4 Nordische Fremdbilder im Nordek-Prozess

4.1 Die Sicht der skandinavischen Verhandlungspartner auf Finnland

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Während der Nordek-Verhandlungen nahmen die skandinavischen Länder gegenüber Finnland wechselnde Positionen ein, grob gesagt in einer Entwicklung von Zögern über Bejahung hin zu Skepsis und scharfer Kritik. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen Politik und Presse sowie zwischen den einzelnen Ländern. Eine ausführliche Untersuchung der skandinavischen Sicht kann hier nicht vorgenommen werden, aber in diesem eher kursorischen Durchgang lässt sich die Tendenz des Meinungsbildes erkennen. Für Meinung und politisches Handeln auf finnischer Seite, wie sie in den Kapiteln 4.2 und 5 untersucht werden, spielte dieses eine erhebliche Rolle.

In der Anfangsphase waren die meisten Stellungnahmen in den drei skandinavischen Ländern zur Beteiligung Finnlands von Erstaunen oder Zweifeln geprägt. In Dänemark und Norwegen herrschte einige Skepsis, ob die gemeinsame Mitgliedschaft in einer Organisation mit Schweden und Finnland sich nicht als hinderlicher Faktor im Hinblick auf die EWG herausstellen könnte; konkret befürchtete man, dass Brüssel sich veranlasst sähe, weniger als eine Vollmitgliedschaft anzubieten.241 Über die Teilnahme Finnlands zeigte man sich u.a. in Norwegen und Dänemark v.a. in der Presse sehr erstaunt und bezweifelte, dass Finnland irgendeine Möglichkeit zur Teilnahme an einer vertieften Zusammenarbeit hätte. Einer der ersten Vorschläge, der dem Projekt einen Namen geben sollte, kam vom dänischen Außenminister Poul Hartling und lautete ‚Sve-Da-No‘, schloss also Finnland überhaupt nicht mit ein. Auch Koivistos Anekdote vom ersten Nordek-Gipfeltreffen in Kopenhagen spricht Bände: Zu der angesetzten Fernsehdiskussion war er zunächst gar nicht eingeladen; den Grund hierfür vermutete er in der finnischen Zurückhaltung auf dem nordischen Parkett.242

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Als dann die finnischen Reaktionen auf den Vorschlag Baunsgaards positiv waren, herrschte offensichtlich Verblüffung über den so deutlichen finnischen Optimismus. Festmachen lässt sich dies v.a. an den positiven Stellungnahmen, die Mauno Koivisto in Zusammenhang mit dem Kopenhagener und dem Osloer Gipfeltreffen abgab. Die skandinavischen Regierungen reagierten hierauf sehr überrascht.243 Der dänische Handelsminister Nyboe Andersen nennt in seinen Memoiren die europäische Orientierung des Nordek-Plans als Grund für anfängliche Skepsis und Überraschung:

„Det kan undre mig, at jeg heri ikke har nævnt Finlands vanskeligheder med at acceptere den tanke, at NORDEK måtte indpasses i en bredere europæisk løsning, når en sådan blev mulig. Det var overraskende, at Finland på denne baggrund var villig til at deltage i forhandlingerne på lige fod med de tre skandinaviske lande. Men Koivisto […] har måske ment, at det „østeuropæiske forår“ 1968 også gav Finland et større spillerum end normalt, og har personligt ønsket at markere landets tilknytning til Norden i denne situation.“244

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Die Beteiligung Finnlands am Nordek-Projekt verstärkte den Glauben der skandinavischen Regierungen daran, dass Finnlands Außenpolitik neuen Bewegungsspielraum erhalten hatte – wobei der Rückzug diesen Effekt zum Teil wieder schmälerte.245 Hinsichtlich der Wünsche Finnlands, insbesondere Koivistos, nach stärkerer nordischer Orientierung bestanden jedenfalls keine Zweifel, doch existierte zugleich die Einschränkung durch den hier eher versteckt auftauchenden Hinweis auf die v.a. von den beiden NATO-Ländern so gesehene problematische Stellung Finnlands. Man sah die finnische Regierung unter zu starkem sowjetischen Druck, dem man negative Wirkung auf Finnlands nordisches Engagement zusprach. Solche Äußerungen wie diese hier retrospektiv abgegebene fanden sich auch zur Zeit der Nordek-Verhandlungen. Sie zogen sich wie ein roter Faden durch die Verhandlungen, wobei sie für längere Zeit verstummten, als die erfolgreiche Sondierungsarbeit zunächst wenig Anlass zu Zweifeln gab.

John Lyng sah in der finnischen Politik einen Dualismus des Wünschens und (aufgrund des sowjetischen Einflusses) Könnens, der zu der von ihm kritisierten Zweideutigkeit der finnischen Verhandlungsposition führte. „Kort sagt, det hvilte hele tiden et svakt skjær av uvirkelighet over den finske deltagelsen i forhandlingene.“246 In dieser Stellungnahme zeigt sich, dass die Skandinavier überwiegend Finnland nicht auf ihrer Rechnung hatten, als der Vorschlag für die Nordek aufkam. Selbst der affirmativen Haltung, die v.a. Koivisto dann an den Tag legte, wurde zumindest mit Skepsis begegnet. Als Hintergrund muss man zum einen die negative Rolle Finnlands in früheren Verhandlungen sehen, zum anderen könnte das ursprüngliche Streben Baunsgaards nach einer rein dänisch-schwedischen Regelung im Agrarbereich als ausschlaggebend vermutet werden.247 Interessanterweise herrschte auch über die Haltung zu den Finnen Uneinigkeit unter den Skandinaviern. So kritisierte beispielsweise der schwedische Botschafter in Helsinki Ingemar Hägglöf, dass Dänen und Norweger als Reaktion auf Koivistos deutliche Willenserklärung in Oslo „genast hade […] dragit öronen åt sig och blivit misstänksamma.“248 Dass diese Polemik von schwedischer Seite kam, bekräftigt die klassische Zweiteilung des Nordens249, wie sie sich in den Nordek-Verhandlungen einmal mehr präsentierte (siehe Kapitel 4.3). Auf der anderen Seite waren z.B. im norwegischen Storting durchaus verständnisvolle Stimmen zu hören, wie die des sozialdemokratischen Oppositionsführers Trygve Bratteli, der akzeptierte, dass Finnland seine Beziehungen zur Sowjetunion beachten musste. Eine Beteiligung Finnlands an den Verhandlungen gebe der nordischen Kooperation einen zusätzlichen Impuls.250

Man kann jedenfalls nicht für die gesamte Dauer des Nordek-Prozesses von direkten Auswirkungen des insgesamt eher skeptischen Meinungsbildes über Finnlands Teilnahme an den Verhandlungen sprechen. So stellten die skandinavischen Länder während der Anfangsphase keine politischen Forderungen an Finnland, da sie sich hierin durch ihre eigene Beteiligung und das gemeinsam zu verfolgende Interesse eingegrenzt sahen.251 Die Überwindung der anfänglichen Skepsis, die Zurückhaltung Finnlands in den Sachverhandlungen, aber auch die Gepflogenheit, die Partizipation aller Kooperationspartner prinzipiell gutzuheißen, trugen dazu bei. Im Herbst 1969 begannen alle drei skandinavischen Regierungen, zeitlichen Druck auf Finnland auszuüben, da v.a. Dänemark und Norwegen an einer Verwirklichung der Nordek vor Beginn der EWG-Erweiterung gelegen war. Als die Ereignisse im Dezember 1969 zum vorläufigen Ausstieg Finnlands aus den Verhandlungen führten, setzten v.a. dänische Politiker Finnland offen unter Druck. Schon im Februar 1969 hatte Jens Christensen, Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung im dänischen Außenministerium, gegenüber dem schwedischen Botschafter Hägglöf in einem vertraulichen Gespräch seiner Meinung Ausdruck verliehen, dass ein vorläufiges Ausscheiden Finnlands aus den Nordek-Verhandlungen nicht als Problem gesehen würde: „Bättre därför, om Finland inte hann med, att vi tre skandinaviska länder bildade en union oss emellan. Och så fick Finland ansluta sig i efterhand. Så som det gick till med EFTA.“252

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Der Skandek-Vorschlag Baunsgaards zeigte dann auch der Öffentlichkeit, dass Dänemark eine Nichtbeteiligung Finnlands leicht verschmerzen könnte. In einem gemeinsamen Interview mit Suomen Kuv a lehti sprachen sich Baunsgaard und Krag zwar für die prinzipielle Beteiligung Finnlands aus, beide verwiesen aber auf das von Christensen erwähnte Vorbild. Finnlands Entscheidungen dürften die anderen Länder an der Gründung der Nordek nicht behindern, aber wie bei der EFTA seien später Vollbeitritt oder Assoziierung möglich.253 Krag wich also von der sonst üblichen Solidarität unter den nordischen Sozialdemokraten ab – womit er den nationalen Interessen Dänemarks im Fall Nordek eine deutlich höhere Priorität zumaß als Bratteli oder Palme im Vergleich.

Hier erwies sich die Haltung Norwegens und Schwedens als hilfreich, die den Skandek-Vorschlag sofort ablehnten, womit der Druck vorerst von Finnland genommen wurde. Schweden setzte sich überhaupt im Verlauf der Nordek-Verhandlungen von den drei skandinavischen Ländern am stärksten für Finnland ein. Hägglöf nennt Schwedens ökonomisches Interesse an Finnland als einen Grund dafür254, doch müssen daneben auch der lange eingeübten Rolle der früheren ‚Kolonialmacht‘ und des ‚großen Bruders‘ Bedeutung zugemessen werden. In politischen Stellungnahmen von schwedischer Seite herrschte ein selbst in diesem Licht noch erstaunlich hohes Maß an Verständnis für die finnische Politik. Auf dem Nordek-Gipfeltreffen in Helsinki am 12./13. Dezember 1969 erklärte Olof Palme, dass Finnland nun Zeit brauche, um die Frage weiterzuführen, eine Ansicht, die Koivisto mit Verweis auf die EFTA-Assoziierung untermauerte. Weiterhin vermerkte das Protokoll:

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Palme frågade, om den nuvarande situationen innebär en ändring i finsk utrikespolitik, som hittills i allmänhet varit positiv gentemot ett utvidgat samarbete i Norden, d.v.s. kommer Finland att nu vända sig ifrån Norden? […] I fråga om det andra spörsmålet – trelandsmöjligheten – konstaterade Palme, att Sverige bedömer Finlands medverkan för så värdefull, att man inte kan tänka sig vara bunden av någon bestämd tidtabell med sikte på ett avgörande före Reykjavik-sessionen.“255

Auch die Mitglieder im auswärtigen Ausschuss des schwedischen Parlaments äußerten kurz vor Weihnachten 1969 ihre Hoffnung, dass ungeachtet der latenten Unsicherheit die Nordek nach den finnischen Wahlen verwirklicht würde. Der finnische Botschaftssekretär berichtete, dass „alle […] den Skandek-Gedanken abgelehnt hatten, da man es als wichtig ansah, zu vermeiden, dass Finnland in eine isolierte Position gerate.“256

Dass Finnland im Dezember 1969 nicht von den Verhandlungen ausgeschlossen wurde, dürfte zu einem großen Teil auf die schwedischen Bemühungen, dies zu verhindern, zurückzuführen sein. Dies bedeutet wiederum nicht, die Regierungen Dänemarks und Norwegens hätten sich im Sinne einer Ausbootung der Finnen erklärt; Borten lehnte die Skandek ebenfalls ab. Doch die Auffassung Baunsgaards, zunächst ohne Finnland weiterverhandeln zu können, zeigte, dass er sich stärker an der ursprünglichen Idee der ‚Sve-Da-No‘ orientierte. Überspitzt gesagt war die Teilnahme Finnlands aus dieser Sicht eine Art ‚Dekor‘ für den Nordismus, eine ‚Schönwettervariante‘, auf die man im Notfall zu verzichten bereit war. Die ungeschriebenen Regeln der politischen Rhetorik geboten jedoch auch Baunsgaard, in öffentlichen Erklärungen die Harmonie zwischen den Verhandlungspartnern hervorzukehren.

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Anders sah es bei der Pressemeinung aus, die verallgemeinert gesagt von einer stärkeren und durchgängigeren Skepsis gegenüber der finnischen Beteiligung geprägt war. In der Anfangsphase fielen die beiden Haltungen überwiegend zusammen, wobei z.B. dänische Stimmen von Beginn an eine nordische Lösung ablehnten und stattdessen ihren Blick trotz des französischen Vetos nach Brüssel richteten. Längere Zeit war auch in der skandinavischen Presselandschaft eine relative Ruhe eingekehrt, was wohl auf eine abwartende Haltung gegenüber den Ergebnissen der Sondierungen und Vertragsverhandlungen hindeutet. Hinsichtlich der Fragestellung dieser Untersuchung scheint darauf auch die Rolle Finnlands als ‚Mitläufer‘ einen gewissen Einfluss gehabt zu haben. Die finnischen Vertreter fielen jedenfalls kaum durch gewagte Forderungen auf, ein Umstand, der intern sogar vom Außenminister indirekt kritisiert wurde.257 Diese Zurückhaltung dürfte im übrigen auch dazu geführt haben, dass die politischen Verhandlungspartner sich Finnlands Beteiligung so sicher wähnten. Die Presse kommentierte die Nordek in der Zeit bis Dezember 1969 ohnehin immer seltener und trotz gewisser Detailprobleme schien man eher mit der Realisation des Projekts zu rechnen – unabhängig vom Grad der Befürwortung. Doch mit dem vorläufigen Abbruch der Verhandlungen von finnischer Seite veränderte sich auch das Interesse der skandinavischen Medien und richtete sich sehr stark auf die Rolle Finnlands:

„Koivistos telegram [gemeint sind die mit der Nachricht von der Absage des Turkuer Gipfeltreffens, JSt] föranledde en väldig uppståndelse i Norden. Dittills hade press och opinion alltmer förstrött följt med den utdragna nordiska förhandlingen. Men nu vaknade plötsligt intresset till liv. Strålkastarljuset tändes. Det höll tydligen på att hända någonting. Tidningarnas rubriker, telegram, och kommentarer ägnades för några dagar åt ‚Finlands lappkast’. Vad hade hänt? Skulle Finland hoppa av? Skulle Nordek därmed förvandlas till en skandinavisk union, till ett ‚Skandek’?”258

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In der Schlussphase des Nordek-Prozesses überwog in den meisten hier herangezogenen Kommentaren Skepsis gegenüber der finnischen Nordek-Politik, sie wurde häufig als suspekt oder unaufrichtig kritisiert. Ein Hauptgrund war, dass offenbar die zu Beginn bereits existenten Zweifel, wie weit Finnland an einem derartigen Kooperationsprojekt partizipieren könnte, auch durch die finnische Zurückhaltung in den Verhandlungen nicht vollkommen ausgeräumt wurden.259

Die meisten Pressekommentare waren – kaum überraschend – von einer nationalen Sicht auf die gesamtnordischen und die finnischen Probleme geprägt. So vertrat gerade die bürgerliche Presse in Dänemark von Anfang an einen sehr kritischen Kurs gegen die Nordek, da die Vorteile einer dänischen EWG-Mitgliedschaft gefährdet würden; der Ton verschärfte sich nach dem Haager Gipfel nur noch. Die Analysen linker dänischer Zeitungen betrachteten die durch den finnischen Absprung im Dezember 1969 hervorgerufene Verzögerung insofern als schädlich, dass Dänemark in den Augen der EWG an einen isolierten Norden gefesselt sei.260 Die dänischen EWG-Pläne bildeten das Zentrum der Argumentation. Dennoch wurde bei aller Kritik, die an Finnland geäußert wurde, das Argument eines fehlenden ‚nordischen Verständnisses‘ kaum zur Anwendung gebracht. Entsprechend fand sich dies in der norwegischen Aftenposten wieder, die weiterhin schrieb, die nordische Unionsalternative sei nicht mehr von Interesse für die in die EWG strebenden Länder.261 Gegenüber dieser eher finnlandkritischen Zeitung fand Morgenbladet mehr Verständnis und unterstützte die Teilnahme Finnlands stärker: „Om Nordek på det hela taget har någon mening bör en av poängerna vara att knyta Finland närmare den nordiska gemenskapen. Att utveckla skandinavisk gemenskap som utesluter Finland förlorar varje förnuftig mening, ansåg tidningen.“262

In der schwedischen Pressemeinung fanden sich am ehesten Äußerungen über die Bereitschaft, Finnland weiter in der Nordekgruppe zu halten, wie z.B. in Svenska Dagbladet: „Nordek bygger på fyra länders medverkan; en skandinavisk samarbetsbas är aldrig detsamma som en nordisk lösning.“263 Besonders finnlandfreundlich verhielt sich Aftonbladet, das wiederholt um Verständnis für die komplizierten Bedingungen der finnischen Außenpolitik warb und die unbedingt positive Einstellung des Landes zur nordischen Kooperation sowie die Notwendigkeit einer den skandinavischen Ländern gleichwertigen Position Finnlands im Norden unterstrich.264 Das Magazin Veckans affärer verfolgte die Nordek-Verhandlungen sehr intensiv und beurteilte die finnische Politik als weniger inkonsequent, als sie nach außen oft erscheine. In ähnlicher Manier wie die Kommentatoren von Aftonbladet versuchte man zudem, die finnische Position im Norden genauer auszuloten und den unfreiwilligen Nutzen der finnischen Zickzackpolitik für eine stärkere Hinterfragung der Mängel des Projekts zu betonen.265 Interessanterweise finden sich die Äußerungen mit dem stärksten Optimismus und Verständnis, was die finnische Position betrifft, in der schwedischen Presse, und zwar in sozialdemokratisch orientierten Blättern wie Aftonbl a det oder Arbetet. 266 Überwiegend kritisch blieben Svenska Dagbladet und Dagens Nyheter eingestellt, obwohl in beiden im Allgemeinen mehr Interesse für Finnland als in der dänischen Presse vorhanden war. Die Perspektive war hier überwiegend von der schwedischen Stellung zur EWG bestimmt. Die Analysen gingen allerdings auch stärker als die dänischen oder norwegischen von einer Schädigung der nordischen Zusammenarbeit aus; dementsprechend warnte man davor, „att utsätta sina medförhandlare för så täta chocker som Finland gjort.“267

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Die stärkste Verbitterung über Finnlands Entscheidung, die Nordek endgültig fallen zu lassen, herrschte in der dänischen Pressemeinung. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass sich die dänische Presse ganz klar nicht in gleichem Maße verpflichtet fühlte, dem nordischen Bruderschaftsgeist denselben Tribut zu entrichten wie die Politiker, insbesondere die im Nordischen Rat vertretenen. Auf der anderen Seite war eine Mehrheit der dänischen ökonomischen und politischen Eliten nicht dazu bereit, die Nordek als eine ernsthafte Alternative zur EWG zu behandeln.268 Hierin bestand ein klarer Unterschied zur finnischen Betonung des nordischen ‚Eigenwerts‘ (siehe Kapitel 5.3). Aus Sicht des finnischen Botschafters in Kopenhagen P.K. Tarjanne fuhren die dänischen Zeitungen nach dem 24. März 1970 mutatis mutandis damit fort, gegen die Nordek zu schreiben. Für die als unbegreiflich geschilderte Situation wurde die finnische Regierung verantwortlich gemacht, und Spekulationen über eine Skandek kamen in Gang. Laut Tarjanne erklärten dänische Kommentatoren, es gehe beim Umwandeln der Nordek in eine Skandek um nichts anderes als Finnlands Namen neben den Islands auf eine Warteliste zu setzen, von wo aus ein späterer Beitritt abzuwarten sei.269 Die Reaktionen auf das abrupte Ende der Nordek bargen die schärfste Kritik an der finnischen Regierung in sich; sie habe unter sowjetischem Einfluss stehend unehrlich gehandelt und die Nordek bewusst zu Fall gebracht. Überraschenderweise zeigte z.B. Berlingske Tidende dennoch sehr viel Verständnis für Finnland bzw. äußerte Kritik am zu starken Druck der Skandinavier auf die Finnen während des Nordek-Prozesses.270

Was die politische Sphäre betrifft, so herrschte die größte Enttäuschung über die finnische Nordek-Entscheidung vom 24.3. in Schweden. In Dänemark und Norwegen übten sich die Kommentatoren in verbaler Schärfe, doch glaubte man sich letzten Endes mehr oder weniger näher am Hauptziel EWG. Äußerst scharfe Kritik widerfuhr v.a. Urho Kekkonen von schwedischer Seite, namentlich von Olof Palme, da er mit seiner Parlamentseröffnungsrede ja so sichtbar und entschlossen die Nordek begraben hatte.271 Viele skandinavische Interpretationen der Rede vermuteten (fälschlicherweise), dass Kekkonen die ganze Zeit im Hintergrund die Fäden gezogen habe, allzumal er offensichtlich am selben Tag die Initiative in Richtung EWG ergriffen hatte.272 Ein weiterer Hauptgrund für die Kritik lag in der starken Entrüstung über seine Versuche, die Schuld für das Nordek-Scheitern den anderen drei nordischen Ländern zuzuschieben.273 Die schwedische Enttäuschung muss mit dem eigenen Enthusiasmus und dem starken Engagement für Finnlands Beteiligung, das sich nun als wirkungslos erwies, begründet werden. Zudem war Schweden mit seinem Nordek-Engagement letztlich stärker von seiner EWG-Orientierung abgerückt als Dänemark und Norwegen.

In Norwegen war man enttäuscht über die finnische Entscheidung, wenngleich die Schärfe der dänischen Reaktionen fehlte. Ein Grund hierfür war der Umstand, dass die norwegische integrationspolitische Debatte unter allen Nordek-Ländern die kontroverseste war, auch war der norwegische Industrieverbund sehr stark gegen die Nordek eingestellt. Ein Kernpunkt der Auseinandersetzung war die Frage, ob die Nordek eine Brücke zur EWG sein konnte oder nicht.274 Ministerpräsident Borten hatte in Opposition und Regierung scharfe Kritiker, und John Lyng, der norwegische Außenminister, schrieb in seinen Memoiren, er habe ohnehin die ganze Zeit das Gefühl gehabt, der Plan würde letztendlich an den Finnen scheitern.275 Selbst wenn man diese Äußerung – trotz der gegenteiligen Behauptung Lyngs – als ‚wise after the event‘ bewerten sollte, so spricht sie doch Bände über das Bild, welches die finnische Regierung in den Augen ihrer Verhandlungspartner abgab.

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In Dänemark sprach sich Baunsgaard in der Schlussphase der Verhandlungen wiederholt sehr negativ über Finnlands Rolle im Nordek-Prozess aus. Auf einer Versammlung von Det radikale Venstre in Nyborg erklärte er am 10. Januar 1970:

„Her er det imidlertid klart, at den politisk begrundede finske holdning har skabt usikkerhed. Det ville være urealistisk ikke at se i øjnene, at den finske beslutning har skabt risiko for sammenholdet i Norden. […] Endelig må der jo sættes et spørgsmælstegn ved, hvornår finsk politik igen bliver beslutningsdygtig, og risikoen for sammenfald mellem de nordiske forhandlinger og danske og norske forhandlinger med Fællesmarkedet er derfor til stede.“276

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Die auch bei anderer Gelegenheit von Baunsgaard geäußerte Meinung, der vorläufige Rückzug Finnlands im Dezember 1969 habe in hohem Maße für Verunsicherung im Norden gesorgt, war eine sparsam dosierte, aber in der Sache umso schmerzhaftere Kritik an der finnischen Politik. Baunsgaard lag als Initiator des gesamten Projekts natürlich sehr viel an dessen Verwirklichung. Doch ließ er sich davon nicht zu unverhältnismäßiger Kritik verleiten und verneinte hartnäckig, dass im Hintergrund der Absage des Turkuer Gipfels die Sowjetunion stehen könne.277 In der Endphase und auch nach dem Scheitern verspürte man allerdings in Dänemark und Norwegen stärkere Unsicherheit, da die EWG-Verhandlungen noch nicht aufgenommen waren und die Gefahr bestand, dass nun weder aus der nordischen noch aus der westeuropäischen Alternative etwas würde.278

Es gab also durchaus Verständnis für die Finnen, und genauer betrachtet beschuldigten sich alle nordischen Länder aus verschiedenen Gründen gegenseitig, für den Fall der Nordek verantwortlich zu sein.279 Doch war die finnische Regierung relativ schnell als Hauptschuldiger ausgemacht, dem man nahe legte, sich angesichts des sowjetischen Drucks nicht mehr in der näheren nordischen Kooperation zu engagieren. Die öffentliche Diskussion hierüber nahm aber rasch wieder ab und wurde von den dänisch-norwegischen Beitrittsbemühungen überlagert: „Således kom opfattelsen af Finlands negative rolle i de nordiske samarbejdsbestræbelser og USSRs holdning til dem til at fremstå som et dogme for mange i Norden.“280 Außerdem erwies sich die finnische Entscheidung im Nachhinein als praktisch, da so innere Konflikte in Dänemark und Norwegen zu einem gewissem Grad abgeschwächt wurden; hierauf hat Thomas Clive Archer hingewiesen: „The main reason was that the initial support built up for Nordek in these countries made it politically difficult for them to call a halt to the Nordek discussions: they had to wait for Finland to do that.“281 Die finnische Regierung als nützlicher Idiot der Skandinavier?

Kurz zusammengefasst, nahm Finnland in den Augen seiner skandinavischen Verhandlungspartner im Laufe des Nordek-Prozesses recht verschiedene Rollen ein. Dabei überwogen insgesamt solche, die negativ auf das nordische Image Finnlands wirkten. In der Anfangsphase erschien Finnland als unsicherer Kandidat, über dessen Beteiligung reichlich Skepsis vorhanden war. In der Phase der Sondierungen bis hin zum fertigen Vertragsentwurf wurde Finnland als ‚Mitläufer‘ wahrgenommen – oder auch gar nicht wahrgenommen. Da die wirtschaftlichen Details in den Verhandlungen wichtiger waren und es keine nennenswerten Konflikte in dieser Phase gab, existierte ja auch kein Anlass. Eher noch bot das dänisch-schwedische Verhältnis – wenn auch begrenzten – Konfliktstoff. In der Krisenphase des Nordek-Prozesses ab Ende 1969 gab es ein weniger und ein mehr dominantes Image Finnlands aus skandinavischer Sicht. Für ungefähr einen Monat nach Bekanntgabe des EWG-Vorbehalts konnte Finnland die Rolle des ‚Antreibers‘ einnehmen, der die Verhandlungen aktiv vorantrieb. Doch verblasste dieses Image spätestens nach der Sitzung des Nordischen Rats Anfang März – ironischerweise nach dem ideologischen und substanziellen Höhepunkt der Nordek-Verhandlungen. Die ab Dezember 1969 bis zum Scheitern der Nordek im April 1970 vorherrschende Wahrnehmung sah Finnland als ‚Verräter‘, der die gemeinsamen Ziele des Nordens aufgab bzw. die anderen zwang, sie drastisch herunterzustufen. Die Hauptschuld für das Scheitern der Nordek wird bis heute Finnland angelastet, doch haben schon die Erfolge der nordischen Kooperation in den 70er Jahren in den Tiefpunkt des Nachkriegsnordismus generell vergessen lassen. Der Fall der Zollunion wurde als Wendepunkt zu mehr Pragmatismus und als Abschied von den Großprojekten gedeutet. Die inhaltliche Umsetzung der Nordek in einzelnen Schritten verhinderte, dass ihr nur kurzzeitig als traumatisch empfundenes Ende als Katastrophe dastand.

4.2 Der finnische Blick auf die skandinavischen Verhandlungspartner

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Die finnische Sicht auf die skandinavischen Partner bei den Nordek-Verhandlungen lässt sich anhand des nordischen Eigenwerts282 exemplarisch untersuchen. So barg dieser Aspekt einen der zentralen Gegensätze im Nordek-Prozess in sich: den zwischen Dänemark und Finnland. Die Grundvoraussetzungen der beiden Länder für die Nordek-Verhandlungen waren so unterschiedlich, man kann sie ohne Übertreibung als diametral entgegengesetzt bezeichnen. Dass dies letzten Endes nicht in offenem Streit ausgetragen wurde, ist ein augenfälliges Beispiel für die Überlagerung des politischen Prozesses durch die nordische Ideologie. Trotz der Verschiedenheit dieser Grundüberlegungen kam es während des Nordek-Prozesses niemals zu einer offenen Diskussion darüber, was das unterschiedliche Verständnis z.B. hinsichtlich des nordischen Eigenwerts ausmachte. In der finnischen Wahrnehmung wurde jedenfalls Dänemark, teilweise auch Norwegen, aufgrund der EWG-Pläne mit der Zeit immer kritischer gesehen: „Frågan är bara om den finländska Nordekoptimismen är berättigad mot bakgrunden av de allt oftare återkommande reservationerna i Danmark och Norge.“283 Vor allem Dänemark wurde immer mehr als ‚schwarzes Schaf‘ der Nordek gesehen, dem man weniger aufrichtiges Interesse am Norden unterstellte und demgegenüber die bereits geschilderte finnische Lauterkeit herausgestellt wurde. Die dänischen Zielsetzungen galten in dieser Perzeption als ‚nicht nordisch gesinnt‘. So meinte ein Zeitungskommentar in Helsingin Sanomat über ein dänisches Sondervotum im ersten Bericht der Beamtenkommission:

„Dänemark will also eine ausreichende Entschädigung dafür, dass es sich an die Gemeinschaft der nordischen Länder bindet, die seiner Ansicht nach kommende Verhandlungen für eine erweiterte europäische Wirtschaftsgemeinschaft erschweren könnte. Dänemarks sich von den anderen klar unterscheidende Auffassung kann sich beim Aufbau einer gesamtnordischen Organisation in der Praxis als problematisch erweisen.“284

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In ähnlicher Weise wie in der Frage des nordischen Reputation existierte auch hinsichtlich des nordischen Eigenwerts ein finnisches Selbstbild, das von einer nordischen Musterrolle Finnlands ausging. Es wäre verfehlt, dies als eine offene Debatte in der finnischen Gesellschaft oder zwischen finnischen und dänischen Politikern zu begreifen. Doch ist dies für den Nordek-Prozess in hohem Maße charakteristisch, um es mit den Worten eines finnischen Kommentars auszudrücken: „Bei dem ganzen Nordek-Projekt hatte man von Anfang an so ein Gefühl, dass das Spiel, welches man spielt, überhaupt nicht das ist, wofür man es ausgibt.“285 Einen ähnlichen Vorwurf erhob Kekkonen unter seinem Pseudonym Liimatainen in Suomen Kuvalehti Ende 1969; er kritisierte die Vorschläge Baunsgaards und Krags, die Nordek ohne Finnland auf den Weg zu bringen. Ein zentraler Vorwurf lautete, die Dänen würden in jedem Fall die EWG der Nordek vorziehen, obwohl sie letzterer das Wort redeten:

„Die Nordek ist von finnischer Seite keine übermäßig schwierige Angelegenheit, wenn man die Nordek meint, wenn man von der Nordek spricht. Aber wenn man woanders in den nordischen Ländern von der Nordek spricht, dann meint man damit nicht immer die Nordek.“286

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Kekkonen betonte in einem weiteren Artikel Anfang 1970, wie oft man von finnischer Seite gegenüber den skandinavischen Verhandlungspartnern die Unmöglichkeit einer finnischen EWG-Anbindung betont habe, ohne dass dies von den anderen wirklich verstanden wurde. Für Dänemark und Norwegen habe die Nordek allenfalls unter den Umständen, die bis de Gaulles Rücktritt herrschten, einen Eigenwert gehabt; danach hätten sie dem unrealistischen Gedanken nachgehangen, Finnland mit der Nordek der EWG anzuschließen. In scharfen Worten verurteilte Kekkonen/Liimatainen das seiner Ansicht nach daraus sprechende Unverständnis und die dänische Unaufrichtigkeit.

„Aber nun ist Finnlands Standpunkt zur Gründung einer Nordek von Eigenwert klar an die Öffentlichkeit gebracht worden. Wenn die Nordek aufgrund des EWG-Interesses anderer nordischer Länder nicht entsteht, kann man Finnland dafür nicht beschuldigen.“287

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In der finnischen Wahrnehmung kam jedenfalls eine alte Trennlinie in Nordeuropa zu Tage: Man hatte das Gefühl, dass die schwedischen Politiker die finnische Nordek-Politik besser verstünden als die dänischen und norwegischen. Das gleiche galt für die Presse, man erkannte in den schwedischen Kommentaren eine positivere Haltung gegenüber Finnland, „während sowohl die dänischen als auch einige norwegische Zeitungen einen radikal negativen Standpunkt einnahmen und Besorgnis darüber anmeldeten, dass wir die Kooperation der nordischen Länder komplizieren würden.“288 Diese Wahrnehmung war zwar, was die schwedische Presse betrifft, nicht korrekt, da gerade die großen schwedischen Tageszeitungen, v.a. Dagens Nyheter, bisweilen scharfe Kritik an der finnischen Nordek-Politik äußerten. Allerdings war Schweden auch das Land mit dem größten Enthusiasmus für die Nordek, da man mit ihr eine Trennung zwischen Dänemark/Norwegen und Schweden/Finnland im Falle einer Regelung mit der EWG verhindern könnte.289 Von seinen politischen Zielsetzungen her bot Schweden somit die meisten Anknüpfungspunkte für Finnland. Weiterhin war Schweden von jeher der traditionell wichtigste Partner Finnlands in der nordischen Kooperation290, auf den man sich auch in diesem Fall auch aufgrund der Tatsache, dass beide Länder (wenn auch unterschiedliche) neutralitätspolitische Linien verfolgten, verließ.291 Dies schlug sich auch in der Verhandlungspraxis nieder: Dementsprechend forderte z.B. Koivisto im Juli 1969 den finnischen Verhandlungsführer Törnqvist auf, bei den abschliessenden Verhandlungen für den Vertragsentwurf im dänischen Vedbæk in den substanziellen Fragen so nah wie möglich an der Linie Schwedens zu bleiben.292

Demgegenüber empfanden führende finnische Politiker Dänemark als fern, wenn nicht gar fremd. Womöglich wurde dieses Gefühl verstärkt, nachdem der Regierungswechsel in Dänemark Anfang 1968, der von finnischer Seite ursprünglich als positiv für die nordische Zusammenarbeit und für Finnland aufgefasst wurde, diese Erwartungen nicht erfüllte. Die ursprünglich positive Haltung zur Regierung Baunsgaard dürfte z.T. von der traditionell stark nordischen Orientierung von Baunsgaards Partei – Det Radikale Venstre – beeinflusst worden sein.293 Offensichtlich wurde deren Einfluss auf die gesamte dänische Regierung zunächst überschätzt, was zumindest teilweise erklären könnte, warum das dänische EWG-Interesse in der finnischen Perzeption von der nordischen Rhetorik überdeckt wurde. Als der dänische EWG-Beitritt aber wieder in greifbare Nähe rückte, wurde auch klar, dass hierauf das integrationspolitische Hauptaugenmerk der Dänen lag.

Von dort war es v.a. in späteren Betrachtungen ein kurzer Weg zu finnischen Mutmaßungen über mangelndes dänisches Interesse am Norden oder dänischer Missachtung finnischer Interessen. Ein auffälliges Kennzeichen mehrerer solcher Stellungnahmen kann man am ehesten mit ‚nachträglicher Besserwisserei‘ beschreiben. Kekkonens späterer Kanzleichef Antero Jyränki vermutete z.B., dass die EWG-Erweiterungsentscheidung ein echtes Nordek-Interesse der Mehrheit in Dänemark abgetötet hätte.294 Ähnlicher Qualität ist eine Einschätzung Paavo Rantanens, eines langjährigen Ministerialbeamten im Außenministerium, der wie Jyränki keinen Anteil am Nordek-Prozess hatte: „Für Dänemark war der Blick in EWG-Richtung sehr wichtig, da durften Finnlands EWG- und Ostprobleme geringere Beachtung finden.“295 Der spätere Ministerpräsident Kalevi Sorsa – obwohl ebenfalls nicht an der Nordek beteiligt – ärgerte sich in seinen Memoiren fast 30 Jahre später immer noch, dass Dänemark, obwohl es ja auch aus eigenen Gründen die Nordek eigentlich nicht wollte, Finnland auf dem internationalen Parkett als Sündenbock abstempeln durfte und so das ganze Land den ‚Schwarzen Peter‘ in der Hand hatte.296

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Auch Urho Kekkonen hatte deutliche Probleme mit den beiden NATO-Mitgliedern Dänemark und Norwegen. Kekkonen/Liimatainen bezeichnete Dänemark als „geographisch zu Kontinentaleuropa gehörendes Land“297. Gegenüber dem norwegischen Journalisten Jahn Otto Johansen machte Kekkonen außerdem klar, dass er Dänemark nicht für ein nordisches Land halte. „Er suchte nicht nach Worten, als er Dänemarks seiner Meinung nach mangelndes Interesse gegenüber dem Norden charakterisierte.“298 Ende 1969 schrieb er dem finnischen Botschafter in Schweden Tuominen, weder vom schwedischen Oppositionspolitiker Bertil Ohlin noch von Dänemark nehme er irgendwelche Ratschläge entgegen, auch wenn er für die Nordek wäre. Auch Äußerungen des schwedischen Handelsministers Gunnar Lange in der Zeitschrift Veckans affärer vom 18.12.1969 kommentierte er in scharfen Worten.299

Auch nach dem Scheitern änderte Kekkonen seine Meinung nicht. Tuominen gegenüber äußerte er in einem weiteren Brief im Februar 1971, aus finnischer und seiner eigenen Sicht seien die Dänen in dieser Sache von Anfang an nicht ehrlich gewesen. Sie hätten die Nordek nur für ihre eigenen EWG-Ziele eingesetzt und nicht im geringsten die Stellung und Bestrebungen Finnlands in Betracht gezogen. Aus der gleichen Quelle geht Kekkonens abschätzige Haltung zu Olof Palme hervor, dessen Festhalten an der Nordek und nach wie vor anhaltende Verwunderung über den finnischen Rückzug er als wenig intelligent wertete.300 Auch weitere inoffizielle Äußerungen in Briefen und Tagebuchaufzeichnungen Kekkonens zeigen, dass er kein gutes Bild von den Dänen hatte. Dieses Dänemarkbild dürfte erklären, warum Kekkonen so wenig Probleme damit hatte, die Schuld für das Scheitern der Nordek möglichst bei Dänemark oder Norwegen ‚abzuladen‘.301 Diese sah er als die ‚Hauptschuldigen‘. Gerade Dänemark hätte die Nordek über Finnlands Kopf hinweg verhandelt:

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„Dass man Finnland nicht hörte und beachtete, hatte Kekkonen immer geärgert, aber Schweden hatte seine Sitten seit den 30er Jahren gebessert. Hingegen hatten Norwegen und Dänemark in dieser Beziehung noch etwas zu lernen.“302

Allerdings weisen die Reaktionen Kekkonens auf einige schwedische Äußerungen darauf hin, wie viel offensichtlich auch von den Kontakten zu bestimmten Personen abhing. Der junge Palme schien ihm deutlich weniger sympathisch als der fast gleichaltrige Erlander, mit dem er ein sehr herzliches Verhältnis pflegte. Erlander hatte er in einem Vier-Augen-Gespräch sogar vorgeschlagen, Norwegen und Dänemark beiseite zu lassen und eine finnisch-schwedische Zollunion zu errichten, und so den Streitigkeiten um problematische Themen wie Landwirtschaft oder die NATO zu entgehen.303

Im Gegensatz zu Kekkonen betonte Koivisto öffentlich immer wieder, Finnland hätte Dänemark und Norwegen nicht von deren EWG-Bestrebungen abhalten können bzw. sie nicht dabei behindern dürfen. Dahingehende Äußerungen müssen unter das Bestreben, Finnlands nordisches Renommee zu bewahren, eingeordnet werden. So war in seinem Redemanuskript für die Sitzung des Nordischen Rats im März 1969 in Stockholm ein – dann allerdings nicht vorgetragener – Absatz vorgesehen, der die EWG-Beitrittschancen der beiden Länder als sehr niedrig einschätzte und in dem die Meinung zum Ausdruck kam, „dass die Interessen aller nordischen Länder am besten ohne eine EWG-Mitgliedschaft und mit Hilfe der nordischen Kooperation zur Beachtung kommen.“304 Koivistos Bild von der dänischen Politik wurde im Dezember 1969 sehr viel kritischer. In einem Promemoria, das die Situation nach dem Gipfeltreffen der vier Regierungschefs in Helsinki am 12./13.12.1969 bewertete, bezeichnete er Dänemark als dasjenige nordische Land, das aus Sicht der EWG am wenigsten dort willkommen sei und nur die Probleme vermehre. „Daher ist es nicht verwunderlich, dass gerade Dänemark in der nordischen Kooperation ein Mittel sieht, mit dessen Hilfe es ihm gerne gelänge, seine stark bedrohten Exportvorteile in Mitteleuropa zu bewahren.“305 Zuvor lobte er Schwedens Politik, da es mit seiner Bereitschaft zu einer Übereinkunft über die nordische Zusammenarbeit eine derartige außenpolitische und zusätzliche Belastung auf sich nehme und damit mutwillig seine Bewegungsfreiheit gegenüber der EWG einschränke.306 Somit lagen die Haltungen von Präsident und Ministerpräsident zu Dänemark und dessen Nordek-Politik sehr viel näher beieinander als Koivistos nach außen stärkere Betonung seiner skandinavischen Orientierung dies vermuten ließ (siehe hierzu 5.4).

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Es zeigt sich also, dass in der Wahrnehmung der führenden finnischen Politiker die ‚alte Trennlinie‘ im Norden den Blick auf die Nordek-Politik der skandinavischen Verhandlungspartner wesentlich prägte. Zwar gab es auch in Norwegen Verständnis für die finnische Haltung, doch zu einer weiter gehenden Solidarisierung kam es v.a. wegen der grundverschiedenen sicherheits- und integrationspolitischen Prämissen nicht. Stattdessen vertraute man in Finnland im Allgemeinen stärker auf Schweden als den traditionell engsten Partner im Norden. Die Skrupel Kekkonens und Karjalainens, Norwegen oder Dänemark zum Sündenbock zu machen, waren geringer als gegenüber Schweden. Koivistos Bilanz rund 25 Jahre nach dem Ende der Nordek lautete: „Kekkonen verhielt sich gegenüber den Dänen und Norwegern misstrauisch und glaubte in keiner Phase so recht an das ganze Nordek-Projekt.“307

4.3 Exkurs: Zum Hintergrund des dänisch-finnischen Gegensatzes

An dieser Stelle soll etwas näher auf die Hintergründe des Gegensatzes Dänemark – Finnland eingegangen werden. Da sich dieser im Fall Nordek so auffällig darstellt, kommt die Frage auf, warum gerade zwischen diesen beiden nordischen Ländern der tiefste politische Graben aufriss. Das gegenseitige Gefühl von Fremdheit scheint hier sehr wichtig zu sein, das allein schon von der geopolitischen Ausgangslage her zu begründen ist. Während Dänemark eindeutig als Teil Mitteleuropas zu sehen ist, hat Finnland eine territoriale Anbindung an die skandinavische Halbinsel und Landgrenzen mit Norwegen und Schweden.308 Dies erklärt zum Teil auch Dänemarks stärkeren Drang in die EWG, eine Beobachtung, die ein finnischer Autor ins Polemische gewendet hat:

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„Så har man också skäl att bakom det danska EG-avgörandet spåra det faktum, att det lilla och trånga Danmark är i geopolitiskt avseende mera ett annex till Mellan-Europa och i månget „psykohistoriskt“ hänseende mera knutet till Tyskland och England än det är en riktigt genuin del av Norden, av det vidsträckta och halvt perifera Fenno-Scandia.”309

1972 schrieb der jetzige finnische Ministerpräsident Paavo Lipponen: „Die Mitgliedschaft in der EWG verstärkt die mitteleuropäische Orientierung, und bald fragt man sich, was es bedeutet, Dänemark als nordisches Land zu bezeichnen.“310 Die Behauptung, Dänemark sei kein genuin nordisches Land, tauchte wie erwähnt auch während der Nordek-Verhandlungen auf. Dem stellt Isoviitta seine Charakterisierung der Dänen als ‚Nordländer‘ entgegen, doch sei ihr Blick in vielen Dingen vorzugsweise nach Süden gerichtet, womit er im übrigen den Kern der dänischen Nordek-Politik trifft. Trotz gewisser Vorurteile und Antipathien gegenüber dem schwedischen Nachbarn verfolge man in Dänemark das schwedische politische und kulturelle Leben viel intensiver als das finnische. „Aus Sicht der Menschen ist Finnland weiter von Dänemark entfernt als Dänemark von Finnland.“311

Der dänische Schriftsteller und Literaturpreisträger des Nordischen Rats 1970 Klaus Rifbjerg reflektierte in seiner Dankesrede – ironischerweise auf der gleichen Sitzung, die auch die Nordek zur Vertragsreife brachte – die dänischen Fremdbilder von den anderen Nordeuropäern. Auch Rifbjergs Finnlandbild war von Distanz geprägt:

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„In Dänemark hält man die Schweden immer noch für Erbfeinde („besoffen wie ein Schwede“) und beneidet sie, weil sie reicher und begabter als die Dänen sind, mit den Norwegern kommt man leichter klar, da sie nur Ski laufen und um Zensurfragen streiten und die Finnen sind so weit weg, dass sie eigentlich nicht richtig existieren.“312

Der dänische Historiker Uffe Østergård hat das dänische Finnlandbild in ähnlicher Weise beschrieben: „Finland opfattes knap nok som et nordisk land“, meint er und nennt als einen Hauptgrund für das dänische Misstrauen gegenüber den Finnen die Finnlandisierung.313 Lipponen kritisierte, dass der VFZB in Skandinavien auch 25 Jahre nach seiner Entstehung immer noch nicht richtig verstanden würde, woran missverständliche Äußerungen aus Finnland selbst Anteil hätten.

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Begreift man Stereotypen wie diese – auch bei einer so ironischen Zuspitzung – nicht nur als „leichtfertige Verkürzung komplexer Zusammenhänge“, sondern auch als „Modelle, welche ganz notwendig die augenblicklich bekannten und wesentlichen Merkmale eines Phänomens bezeichnen“314, deutet dies auf extrem niedrigen Kenntnisstand hin. Mit anderen Worten: Die von Dänen, aber auch Finnen gegenseitig perzipierte Fremdheit beruht auf Unwissen. Die in diesem Exkurs eingangs erwähnten geopolitischen Verhältnisse spielen dabei eine Rolle, die damit verbundene fehlende historisch-politische Nähe ebenso. Finnland hat enge Beziehungen zu Schweden, denen bis heute eine besondere Qualität zu Eigen ist, entsprechendes fehlt für Finnlands Kontakte mit Dänemark und Norwegen. Selbst bei modernen Phänomenen stößt man immer wieder „på samme opdeling i en vestlig og en østlig halvdel.“315 Zwischen Finnland und Dänemark besteht auch die größte sprachliche Distanz, da auch finnlandschwedische Muttersprachler Hörverständnisprobleme mit dem Dänischen haben.316 Weitere historisch zu begründende Unterschiede können hier nur als Hintergrund vermutet werden: Schon vor etwa 30 Jahren räumte Nils Ørvik ein, dass wir die methodologische Frage nicht schlüssig beantworten können, welchen Einfluss das kollektive Gedächtnis der vier Nationen hinsichtlich ihrer Rollen als Imperialmächte und Kolonien hat. Von daher ist es eher spekulativer Natur, von Dänemarks Rolle als Großmacht und Konkurrent Schwedens direkt auf deren aktive Rollen in der nordischen Kooperation zu schließen und von Finnlands später Staatswerdung auf seine häufige Zurückhaltung in den nordischen Verhandlungen.317 Doch kann man mit Ulrich Albrecht konstatieren, dass „in der analytischen Vertiefung in psychologischer Richtung“ eine fruchtbare Erweiterung der Perspektiven zur Erforschung internationaler Beziehungen zu liegen scheint.318

Weiterhin muss natürlich die sicherheitspolitische Spaltung des Nordens als Erklärungsgrund herangezogen werden. Dänemark als NATO-Mitglied musste die freundschaftlichen Beziehungen Finnlands zur Sowjetunion als merkwürdig empfinden und kritisierte dementsprechend häufig die Nähe der beiden Länder. Umso weniger nimmt es Wunder, dass in Zusammenhang mit der finnischen Nordek-Politik mehr oder weniger unverhohlene Finnlandisierungsvorwürfe nicht unüblich waren. Konkret festgemacht wurden sie z.B. an der wiederholt von Kekkonen vorgebrachten Idee einer kernwaffenfreien Zone in Nordeuropa.319 Es ist interessant zu sehen, dass sich finnische Politiker bis heute an diesem Gegensatz in den Nordek-Verhandlungen abarbeiten. Die Essenz solcher Äußerungen ist, die lange Linie des Nordek-Scheiterns ende mit Finnlands heutiger Rolle als nordisches EU-Musterland:

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„Mit dem Zusammenbruch der NORDEK begann der Aufbau des Freihandelsvertrags mit der EWG, der schließlich Finnland direkt in den innersten Kreis der EU geführt hat, in die EMU, während die anderen nordischen Länder, Dänemark allen voran, draußen vor bleibt!“320

Eine ganz ähnliche Meinung vertritt auch Mauno Koivisto:

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„Das war eine direkte Fortsetzung zu dieser Nordek-Geschichte, wie es damit dann ablief [gemeint sind die dänisch-norwegischen EWG-Streitigkeiten vor den Referenden 1972, JSt]. Und jetzt ist Norwegen immer noch draußen. Und wenn man die jetzige Situation bedenkt, die EFTA existiert, der EWR existiert, innerhalb der EU viele Phasen, und Finnland ist als einziger bei allen dabei.“321

Leider finden sich in der Literatur bisher kaum Hinweise auf den dänisch-finnischen Gegensatz, ebenso wenig wie Untersuchungen zur Position Dänemarks im Norden. Wie gesehen, ist sie nicht eindeutig ‚nordisch‘, sondern wie die finnische ebenfalls ambivalent. Steen Bo Frandsen hat darauf hingewiesen, dass Dänemark nach 1864 den nordischen Gedanken als Ersatz für die verlorene Bindung an Deutschland zu stärken suchte; die nationale Ideologie wollte den vollständigen Bruch mit dem Nachbarn im Süden.

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„Stattdessen wurde nun die Vorstellung aufgebaut, Dänemark sei ein ‚nordisches‘, ja sogar ein skandinavisches Land. Das ‚Nordische‘ konnte sich jedoch nie zu mehr als einem diffusen Ideal entwickeln, und der Kontakt mit den Nachbarvölkern im Norden konnte unmöglich die abgeschnittenen Verbindungen aufwiegen.“322

Schon diese recht oberflächlichen Beobachtungen weisen auf Forschungsdesiderate hin, wobei sich die Frage stellt, ob nicht der Nordismus durch seine Rhetorik dazu beigetragen hat, sowohl qualitativ wie auch quantitativ hinreichende Äußerungen eher zu vermeiden oder zu verringern. Wie in dieser Arbeit würde sich aber ein Vergleich zwischen bisher geheimem Aktenmaterial und der offiziellen Stellungnahmen dafür eignen


Fußnoten und Endnoten

241  Vgl. Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 47.

242  Vgl. Interview mit Mauno Koivisto; Koivisto: Liikkeen suunta, S. 204. Unter den Voraussetzungen einer longue-durée-Analyse könnte man an dieser Stelle darauf verweisen, wie lange die Rolle v.a. Dänemarks und Schwedens als klassische Länder des Skandinavismus noch bis an diesen Punkt fortwirkte. Selbstverständlich ist einzuräumen, dass darin aber nicht der einzige Grund für das Aufkommen des ‚Sve-Da-No‘-Gedankens lag.

243  Siehe Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 60f.; Wiklund: „Nordek-planen och dess föregångare.“, S. 111 u. 113.

244  Nyboe Andersen: Det umuliges kunst, S. 32.

245  Siehe Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 268.

246  Lyng: Fra borgfred til politisk blåmandag, S. 84f., Zitat: S. 85.

247  Letzteres erwähnt Koivisto, Interview mit Mauno Koivisto. Wörtlich sagte er: „Als damals die Verhandlungen 1968 begannen, kamen solche Stellungnahmen auf, dass gar nicht erwartet wurde, Finnland sei dabei. Offensichtlich dachte Baunsgaard am ehesten an eine Zusammenarbeit zwischen Dänemark und Schweden, und am ehesten in Landwirtschaftsangelegenheiten. Aber man kleidete das dann in diese allgemeinere Form.“

248  Hägglöf: Dagbok från salutorget, S. 225.

249  Gemeint ist die Trennlinie zwischen den beiden früheren Großreichen Dänemark-Norwegen und Schweden-Finnland, die sich noch lange nach deren Auflösung erstaunlich stark zeigt. Vgl. Torkel Jansson: „Två stater – en kultur. Sverige och Finland efter 1809.“ In: Historisk Tidskrift 120 (2000:4), S. 677–699, hier: S. 696.

250  UM, 58 H, Nordek, Suomen suurlähetystö Oslo: Nordek-keskustelu suurkäräjillä [Finnische Botschaft Oslo: Nordek-Diskussion im Storting], Pentti Suomela, 13.6. 1969.

251  Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 253.

252  Hägglöf: Dagbok från salutorget, S. 231.

253  Suomen Kuvalehti 20.3.1970: Välilasku Kööpenhaminaan. Näin vastasivat Baunsgaard ja Krag [Zwischenlandung in Kopenhagen. So antworteten Baunsgaard und Krag].

254  Vgl. Hägglöf: Dagbok från salutorget, S. 268.

255  UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, De nordiska statsministrarnas rådplägningsmöte på Königstedt gård invid Helsingfors den 12 och 13 december 1969. Bo Ådahl, 22.12. 1969. Hervorhebung im Original.

256  UM, 58 H, Nordek, Tukholmassa oleva suurlähetystö [Botschaft in Stockholm], Kirjelmä n:o 4356/1865, Mauri Eggert 30.12. 1969. Diese Haltung korrespondierte mit der finnischen Angst vor der wirtschaftlichen und politischen Isolation, auf die in Kapitel 5.1 eingegangen wird.

257  Siehe UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, Ote pöytäkirjasta hallituksen iltakoulusta 3.12. 1969, Seppo Lindblom. Karjalainens Äußerung: „Ich möchte auch offen feststellen, dass die Arbeit der finnischen Beamten in Skandinavien einfach nicht geschätzt worden ist. Die Kritik hat sich nicht darauf gerichtet, dass die finnischen Beamten zu enthusiastisch die Vorteile Finnlands vertreten hätten, sondern darauf, dass sie zu leise gewesen sind, ihre Standpunkte nicht äußerten.“

258  Hägglöf: Dagbok från salutorget, S. 272.

259  Vgl. Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 254; Nissborg: Danmark mellan Norden och väst, S. 100. In Nissborgs Augen trug zur Unsicherheit über Finnlands Möglichkeiten bei, dass die finnische Seite aus taktischen Gründen ihre Haltung in vielen Fragen bewusst im Unklaren beließ.

260  Siehe ebd., S. 110.

261  Aftenposten 12.2.1970: Fra Nordøk til EEC.

262  Nach Tallgren: „Ja till Nordek 1970.“, S. 7. Die Position des Autors, der die Einbeziehung Finnlands in die Nordek in diesem Artikel nachdrücklich fordert, darf nicht unerwähnt bleiben. Dementsprechend zitiert er relativ wenige kritische Stimmen.

263  Svenska Dagbladet 14.12.1969: Nordek – sista uppskovet?

264  Aftonbladet 7.12.1969: Frågetecken står kvar både i Nordek och EEC; Aftonbladet 8.12.1969: Klargör syftet med Nordek; Aftonbladet 14.12.1969: Ingen splittring i Norden – krisen om Nordek avvärjd.

265  UKA, 21/113, Veckans affärer 29.1.1970, VA-ledaren: Final i Nordekfrågan: tiden är knapp men politiska viljan avgör.

266  UM, 58 H, Nordek, Arbetet 7.12.1969: Grus i Nordek. „Innerst inne finns i alla kretsar en stark önskan, att Finland ska stå kvar i den nordiska gemenskapen. Därför torde det vara oklokt att överdramatisera Nordek-avhoppet.“

267  Svenska Dagbladet 8.12.1969: Vad sker i Finland?; Svenska Dagbladet 14.12.1969: Nordek – sista uppskovet?; Zitat: Svenska Dagbladet 13.1.1970: Högt spel om Nordek.

268  Zu diesem Ergebnis kam Ueland: „The Nordek Debate.“, S. 6.

269  UM, 58 H, Nordek, Suomen suurlähetystö Kööpenhamina [Finnische Botschaft Kopenhagen], P.K. Tarjanne [Finnischer Botschafter in Dänemark, JSt], R-341/136, Asia: NORDEK-sopimuksen allekirjoittamisen lykkääntyminen [Betrifft: Verschiebung der Unterzeichnung des Nordek-Vertrags], 3.4.1970.

270  Vgl. Krosby: Kekkosen linja, S. 269.

271  Siehe Antero Jyränki: Kolme vuotta linnassa. Muistiinpanoja ja jälk i viisautta [Drei Jahre im Schloss. Notizen und nachträgliche Weisheit].Porvoo/Helsinki/Juva 1990, S. 102; Koivisto: Liikkeen suunta, S. 247.

272  In Kapitel 5.4 wird näher auf die relative Passivität Kekkonens im Nordek-Prozess eingegangen.

273  Siehe Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 100 und 102.

274  Vgl. Ueland: „The Nordek Debate.“, S. 7.

275  Lyng: Fra borgfred til politisk blåmandag, S. 85.

276  UM, 58 H, Nordek, Statsminister Hilmar Baunsgaard’s tale på Det radikale Venstre’s stævne på Nyborg Strand lørdag den 10. januar 1970 kl. 20.00.

277  Siehe UM, 58 H, Nordek, Henrik Antell [Botschaftssekretär in Kopenhagen, JSt], P.M., Köpenhamn, 12.1.1970. Aus dem Dokument geht leider nicht hervor, ob es sich um ein Gespräch mit Baunsgaard handelte oder den Bericht Antells über eine Parlamentsdebatte o.ä.

278  Siehe UM, 58 H, Nordek, Suomen suurlähetystö Kööpenhamina, P.K. Tarjanne, R-341/136, Asia: NORDEK-sopimuksen allekirjoittamisen lykkääntyminen, 3.4.1970.

279  Vgl. Heinonen: „Kuinkas siinä kävikään?“, S. 34; vgl. ausführlicher Wiklund: „Quo vadis, Norden?“, S. 128f.

280  Floryan: „Nordek – et nordiskt mellemspil“, S. 93. In diesem Zusammenhang ist Floryans Verweis interessant, dass dieses negative Finnlandbild noch bei einem Staatsbesuch Kekkonens in Dänemark 1978 den Grundton der Pressekommentare beeinflusste.

281  Archer: „Nordek – Shadow or Substance?“, S. 110.

282  Dieser für den Nordek-Prozess wichtige Begriff wurde von der finnischen Seite als Signum für den Charakter der Nordek als eigenständig nordisches Projekt verstanden. Er wird in Kapitel 5.3 ausführlicher behandelt.

283  Tammerfors Aftonblad 7.11.1969: Vi skall ha Nordek! Optimism bland representanter för politiska partier och arbetsmarknadsorganisationer.

284  UKA, 21/113, Helsingin Sanomat 15.1.1969 (ohne Überschrift).

285  Kansan Uutiset 27.3.1970: „Vahva Nordek“ ollut pelkkää utopiaa [„Eine starke Nordek“ war reine Utopie].

286  Liimatainen [d.i. Urho Kekkonen]: „Nordek.“ In: Suomen Kuvalehti 19.12.1969.

287  Liimatainen: „Viimeistä edellisen kerran Nordekista.“ [Zum vorletzten Mal über die Nordek] In: Suomen Kuvalehti 23.1.1970. An der zitierten Stelle bezieht er sich auf den Regierungsbeschluss über den EWG-Vorbehalt vom 12.1.1970.

288  Interview mit Mauno Koivisto.

289  Siehe Archer: „Nordek: Shadow or Substance?“, S. 115.

290  Vgl. Selén: „Finlands förändrade inställning till det nordiska samarbetet.“, S. 414f.

291  Siehe Suomi: Taistelu puolueettomuudesta, S. 185.

292  Heinonen: „Kuinkas siinä kävikään?“, S. 30.

293  Siehe Lindner: Supranationale Integrationsbestrebungen, S. 239f.; Sonne: Nordismens debacle?, S. 76.

294  Jyränki: Kolme vuotta linnassa, S. 99.

295  Rantanen: „EFTA – NORDEK – EEC.“, S. 18.

296  Vgl. Kalevi Sorsa: Sisäänajo. Politiikan kuvioita 1969–72 [Eingewöhnung. Muster der Politik 19691972] Helsinki 1998, S. 279.

297  Liimatainen: „Viimeistä edellisen kerran Nordekista.“

298  Jahn Otto Johansen: Suomi – mahdollisen taide [Finnland – Die Kunst des Möglichen]Helsinki 1983, S. 154. Diese Äußerung, die keinen Zweifel an Kekkonens Ansicht über die Dänen ließ, veröffentlichte Johansen erst 1983 – über ein Jahrzehnt nach diesem Gespräch.

299  Vgl. UKA, 21/113, Kekkonen an Leo Tuominen, 30.12.1969. Vermutlich meinte Kekkonen, was Ohlin betrifft, dessen Artikel „Nordek och EEC“ in Dagens Nyheter vom 18.12.1969, in dem er die finnische Position ausführlich kommentierte.

300  Vgl. UKA, 1/59, Kirjeenvaihto [Briefwechsel], Kekkonen an Leo Tuominen, 5.2.1971, wiedergegeben nach: Jukka Seppinen: Ahti Karjalainen. Poliittinen elämäkerta [Ahti Karjalainen. Politische Biographie] Helsinki 1997, S. 365.

301  Die Ausführungen zu diesem Aspekt sind dementsprechend nicht nur als Illustration zu verstehen. Hier zeigen sich ganz offensichtlich grundlegende Strukturen, die wie hier in der Form persönlicher Meinungsbilder das politische Handeln maßgeblich beeinflussten.

302  Kyösti Skyttä: Tuntematon Kekkonen [Der unbekannte Kekkonen] Helsinki 1980 S, 271.

303  Vgl. UKA, Kekkosen päiväkirjat [Kekkonens Tagebücher], 19.2.1969, zitiert nach: Suomi: Taistelu puolueettomuudesta, S. 189. In diesem Zusammenhang sind einige Ausführungen von Ingemar Hägglöf sehr erhellend, der über Erlander schreibt, er habe es geschafft, von sich das Bild eines energischen wahren Nordisten zu schaffen, doch habe er eigentlich nur eine nordische Vision gehabt: „Att hålla ihop Norden inför EG och att knyta Finland till oss.“ Wahltaktische Gründe ließen Erlander v.a. wegen der zu erwartenden hohen finanziellen Beiträge Schwedens zunehmend auf Distanz zur Nordek gehen. Hägglöf: Dagbok från salutorget, S. 267.

304  Koivisto: Väärää politiikkaa, S. 39.

305  UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, Mauno Koivisto, Muistio tilanteesta Helsingissä 12–13 joulukuuta 1969 pidetyn pohjoismaisen pääministerikokouksen jälkeen [Promemoria über die Situation nach dem in Helsinki 12. –13. Dezember 1969 abgehaltenen nordischen Ministerpräsidententreffen], 23.12.1969.

306  Vgl. ebd.

307  Mauno Koivisto: Kaksi kautta I. Muistikuvia ja merkintöjä 1982–1994 [Zwei Amtszeiten I. Erinnerungen und Aufzeichnungen 1982–1994], Helsinki 1994, S. 55.

308  Siehe Matti Isoviitta: „Suomen kuva Tanskassa.“ [Das Finnlandbild in Dänemark.] In: Pirkko Ruotsalainen/Esko Koivusalo und Gustaf af Hällström (Hgg.): Suomi pohjoismaisena kielenä. Finskan som språk i No r den. Helsinki 1983, S. 219–223, hier: S. 219.

309  Lars Dufholm: „Zonplanen – ett led i nordisk koordinering.“ In: Nya Argus 78 (1985:3), S. 46–51, hier: S. 46.

310  Lipponen: „Marginaalinen merkitys.“, S. 25.

311  Isoviitta: „Suomen kuva Tanskassa.“, S. 219 ff., Zitat: S. 220.

312  Suomen Kuvalehti 21.2.1970: Nordek-saga satujen saarella [Nordek-Saga auf der Märcheninsel].

313  Østergård: „Red Norden fra Nordisterne.“, S. 306f., Zitat S. 306.

314  Claudia Beindorf: „Stereotyp.“ In: Menschen, Medien, Metropolen. A r beitsbegriffe. Huddinge o.J. [1999] (= Working paper; 1), S. 12–14, hier: S. 13.

315  Jansson: „To riger bliver til fem nationalstater.“, S. 66; Ders.: „Två stater – en kultur.“, S. 696.

316  Mauno Koivisto wies in dem geführten Interview darauf hin, dass diese Verständnisprobleme häufig eine Einbahnstraße seien. Selten beklage sich jemand über die Verständlichkeit des Finnlandschwedischen oder des von Isländern gesprochenen Dänisch beklage. Interview mit Mauno Koivisto. Auf dem Treffen der vier Ministerpräsidenten am 12./13. Dezember 1969 in Helsinki ging Koivisto anfangs auf eine von ihm angenommene Sprachbarriere ein, hinter der er einige Verständnisprobleme vermutete; allerdings könnte das Argument auch dem Zweck gedient haben, von den finnischen innenpolitischen Problemen oder auch der Rolle der Sowjetunion abzulenken:
„Koivisto återkom till finska regeringens motivering […] och pekade på den ‚språkbarriär‘, som uppenbarligen existerar mellan Finland å den ena sidan och de övriga nordiska länderna å den andra, så att sådana uttalanden, som i de tre andra länderna blivit framförda i mening att skada saken, har använts för samma syfte även i Finland, eftersom man ej förmått urskilja vilka uttalanden har gjorts av motståndare och vilka av förespråkare för planen.“ UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, De nordiska statsministrarnas rådplägningsmöte på Königstedt gård invid Helsingfors den 12 och 13 december 1969. Bo Ådahl, 22.12.1969.

317  Ørvik: „Nordic Cooperation and High Politics.“, S. 80f. Vielmehr müsste man auch diese als bedingende Hintergrundstrukturen untersuchen, was gerade in komparativer Perspektive viel versprechend wäre.

318  Albrecht: „Perzeption.“, S. 103.

319  Jussila/Hentilä/Nevakivi: Politische Geschichte Finnlands seit 1809, S. 334.

320  Sorsa: Sisäänajo, S. 279.

321  Interview mit Mauno Koivisto. Hier irrt er allerdings, denn in der EFTA ist Finnland seit seinem EU-Beitritt 1995 natürlich nicht mehr.

322  Steen Bo Frandsen: „Die Entstehung einer nationalen Gemeinschaft in Dänemark im 19. Jahrhundert.“ In: Bernd Henningsen und Claudia Beindorf (Hgg.): Gemeinschaft. Eine zivile Imagination. Baden-Baden 1999, S. 105–118, hier: S. 114f.



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05.12.2005