komponente; sie kann nach Art und Schweregrad variieren.“(Pfanner & Paolicelli, 1998, S. 6)

Intervention:
Die Begriffe “Intervention” und Prävention werden häufig als Synonyme benutzt. Zu unterscheiden sind

Frühinterventionen sollen Kindern mit Entwicklungsabweichungen helfen, bestehende Defizite auszugleichen. „Die Maßnahmen sollen Hoch-Risiko-Kindern somit auf einen „normativen Entwicklungsweg“ verhelfen.“ (ebd. S. 333) Interventionsprogramme richten sich an die gesamte Familie, die Eltern/kindlichen Bezugspersonen und die Kinder (ebd. S. 333f).

Intrauterin:
im Mutterleib

Intubation:
Nasales oder orales Einführen eines Kunststoffschlauchs in die Luftröhre zur mechanischen Beatmung (Obladen, 1995, S. 139ff).

Inkubator:
Brutkasten für Neugeborene

Isomorphe Deskription:
Form des Beobachtungsverfahrens: Das Beobachtete soll möglichst vollständig und unverändert wiedergegeben werden. Video- oder Tonbandaufnahmen ermöglichen eine solche lückenlose Aufzeichnung (Mees & Selg, 1977, S. 17-18).

Katecholamine:
Neurotransmitter, die sowohl in den sympathischen Nervenendigungen, sowie in Nebennierenmark gebildet und bei Angst- und Defensivverhalten aktiviert werden (Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 54ff).

Känguruh-Methode, Känguruhen:
In vielen Kliniken gehört zum Standard der Betreuung Frühgeborener die Känguruh-Methode in Ergänzung zur medizinischen Grundversorgung. Hiermit wird eine Methode bezeichnet, bei der die Eltern ihr Kind für 1-3 Stunden auf den nackten Oberkörper gelegt bekommen. Durch diese Nähe, die frühe Erfahrung von Interaktion, Berührung und dem Gefühl von Schutz und Halt, soll die Bindung zwischen Mutter und Kind gefördert werden. Mit der Behandlung wird erst begonnen, wenn das Kind stabile Vitalparameter aufweist, wach ist und keine Zeichen von Stressreaktion zeigt (Dick et al., 1998, S. 43-44, S.78ff).

Konditionierung:
Unterschieden werden klassische- und operante Konditionierungsprozesse.
Zur klassischen Konditionierung: „Zum Ausgangszeitpunkt führen unabhängig von einander ein neutraler Reiz (NS) zu Orientierungsreaktionen (OR) und ein unbedingter Reiz (UCS) zur unbedingten Reaktion (UCR). Im Experiment werden neutrale, für sich wirkungslose Reize so oft mit dem für den jeweiligen Reflex charakteristischen Auslöser gekoppelt, bis der vorher neutrale Reiz allein den Reflex auszulösen vermag.“ (Peters, 1983, S.307).
Zur operanten Konditionierung: „Lernen an den Konsequenzen. [...] Vor allem von E.L. Thorndike (1913) begründet und von Skinner (1938) herausgearbeitete Konditionierung von Tätigkeiten. [...] Ein gewünschtes Verhalten wird dadurch gelernt, dass alle Reaktionen, die als Vorstufe des gewünschten Verhaltens gelten, immer wieder durch bestimmte Verstärker bekräftigt werden.“ (Peters, 1983, S.307).

Klassifikation von Frühgeborenen:
Anhand der Korrelation von Geburtsgewicht und Gestationsalter wird bei Frühgebornen folgende Klassifikation vorgenommen:

Liquor cerebro-spinalis:
Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Hülshoff, 2000, S. 421). Bei einer Verengung der Gefäße, wie sie als Folge von intrazerebralen Blutungen erfolgen können, kann sich Liquor anstauen und zu einem Hydrocephalus führen (Sarimski, 2000, S. 16).

Medula oblongata:
Verlängertes Rückenmark

Multimordale Förderansätze:
Multimordale Interventionen beziehen sich auf die Förderung mehrerer, sich in der Entwicklung befindender, sensorischer Systeme, während unimodale Ansätze die Förderung eines einzelnen Systems verfolgen (Wolke, 1991).

Myelinschicht:
Eine fetthaltige Substanz, welche sich zur Isolierung als Hülle um die Nervenfasern legt (Hülshoff, 2000, S. 422).

Neonatales Risiko:
Im Rahmen der bayrischen Entwicklungsstudie bestimmte man das neonatale Risiko über einen Index zur neonatalen Behandlung. „Dieser Index basierte auf täglichen Einschätzungen der Behandlungsabhängigkeit (von „normale Station“ [0] bis „Intensivbehandlungsraum“ [3], „Abhängigkeit von Beatmung“ [0] bis „künstliche Beatmung mit Druckventilation“ [3], [...], Art der Ernährung: „oral“ [0] bis parenteral „Ernährung“ [3]) und drei täglich erhobenen Indikatoren der neurologischen Integrität (Bewegungen, Muskeltonus und Erregbarkeit). Jeder der sechs Bereiche wurde täglich in der Klinik auf einer Ratingskala von null bis drei eingeschätzt, sodass der tägliche Gesamtwert zwischen null und 18 variieren konnte.“ (Wolke & Meyer, 2000, S.115).

Pallidum:
Struktur der Basalganglien, einer unterhalb der Großhirnrinde gelegenen Kerngruppe, zu welcher neben dem Pallidum das Striatum, sowie die Substantia nigra gehören (Hüllshoff, 2000, S. 413). „Motorischer „Unterausschuss“ im Dienste der extrapyramidalen Bewegung (ebd.).

Perinatal:
Beschreibung des Zeitraumes vor der Geburt, während der Geburt und kurz nach der Geburt (Müller-Rieckmann, 1993, S. 124).

Pneumothorax:
„[...] das Reißen von Lungenblässchen mit der Folge eines akuten Blutdruckabfalls und Sauerstoffmangels [...]“ (Sarimski, 2000, S.16).

Positive end-expiratoy pressure (PEEP):
Atemunterstützung mittels eines nasal gelegten Tubus: „Wirkung: [...] bewirkt Anstieg des Atemwegmitteldrucks (MAP), dadurch verbesserte Oxygenierung. Die Erhöhung des PEEP ist die effektivste Art, den MAP zu erhöhen: adäquater PEEP verhindert den Alveolarkollaps, verbessert das Ventilations-/ Perfusionsverhältnis und fördert die Ausschüttung von Surfactant.“ (Obladen, 1995, S. 145)

Postnatal:
Beschreibung des Zeitraums etwa ab der Geburt des Kindes (Müller-Rieckmann, 1993, S. 124).

Pränatal:
Beschreibung des Zeitrums von der Befruchtung bis zum Beginn der Geburt des Kindes (Müller-Rieckmann, 1993, S. 124).

Prävention:
Der Unterteilung des Präventionsbegriffs in Primär- Sekundär- und Tertiärprävention liegt die von Caplan 1964 eingeführte Klassifikation zugrunde. Unter primärer Prävention versteht man alle Interventionen, die darauf abzielen, das Auftreten von Störungen zu vermeiden. Die sekundäre Prävention beschreibt Maßnahmen, die zur Senkung der Prävalenz ergriffen werden. Ziel ist hierbei eine optimale Behandlung, welche einen schnellen Rückgang der Beeinträchtigung bewirkt und einer weiteren Schädigung vorbeugt. Durch die tertiäre Prävention wird versucht, eine Chronifizierung und Wiedererkrankung zu verhindern.
Eine alternative Klassifikation wurde von Gordon (1983) eingeführt. Er unterscheidet die universelle, die selektive und die indizierte Prävention. Die universelle Prävention ist breiten Bevölkerungsschichten zugänglich und kann ohne professionelle Hilfe ausgeführt werden. Die selektive Prävention bezieht sich auf Personen mit einem überdurchschnittlichen Risiko während sich die indizierte Prävention an Personen mit einem überdurchschnittlichen bis eindeutigen Risiko richtet (Manz, 1999, S. 397-399).

Pulsoxymetrie:
Messmethode zur Erfassung der arteriellen Sauerstoffsättigung. Mit Hilfe eines Lichtsensors und eines Detektors, welche sich gegenüberliegen und die am Ohr, Finger oder Fuß angebracht werden, können arterielle Sättigungswerte erhoben werden (Stofkuchen et al., 1995, S.77f).

Retinopathie:
Schädigung der Netzhaut, Retina. Diese ist beim Frühgeborenen noch nicht vollständig ausgebildet. Durch eine überhöhte Sauerstoffdosis kann es zu Gewebszerstörungen und Vernarbung kommen. Eine spätere Netzhautablösung kann die Folge sein. „Nur durch strenge Dosierung der Sauerstoffbehandlung, durch ständige Kontrolle über die transkutane Sauerstoffelektrode [...] und durch frühe und danach regelmäßige Augenuntersuchungen kann diese schwere Erkrankung mit den Folgen der Erblindung vermieden werden.“ (Steidinger & Uthicke, 1995, S.174).

Reifgeborene Kinder:
Kinder, die in dem Zeitraum zwischen der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche und dem Ende der 41. Schwangerschaftswoche geboren werden, bezeichnet man als Reifgeborene. Dies entspricht einem Gestationsalter von 260-293 Tagen (von Harnack & Koletzko, 1997, S.55).

Risikofaktoren: „[...] früh auftretende Stressfaktoren, die Keime für spätere Anpassungsschwierigkeiten beinhalten können, wodurch unter ungünstigen Voraussetzungen Verhaltens-, Gesundheits- und Entwicklungsschwierigkeiten ausgelöst werden.“ (Muuss, 1991, S.822). Risikofaktoren ergeben sich in unterschiedlichen Bereichen. Benannt werden unter anderem: Genetische Faktoren, Sozioökonomische Faktoren, Medizinische Faktoren, Familienfaktoren, biologische und Umwelteinflüsse sowie Geschlechtsunterschiede. Generell gilt: Je höher die Anzahl vorhandener Risikobedingungen, desto größer ist die Gefahr für die kindliche Entwicklung (ebd. S. 823f).

Sauerstoffpartialdruck (paO2):
Das sauerstoffarme und kohlensäurereiche venöse Blut wird durch den Gasaustausch in der Lunge zu arteriellem Blut, welches sich durch einen hohen O2 und einen geringen CO2-Gehalt auszeichnet (Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 200).
Da sich die Atemluft aus unterschiedlichen Gasen zusammensetzt wird der Begriff des Partialdrucks genutzt, um die Konzentration jedes einzelnen Gasen beschreiben zu können. In einem Gasgemisch übt jedes Gas einen Teildruck (Partialdruck) aus, welcher dem Anteil am Gesamtvolumen, der Konzentration, entspricht. „In den Aveolen liegt der durchschnittliche O2-Partialdruck bei 100 mm Hg, der durchschnittliche CO2-Partialdruck bei 40 mm Hg.“ (ebd.). Somit bezeichnet der Sauerstoffpartialdruck den O2-Anteil im Atmungssystem des Organismus. Vom Atmungssystem aus wird Sauerstoff in die Blutbahn und das Gewebe abgegeben. Die Messung des hierzu notwendigen Sauerstofftransports wird als transkutaner Sauerstoffpartialdruck (ptcO2) bezeichnet. Durch die transkutane Ableitung eignet sich dieser Wert besonders zur Kontrolle des Sauerstoffpartialdrucks. Er stellt einen besonders sensiblen Indikator dar, da die Haut im System der körperlichen Sauerstoffversorgung eine niedrige Priorität besitzt (Young, 1997, S.114).

Stress in der Schwangerschaft:
Dass mütterlicher Stress bereits während der Schwangerschaft eine deutliche Auswirkung auf das postnatale kindliche Verhalten hat, konnten verschiedene Studien belegen. So steigt die Wahrscheinlichkeit von Frühgeburtlichkeit und/oder einem niedrigen Geburtsgewicht, wenn Mütter im Schwangerschaftsverlauf großem Stress und starker Angst ausgesetzt sind (v.d. Bergh, 2004, S. 230). Postnatal sind bei Kindern, deren Mütter während des Schwangerschaftsverlaufs stark gestresst waren, eine erhöhte Reaktivität und Selbstregulationsschwierigkeiten zu verzeichnen, welche unter anderem mit erhöhter Reizbarkeit, motorischer Unruhe, einem schwierigen Temperament und hieraus resultierenden Aufmerksamkeitsstörungen einhergehen (ebd. S. 230). In einer neueren Studie von Roesch et al. konnte ebenfalls nachgewiesen werden, dass mütterlicher Stress mit Frühgeburt hoch korreliert ist. Die mütterliche Besorgnis, welche sich direkt auf die Schwangerschaft bezieht, kann ebenfalls als Stressor mit prädiktivem Wert angesehen werden (Roesch et al. 2004, S. 87-102).

Striatum:
„Unterhalb der Großhirnrinde gelegene Struktur im Dienste der extrapyramidalen Motorik, die aus Putamen und Nucleus caudatus besteht und zu den Basalganglien [...] gehört.“ (Hülshoff, 2000, S.428).

Surfactant-Faktor:
Körpereigener Stoff, welcher für die Reifung der Lunge verantwortlich ist. Er ist bei unreifen Kindern noch nicht im ausreichenden Maß vorhanden (Sarimski, 2000, S.16).

Sympathikus:
Teil des autonomen Nervensystems, Antagonist des Parasympathikus. Wirkt auf viele Systeme erregend und versetzt hierdurch den Organismus in erhöhte Alarmbereitschaft. „Die Atmung wird schneller, Puls und Blutdruck steigen an, die Pupillen werden weit und ermöglichen verstärkt visuelle Informationen, es wird verstärkt Adrenalin ausgeschüttet und es stellen sich verstärkt Gefühle wie Furcht oder Ärger ein.“ (Hülshoff, 2000, S. 26).

Synapse:
„Verbindungsstelle zwischen den Fortsätzen zweier Nervenzellen oder einer Nervenzelle und einem Muskel.“ (Hülshoff, 2000, S. 428).

Systematische Beobachtung:
Eigentliche Form der wissenschaftlichen Beobachtung. „Die systematische Beobachtung ist durch Festlegung, Vereinheitlichung und Kontrolle gekennzeichnet.“ (Mees & Selg, 1977, S. 16) „Kennzeichnend für die systematische Beobachtung ist schließlich, dass sie den Gütekriterien unterworfen werden können, die auch für andere psychologische Datenerhebungsmethoden gelten [...]“ (ebd., S. 17)

Thalamus:
„Im Zwischenhirn gelegene, subcorticale, zentrale Umschaltstelle für sensorische Informationen. [...] Außerdem hat der Thalamus Verbindungen zum Limbischen System und ist darüber hinaus auch an bestimmten motorischen Reaktionsprogrammen beteiligt.“ (Hülshoff, 2000, S. 429).

Ventilationszustände:
„Normoventilation. Normale Atmung, bei der in den Aveolen ein co2- Partialdruck [...] von etwa 40 mm Hg aufrechterhalten wird.
Hyperventilation. Über die Stoffwechselbedürfnisse gesteigerte Atmung; führt zum Absinken des alveolären und arteriellen CO2 –Partialdrucks (Hypokapnie) [...] Zusätzlich sei [...] angemerkt, dass [...] die Kontraktion der Hirngefäße und die daraus resultierende Mangeldurchblutung zu Schwindelerscheinungen und zu Bewusstseinstrübungen führen kann.
Hypoventilation. Unter die Stoffwechselbedürfnisse abgesunkene Atmung; führt zum Ansteigen das alveolären und arteriellen CO2-Partialdrucks. (Hyperkapnie)
Mehrventilation. Atmungssteigerung über den Ruhewert hinaus [...], unabhängig von der Höhe der alveolären Partialdrücke.
Eupnoe. Normale Ruheatmung.
Hyperpnoe. Vertiefte Atmung mit oder ohne Zunahme der Atemfrequenz.
Tachypnoe. Zunahme der Atemfrequenz gegenüber der Normalfrequenz von 10 bis 14 pro min.
Bradypnoe. Abnahme der Atemfrequenz gegenüber der Normalfrequenz.
Apnoe. Atmungsstillstand, hauptsächlich bedingt durch das Fehlen des physiologischen Atmungsreizes (Abnahme des arteriellen CO2-Partialdrucks, z.B. nach willkürlicher Hyperventilation).
Dyspnoe. Erschwerte Atmung, verbunden mit dem subjektiven Gefühl der Atemnot.
Aspyxie. Atmungsstillstand oder Minderatmung bei Lähmung der Atmungszentren.“ (Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 197f)

Zerebralparese:
Siehe: Infantile Zerebralparese

Zyanose:
Die Farbe des Blutes gibt Auskunft über den Sauerstoffgehalt des Blutes. Während sauerstoffangereichertes Blut hellrot ist, weißt sauerstoffarmes Blut eine dunkelrote Färbung auf. Eine bläuliche Färbung der Lippen und der Haut ist zu beobachten, wenn sauerstoffarmes Blut durch diese Regionen fließt. Diese Verfärbung wird als Zyanose bezeichnet (Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 202).

Anhang 2: Übersicht über die Entwicklung der Sinnesorgane im Verlauf der Gestation (Dick et al., 1999, S. 17)

 

Tasten
Fühlen

Geschmack

Riechen

Gleichgewicht

Hören

Sehen

1. Monat

Anlage Mundsensibilität

 

Riechplatte am Ektoderm

  

Grube am Vorderhirn

2. Monat

 

angelegt

Riechepithel differenziert

angelegt

Schnecke angelegt

Augenblasen wachsen aus dem Zwischenhirn nach vorn

3. Monat

      

4. Monat

 

Reifung

 

Vestibuläre Reiverarbeitung

  

5. Monat

     

Netzhaut differenziert, Sehstäbchen differenziert

6. Monat

Druck, Temperatur, Schmerzen werden an der Hand empfunden (Ende 6. Monat)

     

7. Monat

     

31.-33. Woche: Beginn Fixieren von Objekten

8. Monat

 

Reaktion auf Missempfinden

    

9. Monat

ausgereift

ausgereift

ausgereift

ausgereift

ausgereift

Auge vollständig ausgereift

Anhang 3: Stressor-Merkmale (Janke & Wolffgramm, 1995, S. 302)

Aspekte

Merkmale

Lokalisation
Neuartigkeit
Erwartetheit
Wahrnehmbarkeit
Informationshaltigkeit
Emotionale Valenz
Bedeutung für das Subjekt
Ökologische Bedeutung
Vorbereitetheit
Komplexität
Dimensionalität
Inferenz mit Tätigkeit
Beeinflussbarkeit (Kontrolliernarkeit)
Vorhersagbarkeit
Intensität
Dauer
Beginn
Ende
Kontinuität
Wirkungseintritt (Zeitpunkt)
Wirkungseintritt (Stärke)

Äußere (externe) - innere (interne)
Erstmalig - wiederholt
Unerwartet - erwartet
Wahrnehmbar - nicht wahrnehmbar
Keine - gering - hoch
Negativ - neutral - positiv
Bedeutungslos - bedeutungsvoll
Ökologisch sinnvoll - konträr
Reaktionstendenz vorbereitet - erworben
Gering - mittel - hoch
Eindimensional - mehrdimensional
Keine - gering - hoch
Unbeeinflussbar - beeinflussbar
Unvorhersagbar - vorhersagbar
Schwach - stark
Kurzdauernd - langdauernd - chronisch
Plötzlich - schnell - langsam eintretend
Schnell - langsam endend
Kontinuierlich - diskontinuierlich
Sofort - verzögert
Linear - positiv - negativ beschleunigt

Anhang 4: Indikatoren der Schmerzreaktion (Denecke & Hünseler, 2000, S.21)

Ebene

Indikatoren der Schmerzreaktion

Schmerzerleben

- Verdeckt: Z.B. Empfinden (sensorisch - affektiv), Emotionen, Kognitionen
- Offen: z.B. Klagen, Stöhnen, Bericht über verdeckte Reaktionen

Schmerzverhalten

z.B. Veränderung der Ausdrucksmotorik (Mimik, Gestik, Körperhaltung), reflektorische und willkürliche schmerzreduzierende Bewegungen, Vermeidungsverhalten

Physiologische
Parameter

z.B. Erregung des nozizeptiven Systems (Freisetzung von algogenen Substanzen), Aktivierung des zentralen Nervensystems (Auftreten evozierter Potentiale), Aktivierung des autonomen Nervensystems (Veränderung von Herzaktivität, Blutdruck, Hautleitfähigkeit, Muskeltonus, Atemfrequenz), Veränderung hormoneller und biochemischer Parameter

Anhang 5: Übersicht über die Entwicklung des Schmerzsystems bei Feten. (modifiziert nach Sandkühler & Benrath, 2000, S. 3)

Mensch Woche p.c.

System

7. - 8.

Reflektorische Bewegungen auf Stimulation, Beginn von Spontanbewegungen

10. - 11.

Sensible Versorgung der Hand

13. -14.

Gesamte Körperoberfläche sensibel innerviert, rezeptive Felder vorhanden

26.

Wegziehreflex auf noxische Stimulation

22. - 34.

Ausbildung der Projektionsbahnen vom Thalamus zum primär sensorischen Kortex

26. - 31.

Grimassieren auf noxische Stimulation

Anhang 6: Wirkung von Belastung (Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 99)

Belastungsreaktion (Stress)

Pathophysiologische Konsequenzen

Unterdrückung von Immunreaktivität und Entzündungen

Reduzierte Resistenz gegenüber einer Vielzahl von Krankheiten

Erhöhung der Muskelanspannung in spezifischen Muskelgruppen

Rücken-, Gesichts,- Kopfschmerzen, „Weichteilrheumatismus“

Erhöhung kardinaler Output

Essentielle Hypertonie

Mobilisierung von Energie bei Unterdrückung der Energiespeicherung

Diabetes Myopathien, Asthma

Unterdrückung der Verdauung

Geschwüre

Hemmung des Wachstums

Psychogener Zwergwuchs, Knochenentkalkung

Hemmung der Reproduktivitätsfunktionen

Infertilität, Anovulation, Impotenz, Libidoverlust

Neuronale Reaktionen und Änderungen der Wahrnehmungsschwellen

Beschleunigtes Altern kognitiver Funktionen und des Gedächtnis, einige Epilepsieformen

Pheriphere Vasokonstriktion oder Dilation

Raynaud- Erkrankungen, Migräne

Anhang 7: Erläuterung zur Abbildung Nr. 4

Zu Beginn eines jeden Stressgeschehens stehen äußere und innere Reize, die von psychischer, physischer und/oder sozialer Seite auf das Individuum einwirken. Bei Frühgeborenen sind dieses vor allem physische Stimulationen, welche sich aus der intensivmedizinischen Behandlung, Pflege und Diagnostik ableiten lassen. Aber auch NICU typische Umgebungsreize wie Lärm- und Lichteinflüsse, stellen potenzielle Belastungsfaktoren für das Kind dar. Ob die umgebenden Bedingungen zu sogenannten Stressoren werden, welche Stressreaktionen auslösen, hängt neben der Qualität und Quantität der Reizung, stark von der persönlichen Konstitution der Person und ihren Bewältigungsmöglichkeiten ab. Frühgeborene Kinder sind aufgrund ihrer extremen Unreife den umgebenden Stressoren ausgeliefert und verfügen über keine Bewältigungsmechanismen.

Überfordernden Stimulationen wirken als Stressoren und lösen im Organismus typische Stressreaktionen aus. Die Aktivierung des sympathischen Nervensystems erfolgt am schnellsten. Durch die sympathische Innervierung des Nebennierenmarks kommt es zur verstärkten Ausschüttlung der Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin. Adrenalin bewirkt unter anderem eine Steigerung der Herzfrequenz, des Schlagvolumens sowie eine erhöhte Glukoseausschüttung. Noradrenalin weitet die Bronchen, veranlasst eine erhöhte Atemtiefe und hemmt die Verdauungsfunktionen. Durch die vom Hypothalamus gesteuerte Freisetzung von Hormonen (CRH und ADH) erfolgt in der Hypophyse die Ausschüttung des Adrenocorticotropen Hormons (ACTH), das in der Nebennierenrinde die Sekretion von Cortisol bewirkt, welches zur Glukosebildung anregt.

Die Ausschüttung der benannten Hormone bewirkt eine schnelle Energiebereitstellung, die zur Bewältigung kurzfristiger Belastungssituationen dienlich ist. Bei Frühgeborenen wird angenommen, dass kurze Erregungsphase zur Stabilisierung des neuronalen Systems beitragen. Eine angemessene Reizung, welche das kindliche System nicht überlastet, ruft auf der Verhaltensebene eine Zuwendungsreaktion des Frühgeborenen hervor. Überfordernde Stimulationen lassen sich an abwendenden Vermeidungsverhalten des Kindes beobachten. Eine andauernde Überlastung des Frühgeborenen, welche mit einer kontinuierlichen Cortisolausschüttung einhergeht, provoziert akute Gefahren, wie intrazerebrale Blutungen. Es wird vermutet, dass anhaltender Stress zur Destabilisierung des neuronalen Systems frühgeborener Kinder beiträgt und das normale Schmerzempfinden ungünstig beeinflusst. Die Ausbildung eines pathologischen Schmerzgedächtnisses wird als Folge frühkindlicher Stress- und Schmerzerfahrungen angenommen. Anhaltende Stress- und Schmerzerfahrungen Frühgeborener wirken sich ungünstig auf deren weiteren Entwicklungsverlauf aus. Zusätzliche Risikofaktoren, wie eine ungünstige Eltern-Kind-Bindung erhöhen das Entwicklungsrisiko.

Anhang 8: Übersicht über gängige Schmerzbeurteilungsskalen bei Frühgeborenen (modifiziert nach: Denecke & Hünseler, 2000, S. 25-29)

Instument

Autor/Jahr

Kurzbeschreibung

Anwendungsbereich

Handhabung

NFCS
Neonatal Facial Coding System

•Grunau
•Craig

1987

10 mimische Größen (ja/nein):vorgewölbte Augenbrauen, zusammengekniffene Augen, betonte Nasolabialfalte, geöffnete Lippen, vertikal verzogener Mund, horizontal verzogener Mund, angespannte Zunge, vorgestreckte Zunge, Kinnzittern, ausgeworfene Lippen
Güte: Gut validiert.
Nachteil: Veränderungen im unteren Gesichtsbereich sind nur inkonsistente Schmerzzeichen. Umständlich, ausreichend Erfahrung des Beobachters notwendig

Invasive Maßnahmen

+

BPS
Behavioral Pain Score

•McGrath et al.

1998

4 Verhaltensgrößen: Gesichtsausdruck, Bewegungen, Reaktion auf Handling und Tonus von Extremitäten/Körper.
Nachteil: Nicht ausreichend validiert

Versorgung unter Beatmung

+++

NIPS
Neonatal Infant Pain Scale

•Lawrence et al.

1993

Beurteilung der sechs Items Gesichtsausdruck, Weinen/Schreien, Armbewegungen, Beinbewegungen, Atmung, Wachheit/Aufmerksamkeit.
Skala ist nicht symmetrisch (0 oder 1 Punkt bzw. 0, 1, 2 Punkte)
Güte: Gut validiert, einfach und schnell in der Handhabung
Nachteil: Geringe Trennschärfe in der Graduierung von Schmerzen. Arm – und Beinbewegungen sind überschneidende Kriterien und bringen keine Zusatzinformationen

Invasive Maßnahmen

+++

CRIES
Crying, Re quires Increased Oxygen Administration, Increased vital signs, Expression, Sleeplessness

•Krechel
•Bildner

1995

Aufbau wie APGAR. 5 Items mit 0, 1, 2 Punkten: Schrei, 02 – Bedarf um SaO2>95% zu halten, Vitalparameter verändert, Gesichtsausdruck, Schlaflosigkeit.
Güte: Leicht zu merken, Einfach in der Anwendung.
Nachteil: Unzureichende Spezifität. Apparativer Aufwand (Pulsoxymetrie). Blutdruckmessung kann Patienten irritieren

Postoperative Schmerzen

+++

PIPP
Premature Infant Pain Profile

•Stevens et al.

1996

Berücksichtigt 7 Items (0 – 3 Punkte): Gestationsalter, Bewusstseinszustand, Herzfrequenz, Blutdruck, Augenbrauenwölbung, Augenkneifen, Nasolabialfalte.
Güte: Gut validiert
Nachteil: Blutdruckmessung kann Patienten irritieren. In der praktischen Anwendung zu kompliziert, eher für Studien geeignet.

Invasive Maßnahmen

++

PAT
Pain Assessment Tool

•McGrath et al.

1998

Berücksichtigt 10 Verhaltens- und physiologische Größen und die subjektive Beurteilung des Pflegepersonals: Haltung/Tonus, Schlafmuster, Gesichtsausdruck, Hautfarbe, Schrei, Atmung, Herzfrequenz, O2- Sättigung, Blutdruck, Beurteilung des Pflegepersonals.
Güte: Nicht ausreichend validiert
Nachteil: Nicht symmetrisch, nicht für beatmete Kinder, Blutdruckmessung kann Patient irritieren.

Postoperative Schmerzen

++

SUN
Scale for Use in Newborns

•Blauer
•Gerstmann

1998

7 Verhaltens- und physiologische Parameter (0 - 4 Punkte): Bewusstseinsstatus, Atmung, Bewegung, Muskeltonus, Mimik, Herzfrequenz, Blutdruck,.
Güte: Auch für beatmete Kinder geeignet. Symmetrisch, Level 2 = normaler Zustand.
Nachteil: Umständlich, Graduierung z.T. schwierig abzugrenzen. Blutdruckmessung kann Patienten irritieren.

Invasive Maßnahmen

+

+++ = sehr einfach, ++ = einfach, + = aufwendig, kompliziert.

Anhang 9: Normalwerte der Herzfrequenz, Mittelwert und einfache Standardabweichung (Rothe & Bennek, 2003, S. 46)

Alter

Herzfrequenz in min -1

_+ 1 SD

0-24 Stunden
1. Lebenswoche
2.- 4. Lebenswoche
1 3. Lebensmonat
3. - 6. Lebensmonat
6. - 12. Lebensmonat
1. - 3. Lebensjahr
3. - 5. Lebensjahr
5. - 8. Lebensjahr
8. 12. Lebensjahr
12. - 16. Lebensjahr

133
119
163
154
140
140
126
98
96
79
75

22
16
20
19
21
19
20
18
16
15
13

Anhang 10: Blutdruck (oszillometisch), Herzfrequenz und Gewicht bei Frühgeborenen unter 34 SSW und unter 1500g Geburtsgewicht in den ersten Lebenswochen (Stopfkuchen et al., 1995, S. 309; nach: Tan, K. L. (1988). J. Pediatr. 112, 266)

Alter (Tage)

1

2

3

4

5

6

7

Systolischer Druck (mmHg)

Wach

Schlaf

Mittelwert
(2SD)
Mittelwert
(2SD)

67,9
(30,8)
65,0
(27,2)

71,9
(33,6)
72,0
(33,0)

74,3
(31,4)
77,0
(31,4)

77,5
(37,0)
71,0
(41,2)

74,2
(29,2)
74,8
(27,2)

76,8
(31,0)
76,9
(33,8)

76,2
(29,6)
73,7
(27,0)

Diastolischer Druck (mmHg)

Wach

Schlaf

Mittelwert
(2SD)
Mittelwert
(2SD)

43,5
(28,8)
41,4
(24,6)

48,3
(30,2)
48,9
(31,0)

49,3
(31,6)
52,7
(32,0)

52,5
(31,8)
50,7
(28,2)

49,0
(28,6)
49,3
(26,8)

51,8
(30,0)
53,0
(33,0)

47,6
(27,2)
46,7
(25,4)

Arterieller Mitteldruck (mmHG)

Wach

Schlaf

Mittelwert
(2SD)
Mittelwert
(2SD)

57,7
(31,8)
55,8
(27,2)

59,6
(29,6)
60,9
(31,0)

63,7
(30,2)
64,8
(34,2)

65,0
(35,4)
62,6
(30,0)

61,9
(31,6)
61,7
(28,2)

63,5
(30,8)
64,4
(33,6)

63,5
(28,4)
61,0
(28,4)

Herzfrequenz

Wach

Schlaf

Mittelwert
(2SD)
Mittelwert
(2SD)

169,2
(63,2)
177,5
(67,8)

164,6
(78,4)
173,1
(77,2)

167,2
(64,4)
169,1
(61,0)

173,2
(66,8)
176,4
(69,6)

169,2
(50,2)
166,3
(56,0)

172,9
(57,2)
173,1
(54,2)

170,9
(60,8)
168,9
(74,2)

Gewicht (g)

 

Mittelwert
(2SD)

1221,8
(342,8)

 

1171,1
(314,0)

   

1155,2
(382,8)

Anhang 11: Atem-Beatmungsfrequenz (f) bei Kindern (Varnholt et al. 2003, S. 718)

Alter

f/min

Frühgeborene
Neugeborene
3 - 12 Monate
1 - 2 Jahre
3 - 6 Jahre
7 - 10 Jahre
11 - 14 Jahre
15 - 18 Jahre

60 - 120
40 - 80
40
35
30
25
20
15

Anhang 12: Atemminutenvolumina (AMV) bei Kindern (Varnholt et al. 2003, S. 718)

Alter

AMV (l)

Frühgeborene
Neugeborene
3 - 12 Monate
1 - 2 Jahre
3 - 6 Jahre
7 - 10 Jahre
11 - 14 Jahre
15 - 18 Jahre

0,2 - 1
0,5 - 1,5
1 - 2
1,5 - 2,5
2,5 - 3,5
3 - 5
4 - 7
5 - 8

Anhang 13: Beobachtungsbogen

Datum: Nr. :
Beobachtungszeitraum: Dauer:

manipulierende Person/en:
Glukosegabe: ja □ nein □

Besonderheiten:

Manipulationstyp:

MINUTE

½

1

2

3

3 ½

4

5

6

7

8

9

10

10½

11

11½

12

12½

13

13½

14

14½

15

15½

16

16½

17

17½

18

18½

19

19½

20

MANIPULATION

HERZFREQUENZ / min.

SAUERSTOFFSÄTTIGUNG / mmHg

ATEMFREQUENZ / min.

 

MINUTE

20½

21

21½

22

22½

23

23½

24

24½

25

25½

26

26½

27

27½

28

28½

29

29½

30

30½

31

31½

32

32½

33

33½

34

34½

35

35½

36

36½

37

37½

38

38½

39

39½

40

MANIPULATION

HERZFREQUENZ / min.

SAUERSTOFFSÄTTIGUNG / mmHg

ATEMFREQUENZ / min.

MINUTE

40½

41

41½

42

42½

43

43½

44

44½

45

45½

46

46½

47

47½

48

48½

49

49½

50

50½

51

51½

52

52½

53

53½

54

54½

55

55½

56

56½

57

57½

58

58½

59

59½

60

MANIPULATION

HERZFREQUENZ / min.

SAUERSTOFFSÄTTIGUNG / mmHg

ATEMFREQUENZ / min.

Anhang 14: Erläuterung der Beobachtungskategorien

Beobachtungskategorie

Erläuterung

1

Streicheln

Sanfte, streichelnde Berührung des Kindes.
Laut Harrison und Woods (1991) handelt es sich beim Streicheln um die von Eltern bevorzugte Berührungsform. Sie dient sowohl der Kontaktaufnahme, Zuwendung und Beruhigung des Kindes.
An Tagen, an denen das Känguruhen aufgrund der Instabilität des Kindes nicht möglich ist, kann das Streicheln des Frühgeborenen im Inkubator eine alternative Form der Zuwendung darstellen.

2

auf den Oberkörper legen

Das aus dem Inkubator genommene Kind wird zum Känguruhen auf den nackten Oberkörper der Eltern gelegt.

3

vom Oberkörper nehmen

Das Kind wird nach dem Känguruhen vom Oberkörper der Eltern heruntergenommen, um in Inkubator zurückgelegt zu werden. Dies geschieht in der Regel nach 1 bis 3 Stunden (Dick et al., 1998)

4

Massage

Vorsichtiges Massieren des Kindes an Händen, Füßen oder dem Bauch.

5

Vibration

Die Therapeutin legt dem Kind die flache Hand auf den Brustkorb oder Rücken und ruft durch vorsichtige kleine, schnelle Bewegungen eine Vibration hervor.

6

Handauflegen direkt

Die Therapeutin legt die flache Hand auf den Körper des Kindes. Nur geringe Handbewegungen. Primäre Stimulation durch den geringen Druck, der durch die Handauflage erzeugt wird. Harrison et al. (2000) bezeichnen diese Form der Berührung als „Gentle Human Touch“ (GHT). In der Literatur wurden durch sie überwiegend positive Effekte bei stabilen Kindern hervorgerufen (Harrison et al., 2000).

7

Handauflegen indirekt

Entspricht dem Prinzip der direkten Handauflage. Die Therapeutin hat jedoch keinen direkten Hautkontakt zum Kind, da sich zwischen ihrer Hand und dem Kind ein Tuch befindet.

8

Heben und Senken der Arme

Die Therapeutin hebt einen Arm des Kindes langsam an, bzw. senkt ihn wieder ab.

9

orale Stimulation

Lippen und vorderer Mundraum des Kindes werden durch die Gabe eines Schnullers oder Wattestäbchens stimuliert.

10

Blutdruckmessung

Der Blutdruck des Kindes wird über das Anlegen einer Manschette am Bein ermöglicht.

11

Nahrungsgabe per Sonde

Die Nahrung wird dem Kind mit Hilfe einer Sonde direkt in den Magen verabreicht. Die Nahrungsgabe erfolgt meist in mehreren Etappen.

12

Windeln

Austauschen der Windel. Der Vorgang erfolgt häufig Etappenweise: Öffnen der Windel, Reinigung, Anlegen einer frischen Windel.

13

Anbringen von Klebestreifen

Zur Fixierung des Tubus, der Magensonde etc. werden Klebstreifen im Gesicht des Kindes befestigt. Diese Kategorie wurde in der Studie von Gonsalves und Mercer (1993) ebenfalls in das Beobachtungssystem aufgenommen.

14

Entfernen von Klebestreifen

Entfernen von Klebestreifen, die zur Fixierung angebracht wurden.

15

rektale Temperaturmessung

Ein Thermometer wird zur Messung der Kerntemperatur in den Anus des Kindes eingeführt. (Die Ableitung der Hauttemperatur erfolgt kontinuierlich über eine auf die Haut aufgeklebte Elektrode.)

16

Eincremen

Das Kind wird an unterschiedlichen Körperteilen eingecremt. Im Rahmen der Versorgung wird diese Tätigkeit häufig von den Eltern übernommen.

17

Elektrodenwechsel

Zur Ableitung der Herzfrequenz, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung und Temperatur werden Elektroden auf den Körper des Kindes geklebt, die regelmäßig neu befestigt werden müssen, um Druckstellen zu vermeiden und eine gute Ableitung der Parameter zu gewährleisten.

18

Abhören

Abhören des Kindlichen Oberkörpers mit Hilfe eines Stethoskops.

19

Abtasten

Abtasten des Bauchraums mit der Hand.

20

Ultraschall

Nicht invasive Untersuchungsmaßnahme, bei der das Kind im Inkubator verbleiben kann

21

Röntgen

Nicht invasive Untersuchungsmaßnahme, bei der das Kind im Inkubator verbleiben kann. (Im Vorfeld sind meist Lageveränderungen zu beobachten, da das Kind in eine bestimmte Position gebracht- und fixiert werden muss.)

22

Kind aus dem Inkubator nehmen

Das Kind wird aus dem Inkubator herausgenommen.

23

Kind in den Inkubator legen

Das Kind wird in den Inkubator zurückgelegt.

24

Kind wird gedreht

Das Kind wird von der Bauch- in die Rückenlage gebracht. (bzw. von der Rücken- in die Bauchlage)

25

leichte Lageveränderung

Die Lage des Kindes wird nur geringfügig verändert. (Kein Wenden des Kindes) Leichtes Anheben einzelner Körperteile. Erfolgt oft durch die Verwendung von Tüchern und /oder Kissen.
(Die spezielle Lagerung bei Frühgebornen dient der Milieuanpassung, einer Unterstützung der physiologischen Haltung des Kindes, einer Schaffung von Begrenzung, die Abstoßreaktionen ermöglicht, einer Erleichterung der Atmung sowie der Förderung von sensorischer Entwicklung durch Ertasten von verschiedenen Materialien (Teising, 2001, S. 13).)

26

Hochheben des Kindes

Das Kind wird von der Inkubatorunterlage hochgehoben.
Meist mit folgendem Ziel:
• Wechsel der Unterlage
• Wiegen des Kindes im Inkubator
• Kind wird aus dem Inkubator genommen. (Känguruhen, Inkubatorwechsel, Unters u chungen)

27

Lanzettenstich

Der Stich mit einer Lanzette erfolgt meist in die Ferse des Kindes und dient der Abnahme von geringen Blutmengen. Einstich und Abnahme des Blutes. (oft zur Blutgasanalyse)

28

Venen- Arterienpunktion

Die Venen- oder Arterienpunktion dient der Blutabnahme oder dem Legen von Zugängen. Sie kann an verschiedenen Körperstellen durchgeführt werden. Überwiegend: Hände, Kopf.
Einstich und Abnahme des Blutes.

29

Absaugen

Über einen Absaugkatheter wird Sekret entfernt, das die Atmung des Kindes behindert. Abgesaugt wird oral und nasal. (-sowie e n dotracheal bei intubierten Kindern)
(Das Absaugen von Sekret in Luftröhre, Mund, Nasen- und Rachenraum sowie das Absaugen des Beatmungstubus, dient der Verbesserung der Ventilationszustände. Bei intubierten Kindern ist das Absaugen wegen einer vermehrten Sekretion der Nasenschleimhäute unbedingt notwendig. Um spätere orale Irritation, wie die Verweigerung der selbstständigen Nahrungsaufnahme, vermeiden zu können, sollte der Mund nur bei dringendem Bedarf abgesaugt werden (Teising, 2001, S. 16-22).

30

Tubus ziehen

Der Nasotrachealtubus, über den das Kind, zur Unterstützung der Eigenatmung, mit Sauerstoff versorgt wird, wird aus der Nase entfernt.

31

Tubus in die Nase einführen

Der Nasotrachealtubus wird zur Unterstützung der Eigenatmung über die Nase eingeführt.

32

Anbringen einer CPAP- Sonde

CPAP- Sonde (Continiuous Positive Airway Pressure) unterhalb der Nasenöffnung zur Unterstützung der Eigenatmung angebracht.

33

Aufdecken

Tücher (bzw. Folie während der ersten Lebenstage), mit denen das Kind zuvor zugedeckt wurde, werden entfernt.

34

Zudecken

Das Kind wird mit einem Tuch zugedeckt.

35

sonstige nicht invasive Manipulation

Seltener auftretende, nicht invasive Manipulationen. Z.B.: Abstriche nehmen, Messen der Körperlängen usw.

36

sonstige invasive Manipulation

Seltener auftretende, invasive Manipulationen. Z.B. Extubieren, Intubieren, Legen einer Magensonde usw.

37

keine Manipulation

Es werden keine Manipulationen am Kind vorgenommen.

38

Känguruhen

Das Kind liegt auf dem Oberkörper eines Elternteils. Es werden keine weiteren Handlungen (Streicheln, Nahrungsgabe etc.) vorgenommen.

Anhang 15: Optimierte Beobachtungskategorien

Optimierte Beobachtungskategorien

1

Streicheln

11

Anbringen oder Entfernen von Klebestreifen

21

Lanzettenstich

2

Kind aus dem Inkubator nehmen oder hineinlegen

12

rektale Temperaturmessung

22

Venen- Arterienpunktion

3

Kind auf den Oberkörper legen oder herunternehmen

13

Blutdruckmessung

23

nicht invasive Untersuchung, bildgebende Verfahren

4

Känguruhen

14

Hochheben des Kindes

24

Abtasten

5

Handauflegen direkt

15

Kind wird gedreht

25

Abhören

6

Handauflegen indirekt

16

Veränderung der Tubuslage

26

Aufdecken

7

leichte Lageveränderung

17

Absaugen

27

Zudecken

8

Windeln

18

orale Stimulation

28

sonstige nicht invasive Manipulation

9

Eincremen

19

Nahrungsgabe per Sonde

29

sonstige invasive Manipulation

10

Massage

20

Veränderungen im Beatmungsmodus

30

keine Manipulation

Anhang 16: Deskriptive Werte: Parameterwerte vor dem Manipulationsbeginn

N

Minimum

Maximum

Mittelwert

Standardabweichung

Varianz

HF, davor

390

114

208

155,87

13,867

192,295

SÄ, davor

390

78

100

91,73

3,966

15,732

AF, davor

390

18

86

38,22

8,628

74,435

DHF, davor, abs.

351

0

45

6,38

6,406

41,042

DSÄ, davor, abs.

351

0

12

2,13

2,156

4,649

DAF, davor, abs.

351

0

45

6,81

6,293

39,599

Gültige Werte (Listenweise)

351

Anhang 17: Deskriptive Werte: Parameterwerte während Manipulation

N

Minimum

Maximum

Mittelwert

Standardabweichung

Varianz

HF, während dessen

1236

110

216

160,63

14,312

204,829

SÄ während dessen

1236

56

100

91,54

5,226

27,315

AF während dessen

1236

20

99

39,51

8,841

78,154

DHF, während dessen, abs.

1235

0

51

7,48

8,601

73,976

DSÄ, während dessen, abs.

1236

0

32

2,32

2,676

7,161

DAF, während dessen, abs.

1236

0

52

6,66

5,797

33,605

Gültige Werte (Listenweise)

1235

Anhang 18: Deskriptive Werte: Parameterwerte nach der Manipulation

N

Minimum

Maximum

Mittelwert

Standardabweichung

Varianz

HF, danach

393

129

208

158,10

11,926

142,231

SÄ danach

390

80

100

92,20

3,508

12,306

AF danach

390

18

71

39,89

7,807

60,947

DHF, danach, abs.

390

0

49

5,34

5,787

33,494

DSÄ, danach

390

0

55

1,93

4,072

16,584

DAF, danach

390

0

31

6,36

5,359

28,718

Gültige Werte (Listenweise)

390


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HTML-Version erstellt am:
23.11.2006