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Noch vor wenigen Jahren war RFID in Bibliotheken vollkommen unbekannt. Viele Öffentliche Bibliotheken hatten gerade erst die Umstellung von Zettelkatalogen auf EDV abgeschlossen, so dass an einen Einsatz von Funkfrequenzerkennung nicht zu denken war. Obwohl schon zu Beginn der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts die ersten RFID-Systeme zielgerichtet eingesetzt wurden, begannen Bibliotheken erst Ende der 90er Jahre mit RFID zu arbeiten. Seit etwa 1997 werden RFID-Systeme für Bibliotheken produziert. Da es sich bei diesen um sog. geschlossene Systeme handelt, in denen die eingesetzten Transponder immer wieder verwendet werden können und weil in Bibliotheken ein relativ großer organisatorischer und logistischer Aufwand nötig ist, um den laufenden Betrieb zu gewährleisten, sind sie für den Einsatz von RFID prädestiniert.
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Die Stadtbibliothek Siegburg war im Jahr 2001 die erste Öffentliche Bibliothek in Deutschland, die die Arbeit mit RFID aufgenommen hatte. Seither ist der Einsatz von RFID in Bibliotheken nichts Außergewöhnliches mehr. Die Öffentlichen Bibliotheken in Stuttgart, Halle, Chemnitz, Stade und Hilden arbeiten neben vielen anderen Öffentlichen Bibliotheken bereits erfolgreich mit RFID. Die Öffentlichen Bücherhallen in Hamburg haben im Jahr 2007 ihre Arbeit auf RFID umgestellt und die Öffentlichen Bibliotheken Berlins, allen voran die Zentral- und Landesbibliothek, befinden sich in der Planungsphase. Von herausragender Bedeutung in der Anwendung von RFID sind die Öffentlichen Bibliotheken Münchens. Seit 2006 wird in den verschiedenen Stadteilbibliotheken und der Zentralbibliothek am Gasteig das europaweit größte RFID-Projekt der Bibliotheksbranche realisiert.
Der Schwerpunkt des RFID-Einsatzes in Öffentlichen Bibliotheken liegt derzeit im Front Office. Das heißt, RFID wird vornehmlich zur Steuerung von Prozessen eingesetzt, die sich im öffentlichen Benutzerbereich abspielen. Der besondere Schwerpunkt liegt dabei auf der Automa-tisierung von Ausleihe, Rückgabe und Sicherung.
Anders als bei vielen Wissenschaftlichen Bibliotheken, führt die Arbeit mit RFID in den Öffentlichen Bibliotheken noch nicht zu 24-stündigen Öffnungszeiten. Auch wenn viele Öffentliche Bibliotheken zusehends mehr zu Lernorten werden, die die Mediennutzung vor Ort fördern, ist die Nutzung der Medienbestände Öffentlicher Bibliotheken vor Ort nicht vergleichbar z.B. mit dem Gebrauch von Präsenzbeständen einer Universitätsbibliothek.
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RFID führt in den Öffentlichen Bibliotheken daher lediglich zu einer Erweiterung der Kernöffnungszeiten durch die Installation von Rückgabeautomaten und bietet durch die Automatisierung von Arbeitsprozessen mehr Zeit für die Betreuung der Bibliothekskunden.
Das am meisten genutzte Einsatzgebiet von RFID in Bibliotheken ist der Bereich der Medienver-buchung. Mit Hilfe von RFID kann die Tätigkeit des Medienverbuchens von einem Bibliotheks-mitarbeiter auf den Kunden übertragen werden. Die Selbstverbuchung ist so einfach gestaltet, dass es dem Kunden möglich ist, nahezu alle Medien selbst zu verbuchen. Smith bemerkt dazu richtig: „RF-ID offers potentially the first solution which can give the borrower a simple and seamless issue procedure while retaining for the library the level of security against abuses that is equal to a staff-operated system.“70
Um einen reibungslosen Ablauf der Verbuchung zu gewährleisten und die gegenseitige Beeinflussung der Lesegeräte und Transponder auszuschließen, sollten die Terminals im Abstand von 2 bis 3 m errichtet werden. Da RFID die Verbuchung von mehreren, sich auf einem Stapel befindenden Medien ermöglicht, sind Ablageflächen unerlässlich. Die bereits verbuchten Medien müssen einen Platz haben, an dem sie nicht noch einmal in das Lesefeld des Readers geraten. Auch bei der RFID-Verbuchung an der Theke müssen gewisse Abstände z.B. zwischen der Antenne des Lesegerätes und anderen metallischen Gegenständen beachtet werden, um eine problemlose Verbuchung zu ermöglichen.
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Der wesentliche Vorzug von RFID gegenüber der klassischen Verbuchung durch Barcodes liegt in der Schnelligkeit der Stapelverbuchung. Aufgrund der Antikollisionsfunktion (oder Pulkfähigkeit) ist ein RFID-Reader in der Lage, mehrere in seinem Ansprechbereich befindliche Transponder synchron zu erfassen und diese unabhängig voneinander zu lesen oder zu beschreiben. Weil zwischen dem Transponder und dem Reader kein direkter Sichtkontakt mehr notwendig ist, müssen Medienpakete oder Bücher bei der Verbuchung nicht mehr geöffnet werden. Die vorgegebenen, mechanischen Handgriffe wie das Aufschlagen des Buches und das korrekte Ausrichten des Scanners über dem Barcode können entfallen.
Probleme bei der Selbstverbuchung bereiten heute aber noch „Bücher, die eine Kaschierung mit einer Metallfolie aufweisen. Diese müssen an der Theke verbucht werden.“71 Auch hinsichtlich vollmetallisierter CD’s72 gibt es derzeit noch Probleme bei der Verbuchung. Weil das Metall der CD’s die Übertragungsleistung des RFID-Etiketts dämpft und die Ringetiketten für CD’s eine kleinere Antenne haben als die Smart Labels in Büchern, kommt es häufig zu Fehlern in der Verbuchung. Außerdem ist eine zuverlässige Detektion im Gate bei vollmetallisierten CD’s nicht zu gewährleisten. Das Anbringen des Transponders auf der Verpackung ist keine befriedigende Lösung, da die CD selbst aus der Hülle entwendet werden kann und ohne Transponder nicht in der Sicherheitsschleuse erkannt werden würde. Da CD’s in Öffentlichen Bibliotheken aber eine häufig nachgefragte Mediengruppe sind, ist hier mit einem erhöhten Diebstahlrisiko zu rechnen. Für diese Medien gilt es darum, zwischen finanziellem Aufwand für die Wiederbeschaffung und den „zusätzlichen Personalkosten abzuwägen, wenn […]. die Medien im Stellvertretersystem […] oder mit Safern (Hüllen, die nur vom Bibliothekspersonal geöffnet werden können) herausgegeben werden“73. Dieses häufig von Skeptikern angeführte Problem ist in der Praxis aber gar nicht so dramatisch. Die Bibliothekare der Öffentlichen Bibliotheken in München haben sich dazu entschlossen, den Kunden positiv gegenüber zu stehen und CD’s auch ohne Sicherung im Freihandbestand aufzustellen. Dieses Vertrauen hat sich ausgezahlt; so betrug die Verlustquote in den ersten 9 Monaten nur 0,03 Prozent der ausgeliehenen CD’s und liegt damit in einem tolerierbaren Rahmen.74
Bibliotheksmedien, die mit RFID-Transpondern ausgestattet sind, können nicht nur mit Hilfe von Verbuchungsstationen entliehen, sondern auch durch Rückgabeautomaten ohne die Beteiligung von Bibliotheksmitarbeitern wieder zurückgegeben werden. Diese Automaten können in Vorräumen oder an Außenwänden so positioniert werden, dass ein Betreten der eigentlichen Bibliothek nicht mehr nötig ist. Dadurch können die Automaten auch außerhalb der Kernöffnungszeiten der Bibliothek benutzt werden. In der Münchner Zentralbibliothek ist die Rückgabe von Medien z. B. an 7 Tagen der Woche von 7 Uhr bis 23 Uhr möglich.
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Probleme bei der automatischen Rückgabe bereiten vor allem mehrteilige Medien. Es muss sichergestellt sein, dass alle Teile vollständig erkannt werden. Wenn nur die Verpackung beispielsweise einer CD-Box mit einem Transponder ausgestattet ist, kann der Automat nur diese Verpackung, nicht aber deren Inhalt erkennen.
Neben mehrteiligen Medien stellt auch die Kontrolle des Zustandes der abgegebenen Medien eine Schwierigkeit dar. Wirft ein Kunde ein beschädigtes Medium in den Rückgabeautomaten, wird dieser es annehmen, ohne auf den Schaden zu reagieren. Die Rückverfolgung des Schadensverursachers über einen längeren Zeitraum, etwa das Wochenende, bereitet hinsichtlich des Datenschutzes Probleme. Die Bibliothek muss vielfach das beschädigte Medium hinnehmen.
Dies als Argument gegen die Einführung von RFID zu verwenden führt aber ins Leere, denn damit der Bestand in Öffentlichen Bibliotheken nicht veraltet, sollten jährlich 10 Prozent des gesamten Medienangebotes erneuert und entsprechend veraltete oder beschädigte Medien makuliert werden. Dadurch wird der Bestand Öffentlicher Bibliotheken, anders als in „Bibliotheken mit Pflichtexemplarrecht und Bibliotheken mit bestandswahrendem Charakter“75, in regelmäßigen Abständen vollständig ausgewechselt.
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Bei der „klassischen Diebstahlsicherung“ werden magnetisierte Metallstreifen, sog. EM Strips auf dem Medium platziert. Das Magnetfeld wird bei der Ausleihe so verändert, dass es nicht mehr von den Antennen im Sicherungsgate erkannt wird.76
Die Diebstahlsicherung mit Hilfe von RFID hat gegenüber dieser „klassischen“ Methode den erheblichen Vorteil, dass das mechanische Sichern bzw. Entsichern der Medien entfällt, da in einem Smart Label Diebstahlsicherung und Medienidentifikationsnummer durch den Mikrochip in einem einzigen Etikett vereint sind. Dadurch wird bei der Ausleihverbuchung mit RFID in nur einem Arbeitsschritt, nämlich dem Auflegen des Bibliotheksmediums auf die entsprechende Fläche des Gerätes, das Medium verbucht und entsichert. Wie bei einem herkömmlichen Diebstahlsicherungs-System lösen nicht verbuchte Medien (AFI ist noch aktiv) im Durchgangsleser ein Alarmsignal aus. Ein Vorteil gegenüber klassischen EM-Diebstahlsicherungen ist die Möglichkeit, dass die vom Durchgangsleser erfassten Daten weiter verarbeitet und ausgewertet werden können. Soll dies geschehen, kann eine Schnittstelle des Reader-Moduls genutzt werden. „Für den Datentransfer an einen PC sind eine entsprechende Datenleitung und eine sog. Gate Tracking Software erforderlich.“77 Dadurch ist es möglich zu registrieren, welche Medien entwendet wurden. Für die Nachbestellung von Medien ist dies eine enorme Erleichterung.
Diese technischen Möglichkeiten lassen unter Umständen in dem einen oder anderen Bibliothekar weiter reichende Einsatzideen aufkommen. Es wäre ein Leichtes, den mit einem RFID-Chip ausgestatteten Benutzerausweis ebenfalls von den Lesegeräten im Gate auslesen zu lassen. Sofern ein Bibliothekskunde mit seinem Ausweis Medien entwenden würde, könnte er sofort identifiziert werden. Technisch wäre dies kein Problem. Aufgrund des Datenschutzes ist ein solches Vorgehen allerdings strengstens verboten.
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Von Nachteil ist die Diebstahlsicherung mit RFID, weil potentielle Diebe leicht das Antworten eines, im Durchgangsleser angesprochenen Etiketts, durch Abschirmung mit Aluminiumfolie unterbinden könnten. Steve Smith stellt hierzu jedoch zurecht fest, „that there never has been and never will be an impregnable or unbeatable security tag – the beast does not exist.”78
Eine Revision dient „der Durchsicht des Bibliotheksbestandes mit dem Ziel, den tatsächlichen Besitz bzw. die Verluste an Bestandseinheiten festzustellen. Revisionen sind ferner eine unerlässliche Aufgabe, um die Ordnung der Bestandsaufstellung […] zu überprüfen und wiederherzustellen.“79
Mit Hilfe von RFID wird die Durchführung einer Revision des Bibliothekbestandes erheblich erleichtert. Weil mit RFID die Übertragbarkeit von Daten auf Distanz möglich ist, kann eine Revision durchgeführt werden, ohne die Medien aus dem Regal zu nehmen.80 Hierzu wird ein mobiles Handlesegerät im Abstand von 10 – 15 cm am Regal entlang geführt.81 Der Lesebereich des Handlesegerätes ist so eng definiert, dass nur Transponder angesprochen werden, die sich direkt vor, oder seitlich neben der Antenne befinden.82 Das Handlesegerät registriert die Medien, die sich in dem Regal befinden anhand ihrer Mediennummer. Durch einen Abgleich mit der Datenbank kann festgestellt werden, welche Medien fehlen, falsch eingestellt sind oder nicht korrekt zurückgebucht wurden.
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Der Vorteil des Einsatzes von RFID bei der Revision ist die enorme Zeitersparnis, die dadurch entsteht, dass die Medien im Regal verbleiben können. Christian Kern geht von einem Zeitbedarf von 10 s für 1 m Regalboden, bei einer durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit von 5 Etiketten pro Sekunde aus.83 Die metallischen Regale wirken sich, anders als Rainer Sprengel in dem RFID-Prüfgutachten ausführt, kaum negativ auf die Funktionsweise des mobilen Lesegerätes aus.84
Allerdings hat auch die RFID-gestützte Revision Nachteile. Diese liegen zum einen darin, dass keine Zustandskontrolle mehr erfolgt, weil die Medien nicht mehr in die Hand genommen werden. Zum anderen ist bei der RFID-gestützten Revision die „Erfassung von CD’s […] gemäss [!] ihrer Position zueinander im Regal nicht mit konstanter Zuverlässigkeit möglich“.85
Zu den Kerngebieten Revision, Diebstahlsicherung, Medienrückgabe und Entleihung, die schon heute erfolgreich in vielen Bibliotheken eingesetzt werden, könnten schon bald eine Vielzahl neuer, nützlicher Anwendungen hinzukommen.
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Mit Hilfe von RFID besteht die Möglichkeit, Medien an jedem Standort in der Bibliothek zu lokalisieren. Das GMD-Institut für Sichere Telekooperation (SIT) hat speziell für die Ortung von Medien in Bibliotheken ein drahtloses Suchsystem mit dem Namen Sm@rtLibrary entwickelt. „In jedem Buch klebt ein Sm@rtLabel, das einen Chip mit individueller Code-Nummer und eine kleine Antenne enthält (Transponder). Das passive System ohne eigene Stromversorgung reagiert auf äußere Signale. Ein Computer schickt eine Suchanfrage über Antennen los, die in der Bibliothek verteilt sind. Aus der Rückantwort des Sm@rtLabel bestimmt die Software den Lageort des Buchs und zeigt diesen an.“86 Das Suchsystem Sm@rt Library wurde im Jahr 2001 auf der CeBit vorgestellt.
Mit Hilfe dieser Technik wäre eine „intelligente Bibliothek“, in der man jedes Medium findet, selbst wenn es gar keinen festen Standplatz hat, leicht realisierbar. Außerdem ließen sich nicht nur Medien jeder Zeit problemlos auffinden, sondern es könnten auch Erhebungen über die Nutzung von Präsenzbeständen gemacht werden. Um dies zu ermöglichen, müssten in den Bücherregalen und unter den Tischen RFID-Reader montiert werden.
Schon im Jahr 2003 haben Stefan Niesner87 und Thomas Rosenfeld88 in ihren Diplomarbeiten auf diese Möglichkeiten hingewiesen. Bis heute ist jedoch keine Bibliothek bekannt, die RFID erfolgreich zur Medienauffindung oder Messung der Präsenzbestandsfrequentierung nutzt.
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RFID könnte in Öffentlichen Bibliotheken nicht nur effizient im Bereich des Front Office einge-setzt, sondern zukünftig auch im Bereich des Back Office (Erwerbung, Bindung, Katalogisierung usw.) genutzt werden. Jürgen Kaestner schreibt in einem Artikel der Zeitschrift Bibliotheksdienst: „Der Informationsträger und seine Repräsentanz, die „Titelaufnahme“, durchlaufen originäre, voneinander getrennte, aber parallele Arbeitsprozesse. Der Informationsträger […] wird zukünftig seine Identifikationsmerkmale in Form eines Transponders (auch Smart Cards, Smart Labels oder radio frequency identification (RFID) genannt) mit sich führen. Zukünftig muss der Transponder direkt bei der Erstellung des Informationsträgers, d.h. beim Erzeuger aufgebracht werden und […] somit die gesamte Prozesskette abdecken.“89
Sofern der Transponder an den verschiedenen Stationen der Medienverwertungskette ausgelesen und mit zusätzlichen Daten versehen wird, würden diese gespeicherten Daten zukünftig die Grundlage der Titelaufnahme bilden. Ein wesentlicher Vorteil dieses Verfahrens wären identische Ausgabeformate, die sich nur noch hinsichtlich ihrer Verwendung und des Umfangs unterscheiden ließen. Die Konsequenz wären einheitliche Buchhandels- und Bibliothekskataloge. Außerdem gäbe es keinen „Unterschied mehr zwischen „Titelaufnahme“ und Referenzierung eines Objekts im wissenschaftlichen Diskurs“90.
Die Titelaufnahme kann mittels RFID nicht nur beschleunigt, sondern in Form manueller Tätigkeit sogar ganz ersetzt werden. Es wäre durchaus denkbar, dass ein in der Bibliothek eintreffendes Medium an einem Lesegerät vorbei geführt wird und der Transponder des Mediums eine vorher definierte Menge von Daten an das Lesegerät sendet. Danach „verknüpft [er] sich durch entsprechende Merkmale mit dem Bestelldatensatz und erhält einen Signaturcode zugeteilt. Dieser Signaturcode wird einerseits zurück an den Informationsträger übertragen, andererseits können die Daten an ein Verbundsystem als Bestandsnachweis gemeldet werden“.91 Damit wäre die Titelaufnahme fast ohne menschliche Hilfe möglich. Problematisch ist dabei jedoch, dass für eine Übertragung der Daten aus der gesamten Medienverwertungskette in das Bibliothekssystem ein einheitliches Datenmodell existieren müsste, auf welches sich nicht nur alle Bibliotheken, sondern auch die Verlage, Library Supplier und Buchhändler verbindlich festlegen. Dies scheint heute, trotz großer Bemühungen im Bereich der Standardisierung ausgeschlossen.
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Auch der Bibliotheksausweis, der üblicherweise mit Strichcode oder Magnetstreifen ausgestattet ist, kann mit einem RFID-Transponder ausgerüstet werden. Der Gewinn eines RFID-Ausweises z.B. mit Lade- und Bezahlfunktion für Gebühren, Kopien usw. liegt in dem erhöhten Komfort für die Bibliothekskunden. Die Möglichkeit, den Bibliotheksausweis mit einem Guthaben aufzuladen wäre ein großer Vorteil gegenüber herkömmlichen Ausweisen. Bisher ist der RFID-Bibliotheksausweis jedoch nicht weit verbreitet, da u.a. die Anforderungen an die Datensicherheit mit seiner Einführung drastisch steigen würden. Außerdem würden Maßnahmen der Funkabschirmung rechtlich zwingend werden. Bisher überwiegt folglich der Aufwand, den Bibliotheken in dieser Hinsicht betreiben müssten bei weitem den Nutzen, der für die Bibliothekskunden entstünde.
70 Smith, Steve (1999): RF-ID: miracle or mirage? In: Vine, 112 (1999), S. 43 - 49, hier S. 46.
71 Kern 2007, S. 149.
72 Der Einfachheit halber soll hier nur von CD’s gesprochen werden. DVD’s, CD-Roms und SACD’s sind aber ebenso gemeint.
73 Kern 2007, S. 143.
74 Pohl ; Schubert 2007, S. 40.
75 Sprengel 2007, S. 29.
76 Thiesse 2005, S. 293.
77 Kern 2007, S. 157.
78 Smith 1999, S. 48.
79 Ewert, Gisela ; Umstätter, Walther (1997): Lehrbuch der Bibliotheksverwaltung. - Stuttgart : Hiersemann, 1997, S. 94.
80 Vgl. Smith 1999, S. 45.
81 Vgl. Kern 2007, S. 160.
82 Ebd. S. 161.
83 Kern 2007, S. 160.
84 Vgl. Sprengel 2007, S. 32 und Kern 2007, S. 162. Christian Kern schreibt zu diesem Problem: „Mehrere Praxisberichte haben ergeben, dass sich Metallregale nur geringfügig oder gar nicht auf die Erfassungsqualität der Bücher auswirken.“
85 Kern 2007, S. 161.
86 http://www.heise.de/ct/01/07/018/default.shtml
87 Vgl. Niesner, Stefan (2003): RFID-Systeme zur Medienidentifikation in Bibliotheken / Diplomarbeit im Studiengang Bibliothekswesen, Fakultät für Informations- und Kommunikationswissenschaft der Fachhochschule Köln. - Köln, 2003; online zugänglich unter: http://www.forum-benutzung.de/pub/bscw.cgi/d18837/RFID-Systeme%20zur%20Medienidentifikation%20in%20Bibliotheken%20/%20von%20Stefan%20Niesner.
88 Vgl. Rosenfeld, Thomas (2005): Theoretische Ansatzpunkte und Konzeption zur Einführung von RFID am Beispiel der Bibliothek der Fachhochschule Brandenburg / vorgelegt von Thomas Rosenfeld. - Brandenburg an d. Havel, 2005; online zugänglich unter: http://opus.kobv.de/fhbrb/volltexte/2006/2/.
89 Kaestner, Jürgen (2002): Die Katalogisierung der Zukunft: 10 Thesen. In: Bibliotheksdienst, 36 (2002) H.10, S. 1278 - 1292; online zugänglich unter: http://bibliotheksdienst.zlb.de/2002/02_10_08.pdf, S. 1285.
90 Ebd. S. 1286.
91 Ebd. S. 1287.
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