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Die Abkürzung RFID setzt sich aus den beiden Teilen „RF“ und „ID“ zusammen. RF steht für „Radio Frequency“ und meint die Übertragung von Daten mittels Funkwellen. ID steht für „Identification“ und bezeichnet die eindeutige Identifikation von Objekten anhand von bestimmten gespeicherten Daten wie z.B. einer eindeutigen Seriennummer. Radio Frequency Identifikation bedeutet im Deutschen so viel wie „Identifikation durch Radiowellen“. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik definiert RFID folgendermaßen: „RFID bezeichnet Verfahren, um Objekte über gewisse Entfernungen berührungslos zu identifizieren. Die überbrückbare Distanz (Reichweite) liegt dabei typischerweise im Zentimeter- oder Meterbereich.“32 Zur weiteren Spezifizierung heißt es: „Trotz der großen Bandbreite der RFID-Lösungen ist jedes RFID-System durch die folgenden drei Eigenschaften definiert:
1. Elektronische Identifikation: Das System ermöglicht eine eindeutige Kennzeichnung von Objekten durch elektronisch gespeicherte Daten.
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2. Kontaktlose Datenübertragung: Die Daten können zur Identifikation des Objekts drahtlos über einen Funkfrequenzkanal ausgelesen werden.
3. Senden auf Abruf (on call): Ein gekennzeichnetes Objekt sendet seine Daten nur dann, wenn ein dafür vorgesehenes Lesegerät diesen Vorgang abruft.
RFID-Systeme zählen zu den Funkanlagen. Durch die elektronische Identifikation sowie die Ei-genschaft, dass Transponder nur auf Abruf Daten übermitteln, grenzen sich RFID-Systeme von anderen digitalen Funktechnologien wie Mobilfunk, W-LAN oder Bluetooth ab.“33
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Ein RFID-System besteht mindestens aus den beiden Komponenten: Transponder und Reader34.
Der Transponder, auch RFID-Etikett, -Chip oder -Tag genannt, besteht aus den Komponenten Trägermedium, Sender- und Empfängerschaltkreis sowie einem Informationsspeicher in Form eines Mikrochips. Er ist der eigentliche Informationsträger, der als mobile Komponente des RFID-Systems an den zu identifizierenden Gegenständen angebracht wird.
Der Mikrochip des Transponders kann in seiner Speicherkapazität zwischen 1 Bit und mehreren Bites variieren. Er enthält die Daten, die vom Anwender als nötig erachtet werden, um das zu identifizierende Objekt genau zu erkennen. Mindestens enthält jeder Mikrochip eine eindeutige ID-Nr., die den Transponder einmalig macht. Anders als bei Barcodes ist es möglich, jedes einzelne Trägermedium mit einer eigenen Nummer zu kennzeichnen. Dadurch kann man problemlos zwei Packungen des gleichen Produkts unterscheiden.
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Zu den typischen Charakteristika eines RFID-Chips gehört die Möglichkeit der Veränderbarkeit oder Unveränderbarkeit der Daten auf dem Tag. Nicht veränderbare Tags, so genannte „Read-only-Transponder“ oder auch 1-Bit Transponder sind lediglich mit einem Mikrochip mit ROM-Speicher (Read Only Memory) ausgestattet und darum sehr kostengünstig. Da diese Transponder nur über eine geringe Speicherleistung verfügen, können sie z.B. bei der Verbuchung in Bibliotheken nur einzeln nacheinander ausgelesen werden. Diese, zu den „Low-End Systemen“ zählenden Tags, weisen dieselben Funktionen auf wie herkömmliche Barcodes. Sie stellen daher keine Verbesserung für die Bibliotheksarbeit dar.35
Veränderbare Tags hingegen enthalten einen wieder beschreibbaren Speicher, auf dem Infor-mationen wie ID-Nr., der Status der Verbuchung oder das Bibliothekssigel gespeichert und auch verändert werden können.
Unterscheiden kann man RFID-Transponder auch hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit. Es gibt Transponder mit geringer und mittlerer Leistungsfähigkeit sowie sog. Hochleistungssysteme. Hochleistungssysteme verfügen über einen Mikroprozessor mit eigenem Betriebssystem. Wegen der hohen Kosten kommen solche Transponder aber nur für wenige Anwendungsgebiete in Betracht. In Bibliotheken werden sie bisher nicht eingesetzt. Im Bibliothekswesen kommen ausschließlich Transponder mit mittlerer Leistungsfähigkeit zum Einsatz. Aufgrund des wieder beschreibbaren Speichers ist es möglich, ihnen separate Aufgaben zuzuweisen. So können Medien einerseits im Rahmen eines Ausleihvorganges identifiziert werden, andererseits kann man den Sicherungsstatus der Medien im Verhältnis zu einer Sicherungsanlage permanent verändern. Letzteres muss möglich sein, damit ausleihbare Medien einer Bibliothek so lange Alarm geben, wie sie jemand ohne erfolgreiche Verbuchung mitnehmen will. Nachdem der Ausleihvorgang korrekt erfolgt ist, muss diese Funktion abgeschaltet sein. Bei der Rückgabe des Mediums muss sie wieder aktiviert werden.
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RFID-Transponder können die unterschiedlichsten Bauformen haben. Im Wesentlichen hängt dies von der verwendeten Technologie und ihrem Einsatzgebiet ab. Generell kann man fünf verschiedene Gruppen unterscheiden: Glasbehälter, Kunststoffkapseln, Plastikkarten, Etiketten und Bauformen, die sich nicht in einer Gruppe spezifizieren lassen wie z.B. Uhren mit integrierten Transpondern.36 Transponder mit Glaskapseln kommen überall dort zum Einsatz, wo der Schutz vor Feuchtigkeit von besonderer Bedeutung ist, u.a. bei der Tieridentifikation. RFID-Transponder mit einer Kunststoffummantelung sind außerordentlich gut geeignet für Anwendungen mit hohen mechanischen Anforderungen. Plastikkarten und Uhren mit integrierten RFID-Chips haben sich vor allem im Bereich der Zutrittskontrollsysteme etabliert. Stark verbreitet sind ferner RFID-Transponder in Form von Etiketten – die sog. „Smart Labels“. Smart Labels sind Transponder, die nicht wesentlich dicker sind als ein Blatt Papier und fast genauso gehandhabt werden können. Weil diese Bauweise besonders Platz sparend ist und Smart Labels wie herkömmliches Papier bedruckt werden können, werden sie vielfach in Bibliotheken verwendet. Da Smart Labels auch mit herkömmlichen Barcodes bedruckt werden können, bieten sie die Möglichkeit, sowohl durch einen RFID-Reader als auch durch einen herkömmlichen Barcodescanner gelesen zu werden. Für eine Umstellungsphase von Barcode auf RFID ist dies ein erheblicher Vorteil.
Bezüglich der Energieversorgung kann man Transponder in drei verschiedene Arten unterscheiden: passive, aktive und semiaktive Transponder. Die in Bibliotheksmedien integrierten Smart Labels sind ausschließlich passive Transponder. Das bedeutet, dass die Transponder über keine eigene Energieversorgung verfügen. „Die gesamte zum Betrieb des Transponders nötige Energie wird durch die Antenne des Transponders dem magnetischen oder elektromagnetischen Feld des Lesegeräts entzogen.“37 Dies bedeutet aber auch, dass ein RFID-Transponder, der sich außerhalb dieses Feldes befindet, keinerlei Energie beziehen kann und darum nicht in der Lage ist, seine Daten zu senden. Da passive Transponder „das magnetische oder elektromagnetische Feld eines Lesegerätes zur Datenübertragung benötigen, sind die damit erzielbaren Lesereichweiten durch physikalische Grenzen stark limitiert“38. Diese Eigenschaft passiver Transponder führt dazu, dass sie nur über eine sehr geringe Reichweite verfügen. Meist variiert sie zwischen 0,30 m bei Verbuchungsvorgängen und 1 m bei der Erkennung im Sicherungsgate.39
Zu den Leistungsparametern eines RFID-Tags gehört neben den bereits genannten auch die sog. Pulkfähigkeit. Besonders für den Einsatz in Bibliotheken ist die Möglichkeit, eine größere Zahl von Objekten (ein Pulk) im Lesebereich eines Readers erfassen zu können, von großer Bedeutung. Dies stellt einen entscheidenden Vorteil von RFID-Systemen gegenüber anderen Auto-ID-Systemen dar.
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Das Lesegerät, auch Reader genannt, ist die größte Komponente eines RFID-Systems. Typischer-weise besteht es aus einem Hochfrequenzmodul, einer Kontrolleinheit sowie einem Koppelelement zum Transponder und einer Schnittstelle für die Weiterleitung der Daten.40 Es dient dazu, die auf dem Chip des Transponders gespeicherten Daten über die Luftschnittstelle auszulesen und die Informationen über die physische Schnittstelle zu dem angeschlossenen IT-System zu übertragen. RFID-Reader können entsprechend ihrer Lesereichweite in drei Arten differenziert werden:
1. Reader mit großer Reichweite bis ca. 45 - 50 cm,
2. Reader mit mittlerer Reichweite bis ca. 30 cm und
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3. Reader mit geringer Reichweite bis ca. 10 cm.41
Ein Reader mit großer Reichweite wird in Bibliotheken als Sicherungsgate bzw. Durchgangsleser zur Mediensicherung genutzt. Der Durchgangsleser ist die baulich größte Komponente eines RFID-Systems. Typischerweise besteht er aus 2 oder 3 parallel zueinander aufgebauten Antennen und erinnert optisch an die Warensicherungssysteme in Kaufhäusern.
Reader mittlerer Reichweite werden in Bibliotheken zur Medienausleihe in Selbstverbuchungsterminals oder Personalverbuchungsplätzen, in Rückgabeautomaten und Einarbeitungsstationen eingesetzt. Die Bauform der Lesegeräte ist durch die Größe und Form der Kopplungseinheit vorgegeben. In Selbstverbuchungsterminals verfügen die Lesegeräte über sog. Flachantennen in der Größe DIN A3 bzw. DIN A4.42 Neben der Medienausleihe spielen Reader mittlerer Reichweite auch in den Einarbeitungsstationen eine zentrale Rolle. Sie dienen „dem erstmaligen Kennzeichnen von Medien mit RFID-Etiketten“43. Einarbeitungsstationen können mobil auf einem Rollwagen durch die Regale gefahren werden oder stationär arbeiten. Statt einer Einarbeitungsstation ist es auch möglich, einen RFID-Drucker zu nutzen. Dieser „enthält zusätzlich zum Druckwerk ein RFID-Lesegerät“44. Seine wichtigste Aufgabe ist es, das RFID-Etikett auf Funktionalität hin zu überprüfen. Außerdem kann mit dem Druckwerk ein zusätzlicher Strichcode oder ein Bibliothekslogo auf das RFID-Etikett aufgebracht werden.45
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Reader mit geringer Reichweite bis zu 10 cm werden in Bibliotheken zum Zweck der Revision eingesetzt. In Form von mobilen Handlesegeräten, die an den Medien entlang geführt werden, können Daten gesammelt und/oder überprüft werden.
Wie alle anderen technischen Systeme sind auch RFID-Systeme auf Standards angewiesen. Sie sind nötig, damit die Komponenten eines Systems Hersteller übergreifend miteinander interagieren können und RFID-Anwendungen dadurch langfristig planbar und absicherbar werden. Durch die Kompatibilität der Produkte entsteht die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Anbietern zu wählen. Dies wiederum führt zu gesteigertem Wettbewerb, der sich positiv auf die Preisentwicklung auswirkt. Durch die Standardisierung werden RFID- Systeme vergleichbar. Vor- und Nachteile können transparent gemacht werden und führen so zur schnellen Weiterentwicklung der Technik. Im Bereich der RFID-Anwendungen sind die International Organization for Standardization (ISO)46 und das Industriekonsortium EPCglobal um verbindliche Standards bemüht.
Damit RFID-Systeme effizient arbeiten können und die Funkidentifikation verlässlich und ohne Beeinträchtigung anderer Kommunikationssysteme funktioniert, bestehen eine Vielzahl von Stan-dards und Funkvorschriften, die den Einsatz von RFID reglementieren.
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RFID-Systeme gelten genau wie Mobiltelefone oder Radios als Funkanlagen, weil sie Signale mit Hilfe von Funkwellen übertragen.47 Um eine einwandfreie Frequenznutzung zu ermöglichen, unterliegen alle Funkanwendungen (z.B. Fernsehen, Mobilfunk, Computernetzwerke), die den Frequenzbereich zwischen 3 kHz und 3.000 GHz nutzen, einer weltweiten Reglementierung. Die Zuteilung von Funkfrequenzbereichen und die Definition von Nutzungsbestimmungen unterliegen den nationalen Fernmeldeverwaltungen. In Deutschland untersteht die Fernmeldeverwaltung dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und der Bundesnetzagentur.
Für RFID-Anwendungen gibt es derzeit keine exklusiv zugeteilten Frequenzen. Damit es dennoch nicht zu Überschneidungen oder Störungen kommt, erfolgt der Transport von Energie und Information auf festgelegten Funkfrequenzbereichen. „Die Sendefrequenzen der meisten RFID-Systeme liegen im Bereich der lizenzfreien ISM-Bänder (Industrial- Scientific- Medical), die für industrielle, wissenschaftliche und medizinische Anwendungen weltweit freigehalten sind.“48 Die meisten RFID-Systeme nutzen daher die folgenden vier Sendefrequenzen:
1. Niedrigfrequenzbereich um 125 Kiloherz (LF)
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2. Hochfrequenzbereich 13,56 Megahertz (HF)
3. Ultrahochfrequenzbereich 860 – 960 Megahertz (UHF)
4. Mikrowellenbereich 2,45 und 5,8 Gigahertz (MW)49
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Da die verschiedenen Frequenzbereiche unterschiedliche Eigenschaften haben, hängt die Wahl des Frequenzbereiches, auf dem gesendet werden soll, von der Art der Anwendung des RFID-Systems ab. Grundsätzlich gilt: Je höher die Frequenz, desto weiter ist die Lesereichweite und desto schneller ist die Lesegeschwindigkeit.50
RFID-Transponder, die im LF-Bereich arbeiten, sind besonders kostengünstig in der Herstellung. Sie werden u.a. in der Lagerverwaltung, bei Zugangskontrollen und Wegfahrsperren eingesetzt. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist sehr gering, sodass es bei größeren Datenmengen zu längeren Übertragungszeiten kommen kann.
Der UHF-Bereich wird von Transpondern genutzt, die im Bereich der Maut- und Güterwagensysteme zum Einsatz kommen, da dort eine besonders große Lesereichweite von Nöten ist. Die in Bibliotheken eingesetzten Smart Labels arbeiten fast ausschließlich im Hochfrequenzbereich. Auch die Bauweise der Antenne ist abhängig von der Frequenz, mit der das RFID-System arbeitet. Je niedriger die Frequenz, desto größer ist die Antenne. Transponder, die im LF-Bereich arbeiten, sind häufig mit einem Ferritkern und einer Kupferspule ausgestattet. HF-Transponder arbeiten mit Hilfe einer Luftspule, die sehr flach auf einer Folie aufgebracht werden kann, während UHF-Transponder mit flachen, sehr variabel auslegbaren Dipolantennen arbeiten.51
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Neben der Standardisierung von Frequenzen und Sendeleistung, bedarf es auch einer Vereinheit-lichung der Struktur des Dateninhalts der Transponder und der sog. Luftschnittstelle (Air Interface). Die Luftschnittstelle ist das elektromagnetische Feld zwischen Reader und Transponder, das die Kommunikation ermöglicht. Das Air Interface Protokoll gibt Auskunft über die Modalitäten des Datenaustauschs. Der Inhalt des Datenspeichers bedarf eines Formats, durch welches der Transponder für Lese- und Schreibgeräte verständlich und bearbeitbar wird. Durch ein vorgeschriebenes Format wird festgelegt, welches Datum an welcher Stelle in welcher Form auf dem Transponder stehen muss. Da Bibliotheken zu den ersten Dienstleitern gehörten, die RFID in größerem Umfang erfolgreich eingesetzt haben52, wurden die Bemühungen um einheitliche Standards in dieser Branche mit besonderem Ergeiz vorangetrieben. „Eine grundlegende Anforderung [der Bibliotheken] ist die langfristige Verfügbarkeit der RFID-Etiketten und ihre Kompatibilität untereinander.“53 Vor dem Hintergrund des sich rasant entwickelnden Halbleitermarktes ist diese Forderung seitens der Bibliotheken zentral. Da die Etats limitiert sind, können Bibliotheken nicht sehr flexibel auf Marktveränderungen reagieren. Die einmal angeschaffte Technik kann nicht problemlos durch modernere, dem veränderten Standard entsprechende Systeme ausgetauscht werden, sondern muss untereinander auch abwärts kompatibel sein. Das ist besonders wichtig, weil kurz- und langfristige Innovationen des RFID-Marktes in Updates der Bibliothekssysteme einfließen können müssen. Zurzeit sind für den Einsatz von RFID in Bibliotheken folgende Standards relevant:
Hinsichtlich der Standardisierung der Luftschnittstelle sind die durch ISO/IEC Gremien erarbei-teten Standards ISO 15693 und ISO 18000-3 in Bibliotheken bedeutsam. „ISO 18000-3.1 ist der für 13,56 MHz-Transponder und damit für die meisten RFID-Anwendungen relevante Standard. Darin enthalten ist ISO 15693.“55 Der Standard ISO 15693 wird von einer Vielzahl von Firmen unterstützt (u.a. Texas Instruments, Infineon, Philips Semiconductors und ST Microelectronics56). Die Chips dieser Hersteller sind daher untereinander kompatibel. Die Problematik von 18000-3 liegt darin, dass unter diesem Standard unterschiedliche Mikrochips in zwei Modi subsumiert werden, die nicht miteinander kompatibel sind. „So kommt die Aussage zustande, dass zwar Chips dem neuen (neuesten) 18000-3 Standard entsprechen, aber es wird nicht erwähnt, dass sie außerhalb von Modus 1 liegen und damit zumindest auf absehbare Zeit mit anderen Chips inkompatibel sind.“57 Innerhalb des Standards ISO 18000-3 Mode 1 „befinden sich viele Chips von Anbietern, deren wichtigste Eigenschaften untereinander kompatibel sind. Für Bibliotheken beispielsweise ist der einzige gemeinsame Nenner für eine Buchsicherung die Nutzung des AFI.“58 Denn nur AFI ist bei allen ISO 1568359 Chips verfügbar. Das ebenfalls zur Mediensicherung verwendete EAS-Bit (EAS = Electronic Article Sutvillance) wird von vielen Herstellern zusätzlich angeboten und ist daher nicht ISO-konform. Bei dem EAS-Bit handelt es sich um ein Bit, das keine Informationen enthält und sehr einfach durch einen Leser angesprochen werden kann. Es arbeitet nach dem Prinzip „tag talks first“. Die Mediensicherung mit Hilfe von AFI arbeitet hingegen nach dem Prinzip „ reader talks first“. Da das EAS-bit proprietär ist, haben die Stadtbibliotheken München, Stuttgart und Wien diese wenig zukunftsträchtige Lösung verworfen und orientieren sich am sog. Dänischen Datenmodell, welches u.a. die Mediensicherung mit AFI vorsieht. Dieses Datenmodell enthält dynamische, d.h. frei verfügbare Felder und die obligatorischen Felder:
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Das Bestreben vieler RFID-Anwenderbibliotheken ist es, dieses Datenmodell als Standard international zu etablieren. Die Bibliotheken, die RFID schon heute anwenden, berufen sich in ihren Ausschreibungen bisher auf dieses definierte Datenmodell.
| Abbildung 3. RFID-Standards61 | ||
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Die Funktionsweise von RFID soll im Folgenden zur allgemeinen Verständlichkeit in ihren Grundzügen erläutert werden. Vielfach können Bedenken gegenüber dieser Technologie durch die Kenntnis der zugrunde liegenden technischen Abläufe ausgeräumt werden. Es gilt jedoch zu bedenken, dass RFID-System nicht gleich RFID-System ist und jede Anwendung systemspezifische Besonderheiten und Anforderungen aufweist. Die Feinheiten der physikalischen Gesetze, die hinter der Funktionsweise von RFID stehen, sind für die vorliegende Arbeit kaum von Bedeutung, da der Schwerpunkt der Arbeit auf den Einsatz von RFID-Systemen in Bibliotheken beschränkt ist.
Die RFID-Übertragungsverfahren können hinsichtlich drei verschiedener Kopplungsprinzipien differenziert werden. Es gibt die induktive Kopplung, die elektromagnetische Kopplung und die kapazitive Kopplung. Weil Smart Labels fast ausschließlich im Hochfrequenzbereich arbeiten, erfolgt ihre Energieversorgung mit Hilfe der induktiven Kopplung. Nach Finkenzeller sind mindestens 90 Prozent aller RFID-Systeme induktiv gekoppelte Funkanlagen.62
Induktiv gekoppelte RFID-Systme arbeiten auf der Basis von Schwingkreisen.63 „Wenn es darum geht, Informationen drahtlos zu übertragen, haben Schwingkreise eine herausragende Bedeutung. Sie dienen […] der Erzeugung der Übertragungsfrequenz […][und] kommen sowohl auf der Seite des Readers als auch im Transponder […] zum Einsatz.“64
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Ein Schwingkreis besteht aus einem Kondensator und einer Spule, die in einer Parallelschaltung mit einer Gleichspannung angeregt werden. Dies hat eine Wechselwirkung der beiden Bauteile zur Folge, die als „Schwingen“ bezeichnet wird.65
Bei der induktiven Kopplung wird in der Spule des Readers ein starkes hochfrequentes, elektromagnetisches Wechselfeld erzeugt. „Ein geringer Teil dieses Feldes durchdringt die Antennenspule des Transponders, welcher sich in einiger Entfernung zur Spule des Lesegerätes befindet.“66 Die Wechselspannung wird im Transponder gleichgerichtet und dient zur Energieversorgung des Speicherchips auf dem Transponder.67 Die Datenübertragung vom Mikrochip des Transponders zum Reader wird durch das Prinzip der Lastmodulation verwirklicht. Hierbei werden die zu sendenden Daten als digitales Signal kodiert, das einen Lastwiderstand ein- und ausschaltet. „Die Veränderungen des Widerstandes ändern dabei die Gegeninduktivität des RFID-Transponders, die vom Lesegerät in Form kleiner Spannungsänderungen wahrgenommen wird.“68 Diese Daten werden vom Reader demoduliert und dekodiert und können dann verarbeitet werden. Da das Induktionsprinzip nur im Bereich des so genannten Nahfelds wirkt, gibt es eine nicht zu überwindende, physikalische Grenze der Lesereichweite eines Readers. Für die weit verbreitete Frequenz von 13,56 MHz auf der die Smart Labels arbeiten, liegt diese Reichweitengrenze bei maximal 3,5 m.69
32 Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (2004): Risiken und Chancen des Einsatzes von RFID-Systemen : Trends und Entwicklungen in Technologie, Anwendungen und Sicherheit. - Bonn, 2004; online zugänglich unter: http://www.bsi.bund.de/fachthem/rfid/RIKCHA_barrierefrei.pdf, S. 20.
33 Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik 2004, S. 23.
34 In dieser Arbeit soll der Einfachheit halber immer der Begriff „Lesegerät“ / „Reader“ verwendet werden, auch wenn damit nicht nur Daten ausgelesen, sondern auch auf den Transponder geschrieben werden können. Vgl. dazu die entsprechende Fußnote Nr.3 bei Finkenzeller (2006), Klaus: RFID-Handbuch : Grundlagen und praktische Anwendungen induktiver Funkanlagen, Transponder und kontaktloser Chipkarten / Klaus Finkenzeller. – 4., aktual. und erw. Aufl.. – München ; Wien : Hanser, 2006, S. 7.
35 Vgl. Sprengel, Rainer (2007): RFID-Prüfgutachten : zur Einsatzmöglichkeit von RFID in den Öffentlichen Bibliotheken Berlins ; Technik, Wirtschaftlichkeit, Finanzierung, Personalentwicklung, Organisationsentwicklung, Kundenbeziehung, Datenschutz / Rainer Sprengel. – Berlin : VÖBB, 2007; online zugänglich unter: http://www.bibliotheksportal.de/fileadmin/0themen/RFID/dokumente/sprengelRFIDgutachten.pdf, S. 19.
36 Vgl. Kern, Christian (2007): Anwendung von RFID-Systemen : mit 24 Tabellen / Christian Kern. - 2., verb. Aufl.. - Berlin ; Heidelberg ; New York : Springer, 2007, S. 69.
37 Finkenzeller 2006, S. 23.
38 Ebd. S. 24.
39 Verch, Ulrike (2007): Selbstkleben, selbstverbuchend und auch selbstverpflichtend? : Rechtliche Rahmenbedingungen für den Einsatz von RFID-Chips in Bibliotheken / Vortrag gehalten am 19.03.2007 auf dem 3. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek „Information und Ethik“ vom 19.-22.03.2007; online zugänglich unter: http://www.bibliotheksportal.de/fileadmin/0themen/RFID/dokumente/verch-leipzig-2007.pdf, S. 2.
40 Vgl. Finkenzeller 2006, S. 7.
41 Vgl. Kern, Christian (2002): Radio-Frequenz-Identification zur Sicherung und Verbuchung von Medien in Bibliotheken. In: ABI-Technik 22 (2002) H.3/2, S. 248 - 255, hier S. 252. Zu berücksichtigen ist, dass sich die angegebene Reichweite eines Durchgangslesers von 0,90 m bis 1 m sich auf 2 Antennen bezieht.
42 Vgl. Lampe, Flörkemeier, Haller 2005, S. 72.
43 Kern 2002, S. 252.
44 Vgl. ebd., S. 253.
45 Vgl. Kern 2002, S. 253.
46 ISO vereinigt mehr als 150 nationale Standardisierungsorganisationen. Auch das Deutsche Institut für Normung (DIN) arbeitet unter dem Dach von ISO.
47 Vgl. Definition von RFID unter Punkt 3.1.
48 Lampe ; Flörkemeier ; Haller 2005, S. 73.
49 Vgl. Lampe ; Flörkemeier ; Haller 2005 : 73 und Informationsforum RFID (Hrsg.) (2006) : Basiswissen RFID, Berlin, 2006; online zugänglich unter: http://www.info-rfid.de/downloads/basiswissen_rfid.pdf, S.4.
50 Vgl. Informationsforum RFID (Hrsg.) 2006, S. 19.
51 Vgl. Kern 2007, S. 42.
52 Vgl. Kern, Christian ; Schubert, Eva ; Pohl, Marianne (2007): Datenmodel für RFID in Bibliotheken : Arbeiten zur Entwicklung eines internationalen Standards durch ISO aufgenommen. In: Bibliotheksdienst, 41 (2007) H. 1, S. 57 - 58, hier S. 57.
53 Kern ; Schuber ; Pohl 2007, S. 57.
54 Kern, Christian ; Hotz, Gregor (2005): Standards für RFID in Bibliotheken. In: ABI-Technik, 25 (2005), H. 2, S. 125 - 129, hier S. 125.
55 Kern 2007, S. 172.
56 Kern ; Hotz 2005, S. 125.
57 Ebd.
58 Kern 2007, S. 174.
59 ISO 15638 ist zu 90% identisch mit ISO 18000-3 Mode 1.
60 Vgl. Pohl, Marianne ; Schubert, Eva (2007): Nie mehr Schlange stehen – Selbstverbuchung mit RFID. In: Bibliotheksforum Bayern, 1 (2007) H.1, S. 37 - 42, hier S.39.
61 Kern 2005, S. 10.
62 Vgl. Finkenzeller 2006, S. 22.
63 Ebd. S. 32.
64 Ebd. S.46.
65 Vgl. Schoblick, Robert (2005): RFID Radio Frequency Identification : Grundlagen, Eingeführte Systeme, Einsatzbereiche, Datenschutz, Praktische Anwendungsbeispiele / Robert Schoblick ; Gabriele Schoblick. – Poing b. München : Franzis, 2005, S. 45.
66 Finkenzeller 2006, S. 44.
67 Vgl. Lampe ; Flörkemeier ; Haller 2005, S. 74.
68 Lampe ; Flörkemeier ; Haller 2005, S. 75.
69 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Referat Öffentlichkeitsarbeit/P3 (Hrsg.) (2007): RFID : Potentiale für Deutschland : Stand und Perspektiven von Anwendungen auf Basis der Radiofrequenz-Identifikation auf den nationalen und internationalen Märkten / Bovenschulte, Marc….- Berlin, 2007; online zugänglich unter: http://www.vdivdeit.de/Images/publikationen/dokumente/RFID_gesamt.pdf , S. 18.
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