5. Einsatz von RFID in Öffentlichen Bibliotheken aus ökonomischer Sicht

5.1. Wirtschaftlichkeit von Öffentlichen Bibliotheken

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„Bibliotheken sind der Gesellschaft lieb und teuer, und in ihrer öffentlichen Wahrnehmung oft nur teuer.“92 Mit diesem Zitat beschreibt Cornelia Stabrodt treffend die gegenwärtige Situation der Bibliotheken. Öffentliche Bibliotheken sind der Gesellschaft lieb, weil sie ein Ausdruck des spezifisch sozialen Staatsverständnisses der Bundesrepublik Deutschland sind. Die Bundesrepublik leistet sich Öffentliche Bibliotheken zur Deckung eines Kollektivbedarfs, weil der freie Markt kein vergleichbares Angebot hervorbringen würde oder die Marktkräfte zwar ein Angebot erzeugen könnten, dieses aber aufgrund der monetären Gewinnbestrebungen jedes Unternehmens zu großen sozialen Ungerechtigkeiten führen würde.

Dennoch vertreten weite Kreise der Gesellschaft die Ansicht, dass Bibliotheken un-wirtschaftlich seien. Verantwortlich für diese krisenhafte Entwicklung ist u.a. die Finanzproblematik des öffentlichen Sektors, die durch die rezessiven, konjunkturellen Schwierigkeiten in der jüngeren Vergangenheit zu rückläufigen Steuereinnahmen geführt hat.93 Zeitgleich mit den zurückgehenden Einnahmen ist die Vielfalt und Intensität der kommunalen Aufgaben gewachsen. Öffentliche Bibliotheken verlieren vor diesem Hintergrund zwar nicht ihre Bedeutung im Bewusstsein der Gesellschaft; dennoch rücken andere kostenintensive Verpflichtungen der Kommunen in den Vordergrund des Interesses. Kollektive kommunale Leistungen wie die Schaffung, Förderung und Erhaltung von Bildungsmöglichkeiten, die Infrastruktursicherung und die Bereitstellung von Freizeitangeboten treten hinter der Wirtschaftsförderung zur Schaffung und Erhaltung von Beschäftigungsmöglichkeiten zurück.94 Hieraus ergibt sich folgende Frage: Können Öffentliche Bibliotheken überhaupt wirtschaftlich rentabel sein? Öffentliche Bibliotheken sind Nonprofit-Organisationen. In der Betriebwirtschaftslehre werden solche Organisationen als Zuschussbetriebe definiert, d.h. sie dienen der Befriedigung eines Kollektivbedarfs und erreichen keine Kostendeckung, sondern werden durch Zuschüsse der tragenden Gebietskörperschaften finanziert.95

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Öffentliche Bibliotheken verursachen Kosten, ohne diese selbst zu decken, geschweige denn einen monetären Gewinn erwirtschaften zu können.96 Im betriebswirtschaftlichen Sinne sind sie demnach unrentable Einrichtungen. Dennoch können sie - gesamtgesellschaftlich betrachtet - wirtschaftlich sinnvolle Einrichtungen sein. Unter Wirtschaftlichkeit wird in der Betriebswirtschaftslehre das Maß der Einhaltung des ökonomischen Prinzips verstanden, „welches verlangt, ein vorgegebenes Ziel mit dem geringsten Mitteleinsatz zu erreichen (Minimumprinzip) oder mit einem vorgegebenen Mitteleinsatz eine möglichst weitgehende Zielerreichung zu bewirken (Maximumprinzip)“.97 Diese Definition ist ohne Probleme positiv auf Bibliotheken anwendbar. Weil Bibliotheken Nonprofit-Organisationen sind, arbeiten sie nicht gewinn- sondern zielorientiert. Darum kann die Wirtschaftlichkeit einer Bibliothek nicht gemessen werden, indem man den durch sie erzeugten monetären Gewinn betrachtet, sondern ihre Wirtschaftlichkeit muss an dem gesellschaftlichen Mehrwert gemessen werden, der durch ihre Existenz entsteht.98 Die Schwierigkeit besteht nun darin, dass der Mehrwert, den Bibliotheken erzeugen, schwerlich konkret messbar ist. Die Förderung von mehr Lebensqualität durch den gleichen, freien Zugang zu Kultur und Wissen, Hilfe bei der Persönlichkeitsentwicklung, Erholung, Förderung der Gemeinschaftsbildung, Minderung der sozialen Isolation und Förderung der Bildung sind anhand konkreter Gewinnzahlen nicht zu bemessen. Es bleiben immer nur Vermutungen, wie hoch die Mehrausgaben jedes einzelnen Bürgers wären, welche Informationen er nie erhalten hätte, weil er das entsprechende Medium nie selbst hätte kaufen können oder welche Nachteile sich für die gesamte Kommune aus dem Fehlen einer Öffentlichen Bibliothek ergeben würden.

Voraussetzung dafür, dass eine Bibliothek eine wirtschaftlich sinnvolle Einrichtung ist, ist ihre hohe Leistungsfähigkeit. Denn nur bei hoher Leistungsfähigkeit kann die Bibliothek eine große Zahl an Bibliothekskunden betreuen. Eine häufig genutzte Bibliothek bringt einen entsprechend größeren wirtschaftlichen Nutzen für die Kommune als eine wenig genutzte.

Aus diesem Grund spielt die Kundenzufriedenheit für Öffentliche Bibliotheken eine besonders große Rolle. Um diese zu gewährleisten, kann die Einführung von RFID eine wichtige Hilfe sein. Die Technik erlaubt es, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten und dadurch Kapazitäten für ein erhöhtes Dienstleistungsangebot, im Sinne des Maximumprinzips, freizusetzen. Ein verbesserter Service und neue Dienstleistungen tragen zur Attraktivitätssteigerung und damit unmittelbar zu einer stärkeren Frequentierung der Bibliothek bei.

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Öffentliche Bibliotheken sind demnach dann wirtschaftlich rentable Einrichtungen, wenn sie von möglichst vielen Menschen genutzt werden und die Dienstleistungen innerhalb einer Bibliothek entsprechend dem Maximumprinzip erstellt werden. Unter diesen Vorraussetzungen steht der Aufwand für die Unterhaltung und Organisation in einem wirtschaftlich sinnvollen Verhältnis zu dem Nutzen, den die Bevölkerung aus den Dienstleistungen der Bibliothek ziehen kann.

5.2. Möglichkeiten der betriebswirtschaftlichen Analyse in Bibliotheken

Damit Bibliotheken trotz immerwährender Etatkürzungen und der flächendeckenden Einführung von Benutzergebühren attraktiv bleiben, sind betriebswirtschaftliche Analysen erforderlich. Wirt-schaftsanalytische Methoden, wie sie in der Privatwirtschaft gebräuchlich sind, lassen sich jedoch auf den öffentlichen Bereich nur schwer anwenden. Märkte und Konkurrenz, die privatwirtschaftlich von existentieller Bedeutung sind, haben in öffentlichen Einrichtungen kaum eine Wirkungskraft. Darum haben sich in diesem Bereich andere ökonomische Kontroll- und Steuerungsmechanismen herausgebildet.

5.2.1. Kosten- und Leistungsrechnung 

Die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) hat sich in vielen, durch Steuergelder finanzierten Einrichtungen als wirkungsvolle Möglichkeit herauskristallisiert, Kosten und Leistungen transparent und dadurch vergleichbar zu machen. Die KLR ist „eine Systematik zur Erfassung und Zurechnung von Kosten […] in und zu einzelnen Bereichen bzw. Funktionen der Organisation, also z.B. einzelnen Arbeitsgebieten in der Bibliothek und verschiedenen Standorten. Ihr Zweck ist die Ermittlung der Funktionen, Orte etc., an denen Kosten im Zusammenhang mit der Leistungserstellung entstehen bzw. sinnvoll zugeordnet werden können.“99 Das umfassende Datenmaterial zu Input und Output das im Zuge der KLR gesammelt wird, kann nicht nur zum Zweck der Kontrolle eingesetzt werden, sondern dient gleichermaßen auch der Planung und Steuerung.

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Einschränkend ist jedoch zu bemerken, dass in Nonprofit- Organisationen wirtschaftliche Überlegungen meist rein instrumentellen Charakter haben. Um ihre Aufgaben erfüllen zu können, sind sie auf finanzielle Ressourcen angewiesen. Da diese ein knappes Gut sind, müssen sie aufgeteilt und deren Einsatz kontrolliert werden. Die KLR dient in Nonprofit- Organisationen wie Bibliotheken also vornehmlich der Kontrolle des Ressourceneinsatzes. Hier steht die Frage im Vordergrund „Was passiert eigentlich mit den Ressourcen?“ und nicht die Frage, ob die Arbeit auch wirtschaftlich rentabel ist, sie also mehr Leistungen erbringt als Kosten verursacht.100 

Die KLR als Steuerungsmechanismus in Bibliotheken einzusetzen ist schwierig, da viele Bibliotheken nicht frei über Haushaltsmittel verfügen können. Dies ist aber eine wesentliche Vorrausetzung dafür, dass die KLR als Steuerungsmechanismus effektiv eingesetzt werden kann. Das kameralistische Haushaltsrecht müsste zugunsten eines neuen Steuerungsmodells abgelöst werden.101 Dass dies in der Umsetzung sehr schwierig ist, zeigt die DBS. Im Jahr 2006 haben 5864 Öffentliche Bibliotheken Angaben zu ihrer Haushaltsführung gemacht. Von diesen Bibliotheken verfügten 4795 über einen kameralistischen Haushaltsplan. 407 Bibliotheken arbeiteten mit einem teilbudgetierten und 460 mit einem budgetierten Haushalt. 202 Bibliotheken waren kaufmännisch organisiert.102 Da mehr als 80 Prozent der Öffentlichen Bibliotheken noch mit einem kameralistischen Haushalt arbeiten, hat der Einsatz von KLR als Steuerungsmecha-nismus nur eine untergeordnete Bedeutung.

Konkret wird die KLR in Bibliotheken eingesetzt um Kostenvergleiche durchführen zu können. Vergleiche von geplanten und tatsächlich verbrauchten Kosten (Plankostenrechnung, Ist-Kostenrechnung) sind genauso möglich, wie der Vergleich von Kosten für die Generierung eines Produktes in der Bibliothek mit den Kosten für die Erwerbung dieses Produktes als Fremdleistung.

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Besonders interessant ist die KLR auch im Bezug auf RFID. Denn sie dient dem Kostenvergleich im Bereich der Investitionsrechnung. „Investitionen dienen in vielen Fällen der Rationalisierung, d.h. dem Ersatz von Arbeitsplätzen bezahlter Mitarbeiter durch Maschinen bzw. Computer. Die Kostenrechnung kann herausfinden, ob eine Investition im Ergebnis Personalkosten mindestens in der Höhe der Investitionsmittel einspart.“103 Mit Hilfe der KLR kann also überprüft werden, ob sich die Selbstverbuchung mittels RFID in einer Bibliothek rentiert.

5.2.2. Kosten- Nutzenanalyse104

Während die KLR die Effizienz einer Organisation ermittelt, geht es in der Kosten-Nutzenanalyse vielmehr um deren Effektivität. Da Öffentliche Bibliotheken keinen monetären Gewinn erwirtschaften, kommt es für sie darauf an, welchen gesellschaftlichen Mehrwert sie erzeugen. Mit Hilfe von Kosten-Nutzenanalysen kann dieser Mehrwert ermittelt werden.

Bei der Durchführung einer solchen Analyse wird der Kostenseite (Jahresbudget einer Bibliothek) der gesamte Jahresumsatz gegenüber gestellt. Für die einzelnen Medien bzw. Dienstleistungen werden häufig Schätzwerte herangezogen, die anhand durchschnittlicher Angaben von Preisen des Marktes ermittelt werden. Diese Schätzwerte werden mit den jeweiligen Nutzungsangaben hochgerechnet und summiert. Im Ergebnis erhält man den geschätzten Gesamtgewinn der Bibliothek, der in einem Jahr erzielt wurde.105 Von diesem Gewinn wird der Kostenaufwand abgezogen, so dass im Resultat der tatsächlich erzielte Gewinn bleibt.

5.2.3. Betriebsvergleiche

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Mit Hilfe der Erhebung von Kennzahlen ist ein erster Schritt zur Standortbestimmung und Leis-tungsmessung von Bibliotheken getan. Durch den Vergleich von Kennzahlen mit anderen Bibli-otheken können Leistungen einander gegenübergestellt und bewertet werden. Stärken und Schwächen werden kollationiert und gemeinsam analysiert. Die Bibliotheken haben die Möglichkeit sich gegenseitig zu unterstützen, indem die schwächeren Bibliotheken von solchen mit Vorbildcharakter profitieren.

Praktisch angewendet wurden Betriebsvergleiche u.a. in dem Projekt „Betriebsvergleich an Öffentlichen Bibliotheken“ der Bertelsmann Stiftung. Dort wurden in den Jahren von 1992 – 1997 aussagefähige Erkenntnisse zum Vergleich der Bibliotheken untereinander erarbeitet. Ziel des Projektes war es, den Bibliotheken eine Plattform zu bieten, auf der die eigenen Leistungen objektiv eingeschätzt und Stärken und Schwächen im Vergleich mit anderen Einrichtungen herausgearbeitet werden konnten.

Das Nachfolgeprojekt des Betriebsvergleichs an Öffentlichen Bibliotheken ist der Biblio-theksindex BIX. Der BIX vergleicht Eckdaten, die von fast allen Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland erhoben werden und ermittelt nach einem bestimmten Schlüssel die Leistungsbilanz der teilnehmenden Bibliotheken. Als Ergebnis entsteht eine Rankingliste, die sowohl im Internet als auch in Printform veröffentlicht wird.

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„Der BIX ist ein freiwilliges Vergleichsinstrument für Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken. Ziel dieses bundesweiten Jahresvergleiches ist es, die Leistungsfähigkeit von Bibli-otheken in aussagekräftiger Form zu beschreiben und durch Leistungstransparenz zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Bibliothek, Verwaltung und Politik beizutragen.“106 Die Leistungsmessung erfolgt anhand von 17 Leistungsindikatoren in den vier Kategorien Auftragserfüllung, Wirtschaftlichkeit, Kunden- und Mitarbeiterorientierung. Bei der Auftragserfüllung interessiert in erster Linie die Ausstattung der Bibliothek. Unter dem Punkt Wirtschaftlichkeit ist der optimale Einsatz von vorhandenen Ressourcen zu verstehen. Anhand der Platzierung im Bereich Wirtschaftlichkeit können Bibliotheken überprüfen, ob die Einführung von RFID zu der gewünschten Rentabilität und damit zu einer besseren Platzierung im Ranking geführt hat. Der Punkt Mitarbeiterorientierung gibt Auskunft über Motivation, Ehrgeiz und Identifikation der Mitarbeiter mit der Einrichtung, während in der Kategorie Kundenorientierung das Verhältnis von Angebot und Nachfrage beschrieben wird.

5.3. RFID-Prüfgutachten für die Öffentlichen Bibliotheken Berlins

Im Zeitraum vom 11. September 2006 bis 2. Februar 2007 hat Dr. Rainer Sprengel auf Antrag der Verbundkonferenz ein Prüfgutachten zur Einsatzmöglichkeit von RFID in den Öffentlichen Bibliotheken Berlins erarbeitet. Dieser Prüfbericht umfasst im Wesentlichen die vier Abschnitte Wirtschaftlichkeit, Finanzierung, Organisation und Folgeeinschätzungen. Das Prüfgutachten orientiert sich an den Erfahrungen, die RFID-Anwenderbibliotheken in Stuttgart, München, Hamburg und an weiteren Standorten mit RFID gesammelt haben.

Für die Betrachtung der Wirtschaftlichkeit im Sinne einer monetären Rentabilität wurden alle Kosten- und Nutzenaspekte vollständig erfasst. Auch eine „erweiterte Wirtschaftlichkeitsrechnung“ unter Betrachtung der Nutzwertanalyse wurde durchgeführt. Die Feststellung einer monetären Rentabilität und/oder ein positives Ergebnis der Nutzwertanalyse waren Voraussetzung für die weitere Projektplanung.

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Tabelle 1: Bibliothekstypen107

Bibliothekstyp

Bestandsgröße

Entleihungen pro Jahr

Typ 1

>100.000 ME

>400.000

Typ 2

50.000-100.000 ME

200.000-400.000

Typ 3

25.000-50.000 ME

100.000-200.000

Typ 4

<25.000 ME

<100.000

Typ 5

Sonderfall große Zentral-ÖB

mit weiteren Funktionen

Um der Bibliothekslandschaft in Berlin Rechnung zu tragen, wurden die verschiedenen Biblio-thekstypen in fünf Gruppen dargestellt. Die ersten vier Bibliothekstypen spiegeln das bezirkliche Bibliothekswesen wieder, während der Bibliothekstyp 5 die Zentral- und Landesbibliothek darstellt.108 Im Ergebnis dieser Wirtschaftlichkeitsrechnung stellt Rainer Sprengel für das Berliner Bibliothekssystem fest, dass die Einführung von RFID monetär rentabel ist. „Monetär rentabel ist ein Projekt dann zu nennen, wenn das Ergebnis der Verrechnung aller haushaltswirksamen und nicht haushaltswirksamen Beträge einen positiven Ertrag erbringt.“109 Aus der kapitalwerten Verrechnung aller haushaltswirksamen und nicht haushaltswirksamen Kosten- und Nutzenbeträge ergibt sich in einem 10-Jahres-Zeitraum für die Bibliotheken des Typs 1-4 ein positiver Wert. Nur für die Typ 5 Bibliothek ergibt sich in der Wirtschaftlichkeitsrechnung ein Minus, d.h. hier liegt keine monetäre Rentabilität vor.

Tabelle 2: Monetäre Rentabilität von RFID in den ÖB von Berlin110

Bibliothek Typ 1 (>400 Tsd. Entleihungen)

+567.692,- €

Bibliothek Typ 2 (200-400 Tsd. Entleihungen)

+254.359,- €

Bibliothek Typ 3 (100-200 Tsd. Entleihungen)

+123.712,- €

Bibliothek Typ 4 (<100 Tsd. Entleihungen)

+ 30.359,- €

Bibliothek Typ 5 (ZLB)

- 338.920,- €

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Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass sich bei der Hochrechnung eines durchschnittlichen Berliner Bezirks im 10-Jahres-Ergebnis ein deutlicher monetärer Gewinn durch die Einführung von RFID abzeichnen würde. Eindeutig hat sich bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung das Prinzip heraus-kristallisiert, dass bei den Bibliotheken des Typs 1-4 der monetäre Gewinn umso höher ausfällt, je größer die Leistungskraft im Bereich der Entleihungen ist.

Der negative Wert der Typ 5 Bibliothek liegt darin begründet, dass die ZLB eine Wissenschaftliche Bibliothek ist und über das Pflichtexemplarbibliothek für das Land Berlin verfügt. Zwar entfernt auch sie veraltete Medien aus ihren Beständen, doch übertrifft der Zugang die Abgänge erheblich. Der Bestand wächst demnach kontinuierlich und ist gleichzeitig nicht so sehr auf aktuelle Gebrauchsinteressen ausgerichtet. Diese Tatsache führt dazu, dass der Umsatz im Verhältnis zur Bestandszahl vergleichsweise niedrig ist. Folglich fällt die erreichbare Rentabilität im Verhältnis zu den Beständen, die alle für RFID ausleihfähig gemacht werden müssten, grundsätzlich niedriger aus.111

5.4. Abhängigkeit der wirtschaftlichen Rentabilität von der Kundenakzeptanz 

Kosten-Nutzenanalyse und KLR sind im Bezug auf den wirtschaftlichen Nutzen von Radio Frequency Identification in Öffentlichen Bibliotheken nur bedingt aussagefähig. Weil es sich hierbei um rein theoretische Disziplinen des internen Rechnungswesens handelt, können mit Hilfe von KLR und Kosten- Nutzenanalysen keine begründeten Aussagen über die Akzeptanz oder die mögliche Ablehnung von RFID in Öffentlichen Bibliotheken seitens der Bibliothekskunden gemacht werden.

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Der ökonomisch rentable Einsatz von RFID in Öffentlichen Bibliotheken hängt, wie Rainer Sprengel gezeigt hat, unmittelbar mit der starken Benutzung der Bestände zusammen. Es ist einsichtig, dass die hochgradige Akzeptanz der RFID-Geräte durch die Kunden maßgeblich für die Benutzung und dadurch auch von Bedeutung für die wirtschaftliche Rentabilität der Technik ist.112 Das Maximum an wirtschaftlicher Effizienz von RFID wird erreicht, wenn Verbuchung bzw. Medienrückgabe automatisiert werden und ohne Hilfe eines Bibliotheksmitarbeiters durchgeführt werden können. Dass die Medienverbuchung durch einen Bibliotheksmitarbeiter mit Hilfe von RFID ein unnötiger Zwischenschritt ist, zeigen die Erfolge u.a. der Münchner Stadtbibliotheken, die fast 90 Prozent aller Ausleih- und Rückgabevorgänge auf den Bibliothekskunden übertragen haben. Nur bei einer sehr hohen Frequentierung der Ausleih- und Rückgabestationen können Bibliotheksmitarbeiter für andere Dienste eingesetzt oder Stellen eingespart werden. Sollten nach der Einführung von RFID annähernd gleich viele Bibliotheksmitarbeiter mit Verbuchungs- und Rücknahmetätigkeiten beschäftigt sein wie vorher, so hätte sich die Investition nicht rentiert, weil ohne freie Personalkapazität keine neuen bzw. qualitativ hochwertigeren Dienstleistungen angeboten werden können.

Vor der Einführung von RFID in einer Bibliothek sollte darum versucht werden, die Gründe für eine mögliche Ablehnung der Technik seitens der Bibliothekskunden zu ermitteln und dementsprechenden Vorbehalten oder konkreten Problemen vorzubeugen. Die Akzeptanz von RFID-Selbstverbuchungsgeräten, deren Anleitung auf dem Monitor ausschließlich in deutscher Sprache erfolgt, wird in einer Stadtteilbibliothek mit hohem Anteil nicht deutschsprachiger Anwohner sehr gering sein. Zu bedenken sind auch bauliche Gegebenheiten. Selbstverbuchungs- und Rückgabeterminals müssen so gestaltet sein, dass sie auch für Menschen mit Aktivitätsbeschränkung ohne Probleme zu bedienen sind.

Bei der Einführung von RFID in einer Bibliothek ist demnach genau zu prüfen, welche Klientel die Bibliothek nutzt und ob die Bibliothekskunden willens und fähig sind, mit dieser neuen Technik umzugehen.

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Sind alle grundlegenden Probleme der Benutzung ausgeräumt, kommt es in der ersten Be-triebsphase darauf an, dass geschulte Mitarbeiter Berührungsängste abbauen und souverän den Umgang mit der Technik vermitteln. Es leuchtet ein, dass die Einführung von RFID in einer Kinderbibliothek anders begleitet werden muss, als in einer Bibliothek in der hauptsächlich junge Leute, Migranten oder Rentner zur Zielgruppe gehören. Soll die Einführung von RFID ökonomisch rentabel sein, müssen folglich die Bedürfnisse und Ängste der Zielgruppe ermittelt und bei der Einführung entsprechend berücksichtigt werden. Da diese Aspekte nicht durch KLR oder eine Kosten- Nutzenanalyse wiedergegeben werden, ist der Erfahrungsaustausch der zukünftigen Anwenderbibliotheken mit solchen, die bereits erfolgreich mit RFID arbeiten, unerlässlich. Planungs- und Entwicklungskosten müssen darum genauso bedacht werden, wie Kosten für Benutzerbefragungen und den internen Erfahrungsaustausch z.B. durch Mitarbeiterreisen.

Da die Rentabilität von RFID in einer Bibliothek in erheblichem Maß von der Nutzung der Kunden abhängt, könnten Bibliotheken zukünftig auch zu der Möglichkeit greifen, die fortgesetzte Durchführung von Diensten, die nach der Einführung von RFID eigentlich selbst durchgeführt werden sollten, zu verteuern. Vergleichbar wäre ein solches Vorgehen mit dem von Banken. Durch die Einführung von Bankautomaten sind Vorgänge wie Überweisungen, Kontoauszüge oder Geldabhebungen ohne Wahrnehmung personeller Ressourcen möglich. Die daraus resultierenden Einsparungen haben Banken, im Sinne eines positiven Anreizsystems, teilweise in günstigere Kontoführungsgebühren umgelegt. Möchte ein Kunde diese Dienstleistungen aber nicht am Automaten, sondern durch einen Menschen ausgeführt sehen, so muss er nun dafür bezahlen. Ähnlich könnten auch Bibliotheken über monetäre Anreize ihre Kunden „zwingen“, die RFID-gestützten Selbstverbuchungs- und Rückgabegeräte zu benutzen. Ökonomisch ist ein solches Verhalten sinnvoll, doch ob eine Bibliothek mit dem Mittel der Verteuerung von „menschlich“ wahrgenommenen Dienstleitungen nach deren Automatisierung arbeiten sollte, ist fraglich.

5.5. Kosten für RFID-Komponenten

Bei der Einführung von RFID in einer Bibliothek sind eine Reihe unterschiedlicher Kosten-positionen zu bedenken. Neben den wesentlichen Komponenten wie Transponder, Gates, Selbstverbuchungsterminals und Rückgabeautomaten, müssen auch Folgekosten wie etwa Umbaumaßnahmen, Mitarbeiterschulungen und eventuelle Veränderungen in der Dotierung von Stellen berücksichtigt werden.

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Die Preise für Transponder sind ein viel diskutiertes Thema, wohingegen die Kosten für alle anderen Bestandteile eines RFID-Systems in der Literatur kaum besprochen werden. Auf direkte Anfragen reagierten die Herstellerfirmen 3M, EasyCheck, Bibliotheca RFID Library Systems, Checkpoint Systems, Intellident, Sensormatic, TAGSYS, VTLS und Nedap allesamt zurückhaltend.113 Nur die Firma Novatec war bereit, auf meine Anfrage hin, konkrete Preisauskünfte zu erteilen.114 Auch die Bibliotheken, die schon erfolgreich mit RFID arbeiten, gaben auf Anfrage nur grob geschätzte Preise an, so dass konkrete Preisinformationen bezüglich der RFID-Komponenten kaum möglich sind.

5.5.1. Transponder

Da eine sinnvolle Nutzung von RFID nur möglich ist, wenn alle Bibliotheksmedien mit RFID-Transpondern ausgestattet sind, handelt es sich bei ihnen um die mengenmäßig größte Komponente des RFID-Systems. Je nach Bestandsgröße sind daher unterschiedlich hohe finanzielle Kosten für die Ausrüstung der Medien mit Transpondern zu bewältigen. Bei allen Fachleuten die sich mit dem Thema RFID in Bibliotheken beschäftigen, herrscht Konsens darüber, dass für die erfolgreiche Etablierung von RFID in Bibliotheken die Preisentwicklung der Transponder entscheidend sein wird.

Christian Kern geht im Jahr 2002 von einem Preis von „knapp unter 1 EUR“115 bei einer Abnahme von 200.000 Transpondern aus. Im Jahr 2003 sind die „Preise für RFID-Eiketten […] durch die Anwendungen in anderen Bereichen (z.B. Industrie, Personenidentifikation) um etwa 50%[…] gesunken.“116 Im Jahr 2006 veranschlagt Wolfgang Ratzek unter Bezugnahme auf Mathias Randecker von der ekz.bibliotheksservice GmbH nach Abnahmemenge gestaffelte Preise von 0,90 € bei einer Abnahme von mindestens 10.000 Transpondern, 0,45 € bei 100.000 Transpondern und 0,36 € bei einer Abnahme von 250.000 Stück.117 Stefan Niesner gibt unter Bezugnahme auf den Bibliothekartag 2006 einen Preis von 0,31 € bei einer Abnahme von 1 Mio. Transpondern an.118 Rainer Sprengel kalkuliert im RFID-Prüfgutachten Transponderpreise zwischen 0,24 € und 0,31 € pro Etikett bei einer Stückzahl ab 400.000.119

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Problematisch daran ist, dass nur wenige Öffentliche Bibliotheken bei der ersten Einführung von RFID eine solche Menge an Transpondern benötigen werden. Schon ein grober Überblick in der DBS ergibt, dass nur drei der teilnehmenden Öffentlichen Bibliotheken über einen Bestand von mehr als 1 Mio. Medien verfügen. Der größte Teil der Bibliotheken hat einen Bestand im vier- und fünfstelligen Bereich120 und wäre damit von den günstigsten Preisen ausgeschlossen. Da kleinere Bibliotheken naturgemäß nicht über größere Etats verfügen als Bibliotheken mit Millionenbeständen, trifft sie eine Preisstaffelung nach abgenommener Stückzahl sehr hart. Rainer Sprengel kann anhand einer Erhebung zu den Transponderpreisen im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2006 einen Mengen bedingten Preisunterschied (bei dem gleichen Anbieter) von bis zu 15 Prozent feststellen.121

Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang, dass Folgebestellungen für den laufenden Betrieb aufgrund der geringeren Menge nicht mehr zu den gleichen Konditionen realisiert werden können. Da es sich bei Bibliotheken aber um geschlossene Systeme handelt, d.h. grundsätzlich alle Medien wieder in den Kreislauf einfließen, ist die Zahl der laufend zu erwerbenden Transponder kalkulierbar.122 Ein möglicher Weg auch bei kleinerer Abnahmezahl von den günstigsten Preisen zu partizipieren, wäre die Bildung von Konsortien oder der Vertrieb durch einen Zwischenanbieter, denkbar wäre ein nationaler Bibliotheksverband oder ein Library Supplier.123 Die Preise von RFID-Transpondern differieren nicht nur hinsichtlich der Abnahmemenge, sondern auch in Bezug auf die Speichergröße der Chips. Je mehr Speicherkapazität, desto teurer werden die Chips.

Ein weiterer Preisunterschied ergibt sich durch die Funktionalität. Transponder, die auf gedruckten Medien angebracht werden (die sog. Smart Labels124), sind in der Regel preiswerter als Ringetiketten, AV-Label und CD-Label. Dummy-Etiketten sind je nach abgenommener Menge schon für unter 0,17 € zu erwerben. Booster-Etiketten hingegen (dienen der Unterstützung der Lesereichweite) kosten zwischen 0,74 € und 1,20 €. Für die variable Bedruckung des Smart Labels müssen im Vergleich zu Blanko-Etiketten Preisaufschläge von bis zu 0,03 € akzeptiert werden.125

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Die Preisentwicklung der letzten Jahre lässt vermuten, dass die Preise für RFID-Etiketten weiter sinken werden. Mit großem Interesse werden die Bemühungen von Forschungsinstituten und großen Unternehmen wie Siemens und Infineon verfolgt, die an der Entwicklung von Polymer-Chips arbeiten. Bei diesen Chips wird das teure Kupfer-Silizium durch preiswertere, lösliche Hightech-Kunststoffe ersetzt.126 Die Erwartungen bezüglich dieses preiswerte Massenprodukts, das einmal unter 0,10 € kosten soll, sind enorm hoch.

5.5.2. Gates

Wie auch bei den Transpondern sinken die Preise für Sicherungsgates mit der allmählichen Etablierung der Technik. Im Jahr 2002 hat die Stadtbibliothek Kronberg im Taunus noch 18.600 € für ein Sicherungsgate investieren müssen.127 Die Kosten, die heute für die Ausstattung einer Bibliothek mit Sicherungsgates entstehen, schwanken je nach Modell und Anbieter zwischen 7.000 € und 15.000 €. Auch die stellvertretende Direktorin der Stuttgarter Stadtbücherei Christine Brunner beziffert die Kosten für ein Doppeltor mit ca. 10.000 €128. Die Firma Novatec bietet Gates, je Durchgang mit zwei Antennen, für ca. 7.000 € an.129

5.5.3. Selbstverbuchungsterminals

Wie hoch die Zahl der nötigen Selbstverbuchungsterminals für einen optimalen Betrieb und die bestmögliche Auslastung in der Bibliothek sein muss, kann nicht pauschal festgestellt werden. Das wichtigste Entscheidungskriterium in Bezug auf die Zahl der Terminals ist mit Sicherheit die Leistung der Bibliothek im Bereich der Ausleihe. Die Münchner Zentralbibliothek hat beispielsweise bei einer täglichen Entleihungsstärke von 6.046 Medien insgesamt vier Selbstverbuchungsterminals installiert und berichtet über keine nennenswerten Warteschlangen vor den Automaten.130

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Neben der Orientierung an anderen Bibliotheken kann auch auf die Erfahrungen von Institutionen, die manuelle Routinearbeiten schon dienstleistungsorientiert auf elektronische Geräte umgestellt haben, zurückgegriffen werden. Beispiele für eine solche Umstellung sind Banken, in denen aus der Bargeldkasse mit einem Kassierer mehrere Geldautomaten wurden oder der öffentliche Personennahverkehr, in dem ein Fahrscheinverkäufer durch zwei bis vier Automaten ersetzt wurde. Diese Erfahrungen zeigen, dass die Arbeit eines Menschen oft durch zwei oder mehr Geräte ersetzt werden muss. Unterschiede in der Anzahl sind durch differierende Funktionsbreiten der Geräte bedingt. Die Preise für die Selbstverbuchungsterminals schwanken zwischen 9.500 € und 22.000 €. Die Kalkulation mit einem mittleren Kostenansatz von 15.000 € erscheint daher sinnvoll.131 Die Firma Novatec berechnet für ein Selbstverbuchungsgerät inklusive Möbel 9.500 €.

5.5.4. Rückgabeautomaten

Da Rückgabeautomaten sehr kostenintensive Anlagen sind, ist deren Anschaffung genau anhand der Bestandsgröße und mit Hilfe der KLR und einer Kosten-Nutzenanalyse zu überprüfen.

Die Kosten für Rückgabeautomaten mit Sortierstationen variieren zwischen 30.000 € und 70.000 €. Für ein Gerät mit einer Dreiersortierung veranschlagt Rainer Sprengel ca. 40.000 €.132 Die Firma Novatec bietet einen Rückgabeautomaten mit Dreiersortierung für den Innenbereich zum Preis von 30.000 € und für den Außenbereich zum Preis von 40.000 € an. Eine Erweiterung um je zwei Sortierstellen kostet bei Novatec ca. 10.000 €.

5.6. Folgekosten 

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Unter Folgekosten sind Kostenpunkte zu verstehen, die neben den Belastungen für reine System-komponenten zusätzlich auf eine Bibliothek zukommen. Dazu zählen u.a. Wartungskosten, Belastungen im Zuge von Umbaumaßnahmen und Gelder für Mitarbeiterschulungen und Personalentwicklung. Kosten für Konvertierungsarbeiten werden vernachlässigt, da analog zu den Arbeiten der Münchener Bibliotheken davon ausgegangen werden kann, dass das Bekleben der Medien mit RFID-Etiketten und die Übertragung der Mediennummern auf den Chip im laufenden Betrieb ohne zusätzliches Personal möglich ist.133

5.6.1. Umbaumaßnahmen

Es ist offensichtlich, dass mit der Einführung von technischen Geräten und vor allem größeren Anlagen wie Rückgabeautomaten, sofern sie mit einer Sortieranlage gekoppelt sind, auch bauliche Veränderungen auf eine Bibliothek zukommen. Grundsätzlich ist bei der Einführung von RFID aber eher an kleinere Baumaßnahmen wie Abgrenzungen, Raumteiler, Aufhängungen, Kabelkanäle, Energieversorgung, und dergleichen zu denken. Diese geringfügigen Umbaumaßnahmen bedürfen keiner größeren Planung, müssen aber sehr wohl hinsichtlich des finanziellen Aufwandes bedacht werden.

Gravierender sind die Umbaumaßnahmen im Zuge der Einführung von RFID, wenn kon-zeptionelle Überlegungen mit einfließen. Besonders hinsichtlich der Rückgabeautomaten ist zu bedenken, dass diese ihre volle Serviceleistung nur dann erbringen können, wenn sie jederzeit für den Kunden erreichbar sind. Ein Rückgabeautomat innerhalb der abgeschlossenen Bibliotheksräume ist ohne Nutzen für einen Kunden, der nach 19.00 Uhr kommt.134 Darum sollten die Rückgabeautomaten entweder vor der Bibliothek positioniert werden oder in einem Vorraum, der durch die Benutzerkarte geöffnet werden kann. Man denke an die Vorräume in Banken, in denen dieses System seit vielen Jahren problemlos funktioniert.

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Mit dem Einsatz von RFID kann die zentrale Anordnung der Funktionseinheiten aufgehoben werden. Bisher konzentrierten sich die zu bewältigenden Aufgaben einer Öffentlichen Bibliothek an der Theke. Tätigkeiten wie Ausleihe, Rücknahme, Bezahlung, Verlängerung oder Neuanmeldungen wurden dort zentral durchgeführt. Entsprechend dieser Kernfunktionen war die Theke meist sehr groß und an zentraler Stelle in der Bibliothek positioniert.

Mit der Einführung von RFID ist die Theke nur noch eine gleichberechtigte Funktionseinheit unter vielen anderen und nicht mehr der Dreh- und Angelpunkt der Bibliothek. Da Vorgänge wie Ausleihe und Rückgabe mit Hilfe von RFID automatisiert werden, können die Geräte dezentral angeordnet werden. Für die Bezahlung kann ein Kassenautomat aufgestellt werden. An der Theke befindet sich meist nur noch ein einziger Arbeitsplatz für die manuelle Verbuchung135, Auskunftsdienste und Anmeldungen. Die dadurch frei werdenden Kapazitäten müssen in die Betreuung der Bibliothekskunden investiert werden, indem die Bibliotheksmitarbeiter z.B. in den Räumen der Bibliothek umher gehen und aktiv ihre Hilfe anbieten.136 Insofern erscheint der Thekenrückbau oftmals als sinnvoll. Durch die günstige Positionierung von Selbstver-buchungsterminals, Rückgabeautomaten und Kassenautomaten ist es möglich, die Besucher-ströme umzulenken und die Situation um die Theke herum zu entzerren.

5.6.2. Personalschulung und Kosten für Personalentwicklung

Die Investitionen in Schulungen und Weiterqualifikationsmaßnahmen der Bibliotheksmitarbeiter muss als ebenso wichtig betrachtet werden, wie die ausreichende Ausstattung mit den technischen Geräten, da es sich bei Mitarbeiterschulungen und Weiterqualifikationsmaßnahmen um zwingende personalpolitische Ergänzungen handelt, ohne die die Effektivität der Technik ins Leere läuft. Um die Bedienung der RFID-Systemkomponenten zu erlernen ist es denkbar, dass eine Einweisung durch entsprechend vorgebildetes Personal aus anderen Bibliotheken vorgenommen wird. Besondere Kosten sind dafür kaum zu veranschlagen. Eine Schulung des Personals bezüglich der technischen Funktionsweise der Geräte ist nicht nötig, da die Eingriffsmöglichkeiten in die Geräte vor Ort sehr gering sind. Die Reparatur durch Mitarbeiter ist nicht erforderlich, da Wartung und Reparatur fast ausschließlich durch die Herstellerfirmen erledigt werden. Die dadurch entstehenden Kosten sollten in den Betriebskosten berücksichtigt werden.

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Bedeutender als die technischen Schulungsaufgaben und -kosten ist die Schulung der Mitarbeiter im Hinblick auf die sich verändernden Arbeitsbereiche und Anforderungen, die die Einführung von RFID mit sich bringt.137 Für einige Mitarbeiter kann dies durchaus problematisch sein, weil Verhaltensroutinen wie das Warten auf Kunden hinter der Ausleihtheke abgelegt und ein veränderter Umgang mit den Bibliothekskunden erlernt werden muss. Die Betreuung der Bibliothekskunden nach der Einführung von RFID ähnelt dem Service in Kaufhäusern, in denen die Mitarbeiter offen, doch nicht aufdringlich auf die Kunden zugehen und ihre Hilfe anbieten. Ein Kunde, der suchend vor einem Bücherregal steht, sollte aktiv vom Personal angesprochen und bei der Problemlösung angeleitet werden. Für viele Mitarbeiter einer Bibliothek bedeutet dies eine vollkommene Veränderung ihrer bisherigen Arbeitsweise. Um sie mit dieser veränderten Aufgabenstellung nicht allein zu lassen, sind Weiterbildungen, Workshops und andere Begleitprozesse speziell im Bereich der Kommunikation notwendig.

Besonders wichtig ist die Einweisung und Schulung der Bibliotheksmitarbeiter in die Selbstverbuchung sowie die Schulung in neuen Aufgabengebieten, da ihre positive Haltung zu einem effektiven Kundendienst im Interesse der Bibliothek von enormer Bedeutung ist. Denn nur wenn das Bibliothekspersonal die Vorteile der Selbstbedienung erkennt, wird es auch die Kunden zur Selbstverbuchung bewegen können. Es ist klar, dass Selbstverbuchung mit RFID nur selten den gewünschten Erfolg bringt, wenn die Mitarbeiter Angst vor der Umstellung haben und / oder die Einführung der neuen Technik nicht unterstützen.

Zu bedenken ist weiterhin, dass sich die Selbstwahrnehmung der Bibliotheksmitarbeiter durch die Einführung von RFID verändern wird. Die Bibliothekare in München berichteten darüber, dass nach einer kurzen, intensiven Erklärungsphase kaum noch Kunden die Hilfe des Personals bei der Rückgabe oder Verbuchung von Medien in Anspruch genommen haben. Die Erfahrung, nicht mehr gebraucht zu werden, war für einige Mitarbeiter sehr schwierig.138 Umso wichtiger ist es, dass andere fachliche Qualifikationen aufgefrischt oder in Weiterbildungsmaßnahmen neu erworben werden. Die damit verbundene Erhöhung der Qualifikation einzelner Mitarbeiter muss sich auch durch die Möglichkeit eines Wechsels in höhere Gehaltsgruppen auszeichnen und daher als Kostenpunkt in Betracht gezogen werden.

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Zusammenfassend kann demnach festgehalten werden, dass für die drei Bereiche technisches Verständnis und Anwendung, Veränderungsmanagement und Weiterqualifizierung Schulungen nötig sind, um einen ökonomisch rentablen Einsatz von RFID zu gewährleisten. Neben den einmaligen Kosten in der ersten Phase der Einführung von RFID müssen auch Kosten für regelmäßige Schulungsangebote im laufenden Betrieb einkalkuliert werden.

5.6.3. Wartungskosten

Für Wartungskosten sollten ca. sieben Prozent des Anschaffungspreises veranschlagt werden.139 

5.7. Einsparpotential durch die Einführung von RFID

Die Hauptargumente der RFID-Befürworter für die Einführung der Technik in einer Bibliothek, sind die potentiellen Einsparmöglichkeiten die sich aus der Prozessautomatisierung ergeben und die mögliche Erweiterung des Serviceangebotes.

5.7.1. Kostenvergleich von RFID mit Barcodesystemen

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Bei einer Beurteilung der Einführung von RFID in einer Öffentlichen Bibliothek hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit, liegt es nahe, einen Vergleich der bisherigen Kosten mit den potentiell anfallenden Kosten anzustreben. Soll geprüft werden, ob die Neuanschaffung von RFID in einer Bibliothek im Vergleich zu dem bisherigen Barcodesystem wirtschaftlich sinnvoll ist, muss jedoch zunächst geklärt werden, welche Aufgaben zukünftig mit RFID und welche Aufgaben weiterhin mit Barcodes erledigt werden sollen. Das Ergebnis dieser Überlegung wird in den meisten Fällen der Grund dafür sein, dass ein direkter Vergleich der Wirtschaftlichkeit von Barcodes und RFID in Form einer Kostenvergleichsrechnung nicht ohne Probleme möglich ist. Eine Kostenvergleichsrechnung ist nämlich nur dann zweckmäßig, wenn das gleiche Ziel mit unterschiedlichen Mitteln erreicht werden soll.140 Die Einführung von RFID in Öffentlichen Bibliotheken erfolgt aber in den meisten Fällen im Hinblick auf neue, bisher nicht realisierbare Ziele wie die Selbstrückgabe mit Automaten jenseits der üblichen Öffnungszeiten oder eine Verbesserung der Kundenbetreuung. RFID soll einen Mehrwert gegenüber den klassischen Barcodes bieten. Aus diesem Grund wäre eine Kostenvergleichsrechnung irreführend, da sie suggerieren würde, dass man das Gleiche mit unterschiedlichen Mitteln erreichen will, was aber gerade nicht der Fall ist. Ein reiner Kostenvergleich der Systemkomponenten würde immer zugunsten der etablierten, bereits verbreiteten Barcodesysteme ausfallen. Doch wie sollten Verbesserungen im Serviceangebot monetär dargestellt werden? Da dies die Aufgabe einer rein betriebswirtschaftlichen Abhandlung von RFID in Bibliotheken wäre, kann und soll an dieser Stelle nicht näher darauf eingegangen werden.

5.8. Einsparung von Personalstellen durch Prozessautomatisierung 

Unterstellt man, dass durch die Einführung von RFID kein Mehrwert erzeugt, sondern allein Kosten reduziert werden sollen, liegt das größte Potential in der Einsparung von Personalstellen im Front Office. Die manuelle Datenerfassung bei Ausleih- und Rücknahmetätigkeiten von Medien ist zeitaufwendig, fehleranfällig und bindet Personalkapazitäten. Die Lösung sind RFID-Selbstverbuchungsautomaten. Durch sie müssen Verbuchungs- und Rückgabetätigkeiten nun nicht mehr manuell ausgeführt werden, sondern können automatisch, ohne Hilfe eines Bibliotheksmitarbeiters an den Terminals erfolgen. Der Austausch von teurer menschlicher Arbeit durch vollautomatische Identifikationssysteme führt im Idealfall zu einer höheren Informationsqualität bei gleichzeitiger Reduzierung von Personalkosten. Die höhere Informationsqualität resultiert u.a. aus der Minimierung von fehlerhaften Dateneingaben, wodurch Fehlerfolgekosten in Form von manuellen Kontrollen vermieden werden können. Die Reduktion von Personalkosten erschließt sich von selbst.

Die Münchner Zentralbibliothek am Gasteig beispielsweise finanziert ihr RFID-Projekt zu erheblichen Teilen durch Stelleneinsparungen aufgrund der prognostizierten Arbeitsersparnis im Front Office. Gerechnet wurde dazu mit 11,9 Sekunden für die Verbuchung eines Mediums. Durch die Einführung von RFID-Selbstverbuchungsanlagen141 ergibt sich rechnerisch eine Einsparung von 29 Stellen, „die durch Fluktuation in einem Zeitraum von 5 Jahren erfolgen soll“142.

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Für eine mittelgroße Öffentliche Bibliothek143 in Berlin könnte die Einführung von RFID in Bezug auf Personalstellen folgende Einsparungen erbringen: Bei ca. 2000 Entleihungen pro Tag und einer Zeitdauer von 11,9 Sekunden pro Vorgang144, müssten 6 Stunden und 36 Minuten pro Tag für die Verbuchung von Medien angesetzt werden. Geht man von der gleichen Anzahl und Zeitdauer für die Rückbuchung der Medien aus, ergibt das einen Zeitaufwand von 13 Stunden und 12 Minuten pro Tag für diese Routinetätigkeiten. Bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 37 Stunden pro Woche145 verbrächten zwei Bibliotheksmitarbeiter ihre gesamte Arbeitszeit mit dem Verbuchen bzw. Rückbuchen von Medien. Dieser Wert ist rein theoretisch, da 1. nicht ununterbrochen Medien verbucht werden müssen146 und 2. den Bibliotheksmitarbeitern eine Pause zusteht, so dass im Ergebnis sogar 3 Mitarbeiter dauerhaft in ihrer Arbeitszeit durch Medienausleihe und Rücknahme eingebunden sind. Unterstellt man nun bei der Einführung von RFID eine Nutzungsquote der Selbstverbuchungsgeräte von annähernd 90 Prozent, so beliefe sich der tägliche Arbeitsaufwand für Medienausleihe und Medienrücknahme auf nur noch 1 Stunde und 19 Minuten. Dies wäre problemlos von einem einzigen Bibliotheksmitarbeiter zu bewältigen, der darüber hinaus noch Zeit für Auskunftstätigkeiten, Kassieren von Mahngebühren und Neuanmeldungen hätte.

Im Ergebnis bedeutet dies ein Einsparungspotential von 2 der ursprünglich 3 benötigten Personalstellen für die Verbuchung (BAT VIII/VII = 30.950 € Jahresgehalt x 2 = 61.900 €147) durch die Einführung von RFID-Selbstverbuchungs- und Rückgabeautomaten. Eine Personal-stelle würde für Verbuchungs- und Rückgabetätigkeiten zukünftig ausreichen.

Ob ein solcher Einsatz von RFID langfristig Erfolg versprechend ist, kann jedoch bezweifelt werden. Die ohnehin schon angespannte Lage der Öffentlichen Bibliotheken wird sich nicht verbessern, wenn die Bibliotheken nicht an der Optimierung ihres Serviceangebotes arbeiten. In der Konsequenz wird eine, allein auf Einsparungen ausgelegte Arbeit mit RFID, den wirtschaftlichen Nutzen der Öffentlichen Bibliothek für die Kommune reduzieren, weil potentiell weniger Bürger die Öffentliche Bibliothek nutzen werden.

5.9. Fazit: Für wen rentiert sich die Einführung von RFID?

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Grundsätzlich ist RFID eine Technologie, die für Bibliotheken viele Vorteile bietet und durch die langfristig erhebliche finanzielle Entlastungen entstehen können. Da Kostenreduzierung und Effi-zienzsteigerung heutzutage auch in Bibliotheken zentrale Schlagwörter sind, rücken Automatisierungs- und Selbstbedienungsprozesse zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses.148 Mit Hilfe von RFID ist es leicht möglich, Routineaufgaben von den Bibliotheksmitarbeitern auf den Kunden zu übertragen. Durch den Einsatz von RFID-Diebstahlsicherungen gehen weitaus weniger Medien verloren und durch das schnelle Auffinden verlegter Medien kann Zeit und Geld eingespart werden. Außerdem kann das Bibliothekspersonal durch den großen Zeitvorteil, den die Einführung von RFID bewirkt, effektiver im Sinne der Bibliothekskunden eingesetzt werden.

Doch all diese verlockend klingenden Vorteile von RFID dürfen nicht zu einem blinden Automatisierungs- und Technikwahn führen. War die Skepsis gegenüber RFID vor einigen Jahren noch sehr groß, so ist für die Zukunft zu befürchten, dass Bibliotheken, ob groß oder klein, ob mit oder ohne Magazinbestand, ob mit großer oder geringer Ausleihfrequenz, allein um des Olympischen Gedanken Willens, nun zu überstürzten Anschaffungen neigen. Allein die Anschaffung der Technik macht eine sonst veraltete Bibliothek nicht plötzlich wieder modern. Daher müssen vor der konkreten Implementierung von RFID in einer Bibliothek die geschilderten betriebswirtschaftlichen Analysen durchgeführt werden und deren Ergebnis, auch im Falle einer negativen Aussage, berücksichtigt werden.

Grundsätzlich gilt: Je häufiger Medien in einer Bibliothek entliehen werden, desto größer wird der wirtschaftliche Nutzen durch RFID sein. Ab welcher Mindestzahl von Entleihungen sich die Einführung von RFID rentiert, kann nicht pauschal gesagt werden, weil die in Kapitel 6.4 bis 6.6 aufgeführten Kostenpositionen von Bibliothek zu Bibliothek und anbieterspezifisch variieren können. Hinsichtlich der ökonomischen Rentabilität müssen große Stadtbibliotheken die vorteilhafte Einführung von RFID prüfen. Dies ist nicht auf den ersten Blick einsichtig, geht man doch davon aus, dass größere Stadtbibliotheken ganz sicher eine hohe Ausleihquote haben werden. Grundsätzlich wird das auch nicht bestritten. Zu bedenken ist aber ein möglicher Magazinbestand. Da ein solcher Bestand unter Umständen nicht in dem gleichen Maß nachgefragt wird149, wie Medien in der Freihandaufstellung, könnte dadurch das Verhältnis von Bestandsgröße zu Entleihungsquote schlechter ausfallen, als man anhand der bloßen Entleihungszahlen vermuten würde. Als Beispiel für eine solche Bibliothek, in der sich die Einführung von RFID wirtschaftlich nicht rentiert, kann die Zentral- und Landesbibliothek in Berlin angeführt werden. Da die Bibliothek über einen umfangreichen, älteren Magazinbestand verfügt, der nur in seltenen Fällen nachgefragt wird, ist das Verhältnis von Bestandsgröße zur Ausleihfrequenz so ungünstig,150 dass das RFID-Prüfgutachten daher zu dem Ergebnis kommt, dass bei einer isolierten Betrachtung der ZLB die Einführung von RFID ökonomisch absolut unrentabel ist.

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Es gilt also für alle Öffentlichen Bibliotheken, die Vor- und Nachteile einer Implementierung von RFID in das Bibliothekssystem genau zu überdenken und gemäß dem Kosten-Nutzenprinzip zu entscheiden. Oberste Prämisse bei der Einführung von RFID sollte sein, mit der neuen Technik nicht nur Personalstellen sparen zu wollen, sondern durch eine Verbesserung der Dienstleistungen die Bibliothek so attraktiv wie möglich zu machen.


Fußnoten und Endnoten

92  Stabrodt, Cornelia (2007): “Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt.“, 2007; online zugänglich unter: http://www.bildung-brandenburg.de/zitatjuni2007.html?&L=O.

93  Haiber, Thomas (1997): Controlling für öffentliche Unternehmen : Konzeption und instrumentelle Umsetzung aus der Perspektive des New-public-Management / von Thomas Haiber. - München : Vahlen, 1997, S. 1.

94  Vgl. Maier (2000), Michael: Kommunale Verwaltungsreform und controllingorientierte Systeme der Kosten- und Leisistungsrechnung / Michael Maier. - Frankfurt am Main ; Berlin ; Bern ; Bruxelles ; New York ; Oxford ; Wien : Lang, 2002, S. 58.

95  Wöhe, Günter (1990): Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre / von Günter Wöhe. München : Vahlen, 1990, S. 394.

96  Abgesehen von Jahresgebühren und Gebühren für spezielle Dienstleistungen, erzielen Bibliotheken keine monetären Einnahmen.

97  Neus, Werner (2003) : Einführung in die Betriebswirtschaftslehre aus institutionenökonomischer Sicht / Werner Neus. - 3., überarb. Aufl.. - Tübingen : Mohr Siebeck, 2003, S. 4.

98  Sandra Blanck hat den gesellschaftlichen Mehrwert von Bibliotheken für verschiedene Nutzergruppen in einem Aufsatz herausgearbeitet. Vgl. Blanck, Sandra (2006): Wert und Wirkung von Bibliotheken, In: Fuhlrott, Rolf [Hrsg.] : Neues für Bibliotheken - neues in Bibliotheken / hrsg. von Rolf Fuhlrott ....- Wiesbaden : Dinges & Frick, 2006, S. 9 - 106. Für diese Arbeit wurde sie mit dem Innovationspreis der Fachzeitschrift B.I.T.-Online ausgezeichnet (siehe http://www.fh-potsdam.de/pressearchiv_20060.html?&no_cache=1&news_id=1000).

99  Wege zu einer bibliotheksgerechten Kosten- und Leistungsrechnung (1998) / Deutsches Bibliotheksinstitut. [Red.: Karin Pauleweit]. – Berlin : Dt. Bibliotheksinst., 1998, S. 10.

100  Ebd. S. 19.

101  Vgl. Umlauf 2007.

102  http://www.bibliotheksstatistik.de/eingabe/dynrep/output.php.

103  Umlauf 2007, S. 15.

104  Siehe Anhang S. 86.

105  Vgl. Blanck 2006, S. 53 - 59.

106  http://www.bix-bibliotheksindex.de/index.php?id=73.

107  Sprengel 2007, S. 75.

108  In Berlin gehören 13 Bibliotheken zu Typ 1, 8 Bibliotheken zu Typ 2, 25 Bibliotheken zu Typ 3, 37 Bibliotheken zu Typ 4 und 1 Bibliothek zu Typ 5. Vgl. Sprengel 2007, S. 75.

109  Ebd., S. 73.

110  Ebd. S. 77.

111  Vgl. Sprengel 2007, S. 78.

112  Der Schwerpunkt der Nutzung von RFID in Öffentlichen Bibliotheken liegt eindeutig im Bereich des Front Office. D.h. die Automatisierung von Verbuchung und Rückgabe mittels RFID ist der wesentliche Einsatzbereich, durch den eine Erweiterung des Serviceangebots und eine potentielle wirtschaftliche Optimierung der Arbeitsabläufe erwartet werden. Anwendungen im Back Office sind in Öffentlichen Bibliotheken bisher nicht sehr verbreitet und daher auch nicht relevant für etwaige Überlegungen hinsichtlich der ökonomischen Rentabilität.

113  Auf meine elektronische Anfrage vom 15.8.07 bezüglich der Kosten für Selbstverbuchungsanlagen und Rückgabeautomaten antwortete Frau Daniela Teichmann von der Firma 3M, dass eine Auskunft über Preise von Selbstverbuchungsanlagen u.Ä. nur projektbezogen erteilt werden. Alle anderen Firmen reagierten ähnlich.

114  Sofern konkrete Preise der Firma Novatec in dieser Arbeit genannt werde, stellt dies keine Bevorzugung einer bestimmten Firma dar und soll nicht als Werbung aufgefasst werden. Es handelt sich dabei lediglich um Werte, die auch dem Laien einen ungefähren Eindruck über die Preisdimensionen ermöglichen sollen.

115  Kern, Christian (2002): Radio-Frequenz-Identifikation zur Verbuchung von Medien in Bibliotheken. In: ABI- Technik, 22 (2002), H. 3, S. 248 - 255, hier S. 255.

116  Weiss, Rolf ; Kern, Christian (2004): Zentrale und dezentrale Positionierung der Funktionseinheiten in der Bibliothek – Raumplanung für die Integration von RFID. In: ABI- Technik, 24 (2004), H. 2, S. 135 - 139, hier S. 139.

117  Ratzek, Wolfgang (2006): RFID - Ein weiterer Baustein in der ubiquitous und pervasive Computing-Strategie. In: B.I.T. online, 9 (2006), H. 2, S. 119 - 124, hier S. 120.

118  Niesner, Stefan (2006): RFID in Bibliotheken - eine Einführung; online zugänglich unter: http://www.opus-bayern.de/bib-info/volltexte/2006/201/pdf/Niesner_S1_RFID_in_Bibliotheken_eine_Einfuehrung.pdf, S. 6.

119  http://www.bibliotheksportal.de/hauptmenue/themen/rfid/marktbeobachtung/#1913.

120  http://www.bibliotheksstatistik.de/eingabe/dynrep/output.php.

121  http://www.bibliotheksportal.de/hauptmenue/themen/rfid/marktbeobachtung/.

122  Transponder makulierter Bücher können, je nach Konfiguration häufig wieder verwendet werden.

123  Niesner 2006, S. 6.

124  Vgl. Kap. 4.2.1.

125  Vgl. http://www.bibliotheksportal.de/hauptmenue/themen/rfid/marktbeobachtung/#1913.

126  Ratzek 2006, S. 120.

127  http://www.bib-info.de/landesgr/bawue/fobi/Sager_RFID_Kronberg.pdf, S. 6.

128  Diese Information beruht auf einer e-Mail von Frau Brunner am 10.5.07.

129  Alle Preisangaben der Firma Novatec sind Angebote inklusive Software und Installation. Die Ausstattung der Geräte entspricht der Basisausstattung.

130  Schneider, Werner (Hrsg.) (2007): Bilanzen und Perspektiven / Münchner Stadtbibliothek : Jahresbericht 2006 / hrsg. von Werner Schneider. - München, 2007, S. 15.

131  Sprengel, Rainer (2007a): RFID-Prüfgutachten : Anhang. – Berlin : VÖBB, 2007; online zugänglich unter: http:// www.bibliotheksportal.de/fileadmin/0themen/RFID/dokumente/sprengelAnhangRFIDgutachten.pdf, S. 12.

132  Vgl. Sprengel 2007a, S. 11.

133  Vgl. Pohl, Schubert 2007, S. 38.

134  Betrachtet man die Öffnungszeiten in den ÖB Berlins, muss man feststellen, dass der Besuch der Bibliothek für Erwerbstätige oft sehr schwer ist. Im Berliner Bezirk Pankow sind von den neun bestehenden Bibliotheken nur drei am Samstag für den Publikumsverkehr geöffnet und das auch nur bis 13 Uhr. Keine Bibliothek ist vor 9 Uhr (größtenteils sogar erst ab 13 Uhr) und nach 19 Uhr geöffnet. Die durchschnittliche Wochenöffnungszeit liegt insgesamt bei 32 h an 5 Tagen der Woche. Die freie Disponibilität von Rückgabeautomaten außerhalb der Kernöffnungszeiten wäre darum für viele Bibliothekskunden ein enormer Gewinn an Flexibilität.

135  Es ist sinnvoll, auch weiterhin eine manuelle Verbuchung anzubieten, da ein gewisser Teil der Medien immer noch Schwierigkeiten bei der Selbstverbuchung verursacht (zu denken ist hier an CD’s). Außerdem muss es für Menschen, die aus verschiedensten Gründen die Selbstverbuchungsgeräte nicht benutzen können, auch nach der Einführung von RFID eine Möglichkeit geben, Medien zu entleihen. Damit sich die Kosten für die Einführung von RFID als wirtschaftlich sinnvoll erweisen, muss dies aber eine Ausnahme bleiben.

136  Im angloamerikanischen Sprachraum hat sich dafür der Begriff „floor walking“ etabliert.

137  Eine notwendige Folgeerscheinung der flächendeckenden Arbeit mit RFID wird die Veränderung des Berufsbildes der Bibliotheksmitarbeiter sein. Da RFID in vielen Bereichen eingesetzt werden kann, die von Mitarbeitern mit einer praktisch orientierten dreijährigen Berufsausbildung dominieren werden, muss deren Ausbildung folglich dieser technischen Entwicklung angepasst werden.

138  Pohl, Schubert 2007a, S. 263.

139  Sprengel 2007a, S. 25.

140  Wären die Ziele die durch RFID erreicht werden sollen die gleichen, wie bei der Einführung der Barcodetechnologie, bräuchte man keine detaillierte Rechnung, weil von vornherein klar ist, dass die Barcodetechnologie in all ihren Komponenten deutlich billiger ist als RFID.

141  In München hat man von Beginn an mehr als 90 Prozent Selbstverbuchung angestrebt.

142  Pohl ; Schubert 2007, S. 38.

143  Die Daten zur Vergütung eines Bibliotheksmitarbeiters der für die Verbuchung zuständig ist, beruhen auf den Angaben der Janusz-Korczak Bibliothek in Berlin Pankow.

144  Vgl. Pohl ; Schubert 2007, S. 38.

145  Der Berliner Senat hat im August 2003 den Austritt aus dem kommunalen Arbeitgeberverband und damit auch den Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag im öffentlichen Dienst bekannt gegeben. Die Arbeitszeit von 37 Stunden pro Woche entspricht dem Anwendungstarifvertrag in Berlin.

146  Es muss aber immer ein Mitarbeiter an der Theke präsent sein.

147  Die Daten beruhen auf der schriftlichen Auskunft von Frau Gudrun Garrel am 31.8.2007. Frau Garrel ist Verwaltungsleiterin der UB der Humboldt-Universität zu Berlin.

148  Immerhin geht Birgit Lindl von der Bibliotheca Library Systems AG davon aus, dass Ausleihe und Rückgabe von Medien mit Hilfe von RFID fünfmal schneller durchgeführt werden können als mit klassischen Barcodes. Vgl. Lindl, Birgit(2004),: RFID-Technology für die Bibliothek der Zukunft. In: B.I.T. online, 7 (2004), H. 2, S. 108 - 112, hier S. 108.

149  Mit Transpondern ausgerüstet werden müsste er dennoch.

150  Der große und vor allem alte Magazinbestand der ZLB ist auf ihren medienbewahrenden Charakter zurückzuführen. Da die ZLB über das Pflichtexemplarrecht für Berlin verfügt, übertrifft der Zugang an Medien die Abgabe beträchtlich.



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05.06.2008