3 Die Nordek-Verhandlungen

3.1 Vorgeschichte

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Über die Bildung einer skandinavischen Wirtschaftsunion wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Male verhandelt. Der Plan für eine nordische Zollunion kam erstmals im Juli 1947 auf, der zu diesem Zweck eingesetzte Ausschuss riet den beteiligten Ländern (Dänemark, Island, Norwegen, Schweden) im Januar 1950 aber wegen norwegischer und isländischer Vorbehalte von der Realisierung dieser Pläne ab. Seit der Gründung des Nordischen Rats 1952 stand das Vorhaben wieder auf der Tagesordnung, wobei Meinungsverschiedenheiten zwischen Norwegen und den restlichen Mitgliedern rasch deutlich wurden.129 In einer Empfehlung legte der Nordische Rat 1954 den nordischen Regierungen nahe, eine erweiterte wirtschaftliche Kooperation zu fördern,130 wonach sich die nordische Zollunion im Laufe der Jahre 1957/58 erneut konkretisierte. Finnland war 1955 Mitglied im Nordischen Rat geworden und beteiligte sich seit dem darauf folgenden Jahr an diesen Verhandlungen. Die Finnen ermutigten die Skandinavier zur Fortsetzung der Sondierungen und sprachen sich positiv bezüglich einer Wirtschaftsunion aus, auch wenn sie hinsichtlich ihrer eigenen Beteiligung noch skeptisch waren.131 Die europäische Entwicklung im gleichen Zeitraum – die Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957 und das Scheitern der durch die OEEC initiierten europäischen Freihandelsverhandlungen 1958 – führten zur Entstehung der EFTA 1959/60, womit die nordische Alternative erneut obsolet wurde. Die skandinavischen Länder sahen ihre eigenen Pläne als ambitionierter als die der EWG an, und setzten darauf, als Einheit auftreten zu können; weiterhin schätzte man die Chancen für eine finnische Beteiligung höher ein, wenn bereits eine nordische Zollunion existierte.132 Als sie die erhofften Handelserleichterungen in Form der EFTA verwirklicht sahen, beendeten die skandinavischen Länder die Verhandlungen über die nordische Zollunion und traten geschlossen den ‚Outer Seven‘ bei.133 Schweden bemühte sich sehr um eine Einbeziehung Finnlands in die EFTA; die finnische Seite verhielt sich jedoch vorsichtig, obwohl die Angelegenheit als äußerst wichtig angesehen wurde. Nach Gründung der EFTA handelte Finnland einen gesonderten Assoziierungsvertrag – den sog. FINNEFTA-Vertrag – aus, unterzeichnete diesen aber erst nach Überwindung sowjetischen Widerstands. Dieser wurde durch ein Abkommen, das der Sowjetunion die gleichen Vorteile wie den EFTA-Ländern einräumte, überwunden.134

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„Die Geschichte der gescheiterten nordischen Zollunion zwischen 1947 und 1959 belegt, cum grano salis, die fehlende Bereitschaft der Wirtschaftsverbände und die Unfähigkeit der Politiker, ihren Willen angesichts divergierender Interessen durchzusetzen. Die nordische Integration hat während dieser Jahre an Attraktivität verloren, die Prioritäten für eine europäische Lösung, für einen größeren Markt wurden höher bewertet.“135

Dänemark und Norwegen bewarben sich erstmals 1961/62 um die EWG-Mitgliedschaft; Schweden strebte eine assoziierte Mitgliedschaft an. Durch das Veto des französischen Präsidenten Charles de Gaulle Ende Januar 1963 gegen den Beitritt Großbritanniens wurden auch die anderen Bewerber zum Halt gebracht. Zuvor wurde die wirtschaftliche Kooperation zwischen den nordischen Ländern durch den sog. Helsinkier Vertrag gefestigt: Da für Finnland eine EWG-Mitgliedschaft unmöglich war, diese aber von den anderen Ländern angestrebt wurde, wollte man so eine zu starke Teilung des Nordens verhindern: „The treaty established the desire of the Nordic governments to develop the existing cooperation as far as possible in all areas.“136 Der Vertrag stellte die nordische Kooperation zum ersten Mal auf die Grundlage eines internationalen Abkommens.137

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Die Folgezeit war charakterisiert durch eine Stabilisierung der Kooperation innerhalb der EFTA, die sich für den internordischen Handel als so vorteilhaft erwies, dass der schwedische Ministerpräsident Tage Erlander sich zu der Äußerung veranlasst sah, dass der nordische Markt innerhalb der EFTA erreicht worden sei.138 Diese positive Erfahrung führte zu Überlegungen über eine erneute Intensivierung der ökonomischen Zusammenarbeit innerhalb Nordeuropas. Auf einem Treffen des Präsidiums des Nordischen Rats und der skandinavischen Ministerpräsidenten im Oktober 1965 in Imatra sprach man von „Bestrebungen zur Erweiterung der skandinavischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Rahmen der EFTA”139. Die Gespräche basierten auf den Verhandlungen der 40er und 50er Jahre und waren in den angedachten Formen der Zusammenarbeit140 erste Vorboten der kommenden Entwicklungen. Bereits Ende desselben Jahres wurde im skandinavischen Wirtschaftsministerkomitee erneut über die Fragen diskutiert141 und das Thema in der Folgezeit immer wieder auf den Sitzungen des Nordischen Rats angesprochen142. Ein weiteres EWG-Beitrittsgesuch Dänemarks und Norwegens scheiterte 1967 am französischen Veto. Einerseits schien also eine Erweiterung der EWG vorerst nicht möglich, andererseits erwies sich aus Sicht der nordeuropäischen Mitgliedsländer das Weiterentwicklungspotential der EFTA als begrenzt. Weiterhin hatten die nordischen Länder während der sog. Kennedy-Runde praktische Erfahrungen mit den Vorteilen gemeinsamen Auftretens gemacht: Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden hatten für die Schlussphase (1966/67) einen gemeinsamen Verhandlungsführer, den schwedischen Diplomaten Nils Montan, benannt.143

Neue Bewegung kam in die nordischen Kooperationsbestrebungen vornehmlich aufgrund äußerer Umstände; die Nordek wäre kaum aktuell geworden, wäre Dänemark und Norwegen nicht erneut der Weg in die EWG versperrt worden. Da zu Beginn des Nordek-Prozesses de Gaulles Position noch unangefochten war, rechnete man im Allgemeinen kaum mit einer baldigen Erweiterungsrunde der EWG. Für Finnland stand die Teilnahme am Nordek-Prozess in einer längeren Linie integrationspolitischer Annäherung an den Westen, wobei in den 60er Jahren die großen Meilensteine der FINNEFTA-Vertrag und die 1968 – gegen zunächst vorhandenen sowjetischen Widerstand – erreichte OECD-Mitgliedschaft waren. Die 60er Jahre waren allgemein gesehen ein Jahrzehnt der Befestigung der internationalen Position Finnlands, woran Staatspräsident Urho Kekkonen z.B. durch den Ausbau der Beziehungen zu Großbritannien und den USA großen Anteil hatte. Auch das finnische Engagement in der UNO spielte keine geringe Rolle. Einen großen Erfolg konnte Kekkonen in der Zeit der Nordek-Verhandlungen mit der finnischen Gastgeberschaft für die KSZE sowie die SALT-Verhandlungen erlangen.144

3.2 Der Beginn der Nordek-Verhandlungen 1968–1969

Die dänische Regierung unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Jens Otto Krag hatte bereits im Herbst 1967 erste Überlegungen zu einer nordischen Initiative auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Zusammenarbeit angestellt. Diese wurden angesichts der Folketing-Wahlen im Januar 1968 auf Eis gelegt, von der neuen bürgerlichen Regierung unter Hilmar Baunsgaard (Radikale Venstre) jedoch relativ bald wieder aufgegriffen.145 Im Februar 1968 machte Baunsgaard auf der 16. Sitzung des Nordischen Rats in Oslo den Vorschlag, über die Bildung einer skandinavischen Zollunion zu verhandeln. In seinen Worten gab de Gaulles erneutes Veto gegen einen britischen EWG-Beitritt „os al mulig anledning til på ny grundigt overveje Nordens placering i den europæiske markedsdebat.“146 Obwohl eine Intensivierung der nordischen Wirtschaftskooperation wie geschildert schon seit einigen Jahren in der Diskussion war, kam der dänische Vorschlag für die anderen Regierungen äußerst überraschend. Hierzu trug mit Sicherheit Baunsgaards Vorgehen bei, der während einer informellen Zusammenkunft der Regierungschefs nichts über sein Vorhaben äußerte, wodurch sein Vorschlag, den er zudem als erster Redner der Generaldebatte einbrachte, umso weniger vorherzusehen war.147

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Baunsgaard wollte das Vorhaben aber energisch vorantreiben, und lud zu diesem Zweck seine Amtskollegen148 zu einem Gipfeltreffen nach Kopenhagen ein. Zwar nahm der Nordische Rat die entsprechende Empfehlung Nr. 21/1968149 einstimmig an, doch es ist verfehlt, von allseitigem Enthusiasmus zu sprechen.150 Allenfalls für Dänemark traf dies zu; die Reaktionen der anderen Länder waren vielmehr von Skepsis und Zurückhaltung geprägt, nicht zuletzt wegen der misslungenen früheren Versuche. Zudem überraschte offensichtlich die ungewohnte Rolle Dänemarks, das sich hier an die Spitze einer nordischen Initiative setzte, meint Poul Nyboe Andersen, in der Regierung Baunsgaard Handelsminister und Minister für nordische Angelegenheiten.151

Zwar wurde Baunsgaards Einladung angenommen, doch fand die Zusammenkunft der Regierungschefs sowie neun weiterer Minister in Kopenhagen am 22./23. April 1968 praktisch ohne jede Vorbereitung statt; erst dort wurden überhaupt die Rahmenbedingungen konkretisiert.152 Es wurde eine Beamtenkommission auf Staatssekretärsebene eingesetzt, die zum 1. Juni 1968 ihre Tätigkeit aufnahm und die Möglichkeiten einer Wirtschaftsunion untersuchen sollte, um einen vorläufigen Bericht zum 1. Januar 1969 vorzulegen.153 Durch ein weiteres Treffen der vier Ministerpräsidenten im Oktober 1968 in Oslo wurde die geplante Zollunion an die schon bestehenden nordischen Kooperationsformen gebunden – zum einen durch die Teilnahme des Präsidiums des Nordischen Rats, zum anderen durch den Beschluss, den Bericht der Beamtenkommission zum 15. Januar 1969 auch Präsidium und Wirtschaftsausschuss des Nordischen Rats vorzulegen. Am 3.1.1969 wurde der erste Bericht der Kommission154 veröffentlicht, mit dem nach nur einem halben Jahr Arbeit bereits 85 % der Positionen für die gemeinsamen Zolltarife geklärt waren. Schwierige Fragen wie die Landwirtschaft, die Finanzierung und den organisatorischen Aufbau hatte man allerdings vorerst ausgelassen.155 In diesem Bericht trat die nordeuropäische Dimension deutlich hinter die westeuropäische zurück; dort hieß es:

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„Die Kooperation innerhalb Skandinaviens muss somit derart ausgerichtet und entwickelt werden, dass sie die Tendenzen zur weiteren wirtschaftlichen Integration in Europa fördert. Bei der Lösung skandinavischer Kooperationsfragen ist es besonders wichtig, die Voraussetzungen für die Wirtschaft zu schaffen, um erfolgreich an dieser weiteren Integration teilzunehmen.“156

Der Nordek 157, wie das Projekt mittlerweile genannt wurde, billigte man also einen übergangsstatus auf dem Weg in die EWG zu. Hieraus sprach das dänische Anliegen, so bald wie möglich die Aufnahme in die EWG zu erreichen, zumindest aber eine Stärkung der Verhandlungspositionen zu erzielen. In der Diskussion des Berichts auf drei Ministerpräsidententreffen im Januar/Februar 1969 war man sich einig, dass eine gute Basis für die weitere Arbeit geschaffen worden war und setzte als Datum für die Einreichung des Vertragsentwurfs den 15. Juli 1969 fest.158 Der Entwurf159 wurde mit nur zwei Tagen Verspätung in Kopenhagen veröffentlicht; als Kern der Nordek wurde eine Zollunion mit Beginn zum 1.1.1972 vorgeschlagen. Von diesem Termin an sollten die Zölle zwischen den vier beteiligten Ländern schrittweise abgebaut werden160, Kapitalverkehr sollte liberalisiert werden, Steuer-, Haushalts-, Kredit- und Währungspolitik untereinander koordiniert werden. Im Gegensatz zu früheren Vorhaben wurde die Agrarpolitik nicht ausgeklammert. Die Zusammenarbeit sollte nicht durch supranationale Organe koordiniert werden, sondern nach dem Modell von EFTA und Nordischem Rat auf intergouvernementaler Ebene. Ein ständiger Ausschuss sollte Vorarbeit für einen zu bildenden Ministerrat leisten, sog. Kooperationskomitees zur Bearbeitung konkreter Themen eingesetzt werden. Die laufenden Tätigkeiten sollte nach dem Vorbild des Nordischen Rats ein Sekretariat abwickeln.161

3.3 Die Nordek-Krise Ende 1969

Im Herbst des Jahres 1969 schien für den finnischen Ministerpräsidenten Mauno Koivisto das Projekt Nordek fast am Ende zu sein. Gegen ihn richtete sich nicht nur die Kritik seiner innenpolitischen Gegner in Finnland, sondern auch die der Sowjetunion. Die Verhandlungen kamen durch die Parlamentswahlen in Norwegen und die Ablösung Tage Erlanders durch Olof Palme in Schweden vorübergehend nahezu zum Erliegen. Schwedische Politiker wie Erlander oder Gunnar Sträng hatten zunehmendes Desinteresse an der Nordek gezeigt.162 Als sich nach Fertigstellung des Vertragsentwurfs im Sommer 1969 nichts mehr tat, offenbarte Koivisto Baunsgaard bei einem Dänemark-Besuch im September des Jahres, dass Finnland nichts gegen eine auf Dänemark, Norwegen und Schweden reduzierte Zollunion – dafür war bereits das Schlagwort Skandek im Umlauf – haben würde. Der neue schwedische Ministerpräsident Olof Palme brachte aber die erhoffte neue Energie in die Nordek, die Verhandlungen wurden mit neuem Schwung im Herbst fortgesetzt. Auf dem Stockholmer Ministerpräsidententreffen Anfang November 1969 machte Koivisto den sog. ‚EWG-Vorbehalt‘ zum Bestandteil der finnischen Verhandlungsposition: Er schloss mit seinen drei Amtskollegen ein ‚gentlemen’s agreement‘, welches besagte, dass, sofern etwas Neues in der EWG-Angelegenheit passiere, unter den Ministerpräsidenten darüber diskutiert werden solle. Ließe sich das Projekt dann nicht zum erfolgreichen Abschluss bringen, sollten so viele offene Fragen wie möglich gelöst werden, um die Sache auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.163 Obwohl er vorsichtig darauf hinwies, dass ein Nichteinhalten des Terminplans keine große Katastrophe sei, hielten die drei anderen Ministerpräsidenten an dem v.a. von den Dänen geforderten straffen Zeitplan fest. In dichtem Takt sollten drei Treffen der Regierungschefs Ende November 1969, Mitte Dezember 1969 und Mitte Januar 1970 zur Lösung der offenen Probleme vor der Sitzung des Nordischen Rats im Februar 1970 führen. Nichts, so der optimistische Baunsgaard, könne jetzt noch das Entstehen der Nordek verhindern.164

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Hatte die Nordek gerade bei dem Treffen in Oslo Ende November 1969 bei allen Problemen gute Fortschritte verzeichnet165, so geriet sie nach dem EWG-Gipfel in Den Haag Anfang Dezember in eine schwere Krise. Das am 1.12.1969 veröffentlichte Kommuniqué des Haager Gipfels stellte fest, dass nunmehr einem Beitritt Großbritanniens, Dänemarks, Norwegens sowie Islands zur EWG nichts mehr im Wege stünde. Möglich geworden war diese Entwicklung durch den Rücktritt de Gaulles im Frühjahr 1969 und die v.a. gegenüber einem britischen Beitritt offenere Haltung seines Nachfolgers Georges Pompidou; weiterhin wurde Willy Brandt deutscher Bundeskanzler, der Großbritanniens Einbeziehung in die EWG sehr unterstützte und aus bekannten Gründen Sympathien für die Skandinavier hegte.166 Es war klar, dass Dänemark und Norwegen aufgrund dessen ihre ruhenden EWG-Beitrittsgesuche und damit verbundene Verhandlungen so bald wie möglich wieder aktivieren würden. Da jedoch eine Annäherung der gesamten Nordek an die EWG mit der außenpolitischen Linie Finnlands nicht in Einklang zu bringen war, besaß das Thema einige Brisanz.

Die finnische Regierung debattierte über dieses konfliktträchtige Thema in einer sogenannten ‚Abendschule‘167 am 3.12.1969. Dort fand eine intensive Diskussion statt, in der die Ansichten der Regierungsparteien über die außenpolitische Linie Finnlands im Hinblick auf die neueste Entwicklung der Nordek aufeinander prallten. Die Minister der Zentrumspartei vertraten nachhaltig den Abbruch der Verhandlungen und ihre Fortsetzung zu einem späteren Zeitpunkt, etwa im Frühling 1970. Es wurde beschlossen, dass Koivisto den Wunsch zum Verhandlungsaufschub auf der Turkuer Konferenz Mitte Dezember vortragen sollte, würde er nicht vorher von einem der anderen Ministerpräsidenten vorgebracht.168 Er sollte dabei auf die neue Entwicklung durch die Haager Konferenz und auf die bevorstehenden Parlamentswahlen in Finnland hinweisen, letztlich aber die prinzipiell positive Einstellung zur skandinavischen Zusammenarbeit betonen.169 Noch bevor diese Situation überhaupt eintreten konnte, stand das Thema zwei Tage später ein weiteres Mal auf der Tagesordnung der Kabinettsrunde. Koivisto war mittlerweile zu neuen Schlüssen gekommen, die er der Regierung vortrug. Außenminister Ahti Karjalainen (Zentrumspartei) notierte in seinem Tagebuch:

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„11.00 [Uhr] in der Kabinettssitzung schlug Koivisto – erschöpft – vor zu beschließen, dass er den anderen skandinavischen Ministerpräsidenten die Verschiebung der Turkuer Konferenz vorschlage. Die Regierung nahm den Vorschlag erneut einstimmig an. Dem Außenministerium gab man den Auftrag, über die Angelegenheit ein Kommuniqué anzufertigen.“170

Grund für Koivistos Meinungsänderung: Es wäre für Finnland schädlich, käme erst in Turku ans Licht, dass man bereits zwei Wochen zuvor den Entschluss zum Aufschub gefasst hatte. Außerdem hätte er keinerlei neue und glaubwürdige Gründe für eine Verschiebung präsentieren können und die Verhandlungen in dem Bewusstsein fortführen müssen, dass in der Regierung keine Unterstützung dafür vorhanden war171. Koivisto telefonierte sofort nach der Sitzung mit seinen Amtskollegen, um ihnen mitzuteilen, dass er das Treffen in Turku zumindest nicht in der vorgesehenen Form abhalten könne; ein ganz auf die Regierungschefs beschränktes Treffen sei eine andere Sache.172 Drei Tage später schlug Palme ein Ministerpräsidententreffen in Stockholm vor, Koivisto stimmte zu, bestand jedoch auf Helsinki als Versammlungsort.173 Von Baunsgaard zuvor noch vorgeschlagene Drei-Länder-Verhandlungen für eine Skandek (mit der Option eines späteren finnischen Beitritts oder einer Assoziation nach FINNEFTA-Vorbild) hatten sowohl Palme als auch Borten abgelehnt.174

Auf der Helsinkier Versammlung am 12./13.12.1969 rangen sich die vier Ministerpräsidenten nochmals das Bekenntnis ab, dass „eine derart ausgebaute nordische Zusammenarbeit einen Eigenwert für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den vier Ländern”175 besäße. Obwohl dänische Stimmen das gesamte Projekt bereits für fehlgeschlagen erklärten, beschlossen die vier Regierungschefs, die Vier-Länder-Verhandlungen weiterzuführen, sich aber vom bisherigen starren Zeitplan zu lösen, der den endgültigen Abschluss der Verhandlungen auf der Sitzung des Nordischen Rats in Reykjavík im Februar 1970 vorgesehen hatte. Im Schlusskommuniqué wurde festgehalten, „dass man die Verhandlungen über offen bleibende Fragen mit der Absicht fortsetze, die Voraussetzungen für einen Abschluss baldmöglichst nach dem erwähnten Zeitpunkt [gemeint ist die Sitzung im Februar 1970] zu schaffen.”176

3.4 Das Ende der Nordek im Frühjahr 1970

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Unklarheiten in der Nordek-Frage blieben auch nach dem Ministerpräsidententreffen bestehen. In seinen Notizen über die Helsinkier Beratungen vermerkte Mauno Koivisto, der bereits das Scheitern vor Augen hatte, dass vor jedem nun folgenden Schritt die Frage der Verantwortlichkeit zu klären sei:

„Noch vor dem 5. Januar muss über die den Unterhändlern zu erteilenden Instruktionen entschieden werden und bis Mitte Januar ist die Frage zu klären, in welcher Form die Regierung ihre offiziellen Stellungnahmen abgibt. Nach meiner Ansicht haben wir bereits die Phase passiert, in der man die Angelegenheiten in der Regierung inoffiziell behandeln konnte. Die wichtigste Frage ist trotzdem die, mit welcher Absicht wir die Sache handhaben: Braucht man einen neuen Zeitplan, damit die positive Haltung leichter einzunehmen wäre oder braucht man den Aufschub, damit das Scheitern der Sache leichter wäre[?]“177

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Diese Punkte wurden am 5.1.1970 in einer Unterredung zwischen Koivisto, Karjalainen, Törnqvist und dem Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung des Außenministeriums Pentti Uusivirta besprochen: Der finnische Standpunkt sollte erst nach der Kabinettssitzung am 12.1. bekannt gegeben werden.178 Präsident Kekkonen, der fast die gesamte Verhandlungszeit über passiv geblieben war, kam nun erneut ins Spiel. In einem privaten Brief vom 7.1.1970 an Koivisto machte er klar, dass sich die finnische Verhandlungstaktik fortan ausschließlich am EWG-Vorbehalt orientieren sollte.179 Nach seiner Ansicht könnte die Nordek für Finnland zu viele Berührungspunkte mit der EWG haben – woran man keinesfalls interessiert sei:

„1. Finnland kann ebensowenig als Vollmitglied wie als assoziiertes Mitglied an der EWG beteiligt sein, weder unmittelbar noch über die Nordek.

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2. Eine einen Teil der skandinavischen Staaten umfassende Erweiterung der EWG ist nicht zu Finnlands Vorteil.“180

Unter der Ausgangsbedingung, dass die Eigenständigkeit der Nordek gewahrt bleibe, indem nämlich kein daran beteiligtes Land EWG-Mitglied werde, könnten die Verhandlungen fortgesetzt werden. Schon in diesem Brief stellte Kekkonen allerdings klar, dass Finnland sich das Recht vorbehalte, die Verhandlungen zu unterbrechen oder gar zu beenden, sollten die EWG-Mitgliedschaftspläne einzelner Länder konkrete Formen annehmen:

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„1. Finnland kann die Verhandlungen über die Bildung der Nordek fortsetzen.

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2. In dem Fall, dass eins der geplanten Nordek-Mitgliedsländer Verhandlungen über den Beitritt zur EWG beginnt, sollte Finnland rechtzeitig den Vorbehalt einbringen, dass die Nordek-Verhandlungen unverzüglich zu unterbrechen sind bis zu dem Punkt, da diese Verhandlungen [gemeint sind die Verhandlungen über den EWG-Beitritt] beendet sind.

3. Falls die Verhandlungen mit der EWG damit enden, dass das betreffende Land der EWG beitritt, bedeutet dies das Ende des Nordek-Projekts.

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4. Falls die Verhandlungen dazu führen, dass das betreffende Land nicht in die EWG gelangt und der Versuch damit hinfällig wird, werden die die Gründung der Nordek betreffenden Verhandlungen an dem Punkt wieder aufgenommen, an dem sie unterbrochen wurden.181

Die finnische Regierung akzeptierte diese neuen Verhandlungsrichtlinien am 12.1.; ihr Beschluss182 wurde den anderen skandinavischen Ländern sofort bekannt gegeben. Einhellig begrüßten die skandinavischen Regierungen den neuen Standpunkt Finnlands und die Verhandlungen gewannen sogar an Geschwindigkeit. Die Kompromissbereitschaft der Partner war ungleich größer als zuvor, da wohl keiner als Verhinderer der Zollunion dastehen wollte.183 Jakobson meint – nicht ohne Zynismus –, gerade weil es nur noch darum ging, wer die Schuld für das bereits feststehende Scheitern trüge, konnten die Probleme der Nordek gelöst werden.184

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Der immer wahrscheinlicher werdende EWG-Beitritt Dänemarks und Norwegens rief die Sowjetunion erneut auf den Plan. Über die Botschaft in Helsinki wurde durch verschiedene Mitarbeiter Kritik an der EWG-Anbindung der Nordek an die finnischen Regierungspolitiker weitergeleitet. Als diverse Misstrauensbekundungen der Sowjets bei den finnischen Politikern anscheinend nichts bewirkten, wurde darauf gedrängt, einen von Kekkonen ohnehin für das Jahr 1970 geplanten Staatsbesuch in den Februar, also vor die finnischen Wahlen, zu legen. Um unnötige Spekulationen zu vermeiden, die ein solcher Besuch zweifellos so kurz vor Parlamentswahlen hervorgerufen hätte, wurde aus der offiziellen Visite eine Jagdreise, in deren Rahmen vertrauliche Gespräche mit der Sowjetführung stattfinden sollten.185

Zum Leidwesen des Präsidenten wie auch des Ministerpräsidenten erklärten die Minister vom SKDL186 noch vor Kekkonens Abreise, dass sie eine Unterzeichnung des Nordek-Vertrags ablehnten. Ende 1969 hatte Kekkonen formuliert, was auf keinen Fall passieren durfte: Bei Misslingen des Projekts „[dürfte] es nicht dazu kommen, dass man die finnischen Kommunisten dessen beschuldigt“187. Denn dies wiederum hätte den Eindruck hinterlassen, dass die Sowjetunion durch die SKP188 ihren Einfluss habe spielen lassen. Kekkonen reiste schließlich Ende Februar mit einer kleinen Begleitdelegation nach Moskau und Sawidowo, um dort die sowjetische Führungstroika – Generalsekretär Breschnew189, Präsident Podgornyj und Ministerpräsident Kossygin – zu treffen. Wie Kekkonen schon geahnt hatte, ging es in den Gesprächen fast ausschließlich um die Nordek. Er bemühte sich, die Vorurteile der Sowjetführung zu zerstreuen, stieß aber immer wieder auf die von Breschnew vorgetragenen Argumente, Nordek und EWG seien einander zu nah, die EWG müsse man aufgrund der NATO-Mitgliedschaft aller ihrer Mitglieder ablehnen. Zentraler Grund für die Ablehnung der Sowjetführer: Durch die Nordek würde Finnland zum Handlanger des Westens werden. Der Zwang, mit NATO-Mitgliedern zusammenzuarbeiten, müsse den Verlust der finnischen politischen Unabhängigkeit bedeuten. Kekkonen berichtete Koivisto nach seiner Rückkehr von den Diskussionen, die die strikte Haltung der Sowjetunion deutlich gemacht hatten. Koivisto war geradezu entsetzt – ein Zustandekommen der Zollunion gegen sowjetischen Widerstand war unmöglich.190

Letzte offene Fragen bei der Aushandlung des Nordek-Vertrags waren auf der Sitzung des Nordischen Rats Anfang Februar in Reykjavík beseitigt worden. „Nå kunne selv den mest innbitte skeptiker begynne å tro at det skulle bli noe av Nordøk!“191 Doch am 23. Februar beschloss die finnische Regierung, dass der Zeitpunkt für die Unterzeichnung verschoben werden sollte, bis die Verhandlungskommission die letzten Details geklärt hätte. Im Hintergrund stand auch der Widerstand des SKDL.192 Die Beamtenkommission brachte den Vertrag am 6. März zur Unterschriftsreife, und am selben Tag – die Unterzeichnung des Vertrags war für den 7. März geplant – bat Finnland um Aufschub bis nach den finnischen Wahlen. Bei einem Abendessen mit Palme und Koivisto am 9. März allerdings versprach Kekkonen dem schwedischen Ministerpräsidenten, dass die amtierende Regierung das Abkommen unterzeichnen würde.193 Die Ratifizierung allerdings bliebe der folgenden Regierung überlassen. Trotz vieler Hinweise durch die Botschaft der UdSSR, dass die ablehnende sowjetische Haltung bestehen bleibe, hielt Kekkonen an der Unterzeichnung fest. Grund: Nach Zustandekommen der Nordek wäre Dänemark bei Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der EWG der Sündenbock und für das Fehlschlagen verantwortlich, da der finnische EWG-Vorbehalt lange bekannt war. Diese taktischen Gründe für die finnische Unterzeichnung scheinen aber den Sowjets bekannt gewesen zu sein.194

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Kekkonen diskutierte am Abend des 23. März mit Koivisto und Karjalainen, ob der Vertrag zu unterzeichnen sei oder nicht. Am Nachmittag war Kowaljew bei Karjalainen vorstellig geworden und hatte offiziell erklärt, der sowjetische Standpunkt habe sich nicht geändert; man hoffe darauf, dass Finnland die entsprechenden Maßnahmen ergreife und nicht unterschreibe.195 Ministerpräsident und Außenminister waren einhellig der Meinung, dass man nicht unterschreiben solle. Kekkonen hatte den Schluss gezogen, dass man angesichts der harten sowjetischen Haltung zurückweichen sollte, um neue Bedingungen auszuhandeln, die eine Unterzeichnung ermöglichen würden. Danach hätte man den anderen skandinavischen Ländern zu bedeuten, dass sie ihre EWG-Beitrittsverhandlungen abzubrechen hätten; aus taktischen Gründen sollte man nun unterschreiben, um später die Schuld für das Scheitern von sich weisen zu können.196 Koivisto sträubte sich, schon wieder neue Bedingungen zu stellen, wenn doch nach der Unterschrift das Projekt ohnehin mit dem EWG-Beitritt mindestens eines Landes beendet sei. „Wenn wir es nicht ohne Zusatzbedingungen unterschreiben können, dann lass’ es uns gar nicht unterschreiben.“197 Er berief sich darauf, dass er seinen Amtskollegen sein Wort gegeben hatte, dass Finnland „keine Tricks“ versuchen würde. Kekkonen gab nach, obgleich er diesen Weg für taktisch unklug hielt, Karjalainen war ohnehin schon für die Nichtunterzeichnung (wenn auch aus anderen Gründen). Den Vorschlag des Ministerpräsidenten, als Grund für das Nichtunterzeichnen die Bedenken der Sowjetunion anzugeben, lehnten sie aber ab.198 Am 24. März 1970 beschloss die finnische Regierung bei lediglich einer Gegenstimme – der des Handels- und Industrieministers Grels Teir (SFP199) –, dass sie den Vertrag zur Bildung der Nordek „in dieser Phase“ nicht unterzeichnen werde. Das Kommuniqué der finnischen Regierung hielt nüchtern fest:

„1. Die Regierung stellt fest, dass die Ergebnisanalyse der Nordek-Verhandlungen vom Sachgehalt her den von der Regierung dem Vertrag gesetzten Zielen entspricht.

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2. Die Regierung ist weiterhin der Ansicht, dass die Unterzeichnung des Vertrags nach finnischen Gesetzen ein wesentlicher Teil des Ratifizierungsprozesses des Vertrags ist.

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3. Die Regierung ist auch der Meinung, dass, da andere nordische Länder dabei sind, über einen Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu verhandeln, ein Entstehen und die weiter gehende Durchführung des Vertrags auch im Lichte der von Finnland geäußerten Vorbehalte unsicher sind, und dass der Vertrag nach Meinung der Regierung unter den herrschenden Umständen die an die Ernsthaftigkeit und Beständigkeit des Vertrags gestellten Erwartungen nicht erfüllt.

4. Somit ist die Regierung der Ansicht, dass der Vertrag in dieser Phase nicht unterschrieben werden sollte.200

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Auch wenn das Kommuniqué eine Hintertür für die Fortsetzung der Verhandlungen oder eine spätere Unterzeichnung offenließ, betrachtete Kekkonen die Nordek als endgültig gescheitert. Am folgenden Tag gab Karjalainen seine Zweifel zu Protokoll, ob aus der Nordek vor Ende des Jahres 1970 überhaupt etwas würde; in einer Rede vor Journalisten mehrere Tage nach der Entscheidung zur Nichtunterzeichnung nannte er erstmals die Neutralitätspolitik Finnlands als maßgeblich für den finnischen Rückzug.201

In seiner Rede zur Reichstagseröffnung am 6. April 1970, die auch der Rechtfertigung des finnischen Rückzugs aus der Nordek diente, verwies Kekkonen auf die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit auf den westeuropäischen Märkten zu erhalten. Gleichzeitig unterstrich er, dass die Handelsbeziehungen mit den nordischen Ländern weiterhin von besonderer Bedeutung blieben.202 Am selben Tag teilte die finnische Regierung dem Vorsitzenden der EWG-Kommissions mit, sie sei am Zustandekommen einer handelspolitischen Regelung im Rahmen ihrer Neutralitätspolitik interessiert.203 Im Sommer 1970 bot die EWG den verbliebenen EFTA-Mitgliedern, die keine Beitrittsanträge gestellt hatten, bilaterale Verhandlungen an. Hörte man aus Schweden und Dänemark zur gleichen Zeit noch Stimmen, die der Nordek bzw. einer Skandek eine Zukunft gaben204, so wurde bis Ende 1970 klar, dass sich die nordischen Länder jeweils auf ihre eigene Weise der EWG annäherten:

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”Händelseförloppet tyder på att det nordiska samarbetet, trots dess betydelse och historiska bakgrund, aldrig varit lika viktigt som behovet för de enskilda länderna att trygga sina exportförutsättningar på de viktiga europeiska, speciellt brittiska, marknaderna.”205

3.5 Die Nordek – Paradestück und Debakel des Nordismus

Die Nordek ist von zwiespältiger Bedeutung für die Geschichte der nordischen Kooperation: Zum einen ist das Vorhaben vor allem durch sein Scheitern präsent, zum anderen war es auch das ambitionierteste und prestigeträchtigste aller Projekte des Nordismus in der Nachkriegszeit. Der Plan einer umfassenden wirtschaftlichen Integration der nordischen Länder weckte enorme Erwartungen206: „Grundtonen i den samnordiska opinionen gick alltjämt ut på ‚nu eller aldrig‘.“207 Verschiedene Hintergründe sind hier zu nennen: Der Aufschwung des nordischen Handels in der EFTA und das gemeinsame Auftreten in der Kennedy-Runde waren viel versprechende Entwicklungen. Die Möglichkeiten der EFTA hatten sich wiederum am Ende der 60er Jahre als begrenzt erwiesen; aus Enttäuschung darüber existierten v.a. in Dänemark unrealistisch hohe Erwartungen über den erhofften wirtschaftlichen Erfolg der Nordek. Darüber hinaus rechneten die führenden nordischen Politiker zu Beginn des Nordek-Prozesses kaum mit einer EWG-Erweiterung in der nächsten Zukunft.208

Zusätzlich erhöhte das Scheitern der früheren Versuche den Erfolgsdruck für diesen neuen Ansatz. Die Tatsache, dass Baunsgaards Initiative als überraschend gewertet wurde, und die Ergebnislosigkeit der vorbereitenden Sondierungen ließen bereits das erste Treffen zum kritischen Punkt der weiteren Entwicklung werden. Auf der anderen Seite führte dies früh zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Verhandlungspartnern, das die Weiterführung der Sondierungen trug.209 Weiterhin brachte der Nordische Rat als Diskussionsforum die starke Verknüpfung der ökonomischen Sachfragen mit der Rhetorik der nordischen Kooperation mit sich und forcierte nachgerade die ideologische Überformung des Projekts als Ausweis der integrationspolitischen Überlegenheit des Nordens. Die dort aufgrund jahrelanger Arbeit eingeübte und ständig wiederkehrende von der Ideologie des Nordismus geprägte Rhetorik wirkte sich auch auf die Art der Kommunikation während des Nordek-Prozesses aus. Aufgrund seiner eigenen Aktivität im Nordischen Rat schreibt Wendt wesentlich idealistischer von der unermüdlichen Energie und dem starken persönlichen Engagement der an den Sondierungen beteiligten Ministerialbeamten.210

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Auffallend war das Bemühen vieler Akteure, dem Projekt Nordek eine Dimension der Kontinuität zuzuordnen, indem es in eine Reihe ähnlich oder stärker ambitionierter und erfolgreicher historischer Beispiele gestellt wurde: „Efter bildandet av ‚Zollverein‘ har det väl knappast funnits något område, som i lika hög grad som Norden äger förutsättningar för en mycket långt gående samverkan, t.ex. i form av en ekonomisk union.“211 Ein in pronordischen Kreisen beliebter Bezug war der zur Kalmarer Union, der seine Hochzeit in der Endphase des Nordek-Prozesses hatte, als die Chancen für die Realisation des Projekts sehr hoch eingeschätzt wurden. Auf der Sitzung des Nordischen Rats in Reykjavík stellte der scheidende Ratspräsident Leif Cassel in seiner Eröffnungsrede fest: „Maken till et sådant samarbete mellan nordiska stater har vi icke upplevat sedan 1300-talets Kalmarunion under drottning Margaretha.“212 Dieser Vergleich mit der Kalmarer Union war eine doppelte historische und stark aufgeladene Referenz: Auf der einen Seite meinte man die tatsächliche Union, auf der anderen Seite griff man das viel wirkungsmächtigere Geschichtsbild des Skandinavismus auf (siehe Kapitel 2.1). Bis heute finden sich in offiziellen Materialien des Nordischen Rats Verweise auf diese ‚früheste Form der nordischen Kooperation‘.213 Hieran zeigt sich der ideologische Charakter des Nordismus, den Bernd Henningsen als „ein Produkt des Bewußtseins, ein ‚Überbau-Produkt‘“ bezeichnet hat. Da der Nordismus „immer in Krisenzeiten als politisches Instrument propagiert“ wird, fehlt immer noch „der politische Wille, eine überzeugende Strategie zur Implementation des Nordismus zu entwickeln.“214

Das Prestige des Nordek-Projekts nährte sich aus zwei an und für sich gegensätzlichen Quellen: aus dem idealistischen Nordismus und der handelspolitischen Realität. Vorrangig ging es bei den Sondierungen für das Zustandekommen der Nordek um sog. ‚harte‘ Faktoren – Zolltarife, Übergangsfristen, Kompromisse in bestimmten Wirtschaftssektoren (v.a. der Landwirtschaft) –, doch wohnte der Arbeit auch ein starker ideeller Gedanke inne: „Ämbetsmännen presenterar inte bara förslag till tekniska lösningar. De har också sökt ge Nordek en idépolitisk bakgrund. Den återfinns i de grundläggande värderingar, som på så många områden återspeglas i Norden.“215 Dies stieß aber auch auf (nicht öffentlich geäußerte) Kritik in der finnischen Regierung; Wirtschaftsminister Väinö Leskinen (SDP216) war der Ansicht, dass „der Eifer der Beamten in Finnland und den anderen nordischen Ländern viel zu groß gewesen ist und der Weiterführung der Angelegenheit geschadet“217 habe. Demgegenüber wurde allerdings zu Beginn der Verhandlungen gelobt, dass man nun zu konkreten Maßnahmen schreite mit dem Ziel, wirtschaftliches Wachstum für alle Beteiligten zu erreichen, nachdem die nordische ökonomische Zusammenarbeit früher eben fast ausschließlich von einer ideellen Grundlage aus behandelt wurde.218

Es schien neben den rein ökonomischen Argumenten, die für den Nordek-Plan sprachen, auch die Erwartung, „dass die öffentliche Meinung günstig auf einen neuen nordischen Anstoß reagieren würde“, eine Rolle zu spielen. Zugleich hoffte man, „dass die Zusammenarbeit zwischen den vier Ländern auf diese Weise eine Dynamik und Perspektive erhalten würde, die ihr bisher fehlte.“219 Ein solcher spill-over-Effekt wurde offensichtlich als notwendig erachtet, worauf eine Äußerung des schwedischen Oppositionspolitikers Bertil Ohlin (Vorsitzender der Folkpartiet) im Nordischen Rat im Februar 1970 hindeutet. Ohlin begrüßte ausdrücklich die bevorstehende Verwirklichung der Nordek, unterstrich aber, dass die nordische Kooperation nie auf der Stelle treten dürfe und deshalb das Vorhaben auf dem kulturellen Sektor (das unter dem Namen ‚Nordkult‘ vorbereitet wurde) angegangen werden müsste.220

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Von besonderer Bedeutung für die propagandistische Untermauerung der Nordek war die Vorstellung von der Einheit des Nordens (siehe Kapitel 2.1). Es wurde von vielen Seiten während der Nordek-Verhandlungen betont, dass die nordischen Länder in besonderer Weise für ein solches Gemeinschaftsprojekt geeignet seien. Die Grundvoraussetzungen ihrer jeweiligen Politiken – z.B. im Hinblick auf die Wohlfahrtsstaatspolitik – schüfen trotz gewisser Abweichungen eine gemeinsame Basis für eine so enge wirtschaftliche Kooperation. So schrieb der finnische Verhandlungsführer Erik Törnqvist über den Nordek-Plan:

„Der Norden bildet eine geographisch, demographisch und zivilisatorisch einheitliche Region. Das Wirtschaftsleben aller nordischen Länder ist in besonders hohem Maße auf die internationalen Märkte orientiert. Das Einkommensniveau ist in allen nordischen Ländern hoch. Innerhalb von zwanzig Jahren ist auf verschiedenen Gebieten eine Kooperation entwickelt worden, und viele Schritte hin zur Integration sind getan worden. […] Von daher ist es ganz natürlich, dass die nordischen Länder zu einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit miteinander streben als früher. […] Die nordische Zusammengehörigkeit würde v.a. die schrittweise Umsetzung der Zollunion bezeugen.“221

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Bei aller unterschiedlichen sicherheitspolitischen Orientierung fänden die vier Länder dennoch zur Einheit und die logische Folge sei die mit der Nordek angestrebte tiefere und breitere Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet.222 Letzteres wurde durch das Aufblühen des internordischen Handels seit Gründung der EFTA bekräftigt, zugleich wurde das wirtschaftliche mit dem ideellen Argument der Nähe der nordischen Länder zueinander verschränkt und tauchte in dieser Form z.B. im Kommuniqué des Ministerpräsidententreffens in Kopenhagen im April auf: „Denne udvikling, som er sket de sidste 10 år, har understreget de nordiske landes indbyrdes afhængighed, samt hvor nær de står hinanden.“223

Die Nordek sei eben nicht nur ein ökonomisches Instrument, der Norden bestehe nicht nur aus Wirtschaft und Handel, so schrieb der schwedische Journalist Axel Waldemarson. Es gelte auch das gemeinsame Erbe der miteinander verwandten Kulturmuster zu bewahren: „Endast härigenom kan man mobilisera den styrka som behövs för att ge vår kultur den motståndskraft som krävs för att den skall orka med en fruktbar samverkan vid en konfrontation med den europeiska.“224 Auch in der Presse bewertete man die Nordek ausdrücklich als gemeinsame Prestigesache des Nordens und schätzte die Außenwirkung als hoch ein:

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„Eine skandinavische Zollunion wäre ein kräftig entwickeltes Zusammenarbeitsorgan der Volkswirtschaften, das dem Norden ein neues Gewicht in der Welt gäbe. […] Von einem gesamtnordischen Standpunkt aus besäße die Zollunion die größte Bedeutung nach außen. Der Zollbund wäre eine sichtbare und spürbare Demonstration eines wirtschaftlich geeinten Nordens. […] Das Ziel einer Ausweitung der nordischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit ist ein integrierter Norden, dem es gelingt, im internationalen Wettbewerb dem Vergleich standzuhalten.“225

Je unrealistischer sich die Erfolgschancen der Nordek bereits Ende 1969/Anfang 1970 ausnahmen, desto stärker wurde in manchen Äußerungen darauf gedrängt, dass die Arbeit nicht umsonst gewesen sein dürfe. „Det nordiska samarbete som hittills har utvecklats och den energi som har ägnats och kommer att ägnas kan inte vara bortkastat.“226 Dabei stand das mehrfache Scheitern der früheren Vorhaben (siehe Kapitel 3.1) den Akteuren mahnend vor Augen, wobei die Möglichkeiten, den Norden überhaupt halbwegs zusammenzuhalten, ernsthaft in Frage gestellt war:

Regeringscheferna har drivit diskussionen om det fordjupade ekonomiska samarbetet så långt, att de inte utan vidare kan låta det rinna ut i sanden. Något måste komma ut av arbetet, såvida inte ett nytt och därtill verkligt kraftigt nordiskt samarbetsmisslyckande skall inregistreras.227

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Insbesondere während der Schlussphase des Nordek-Prozesses war der Druck der öffentlichen Meinung und gerade auch der Medien auf die Politiker sehr stark. Nachdem die pronordische Stimmung seit Veröffentlichung des vorläufigen Berichts der Beamtenkommission stetig zugenommen hatte, wurde es für die verantwortlichen Politiker immer heikler, nicht noch ein weiteres Mal einen großen, ja diesen größten Kooperationsversuch zusammenbrechen zu lassen. Es bestand die Gefahr, dass dies der Glaubwürdigkeit der gesamtnordischen Bestrebungen über die Nordek hinaus die Grundlage entziehen könnte.228

Während der Verhandlungen, insbesondere seit Ende 1969, wurde deswegen immer wieder betont, welche Katastrophe das Scheitern der Nordek wäre. Zwar verwies man in solchen Warnungen v.a. auf den drohenden Imageverlust im europäischen Ausland, doch war es für die nordischen Regierungen ebenso wichtig, untereinander das Gesicht zu wahren. Hinzu kam so etwas wie ein ‚nordistischer Automatismus‘, der trotz der Unerwartetheit der Baunsgaard’schen Initiative die Sympathie der Beteiligten hervorrief: „Ingen var på dette tidspunkt forberedt på å starte omfattende nye fremstøt på det nordiske samarbeidsfelt. Men ingen ville heller ta belastningen ved å motarbeide et forslag av en – politisk sett – så sympatisk karakter.“229 Gerade Dänemark als Initiator und Finnland als traditionelles nordisches ‚Problemkind‘ verspürten diesen Druck besonders stark. Der dänische Ministerpräsident Baunsgaard räumte auf der entscheidenden Sitzung des Nordischen Rats im Februar 1970 in Reykjavík das große Risiko ein, das im Angesicht der substanziellen Einigkeit mit einem dennoch vorstellbaren Scheitern verbunden wäre: „Et nederlag ville ikke alene have skadet forholdet mellem de nordiske lande, men også have mindsket respekten for os ude i verden.“230 Der norwegische Außenminister John Lyng schrieb rückblickend:

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„Særlig var situasjonen vanskelig, ja bent frem litt pinlig for Danmark. Det var danskene som, uten noe varsel til oss andre, hadde tatt initiativet til de kompliserte og tunge forhandlinger om Nordøk, som nå hadde pågått i alle nordiske land, og på nær sagt alle politiske og administrative plan, i nesten to år.“231

Wie die Finnen dem zu begegnen versuchten, wird weiter unten ausführlicher untersucht (siehe Kapitel 5.2).

Die Nordek unterschied sich von früheren ähnlich gearteten Vorhaben v.a. in einem entscheidenden Punkt: Es gelang tatsächlich, Einverständnis hinsichtlich der Sachfragen zu erzielen. So weit wie im Fall der Nordek war man noch nie gekommen, da in den anderen Fällen entweder eine allgemeineuropäische die nordische Entwicklung stoppte, oder man auf dem substanziellen Gebiet keinen Konsens erlangte. Gerade angesichts der Skepsis, die gegenüber der Baunsgaard’schen Initiative anfangs dominierte, kann man Frantz Wendts Verwunderung darüber, dass sich im Februar 1970 vier nordische Regierungen und ein einstimmiger Nordischer Rat hinter dem Vertragsentwurf sammelten, nur teilen. Er sieht die Hauptgründe hierfür in der zügig durchgeführten Sondierungstätigkeit und der allgemein günstigen Stimmung für die nordische Kooperation.232 In Anbetracht des Schwerpunkts dieser Arbeit gilt es zu konstatieren, dass die nordische Zusammenarbeit in Finnland erst in den 60er Jahren zu einer Massenbewegung wurde, und somit die dort zu konstatierende Unterstützung der Bevölkerung mit der allgemeinen Entwicklung zusammenfiel.233

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Die Verwirrung und Enttäuschung, die das Scheitern der Nordek in den skandinavischen Ländern, aber auch in Finnland stiftete, muss vor diesem Hintergrund gesehen werden: Obwohl man in den Substanzfragen zur Einigkeit gelangt war, zog sich Finnland zurück. Gerade weil die finnische Regierung – überwiegend zurückhaltend und ohne weitreichende Forderungen agierend – in der Schlussphase der Verhandlungen um einen für sie günstigen Ausgang in der Frage der Finanzierung des Gemeinschaftsfonds rang, erschien ihr Rückzug umso erstaunlicher. Zudem betonte der Regierungsbeschluss vom 24.3.1970 ja ausdrücklich, dass man mit der inhaltlichen Seite des Vertrags zufrieden war.234

Toivo Miljan hat dies als einen Widerspruch zwischen dem substanziellen und dem normativen Aspekt der Nordek interpretiert. Hier kommt der von ihm so genannte ‚nordische Filter‘ ins Spiel, der seiner Meinung nach die Auffassungen der nordischen Länder über ihre eigenen Rollen und die politische Rücksichtnahme aufeinander beeinflusst. Vor allem in Situationen äußeren Drucks führt der nordische Filter zu einer stärkeren Konsensbereitschaft, die im Fall der Nordek immerhin soweit gereicht habe, dass der Vertragsentwurf unterschriftsreif war.235 Hier liegt der zentrale Widerspruch – man könnte auch sagen: die Ironie – der Nordek verborgen. Noch nie waren die nordischen Länder bei der Institutionalisierung ihrer Zusammenarbeit so weit gekommen – und weil sie so hoch hinauf gelangt waren, fielen sie auch so tief. Der selbst auferlegte Erfolgsdruck erwies sich als fatal, als sich am Ende zeigte, dass der Konsens nur bedingt trug und die Übereinkunft in den ökonomischen Sachfragen nicht ausreichte.

Gerade durch sein Scheitern hat das Projekt positiv auf eine pragmatischere Umsetzung in einzelnen Sektoren gewirkt. Die mit der Nordek geplante, aber letztlich nicht in dieser Form verwirklichte wirtschaftliche Kooperation wurde in der Praxis in nahezu gleichem Umfang Sektor für Sektor, v.a. durch die Nordische Investitionsbank, erreicht, wie Max Jakobson festgestellt hat. Zudem blieben Finnland, Norwegen und Schweden EFTA-Mitglieder, konnten also – wenn auch in abgeschwächter Form – das Wachstum der 60er Jahre retten. Weiterhin erreichten diese drei Länder im Laufe weniger Jahre nach Scheitern der Nordek Freihandelsverträge mit der EWG, wobei Finnland sogar etwas bessere Bedingungen aushandeln konnte als Norwegen und Schweden.236 Weiterhin wuchs vor allem der Umfang des Warenaustauschs zwischen Finnland und Schweden im Laufe der 70er Jahre beträchtlich.237

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Aufgrund dieser letztlich mehrheitlich positiven Entwicklung nach dem Scheitern der Nordek wurde sie auch dementsprechend in die Geschichte eingeordnet. Für Claes Wiklund stellte sie eine von drei zentralen Weichenstellungen in der nordischen Kooperation dar: Mit dem Debakel, das der Nordismus mit dem Fall der Nordek erlebte, war nämlich der endgültige Abschied von allumfassenden Paketlösungen und der Übergang zu Sektor für Sektor lose aufgebauten Regelungen verbunden. Gerne wird betont, dass der Nordische Ministerrat als Teil der Nordek-Erbmasse für die Qualität der Sondierungen stünde.238 In diesem Licht war das Ende der Nordek letztlich keine Katastrophe und der ursprünglich verzweifelte Schlusssatz eines finnischen Leitartikels erhält in der Retrospektive prophetischen Charakter: „Nordek kommer att ha sitt värde oberoende av vilken riktning utvecklingen tar.“239 Es zeigte sich aber auch einmal mehr, wie sehr der Nordismus „nur als politische Strategie ernstgenommen [wurde], d.h. als Mittel, nie als Zweck: Erst wenn der größere Markt (= Europa) nicht mehr infrage kommen konnte, wurden ‚nordische Lösungen‘ vereinbart.“240


Fußnoten und Endnoten

129  Stanley V. Anderson: The Nordic Council. A Study of Scandinavian R e gionalism.Stockholm 1967, S. 126.

130  Nordiska Rådet: 2. sesjon 1954 Oslo. Oslo 1954, S. 977.

131  Anderson: The Nordic Council, S. 130.

132  Ebd., S. 132.

133  Thomas Clive Archer: „Nordek – Shadow or Substance?“ In: Integration 2 (1971), S. 108–116, hier: S. 111f.; Wiklund: „Nordek-planen och dess föregångare.“, S. 108f.

134  Vgl. für kürzere Überblicke Martti Häikiö: Suomen lähihistoria [Zeitgeschichte Finnlands]. Helsinki 1991, S. 40f.; Riitta Hjerppe: „Finland’s Foreign Trade and Trade Policy in the 20th Century.“ In: Scandinavian Journal of History 18 (1993), S. 57–76, hier: S. 70; ausführlicher Jukka Seppinen: Suomen EFTA-ratkaisu yöpakkasten ja noottikriisin välissä [Finnlands EFTA-Entscheidung zwischen Nachtfrost- und Notenkrise]Helsinki 1997 (= Bibliotheca Historica; 21), insbesondere S. 202 ff.

135  Henningsen: Nordeuropa – Zusammenarbeit ohne Integration, S. 23.

136  Wiklund: „Zig-Zag Course.“, S. 309.

137  Solem: The Nordic Council, S. 60 ff.

138  „…as we all know the Nordic Market hast been gained inside the Outer Seven.“ Documents on Swe dish Foreign Policy 1959.Stockholm 1960, S. 71. Zitiert nach Archer: „Nordek: Shadow or Substance?“, S. 112.

139  Ulkopoliittisia lausuntoja ja asiakirjoja [Außenpolitische Verlautbarungen und Dokumente] (im Folgenden: ULA) 1965, S. 53.

140  U.a. Zollharmonisierung, Angleichung der Gesetzgebung, handelspolitische Kooperation. Siehe ULA 1965, S. 53.

141  Ebd., S. 53f.

142  Der Nordische Rat verabschiedete 1966 in Kopenhagen die Empfehlung an die Regierungen, die Voraussetzungen für einen Ausbau der nordischen wirtschaftlichen Kooperation zu untersuchen; eine Empfehlung, die im folgenden Jahr in Helsinki beschlossen wurde, legte nahe, mit der Entwicklung der nordischen Kooperation im Allgemeinen fortzufahren. Siehe Nordiska råd under 40 år. Rekommendationer 1953–1991. Ett urval sammanställt av Svenolof Karlsson. København 1991 (= Nord 1992:13), S. 34 und 36.

143  Kleppe: EFTA – NORDEK – EEC, S. 90; Sonne: Nordismens debacle?, S. 14; Erik Törnqvist: „Laajennettuun pohjoismaiseen taloudelliseen yhteistyöhön tähtäävä Nordek-suunnitelma.“ In: Kauppapoliittisia tiedotu k sia 3/1969, S. 3–4hier: S. 3; Wiklund: „Quo vadis, Norden?“, S. 121.
Die Kennedy-Runde war eine Verhandlungsserie im Rahmen von GATT zwischen 1964 und 1967, deren Schlussakte eine stufenweise Zollsenkung von durchschnittlich 35 % auf Industrieprodukte vorsah.

144  Klinge: „Ecce Finnia tridentem!“, S. 46. Im Fall der UNO stießen die finnischen Bestrebungen allerdings auch Anfang der 70er Jahre an ihre Grenzen – der finnische Kandidat für den Posten des Generalsekretärs, der Spitzendiplomat Max Jakobson, wurde von der Sowjetunion (die keinen Finnen auf dem Posten sehen wollte) und von arabischen Staaten (die Jakobson ablehnten, weil er Jude war) verhindert.

145  Siehe Interview mit Mauno Koivisto am 29.8.2001 ; Wiklund: „Quo vadis, Norden?“, S. 122.

146  Nordiska Rådet: 16:e sessionen 1968 Oslo. Oslo 1968, S. 62 ff.

147  Poul Nyboe Andersen: Det umuliges kunst. Erindringer fra dansk pol i tik 1968–77. Odense 1989 (= Odense University Studies in History and Social Sciences; 115), S. 26.

148  Dies waren Mauno Koivisto (Finnland), Per Borten (Norwegen) sowie Tage Erlander (Schweden). Island nahm bei den Nordek-Verhandlungen nur einen Beobachterstatus ein, da es zu diesem Zeitpunkt zunächst auf den Beitritt zur EFTA hinarbeitete, der im März 1970 verwirklicht wurde.

149  Siehe Nordiska Rådet 1968, S. 2214.

150  Mehrere Autoren zeichnen an dieser Stelle ein fehlerhaftes Bild und schildern die Reaktionen auf der Sitzung des Nordischen Rats als begeistert. So z.B. Solem, der schreibt: „The NORDEK proposal was put forward by the Danish government at the 1968 session of the Nordic Council, where it was quite enthusiastically received.“ Solem: The Nordic Council, S. 78. Auch Lindner schätzt diese Stimmungslage vollkommen falsch ein, da seine Annahme auf der Haltung der idealistischen Nordisten basiert. Außerdem lässt er sich davon zu unzulässigen Generalisierungen verleiten: „Ein solcher Vorschlag konnte aufgrund der beinahe selbstverständlichen Befürwortung jeder nordischen Initiative, wenn sie nicht gerade zu einem ungünstigen Zeitpunkt vorgetragen wird, mit einer positiven Entgegennahme rechnen.” Lindner: S u pranationale Integrationsbestrebungen, S. 241. Als jüngeres Beispiel sei Ralf Kübeler mit einem kurzen und von vielen Fehleinschätzungen geprägten Artikel zitiert: „Vorgeschlagen wurde der Entwurf im Frühjahr 1968 von Dänemark auf der Tagung des Nordischen Rates, deren Teilnehmer ihn enthusiastisch aufnahmen und beschlossen, bis Ende des Jahres einen Vertragsentwurf herzustellen.“ Ralf Kübeler: „Nordek: Gescheiterte Kooperation.“ In: NORDEUROPAforum 3/1993, S. 23.

151  Nyboe Andersen: Det umuliges kunst, S. 26. Dies korrespondiert mit einer Feststellung Frantz Wendts: „Dette [gemeint ist der Fortschritt in der nordischen Wirtschaftskooperation, JSt] skyldtes et overraskende initiativ fra den danske regering, som hidtil havde stillet sig så kritisk afvisende over for tanken om en ‚pakkeløsning‘.“ Wendt: Nordisk Råd, S. 71.

152  Koivisto kritisiert ausdrücklich, dass es überhaupt keine Sondierungen vor der Zusammenkunft gab. Interview mit Mauno Koivisto. Laut Wiklund soll es immerhin eine ‚Expresssondierung‘ [„snabbutredning“] gegeben haben: Wiklund: „Quo vadis, Norden?“, S. 122. Koivisto hebt vermutlich darauf ab, dass die Sondierungen praktisch keine Ergebnisse brachten.

153  Urho Kekkosen Arkisto (im Folgenden: UKA), 21/103, Det nordiske statsministermøde i København den 22. – 23. april 1968.

154  Laajennettu pohjoismainen taloudellinen yhteistyö NORDEK. (im Folgendenden: LPTY) Pohjoismaisen virkamiesvaliokunnan alustava mietintö [Erweiterte nordische wirtschaftliche Kooperation Nordek. Vorläufiger Bericht der nordischen Beamtenkommission.] (Nordisk udredningsserie – Nordiske betænkninger 1969:2), Helsinki 1969.

155  Wiklund: „Nordek-planen och dess föregångare.“, S. 113.

156  LPTY1969:2, S. 11.

157  Das Kürzel steht für Nordisk ekonomisk union bzw. Nordiskt ekonomiskt gemenskap und wurde in Finnland und in Schweden so verwendet. In Dänemark und Norwegen hieß das Projekt Nordøk (für Nordisk økonomi) bzw. NØF (für Nordiskt økonomiskt fællesskab). Die Bezeichnung „Union“, die anfangs auch zur Debatte stand, wurde von norwegischer Seite abgelehnt, da sie zu sehr an die Unionen mit Dänemark (1380–1814) und Schweden (1814–1905) erinnerte. Vor allem an letztere knüpfen sich in Norwegen bis heute negative Assoziationen. Ab wann die Bezeichnung Nordek in Gebrauch kam, ist nicht klar nachzuvollziehen, ebensowenig, wer sie als erster benutzt hat. Axel Waldemarson schreibt: „För namngivningen svarade finländarna.“ und gibt an, der Begriff sei in Zusammenhang mit einem der Sondierungsberichte aufgekommen. Waldemarson: Norden – finns den?, S. 19. Auch Mauno Koivisto meint, der Name könne in Finnland entstanden sein und nennt den finnischen Verhandlungsführer Erik Törnqvist als möglichen Namensgeber. Koivisto berichtet auch über ein Treffen der skandinavischen Sozialdemokraten in Dänemark im Sommer 1969, auf dem der dänische Oppositionsführer Jens-Otto Krag die Bezeichnung „Ekonomisk Union“ anstelle von Nordek ins Spiel brachte, ein Vorschlag, auf den die anwesenden Norweger sofort anworteten: „Nie wieder Union“ Koivisto: Liikkeen suunta, S. 206f.

158  Wiklund: „Zig-Zag-Course.“, S. 314.

159  LPTY. Pohjoismaisen virkamieskomitean mietintö [Erweiterte nordische wirtschaftliche Kooperation Nordek. Bericht des nordischen Beamtenkomitees.] (Nordisk udredningsserie – Nordiske betænkninger 1969:15), Helsinki 1969.

160  Als Beilage zum Vertragsentwurf wurde ein detaillierter Vorschlag veröffentlicht, der die gemeinsamen nordischen Zölle für verschiedene Warengruppen auflistete, wie sie eingeführt werden sollten. Vgl. Utvidgat nordiskt ekonomiskt samarbete. Preliminär rapport från Nordiska ämbetsmannakommittén. Bilagor. Fotokopie ohne Ortsangabe, 1969. In: Ulkoasiainministeriön arkisto (im Folgenden: UM), 58 H, Nordek.

161  Vgl. LPTY 1969:15, S. 44.

162  Ingemar Hägglöf: Dagbok från salutorget. Borgå 1990, S. 266; Heinonen: „Kuinkas siinä kävikään?“, S. 30f.; Wendt: Nordisk Råd, S. 74.

163  Siehe UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, P.M., Nordek-kysymys [Die Nordek-Frage], Erik Törnqvist; Koivisto: Liikkeen suunta, S. 223f.

164  Siehe H. Peter Krosby: Kekkosen linja. Suomi ja NL 1944–1978 [Kekkonens Linie. Finnland und die SU 1944–1978]. Helsinki 1978, S. 264f.; Agnete Nissborg: Danmark mellan Norden och väst. Uppsala 1985 (= Acta Universitatis Upsaliensis/Skrifter utgivna av Statsvetenskapliga föreningen i Uppsala; 101). Zugleich: Dissertation, Universität Uppsala 1985, S. 98f.

165  Ein besonderer Erfolg war, dass Schweden den dänischen Forderungen im Hinblick auf die Regelungen für die Landwirtschaft nachgab. Wiklund: „Zig-Zag Course.“, S. 318.

166  Gunnilla Nordquist und Barry Turner: The Other European Community. I n tegration and Co operation in Northern Europe. London 1982, S. 148.

167  Die als „iltakoulu“ [Abendschule] bezeichnete inoffizielle Arbeitssitzung des finnischen Kabinetts findet immer am Vorabend der offiziellen Kabinettssitzung statt und dient der Kompromissfindung und der informellen Diskussion. Da der eigentlichen Beschlussfassung so nur noch formaler Charakter zukommt, sind diese „Abendschulen“ halboffiziellen Charakters. Vgl. Jaakko Nousiainen: Suomen poliittinen järj e stelmä [Das politische System Finnlands], Porvoo/Helsinki/Juva 101998, S. 228.

168  UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, Ote pöytäkirjasta hallituksen iltakoulusta [Auszug aus dem Protokoll der Regierungs-Abendschule] 3.12.1969, Seppo Lindblom [Sekretär des Ministerpräsidenten, JSt]; Koivisto: Liikkeen suunta, S. 226; Juhani Suomi: Taistelu puolueettomuudesta. [Kampf um die Neutralität] Urho Kekkonen 1968–1972. Helsinki 1996, S. 325f.

169  Kauko Rumpunen (Hg.): Aikoja ja tapauksia Ahti Karjalaisen elämästä. Porvoo/Helsinki/Juva 1997, S. 251 [Tagebucheintrag vom 3.12. 1969].

170  Rumpunen: Aikoja ja tapauksia Ahti Karjalaisen elämästä, S. 251 [Tagebucheintrag vom 5.12. 1969].

171  Koivisto: Väärää politiikkaa, S. 44 und S. 50.

172  Vgl. UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, Pääministeri Koiviston puhelut pohjoismaiden pääministereille [Telefonate von Ministerpräsident Koivisto an die skandinavischen Ministerpräsidenten] 5.12.1969. Diese Gesprächsnotizen Koivistos ergeben ein vollkommen anderes Bild von der Situation. Sie wurde üblicherweise so interpretiert, dass die finnische Regierung das Turkuer Treffen ersatzlos streichen und aus den Nordek-Verhandlungen aussteigen wollte. In Koivistos Notiz heißt es aber: „Ich kann nach Turku nicht eine derartige Versammlung einberufen wie befürwortet.“ [„En voi ottaa Turkuun sellaista kokousta kuin suositeltu.“ Hervorhebung im Original]. Die Aufgeregtheit und Hektik der Reaktionen hat diese Tatsache überdeckt.

173  Vgl. UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, Pääministeri Palmen puhelu pääministeri Koivistolle [Telefonat von Ministerpräsident Palme an Ministerpräsident Koivisto] 8.12.1969.

174  Vgl. Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 253f.; Koivisto: Liikkeen suunta, S. 226f.; Wendt: Nordisk Råd, S. 74.

175  UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, Statsministermötet i Helsingfors 12–13 december 1969, Kommuniké.

176  ULA1969, S. 93.

177  Koivisto: Väärää politiikkaa, S. 52.

178  Rumpunen: Aikoja ja tapauksia Ahti Karjalaisen elämästä, S. 252 [Tagebucheintrag vom 5.1.1970].

179 

Dies war bereits in einer Unterredung mit Koivisto am 29.12.1969 angeklungen. Suomi betrachtet sie mit Recht als einen weiteren Wendepunkt, da Kekkonen bereits hier – nicht erst mit dem Brief – die Angelegenheit in seine Hände nahm. Suomi: Taistelu puolueettomuudesta, S. 333.

Raimo Väyrynen hat den EWG-Vorbehalt Kekkonens „Imperativ der Integrationspolitik“ genannt. Raimo Väyrynen: Tasavallan presidentit. T a savalta kasvaa ja kansainvälistyy 1956–1981 [Die Präsidenten der Republik. Die Republik wächst und internationalisiert sich 1956–1981]. Porvoo 1994, S. 149.

180  UKA, UKK:n vuosikirjat 1970, Brief Kekkonens an Koivisto 7.1.1970.

181  Ebd.

182  Siehe ULA 1970, S. 79.

183  Siehe Suomi: Taistelu puolueettomuudesta, S. 336.

184  Siehe Jakobson: 38. kerros, S. 253.

185  Siehe Suomi: Taistelu puolueettomuudesta, S. 341f.

186  Suomen Kansan Demokraattinen Liitto [ugf. Volksdemokratischer Bund Finnlands, Dachorganisation der finnischen sozialistischen/kommunistischen Parteien, 1944–1990, seither Vasemmistoliitto/Linksbündnis].

187  Suomi: Taistelu puolueettomuudesta, S. 329.

188  Suomen Kommunistinen Puolue [Kommunistische Partei Finnlands], größte Mitgliedsorganisation des SKDL.

189  Für russische Eigennamen kommt hier die Duden-Transliteration zur Anwendung, da diese dem Autor und anderen Lesern ohne slawistische Ausbildung diese aus den deutschen Medien vertrauter ist als die wissenschaftliche Transliteration.

190  Suomi: Taistelu puolueettomuudesta, S. 348.

191  John Lyng: Fra borgfred til politisk blåmandag. Erindringer 1968–1971. Oslo 1978, S. 126.

192  Siehe Wiklund: „Quo vadis, Norden?“, S. 127.

193  Siehe Koivisto: Liikkeen suunta, S. 236f.

194  Siehe Suomi: Taistelu puolueettomuudesta, S. 353 ff.

195  Rumpunen: Aikoja ja tapauksia Ahti Karjalaisen elämästä, S. 253 [Tagebucheintrag vom 23.3.1970].

196  Urho Kekkonen [Keijo Korhonen/Maarit Tyrkkö (Bearb.)]: Kirjeitä my l lystäni 2. 1968–1975 [Mahnbriefe 2. 1968–1975] Helsinki 1976, S. 121

197  Koivisto: Liikkeen suunta, S. 237f., Zitat: S. 238.

198  Rumpunen: Aikoja ja tapauksia Ahti Karjalaisen elämästä, S. 253 [Tagebucheintrag vom 23.3.1970].

199  Svenska Folkpartiet.

200  UKA, 21/113, Tiedonanto valtioneuvoston istunnosta [Mitteilung zur Kabinettssitzung] 24.3.1970.

201  Siehe Lasse Kangas: Ahti Karjalainen tasavallan kakkosena [Ahti Karjalainen als Nummer Zwei der Republik] Helsinki 1984, S. 134; Wiklund: „Zig-Zag-Course“, S. 335.

202  Siehe ULA1970, S. 14–17, hier: S. 16f.

203  Siehe Jakobson: 38. kerros, S. 256.

204  Vgl. Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 270.

205  Siehe Susanna Fellman und Christian Lindholm: Tillväxt, omvandling och kris. Finlands ekonomi efter 1945. Helsingfors 1996, S. 198.

206  Interview mit Mauno Koivisto am 29.08.2001.

207  Carl Olof Tallgren: „Ja till Nordek 1970.“ In: Finsk Tidskrift 187/188 (1970), S. 1–9, hier: S. 4.

208  Krosby: Kekkosen linja, S. 272; Wendt: Nordisk Råd, S. 76.

209  Koivisto: Väärää politiikkaa, S. 57.

210  Vgl. Wendt: Nordisk Råd, S. 77.

211  Erik Törnqvist: „Nordek-planen.“ In: Ekonomiska Samfundets Tidskrift; Tredje Serien 22 (1969), S. 95–104, hier: S. 95.

212  Wendt: Nordisk Råd, S. 75. Der dänische Historiker und Politiker Frantz Wendt gehörte zu den Gründungsvätern des Nordischen Rats, er nahm gemeinsam mit dem Schweden Hans Hedtoft eine zentrale Rolle dabei und bei den ersten erfolgreichen Kooperationsprojekten wie der Passunion und dem gemeinsamen Arbeitsmarkt ein. Wendt war 1943–1953 Leiter der dänischen Forening Norden und 1952–1975 Leiter der dänischen Delegation beim Nordischen Rat.

213  Allerdings muss eingeräumt werden, dass der Bezug auf die Kalmarer Union letztlich mehr als schmückendes historisches Beiwerk zu sehen ist, und dass tatsächlich niemand ernsthaft mehr behauptete, aus den damaligen Verhältnissen sei irgendetwas zu lernen. Somit sollten auch die in Zusammenhang mit der Nordek aufgekommenen Verweise auf die mittelalterliche Tripelmonarchie in den Bereich der nordistisch-romantischen Floskeln eingeordnet werden. Ein Beispiel ist der Artikel von Axel Waldemarson: „Nordek, Nordkult och Nordtrans…vad blir det av dem?“ in Svenska Dagbladet 25.1.1970. Er wird von einem Zitat aus dem Unionsbrief von 1397 eingeleitet, woraufhin Waldemarson schon im ersten Abschnitt feststellt, wie wenig die beiden Vorhaben eigentlich verbindet. Letzten Endes ist die wichtigste Feststellung, was diesen Vergleich betrifft, dass im Falle der (schon als sehr unsicher eingeschätzten) Verwirklichung der Nordek diese vermutlich die weitest gehende Verbindung über die Grenzen der beteiligten Länder seit den Zeiten der Kalmarer Union wäre.

214  Henningsen: Die schwedische Konstruktion einer nordischen Identität, S. 35 (alle Zitate).

215  Waldemarson: Norden – finns den?, S. 19.

216  Suomen Sosialidemokraattinen Puolue [Sozialdemokratische Partei Finnlands].

217  UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, Ote pöytäkirjasta hallituksen iltakoulusta 3.12.1969, Seppo Lindblom.

218  Uusi Suomi 24.4.1968: Pohjolan talousyhteisön luominen tutkittavaksi. Yhteistyöhalua Kööpenhaminassa [Schaffung einer Wirtschaftsgemeinschaft im Norden zu untersuchen. Kooperationswille in Kopenhagen].

219  Niels Jørgen Haagerup: „Politische Aspekte des Projekts einer Nordischen Wirtschaftsunion (NORDEK).“ In: Europa-Archiv. Zeitschrift für Internationale Politik 24 (1969), S. 600–609, hier: S. 600 (beide Zitate).

220  Helsingin Sanomat 8.2.1970: Ahti Karjalainen: Nordek ei ole Suomelle astinlauta EEC:hen [Ahti Karjalainen: Die Nordek ist für Finnland kein Sprungbrett in die EWG]. Eine ähnliche Forderung findet sich bei Waldemarson: Norden – finns den?, S. 34f.: „De närmaste åren blir avgörande. Då gäller det att konsolidera samarbetet i Norden. När och om vi kommer med i en mera dynamisk ekonomisk gemenskap, måste vi också kunna handla på det kulturella området. […] Att en förverkligad Nordek också ökar möjligheterna till kultursamverkan är uppenbart.“

221  Törnqvist: „Nordek-suunnitelma.“, S. 3.

222  Siehe UM, 58 H, Nordek, Päivän Sanomat 15.1. 1969 (ohne Überschrift).

223  UKA, 21/103, Det nordiske statsministermøde i København den 22.–23. april 1968.

224  Waldemarson: Norden – finns den?, S. 34f.

225  UM, 58 H, Nordek, Uusi Suomi 15.1. 1969 (ohne Überschrift).

226  Hufvudstadsbladet 18.1.1970: Finlands förbehåll.

227  Waldemarsson: Norden – finns den?, S. 26.

228  Siehe Wendt: Nordisk Råd, S. 77.

229  Lyng: Fra borgfred til politisk blåmandag, S. 77.

230  Nordiska Rådet 1970, zitiert nach: Wendt: Nordisk Råd, S. 77.

231  Lyng: Fra borgfred til politisk blåmandag, S. 118f.

232  Vgl. Wendt: Nordisk Råd, S. 76.

233  Vgl. Selén: „Finlands förändrade inställning.“, S. 412 u. 416.

234  Vgl. UKA, 21/113, Tiedonanto valtioneuvoston istunnosta 24.3.1970.

235  Vgl. Toivo Miljan: The Reluctant Europeans. London 1977, S. 97 u. 109.

236  Siehe Jakobson: 38. kerros, S. 257.

237  Siehe Osmo Apunen: Paasikiven–Kekkosen linja [Die Paasikivi-Kekkonen-Linie]Helsinki 1977, S. 322.

238  Wenngleich die Änderungen des Helsinkier Abkommens von 1961, die rechtliche Grundlage des Nordischen Ministerrats wurden, von einem von der Nordek-Beamtenkommission getrennten Gremium unter dem früheren finnischen Ministerpräsidenten Karl August Fagerholm (SDP) ausgearbeitet wurden.
Die Deutung der Nordek als Markstein für das Ende der Paketlösungen hat Wiklund in verschiedenen Publikationen vertreten: Sundelius/Wiklund: „Nordic Cooperation in the Seventies.“; Wiklund: „Från helhetsplaner till sektorssamverkan.“; den gleichen Titel trägt bei nicht identischem Inhalt ein von ihm verfasstes Kapitel in Sundelius/Wiklund: Norden i sicksack, S. 125–143.

239  Hufvudstadsbladet 18.1.1970: Finlands förbehåll.

240  Henningsen: Die schwedische Konstruktion einer nordischen Identität, S. 35 (Hervorhebung im Original).



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05.12.2005