5 Finnland und die Nordek zwischen nordischer Ideologie und politischer Realität

5.1 Die finnische Angst vor der Isolation

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Die finnische Beteiligung an den Nordek-Verhandlungen ist ein aussagekräftiges Beispiel für die Befürchtung, Finnland könnte nicht nur von der nordeuropäischen, sondern auch von der westeuropäischen Entwicklung abgeschnitten werden. Richtet man den Blick auf den Beginn des Nordek-Prozesses, so fällt auf, dass in den Äußerungen des finnischen Ministerpräsidenten Koivisto nach dem Treffen in Kopenhagen die Beteiligung Finnlands gar nicht gesondert vorkommt, sondern die gemeinsam für alle nordischen Länder zu erzielenden Vorteile fokussiert werden:

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„Andererseits herrschte während des Treffens der Ministerpräsidenten die sichere Auffassung vor, dass die nordische wirtschaftliche Zusammenarbeit auch beachtliche Vorteile für alle Beteiligten hat, die nicht leicht zu bestimmen oder abzuwägen sind – man erwähne z.B. die gestärkte internationale Verhandlungsposition eines geeinten Nordens, die schon im Rahmen der Kennedy-Runde bedeutende Resultate hervorgebracht hat. In diesem Sinne kann man die soeben stattgefundene Versammlung der Ministerpräsidenten meiner Meinung nach begründet als einen konkreten und einen auf lange Sicht sehr bedeutenden Vorwärtsschritt sehen […]. Das bedeutet eine klarere Entwicklung als früher hin zu einem nordischen gemeinsamen Markt in einer Weise, die darauf abzielt, allen daran teilnehmenden Ländern zum Nutzen zu gereichen.“323

Die hier von Koivisto eingenommene Position mag gegenüber vielen gleich gearteten Äußerungen kaum verwundern, sie unterstreicht jedoch seine Ansicht, dass es im Frühling 1968 keinen besonderen Bedarf gab, die Teilnahme Finnlands an den Verhandlungen gegenüber seinen skandinavischen Amtsbrüdern hervorzuheben.324 Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf finnischer Seite das wirtschaftliche Interesse an einem nordischen gemeinsamen Markt höher war als in den anderen drei Ländern. In den 60er Jahren war der finnische Außenhandel insgesamt stark gewachsen, am meisten jedoch mit den EFTA-Ländern und dort insbesondere mit Dänemark, Norwegen und Schweden. Weiterhin sah man in Finnland die Nordek als ein Mittel um eine Isolation von den westeuropäischen Märkten im Fall eines Arrangements zwischen den skandinavischen Ländern und der EWG zu vermeiden.325 Die Gefahr einer finnischen Isolation von deren Märkten spielte auch in den zeitgenössischen Zeitungsartikeln eine große Rolle. Dieser Aspekt kam beispielsweise bei der Vorlage des ersten Berichts der Beamtenkommission im Januar 1969 zur Sprache:

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In einer engen Kooperation mit den anderen nordischen Ländern kann Finnland es vermeiden, von der wirtschaftlichen Macht der westlichen und östlichen Großmächte überrollt zu werden. Am allerwichtigsten für uns ist es, dass keine Situation entsteht, in der auf der einen Seite einer Zollmauer Finnland wäre und auf der anderen Seite die anderen nordischen Länder. Das wäre für den finnischen Export eine sehr bedauerliche Situation.326

Der Anteil der drei skandinavischen Länder am gesamten finnischen Exporthandel war zwar relativ gering, doch war die Bedeutung des Nordens für die finnischen Importe schneller gewachsen als in den skandinavischen Ländern. Schweden war dabei mit einer Verfünffachung der Importe aus Finnland im Zeitraum 1959–1967 klar der wichtigste nordische Handelspartner Finnlands.327 Es darf in diesem Zusammenhang nicht übersehen werden, dass Finnland in den 50er und 60er Jahren wirtschaftlich bei weitem nicht so weit entwickelt war wie seine nordischen Nachbarn und dass in dieser Zeit die politische und gesellschaftliche Orientierung am ‚großen Bruder‘ Schweden im Allgemeinen sehr stark war.328

Die finnische Beteiligung an der Nordek kann als Ausdruck des Wunsches nach stärkerer wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Norden, aber auch mit Westeuropa überhaupt, also auch mit der EWG und mit Großbritannien gesehen werden.329 Weder ergänzten sich nämlich letzten Endes die Märkte der nordischen Länder annähernd330, noch stellte der internordische Handel besonders attraktive Exportchancen bereit.331 Die starke Betonung des nordischen Eigenwerts der Nordek (siehe Kapitel 5.3) ist von daher umso mehr in die politische Dimension dieser Problematik einzuordnen, wo wirtschaftliche Fragen nicht den Ausschlag gaben. Mit den Worten Nils Andréns: „En gemensam nordisk marknad är ett begränsat mål, vars utvecklingsmöjligheter skall ses i någon form av vidare europeiskt intergrationsperspektiv [sic!], inte i en fortsatt politisk integration i Norden.“332

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Diese Erörterungen mögen in einer Studie, die Identitätsfragen untersucht, deplatziert erscheinen. Doch erklären sie zu einem guten Teil, dass das Interesse Finnlands, an den Nordek-Verhandlungen teilzunehmen, durchaus nicht schwärmerischer Natur war, oder dass es ausschließlich darum gegangen wäre, überhaupt irgendeine Form politischer Präsenz im Norden zu zeigen. Die finnische Regierung verfolgte das pragmatische Ziel einer stärkeren ökonomischen Integration in die westlichen Märkte; damit wird im Übrigen auch das Argument, Finnland hätte seine handelspolitischen Vorteile in Osteuropa wahren wollen, widerlegt.333 Nichtsdestotrotz muss Marttila Recht gegeben werden, dass auch die zunehmende Annäherung der nordischen Länder untereinander im Laufe der 60er Jahre den finnischen Osthandel keineswegs beschneiden durfte.334 Der Handel mit Russland war viel zu profitabel für Finnland, um ihn einer Gefährdung auszusetzen. Ebenso zeigte sich, dass allein mit einer nordischen ‚Mini-EWG‘ die Probleme im Außenhandel nicht zu lösen waren. Gerade für Finnland bestand aber die Gefahr, in allen ökonomischen Integrationsprozessen außen vor zu bleiben. Eine zentrale Prämisse für die finnische Nordek-Politik war es also, eine Isolation Finnlands in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht zu vermeiden:

„Die wirtschaftliche Integration ist ein natürliches Phänomen der heutigen Zeit und eine Isolierung davon wäre ein Rückzug aus der allgemeinen Entwicklung. Unser Wohlstand hängt wesentlich davon ab, wie gut es uns gelingt, die Vorteile der großen Märkte zu nutzen und unsere Produktionsverhältnisse und wirtschaftlichen Ressourcen an die dadurch geschaffenen Rahmenbedingungen anzupassen. Die prinzipielle Einstellung Finnlands zur Nordek sollte von dieser Perspektive ausgehen.“335

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Die Debatte in Finnland spiegelte diese Voraussetzungen wider. Zwar standen die meisten Zeitungen den Erfolgschancen einer Zollunion und Finnlands Beteiligung daran skeptisch gegenüber; sie meinten, man solle eher mit der Intensivierung der internordischen Kooperation innerhalb der EFTA vorlieb nehmen.336 Doch änderte sich diese Haltung nach dem Kopenhagener Gipfel im April 1968; so wurde beispielsweise positiv aufgenommen, dass es im Ergebnis nicht zu einer Isolierung vom restlichen Norden kam. In der Anfangsphase des Projekts wurde die finnische Beteiligung an den Verhandlungen nicht in Frage gestellt, und die durchaus sichtbaren Probleme hielt man für lösbar, um eine Zersplitterung des Nordens zu vermeiden. Die Gefahr einer zu starken Annäherung an die beiden NATO-Mitglieder hielt man für gering und es kam häufiger zu der naiven Einschätzung, dass „Norwegens und Dänemarks Orientierung zum Norden eine Richtung aufweise, die mit der Zeit eher weg von der NATO leiten und zu einem stärkeren ‚Nordismus‘ führen würde.“337 Diese Vorstellung war letztlich genauso utopisch wie der geschlossene Beitritt aller Nordek-Länder und damit Finnlands zur EWG, da in beiden Fällen grundlegende sicherheitspolitische Voraussetzungen aufgegeben worden wären. Damit hätte man gegen das Prinzip, die nordische Kooperation dürfte keine außen- und sicherheitspolitische Fragen berühren, verstoßen.338

Eines der zentralen Motive der finnischen Regierung für die Mitwirkung am Nordek-Prozess war jedenfalls die Hoffnung, dass eine handelspolitische Einheitsfront des Nordens eine Abkoppelung Finnlands vom bereits erreichten EFTA-Freihandel verhindern würde. Die Zollschranken für den Handel zwischen den Ländern des Nordens waren bereits durch die EFTA gefallen, und neue Handelshindernisse konnte man sich nicht leisten. Eine Grundsorge der finnischen Integrationspolitik war ja immer wieder, dass die skandinavischen Länder mit Großbritannien der EWG beiträten und damit eine Zollmauer zwischen Finnland und seinen wichtigsten Handelspartnern neben der Sowjetunion entstünde. „Baunsgaards Initiative bot Finnland die Möglichkeit, mit eigenem Einsatz gegen eine solche Entwicklung zu kämpfen.“339 Eine weitere Möglichkeit, die sich aus finnischer Sicht bei Realisation der Nordek geboten hätte, wäre die schnellere Lösung struktureller Probleme der finnischen Landwirtschaft und der Abbau von Überproduktionen gewesen.340

Weiterhin war der Standpunkt Schwedens noch unklar, auf welche Art es mit der EWG kooperieren wollte – ob mit einer vollen oder assoziierten Mitgliedschaft oder durch einen Freihandelsvertrag. Eine Nordek ohne finnische Beteiligung hätte zu einer gegenseitigen Anpassung der Ziele der drei skandinavischen Länder gegenüber der EWG führen können.341 Damit wäre Finnland Gefahr gelaufen, nicht nur sich selbst zu isolieren und den Rückhalt in Skandinavien zu verlieren, sondern auch die dringend benötigten Investitionen aus den im Rahmen der Nordek geplanten Fonds nicht zu erhalten. Finnland brauchte dringend Kapital zur Modernisierung der Industrie, um dem ernsthaften Problem des Arbeitsplätzemangels zu begegnen, der gegen Ende der 60er Jahre den Emigrantenstrom in Richtung Schweden dramatisch anschwellen ließ.342 Hier zeigt sich, dass bei der Nordek wirtschaftliche und politische Aspekte gleichermaßen von Bedeutung waren: „Aus handelspolitischen und neutralitätspolitischen Gründen wirkte es nicht verlockend, bei einer Annäherung der nordischen Länder außen vor zu bleiben.“343

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Letzteres muss mit der von Falk Bomsdorf so bezeichneten „westwärts gewandte[n] Blickrichtung der finnischen Neutralitätspolitik“344 erklärt werden. Hiermit ist das Bestreben gemeint, die Zustimmung des Westens für die finnische Neutralitätspolitik zu erreichen und in deren Rahmen Zugang zu den ökonomischen – nicht den politischen – Bereichen der europäischen Integration zu erhalten. Die Teilnahme Finnlands an der nordeuropäischen Kooperation kann zugleich als eine identitätspolitische Dimension dieses Vorgehens verstanden werden: „Die nordische Identität und die Verankerung in der stabilen nordischen Region waren für Finnland während des Kalten Krieges wertvoll.“345 Doch gab es auch Kritiker dieser Politik, wie den linken Sozialdemokraten und heutigen Außenminister Erkki Tuomioja, obwohl auch er die Funktion der Nordenpolitik erkannte:

„Die Finnen sitzen treu dabei, stimmen mit der Mehrheit ab und schweigen fließend auf allen skandinavischen Sprachen. […] In Finnland hat man sich zur nordischen Zusammenarbeit weitgehend derart verhalten, dass das wichtigste für uns eine gleichberechtigte Beteiligung ist. Bis auf einige vom Norden-Gedanken durchsetzte Ausnahmen hat das nicht daher gerührt, dass man dem Nordischen einen über andere Perspektiven hinausgehenden Eigenwert zugeschrieben hätte. Eher hat man die nordische Orientierung als einen Teil der finnischen Westpolitik gesehen, d.h. als Ausgleich zu den auf dem VFZB basierenden Sowjetbeziehungen, wenn nicht gar als Atemloch zum Westen.“346

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Tatsächlich diente die Anbindung an den Norden den Zielen, das enge Verhältnis zum Osten auszubalancieren und mittels nordischer Initiativen Finnlands (wie dem Vorschlag für einen atomwaffenfreien Norden) die sowjetische Führung der Verlässlichkeit der finnischen neutralitätspolitischen Position zu versichern. Diese Politik stand unter dem Einfluss der sowjetischen Finnlandpolitik, die lange von einem versteckten Gegensatz geprägt war. Einerseits war es ein Ziel, Finnland in möglichst großer Distanz vom Norden zu halten, auf der anderen Seite versprach man sich aber von einer Mitwirkung Finnlands an der nordischen Kooperation einen positiven Einfluss der finnischen Neutralitätspolitik auf die anderen nordischen Länder. In der finnischen Politik findet sich dieser Gegensatz wieder: Finnland erhoffte sich im Allgemeinen und im Fall Nordek im Besonderen eine Erweiterung des außenpolitischen Handlungsspielraums.347

Ebenso bestand aber die Gefahr, aufgrund der Teilnahme an einer der EWG politisch verbundenen Nordek das ‚Vertrauenskapital‘ bei der Sowjetführung zu verspielen, was sich Finnland nicht leisten konnte, wollte es weiter an den wirtschaftlichen Bereichen der westeuropäischen Integration partizipieren.348 Die finnische Einbindung in den Norden als eine keiner Interessensphäre der Supermächte eindeutig zuzuordnende Region sollte eben dieses vertrauenswürdige Image befördern, um eine Entwicklung wie 1961 in Zusammenhang mit der sog. Notenkrise unbedingt zu vermeiden.349 Neutralitätspolitik und nordische Kooperation gingen also Hand in Hand, um in verschiedenen Richtungen positive Grundvoraussetzungen für konkretes finnisches politisches Agieren zu schaffen. Zugleich standen sie dabei aber auch im Gegensatz zueinander, doch überwog die Prämisse, in der finnischen ‚wait-and-see‘-Strategie, mit der sowjetisches Misstrauen verhindert oder gedämpft werden sollte, Politik und Wirtschaft weitgehend voneinander zu trennen.350

Am stärksten wurde das Problem der finnischen Isolierung in der Endphase des Nordek-Prozesses diskutiert. In Zusammenhang mit der Absage des Turkuer Nordek-Treffens kamen entsprechende Befürchtungen in internen Äußerungen Koivistos zur Sprache: „Allgemein gesehen geht es jetzt trotzdem um viel mehr als allein um die Nordek. Wir sind dabei, übel den Anschluss zu verpassen.“351 Diese Einschätzung war zutreffend, und die finnische Debatte ist leicht nachzuvollziehen, da die finnische Politik nicht nur von den skandinavischen Verhandlungspartnern, sondern auch im Land selbst als verwirrend und der eigenen Position schädlich wahrgenommen wurde. So notierte der Historiker und sozialdemokratische Politiker L.A. Puntila in seinem Tagebuch über ein Gespräch mit seinem Fraktionskollegen Pekka Kuusi am 6.12.1969 neben seiner Kritik wegen „der tolpatschigen Behandlung dieser Nordek-Sache“, seine Befürchtung, „dass die gesamte nordische Kooperation Risse bekommt und dass Finnland womöglich in eine isolierte Position gerät“ 352.

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Die Ereignisse im Dezember 1969 weckten v.a. unter den finnlandschwedischen Kommentatoren schlimme Befürchtungen:

„Danskarna hyser redan vissa planer på att skapa ett Nordek för bara tre nordiska länder och låta Finland ansluta sig senare eller då tiden anses mogen för ett finländskt engagemang. Ett sådant resultat av de förda samarbetsunderhandlingarna skulle vara tämligen snöpligt för Finland, vars ställning i den nordiska kretsen kunde äventyras. […] Varje åtgärd som syftar till att utestänga oss från det nordiska samarbete, som länderna i Norden har som målsättning, måste väcka bekymmer och ängslan i vårt eget land. Var är Finlands plats, frågar man runtom i landet.“353

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Gerade die finnlandschwedischen Zeitungen sahen die Identifikation der Finnen mit dem Norden und der nordischen Kooperation als zentrales Argument zur Verhinderung einer isolierten Position Finnlands an.354 Die Haltung der finnlandschwedischen Presse korrespondierte mit derjenigen der führenden Vertreter der Svenska folkpartiet. Die Warnungen vor einer Isolation Finnlands im Norden nahmen zu, je unsicherer die Verwirklichung der Nordek erschien. Obwohl der EWG-Vorbehalt (Januar 1970) ja mit zur Beschleunigung der Verhandlungen beitrug, hatten viele Kommentatoren bereits das mögliche Scheitern des gesamten Projekts vor Augen. In jedem Fall sah man in dieser endgültigen Distanzierung von der dänisch-norwegischen EWG-Orientierung der Nordek auch eine wachsende Entfernung Finnlands von den anderen drei Ländern:

„Es reicht, wenn wir feststellen, dass der Kabinettsbeschluss vom Montag bedeutet, dass nach Meinung der Regierung Finnland sich seiner Beziehungen zur EWG selbst annehmen kann und dazu fähig ist. Diese Annahme hat ihre gefährlichen Seiten zumindest insofern, als dass sie eine gewisse vorsätzliche Isolierung von den anderen nordischen Ländern bedeutet, wofür nun klare Beweise existieren.“355

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Andere Pressestimmen sahen diese starke Distanzierung nicht und waren eher der Meinung, dass Finnland sich im Kreis der Nordek-Partner zurückgemeldet hatte, nun aber seine Spielregeln für die weiteren Verhandlungen deutlich gemacht hätte.356 Eine positivere Deutung des EWG-Vorbehalts sah darin den deutlichen Beweis für Finnlands Willen, die Nordek zu Stande zu bringen, wie ihn Koivisto in einem Interview mit Hufvudstadsbladet ausdrückte:

„Finland har tagit en klar positiv inställning till ett utvidgat ekonomiskt samarbete mellan de nordiska länderna för en längre gående integration. Vi har uttalat vår negativa inställning till att använda nordiskt samarbete för att för vår egen del söka lösningar av de europeiska marknadsproblemen. Denna vår inställning utgör inte ett hinder för att föra de nordiska länderna närmare varandra, tvärtom. Den hindrar inte heller de andra nordiska länderna att försöka lösa sina europeiska marknadsproblem gemensamt eller skilt för sig, tvärtom.“357

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Diese Deutung wurde vom Leitartikler der gleichen Zeitung übernommen358, der aber wie andere den Standpunkt der finnischen Seite verdeutlichte, nun hänge die weitere Entwicklung von den anderen ab, laut Koivisto insbesondere von Schweden.359 Der Sozialdemokrat Koivisto erhielt für diese Haltung Unterstützung aus seiner eigenen Partei, in der die Ansicht vorherrschte, Finnland könne es sich nicht leisten, „außerhalb des Nordens zu bleiben“360. Demgegenüber äußerte der Zentrumspolitiker Karjalainen – allerdings nur intern –, die finnische Regierung könne internationaler Zusammenarbeit auch ganz offen negativ gegenüberstehen, falls sie nicht den außenpolitischen Leitlinien des Landes entspräche.361 Ebenso meinte er im Dezember 1969, dass er hinsichtlich der Gefahr, dass Finnland isoliert würde, nicht so pessimistisch wäre, da die Nordek nicht ohne Finnland zu Stande kommen könne.362

Konkrete Überlegungen, wie zu verhindern wäre, dass Finnland bei der weiteren Entwicklung außen vor bliebe, finden sich aus der Schlussphase der Nordek. Der Ökonom und Kolumnist Nils Meinander brachte die Meinung vor, es sei ein Fehler gewesen, die Nordek um eine Zollunion herum aufzubauen.363 Dies ist als ein Versuch (oder vielmehr ein Aufruf dazu) zu werten, Finnlands Beteiligung an dem nordischen Gemeinschaftsprojekt zu retten, indem man das Gesamtpaket aufgeschnürt hätte, um den wesentlichen Streitpunkt zu beseitigen. Die Befürchtung Finnlands, in die EWG hineingezogen zu werden, wäre damit grundlos geworden, ebenso wie die Vier-Länder-Basis des Projekts hätte beibehalten werden können. In internen Überlegungen formulierte der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung im Außenministerium Pentti Uusivirta das Ziel, dass „auch eine Lösung anzustreben wäre, mit der man gegebenenfalls die für Finnland anwendbaren Teile des NORDEK-Vertrags ungeachtet des möglichen Beitritts irgendeines nordischen Landes zu den Europäischen Gemeinschaften bewahren könnte.“364

5.2 Die nordische Reputation

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„Der Nordek-Plan ist in Finnland als natürliche Entwicklungsform der nordischen Kooperation gesehen worden, deren zentrales Charakteristikum die Institutionalisierung der auf verschiedenen Gebieten stattfindenden Zusammenarbeit wäre. Auf dieser Grundlage beteiligte man sich von finnischer Seite beinahe zwei Jahre verbindlich an den Vorbereitungen für den Nordek-Vertrag.“365

Wie dieses Zitat bereits zeigt, war es ein Hauptcharakteristikum der finnischen Nordek-Politik, Finnlands prinzipielles Interesse an der nordischen Kooperation zu markieren. Als Hintergrund müssen zum einen die negativen Erfahrungen bei den früheren nordischen Kooperationsprojekten, zum anderen aber auch die positiven Erfahrungen mit den nordischen Handelsbeziehungen innerhalb der EFTA betrachtet werden. Diese Grundvoraussetzungen änderten sich im Prinzip bis zum Ende des Nordek-Prozesses in inhaltlicher Hinsicht nicht, und auch nach dem Scheitern bildeten sie einen wichtigen Bestandteil der offiziellen finnischen Erklärungen.

Man darf diese Betonung finnischen Integrationsstrebens nicht als vorgeschobenes Manöver sehen, um von anderen Absichten abzulenken. Das finnische Interesse v.a. der Regierung Koivisto, aber auch vieler anderer politischer Kräfte in Finnland am Norden war aufrichtig positiv und stellte durchaus keine Wende dar, sondern die Weiterführung einer bereits eingeschlagenen politischen Richtung. Schon Ende 1967 wurde in der finnischen Presse von einem neuen Aufschwung der nordischen Kooperation gesprochen und wie durch die EFTA-Zusammenarbeit ein für den Norden günstiges politisches Klima geschaffen worden sei. Man sah es also bereits vor der Nordek als wichtig an, sich mit aller Kraft für eine Stärkung der nordischen Kooperation einzusetzen.366 Einer Ablehnung, sich an den Verhandlungen für die Nordek zu beteiligen, wäre man nicht nur in den skandinavischen Ländern, sondern auch in Finnland – angesichts dieser Diskussion erst recht – mit Befremden begegnet.367

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Bis zum Beginn der Nordek-Krise Ende 1969 dienten diese Prämissen dem weiteren Aufbau des nordischen Renommees Finnlands. Mit den zunehmenden Komplikationen dienten sie eher der Verteidigung des finnischen Standpunkts – man könnte auch sagen: der ‚Ehrenrettung‘. Neben die Angst vor der wirtschaftlichen Isolation trat die Angst vor dem Gesichtsverlust. In Zusammenhang mit der Entstehung des Nordischen Rats und der EFTA bzw. FINNEFTA hatte Finnland bereits mehrfach die Rolle des „nordischen Problemkindes“368 eingenommen. Wäre es ein weiteres Mal dazu gekommen, wäre eine Beteiligung Finnlands von vornherein verhindert worden. Die Rolle des Problemkindes wäre erneut bestätigt und gefestigt worden, und damit die Ansicht, dass Finnland noch nicht reif sei – nicht nur für die Nordek, sondern für die nordeuropäische Kooperation überhaupt. Eine Verweigerung oder ein frühzeitiger Rückzug hätte Zweifel an Finnlands politischer Eigenständigkeit geweckt und der finnischen Mitwirkung an der Nordek die Unterstützung im skandinavischen Ausland entzogen oder sie zumindest geschwächt.369 Die stattdessen betriebene aktive Politik Finnlands fand auch unter Oppositionspolitikern Zustimmung, ein Beispiel hierfür:

„Hannu Kärkkäinen [liberala folkpartiet] gladde sig över den förändrade attityd som Finland under de senaste åren börjat inta till det nordiska ekonomiska samarbetet. För ett tiotal år sedan, då man även diskuterade en nordisk tullunion, ställde sig Finland på bakhasorna. Nu är det tvärt motsatta fallet – Finland driver på Nordeksamarbetet.“370

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Finnland erwies sich im Fall Nordek – anders als bei den früheren Projekten – als fähig und bereit, an den gemeinsamen Verhandlungen als gegenüber den anderen dreien gleichberechtigter Partner teilzunehmen. „Finnland zeigte mit seiner positiven, wenn auch vielleicht abwartenden Einstellung, dass es die Erweiterung der Kooperation unterstützte und wollte somit klar beweisen, in der Gruppe der nordischen Länder gleichrangig zu sein.“371 Damit wich Finnland von seiner gewohnten integrationspolitischen Prämisse der ‚wait-and-see‘-Taktik ab.372 Hierin liegt auch ein entscheidender Unterschied zur FINNEFTA oder zu einer möglichen Skandek bzw. ‚FINN-Skandek‘. Es ist selbstredend hypothetischer Natur, über die wirtschaftlichen Nachteile für Finnland bei einer Assoziierung an eine Skandek zu spekulieren. Es dürfte aber klar sein, dass neben diesen die damit einhergehende Schwächung der finnischen Stellung im Norden mindestens ebenso schwer gewogen hätte. Daher erscheint es auf den ersten Blick merkwürdig, wie positiv bzw. zurückhaltend sich Koivisto gegenüber einer möglichen Skandek verhielt:

„Als wir in die Situation gerieten, dass aus dieser Nordek nichts würde, habe ich nichts Negatives über diese sogenannte Skandek geäußert. Nichts. Ich konnte nicht sagen, macht ihr untereinander weiter, oder womöglich habe ich es auch gesagt. Aber ich habe nicht gesagt, wenn Finnland aussteigt, dann hört auf. Aber da sagten die anderen gleich, wenn Finnland aussteigt, bleibt nichts übrig, als Projekt der anderen nordischen Länder bleibt es zu dünn.“373

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In gewissem Sinne zeigte sich hierin also mitten im Scheitern der Nordek einer der damit erreichten größten Erfolge – Finnland schien aus der nordischen Kooperation nicht mehr wegzudenken. Baunsgaard war als einziger bereit, Drei-Länder-Verhandlungen zu führen, Borten und Palme lehnten ab – unter dem Hinweis, dass dies vollkommen neue Voraussetzungen bedeute, da man bisher von vier Partnern ausgegangen war.374 Nicht nur vom Beginn, sondern gerade vom Scheitern des Nordek-Prozesses her gedacht, erwies sich die finnische Beteiligung an den Verhandlungen als Gewinn. Dies fällt allerdings kaum ins Auge und wird von der Rolle Finnlands als Verhinderer der Nordek überdeckt.

Tatsächlich zeigte nicht nur die Zurückhaltung hinsichtlich der Skandek, für wie wichtig man es hielt, eine so weit wie möglich affirmative Haltung Finnlands zu demonstrieren. Dies war bereits zu Beginn des Projekts der Fall, wie z.B. die ersten Stellungnahmen von Außenminister Karjalainen in Zusammenhang mit der Osloer Sitzung des Nordischen Rats zeigen. Karjalainen betonte, alle Partner müssten – in gleichem Maße positiv eingestellt – prüfen, wo und wie die erweiterte Wirtschaftskooperation allen Beteiligten den größten Nutzen brächte.375 Finnland sei jedenfalls positiv eingestellt und bilde keinen Sonderfall in der nordischen Kooperation.376 Weiterhin kann man auf Koivistos Erklärungen in dieser Anfangsphase verweisen: Hier ist wiederum die Pressekonferenz des Kopenhagener Treffens vom April 1968 zu nennen, ebenso eine Fernsehdiskussion, in der Koivisto unterstrich, „dass wir gemeinsam viel zu gewinnen haben und dass jeder bereit sein müsse, Zugeständnisse an seine Forderungen zu machen.“377 Finnland war in der Anfangsphase auch zu einer weiter gehenden Grundsatzerklärung zur Realisation des Nordek-Projekts bereit, mit der man sich diesbezüglich früher und deutlicher festgelegt hätte:

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„Zur Debatte stand eine durchaus bedeutende Festlegung der politischen Linie, aber es blieb vorerst bei einem bedeutungslosen, z.T. hinter den Kulissen spielenden Ereignis, weil Norwegens Wille zur Fortsetzung der Sondierungen in den Verhandlungen bestimmend blieb.“378

Während der relativ ruhigen ersten Phase der Nordek-Verhandlungen sind wenige Stellungnahmen zu verzeichnen, die vor einer erneuten Beschädigung des nordischen Renommees Finnlands warnten. Hier spielte z.B. eine Rolle, dass in Finnland die Öffentlichkeit nur wenig informiert wurde. Die Tatsache, dass die Regierung zögerte, den Nordek-Plan im Parlament zur Behandlung zu bringen, wie auch zunehmende Streitigkeiten zwischen den Parteien lösten die Befürchtung aus, in den anderen nordischen Ländern erhalte man nun „zu einem gewissen Grad das irreleitende Bild von ‚Nordek-Konflikten in Finnland‘, von denen die Zeitungen Skandinaviens es schon geschafft haben zu schreiben. Das ist überhaupt nicht positiv für Finnland.“379

Stärker waren in dieser ersten Phase Stimmen, welche die positive Rolle Finnlands hervorhoben, wie Mauno Koivisto es in der Presseerklärung des Osloer Nordek-Treffens am 19.10.1968 tat: „Unsere Bereitschaft und unser Wille, die nordische wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter zu entwickeln, ist unbestritten.“380 Eine seiner Äußerungen wurde später in Pressekommentaren wiederholt aufgegriffen: Obwohl Finnland das Land mit den wahrscheinlich größten Anpassungsschwierigkeiten (z.B. hinsichtlich seiner Produktionsverhältnisse) sei, bemühe man sich um die Beseitigung der bestehenden Hindernisse. „Dennoch ist unsere Einstellung schon in der Ausschussphase durchweg in einem solchen Maße positiv gewesen, dass ein mögliches Scheitern des Nordek-Plans jedenfalls nicht von Finnlands Verhalten herrührt.“381 Es ist gerade im Lichte der späteren Ereignisse wichtig festzuhalten, dass Finnland während der Verhandlungen über die substanziellen Gebiete der Nordek die längste Zeit ohne weit reichende Forderungen nach Kompensationen und Rücksichtnahmen auftrat. „Der synes ikke på dette område at have været uoverstigelige vanskeligheder ved finsk deltagelse.“382 Trotzdem war schon zu einem so frühen Zeitpunkt wie Januar 1969 nicht nur die Möglichkeit des Scheiterns im Blick, sondern man bemühte sich auch, Finnland nicht zum Sündenbock werden zu lassen.

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In der finnischen Nordek-Politik lässt sich ganz klar die Tendenz oder der Wille feststellen, nicht als eine Art nordischer Sonderfall dazustehen. Wie aus einem P.M. vom Dezember 1969 hervorgeht, war die vorsichtige und zurückhaltende Linie durchaus die Hauptprämisse für das finnische Handeln. Auch hier wurde betont, dass man die Dinge von finnischer Seite nicht klar vorantreibe, sondern sich eher so verhalte, dass Finnland nicht zum Hindernis für die Entstehung der Nordek werde. Folgendes Zitat belegt sogar eine erstaunliche Passivität:

„In der bisher herrschenden Situation konnte man davon ausgehen, dass die für die nordische Kooperation herrschende starke allgemeine Meinung und die von den Ministerpräsidenten aller Länder eingenommene Haltung mit ihrem Eigengewicht die Sache auf eine Weise voranbringen würden, die sich für Finnland als vorteilhaft erweisen würde.“383

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Von ihrer ursprünglich enthusiastischen, aktiven Rolle war die finnische Regierung immer weiter abgegangen und vermied nun grundsätzliche Festlegungen.384 Trotzdem galt es weiterhin, diese ja auch als ‚Bremsermentalität‘ ausgelegte Haltung nach Skandinavien hin gewissermaßen als ‚nordische Unauffälligkeit‘ darzustellen – wenn auch damit ganz klar realpolitische Überlegungen hinsichtlich der EWG-Bindung und dem daher rührenden Konflikt mit der Sowjetunion verbunden waren.

Selbst zwei Monate später notierte Koivisto noch: „Von unserer Warte aus ist in zahlreichen Stellungnahmen die Angemessenheit unserer Forderungen hervorgehoben worden, und dass wir nicht den Gang der Dinge behindern.“385 Dies war nicht nur Gegenstand interner Überlegungen, sondern auch offizieller Äußerungen, wie der Reden Koivistos und Karjalainens beim Nordischen Rat in Reykjavík. Die Nordek sei eine Herausforderung, von der man sicher sei, dass Finnland sie annehme, auch wenn es nicht danach strebe, als Initiator für die Integrationsprozesse der 70er Jahre aufzutreten (Koivisto). Mit dem Einbringen nationaler Standpunkte zu verschiedenen Zeitpunkten während der Verhandlungen habe man letztere nicht aufhalten oder beenden, sondern zu einem vorzeigbaren Abschluss bringen wollen; Finnland behalte in jedem Fall seine nordische Orientierung bei (Karjalainen).386

Während der krisenhaften Endphase des Nordek-Prozesses kam die mögliche Sündenbockrolle Finnlands in den Fokus. Die wechselhafte Politik der Regierung erntete im Lande selber Kritik, führte aber auch zu einer Reihe von Spekulationen darüber, dass nun Finnlands Ruf im Norden dahin sei. In der Debatte über die so genannte ‚Vollbremsung‘ (die Absage des Turkuer Nordek-Treffens) versuchte man in einer von Nervosität geprägten Stimmung, die Hintergründe, aber auch mögliche Schuldige und unausgesprochene Wahrheiten aufzuspüren. „Über der Debatte lag ein gewisses allgemeines ‚Erröten‘ und Schamgefühl teilweise aus dem Grund, dass Finnland wieder einmal als unberechenbarer und verlangsamender Faktor aufgetreten war.“387

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Es soll bereits hier betont werden, dass die von finnischen Politikern geäußerten Ängste, was ihre Erwartung skandinavischer Kritik betraf, übertrieben waren. Dennoch ist es umso bezeichnender, wie laut z.B. in der Nordek-Debatte im finnischen Parlament am 15. Dezember 1969 die politischen Alarmglocken schrillten: Die finnische Regierung habe nicht nur sich selbst und den Volksvertretern, sondern auch den skandinavischen Partnern vorgegaukelt, sich in ehrlicher Absicht an der Nordek zu beteiligen. Finnland habe sich bereits auf der Sitzung des Nordischen Rats in Oslo 1968 einstimmig (also mit den Stimmen der nun kritischen Kommunisten) für die Ausarbeitung des Kooperationsvertrags ausgesprochen. Nun solle man sich nicht wundern, wenn die Skandinavier sich an der Nase herumgeführt vorkämen, so der Oppositionspolitiker Tuure Junnila (Kokoomus [Sammlungspartei]).388 Nach Einschätzung von Georg C. Ehrnrooth (SFP) hatte man das mittels zielgerichteter und folgerichtiger Maßnahmen aufgebaute Vertrauen der skandinavischen Partner durch die Absage des Turkuer Treffens verspielt.389 Auch sozialdemokratische Politiker sprachen sich dafür aus, die Verhandlungen weiterzuführen, womit sie Außenminister Karjalainen, der in Abwesenheit Koivistos die Regierungsmeinung vertrat, direkt widersprachen.390

Nicht nur in der politischen, sondern auch in der Presselandschaft mehrten sich die Stimmen, die zum einen Finnland als Sündenbock sahen, oder die zum anderen davor warnten, dass diese Rolle Finnland allzu schnell zugeschrieben würde. Verstärkt trat diese Ansicht nach der Bekanntmachung des EWG-Vorbehalts im Januar 1970 auf, den man v.a. in Zusammenhang mit den unglücklichen Ereignissen des Vormonats sah:

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„Es ist unvermeidlich, dass man den für Finnlands Ruf im Dezember entstandenen Schaden zu verringern sucht. Man hat es ja bereits mehrere Male geschafft, Finnland zum Sündenbock der Nordek abzustempeln, obwohl dieser Part anderen besser gestanden hätte.“391

Wenn man eine solche Ankündigung mit allen ihren Vorbehalten letzten Dezember gemacht hätte, hätte man sich darüber kaum weiter gewundert, weder bei uns noch in den anderen nordischen Ländern. Aber selbst wenn die Äußerung an und für sich gut ist, sie ist automatisch zu spät. Jetzt ist sie die Rückgängigmachung des früheren Aufschubs und spricht nicht gerade für die Konsequenz desjenigen, der sie abgegeben hat. […] Vielleicht ist der hauptsächliche Impuls für die ganze Verlautbarung auch der Wille, sich aus der Rolle des Sündenbocks zu befreien. Aber warum musste man überhaupt diese Rolle spielen? Hat die Regierung tatsächlich eine so lange Leitung, dass man erst jetzt begonnen hat, die Folgen der Absage der Turkuer Konferenz zu bedenken?392

Gegenüber den meisten Stimmen im Dezember 1969, die das Regierungsverhalten als tölpelhaft und hinsichtlich der eigenen wirtschaftlichen Position unvorteilhaft kritisierten, dominierte bei Beibehaltung der regierungskritischen Haltung nun das beschädigte nordische Renommee die Debatte. Das Interesse, Finnland nicht in die Rolle des Sündenbocks für ein nun wahrscheinliches Scheitern geraten zu lassen, spielte erneut eine Rolle.393 Dies ist umso interessanter, als ja der EWG-Vorbehalt von den skandinavischen Verhandlungspartnern als positives Signal aufgefasst wurde, die jeweils konträren Meinungen sozusagen die Position wechselten. Zwar gab es auch in Finnland Stimmen, die der Nordek nach dem 12.1.1970 bessere Chancen gaben, doch waren sie nicht in der Mehrheit und auch nicht sehr langlebig. Dennoch gelang es mit dem EWG-Vorbehalt, Finnlands Nordek-Politik vorläufig aus der skandinavischen ‚Schusslinie‘ zu nehmen:

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„Der finnische Vorbehalt beinhaltete weniger eine verschleierte Absage an die nordischen Unionspläne als vielmehr einen Zwang, diese vor den Eröffnungsgesprächen mit den EG abzuschließen. […] Mit ihrem Kompromiß befreite sich die finnische Regierung von dem scheinbaren Makel, die Unionspläne zum Scheitern gebracht zu haben, sicherte sich gleichzeitig gegen den Eindruck einer Blanko-Vollmacht ab und hatte außerdem noch die Möglichkeit, jederzeit die Mitarbeit einstellen zu können, falls dies innen- oder außenpolitisch opportun erscheinen sollte.“394

Letzten Endes war der EWG-Vorbehalt keine größere Kehrtwende in der inneren Konzeption der finnischen Politik, doch wirkte er v.a. nach außen.395 Indem Finnland die Verantwortung für ein mögliches Scheitern auf die skandinavischen Partner abgewälzt hatte, verschaffte es sich im Interesse der nordischen Reputation neuen Handlungsspielraum. Die Nordek-Befürwortung erlebte noch einmal einen kurzen Aufschwung anlässlich des Abschlusses der Verhandlungen und der Klärung der letzten offenen Fragen in Reykjavík Anfang Februar 1970. Der auch durch den finnischen Blätterwald rauschende nordistische Enthusiasmus ließ alles positiv aussehen.396 In Helsingin Sanomat überschrieb die Korrespondentin ihren ersten Bericht aus Reykjavík mit „Der Nordische Rat hat begonnen: Die Zusammenarbeit ist dabei, sich nach Art der Kalmarer Union zu entwickeln.“397, eine klar positiv konnotierte Referenz, wie auch ein Leitartikel kurz danach zeigte: „Es scheint sich nun genügend politischer Wille für die Verwirklichung des Nordek-Projekts zu finden. Seit der Kalmarer Union ist man unter den nordischen Ländern nicht zu einer so weit reichenden Einigung gelangt.“398

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Zu diesem Zeitpunkt wurde die nordische Reputation Finnlands überwiegend hoch eingeschätzt, wofür die finnische Kompromissbereitschaft hinsichtlich von bis zuletzt ungeklärten Finanzierungsfragen, v.a. aber der EWG-Vorbehalt verantwortlich gemacht wurden. Dieser habe zu einer stärkeren Betonung des nordischen Eigenwerts der Nordek (siehe Kapitel 5.3) und damit zu einer Stärkung des finnischen Gewichts in den Verhandlungen geführt – die Skandinavier sähen die Nordek nunmehr mit ‚finnischen Augen‘.399 Als nach der Sitzung des Nordischen Rats die Äußerungen Karjalainens die Chancen für die Nordek wieder sinken ließen, mehrten sich auch wieder die pessimistischen Bemerkungen. So befürchtete ein finnischer Kommentar, dass man auf diese Weise mehrere Jahrhunderte zurück befördert würde, „hinter die Kalmarer Union anstelle der gegenwärtigen Nordek.“400 Man sah sofort die außenpolitischen Konsequenzen: „Det har säkert funnits mycket att förklara för de finländska deltagarna i Nordiska rådets 18 session, eftersom mycket av det säregna finländska politiska spelet måste framstå som tämligen svårförklarligt för andra nordiska politiker.“401 Erneut trat Ehrnrooth als scharfer Kritiker auf, noch in Reykjavík erklärte er, dass in den skandinavischen Ländern kaum unendliche Geduld gegenüber den eigenartigen politischen Berechnungen in Finnland existiere.402 Noch negativer wurden die Meinungen die Meinungen mit dem Aufschub Ende Februar 1970, obwohl zunächst eher verhaltene Klagen über die Verzögerung dieser Entscheidung aufkamen.403 Dabei geriet v.a. die Erwartung negativer Reaktionen seitens der skandinavischen Verhandlungspartner in den Blick – nachdem diese sich langsam fragten, ob Finnland nun genug Verwirrung gestiftet habe, tue die Regierung genau dies wieder, meinte ein Kommentator.404

In dieser Phase wird immer deutlicher erkennbar, wie die Diskussion sich immer mehr um die Bewahrung der nordischen Reputation Finnlands dreht, nachdem die inhaltlichen Stolpersteine hinsichtlich der Vertragsaushandlung nach und nach aus dem Weg geräumt wurden. Dies bedeutet durchaus nicht das völlige Verschwinden wirtschaftlicher oder handelspolitischer Argumente, doch wurden sie der Frage, wie Finnland gegenüber den skandinavischen Ländern sein Gesicht wahren könne, untergeordnet. Seit Beginn der Nordek-Krise Ende 1969 waren immer wieder Leitartikel zu lesen, die von Schamgefühl sprachen, von der fehlenden Geduld der nordischen Nachbarn, die unter der permanenten Verunsicherung durch das finnische Regierungshandeln zu leiden hätten. Hierbei sind es erneut die finnlandschwedischen Zeitungen, die diesen Standpunkt am stärksten hervorheben:

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„Vi skäms inför våra nordiska bröder. Vi skäms över den skandal som vår regering har levererat i Nordek-frågan. Vi förstår inte varför de folkdemokratiska ministrarna dröjde så länge med sitt negativa besked. Vi förstår inte utrikesminister Karjalainens vacklande hållning. Vi förstår inte heller varför inte statsminister Koivisto för länge sedan har slagit näven i bordet och – troligen med president Kekkonens gillande – sagt ifrån att ett beslut i en eller annan riktning måste fattas. [...] Vi skäms således inför våra nordiska vänner. […] Vi skäms inför världen där vårt rykte kommer att vara mycket skamfilat efter allt som hänt. Finland – landet som betalar sina skulder. Så lät det en gång. Finland – landet vars regering inte håller sina avtal. Så kan det komma att heta.“405

Von der Beschädigung der nordischen Reputation wurde also hier sogar auf einen möglichen Schaden an Finnlands Ruf in der Welt geschlossen. Man fühlte sich offensichtlich sehr stark auch von außernordischen Ländern beobachtet und war angesichts der zu diesem Zeitpunkt ja noch ungeklärten Regelung der finnischen EWG-Beziehungen sehr darauf bedacht, ein positives Bild Finnlands in dieser nordischen Angelegenheit zum Aufbau des eigenen Images in den westlichen Ländern einzusetzen. Auch war das Ringen um westliche Anerkennung für die finnische Neutralitätspolitik noch nicht am Ende. Je näher die Nordek ihrem Ende kam, desto geringer wurde das Verständnis in der finnischen Debatte für die Regierung und desto mehr kritisierte man deren Haltung von einem skandinavischen Standpunkt aus: Ihr Handeln oder auch Nicht-Handeln löse neue Zweifel im Norden gegenüber Finnland aus und man dürfe sich nicht wundern, wenn die anderen sich wunderten.406

Ähnliches gilt für die Phase nach der Entscheidung, den Vertrag nicht zu unterzeichnen, allerdings mischte sich ein resignatives Element in die Stellungnahmen: Die Frage, ob es sich um eine Farce oder eine Tragödie handele, sei angesichts der finnischen Politik berechtigt.407 Man könne trotz des Scheiterns nur die Geduld der Verhandlungspartner bewundern.408 Finnlands Rückzug wecke Verstimmung im ganzen Norden.409 Finnland habe seine bis Dezember 1969 positive Rolle endgültig abgelegt, und die Art, in der das Projekt danach behandelt worden sei, sei zu einer Belastung für Finnlands Part in der nordischen Kooperation geworden.410 Das Hin und Her sei schädlich für Finnlands nordisches Renommee und das dissonante Ende von Finnlands ‚Valse triste‘ verschlösse den Weg zu direkter wirtschaftlicher Kooperation mit Dänemark, Norwegen und Schweden.411 Generell kennzeichnete viele Kommentare eine Bitterkeit, die eigentlich den Reaktionen der skandinavischen Partner zugeschrieben wurde, die sich aber auch gegen die eigene Regierung wandte.

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Auf der anderen Seite versuchte man vielerorts noch, den drohenden nordischen Imageverlust abzufangen, indem man die Situation Ende März 1970 als Zwischenphase bezeichnete. In den Augen der Opposition herrschte zwar zunächst der erlittene Ansehensverlust in der Wahrnehmung vor, doch hielt man dies schon früh für ein vorübergehendes Phänomen.412 Finnland sei immer aus tiefstem Herzen im Norden engagiert gewesen, aber die Umstände seien nun dagegen gewesen.413 Ähnliches gilt für die Regierungsseite, wie sich an Äußerungen von deren Parteizeitungen ablesen lässt: Keinesfalls sei mit der Absage eine negative Einstellung Finnlands gegenüber der nordischen Kooperation verbunden und da die Nordek keine revolutionären Änderungen bedeute, wäre ein sektorweises Vorgehen im Fall ihres Scheiterns gleichwertig.414 Man betonte, die Regierung habe in der gleichen Sitzung dem unabhängig von der Nordek zu gründenden Nordischen Ministerrat ihre Unterstützung zugesichert.415

Die Kommentare nach der Rede Kekkonens zur Parlamentseröffnung am 6.4.1970 sahen keine wesentliche Änderung der Situation. Das Scheitern eröffne Möglichkeiten für vielfältige Formen wirtschaftlicher und anderer Kooperation.416 Finnland gebe das Bild von einem Land, das nicht wisse, was es wolle.417 Finnland wolle dem Norden nicht den Rücken zuwenden, das finnische Nein sei nicht definitiv und daher auch eine Skandek nicht aktuell.418 Kekkonens Äußerungen über die Zukunft der finnischen Beziehungen zum Norden seien orakelhaft; die Umwelt habe aber auch nicht verstanden, dass die Regierung den Inhalt des Nordek-Vertrags akzeptiert habe, auch wenn sie ihn torpediert habe.419

5.3 Finnland und der nordische Eigenwert der Nordek

Von Anfang an wohnte der Nordek ein Dualismus inne: Dänemark und Norwegen sahen das Projekt als Übergangslösung vor dem fest eingeplanten EWG-Beitritt, Finnland und auch Schweden wollten ihm stärkeren Eigenwert zusprechen. Eigentlich konnte niemand überrascht sein, denn Dänemark verfolgte dieselbe Taktik wie bei Gründung der EFTA, als die dänische Regierung verkündete, sie sehe die EFTA als Zwischenstufe zur EWG.420 In gleicher Weise stellte auch der finnische Standpunkt keine wesentliche Neuheit dar: Bereits in Zusammenhang mit den Verhandlungen über eine nordische Zollunion Ende der 50er Jahre bestand in Finnland die Hoffnung, den skandinavischen Ländern würde eine nordische Lösung eigenständigen Charakters attraktiver erscheinen; die Zugkraft der EFTA für die Skandinavier machte diese Diskussion obsolet.421

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Der erwähnte Dualismus war seit Verhandlungsstart bekannt, aber nie tatsächlich aufgelöst worden.422 Koivisto war sich dessen bewusst und versuchte immer wieder, seine Amtskollegen zu einer Entscheidung für eine der beiden Möglichkeiten zu bewegen, was ihm jedoch letztlich nicht wirklich gelang.423 Spätestens Ende Dezember 1969 gab er die Hoffnung auf, dass eine Festlegung auf die nordische Eigenständigkeit der Nordek sich noch im Verlauf der Verhandlungen erreichen ließe. Aufgrund des dänischen Drangs Richtung EWG und der innenpolitisch scharfen Nordek-/EWG-Debatte in Norwegen empfand er es nicht mehr als besonders überraschend, dass seine Amtskollegen es ablehnten, zu untersuchen, welche Bedeutung die Weiterentwicklung der nordischen Kooperation erhalten solle.424 Bis zum Schluss ließ er sich von dem Wunschdenken leiten, eine Festlegung sei möglich; neben dem Drängen auf eine Entscheidung über den Charakter der Zollunion zeigen dies auch seine Äußerungen, die Ergebnisse der Beratungen wiesen die Nordek als eine dauerhafte Regelung aus.425 Auch nach ihrem Scheitern schien Koivisto noch an Zukunftschancen für die Nordek zu glauben: Bei der Vorbereitung von Kekkonens Reichstagseröffnungsrede ließ er erkennen, dass er die Entscheidung der finnischen Regierung durchaus nicht als endgültig betrachtete, sondern dass lediglich eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt vorgenommen worden war.426 Auf diese Weise hielt Koivisto über das Ende hinaus an der Nordek als eigenständiger nordischer Organisation fest.

Das Problem des so genannten nordischen ‚Eigenwerts‘ bildete den Dreh- und Angelpunkt der finnischen Position vis-à-vis der skandinavischen Verhandlungspartner. Zwar gehörte dieser Eigenwert zur Rhetorik aller Nordek-Beteiligten, doch war damit in den jeweiligen Fällen etwas Verschiedenes gemeint. So sprach man in Dänemark von einem Eigenwert mit Möglichkeiten einer Eigendynamik – in Richtung EWG.427 Baunsgaards Initiative war also von Beginn an klar dahingehend zu interpretieren, dass er beabsichtigte, die nordische Zollunion eher als ein Mittel westeuropäischer Handelspolitik denn als ein eigenes Ziel an und für sich anzuwenden.428 In diesem Sinne erklärte der Leitartikler in Politiken im Dezember 1969, es habe nie ein Verständnis der Nordek „som et mål i sig selv“ existiert.429 In allen vier an der Nordek beteiligten Ländern gab es Äußerungen, die deren Eigenwert befürworteten, doch waren sie nicht alle gleich klar oder leicht zu interpretieren. Besonders stark war dieses Phänomen seit de Gaulles Rücktritt im Sommer 1969 zu beobachten, der den Optimismus in den nordischen Ländern für den Fortschritt der Nordek stark ansteigen ließ.430

Aus finnischer Sicht war damit der Charakter der Nordek als eigenständiges nordisches Projekt gemeint, das als solches keinerlei Anbindungen an andere Organisationen (also v.a. die EWG) hätte. Der Eigenwert wurde umschrieben als „ihre [d.i. die Nordek, JSt] Stellung und Bedeutung als eigenständiger, rein innernordischer Entwicklungsplan für gemeinschaftliche Kooperation.“431 Das gegensätzliche Verständnis des nordischen Eigenwerts der Nordek v.a. zwischen Dänemark und Finnland lässt sich auch aufgrund einer quantitativen Analyse belegen, mit der untersucht wurde, wie häufig in den nationalen Argumentationslinien Zusammenhänge zwischen der Nordek und der westeuropäischen Integration hergestellt wurden und ob diese positiv markiert waren oder nicht. Dabei zeigt sich, dass dänische Mitglieder des Nordischen Rats die Brückenfunktion der Nordek in die EWG sehr hervorhoben, während im finnischen Fall allein die Anzahl irgendwie gearteter EWG-Argumente wesentlich niedriger war als in jedem anderen der involvierten Länder.432

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Für Finnland war eine Nordek als eigenständige nordische Organisation ohne jedwede EWG-Bindung die einzige Möglichkeit zur vollen Partizipation, denn wie oben bereits gezeigt, sah man in einer Assoziation an eine Skandek keine realistische Alternative. Nach Ansicht von Mauno Koivisto bestand über den Eigenwert weniger Dissens als über den Instrumentalwert der Nordek:

„Darüber, ob nicht die Entwicklung der nordischen Kooperation einen Eigenwert oder einen Wert an sich besäße oder an und für sich wertvoll wäre, besteht keine Meinungsverschiedenheit. Hingegen kann man auf die Frage, ob das Projekt auch einen Instrumentalwert hat, nicht ganz genau so einfach antworten. Wir haben wiederholt hervorgehoben, dass dieses Vorhaben für uns kein Werkzeug, kein Mittel, kein Instrument ist, mit dessen Hilfe wir eine EWG-Mitgliedschaft anstreben. Aber auch für uns kann es ein Instrument sein, mit dessen Hilfe wir uns besser an solche Änderungen der Marktsituation anpassen können, auf die wir uns in jedem Fall einstellen müssen.“433

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Obwohl Finnland in hohem Maße an einer handelspolitischen Einbindung in Westeuropa interessiert war, stand einer Mitgliedschaft in der EWG und auch einer anderen über den wirtschaftlichen Bereich hinausgehende Regelung die Neutralitätspolitik und die EWG-kritische Haltung der Sowjetführung entgegen: „Finland kunne kun deltage i et nordisk samarbejde af mere vidtgående karakter, hvis dette skete som et alternativ til EF. Begrundelsen herfor lå i USSRs sikkerhedspolitiske interesse i Finland.“434 Die finnische Aktivität in Sachen Nordek musste also auf eine solche nordische Integrationslösung abzielen, die das Bedürfnis der Skandinavier, sich der EWG anzunähern, verringerte.435 In gewisser Hinsicht lag also nicht nur der finnische Rückzug aus der vertragsreifen Nordek, sondern auch ihr aktives Engagement – insbesondere die starke Betonung des nordischen Eigenwerts –zu einem großen Teil in der sowjetischen Einstellung begründet. Wenn überhaupt, konnte Finnland aufgrund dieser Einstellung nur an der nordischen Wirtschaftsgemeinschaft als von der EWG unabhängiger Organisation teilnehmen; andererseits hätte eine Mitgliedschaft in der Nordek Finnland die erhoffte Ausbalancierung des Verhältnisses zur Sowjetunion gebracht.

In der Anfangsphase der Nordek-Verhandlungen spielte der nordische Eigenwert noch keine nennenswerte Rolle, obwohl seine Hervorhebung schon zu Beginn den finnischen Stellungnahmen einen eigenen Charakter gab.436 Baunsgaards Initiative aufgrund ihrer EWG-Orientierung abzulehnen, hätte zudem in der Anfangsphase dazu führen können, dass Finnland die Nordek nur als außenpolitischer Beobachter hätte verfolgen können.437 Zwar empfand die finnische Seite die klare Europa-Orientierung des vorläufigen Berichts der Beamtenkommission bereits als sehr negativ, doch hatte die Angelegenheit mit dem Vertragsentwurf vom Sommer 1969 eine für Finnland zufriedenstellende Form erhalten. Dort trat die Dimension der EWG stärker hinter den nordischen Eigenwert zurück.438 Allerdings machte Koivisto schon Anfang 1969 klar, dass die Anbindung Finnlands an die EWG nicht in Frage komme:

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„Vi har utgått ifrån att vi inte oåterkalleligt vill binda oss vid andra, men vi önskar inte heller binda andra vid oss. Vi har inte eftersträvat medlemskap i EEC och vår positiva inställning till Nordek-frågan innebär inte någon som helst förändring i det avseendet.“439

Koivisto kritisierte v.a. die Europa-Lastigkeit des vorläufigen Beamtenberichts – die er dänischem Einfluss zuschrieb – und die damit einhergehende vernachlässigte Betonung des „Eigenwerts der nordischen Gemeinschaftsaktion“440. Marttila ist in seiner Feststellung zuzustimmen, dass dessen Bedeutung bis dahin noch nicht explizit geklärt war, obwohl näher betrachtet solche Äußerungen schon in diese Richtung weisen.441

Auf der Sitzung des Nordischen Rats Anfang März 1969 in Stockholm formulierten die finnischen Redner wesentlich deutlicher, wie die finnische Ansicht über die Eigenständigkeit der Nordek aussah. Die bisher verhältnismäßig lose Konstruktion müsse man weiter festigen, wenn man dem Projekt einen Wert an und für sich zuspreche, so Koivisto. Der stellvertretende Ministerpräsident und Bildungsminister Johannes Virolainen (Zentrumspartei) bezeichnete das Problem als noch ungelöst, ob die Nordek bloß eine Übergangslösung sei, oder ob man etwas Bleibendes schaffen wolle.442 Nachdem die Sondierungsarbeiten im Herbst 1969 neuen Schwung erhielten, wurde dies positiv bewertet, zugleich aber in einem Entschluss der Regierung in der sog. ‚Abendschule‘ festgehalten, unter welchen Bedingungen Finnland weiterhin an den Verhandlungen beteiligt sein könnte. Schon hier kam eine Vorform des EWG-Vorbehalts ins Spiel:

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„Die Regierung […] ist der Ansicht, dass, wenn die Klärung der in der Schlussphase der absolvierten Sondierungsarbeit miteinander verknüpften diversen Fragen fortgesetzt wird, damit begonnen werden müsste zu klären, ob die abgegebenen Vorschläge eine akzeptable und praktikable Basis für eine erweiterte nordische wirtschaftliche Zusammenarbeit bilden, unabhängig von den Bestrebungen einiger Mitgliedsstaaten für eine breitere handelspolitische Lösung. Im positiven Fall ist Finnland der Ansicht, weil ein Beitritt zur EWG nicht seine Bestrebung ist, dass mit Verhandlungen, die auf die Gründung der Nordek abzielen, begonnen werden müsste.“443

Die tatsächlichen Ereignisse Anfang Dezember 1969 waren dann letztlich weitaus komplizierter, doch an und für sich kann man die finnische Entscheidung als eine Konsequenz aus dieser strategischen Überlegung betrachten: Man sah angesichts des gefährdeten nordischen Eigenwerts vorerst davon ab, Endverhandlungen, die in die Errichtung der konkreten Nordek-Institutionen gemündet wären, zu beginnen. Im Prinzip änderte sich danach die Stellung des nordischen Eigenwerts in der finnischen Argumentation nicht mehr wesentlich, doch bedeutete dies im Lichte des EWG-Vorbehalts ab Januar 1970 in strategischen Überlegungen nicht mehr den Abbruch der Verhandlungen, sondern wurde eher als Eckstein einer möglichen Realisierung gesehen:

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„Die konsequente Linie Finnlands über die Lauterkeit seiner Bestrebungen zur Entwicklung der nordischen wirtschaftlichen Kooperation und über den Eigenwert der NORDEK in Betracht ziehend, wäre vom Standpunkt Finnlands aus eine Lösungsmöglichkeit zu finden, in der dies klar zum Ausdruck käme, während man zugleich die NORDEK in einem nordischen und/oder für Finnland anzupassenden Tempo zu Ende aufbauen könnte.“444

Sicherlich klangen die Reden über den nordischen Eigenwert ideologischer als die pragmatischen politischen Überlegungen, die unter Berücksichtigung der finnischen Neutralitätspolitik dahinter standen. Dieser Standpunkt schlug sich zum Teil in der Eröffnungsrede nieder, in der Kekkonen das Verständnis des Eigenwerts unter Heranziehung der finnischen neutralitätspolitischen Linie erläuterte.445 Doch zeigt sich, dass man die Frage des nordischen Eigenwerts – v.a. was die Schlussphase des Nordek-Prozesses betrifft – durchaus auch als eine Dimension der Aufrechterhaltung der nordischen Reputation begreifen kann. Indem man die finnische Redlichkeit betonte, mit der man die Beschränkung der Nordek auf ihren Charakter als abgeschlossene Institution der nordischen Länder hervorhob, konnte man selbst im Falle eines Scheiterns (an dem nicht Finnland schuld gewesen wäre) auf dem Feld des Nordismus sozusagen Punkte sammeln. Dass solche Überlegungen zeitweilig wichtiger waren als die wirtschaftlichen Inhalte, lässt sich mit einem im Außenministerium entstandenen Strategiepapier belegen, in dem es u.a. hieß:

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„Weil ein von den EWG-Beitrittsbestrebungen anderer nordischer Länder verursachtes Scheitern oder Aufschieben des Nordek-Plans umgekehrt das Akzeptieren dieses Plans zeigen würde, dass dies ein den EWG-Beitritt hemmender Faktor wäre, gäbe es den Anlass zu erwägen, ob nicht unsere positive Einstellung in dieser Situation dem Ausland die Lauterkeit der finnischen Nordek-Bestrebungen beweisen würde. Es ist auch zu beachten, dass, falls die Haltung der anderen nordischen Länder zum Scheitern oder zur Verzögerung des vorliegenden Nordek-Projekts auf unabsehbare Zeit führen würde, die anstehende Konferenz der Ministerpräsidenten die letzte Gelegenheit darstellen dürfte, die klar positive Haltung Finnlands zur institutionalisierten Entwicklung der nordischen Kooperation geltend zu machen.“446

Hier zeigt sich also, dass die finnischen Überlegungen nicht allein von dem Bedürfnis bestimmt waren, das Vertrauen der Sowjetunion in die finnische Neutralitätspolitik zu bewahren. Es bestand auch die Hoffnung, dass Finnland durch das Herauskehren seiner lauteren, ‚reinen nordischen‘ Einstellung etwas für sein Image im Norden tun könne. Hierfür stellte der nordische Eigenwert der Nordek ein gut geeignetes Instrument dar. Erneut lässt sich eine Parallele zu den ein Jahrzehnt zuvor stattgefundenen Ereignissen ziehen: Als sich der Weg der drei skandinavischen Länder in die EFTA bereits abzeichnete, versuchte Finnland – indem es seine Bereitschaft zur Errichtung der nordischen Zollunion erklärte – noch auf die Verhandlungspartner derart einzuwirken, dass die nordische Alternative ein stärkeres Gewicht erhalten hätte.447 Die finnische Seite ging davon aus, dass man mit der Nordek durchaus etwas Bleibendes schaffen wolle, und dass die Herauslösung aus dieser gemeinsamen Organisation eher die Ausnahme bilden würde. Einen Austritt von mehr als einem Mitgliedsstaat aus der Nordek sah allerdings auch Kekkonen als sehr problematisch an:

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„Unser erster Ausgangspunkt ist der, dass wir uns auch bei der Behandlung von Angelegenheiten, die die wirtschaftliche Integration betreffen, bemühen, unsere Neutralität zu schützen. Das bedeutet, dass wir der EWG nicht beitreten und uns auch nicht an sie assoziieren. Außerdem ist es schwer zu glauben, dass wir die Nordek aufrechterhalten können, wenn z.B. Dänemark oder Norwegen nach Gründung der Nordek der EWG beitreten würde.“448

Eine Äußerung Koivistos unterstreicht diesen Gedankengang; die Idee, dass die Nordek für einige Zeit bestanden hätte, aus der Dänemark und Norwegen ausgetreten wären und die die übrigen Länder dann aufrechterhalten hätten, sei eine Fiktion gewesen. Wichtig war v.a., von finnischer Seite klarzumachen, dass die Nordek nicht als Gesamtheit der EWG beigetreten wäre. Aber sie sollte auch kein Hindernis für Dänemark oder Norwegen sein, sich daraus zu lösen und der EWG beizutreten, ohne dass die Rest-Nordek sich aufgelöst hätte. Dennoch war er der Meinung, dass das Reden vom nordischen Eigenwert nicht reine Rhetorik gewesen sei:

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„Es war nicht bloß Rhetorik, natürlich haben alle verstanden, wenn wir sagten, dass das einen Eigenwert haben sollte, also damit meinten wir, dass das kein Schritt zur EWG-Mitgliedschaft sein konnte. Aber den Dänen konnte man das nicht so sagen, denn ihnen musste man das mit genau diesem Argument verkaufen. Auf diese Weise waren unsere Interessen gegensätzlich. Man war dazu gezwungen, sich um sehr vage Stellungnahmen zu bemühen.“449

Auf diese Weise blieben die tatsächlichen Ansichten über den nordischen ‚Eigenwert‘ im Unklaren. Trotz des sicherlich berechtigten Vorwurfs, über den Standpunkt Finnlands hätten die skandinavischen Verhandlungspartner im Bilde sein müssen, muss auf der anderen Seite der fehlende Nachdruck bei der Durchsetzung dieses Standpunkts kritisiert werden. Dieses Fehlen von Nachdruck kann aber wiederum mit dem Willen, das nordische Renommee nicht zu beschädigen und eine Isolation Finnlands zu vermeiden, begründet werden. Regierungen oder Politikern aufgrund dieser offensichtlichen Kommunikationslücke den Vorwurf der Unredlichkeit zu machen, wäre unangebracht. Es sollte vielmehr auf die trotz aller Gegensätze ideologische Hegemonie des Nordismus verwiesen werden. Diese überstrahlte die Interessendivergenz der beteiligten Länder so weit, dass es als ‚politisch inkorrekt‘ angesehen wurde, sich gegen das gemeinsame Ziel eines – zumindest auf dem wirtschaftlichen Gebiet – geeinigten Nordens zu wenden. Daher sprachen also auch dänische und norwegische Politiker, die eine klare EWG-Orientierung hatten, von einem Eigenwert der Nordek. Dies war ihren Zielen auf verschiedene Weise zuträglich, denn sie konnten damit die EWG-Gegner im eigenen Land beruhigen, den nordischen Konsens bestätigen und bis zu einer EWG-Erweiterung, von der man ja annahm, dass sie in weiter Ferne läge, wirtschaftliche Vorteile erzielen. Man sollte weiterhin berücksichtigen, dass für die anderen nordischen Länder der Ansicht, dass die Nordek ‚lediglich‘ ein Mittel, eine Zwischenetappe auf dem Weg in die EWG sei, überhaupt nichts Verwerfliches anhaftete.450 Die finnische Argumentation ging aber von einer Höherwertigkeit des nordischen Eigenwerts gegenüber solchen Überlegungen aus, ein Standpunkt, der sich auch in der Forschungsliteratur niederschlug, wenn davon die Rede war, dass „die Nordek wieder einmal zeigt, wie die nordische Zusammenarbeit auf Schwierigkeiten stößt, […] falls sie nicht als autonom angelegt ist, sondern lediglich als eine Erleichterung für die in Westeuropa stattfindende Integration.“451

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In der finnischen Presse war das Thema nordischer Eigenwert deutlich weniger prominent als die in den ersten beiden Teilkapiteln untersuchten Komplexe Isolationsangst und nordische Reputation. Vor Januar 1970 spielte es in den untersuchten Zeitungen überhaupt keine Rolle. Erst mit der Bekanntgabe des EWG-Vorbehalts gab es einen Anlass, diesen mit dem Argument des Eigenwerts zu begründen:

„Die Nordek ist von Anfang an als eigene Gesamtheit geplant worden. Ausgangspunkt war, dass die Nordek als eigenständige wirtschaftliche Einheit agiert. Daher ist eine gleichzeitige Mitgliedschaft in Nordek und EWG während der Verhandlungen als ein den Charakter der gesamten Nordek verändernder Faktor befunden worden und alle Pläne haben auf das Zustandebringen einer intakten nordischen wirtschaftlichen Kooperation abgezielt.“452

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Es ist bemerkenswert, dass diese einzige ausführlichere und positive Einschätzung des nordischen Eigenwerts gerade aus der sozialdemokratischen Parteizeitung stammte. In den eigentlich stärker pronordischen finnlandschwedischen Zeitungen überwog in den wenigen Kommentaren, die auf diesen Aspekt eingingen, bereits der Pessimismus und die Kritik an der Regierung, dass sie den Eigenwert nicht durchgesetzt hätte.453

5.4 Der Nordismus und die Nordek in der finnischen Innenpolitik

Ein besonders hohes Profil haben der Nordismus und die Nordek in der finnischen innenpolitischen Debatte während des Untersuchungszeitraums nicht erlangt. Dies lag u.a. daran, dass es bis Dezember 1969 dauerte, ehe eine Parlamentsdebatte über die Nordek stattfand, die dann aber schon unter den Vorzeichen des laufenden Wahlkampfes stand. Insgesamt beschränkte sich die Zahl der politischen Akteure im Wesentlichen tatsächlich auf die außenpolitische Führung. Dabei machte Koivisto als Ministerpräsident dem Staatspräsidenten erstmals ernsthaft die ihm zustehende außenpolitische Führungsrolle streitig. Dabei wiesen die beiden Politiker recht verschiedene Grundorientierungen auf. Entgegen dem stark skandinavisch ausgerichteten Koivisto maß Kekkonen der nordeuropäischen Kooperation nie das größte Gewicht zu, sondern prioritierte eindeutig das Verhältnis zur Sowjetunion einerseits und die wirtschaftlichen Bindungen an den Westen andererseits:

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„Die persönlichen Beziehungen des alten Centerpolitikers Kekkonen zur sowjetischen Führung stellten bei geschicktem Taktieren innenpolitisches Kapital dar, das durch die nordischen Integrationsbestrebungen, für die sich der sozialdemokratische Staatsminister und seine Partei sehr einsetzten, nicht aufs Spiel gesetzt werden durfte.“454

Kekkonen war der Gedanke fremd, mögliche integrationspolitische Probleme Finnlands durch die skandinavische Kooperation zu lösen, für Finnland war es seiner Meinung nach viel vorteilhafter, sich direkt mit der EWG zu einigen.455 Er befand schon in der Endphase des Nordek-Prozesses, dass jedes der nordischen Länder seine EWG-Beziehungen auf eigenen Wegen regeln würde und die Nordek im sich ohnehin weiter vereinigenden Westeuropa eine Spaltung Europas gar vorantreiben könnte.456 Das bedeutete zwar nicht, dass Kekkonen sich dem nordischen common sense entzogen hätte – immerhin hatte er auch eine so bedeutende Entscheidung wie Finnlands Beitritt zum Nordischen Rat gegen sowjetischen Widerstand durchgesetzt. Doch sein problematisches Verhältnis zu den beiden NATO-Ländern Dänemark und Norwegen bewirkte ein etwas geringeres Gewicht des Nordismus in der praktischen Politik, wenn auch nicht in der offiziellen Darstellung.

So schrieb Kekkonen die Nordek sofort ab, als die Haager Konferenz dem dänischen und norwegischen Drang Richtung EWG neue Nahrung gab. „Ich glaube, dass es in Haag darauf hinausläuft, dass Dänemark und Norwegen dazu kommen, über den Beitritt zur EWG zu verhandeln und dann ist von Seiten Finnlands die Nordek-Geschichte am Ende.“ Das Ergebnis des Haager EWG-Gipfels bestätigte ihn in seiner Annahme und in seinem Pessimismus: „Da wird wohl das Schlusswort zur Nordek kommen.“457 Auch der unerwartet massive sowjetische Widerstand ließ Kekkonen fest mit dem Scheitern der Nordek rechnen. Es muss Spekulation bleiben, ob er unter anderen Umständen als denen des Kalten Krieges dieses Projekt der nordischen Kooperation stärker vorangetrieben hätte. In jedem Fall hatte Kekkonen eine strenger pragmatische und realpolitische Sicht auf die Nordek, während man in Koivistos Haltung eher idealistisch-schwärmerische Elemente entdecken kann. Koivistos Haltung verkörpert dabei im Sinne der Andrénschen Definition eine Mischung aus idealistischem und pragmatischem Nordismus; er sah in der Nordek neben den wirtschaftlichen Vorteilen auch ein höheres Ziel:

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„Natürlich war es uns und insbesondere mir ein besonders großes Bedürfnis, diese nordische Gemeinschaft zu betonen. Sicher war es für uns die Hauptsache, dass zumindest kein Schaden entstünde, dass die nordische Kooperation keinen Schaden erlitte. Und natürlich wäre es zum Zweiten gut gewesen, wenn dies die nordischen Länder einander näher gebracht hätte.“458

Koivisto sah sich offensichtlich in seiner skandinavischen Orientierung bestätigt, wobei für ihn die wachsende Zusammenarbeit zwischen den nordischen sozialdemokratischen Parteien einen wichtigen Stellenwert hatte. Diese ordnete er in den Rahmen der von ihm wahrgenommenen positiven Stimmung für die nordische Kooperation und der damit verbundenen gegenseitigen Annäherung zwischen den nordischen Ländern ein.459 Zwar war zum Zeitpunkt der Nordek-Verhandlungen außer der finnischen nur die schwedische Regierung sozialdemokratisch. Doch beeinflusste offensichtlich auch der Kontakt mit dänischen und norwegischen Sozialdemokraten Koivisto in seinen nordischen Idealen.460 In der Programmatik der finnischen Sozialdemokratie spielte jedenfalls der Nordismus zur Zeit der Nordek eine wichtige Rolle.461

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Weiterhin darf man nicht unterschätzen, dass die Regierung Koivisto bei Beginn der Nordek-Verhandlungen erst kurze Zeit im Amt war, und dass Koivisto selbst ein erst nach langem Hin und Her in der SDP gefundener Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten war. Zudem war Koivisto nach eigenem Bekunden über die Entstehung der Nordek nicht oder kaum im Bilde, da er seine Regierung ja erst im März 1968 bildete. Zwar hatte er der Vorgängerregierung als Finanzminister angehört, war aber im Januar 1968 zum Präsidenten der Finnischen Zentralbank berufen worden. So frisch im Amt, war er auch gezwungen, zunächst seine Kontakte zu den skandinavischen Amtskollegen zu knüpfen und seine Reputation unter ihnen aufzubauen. Von daher wäre eine von den skandinavischen Ländern abweichende Haltung problematisch gewesen.

Kekkonens eher begrenztes Nordek-Engagement war ganz klar von seiner kritischen Sicht v.a. auf Dänemark und Norwegen geprägt. Nach der Absage der Turkuer Konferenz im Dezember 1969 warnte er Koivisto, dass ein mögliches Scheitern der Nordek nicht „in Finnlands Schoß fallen dürfe“462, Finnland also nicht als Sündenbock für das Misslingen dastehen würde. „Nach UKs eigener Meinung musste man die Sache so drehen, dass Schweden oder Norwegen – nicht Finnland – dazu käme, die Nordek abzulehnen.“463 Dieser Gedanke bestimmte Kekkonens Vorgehen Anfang 1970, das darauf abzielte, die Nordek möglichst zu verwirklichen, wie auch Koivisto meint.464 Man muss aber konstatieren, dass dies nicht aus Interesse an einer tatsächlichen Umsetzung des Vertrags geschah, sondern aus anderen Motiven, die aus einem Brief Kekkonens an den damaligen finnischen Botschafter in Stockholm, Max Jakobson, vom September 1972 hervorgehen:

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„Meiner Ansicht nach wäre der Vertrag zu unterschreiben gewesen, keinesfalls deswegen, weil er zur Entstehung der Nordek geführt hätte, sondern aus dem Grund, dass wir eine taktisch bessere Position bekommen hätten, da Dänemark bald nach dem Unterzeichnen offiziell die EWG-Mitgliedschaft angestrebt hätte.“465

Kekkonen gab auch zu, dass der EWG-Vorbehalt dem Zweck dienen sollte, die Schuld auf andere schieben zu können. Koivisto aber spielte nicht mit, da er aus skandinavischer Solidarität die Integrationspolitik der anderen Länder nicht behindern wollte. „Ich hielt es für selbstverständlich, dass Finnland nichts auf den Weg brächte, was die Integrationsbestrebungen der anderen skandinavischen Länder behindern könnte.“466 Koivistos Gedanke: Wäre die Nordek zu Stande gekommen, hätte sie zur Waffe der dänischen und norwegischen EWG-Gegner werden können.467 Solche ‚moralischen Bedenken‘ konnte der Präsident nicht nachvollziehen. „Kekkonen war ein Machiavellist, zu dessen politischen Standards skandinavische Solidarität nicht zählte.“468

Es zeigt sich deutlich, dass Koivisto mit seinem Handeln auch sein eigenes skandinavisches Image bewahren wollte, was ihm letztlich auch gelang. L.A. Puntila quittierte dies in einem Privatgespräch mit der sarkastischen Bemerkung, dass das Misslingen der Nordek sich in Skandinavien geradezu zu Koivistos Vorteil gewandelt habe. „Er ist dort zum Vorkämpfer des nordischen Kooperationsgedankens und zu einer Art Märtyrer dieses Gedankens geworden, als er mit den kaltblütigen Politikern kämpfte.“469 Indem er bis zum Schluss und auch über das Scheitern der Nordek hinaus an seinem Projekt festhielt, hatte er zwar sozusagen den ‚Schwarzen Peter‘ für das Misslingen der Nordek in Händen. Als Kekkonen dann aber die Zollunion in der Parlamentseröffnungsrede so behandelte, als sei sie endgültig am Ende, obwohl noch kein skandinavisches Land auf Finnlands Rückzug reagiert hatte470, war er der Sündenbock. „In der Nordek-Sache ist die Schuld fälschlich auf mich gewälzt worden“471 beklagte er sich später. Da Koivisto sich bei der Äußerung bezüglich einer Verwirklichung der Nordek zu einem späteren Zeitpunkt auf ähnlich lautende Kommentare seiner Amtskollegen in Dänemark, Norwegen und Schweden stützen konnte, die das Projekt trotz Finnlands Entscheidung nicht so schnell aufgeben wollten, war Kekkonen im Ausland zum Verhinderer der Nordek geworden. Besonders die Kritik Schwedens richtete sich gegen Kekkonen.472

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In der finnischen Innenpolitik war aber starkes Engagement für oder gegen den Nordismus in dieser Phase kein Gradmesser für allgemeine politische Kompetenz. Letztlich gelang es Kekkonen nämlich trotz der skandinavischen Kritik auf dem finnischen innenpolitischen Feld unbeschadet zu bleiben. Dies kann hauptsächlich mit zwei Gründen erklärt werden: Zum einen gelang es ihm, Koivisto in Finnland in die Rolle des Schuldigen für das Nordek-Scheitern zu drängen und ihn damit für den Großteil der 70er Jahre innenpolitisch weitgehend auszuschalten. Gegenüber seiner gestiegenen Reputation unter den skandinavischen Kollegen hatte Koivisto in Finnland „in ostpolitischer Hinsicht den ‚Schwarzen Peter‘ in seine Hand bekommen.“473 L.A. Puntila notierte noch Jahre später, wie Koivisto „immer noch das Nordek-Abenteuer zur Last fällt“474.

Zum anderen – und dies begründet Koivistos innenpolitisch geschwächte Stellung zum Teil auch – konnte der Nordismus keine ideologische oder argumentative Hegemonie gegenüber der Neutralitätspolitik und den wichtigen Beziehungen zur Sowjetunion erlangen, solange Kekkonen maßgeblicher Gestalter der Außenpolitik war. Kekkonen stufte die Bedeutung einer ökonomischen Einbindung in den Westen, ohne die Sowjetführung dabei politisch zu verprellen, deutlich höher ein als die Gemeinschaft der nordischen Länder. Im Fall der Nordek konnte der Nordismus durch die Verantwortlichkeit Koivistos zwar keine überlegene, aber zumindest kurzzeitig eine annähernd gleichwertige Position erlangen. Allerdings konnte auch Koivisto über die Problematik der Ostbeziehungen nicht hinwegsehen und schätzte sie als in dieser Frage unerhört wichtig ein – doch das Bild in der Öffentlichkeit war zunächst ein anderes.475

Zusammenfassend lässt sich über die Haltung der finnischen Parteien so viel sagen, dass zu Beginn der Verhandlungen Finnlands Beteiligung an der Nordek überhaupt kein parteipolitisches Thema war.476 Allenfalls eine Minderheit in der SKP stellte sich von Beginn an offen gegen die Zollunion.477 Erst mit zunehmender Krisenhaftigkeit der Verhandlungssituation erfuhr die Angelegenheit eine Politisierung. Damit begann die intensivste Integrationsdebatte seit der FINNEFTA-Frage – im scharfen Gegensatz zur bis dahin fast nicht vorhandenen öffentlichen Auseinandersetzung.478 Kabinettsintern waren die Meinungsunterschiede allerdings von Anfang an stark gewesen, wobei die zur Nordek positiv eingestellten Parteien diejenigen mit der stärksten nordischen Tradition waren, also Sozialdemokraten und SFP. Angesichts der mit der Zeit wachsenden Kritik innerhalb der SDP war die SFP die einzige Partei in Finnland, die nach außen geschlossen agierte und überhaupt eine nennenswerte Aktivität in Sachen Nordek zeigte. Dabei nutzte sie auch als einzige Partei konsequent den Nordismus als Richtschnur – die Sorge um Finnlands wirtschaftliche Position in Europa nicht aus den Augen verlierend, aber diese doch klar unterordnend. Nach der Absage der Turkuer Nordek-Konferenz gestaltete sich v.a. aus der Sicht des bereits erwähnten Georg C. Ehrnrooth die Lage so dramatisch, dass er an einer weiteren Regierungsmitarbeit der SFP zweifelte. In einer Sitzung kurz vor Weihnachten 1969 kam es darüber in der Fraktion zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Außenseiter Ehrnrooth ein Votum einbrachte, in dem es u.a. hieß:

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„Då det är uppenbart, att den nuvarande regeringen skadat Finlands ställning i det nordiska samarbetet och regeringen inte heller har för avsikt att målmedvetet och energiskt driva Nordekplanen vidare, kan svenska riksdagsgruppen inte längre dela ansvaret för regeringens politik utan har beslutat kalla sin representant ur regeringen.”479

Ehrnrooths Vorschlag wurde zurückgewiesen, in der gleichen Sitzung aber beschlossen, eine kleine Delegation der Partei zu Staatspräsident Kekkonen zu entsenden, um die Unruhe der Fraktion gegenüber der Behandlung der Nordek zum Ausdruck zu bringen und Kekkonens Standpunkt zu hören.480 Bei dem Besuch am 7.1.1970 beklagte die Delegation,

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„att Finland härigenom framstått som återhållande kraft, vilket icke tidigare varit fallet. Detta hade inte varit ägnat att stärka Finlands position i Norden. [...] Riksdagsgruppens presidium underströk Nordeks egenvärde för alla parter och betonade att Finland inte får ställas utanför den nordiska kretsen i integrationsavseende.“481

Indem sich die SFP beim Präsidenten so dezidiert für die Nordek einsetzte, markierte sie erneut die hohe Priorität des nordischen Kooperationsprojekts aus finnlandschwedischer Sicht, und „at NORDEK-projektet havde mere end almindelig betydning for Svenska Folkpartiet“482. Dieser Stellenwert der Nordek und die damit verbundene politische Aktivität kann mit dem traditionell starken finnlandschwedischen Engagement für die skandinavischen und insbesondere schwedischen Bindungen Finnlands erklärt werden.483 Hierin sahen sich viele finnlandschwedische Politiker gegenüber ihren finnischsprachigen Kollegen als überlegen, ja geradezu qua historischem Hintergrund als genuine Träger des nordischen Gedankens in Finnland.484 Von daher ist es kaum überraschend, dass die SFP das Scheitern des Nordismus-Prestigeobjektes Nordek von allen finnischen Parteien am stärksten bedauerte.485

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Was das restliche Parteienfeld betrifft, so spielte der Nordismus allenfalls als Floskel eine Rolle, die Haltungen zum Nordek-Projekt wurden aber von anderen Faktoren stärker beeinflusst. Die Linksparteien (SKP, SKDL und TPSL) waren mehrheitlich ablehnend eingestellt, da sie die Gefahr einer politischen Bindung an die EWG als sehr hoch einschätzten. Diese Einstellung war also maßgeblich von der neutralitätspolitischen Linie und den Beziehungen zur Sowjetunion geprägt.486 Die Keskustapuolue [Zentrumspartei], die Kokoomus [Sammlungspartei] und die liberale LKP verhielten sich sehr skeptisch und vorsichtig, mit der Absicht, die wirtschaftlichen EWG-Interessen Finnlands zu wahren.487 Allgemein gesagt lässt sich die Beobachtung Paavo Rantanens bestätigen, wonach sich die Zweifel von den anfangs allein ablehnenden äußersten Linken nach und nach auch auf die großen Regierungsparteien – Zentrum und SDP – ausdehnten.488 Diese Zerrissenheit führte in der Endphase zu starken politischen Spannungen, und die Vermutung der skandinavischen Zeitungskommentare, dass innenpolitische Probleme hinter der Entscheidung zum Aufschub der Turkuer Nordek-Konferenz standen, war von daher korrekt.

Es muss hierbei bedacht werden, dass die finnische Regierung aus sechs verschiedenen Parteien bestand, die – wie heute die seit 1995 regierende ‚Regenbogenkoalition‘ unter dem Sozialdemokraten Paavo Lipponen – fast das gesamte politische Spektrum abdeckten. Zum einen fochten gleich mehrere dieser Parteien interne Machtkämpfe aus, zum anderen scharrte man in Anbetracht der im März 1970 anstehenden Parlamentswahlen bereits eifrig mit den Hufen.489 In dieser Phase bedienten sich Politiker der Zentrumspartei, allen voran Außenminister Ahti Karjalainen, am stärksten der Nordek-Frage als Mittel der innenpolitischen Auseinandersetzung, was v.a. mit dem Rivalenverhältnis Karjalainens und Koivistos zu erklären ist.490 Unklar ist allerdings, ob die Nordek Stellung bei der Parlamentswahl tatsächlich eine ausschlaggebende Rolle besaß. Es kann aber konstatiert werden, dass im Ergebnis die SDP als Konkurrentin der Zentrumspartei als führende Kraft in der Außenpolitik zurückgedrängt wurde.491


Fußnoten und Endnoten

323  UM, 58 H, Nordek, Pääministeri Koiviston lausunto lehdistötilaisuudessa [Stellungnahme von Ministerpräsident Koivisto in der Pressekonferenz], 24.4.1968. Die Äußerung ist ein typisches Beispiel für Koivistos oft etwas umständliche und diplomatische Ausdrucksweise. Über diese Äußerung schrieb er selber: „Als ich der Presse ein Interview geben sollte, weiß ich noch, dass ich nichtssagende Dinge so fließend von mir gab, dass der Leiter der handelspolitischen Abteilung im Außenministerium Tankmar Horn Worte der Anerkennung äußerte, laut derer ich sogar als Außenminister passen würde.“ Koivisto: Liikkeen suunta, S. 203.

324  Interview mit Mauno Koivisto.

325  Siehe UM, 58 H, Nordek, Karl E. Birnbaum: The Soviet Union, Nordic C o operation and West Euro pean Integration, April 1970 (Manuskript).

326  UKA, 21/113, Uusi Suomi 15.1.1969 (ohne Überschrift).

327  Siehe UM, 58 H, Nordek, Toimistopäällikkö Kai Saramo, Valtiovarainministeriön kansantalousosasto [Ministerialdirigent Kai Saramo, Volkswirtschaftliche Abteilung des Finanzministeriums], 5.1.1969; Sonne: Nordismens debacle?, S. 61f. Seit der Assoziierung an die EFTA waren die finnischen Exporte insgesamt um das Dreifache gewachsen, in die EFTA-Länder aber um das Vierfache; ein ähnliches Bild zeigt sich auf der Importseite, auf der der Anteil der EFTA-Länder um das Viereinhalbfache anstieg. Der jeweilige Anteil der EWG wuchs langsamer, der des RGW sank in diesem Zeitraum.

328  Vgl. Uusitalo: „Välståndsbegreppet i Norden.“, S. 417.

329  Siehe Sonne: Nordismens debacle?, S. 64.

330  Zahlreiche Belege hierfür sind zu finden bei: Heinonen: „Kuinkas siinä kävikään?“, S. 36f. und Kleppe: EFTA – NORDEK – EEC, S. 187 ff.

331  Miljan: The Reluctant Europeans, S. 54.

332  Nils Andrén: „NORDEK:s säkerhetspolitiska konsekvenser.“ In: Internasjonal Politikk 33 (1970), S. 31–38, hier: S. 33.

333  Vgl. Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 265; Sonne: Nordismens debacle?, S. 65.

334  Vgl. Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 55.

335  UM, 58 H, Nordek, NORDEK poliittisena kysymyksenä (Luottamuksellinen) [Die Nordek als politische Frage (Vertraulich)], ohne Datum.

336  Siehe Paarnola: Suomen valtalehdistön suhtautuminen Nordek-suunnitelmaan, S. 19f.

337  Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 58f., Zitat: S. 59.

338  Zwar gab es keine formellen Festlegungen, welche Fragen der Nordische Rat zu behandeln hatte und welche nicht, doch waren sich schon die Gründungsmitglieder einig, verteidigungspolitische Aspekte außen vor zu lassen. Dies wurde beim Beitritt Finnlands noch verstärkt, als Urho Kekkonen (damals noch als Ministerpräsident) auf der Grundlage eines Parlamentsbeschlusses erklärte, man trete unter der Voraussetzung bei, dass diese Praxis beibehalten werde; die finnische Delegation würde an militärpolitischen Verhandlungen nicht teilnehmen. Vgl. Wendt: Nordisk Råd, S. 28 u. 312.

339  Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 247.

340  Zumindest betonte dies Tankmar Horn gegenüber seinen sowjetischen Gesprächspartnern in Moskau im März 1969. Auf Anregung Karjalainens war eine finnische Delegation entsandt worden, die einer sowjetischen Sachverständigengruppe den Nordek-Plan und den Stand der Verhandlungen erläutern sollte. Erik Törnqvistin kokoelma. Valtiovarainminist e riö, kansantalousosasto [Sammlung Erik Törnqvist, Volkswirtschaftliche Abteilung im Finanzministerium; im Folgenden: ETK]. Suomen valtuuskunnan keskustelut Moskovassa Nordekiin liittyvistä kysymyksistä [Diskussionen der finnischen Delegation in Moskau über die Nordek betreffende Fragen], 10.–11.3.1969. Wiedergegeben nach: Heinonen: „Kuinkas siinä kävikään?“, S. 30.

341  Vgl. Pekka Korpinen: „Suomen Nordek-politiikka.“ [Finnlands Nordek-Politik] In: Työväen taloudellinen tutkimuslaitos. Katsaus 3 (1975:1), S. 44–50, hier: S. 46f.

342  Vgl. UM, 58 H, Nordek, Birnbaum: The Soviet Union, Nordic Cooperation and West European Integration; Lindner: Supranationale Integration s bestrebungen, S. 308.

343  Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 63f.

344  Falk Bomsdorf: Sicherheit im Norden Europas. Die Sicherheitspolitik der fünf nordischen Staaten und die Nordeuropapolitik der Sowjetun i on. Baden-Baden 1989 (= Aktuelle Materialien zur Internationalen Politik; 6), S. 126.

345  Klaus Törnudd: Uusi politiikka. Ulkopoliittisia kirjoitelmia [Neue Politik. Außenpolitische Beiträge] Hanko 1993, S. 86.

346  Erkki Tuomioja: „Taloudellinen yhteistyö Pohjolassa.“ [Die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Norden.] In: Ulkopolitiikka 13 (1976:1), S. 18–20, hier: S. 18. Tuomioja genießt bis heute den Ruf eines politischen Provokateurs, den zuletzt seine kritischen Äußerungen zur Politik Israels im Nahostkonflikt bestätigten, die auf entsprechend starke Zurückweisung stießen.

347  Siehe Jakobson: 38. kerros, S. 256; Lindner: Supranationale Integr a tionsbestrebungen, S. 246 und 316.

348  Der Begriff ‚Vertrauenskapital‘ wurde übernommen von Hakovirta: Pu o lueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 266. An dieser Stelle ist es extrem wichtig, zwischen der genannten wirtschaftlichen Partizipation – wie sie Finnland 1973 in Form eines Freihandelsvertrags mit der EWG erlangte – und einer Voll- oder auch assoziierten Mitgliedschaft zu unterscheiden. Letztere hätten eine politische Einbindung mit sich gebracht, die im Gegensatz zur rein ökonomischen Alternative aufgrund der sowjetischen Sicht auf die EWG für Finnland unmöglich gewesen wäre, wollte es die empfindlichen Ostbeziehungen nicht aufs Spiel setzen.
Mindestens drei Faktoren machten diese Frage gerade zur Zeit der Nordek besonders brisant: Die Stärkung und Vertiefung der politischen Integration in der EG/EWG, die verschärfte kritische Haltung der Sowjetunion zur EWG und die finnische KSZE-Initiative, die man nicht durch zu starke sowjetische Kritik gefährden wollte.

349  Siehe Dufholm: „Zonplanen.“, S. 47f.; Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 35f.

350  Vgl. Olli Rehn: „Odottavasta ennakoivaan integraatiopolitiikkaan? Suomen integraatiopolitiikka kylmän sodan aikana ja sen päätösvaiheessa 1989–92.“ [Von der abwartenden zur antizipierenden Integrationspolitik? Finnlands Integrationspolitik während des Kalten r Krieges und in seiner Schlussphase 1989–92] In: Tuomas Forsberg und Tapani Vaahtoranta (Hgg.): Johdatus Suomen ulkopolitiikkaan. Kylmästä sodasta uuteen maailmanjärjestykseen [Einführung in die Außenpolitik Finnlands. Vom Kalten Krieg zur neuen Weltordnung]. Tampere 1993 (= Ulkopoliittisen instituutin julkaisuja; 2), S. 166–231, hier: S. 191.

351  UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, Ote pöytäkirjasta hallituksen iltakoulusta 3.12.1969, Seppo Lindblom.

352  Kauko Rumpunen (Hg.): L.A. Puntila. Huomautin hyvin täsmällis e sti…Tuokiokuvia L.A. Puntilan Suomesta [L.A. Puntila. Ich bemerkte sehr genau… Situationsbilder aus L.A.Puntilas Finnland]Helsinki 1995, S. 138 [Tagebuchnotiz vom 6.12.1969].

353  Hangöbladet 9.12.1969 (ohne Überschrift).

354  Hufvudstadsbladet 25.3.1970: Pohjola-Norden: Folkets majoritet för Nordekavtal; Tammerfors Aftonblad 7.11.1969: Vi skall ha Nordek! Optimism bland representanter för politiska partier och arbetsmarknadsorganisationer.

355  Uusi Suomi 14.1.1970: Nordek-temppu n:o 2 [Nordek-Trick Nr. 2].

356  Siehe z.B. Aamulehti 13.1.1970: Nordek-pallo muille pohjoismaille [Nordek-Ball an die anderen nordischen Länder].

357  Hufvudstadsbladet 17.1.1970: ‚Finlands Nordekbeslut ingen käpp i hjulet‘.

358  Vgl. Hufvudstadsbladet 18.1.1970: Finlands förbehåll.

359  Vgl. Helsingin Sanomat 13.1.1970: Suomi jatkaa Nordekia vain „EEC-varauksin“ [Finnland führt Nordek nur mit „EWG-Vorbehalt“ weiter]; Helsingin Sanomat 15.1.1970: Nordek kiinni hallituksista: Päätös vaatii lisäkompromisseja [Nordek hängt an den Regierungen. Eine Entscheidung fordert Zusatzkompromisse]; Aamulehti 13.1.1970: Nordek-pallo muille pohjoismaille.

360  Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 68.

361  Kangas: Ahti Karjalainen tasavallan kakkosena, S. 132f.

362  UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, Ote pöytäkirjasta hallituksen iltakoulusta 3.12.1969, Seppo Lindblom.

363  Vgl. Hufvudstadsbladet 24.1.1970: Varför tullunion?

364  Siehe UKA, 21/113, Pentti Uusivirta, P.M., Menettelytapanäkökohtia neuvottelujen nykyvaiheessa [Perspektiven zu Vorgehensweisen in der aktuellen Phase der Verhandlungen], 10.1.1970.

365  UM, 58 H, Nordek, Pentti Uusivirta, P.M., Valtioneuvoston jäsenille [An die Regierungsmitglieder], 29.5.1970. Aus dem kurzen Anschreiben geht hervor, dass dieses Promemoria über den Verlauf der Nordek-Verhandlungen im Auftrag von Ministerpräsident Toivo Aura an die Mitglieder der neuen Regierung versandt wurde.

366  Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 55.

367  Siehe Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 246.

368  Das Bild stammt aus einem Zeitungsartikel: Uusi Suomi 14.1.1970: Nordek-temppu n:o 2. „Suomen kuva eräänlaisena Pohjolan ongelmalapsena on Nordekin vuoksi tullut entistä selvemmäksi.” [„Das Bild von Finnland als eine Art Problemkind des Nordens ist wegen der Nordek deutlicher als vorher geworden.“]

369  Siehe Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 265; Laine: „Nordek – Kekkonen – Koivisto.“, S. 542; Stampehl: „Neutralität, Integrationspolitik und Machtkampf.“, S. 89. Es muss hier natürlich eingeräumt werden, dass diese Analyse von der damals gängigen finnischen Sicht ausgeht – wie die Ereignisse gezeigt haben, hat der Verlauf der Ereignisse die befürchteten Folgen nicht wesentlich geändert.

370  Tammerfors Aftonblad 7.11.1969: Vi skall ha Nordek! Optimism bland representanter för politiska partier och arbetsmarknadsorganisationer. Der Artikel berichtete über die Diskussionveranstaltung „Nordek på gott och ont“, welche die Föreningen Pohjola-Norden in Helsinki veranstaltet hatte; diese war übrigens die erste ihrer Art in Finnland.

371  Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 57.

372  Harto Hakovirta: „Odota-ja-katso. Analyysi Suomen läntisen integraatiopolitiikan perusmallista.“ [Abwarten-und-Zusehen. Analyse des Grundmodells in Finnlands westlicher Integrationspolitik.] In: Ders. und Raimo Väyrynen (Hgg.): Suomen ulkopolitiikka [Außenpolitik Finnlands] Helsinki 1975, S. 407–440, hier: S. 413; Harto Hakovirta und Pasi Patokallio: „East-West Economic Cooperation – Is there a Finnish Model?“, in: Cooperation and Conflict 10 (1975), S. 33–49, hier: S. 44.
Für die ‚Abwarten-und-Zusehen-Taktik‘ ist neben Marshall-Plan, Nordischem Rat und FINNEFTA-Vertrag die Nordek ein gutes Beispiel. Hakovirta und Patokallio haben in diesem Zusammenhang den Begriff der Responsivität („responsiveness“) geprägt: Finnland versuchte, die Situation vorsichtig nach seinen Bedürfnissen zu ändern, nachdem es erst einmal die anderen hatte handeln lassen. Um das Verhältnis zur Sowjetunion nicht aufs Spiel zu setzen, wurden die Verhandlungen von finnischer Seite verzögert, um in dieser Zeit eine Lösung mit dem östlichen Nachbarn zu finden. Nach ‚Aufweichen‘ des sowjetischen Standpunkts konnte das finnische Vorhaben im Fall des Beitritts zum Nordischen Rat, des FINNEFTA-Vertrags und des EWG-Abkommens verwirklicht werden, bei Marshall-Plan und Nordek nicht.

373  Interview mit Mauno Koivisto.

374  Siehe Skyttä: Tuntematon Kekkonen, S. 272.

375  Vgl. Helsingin Sanomat 23.2. 1968: Ulkoministeri Karjalainen: Taloudellinen integraatio ei ole puolueettomuuden vaihtoehto [Außenminister Karjalainen: Wirtschaftliche Integration ist keine Alternative zur Neutralität].

376  Vgl. Helsingin Sanomat 20.2. 1968: Suomi ei ole erikoistapaus pohjoismaiden yhteistyössä [Finnland ist kein Sonderfall in der nordischen Kooperation].

377  Koivisto: Liikkeen suunta, S. 204.

378  Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 246f.

379  Uusi Suomi 7.3. 1969: Nordekin uusi vaihe [Die neue Phase der Nordek].

380  UM, 58 H, Nordek, Pääministeri Mauno Koiviston lausunto lehdistökonferensissa Oslossa [Stellungnahme von Ministerpräsident Mauno Koivisto in der Pressekonferenz in Oslo] 19.10. 1968.

381  UKA, 21/113, Helsingin Sanomat 15.1.1969 (ohne Überschrift).

382  Floryan: „Nordek – et nordiskt mellemspil.“, S. 106.

383  UM, 58 H, Nordek, P.M., Nordek neuvottelutilanteen arviointia Haagin huippukokouksen jälkeen [Bewertung der Verhandlungssituation in der Nordek nach dem Haager Gipfeltreffen], ohne Datum. Titel und Inhalt lassen darauf schließen, dass das Memorandum kurz nach dem 1.12.1969 entstanden sein muss.

384  Vgl. Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 259.

385  UKA, 21/113, Mauno Koivisto, Muistio Nordek-suunnitelman käsittelyn aikataulukysymyksistä [Promemoria zu Zeitplanfragen in der Behandlung des Nordek-Plans], 16.2. 1970.

386  Vgl. Helsingin Sanomat 8.2. 1970: Ahti Karjalainen: Nordek ei ole Suomelle astinlauta EEC:hen; Krosby: Kekkosen linja, S. 273f.

387  Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 86.

388  Vgl. Valtiopäivät 1969, pöytäkirjat III, istunnot 111–151 [Parlamentsprotokolle 1969]. Helsinki 1970, S. 2678.

389  Vgl. ebd., S. 2689.
Man darf allerdings nicht vergessen, dass Ehrnrooth mit seiner radikal pronordischen/proamerikanischen und ebenso stark antisowjetischen Einstellung zu den Außenseitern der finnischen Politik, sogar seiner eigenen Partei gehörte. In der SFP gehörte er zum rechten Flügel und bildete Ende der 60er Jahre innerhalb der Partei die Gruppierung No r disk grund, die 1973 mit ultrarechten Vertretern der Kokoomus [Sammlungspartei] eine neue Partei gründete, die Suomen Perustuslaillinen Kansanpuolue [Konstitutionelle Volkspartei], die später in Suomen P e rustuslaillinen Oikeistopuolue [Konstitutionelle Rechtspartei] umbenannt wurde. Jussila/Hentilä/Nevakivi: Politische Geschichte Fin n lands seit 1809, S. 332.

390  Vgl. Torsten G. Aminoff: „Finland 1969.“ In: Nordisk Tidskrift N.S. 46 (1970), S. 128–136, hier: S. 136. Karjalainen vertrat in der Debatte die Ansicht, dass Finnland nicht der Nordek beitreten könne, bevor man wisse, wie sich die Beziehungen zwischen der EWG und den anderen nordischen Ländern gestalten würden.

391  Uusi Suomi 14.1.1970: Nordek-temppu n:o 2.

392  Helsingin Sanomat 14.1.1970: Myöhäisempää herännäisyyttä [Spätere Erweckung].

393  Vgl. Suomen Sosialidemokraatti 13.1.1970: Selvä peli [Klares Spiel].

394  Lindner: Supranationale Integrationsbestrebungen, S. 308.

395  Vgl. Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 260f.

396  Vgl. z.B. Aamulehti 9.2.1970: Nordekia vauhditetaan [Die Nordek wird vorangetrieben]; Hangöbladet 7.2.1970: Finland och Nordek; Hufvudstadsbladet 6.2.1970: Nordekplanen klar för politikerna.

397  Helsingin Sanomat 8.2.1970: Pohjoismaiden neuvosto aloitti: Yhteistyö kehittymässä Kalmarin unionin tapaan [Der Nordische Rat hat begonnen: Die Zusammenarbeit ist dabei, sich nach Art der Kalmarer Union zu entwickeln].

398  Helsingin Sanomat 10.2.1970: Vihreää valoa Nordekille [Grünes Licht für die Nordek].

399  Vgl. Aamulehti 9.2.1970: Nordekia vauhditetaan.

400  Aamulehti 12.2.1970: Nordekista Kalmarin unionin taakse [Von der Nordek hinter die Kalmarer Union zurück].

401  Västra Nyland 14.2.1970: Vem får äran?

402  Vgl. Helsingin Sanomat 12.2.1970: Nordek hallituksessa esille ensi viikolla [Die Nordek nächste Woche zur Behandlung in der Regierung].

403  Vgl. Hufvudstadsbladet 20.2.1970: Nordek-långdans tar aldrig slut; Ny Tid 19.2.1970: Regeringen i valet och kvalet – Nordek eller nej; Svenska Demokraten 20.2.1970: Borgarnas Nordekiver komplicerar lösningen.

404  Vgl. Aamulehti 24.2.1970: Mutka ja jarru [Kurve und Bremse].

405  Borgåbladet 21.2.1970: Vi skäms.

406  Vgl. Aamulehti 24.2.1970: Mutka ja jarru.

407  Vgl. Helsingin Sanomat 26.3.1970: Farssi vai murhenäytelmä [Farce oder Tragödie].

408  Vgl. Uusi Suomi 29.3.1970: Hyvästi Pohjola, isäimme onnela? [Leb wohl, Norden, Paradies unserer Väter?]

409  Vgl. Åbo Underrättelser 25.3.1970: Vad händer sen?

410  Vgl. Hufvudstadsbladet 25.3.1970: Nordek lagt på is.

411  Vgl. Jakobstads Tidning 26.3.1970: Finland torpederade Nordekplanen i sank.

412  Vgl. Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 105.

413  Vgl. Uusi Suomi 25.3.1970: Nordek maan rakoon [Nordek in die Erdspalte].

414  Vgl. Suomenmaa 25.3.1970: Uusi Nordek-tilanne [Neue Nordek-Situation].

415  Vgl. Suomen Sosialidemokraatti 25.3.1970: Nordek.
Dieser Aspekt wurde von Ahti Karjalainen als Regierungschef ein halbes Jahr nach Scheitern der Nordek erneut aufgegriffen: Anlässlich eines nordischen Ministerpräsidententreffens betreffend den entstehenden Nordischen Ministerrat, gab er in einer Parlamentsdebatte die Stellungnahme ab, dass Finnland schon lange vor dem Nordek-Plan die Koordinierung und Stärkung der intergouvernementalen Kooperation der nordischen Länder angestrebt habe. Die Unterstützung eines Nordischen Ministerrats sei folgerichtige Fortsetzung dieser schon lange verfolgten Linie. Suomenmaa 8.11.1970: Pääministeri Karjalainen – Pohjoismaista yhteistyötä keskitetään ja kehitetään [Ministerpräsident Karjalainen – Die nordische Kooperation wird konzentriert und weiterentwickelt].

416  Vgl. Kansan Uutiset 8.4.1970: Etujen harmoniaa puolueettomuuslinjalla [Interessenharmonie auf der Neutralitätslinie].

417  Vgl. Uusi Suomi 8.4.1970: Suomi ja EEC [Finnland und die EWG].

418  Vgl. Nya Pressen 7.4.1970: Nordek ur bilden.

419  Vgl. Hufvudstadsbladet 8.4.1970: Presidentens ord om Nordekplanen.

420  Vgl. Seppinen: Ahti Karjalainen, S. 518. Seppinen meint an anderer Stelle auch etwas überspitzt: „...alle möglichen skandinavischen Organisationen waren nur Vorbereitung auf Dänemarks EWG-Mitgliedschaft.“ Ebd., S. 361.

421  Vgl. Hakovirta: „Odota-ja-katso.“, S. 423.

422  Zu Beginn der Verhandlungen wurde festgehalten, dass Dänemark und Norwegen ihre EWG-Mitgliedschaftsanträge aufrechterhalten, und auch Schweden Beitrittskandidat wäre. ULA 1968, S. 70. Siehe auch Suomi: Taistelu puolueettomuudesta, S. 179: Baunsgaard gab im Februar 1969 zu, dass es Hauptziel von Dänemarks Nordek-Politik sei, das Land dadurch in die EWG zu führen. Krosby liegt falsch, wenn er meint, dass Dänemark erst in der Schlussphase auf den Gedanken gekommen sei, die Nordek zum Feilschen um den EWG-Beitritt zu gebrauchen. Krosby: Kekkosen linja, S. 267.

423  Auf der Sitzung des Nordischen Rats in Stockholm Anfang März stellte er die Frage in den Raum, ob die Nordek nur eine Übergangsregelung sei oder ob man etwas Dauerhaftes schaffen wolle. Er griff – von seiner Regierung dazu verpflichtet – das Thema erneut auf der Premierministerberatung im Oktober 1969 in Stockholm auf. Beide Male lehnten die drei anderen Premiers eine Festlegung ab; Karjalainen kritisierte, dass sein Premier es nicht schaffe, eine Antwort zu erhalten; allerdings waren die Amtskollegen Koivistos nicht dazu zu bringen. Vgl. Koivisto: Väärää politiikkaa, S. 41; Suomi: Taistelu puolueettomuud e sta, S. 324; ULA 1969, S. 98.

424  Vgl. UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, Mauno Koivisto, Muistio tilanteesta Helsingissä 12–13 joulukuuta 1969 pidetyn pohjoismaisen pääministerikokouksen jälkeen, 23.12. 1969.

425  So Koivisto nach dem Erscheinen des Vertragsentwurfs vom 17. Juli 1969. Koivisto: Liikkeen suunta, S. 222.

426  Vgl. Suomi: Taistelu puolueettomuudesta, S. 359.

427  Vgl. Waldemarsson: Norden – finns den?, S. 25.

428  Vgl. Apunen: Paasikiven–Kekkosen linja, S. 320; Heinonen: „Kuinkas siinä kävikään?“, S. 29.

429  Politiken 9.12.1969: Før Helsingfors. Nordek må tilpasses den europæiske løsning.

430  Vgl. Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 76.

431  UM, 58 H, Nordek, Pentti Uusivirta, P.M., Valtioneuvoston jäsenille, 29.5.1970 (Hervorhebung im Original).

432  Vgl. Ueland: „The Nordek Debate.“, v.a. S. 6f.

433  UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, Mauno Koivisto: Muistio tilanteesta Helsingissä 12–13 joulukuuta 1969 pidetyn pohjoismaisen pääministerikokouksen jälkeen, 23.12.1969.

434  Floryan: „Nordek – et nordiskt mellemspil.“, S. 108.

435  Siehe Hakovirta: „Odota-ja-katso.“, S. 424.

436  Vgl. Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 245.

437  Vgl. ebd., S. 247.

438  Siehe UKA, 21/115, Fil.tri. Mauno Koivisto: Pohjoismaisesta taloudellisesta yhteistyöstä [Über die nordische wirtschaftilche Kooperation], 28.1.1972; Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 249.

439  UM, 58 H, Nordek, Stasminiter [sic!] Mauno Koivistos uttalande vid presskonferens i Stockholm 19.1.1969.

440  Koivisto: Väärää politiikkaa, S. 57.

441  Vgl. Marttila: Nordek-suunnitelma, S. 67.

442  Vgl. Wendt: Nordisk Råd, S. 73.

443  Siehe UM, 58 H, Nordek, Iltakoulun päätös [Entscheidung der Abendschule], 29.10.1969.

444  UM, 58 H, Nordek, Pentti Uusivirta, P.M., Menettelytapanäkökohtia neuvottelujen nykyvaiheessa, 10.1.1970.

445  Siehe Valtiopäivät 1970, pöytäkirjat I, istunnot 1–60 [Parlamentsprotokolle 1970]. Helsinki 1971, S. 23.

446  UM, 58 H, Nordek, Pentti Uusivirta, P.M., Nordek-kysymyksen jatkokäsittelystä [Über die weitere Behandlung der Nordek-Frage], 15.9.1969.

447  Vgl. Hakovirta: „Odota-ja-katso.“, S. 422f.

448  UKA, 21/113, Brief Urho Kekkonens an Botschafter Leo Tuominen (Stockholm), Tamminiemi 30.12.1969.

449  Interview mit Mauno Koivisto.

450  Vgl. Jakobson: 38. kerros, S. 251f.

451  Raimo Väyrynen: EEC ja ulkopolitiikka [Die EWG und die Außenpolitik] Helsinki 1973, S. 45.

452  Suomen Sosialidemokraatti 13.1.1970: Selvä peli.

453  Vgl. Västra Nyland 14.1.1970: Klart för Nordek? Åbo Underrättelser 25.3.1970: Vad händer sen?

454  Lindner: Supranationale Integrationsbestrebungen, S. 319. Lindner macht einen typischen Übersetzungsfehler, natürlich muss ‚statsminister‘ eigentlich als Ministerpräsident wiedergegeben werden.

455  Jakobson: 38. kerros, S. 249. Erwägungen über ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gab es in Finnland schon seit längerem, und zwar schon vor der Nordek. Kekkonen hatte in einem Fernsehinterview am 4. Januar 1968, also einen Monat vor Baunsgaards Initiative, eine Regelung mit der EWG an erste Stelle gesetzt. Nur falls eine solche Kooperation nicht zu Stande zu bringen sei, wäre es an der Zeit, ernsthaft neue Integrationspotentiale in Nordeuropa zu erschließen.Vgl. Jyränki: Kolme vuotta linnassa, S. 101.

456  Siehe Skyttä: Tuntematon Kekkonen, S. 274.

457  Suomi: Taistelu puolueettomuudesta, S. 324 (beide Zitate).

458  Interview mit Mauno Koivisto.

459  Vgl. UKA, UKK:n vuosikirjat 1969, Ote pöytäkirjasta hallituksen iltakoulusta 3.12. 1969, Seppo Lindblom.

460  Dabei übersah Koivisto allerdings, dass z.B. der dänische Oppositionsführer Jens Otto Krag ein recht kühles Verhältnis zu Finnland hatte und im Allgemeinen mit Baunsgaard einer Meinung war. Dies zeigte sich z.B. im Dezember 1969, als beide in dem bereits erwähnten gemeinsamen Interview mit Suomen Kuvalehti äußerten, eine erst später zu realisierende Beteiligung Finnlands sei aus dänischer Sicht kein Problem. Su o men Kuvalehti 20.3.1970: Välilasku Kööpenhaminaan. Näin vastasivat Baunsgaard ja Krag. Siehe auch Kapitel 4.2 und 4.3.

461  Neben Koivistos Äußerungen zeigt dies z.B. ein programmatischer Vortrag L.A. Puntilas auf einem Seminar der nordischen sozialdemokratischen Jugendorganisationen. Puntila begründete darin die Einigkeit und die bedeutende Stellung der sozialdemokratischen Parteien Nordeuropas und brachte sie mit der fortschrittlichen Entwicklung in den nordischen Ländern in Verbindung. L.A. Puntila: „Nordek huomenna.“ [Die Nordek morgen.] In: Ders.: Puheita ja esitelmiä 1962–1975 [Reden und Vorträge 1962–1975] Helsinki 1977, S. 177–184, hier: S. 179.

462  Suomi: Taistelu puolueettomuudesta, S. 329.

463  Jyränki: Kolme vuotta linnassa, S. 102.

464  Interview mit Mauno Koivisto

465  Kirjeitä myllystäni 2, S. 121f. Eine erste, sehr ähnliche Schilderung seiner Taktik im Frühjahr 1970 gab Kekkonen bereits knapp ein Jahr nach dem Scheitern der Nordek seinem Kanzleichef Jyränki (der erst nach dem Ende der Nordek berufen worden war): „Als die Rede auf das Unterschreiben kam, sagte ich Koivisto, dass wir den Vertrag unterzeichnen sollten, aber mit solchen Bedingungen, dass der Vertrag sofort hinfällig wird, wenn auch nur eine Vertragspartei über einen Beitritt zur EWG zu verhandeln beginnt. Es war wahrscheinlich, dass zumindest Dänemark unmittelbar derartige Verhandlungen beginnen würde – wie es dann ja auch eintrat – und dass der Vertrag aus diesem Grunde bald null und nichtig würde. Dann wäre trotzdem nicht Finnland der Sündenbock gewesen, sondern Dänemark, den Vertrag hätte nicht Finnland, sondern Dänemark zunichte gemacht.“ Jyränki: Kolme vuotta li n nassa, S. 102.

466  Koivisto: Liikkeen suunta, S. 245.

467  Krosby: Kekkosen linja, S. 273. Tatsächlich war ja Finnlands Rückzug für die Regierungen Dänemarks und Norwegens eine nicht unwillkommene Entschuldigung (und Argument gegen die EWG-Gegner im eigenen Land), all ihre diplomatischen Anstrengungen auf die Sicherung des EWG-Beitritts zu richten, wobei sie auf das Scheitern der nordeuropäischen Alternative verweisen konnten. Vgl. Nordquist/Turner: The Other Eur o pean Community, S. 149.

468  Laine: „Nordek – Kekkonen – Koivisto.“, S. 542.

469  Rumpunen: L.A. Puntila, S. 165 [Tagebuchnotiz vom 1.7.1970].

470  Vgl. Koivisto: Liikkeen suunta, S. 240.

471  Jyränki: Kolme vuotta linnassa, S. 102.

472  Vgl. Koivisto: Liikkeen suunta, S. 247 und Jyränki: Kolme vuotta li n nassa, S. 102.

473  Rantanen: „EFTA – NORDEK – EEC“, S. 18.

474  Rumpunen: L.A. Puntila, S. 345f. [Tagebuchnotiz vom 24.5.1976].

475  Interview mit Mauno Koivisto .

476  Siehe zu diesem Aspekt ausführlicher: Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 255–258; Lindner: Supranationale Integrat i onsbestrebungen, S. 320–324; Sulevo, Kari: Suomen puolueet ja Po h joismaiden yhteistyö. Tutkimus Suomen poliittisten puolueiden ase n noitumisesta Pohjoismaiden yhteistyöhön Kivimäen julistuksesta 1935 Nordek-suunnitelmaan 1969 [Die finnischen Parteien und die nordische Kooperation. Untersuchung über die Einstellung der politischen Parteien Finnlands zur nordischen Kooperation von Kivimäkis Erklärung 1935 bis zum Nordek-Plan 1969] Helsinki 1973 (= Bidrag till kännedom av Finlands natur och folk; 115), S. 134–139; Sulevo, Kari: „The International System and Finnish Attitudes toward Nordic Cooperation.“ In: Scandinavian Political Studies 8 (1973), S. 169–189, hier: S. 183–187.

477  Vgl. Interview mit Mauno Koivisto ; Lindner: Supranationale Integrationsbestrebungen, S. 320.

478  Vgl. Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 255.

479  Svenska centralarkivet [im Folgenden: SCA], SVRG CB43, Protokoll fört vid svenska riksdagsgruppens möte 19.12. 1969.

480  SCA, SVRG CB43, Protokoll fört vid svenska riksdagsgruppens möte 19.12. 1969.
Wenn Sonne meint, die finnische Regierung habe an diesem Punkt kurz vor dem Zerfall gestanden, ist das angesichts des klaren Scheiterns von Ehrnrooths Vorschlag bei nur 2 Ja-Stimmen von 11 Anwesenden etwas übertrieben. Sonne: Nordismens debacle?, S. 28.

481  SCA, SVRG CB44, Protokoll fört vid svenska riksdagsgruppens möte 22.1. 1970.

482  Sonne: Nordismens debacle?, S. 28.

483  Siehe Anderson: The Nordic Council, S. 141.

484  Gespräch mit Henrik Stenius. Es soll hier nur kurz angemerkt werden, dass selten Mitglieder der finnlandschwedischen Minorität diese so sarkastisch kommentieren wie Stenius in diesem Fall.

485  Siehe Heinonen: „Kuinkas siinä kävikään?“, S. 35.

486  Der finnische Verhandlungsführer Erik Törnqvist und Koivistos Sekretär Seppo Lindblom bemühten sich in einem Gespräch mit Vertretern der Führungen von SKP und SKDL im Januar 1970, die Befürchtungen einer zu starken direkten EWG-Bindung zu zerstreuen. Törnqvist betonte u.a. die Bewahrung des finnischen Osteuropahandels und die Entscheidungsfindung in den nordischen Gremien. ETK, Erik Törnqvist: SKP:n ja SKDL:n edustajien kanssa käyty Nordek-keskustelu [Mit den Vertretern von SKP und SKDL geführte Nordek-Diskussion] 9.1.1970, 10.1. 1970. Zitiert nach: Heinonen: „Kuinkas siinä kävikään?“, S. 32.

487  Vgl. Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 265.

488  Vgl. Rantanen: „EFTA – NORDEK – EEC.“, S. 18.

489  Siehe Krosby: Kekkosen linja, S. 271.

490  Vgl. Stampehl: „Neutralität, Integrationspolitik und Machtkampf.“, S. 72–74.

491  Vgl. Hakovirta: Puolueettomuus ja integraatiopolitiikka, S. 269.



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05.12.2005