Die Rezeption des Palatins und seiner Bauten bis 1600

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Der Palatin galt bereits in der Antike nicht nur als einer der vielen Hügel, auf denen sich die Stadt Rom erstreckt, sondern als legendärer Ausgangspunkt der Stadtgründung selbst. An den bekannten Gründungsmythos und an die erste Bebauung durch Romulus anknüpfend, errichteten die römischen Imperatoren seit Augustus dort ihre prächtigen Palastanlagen.145

Trotz seiner stadtgeschichtlichen und imperialen Bedeutung ist die Rezeptionsgeschichte des Palatins bisher kaum erforscht. Eine rezeptionsgeschichtliche Einordnung der Palatinansichten bei Cock wird also dadurch erschwert, dass eine Monografie, die die systematische Sammlung und Auswertung des Text- und Bildmaterials zum Palatin verfolgen würde, bislang nicht existiert.

Bisher hat sich lediglich die Archäologie für den symbolisch bedeutsamen Hügel mit seinen rätselhaften Ruinen interessiert, wie die immer wieder durchgeführten Ausgrabungen und die überwältigende Fülle an archäologischer Literatur beweisen. Grafische Ansichten des Palatins werden dabei vor allem archäologischen Fragestellungen unterworfen.146 Klaus Werner versucht beispielsweise anhand einiger Zeichnungen und Drucke, die in den 1550er und 1560er Jahren von der Familie Capizucchi durchgeführten Ausgrabungstätigkeiten auf dem Palatin zu dokumentieren, ohne jedoch den Quellenwert der ausgewählten Darstellungen zu hinterfragen.147

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Den erstmals 1535 belegten Ausgrabungstätigkeiten in der Region des Palatins folgte, wie auch andernorts in Rom, im 16. Jahrhundert eine regelrechte Welle von Grabungen.148 Dieses Phänomen bezog sich im Fall des Palatins meist auf die Suche nach antiken Statuen, die nach erfolgreicher Auffindung teuer verkauft wurden. Der Hügel diente den Adelsfamilien, die hier ihre Gartenresidenzen und Weinanbauflächen besaßen, als viel versprechende Fundgrube antiker Überreste, die nach gewinnbringender Ausbeute wieder zugeschüttet wurde. Die Erforschung und architektonische Erfassung der stark zerstörten antiken Palast- und Wohngebäude waren in jener Zeit überwiegend Nebenprodukte neuer Bautätigkeiten, wie der Farnesischen Gärten.

Während für das 17. Jahrhundert kaum Ausgrabungen belegt sind, bekunden seit dem beginnenden 18. Jahrhundert immer wieder durchgeführte Grabungskampagnen – z.B. durch Francesco Bianchini und Pietro Rosa – das wissenschaftliche Interesse an den ehemaligen Kaiserresidenzen und Heiligtümern.149 Trotzdem bemängelt noch Heinrich Jordan, dass „eine gute und detaillierte Gesamtaufnahme der Ruinen“ 150 weiterhin fehle. Und obwohl seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts intensive Grabungs- und Restaurierungsarbeiten internationaler Archäologenteams aus Italien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz und den USA die ruinösen Gebäudekomplexe neu erschlossen und dokumentiert haben, sind bis heute einige Gebäudeidentifizierungen, Zuschreibungen an Bauherren und Rekonstruktionen der stark ruinierten Überreste strittig.151 Ferner fehlen auch heute noch brauchbare Gesamtaufnahmen der Ruinen. Am Lehrstuhl für Baugeschichte an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Cottbus wird derzeit allerdings an einem „digitalen Bauwerksinformationssystem“ gearbeitet, das die zwischen 1998 und 2003 gewonnenen Daten über die Domus Severiana und das Gartenstadium in Katalogen, Fotos und 3D-Modellen zur Verfügung stellen soll.

3.1  Antike Monumente auf dem Palatin

Auf dem Palatin, dessen Hügelkuppe sich östlich des Tibers 51,2 Meter über den Meeresspiegel erhebt, befanden sich die ersten Siedlungen, die den Grundstein für die Entstehung des späteren Weltreiches legten. Der Palatin zählte zwar nie zu den höchsten oder weiträumigsten der römischen Hügel, doch begünstigten seine Nähe zum Tiber und seine abgeschlossene geologische Beschaffenheit, mit den ursprünglich sehr steil abfallenden Hängen im Osten, Süden und Westen, die frühe Besiedlung. Vor der Bebauung dieses vulkanischen Ausläufers der Albaner Berge wies der heute von einem einheitlichen Plateau bekrönte Palatin drei Bergrücken auf: das Palatium in Richtung des Circus Maximus als höchste Erhebung, den etwas niedrigeren Germalus in Richtung Kapitol und Forum, sowie die wesentlich flachere Velia in Richtung Kolosseum, die den Palatin mit dem Oppius verband.153

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Dem römischen Gründungsmythos folgend definierte Romulus 753 v. Chr. mit den Grenzen seines Pomerium den ersten Grundriss der Stadt Rom auf dem Palatin. Durch archäologische Ausgrabungen konnten jedoch wesentlich ältere eisenzeitliche Siedlungsreste nachgewiesen werden.154

Bereits in archaischer Zeit wurde der westliche Abhang des Palatins für den Bau von Häuern und Kultstätten durch künstliche Terrassenanlagen erweitert und nivelliert. In der Folgezeit erwuchs aus der Roma Quadrata, dem von einer Tuffsteinmauer umgebenen romuleischen Stadtkern, das Septimontium. Dieses siebenhügelige Stadtgebiet beinhaltete die drei erwähnten „palatinischen“ Hügelkuppen, sowie die vier Erhebungen des Esquilin – Oppius, Cispius, Fagutal und Subura.155 Im Laufe der Zeit dehnte sich die Stadt soweit aus, dass sie sich über die Hügel Palatin, Esquilin, Viminal, Quirinal, Caelius und Kapitol erstreckte und in die vier Regionen Esquilina, Palatina, Collina und Suburana unterteilt wurde.

Aufgrund seiner ruhigen, zentralen Lage und seiner „mystisch-sakral verklärten Aura“ 156 wurde der Gründungshügel in republikanischer Zeit zur bevorzugten Wohngegend des römischen Patriziats. Angesehene Bürger wie der Konsul Q. L. Catulus, der Volkstribun M. L. Drusus oder der Schriftsteller M. T. Cicero bauten oder kauften ihre Häuser überwiegend auf den Hängen des Germalus, was ihnen den Blick über die geistlichen und politischen Zentren der römischen Metropole – Forum und Kapitol – verschaffte.

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In Rückbesinnung auf den mythologischen Ort der Stadtgründung Roms, legte Augustus im ersten vorchristlichen Jahrhundert auf dem Palatin den Grundstein seiner eigenen Residenz und somit den aller folgenden römischen Kaiserpaläste.157 Doch trotz der symbolisch bedeutsamen Ausdehnung der Domus Augusti auf das Gebiet der romuleischen Roma Quadtrata wahr die „zusammengestückelte“ Anlage wohl noch weit von der Monumentalität der späteren Kaiserpaläste erfernt, die selbst in den erhaltenen Substruktionsbauten noch erahnt werden kann (Abb. 81, Abb. 103).

Mit dem Baubeginn der so genannten Domus Tiberiana in claudischer oder frühneronischer Zeit wurden neue Maßstäbe gesetzt. Am nordwestlichen Palatin wurden die bescheideneren Vorgängerbauten Caligulas und Tiberius’ in die neuen Substruktionsbauten eingearbeitet, die das ungleichmäßige Hügelgelände einebnen und Raum für eine riesige Plattform bilden sollten. Durch das so geschaffene Palastfundament konnte der neuen Residenz zur Forumsseite hin eine einheitliche, monumentale und somit repräsentative Fassade verliehen werden (Abb. 113).158

Unter Vespasian, der selbst kaum auf dem Palatin residierte und den Palast dem 18-jährigen Domitian überließ, wurden die Fundamente der Domus Tiberiana erheblich verbreitert und die gesamte Anlage den amtlichen und privaten Bedürfnissen der Imperatoren angepasst. Letzte Umbaumaßnahmen dieser ersten großen Kaiserresidenz des Palatins sind unter Hadrian bekannt, der an die Nordwestfassade ein Gartenperistyl anbauen ließ.159

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Domitian, der zwar auch weitere Umbaumaßnahmen der Domus Tiberiana beauftragte, errichtete mit der Domus Augustana, der Domus Flavia und dem angegliederten Gartenstadium eine gänzlich neue Palastanlage, die sich möglicherweise sogar bis zur Vigna Barberini an der Nordostspitze des Palatins erstreckte (Abb. 82, Abb. 88, Abb. 109).160 Dabei wurden besonders die Vorgängerbauten im Bereich der Domus Augusti unangetastet dem Neubau einverleibt oder wie im Fall der Bibliotheken sogar restauriert. Auch in der überlieferten Bezeichnung – Domus Augustana – klingt der Rückbezug auf den Begründer des römischen Kaisertums an.161 Die gewaltige Residenz Domitians, deren Fassaden sich über den erhöhenden Substruktionsbauten in Richtung Forum Romanum und mit einer raumgreifenden Exedra in Richtung Circus Maximus – eventuell sogar bis zum Kolosseum – hin präsentierten, dominierte nicht nur das Stadtbild. Sie prägte auch das Bewusstsein aller nachfolgenden römischen Kaiser, dass das Residieren auf dem Palatin ein wesentlicher Bestandteil des Kaisertums selbst sei und die Abkehr vom Palatin einem Rücktritt gleichkäme.162

Die gelegentlichen Umbaumaßnahmen späterer Kaiser sowie die notwendigen Erneuerungs- und Ausbesserungsarbeiten an den Substruktionsbauten griffen kaum noch in das von Domitian geprägte Bild ein. Erst die severischen Regenten erweiterten den flavischen Komplex sichtbar, indem sie den bisher weniger repräsentativ bebauten Südosthang des Palatins und das bereits vorhandene Plateau der Vigna Barberini im Nordosten als Bauland erschlossen.163 Ein Großbrand um 191/192 n. Chr. machte Restaurierungsmaßnahmen an den flavischen Palastanlagen notwendig, die zur umfassenden Neugestaltung und Erweiterung der alten flavischen Gebäude und Substruktionen südlich des Gartenstadiums genutzt wurden. Die severischen Um- und Neubauten am flavischen Teil der Domus Severiana mit ihren baufällig gewordenen Wohn- und Aussichtsräumen und den großen vorgelagerten Wasserbecken beinhalteten nun luxuriösere, beheizbare Räume und Thermenanlagen (Abb. 87).164 Seinen baulichen Abschluss erhielt der Palatin an der südöstlichen Ecke durch ein etwa 90 Meter langes, dreigeschossiges Nymphaeum, das so genannte Septizonium, das als Schaufassade die über 20 Meter hohen Stützkonstruktionen unter den Thermen optisch kaschierte. Eine weitere architektonische Leistung vollbrachten die Severer mit dem Neubau des Elagabaltempels am Nordosthang, auf den Fundamenten des zerstörten flavischen Palastteils im Areal der Vigna Barberini. In Höhe und Ausdehnung übertraf die neue Tempelanlage, die nun auch die letzte mögliche Baufläche auf dem Palatin vereinnahmte, die traditionsreiche Kultstätte der Magna Mater im Westen des Palatins.

Unter Kaiser Maxentius sind, mit der Aufstockung der severischen Thermen und deren Ausdehnung in Richtung Circus Maximus, die letzten Baumaßnahmen überliefert, bevor die Verlagerung des Regierungssitzes nach Konstantinopel das schleichende Ende der Kaiserpaläste auf dem Palatin einleitete (Abb. 87, Abb. 90, Abb. 103–107).

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Die Bezeichnung Palatium 165 bezog sich bis mindestens ins dritte vorchristliche Jahrhundert hinein ausschließlich auf die Südseite der palatinischen Hügelgruppe. Erst durch die allmähliche Auffüllung der Senken zwischen den Hügelkuppen, die zur Bildung eines einheitlichen Plateaus führte, erweiterte sich das als Palatin bezeichnete Gebiet bis an den Nordhang.166 Spätestens mit der Einteilung der Stadt in vier Regionen wurde diese Benennung offiziell. Die Übertragung der topografischen Bezeichnung Palatium auf die darauf befindliche augusteische Kaiserresidenz ist erstmals bei Ovid belegt. Die rasche Ausdehnung des Palastbegriffs auf herrscherliche Gebäude außerhalb Roms erwähnt Cassius Dio in seiner Römischen Geschichte.167

3.2  Verfalls- und Nutzungsgeschichte des Palatins im Mittelalter

Obwohl das Regierungszentrum des Römischen Reiches durch Konstantin an den Bosporus verlagert worden war, blieben die palatinischen Palastanlagen als kaiserliche Residenz der gelegentlich nach Rom kommenden oströmischen Kaiser weiterhin bestehen.168 Im Jahr 455 mussten die Kaiserpaläste während des Angriffs der Vandalen unter Gaiserich erste Plünderungen über sich ergehen lassen. Trotz dieses verheerenden Angriffs erwählte Libius Severus zwischen 461 und 465 als einer der letzten weströmischen Kaiser den Palatin als Wohnsitz.

Der Ostgotenkönig Theoderich bezog im Jahr 500 seine Herberge auf dem Palatin. Etwa zu dieser Zeit entstand auch ein kleines Amphitheater im Gartenstadium neben der Domus Augustana. Möglicherweise wurde Theoderich durch ein vorangegangenes Erdbeben zu den nachweisbaren Restaurierungen und dem Theaterneubau angeregt. Auch der justinianische Heerführer Narses residierte und starb „in Palatio“, wie Agnellus aus Ravenna berichtet.169 Spätestens mit Otto III. ließ sich letztmalig ein Kaiser in den antiken Residenzen auf dem Palatin nieder. Von seinen möglichen Palastanlagen berichten jedoch nur noch, sich teilweise widersprechende, schriftliche Quellen, die den Sitz Ottos mal auf dem Aventin, mal auf dem Palatin verorten. Die häufig vermutete Lokalisierung der ottonischen Residenz in der Domus Augustana, in unmittelbarer Nähe zu S. Cesario, ist archäologisch jedoch nicht mehr nachweisbar.170

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Neuere archäologische Ausgrabungen zeigen, dass die Besiedlungsstruktur des Palatins seit dem vierten Jahrhundert starken Veränderungen unterworfen war. Bereits im sechsten Jahrhundert wurden große Teile der Palastanlagen nicht mehr vollständig genutzt (Abb. 83). Lediglich für die Domus Augustana, die Domus Flavia und das Gartenstadium im Süden sowie den Umkreis von S. Maria Antiqua im Nordwesten kann die Besiedlung noch mit Sicherheit nachgewiesen werden. Für die Domus Tiberiana und die Horrea Agrippiana, das Atrium Vestae oder die Schola Praeconum ist die spätantike Nutzung wahrscheinlich. Insgesamt lässt sich die Nutzung des Palatins quasi nur noch in einer flickenteppichartigen Streuung nachweisen.

Neben dem weltlichen Bedeutungsverlust setzte eine lang andauernde Phase der Christianisierung ein. Die Machtverlagerung vom Imperium zur Ecclesia erfolgte – der allgemeinen römischen Tendenz folgend – zunächst in den Randbereichen. Auf dem Südwesthang des Kaiserhügels wurde während des vierten bis fünften Jahrhunderts als erste Kirche S. Anastasia errichtet. Als zweite Kirche wurde Mitte des sechsten Jahrhunderts S. Maria Antiqua geweiht.171 Da diese Mauer an Mauer mit den kaiserlichen Palästen am Nordweshang stand, wurde sie zum Dreh- und Angelpunkt der Christianisierung des Palatins, bevor sie im neunten Jahrhundert von einem Erdbeben weit gehend zerstört und ihre Marienikone nach S. Maria Nuova überführt wurde.172 Mit S. Teodoro erhielt der Palatin im sechsten Jahrhundert seine dritte Kirche auf der Westflanke. Erst mit dem Bau von S. Cesareus in Palatio, der Hauskapelle der byzantinischen Statthalter in Rom, drang die kirchliche Besetzung im siebten Jahrhundert in das Herzstück der Kaiserresidenzen vor.173

Gleichzeitig nahm die nachweisbare Besiedlung des Palatins vor allem auf der ehemaligen Schauseite Richtung Circus Maximus immer weiter ab und Areale, die bereits in den vorangegangenen Jahrhunderten brach lagen wurden nicht mehr neu bewohnt oder instand gesetzt. Auch die nördlichen und westlichen Außenbereiche der Domus Tiberiana wurden nicht mehr bewohnt. Sie scheinen eher als Spolienlager und gelegentlich als Begräbnisstätten gedient zu haben.174 Parallel zu dieser Entwicklung wurden innerhalb der bewohnten Bereiche des Palatins unter der Aufsicht eines byzantinischen Curator Palatii noch Sanierungsarbeiten durchgeführt.175

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Ab dem achten Jahrhundert lässt sich eine zögerliche Wiederbesiedlung des Palatins feststellen (Abb. 84). Um 705 wird der Palatin zur Papstresidenz, als Johannes VII. das Episcopium im Gebiet der Domus Tiberina nahe S. Maria Antiqua bezieht. Gegen Ende des Jahrhunderts wurden S. Anastasia und S. Cesario renoviert und im neunten und zehnten Jahrhundert erhielt der Palatin mit der Erweiterung S. Cesarios und dem Neubau von S. Maria in Pallara zwei Klöster.

Neben dem geistlichen Bedeutungszuwachs lässt sich seit dem neunten Jahrhundert auch eine profane Wiederbelebung des Palatins erkennen, die Gebiete mit einbezieht, die seit längerem ungenutzt brach lagen, wie etwa die Achse entlang der Sacra via, des clivus Palatinus, und das Atrium Vestae. Auch in den Ruinen am Südosthang haben sich besonders im zehnten Jahrhundert römische Aristokratenfamilien wie die De Papi und die De Imiza niedergelassen. So bezeichnete Stefano de Imiza in einem Dokument von 975 das Septizonium als „meum templum, quod Septem solia minur dicitur.“ 176 Ab dem elften Jahrhundert bezeugen erste Quellen Besitzungen der Frangipane-Familie auf dem Palatin. Als Knotenpunkt für die Kontrolle des Zugangs zum Lateran von Norden und Westen errichteten die Frangipani ihre Festung auf der Nordwestseite bei S. Maria Nova, dem Titusbogen und in Teilen des Kolosseums (Abb. 85).

3.3 Die Wahrnehmung des Palatins in Mittelalter und Renaissance

In Ergänzung zu den jüngsten Grabungsergebnissen und den zeitgenössischen Textzeugnissen, die die jeweilige Nutzungsgeschichte des Palatins im Mittelalter dokumentieren, kann die so genannte „Mirabilia“-Literatur als Quellengattung gesehen werden, aus der sich die mittelalterliche Wahrnehmungsgeschichte des Palatins und seiner antiken Bauten ableiten lässt. Es handelt sich hierbei um eine in der Mitte des zwölften Jahrhunderts entstandene Textgattung, die in immer wieder kopierten und neu zusammengestellten Varianten die antiken Monumente Roms als Mirabilia Romae auflistet oder knapp beschreibt.177 Um die erwähnten Monumente zu lokalisieren, werden diese häufig in Beziehung zu zeitgenössischen Kirchen gesetzt, was den Texten die Charakterisierung als Pilgerführer eingebracht hat.178

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In der mittelalterlichen Tradition der Rombeschreibungen wird der Palatin als monte Palatino, mons Pallanteum oder auch monte Pallanteo in verschiedene inhaltliche Kontexte gesetzt.179 Die Erwähnung erfolgt entweder im Zusammenhang mit den namensgebenden Legenden, mit der Aufzählung der Hügel Roms, mit den Beschreibungen der 14 Augusteischen Regionen,180 mit der Auflistung der stadtrömischen Paläste, als topografische Koordinate bei der Lokalisierung weiterer „Mirabilia“, bei der Beschreibung von Prozessionswegen und Stadtrundgängen oder aber als Handlungsort in Heiligen- und Märtyrerviten.

Die auf dem palatinischen Hügel befindlichen Palastanlagen werden seit der Più antica redazione dei Mirabilia als palatium maius, palatium magnum, palazo maiure, palazo maore oder pallazo magiore bezeichnet. Die älteste „Mirabilia“-Variante erwähnt neben dem „palatium maius“ aus der Liste der Paläste Roms bei einer genaueren Beschreibung des Palatins auch das „templum Iovis, quod vocatur Casa Maior“ als großes Bauwerk. In der Beschreibung des „Circus Prisci Tarquinii“ werden die oberhalb des Circus Maximus befindlichen „Domus Palatii“ im Plural genannt.181 Trotz der mehrmaligen Erwähnung der palatinischen Bauten, fehlt hier, wie auch in den meisten späteren Abschriften und Variationen, eine genauere Beschreibung oder Charakterisierung der Bauten. Besonders augenscheinlich wird hier das Phänomen der Nichterwähnung des Verfallsgrades der einstigen Kaiserpaläste.

Lediglich zwei der in Anhang D befindlichen mittelalterlichen Rombeschreibungen informieren über den zerstörten Zustand der palatinischen Ruinen: die Narracio de Mirabilibus Urbis Romae 182 des um 1200 nach Rom gepilgerten englischen Rechtsgelehrten Magister Gregorius und die Edifichation de Roma 183 eines anonymen Autors, die nach einer Romreise im Jahr 1363 von Antonia delli Benzoni aus dem lombardischen Crema, Frau des Marchese Giovanni Visconte da Oleggio, in Auftrag gegeben wurde.

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Schon die Einbettung der palatinischen Kaiserpaläste in die gesamte Textabfolge und die Bezeichnung als „Palast der 60 Imperatoren“ weicht in der Narracio von anderen Varianten der Mirabiliatexte ab. In dem Abschnitt, den sowohl Valentini und Zucchetti als auch John Osborne als Beschreibung der Kaiserpaläste auf dem Palatin verstehen184, heißt es:

“De palatio .LX. inperatorum. Palatium etiam .LX. inperatorum describere quis poterit? Quod cum ex maiori parte lapsum sit, fertur tamen omnes Romanos huius temporis quod inde adhuc superest pro tota substantia sua non posse dissolvere.”

In der rhetorischen Frage, wer den kaiserlichen Palast beschreiben könne, versteckt Gregorius die eigene Ohnmacht, die steinernen Überreste des genannten Monuments näher beschreiben zu können. Der sonst so wortgewandte und phantasievolle Schilderer der Triumphbögen, der Reiterstatue des Mark Aurel oder einer erotischen Venusstatue steht dem, was nun zum Großteil verfallen vor ihm liegt – „quod cum ex maiori parte lapsum sit” – zunächst fassungslos gegenüber. Durch die dann folgende Feststellung des unauslöschlichen Charakters der Steinmassen, die bis in seine Zeit überdauert haben – „quod inde adhuc superest“ – und nicht einmal durch die Gesamtheit aller Römer seiner Epoche mehr zerstört werden könnten, ordnet er den Anblick der antiken Ruinen in das mittelalterliche Weltbild ein, das den bereits vollzogenen Untergang des Römischen Reiches nicht wahrnimmt und stattdessen vom Fortbestand Roms bis zum Jüngsten Gericht ausgeht.

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In der Edifichation de Roma werden die palatinischen Kaiserpaläste ganz traditionell als Erstes innerhalb der Liste in Rom befindlicher Paläste erwähnt:

„in prima el pallazo magiore del quale anchoi appare non molto grande edifitio presso a capitolgio. & era nel mezo di roma insegnio di monarchia di tutto el mondo el q(ua)le fo troppo grande & de mirabel belleza.“

Das rätselhafte Steinmassiv wird als „pallazo magiore“, also als ein großer zusammengehöriger Palastkomplex verstanden. Welche Gebäudeteile hier genau gemeint sind, geht aus der Textstelle nicht hervor.187 Von diesem Symbol der Weltherrschaft, das in der Nähe des Kapitols und in der Mitte Roms lag – „presso a capitolgio. & era nel mezo di roma“ –, scheinen jedoch kaum noch größere Gebäudeteile stehen geblieben zu sein. Dass es sich bei den Ruinen auf dem Palatin um die Überreste mehrerer Kaiserpaläste und Sakralbauten handelt, wird hier nicht deutlich.188 Was zählt ist das symbolische Ansehen als „insegnio di monarchia di tutto el mondo“. Trotz des kaum rekonstruierbaren Antlitzes der Kaiserpaläste bemüht sich der Autor, der Bedeutung des Ortes entsprechend, mit der knappen Erwähnung des ursprünglichen Zustands „el q(ua)le fo troppo grande & de mirabel bellezza“ ein angemessenes und vor allem intaktes Bild des „pallazo magiore“ aus den Ruinen abzuleiten.

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Mit der Rombeschreibung Flavio Biondos in Roma instaurata aus dem Jahr 1544 vollzieht sich ein weiterer Schritt in der Wahrnehmungsgeschichte der Palatinruinen, da der Eindruck von Zerstörung und Vergänglichkeit hier sehr deutlich zum Ausdruck gebracht wird:189

„LXXVI. Quid Palatinus habuerit et nunc habeat.

Multo autem pauciora habet integra Palatinus quam Capitolinus aut Aventinus. Nam praeter Sancti Nicolai ecclesiam, a Calisto secundo papa aedificatam, quae etiam male integra cernitur, nullum is celeberrimus mons habet aedificium. Qualis autem et quanta olim fuerit ea aedificiorum moles, indicant ruinae inter ceteras urbis conspiciendae … Ipsum vero montem qui, sicut supra ex Varrone ostendimus, triplicem habuit nominis causam, Ballatium nunc posse appellari videmus, quod ubicunque non impediunt magnae molis ruinae, aut ubi vineta excelsis in fornicibus pensilia non occuparint, totus ager pascuus non ovibus magis quam caballis, bubalis et capris est factus. Qua ex re aliquando, in varias cogitationes venimus, quid de cetera liceat Roma suspicari, cum tres illos montes, qui primi et soli in prima urbe a Romulo comprehensi fuerint, nunc, si absint ruinae, videmus paene ad eam deductos aedificiorum nuditatem, quam, Roma nondum condita, habuerunt…”

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Nahezu nackt, vergleichbar dem Zustand vor der Gründung Roms, liegt der berühmte Palatin dem Autor vor Augen – „nullum is celeberrimus mons habet aedificium“. Viehweiden für Pferde, Büffel und Ziegen befinden sich überall dort, wo die riesigen Ruinen die landwirtschaftliche Nutzung nicht behindern – „quod ubicunque non impediunt magnae molis ruinae, aut ubi vineta excelsis in fornicibus pensilia non occuparint, totus ager pascuus non ovibus magis quam caballis, bubalis et capris est factus“.

Die vom französischen Kleriker und Romreisenden Hildebert de Lavardin im zwölften Jahrhundert formulierte Sicht auf die römischen Ruinen als Zeichen der ehemaligen Größe Roms „Quam magni fueris integra, fracta doces“, 191 wird bei Biondo auf die Ruinen des Palatins übertragen – „Qualis autem et quanta olim fuerit ea aedificiorum moles, indicant ruinae inter ceteras urbis conspiciendae.“ Doch gleicht Biondos Beschreibung eher einer antiquarisch intendierten Bestandsaufnahme, die die etymologischen Namensherleitungen mit dem aktuellen Palatinbild in Einklang zu bringen versucht und auch den Verfallsgrad einer christlichen Kirche – „Sancti Nicolai ecclesiam, a Calisto secundo papa aedific a tam, quae etiam male integra cernitur“ 192 – nicht unerwähnt lässt.193 Lavardins Gedicht De Roma, das die ehemalige Größe Roms eindrucksvoll schildert, bildet dagegen lediglich ein rhetorisches Fundament als Prolog des zweiten Gedichtes mit dem Titel Item de Roma. Dieses rückt die zuvor geäußerte Bewunderung heidnischer Bauwerke in einen christlich geprägten, heilsgeschichtlichen Kontext, der die Hoffnung auf Erlösung durch den Glauben an die christlichen Lehren verspricht.194

Im Gegensatz zur relativen Fülle textlicher Überlieferungen sind mittelalterliche Bildzeugnisse des Palatins und seiner Bauten äußerst rar. Eine Miniatur aus dem späten 13. Jahrhundert verleiht dem antiken Rom einen löwenförmigen Stadtgrundriss (Abb. 21).195 Der nicht als Hügel gezeigte Palatin wird durch die Aufschrift „palatiu(m) mai(us)“ kenntlich gemacht. Der erwähnte Baukomplex besteht wie alle hier gezeigten Monumente aus einer schematisierten Ansicht. Diese zeigt am Hinterlauf des Löwen ein von zwei Türmen flankiertes Portal. Einige Jahrzehnte vor der Niederschrift der Edifichation de Roma entsteht um 1320 der Romplan Paolino da Venezias (Abb. 22).196 Obgleich dieser Plan eine wesentlich komplexere Stadtansicht aufweist als alle anderen Pläne vor ihm, ist auch hier noch das Phänomen der „positiven Distanzlosigkeit“197 zur Antike zu beobachten. Wie durch die Wiedergabe zahlreicher Kirchen, antiker Monumente und Wohnhäuser erkennbar wird, soll der Plan – erstmals in der Geschichte der Rompläne – ein Bild der zeitgenössischen Stadt vermitteln. Während der Senatorenpalast auf dem Kapitol oder die Engelsburg jenseits des Tibers zu erkennen sind, erscheint die Wiedergabe der meisten anderen Gebäude so stark schematisiert, dass vor allem aus den beigefügten Beschriftungen hervorgeht, um welches Bauwerk es sich jeweils handelt. Dies gilt in besonderem Maße auch für die als „palaci(um) mai(us)“ beschrifteten Kaiserpaläste auf dem Palatin, die hier wie alle antiken Bauwerke auf dem Plan als intakte zeitgenössische Bauten wiedergegeben werden. Die Darstellung folgt in Grundzügen der Wiedergabe weiterer palastartiger Bauten auf den übrigen Hügeln. Nur die in zwei Geschossen übereinander gesetzten Arkaden im Sockelgeschoss könnten auf die tatsächlich vorhandenen Substruktionsbauten verweisen. Aufgrund der insgesamt sehr schematischen Darstellungsweise der Paläste und Thermen handelt es sich jedoch eher um einen Zufall.

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Mit der zunehmenden Herstellung von Stadtplänen nehmen zwar auch die Palatindarstellungen zu, doch beschränkt sich die Wiedergabe der Ruinen auf einige wenige Varianten, die mit dem zeitgenössischen Baubestand nichts zu tun haben. Anders als in den textlichen Überlieferungen werden die Überreste der kaiserlichen Paläste erst ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts als zerstörte Bauten kenntlich gemacht. Auf Plänen der zeitgenössischen Stadt bestehen die stark schematisierten Ruinen bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts hinein entweder aus einem zweigeschossigen Bau auf rechteckigem Grundriss oder aus einem zur Hälfte zerstörten, meist zweigeschossigen Rundbau mit angrenzender Kirche (Abb. 23–24).198 Erste Pläne, die einzelne Monumente auf dem Palatin verzeichnen und zum Teil auch bildlich wiedergeben, finden sich ab dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts zunächst in Form von rekonstruierenden Romansichten.199 Versuche, die durch Regionenbeschreibungen, antike Autoren und Ausgrabungen bekannten Monumente mit der Topografie des Palatins abzustimmen, beginnen mit dem Romplan Bartolomeo Marlianos von 1544 und werden durch die Publikationen Leonardo Bufalinis, Pirro Ligorios, Onofrio Panvinios und Étienne Duperacs fortgeführt (Abb. 25–32).200 Diese zeigen die Ruinen auf dem Palatin je nach Intention des Planes in Grundrissen, als zerstörte Bauten oder aber in Rekonstruktionsansichten. Bei der Wiedergabe der Palatinruinen bilden sich dabei trotz der teilweisen Orientierung am aktuellen zeitgenössischen Baubestand in den nachfolgenden Plänen zwei Ruinenschemata heraus, die entweder eine Ansicht der Ruinen vom Aventin aus oder vom Kolosseum aus zeigen. Die nördlichen und westlichen Ruinen werden dabei nicht berücksichtigt. Dass dieses Phänomen zum Teil der Bildgattung „Stadtplan“ geschuldet ist zeigen zeitgleiche Zeichnungen und Drucke, die mehr Raum für detailliertere Wiedergaben der Palatinruinen bieten. Die erste überlieferte Ansicht der Ruinen auf der Südseite des Palatins stammt aus dem Umfeld Simone del Pollaiuolos und lässt sich ins erste Viertel des 16. Jahrhunderts datieren (Abb. 33).201 Die mit Abstand „vielseitigsten“ zeichnerischen Aufnahmen der Ruinen sind in den beiden Berliner Skizzenbüchern Maarten van Heemskercks dokumentiert (Abb. 35–51). Nach den ersten gedruckten Palatinansichten von Hieronymus Cocks, versucht vor allem Étienne Duperac mit seiner Publikation von 1575 I vestigi dell’ antichità di Roma in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert ein Bild des Palatins aus allen vier Himmelsrichtungen zu vermitteln (Abb. 65–71).202 Diese wurden 1604 von Aegidius Sadeler d. Ä. in dem Stichwerk I vestigi dell’ antichità di Roma, Roma, Tivoli, Pozzuoli ed altri luoghi kopiert und durch eine neue Ansicht ergänzt.203

3.4 Die Darstellung der Palatinruinen bei Hieronymus Cock

Im folgenden Kapitel werden die Palatinansichten in den von Cock publizierten Ruinenserien beschrieben und mit vergleichendem Bildmaterial in Beziehung gesetzt. Dabei sollen die Fragen erörtert werden, inwieweit Cock und seine ausführenden Radierer und Stecher die in den Titelblättern formulierten Ansprüche einer wirklichkeitsgetreuen und ästhetisch ansprechenden Umsetzung erfüllen und inwiefern die antiquarischen Interessen des Auftraggebers der ersten Serie bedient werden können.

Da nicht alle Radierungen einen eigenen Titel tragen, werden hier sowohl die Nummerierungen als auch die Sortierung von Riggs übernommen. Weiterführende Informationen zu den einzelnen Drucken finden sich in den Anhängen A–C.

3.4.1  Der Palatin in Praecipua aliquot Romanae (1551)

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Riggs 11 (Blatt I): „Rvinarvm palatii maioris, prospectvs .i.“ (Abb. 5)

Blatt I der Ruinenserie von 1551 mit dem Titel „Rvinarvm palatii maioris, prospectvs .i.“ (Abb. 5), zeigt statt der zu erwartenden ersten Ansicht der Ruinen des Palatins im Bildvordergrund eine Ansicht der südlichen Innenmauer des Kolosseums (Abb. 92).204 Die Bögen des zweiten Geschosses sind hier als unterste Ebene bis zur Hälfte im Erdreich versunken. Darüber befinden sich Bögen und Treppen des dritten Geschosses und die von rechteckigen Öffnungen durchbrochene Mauer des abschließenden Geschosses.

Diese Innenaufnahme des Kolosseums ist, obwohl nicht in allen Details korrekt wiedergegeben, leicht erkennbar, wenn man die auf Blatt A derselben Serie wiedergegebene zeitgenössische Außenansicht sowie Fotografien als Vergleichsmaterial heranzieht (Abb. 3, Abb. 91–92). Während die Ansicht der inzwischen restaurierten Außenmauer nur noch in zeitgleichen Zeichnungen und Drucken zu finden ist,205 ist die treppenartige Bruchstelle am abschließenden Geschoss – in der Radierung links, oberhalb der Treppe – heute noch deutlich sichtbar. Der auch jetzt noch nachvollziehbare transparente Charakter dieses Teils des Kolosseums wird in der Radierung besonders hervorgehoben. Durch das Weglassen der Mauerfortführung am rechten Bildrand wird der ruinöse Eindruck zusätzlich verstärkt.

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Schwieriger ist es dagegen, die schemenhaften Ruinen auf dem Hügel im Hintergrund mit tatsächlich vorhandenen Palatinruinen zu identifizieren. Das liegt einerseits daran, dass man von dem Standpunkt, von dem aus das Kolosseum wiedergegeben wurde, die Bauten auf dem Palatin nicht sehen kann und wegen des dichten Baumbewuchses die Ruinen heute verdeckt sind (Abb. 91), und dass andererseits der hier gezeigte Ruinenkomplex in der Form auf keinem anderen Dokument zu finden ist.206 Entweder handelt es sich hier um ein künstlerisches Phantasieprodukt mit palatinähnlichen Zügen oder die dargestellte Ansicht kann aufgrund des weiteren Zerfalls der Bauten nicht mehr eindeutig identifiziert werden. Wahrscheinlich handelt es sich um die Rückansicht der großen Arkaden mit dem vorgelagerten severischen Bogengang und deren alternierenden Bogenformaten, auf denen sich noch 1860 größere Ruinenfragmente befanden (Abb. 104). Bei der bogenförmigen Nische handelt es sich in diesem Fall um die mittlerweile noch wesentlich zerstörteren Überreste der Domus Severiana mit Exedra und östlicher Begrenzungsmauer des Gartenstadiums (Abb. 88–89, Abb. 95).207

Die Radierung macht aufgrund der topografischen Platzierung der Ruinen zueinander insgesamt weniger den Eindruck einer Aufnahme vor Ort, als den einer bewussten Komposition. Wie auch auf anderen Blättern der Serie werden Gegensatzpaare gebildet (Abb. 7, Abb. 9). In diesem Fall zwischen der skelettartigen Transparenz der Kolosseumsmauer und dem massiven Ruinenkomplex im Hintergrund. Die irreführende Beschriftung lässt an der Monumentkenntnis Cocks zweifeln.

Riggs 12 (Blatt K): „Rvinarvm palatii maioris, cvm contigvo Septizonio prospectvs ∙z“ (Abb. 6)

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Auf Blatt K wird laut Bildüberschrift eine zweite Ansicht der Ruinen des Palatinsmit der Wiedergabe des Septizoniums kombiniert (Abb. 6). Die von Nordosten dargestellte Ansicht der nur noch fragmentarisch erhaltenen Schmalseite des dreigeschossigen Septizoniums begrenzt den linken Bildrand. Rechts davon zieht sich eine zweigeschossige Arkadenreihe zu einem vierten frei stehenden Bogen. Den rechten Bildrand begrenzt ein hoch aufragendes Architekturfragment. Säulen- und Gebälkfragmente liegen auf dem von Gras und Büschen bewachsenen Boden vor dem Septizonium und den Arkaden verstreut. Die antiken Ruinen sind ebenfalls von Pflanzen überwuchert.

Vergleicht man die Ansicht des Septizoniums mit den zahlreich vorhandenen Wiedergaben anderer Künstler des 16. Jahrhunderts, fallen Gemeinsamkeiten aber auch wesentliche Unterschiede ins Auge.208

Die in der Wiener Albertina aufbewahrte Zeichnung eines anonymen Italieners des frühen 16. Jahrhunderts zeigt eine Ansicht des Septizoniums von derselben Seite wie Blatt K (Abb. 34).209 Der dreigeschossige Aufbau besteht im Sockelgeschoss aus Kolonnaden, die um eine Rustikamauer mit Diamantquadern herumlaufen. Über einem Gebälk erhebt sich das zweite Geschoss. Dessen von mehreren Öffnungen durchbrochene Mauer wird von drei Halbsäulen – beziehungsweise zugemauerten Interkolumnien – gegliedert. Das dritte Geschoss weist nur noch eine frei stehende Säule und die Mauer der Südfront auf. Obwohl auch in der Fabriczy-Zeichnung der ruinöse Charakter des Septizoniums gezeigt wird, sind einzelne Gebäudeglieder und eine komposite Säulenordnung gut zu erkennen.

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Auch Cocks Radierung zeigt einen dreigeschossigen Aufbau. Das Untergeschoss wird im Gegensatz zur italienischen Zeichnung durch ein vorgelagertes Gebäude oder einen direkten Anbau verdeckt, dessen exakte Lage zum Septizonium in der Radierung nicht genau ersichtlich wird. Dadurch erscheint es so als bildete der Rundbogen mit dem darüber befindlichen Mauerwerk den Kern des Untergeschosses, auf dem sich die beiden oberen Etagen erheben. Die Kassettierungen, die die italienische Zeichnung in leichter Unteransicht an der Decke des Säulenvorsprungs wiedergeben, werden dabei zum Bestandteil der überwiegend zerstörten Wandverkleidung. Im zweiten Geschoss entsprechen die Maueröffnungen nur ungefähr denen der Zeichnung. Die bogenförmigen Nischen sind bei Cock nach oben verrutscht und die brüchige Lücke neben dem Kapitell der äußeren Säule ist in der Radierung geschlossen. Die Gebälke der zweiten und dritten Ordnung sind bei Cock, im Gegensatz zum durchgehenden Verlauf in der Zeichnung, über den Säulen verkröpft.

Das um 1589 zerstörte Septizonium wurde zwar seit dem zehnten Jahrhundert als Sitz verschiedener Adelsfamilien genutzt und entsprechend umgebaut,210 doch dokumentieren alle weiteren Darstellungen des 16. Jahrhunderts, im Gegensatz zu Cock, das Untergeschoss ausnahmslos mit durchgehender Kolonnade und verzeichnen nur im Mittelgeschoss nachantike Erweiterungen (Abb. 46, Abb. 70).211

Neben der eigenwilligen Wiedergabe des Septizoniums erscheint auch die Identifizierung der angrenzenden Arkadenreihe als „Substruktionen der severianischen Bauten auf dem Palatin” 212 bei genauerer Betrachtung als äußerst fragwürdig.

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Fotografien der von Lackenbauer angesprochenen severischen Substruktionen zeigen eine zur Cock-Radierung vollkommen verschiedene Arkadenanordnung (Abb. 97–99). Von links nach rechts folgen nach einem breiteren und höheren Bogen zwei schmalere und niedrigere, denen wiederum ein größerer Bogen folgt. Die Arkade schließt oberhalb der Bögen mit einheitlichem Niveau ab. Die Radierung zeigt dagegen je drei Bögen in zwei Geschossen übereinander, deren Oberkanten die Bogenwölbungen aufnehmen. Etwas abgerückt steht ein einzelner, im unteren Abschnitt vermauerter Bogen, dessen linker Pfeiler vom Mauerrest eines ansonsten zerstörten Gebäudes verdeckt wird.

Vergleiche mit Radierungen Étienne Duperacs – wie etwa Tafel 13 der Serie von 1575 213 oder die etwas schematischere Darstellung des zeitgenössischen Romplans von 1577 – verdeutlichen die Ähnlichkeit der Bogenanordnung in der Cock-Radierung mit den vier heute noch sichtbaren Bögen der Aqua Claudia ( Abb. 31, Abb. 70, Abb. 93–94).

Bleiben nur noch die Gebäudefragmente am rechten Bildrand von Blatt K, die als Ruinen des „palatii maioris“ gedeutet werden könnten. Doch mehr noch als auf der Palatindarstellung von Blatt I (Abb. 52) fällt auch hier eine konkrete Identifizierung mit einem heute noch erhaltenen Bauteil schwer.

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Vergleichbar zu Blatt I gibt es auch hier gravierende Diskrepanzen zwischen der Bildüberschrift und der bildlichen Umsetzung der dort angekündigten Monumente. Die topografischen Zusammenhänge werden stark modifiziert. Die antiken Ruinen, die sich alle in erheblichem Abstand zueinander auf dem Osthang des Palatins befinden werden auf Blatt K nahezu in einer Reihe präsentiert. Die Bögen der Aqua Claudia stehen sogar noch hinter dem Septizonium, obwohl sie aus dieser Perspektive davor stehen müssten. Darüber hinaus können die einzigen Gebäudeteile, die als Wiedergabe der Palastruinen in Frage kommen, weder über zeitgenössische oder spätere Bilddokumente noch durch Vergleiche mit bis heute auf dem Palatin überdauernden Gebäudefragmenten eindeutig identifiziert werden.

Riggs 13 (Blatt L): „Rvinarvm palatii maioris Cvm parte Septizony prospectvs 3“ (Abb. 7)

Ein anderes Bild bietet sich zunächst auf Blatt L, das als kompositorisch anspruchvollste Palatinansicht der Serie gelten darf (Abb. 7). Auf der von Südosten, vom Caelio aus angefertigten Ansicht der ehemaligen Palastanlagen ist ein Großteil der Ruinen rasch zu identifizieren (Abb. 103). Am rechten Bildrand befindet sich die südliche Hälfte der Ruine des Septizoniums. Daran anschließend führen die großen maxentianischen Doppelarkaden (Arcate) hinüber zu den Thermen, Aussichtsanlagen und weiteren Stützarkaden (Domus Severiana) aus severischer und maxentianischer Zeit. Diese verdecken dem Standort entsprechend die daran anschließenden Teile der Domus Augustana mit der Fassade des Gartenstadiums und der großen Exedra.

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Bei der halbkreisförmigen Ruine, die etwas unterhalb der großen Arkaden am Rand des Circus Maximus steht, ist eine eindeutige Identifizierung allerdings nicht möglich. Auf der relativ wirklichkeitsgetreuen Ansicht aus dem Umfeld Simone da Pollaiuolos ist sie nicht zu sehen (Ab. 33). Entweder handelt es sich um eine etwas ungeschickte Platzierung der Überreste des Paedagogiums auf Höhe der Exedra oder um ein frei hinzugefügtes Versatzstück, das die Ausdehnung der Palatinruinen nach Süden erweitern soll.214

Auf der linken Bildseite eröffnet sich dem Betrachter im Hintergrund ein Blick über die Stadt. Am Rand des kaum zu erkennenden Circus Maximus ist ein Rundtempel zu sehen, links davon ragt ein überdimensionierter Glockenturm obeliskenhaft in die Höhe. Dem Erscheinungsbild und der topografischen Anordnung nach handelt es sich um sehr freie Wiedergaben des zwischen Circus Maximus und Tiber gelegenen Rundtempels des Hercules Victor sowie um den ebenfalls nahe gelegenen Campanile von S. Maria in Cosmedin. Hinter dem bewohnten Teil der Stadt entfaltet sich eine ausgedehnte, leicht hügelige Landschaft, die von einer Begrenzungsmauer mit rechteckigen Wehrtürmen, ähnlich der Aurelianischen Stadtmauer, durchlaufen wird. Die Mauer verliert sich, entgegen ihrer Funktion als Stadtbegrenzung, irgendwo am Fuße der steil aufragenden Bergkette. Über den Berggipfeln geht eine strahlende Sonne auf oder unter. Oberhalb der Sonne zieht sich eine Wolkenformation zusammen, die sich über der Stadt ausdehnt. Da sich der Blick nach Nordwesten richtet, müsste es sich bei einer topografisch genauen Wiedergabe um einen Sonnenuntergang handeln. Doch der Blick in die Berge ist vom Betrachterstandpunkt aus, der eigentlich nördlich an Trastevere vorbei in Richtung Vatikan und in extremer Verlängerung dann zum Tyrrhenischen Meer führt, nicht möglich (Abb. 111). Die Deutung als Sonnenuntergang ermöglicht eine Interpretation als Verweis auf das untergegangene antike Rom.215 In Verbindung der Aussage der Hexameter des Widmungsblattes und der Platzierung der Sonne auf der linken Bildhälfte, wo sich auch die zeitgenössische Stadtlandschaft befindet, kann sich die Deutung als Vanitasmotiv auch auf die Reiche der Neuzeit beziehen, die in diesem Fall kaum auf ihr Überdauern hoffen dürfen. Handelt es sich hier um einen Sonnenaufgang, stehen die Ruinen auf dem Palatin natürlich immer noch für den Untergang des Römischen Reiches. Doch die Antwort auf Grapheus’ Frage, ob es „eine Zuversicht für die Erhaltung der übrigen Reiche“ geben könne, würde in diesem Fall positiv beantwortet werden, wenn über der neuzeitlichen Stadt ein neuer Morgen anbräche. Jenseits aller Deutungsmöglichkeiten ist die Sonne vor allem ein künstlerisches Mittel, um den Reiz der Komposition zu steigern.

Bei genauerer Betrachtung des Septizoniums und der Arcate ergeben sich zusätzliche Unklarheiten. Abgesehen davon, dass auch hier topografische Realitäten ignoriert werden und die etwas weiter auseinander liegenden Gebäude in direkter Nachbarschaft beieinander stehen, fallen Unterschiede bei der Wiedergabe des Septizoniums auf Blatt K, Blatt L und Blatt P der ersten Ruinenserie auf (Abb. 6–7, Abb. 9).

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Auf Blatt P wird eine Ansicht des Septizoniums gemeinsam mit der südlichen Außenseite des Kolosseums gezeigt, wie sie auch auf einer Heemskerck-Zeichnung zu sehen ist.216 Die südliche Bruchkante des Septizoniums ist auf Blatt P nicht so „ausgefranst“ wiedergegeben wie auf Blatt L und die beiden oberen Gebälke werden auf verschiedene Art und Weise dargestellt. Wie bereits auf Blatt K zu sehen, verkröpft sich auch auf Blatt P das Gebälk über den Kapitellen der Säulen.Ganz anders verhält es sich dagegen auf Blatt L, wo die Gebälke aller drei Geschosse ohne Verkröpfungen durchlaufen. Den Ansichten auf Blatt L und Blatt P ist jedoch gemeinsam, dass die Gebälke der südlichen Septizoniumsseite fälschlicherweise bis an die Rückwand herangeführt werden, obwohl sie an der Bruchstelle enden müssten.

Auch die Ansicht der Arcate entspricht nicht ganz der Realität. Der äußerste Bogen, der auf Blatt L in zwei Geschosse unterteilt ist, besteht auf der Seite zum Circus Maximus eigentlich aus einem einzigen großen Bogen, dessen Scheitelpunkt dieselbe Höhe hat, wie die oberen Bögen der restlichen Arkade (Abb. 103). Auch die Innenansicht ist mit einem merkwürdigen Detail versehen. Oberhalb der etwas zu schmal und verkürzt dargestellten Bogenöffnungen der Rückseite befinden sich schlitzartige Gewölbegliederungen, die als Wiedergabe der Stichkappen des Gewölbes viel zu tief ansetzen und wesentlich zu schmal wiedergegeben werden (Abb. 116). Heemskerck, der Anonymus Mantovanus A und Duperac, die jeweils Ansichten aus ähnlichen Perspektiven angefertigt haben, geben die richtige Innenansicht wieder (Abb. 44, Abb. 46 und Abb. 70). Allerdings lässt Duperac die Arkaden ebenfalls mit zwei übereinander gesetzten Bögen abschließen.

Eine vermutlich in den 50er Jahren des 16. Jahrhunderts entstandene Ansicht von Hendrick van Cleve, trägt besonders im Bildvordergrund sehr phantastische Züge, ist aber nach einem ähnlichen Kompositionsschema aufgebaut wie die Radierung Cocks (Abb. 56). Lediglich der weite Blick über die unbewohnte Landschaft fehlt, ebenso die Sonne. Das Septizonium ist noch stärker angeschnitten. Eine Bruchkante, die darauf verweist, dass das ursprüngliche Bauwerk an dieser Stelle noch fortgesetzt wurde, ist hier nicht wiedergegeben. Die Anzahl der Bögen der Arcate ist zu hoch. Die Innenansicht der Arcate weist dieselben Eigenarten auf wie die Radierung. Auch die auf den Arkaden befindlichen Mauerreste gleichen exakt denen bei Cock.

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Da es sich hier jedoch um einen erst zwischen 1563 und 1570 von Philipp Galle verlegten Druck handelt, ist nicht ganz klar, ob der Zeichner oder der Stecher für diese Ähnlichkeiten verantwortlich ist. Galle, der bis zur Gründung seines eigenen Verlagshauses bei Cock als Stecher arbeitete, dürfte jedenfalls mit der Serie von 1551 vertraut gewesen sein. Falls die Ansicht jedoch direkt auf eine Zeichnung Hendrick van Cleves zurückgeht, könnte hier ein Vorlagengeber für Cock zu finden sein. Möglicherweise gehen beide Ansichten aber auch auf eine gemeinsame Vorlage zurück. Konkrete Lebensdaten, die zur Klärung beitragen könnten, sind im Fall van Cleves, ähnlich wie im Fall von Cock, kaum zu rekonstruieren. Van Mander berichtet zwar, dass Van Cleve in Italien war, doch ob die Reise vor dessen Eintritt in die Antwerpener St. Lukasgilde 1551 lag oder erst danach, ist laut Meijer nicht nachgewiesen. Erst 1555 kann seine Anwesenheit in Antwerpen wieder mit Sicherheit dokumentiert werden.217 Entgegen der Meinung Meijers findet sich bei Frutaz allerdings eine auf dem Blatt vom Zeichner selbst auf das Jahr 1550 datierte Romansicht Hendrick van Cleves, die einen vom Oppius aus gezeichneten Panoramablick über die Stadt wiedergibt.218

Die Radierung Cocks, wie auch Galles Stich nach Van Cleves Vorlage zeigen zwar die Palatinruinen in einem leicht erkennbaren Ausschnitt, doch die Einbettung in die umgebende Landschaft ist ebenso ungenau wie einige Details der Monumentwiedergaben.

Riggs 14 (Blatt M): „Rvinarvm palatii maioris prospectvs 4“ (Abb. 8)

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Die vierte Ansicht der Palatinruinen gehört ebenfalls zu den realitätsnaheren Palatinkompositionen in den Serien Hieronymus Cocks (Abb. 8). Sie ist von Nordwesten aus wiedergegeben, also genau aus der entgegengesetzten Richtung wie die vorhergehende Ansicht auf Blatt L (Abb. 7). Wie an dem turmartigen Aufsatz und den davor gelagerten Stützarkaden leicht zu erkennen ist, handelt es sich bei der Ruine auf der linken Bildhälfte um die Maxentiusthermen und ihre Substruktionen (Abb. 110). Der gewählte Bildausschnitt gibt also nur ein Detail der Südfront wieder. Da die wesentlich höheren Mauerreste hinter dem zylindrischen Aufsatz aus dieser Perspektive kaum zu sehen sind, erscheint der antike Überrest fast als mittelalterliche Burgruine. Auf der rechten Seite der Radierung ist im Vordergrund das Tal des Circus Maximus zu erkennen. Auf der Achse der ehemaligen Spina ziehen Feldarbeiter mit geschulterten Spaten oder Spitzhacken, von der Antike unbeeindruckt, ihrer Wege. Lediglich zwei etwas abseits zwischen Circus und Palatin stehende Figuren nehmen rege Notiz von den Ruinen. Am Südende des Circus Maximus ist der „turris in arco in capite circulo“, 219 der Turm der ehemaligen Frangipanefestung zu erkennen, der etwas im Erdreich versunken auch heute noch dort steht (Abb. 90). In der Radierung ist er in einen Häuser- und Mauerkomplex eingebunden. In der Mittelzone des rechten Bildrandes befindet sich ein Hügel, auf dem ein Gebäude steht, bei dem es sich um die auf dem Aventin gelegenen Kirchen S. Saba oder S. Balbina handeln könnte. Beide gehören topografisch in diese Gegend, sind hier aber nicht präzise wiedergegeben. In der dritten Bildebene erstreckt sich eine gewaltige Ruinenanlage. Ein unkundiger Betrachter könnte in den hier gezeigten Caracallathermen vielleicht die Ruinen des betitelten „palatii maioris“ vermuten. Der Blick auf die festungsartig geschlossen wirkenden Ruinen lässt gut nachvollziehen, weshalb antike Thermenanlagen in mittelalterlichen Rombeschreibungen häufig für Paläste gehalten wurden.220 Die „stark überhöhten“ 221 Albaner Berge im Hintergrund relativieren die Größe der von Menschenhand geschaffenen Thermen wieder, die im Antlitz dieser noch mächtigeren Naturschöpfungen als klein erscheinen.

Eine sehr ähnliche Ansicht der Maxentiusthermen findet sich in Heemskercks erstem Berliner Album auf fol. 40 r (Abb. 36).222 Die hier gezeigte Skizze der Maxentiusthermen nimmt etwa die Hälfte des Blattes ein und wurde ebenfalls von Nordwesten aus gezeichnet. Die leichte Rückansicht verhindert hier – im Gegensatz zur Radierung von Cock – den freien Blick durch die Substruktionsarkaden. Von hinten schieben sich Erdmassen an das verfallene Bauwerk heran. Noch scheinen die Erdaufschüttungen der Ruine den Rücken zu stützen, bevor sie sie vollkommen unter sich begraben. Dass die Ruine zu einem größeren Baukomplex gehört, wird aus der Zeichnung Heemskercks nicht deutlich.223

Dass die Feldarbeiter, die bei Cock den Circus Maximus durchlaufen keine reinen Staffagefiguren sind, zeigt eine vom Anonymus Mantovanus A gezeichnete Ansicht auf fol. 92v–93r des zweiten Berliner Heemskerck-Albums sowie eine Ansicht aus Duperacs Publikation von 1575 (Abb. 50, Abb. 69). 224Auf den Ansichten ist gut zu erkennen, dass das Circustal aufgrund seiner ebenen Fläche als Anbaugebiet genutzt wurde. Neben dieser alltagsbezogenen Information über den Circus Maximus als frühneuzeitliche „Kleingartenanlage“ bietet die Zeichnung des Anonymus Mantovanus A eine hervorragende Übersicht über die Palatinruinen vom westlichen Aventin aus, wie sie bei Hieronymus Cock in keiner der Serien zu finden ist.

3.4.2 Der Palatin in Praecipua aliquot Romanae (1552–1561)

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Riggs 98: „Prospectvs colossaei cvm aedirvs et variis rvinis illi contigvis“ (Abb. 10)

Laut Titelinschrift zeigt der Druck das Kolosseum mit Tempeln und umgebenden Ruinen (Abb. 10). Allerdings ist das Kolosseum, das im Titel an erster Stelle genannt wird, gemeinsam mit dem Konstantinsbogen lediglich im Hintergrund zu sehen. Dass es sich bei den „umgebenden Ruinen“, die sich über den großen Bogen mit dem hoch aufragenden Mauerpfeiler im Vordergrund bis hin zu den Ruinen der gesamten linken Bildhälfte ziehen, aufgrund der topografischen Lage um die Ruinen des Palatins handeln muss, wird nicht erwähnt.

Eine Zeichnung Heemskercks auf fol. 55 r des zweiten Berliner Albums zeigt eine nahezu identische Ansicht (Abb. 45). Um das Hochformat der Zeichnung an das Querformat der übrigen Radierungen der zweiten Cock’schen Ruinenserie anzupassen, wurde der Druck durch die Gebrüder Duetecum am linken Bildrand im Vergleich zur Zeichnung etwas ergänzt. Die Zeichnung, die hier inklusive der zahlreichen Staffagen sowie der Schraffuren offensichtlich als Vorlage gedient hat, ist, wie Hermann Egger meint, „der einzige sicher nachweisbare Fall direkter Abhängigkeit der Cock’schen Stiche von Heemskerck“. 225Tatsächlich wirken die meisten anderen Vergleichsbeispiele bei aller Ähnlichkeit häufig so, als hätte ein weiterer Zeichner einige Meter von Heemskerck entfernt gestanden, als dieser seine Skizzenbücher mit Romansichten füllte.

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Wie von der entgegengesetzten Seite aufgenommene Fotos zeigen, handelt es sich bei dem Bogen im Bildvordergrund um ein Detail des severischen Bogenganges, der auf der Zeichnung Heemskercks von den dort nicht sichtbaren Arcate aus maxentianischer Zeit aus gezeichnet wurde. (Abb. 97, Abb. 99).

Bei den Ruinen mit den drei rechteckigen Öffnungen, am linken Rand der Zeichnung, handelt es sich um eine parallel zum Gartenstadium verlaufende Mauer, die mittlerweile gänzlich zerstört ist. Sie konnte von Huelsen und Egger durch den Vergleich mit Lithografien eines Palatinbildbandes von 1846 sowie durch eine Zeichnung des Anonymus Fabriczy identifiziert werden.226

Bei einem Vergleich der severischen Ruinen im linken Mittelgrund mit denen in Heemskercks Zeichnung auf fol. 87 v–85 r des zweiten Berliner Albums lassen sich gewisse Ähnlichkeiten feststellen (Abb 46), wohingegen sich ein Vergleich mit den heutigen Überresten des severischen Palastes in diesem Fall kaum anbietet, da die Ruinen schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wesentlich zerstört waren.227 Luftaufnahmen vermögen dennoch einen ungefähren Zusammenhang zu vermitteln (Abb. 88–89).

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Riggs 99: „rvinarvm palatii maioris prospectvs .i.“ (Abb. 11)

Das erste als Ansicht der Ruinen des Palatins betitelte Blatt dieser Serie zeigt einen begehbaren, unterhalb des Betrachterstandpunktes befindlichen Bogengang, der sich vom unteren Bildrand bis weit in den Mittelgrund hinein erstreckt (Abb. 11). Rechts des Gangs erhebt sich auf Betrachterniveau ein schmales, von Pflanzen bekröntes Mauerfragment mit einer Bogennische, das oben von einem Gesims abgeschlossen wird. Den einzigen Halt, der die Mauer vor dem Einsturz zu bewahren scheint, bildet ein gemauerter Gewölberest, der an der Rückseite oberhalb der Nische ansetzt und von der rückwärtigen Mauerseite zu einem kaum mehr sichtbaren Bogenansatz am rechten Blattrand führt. Voller Begeisterung schreitet ein zeitgenössisch gekleideter Mann mit wehendem Umhang und von zwei Begleitern flankiert über diese für dynamische Bewegungen und große Lasten zu fragil wirkende Brücke. Wild gestikulierend scheint er den mit einem Bogen bewaffneten Jäger herbeizurufen, der am Fuße der Mauer bereits in seine Richtung läuft. Die Ruinen links der Mauer bestehen nur noch aus hintereinander gestaffelten Pfeilerstümpfen, die dem Lauf des Bogengangs folgen. Einige weisen noch Bogenansätze und Nischen auf. Zwischen Mauerrest und erstem Pfeiler sind im Hintergrund weitere Ruinensegmente zu sehen, ebenso zwischen der keilförmigen Öffnung zwischen Mauer, Gewölberest und Bogen. Links des Bogengangs ist eine Fortsetzung des Ruinenkomplexes angedeutet. Dort ragt neben einem weiteren Bogenfragment hinter einem Hügel ein rechteckiger, turmartiger Bau mit spitzbogigen Fensteröffnungen hervor. Im Hintergrund ist die Kuppe eines entfernt liegenden Berges zu sehen.

Die Darstellung lässt sich zunächst nur schwer mit konkreten Ruinen auf dem Palatin identifizieren. Denn Bogengänge – wie z.B. den gepflasterten Gang am nordöstlichen Palatinzugang, die maxentianischen Arkaden am Circus Maximus oder die Kryptoportikus der Domus Transitoria (Abb. 115–117) – und abgebrochene Bögen gibt es dort in großer Zahl. Kandler sieht die Darstellung als freie Aufnahme des Geländes, das sich vom „Belvedere“ aus gesehen nach Norden hin mit den „Ruinen der severianischen und augusteischen Palastbauten“ präsentiert.228

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Fotos zeigen jedoch, dass es sich entgegen der Identifizierung Kandlers um einen Blick durch die severischen Substruktionen von Nordwesten in Richtung Südosten handelt (Abb. 101–102). Blickt man dieser Richtung folgend durch den Bogengang, ergibt sich auf der rechten Seite des Ganges eine ähnliche Abfolge von Kragsteinen im Vordergrund und Bogenansätzen im Hintergrund wie bei der Cock-Radierung. Die Position des nach zwei Seiten hin Bogenansätze aufweisenden Pfeilers, der auf der linken Seite des Druckes das einsehbare Ende des Gangs markiert, entspricht in etwa dem Standort des Mauerpfeilers am Ende der auf den Fotos zu sehenden Bogenreihe (Abb. 97, Abb. 99, Abb. 101). Allerdings erscheint der Gang auf der Radierung im Vergleich zum Foto etwas verlängert. Bei einem Blick auf den severischen Gang von Nordosten aus, kann man auch einen Mauerrest mit bogenförmiger Nische erkennen, ein Foto von 1860 zeigt den Mauerrest noch in ähnlichem Zustand wie Cock (Abb. 98–99, Abb. 104).

Dass die bei Cock publizierte Ansicht, trotz gewisser Ähnlichkeiten mit dem realen Antlitz des wiedergegebenen Palatinareals, dennoch phantastische Züge besitzt, zeigen zwei etwas später entstandene Vergleichsbeispiele.

Eine im Jahr 1569 von Dosio und De’ Cavalieri in ihrem Stichwerk Urbis Romae aedificiorium publizierte Detailansicht, die nach einer Duperac zugeschriebenen Zeichnung angefertigt wurde, gibt ebenfalls Einblick in einen Bogengang (Abb. 58–59).229 Dieser wird, ähnlich wie bei Cock, von umherwandelnden Figuren belebt, ist aber nicht so weit einsehbar. Rechts des düster wirkenden Eingangsgewölbes erhebt sich pfeilerartig ein massiver, mit Pflanzen bewachsener Mauerrest, der verschiedene Vorsprünge, Bruchkanten und Bogenansätze aufweist. Eine lateinische Beischrift erläutert dem Betrachter die sonst kaum auf dem Palatin zu lokalisierende Ansicht.230 Die historisch-etymologischen Hinweise legen dar, dass es sich bei den hier gezeigten Ruinen um die einstmals prachtvollen und bewohnten Bauten des palatinischen Hügels handelt, die nun „Palatium maius“ genannt würden. Trotz dieser antiquarisch motivierten Informationen gelang die Identifizierung des Dargestellten lange Zeit nicht.

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Erst in Verbindung mit einer Zeichnung des Anonymus Fabriczy ergaben sich hilfreiche Aufschlüsse (Abb. 57).231 Die zwischen 1568 und 1570 entstandene Federzeichnung gibt zwar kaum einen Einblick in den severischen Bogengang, dafür aber in den für die Lokalisierung notwendigen Umgebungszusammenhang. Auf der linken Bildhälfte ist ein halb verschütteter Gewölbebogen zu sehen. Rechts davon erhebt sich dasselbe Mauerfragment, das im Ansatz auch auf dem Kupferstich Dosios erfasst ist. Am rechten Bildrand sind weitere Gebäudestrukturen wiedergegeben, die sich vor allem aufgrund ihrer charakteristischen Substruktionsbögen als Rückansicht der Maxentiusthermen erkennen lassen (Abb. 107).

Die Anonymus Fabriczy-Zeichnung beginnt auf ihrer linken Seite dort, wo der Cock-Druck auf seiner rechten endet. Doch während der anonyme niederländische Zeichner sich auf die Wiedergabe wesentlicher Details beschränkt und die Ruinensituation sehr realistisch wiedergibt, übertreibt der Künstler der Radierung die Wiedergabe der Fragmenthaftigkeit und des morbiden Charmes der Ruinen. Die große Anzahl der in, auf und über den Substruktionsbauten agierenden Figuren, die im Hintergrund kaum noch vom Pflanzenwuchs zu unterscheiden sind, verleiht der Darstellung zusätzlich einen ins Komische tendierenden Charakter.

Riggs 100: „rvinarvm palatii maioris prospectvs .z.“ (Abb. 12)

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Als dritte Ansicht folgt das zweite betitelte Blatt mit den Ruinen des Palatins (Abb. 12). Der Standpunkt des Zeichners ähnelt dem von Blatt M der ersten Ruinenserie (Abb. 8). Er ist allerdings so weit nach Nordwesten verschoben, dass im Vordergrund der linken Bildseite die große Exedra der Domus Augustana erscheint. Durch den konkav geschwungenen Verlauf der Exedra wird der Blick über die Ruinen der Maxentiusthermen und den turmartigen Aufsatz, den steilen Hügel hinabgelenkt. Durch den ungewöhnlichen Standort des Künstlers werden die markanten Arcate von den Maxentiusthermen verstellt. Aus der Erde des steil abfallenden Abhangs unterhalb der Exedra ragen Bogenreihen und allerlei antike Trümmerteile heraus. Auf einer kleinen Wiesenfläche vor dem verschütteten Teil der Exedra weiden zwei Schäfer ihre Herde. Wo sich das östliche Ende des Circus Maximus befinden müsste, ist eine unebene von Bäumen bewachsene Landschaft zu sehen. Der ehemalige Turm der Frangipanefestung, der auf Blatt M in einen größeren Gebäudekomplex integriert ist, wird hier durch ein anderes Bauwerk ersetzt. Dieses steht entweder auf den Überresten eines weiteren Hauses oder es handelt sich ebenfalls um einen Turm, der jedoch bis zum oberen Stockwerk in der Erde versunken ist. Am rechten Bildrand erhebt sich ein zweiter Hügel, auf dessen Kuppe sich ein zeitgenössischer Gebäudekomplex befindet. Aufgrund der topografischen Lage könnte es sich hierbei wieder um die Kirchen S. Saba oder S. Balbina auf dem Aventin handeln. Von dort geht der Blick nach links, wo in der dritten Bildebene weitere antike Ruinen – die Caracallathermen – zu sehen sind. Weiter hinten wird der Horizont von einer sanft geschwungenen Hügelkette definiert.

Die dynamischer gestaltete und insgesamt etwas unruhig wirkende Ansicht des Palatins ist ähnlich wie die auf Blatt L und Blatt Mder ersten Serie (Abb. 7–8), nach dem Muster niederländischer Landschaftsmalerei aufgebaut, das Van Mander 1604 im Lehrgedicht (Den Grondt der Edel vry Schilder-const) seines Schilder-boeck beschreibt.232

Die vier Bildebenen der Radierung sind hier im Gegensatz zu den Blättern der ersten Serie weniger klar voneinander getrennt. Der Blick des Betrachters kann vom Vorder- bis zum Hintergrund, die Hügel hinauf und hinunter durch die verschiedenen Bildebenen gleiten, bis er bei den Ruinen der Caracallathermen und der Hügelkette angelangt ist. Die Thermenruinen werden hier weniger kompakt wiedergegeben als auf Blatt M. Und der Übergang zwischen den eigentlich weiter auseinander liegenden Palast- und Thermenruinen ist nahezu fließend. Die Berge im Hintergrund verleihen der Komposition noch mehr Tiefe, als sie durch die perspektivisch kleiner werdenden Gebäude und die abnehmende Farbintensität bereits gegeben ist. Die Erhebungen mit antiken Ruinen einerseits und das intakte zeitgenössische Bauwerk andererseits, stehen sich wie Pendants gegenüber.

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Trotz des durchkomponierten Eindrucks ist das Panorama mit der heutigen Ansicht durchaus vergleichbar (Abb. 110). Die Maxentiusthermen und der Blick in die Landschaft stimmen in groben Zügen überein. Nur, dass dem Palatin heute im wesentlich flacheren Mittelgrund der Hochhauskomplex der Welternährungsorganisation der UNO (F.A.O.)gegenübersteht. Im Hintergrund ragen die Überreste der Caracallathemen über die Baumkronen. Die Gipfel der Albaner Berge sind allerdings nicht zu sehen.

Vier Zeichnungen der Berliner Heemskerck-Alben zeigen ebenfalls Ansichten der Exedra. Bei dreien handelt es sich um eigenhändige Federzeichnungen Heemskercks, eine lavierte Federzeichnung stammt vom Anonymus Mantovanus A (Abb. 35, Abb. 37–38, Abb. 50).233

Die Heemskerck-Zeichnung auf fol. 20 r in Heemskerck Album I zeigt nahezu denselben Ausschnitt der Palatinruinen wie der Cock-Druck (Abb. 35, Abb. 12). Quasi im Dreiviertelprofil werden die markantesten Teile der kaiserlichen Paläste von einem Standpunkt weiter südlich porträtiert. Links beginnend mit der großen Exedra der Domus Augustana, gefolgt von der Südfassade des Gartenstadiums und den maxentianischen Thermenresten, wird der Blick bis zu den Substruktionsarkaden an der Südostspitze des Palatins gelenkt. Im Vordergrund stehen zwei schemenhaft skizzierte Figuren in einer Senke zwischen zwei Erdhügeln. Weiter oben im Hang befindet sich ein ähnliches schemenhaftes Figurenpaar vor der Exedra.

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Während die Darstellung in der Cock’schen Serie einen landschaftlichen Panoramablick in die Umgebung bietet, steht bei der Heemskerck-Zeichnung die Wiedergabe der Monumente im Vordergrund. Der Betrachterblick wird hier nicht ins Tal hinab-, sondern zu den Palastruinen hinaufgelenkt, wodurch die Ruinen wesentlich mächtiger erscheinen. Während man beim Druck durch die kleinteilige Darstellung Mühe hat, Ruine und Landschaft klar voneinander zu unterscheiden, sind in der Zeichnung Heemskercks die Ruinen durch starke Schattierungen kräftiger herausgearbeitet. Die Erdhügel werden im Vergleich dazu wesentlich zarter konturiert.

Die Exedra befindet sich im selben Verfallszustand wie in der Cock’schen Ansicht. Weitere Vergleiche mit der Zeichnung Pseudo-Cronacas und mit verschiedenen Ansichten Duperacs zeigen, dass die Exedra im Verlauf des 16. Jahrhunderts einem starken Verfallsprozess ausgesetzt gewesen ist (Abb. 33, Abb. 62, Abb. 67, Abb. 69). Dass es jedoch nicht immer ganz leicht ist, anhand des im Detail oft ungenauen Vergleichsmaterials auf den tatsächlichen Verfallsgrad der Monumente zu schließen, zeigt sich bei genauerer Betrachtung. Die Ansicht bei Pseudo-Cronaca gibt im rechten Teil der Exedra keine der rechteckigen Öffnungen wieder, dafür im linken Teil aber zwei bogenförmige Öffnungen (Abb. 33). Heemskerck dokumentiert in seiner Nahansicht rechts zwei, links eine rechteckige Öffnung (Abb. 35). In den flüchtigeren Panoramaansichten sind rechts der großen Bogenöffnung eine, beziehungsweise zwei, kleinere Öffnungen angedeutet (Abb. 37–38). Der Anonymus Mantovanus A zeigt rechts zwei und links sogar vier rechteckige Öffnungen (Abb 50). Duperac gibt auf Tafel 8 seiner Serie von 1575 nur noch den großen Mittelbogen mit zwei rechteckigen Öffnungen rechts davon wieder, während die linke Mauer ganz fehlt (Abb.67).234 In Duperacs Gesamtansicht auf Tafel 11 sind dagegen nur noch die beiden rechteckigen Öffnungen zu sehen, an die sich zwei aus dem Boden ragende Bögen anschließen (Abb. 69).235 Da heutzutage vom oberen Teil der Exedra gar nichts mehr vorhanden ist, lässt sich der tatsächliche Verfallsgrad im 16. Jahrhundert nicht mehr exakt überprüfen (Abb. 103, Abb. 109).

Was für den mitunter schwer zu bestimmenden Verfallsgrad gilt, trifft häufig auch für das Verschüttungsniveau der Ruinen zu. Schriftdokumente, die über konkrete Ausgrabungstätigkeiten der auf dem Palatin ansässigen Familien berichten, sind äußerst rar.236 Werner konnte einige dieser Schriftstücke ausfindig machen und bisher unbekannte Grabungen am Süd- und Osthang des Palatins nachweisen, die dort von den Brüdern Sicinio und Papirio Capizucchi zwischen 1564 und 1565 durchgeführt wurden. Der Versuch Werners, diese Schriftdokumente mit dem überlieferten Bildmaterial aus dem 16. Jahrhundert zu illustrieren, ist allerdings nicht in allen Punkten überzeugend. Werner zieht Heemskercks Ansicht der Maxentiusthermen heran, um zu zeigen, dass diese um 1537 noch sehr stark von Erdanschüttungen bedeckt gewesen seien (Abb. 36). Die zwischen 1568 und 1570 entstandene Rückansicht der Thermen des Anonymus Fabriczy und die 1569 in Dosios Stichwerk aufgenommene Zeichnung aus dem Umfeld Duperacs sollen dagegen die ab 1564 durchgeführten Ausgrabungen bildlich dokumentieren (Abb. 57–59). Vergleicht man aber die Zeichnungen Heemskercks untereinander fallen hier bereits verschiedene Verschüttungsniveaus auf (Abb. 35–36). Und die bei Cock schon vor den Ausgrabungen publizierten Ansichten der Maxentiusthermen und des severischen Bogengangs zeigen ein wesentlich geringeres Erdniveau als die Ansicht der Thermen von Heemskerck auf fol. 20 r, beziehungsweise ein ähnliches Niveau wie fol. 40 r (Abb. 7–8, Abb. 11–12, Abb. 19, Abb. 35–36). Der Blick in den Bogengang erscheint dagegen in der Zeichnung des Anonymus Fabriczy weniger offen als bei Cock und Dosio (Abb. 11, Abb. 57–59). Die Veränderungen des Erdniveaus sind anhand der überlieferten Ansichten also nicht eindeutig zu belegen.

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Was die Ausgrabungen auf der Südseite des Palatins betrifft, die die Capizucchis in Höhe der Exedra des Gartenstadiums vorgenommen haben (Abb. 95), so kann man beim Vergleich einer Zeichnung des Anonymus Mantovanus A und Tafel 10 der Vestigi dell’ antichità di Roma von Duperac durchaus Erdbewegungen feststellen (Abb. 47, Abb. 66).237 Der Eindruck größerer Erdbewegungen entsteht vor allem durch die unterschiedliche Art, wie der Anonymus Mantovanus A und Duperac die Erdaufschüttungen darstellen. In der Zeichnung des Anonymus Mantovanus A wölben sich scheinbar unberührte Erdhügel um die Ruinen, deren Höhe dem Lauf des Abhangs folgend, nach links abnimmt. In der Radierung Duperacs bricht dagegen das Erdreich vor den Ruinen schroff nach unten ab, als hätte es eine Erdrutsch gegeben oder jemand hätte den Spaten angesetzt. Die Scheitelhöhe der Bögen neben der Exedra bleibt auf gleichem Niveau und verstärkt dadurch den Eindruck, dass die Ruinen hier höher wären als in der Zeichnung.

Der Vergleich, der bei Duperac mit „a“ und „b“ markierten Bereiche mit den entsprechenden Abschnitten auf der Zeichnung zeigt, dass alle Bauteile, die sich beim Anonymus A von der Exedra bis zum linken Blattrand erstrecken, dieselbe Art und Anzahl von Bögen, Nischen und Maueröffnungen aufweisen, wie die bei Duperac.238 Der mit „d“ versehene Bogen der Aqua Claudia ist wegen des näher an der Exedra gelegenen Standpunkts beziehungsweise aufgrund des gewählten Bildausschnitts auf der Zeichnung nicht zu sehen. Allerdings kann es sich bei dem Bogen auch nicht um ein Ausgrabungsergebnis von 1564/65 handeln, da auch Cock die Bögen der Aqua Claudia bereits auf Blatt K der ersten Serie (Abb. 6) zeigt.

Im Bereich vor dem mit „c“ markierten Ort „doue erono scale per montare in detta casa ò uero Palazzo“ gibt es zwei höhlenartige Öffnungen im Erdreich, die auf der Zeichnung ebenfalls nicht zu finden sind. Und – was Werner nicht erwähnt – Duperac verweist in der Beischrift selbst auf erst kürzlich durchgeführte Ausgrabungen „nel quale non molti giorni sono si cauorono“, die einige schöne Fundstücke zutage gebracht hätten. Doch auch wenn die Beischrift von Duperac auf die „bellissimi fragmenti di marmo che ornavano la facciata di detta scala” hinweist, ist Werners Deutung der im Bildvordergrund liegenden Säulen, Kapitelle und Gebälkfragmente als konkrete Fundstücke der Capizucchi-Grabungen nicht zwingend.239 Bereits seit den frühen Ruinendarstellungen in Cristoforo Bundelmontes Liber insularum archipelagi (um 1420) und der Hypnerotomachia Poliphili von Francesco Colonna (1499) gehört es zum festen Bestandteil der Ruinenikonografie umherliegende Architekturfragmente mit abzubilden (Abb. 78–79).240

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Riggs 104: „Ruinarum Palatini montis effigies“ (Abb. 13)

Die Titelaufschrift verkündet das Abbild der Ruinen auf dem Palatin (Abb. 13). In der Bildmitte türmt sich eine dreigeschossige Ruinenpyramide auf, durch deren zahlreiche Bogenöffnungen ein Einblick ins Innere gewährt wird. An dem runden Turmaufsatz mit den rechteckigen Öffnungen kann man erkennen, dass es sich hier um eine Frontalansicht der Maxentiusthermen handelt. Am rechten Bildrand ist noch der Ansatz der Arcate zu erkennen. Links schlängelt sich ein Weg an den Ruinen vorbei, der durch einen Torbogen hindurchführt. „Während die Darstellung der Ruine im Vordergrund mit einiger Genauigkeit erfolgt, wird der Hinter grund völlig frei gestaltet.“ 241 Dort erhebt sich schemenhaft ein mit Laubbäumen bewachsener Hügel, auf dem eine nordalpin anmutende Kirche mit ihrem in die Höhe gezogenem Zeltdach zu erkennen ist. Dahinter markieren weitere Hügel die Grenze zwischen Himmel und Erde.

Am linken unteren Bildrand gehen Breughelsche Bauern mit Kind ihre schweren Lasten in Richtung Torbogen tragend. In der Mitte des Weges sind zwei Landsknechte mit übertrieben langen Pluderhosen in Handgreiflichkeiten verwickelt. Weiter rechts sitzen drei männliche Rückenfiguren, beschützt von einem aufmerksam wachenden Hund, gemütlich auf den herumliegenden Architekturfragmenten oder Felsbrocken. Ganz rechts laufen zwei Männer um die hervorspringenden Thermen herum. Jeder hält das Ende eines sich waagerecht zwischen ihnen befinden Stockes. Möglicherweise handelt es sich hier um Antiquare oder Ausgräber, die die Ruinen vermessen.

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Da Ansichten der Ruinen auf der Südwestseite im 16. Jahrhundert den größten Teil der Bilddokumente zum Palatin bilden, ist ausreichendes Vergleichsmaterial für die Ansicht Cocks vorhanden (Abb. 7–8, Abb. 12–13, Abb. 19, Abb. 27–30, Abb. 33, Abb. 35–39, Abb. 43–44, Abb. 46, Abb. 50–51, Abb. 52–56). Der Vergleich mit den Bilddokumenten und heutigen Fotos zeigt, dass die bei Cock publizierte Radierung nur einen Ausschnitt des südlichen Teils der Ruinen wiedergibt, ohne die Fortsetzung der weiter westlich gelegenen Domus Augustana anzudeuten (Abb. 103–106). Auch im Hintergrund setzen sich die Ruinen der Kaiserpaläste nicht fort. Der Durchgang links der Thermen, der eigentlich ins Gartenstadium hineinführen müsste, wird hier zum Ausgang in die dahinter liegende Berglandschaft.

Dass der Weg kein gänzlich frei erfundener Zusatz ist, zeigen die Ansichten Pseudo-Cronacas und Duperacs, die beide eine Art Weg oder Rampe wiedergeben, die den severisch-maxentianischen Teil der Paläste von den domitianischen trennen. Bei Pseudo-Cronaca trennt eine steile, kurvenlose Rampe die Bauten. Der Eingang in das Gartenstadium ist hier wegen des südlicheren Standpunkts verdeckt. Duperac zeigt auf Tafel 9 und Tafel 11 seiner Serie einen von rechts unten nach links oben verlaufenden Weg, wobei die Höhe des zu überwindenden Hügels sehr stark variiert. Auch die Höhendifferenz zwischen Thermen und Arcate unterscheidet sich auf den beiden Radierungen beträchtlich.

Aufschlussreich sind auch die Beschriftungen auf Tafel 9, da sie Auskunft darüber geben, was in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts über die Ruinen des Palatins bekannt war.242 Anders als die Titel der Cock-Radierungen, benennt Duperac einzelne Gebäudekomplexe genauer. Die mit „a“ markierten Thermen und Substruktionsbauten aus dem dritten und vierten Jahrhundert werden als „parte della casa d’Augusto“ identifiziert. Buchstabe „b“ verweist auf die „l’estremita del muro della lunghezza del Atrio d’Augusto” und die Bezeichnung der Ruinen als „Palazzo maiore“ setzt er als volkssprachliche Wortschöpfung herab. Duperac, der 1574 einen rekonstruierten Stadtplan des antiken Roms für den Verlag von Antoine Lafréry gestochen hat, konnte für seine im Vergleich zur Palatinbezeichnung des „uulgo“ detaillierteren Monumentidentifizierungen auf die Rompläne von Bartolomeo Marliano (1544), Leonardo Bufalini (1551),Pirro Ligorio (1552, 1553 und 1561) sowie Onofrio Panvinio (1565) zurückgreifen (Abb. 25–32).243 Der zweite Romplan Ligorios von 1553 registriert auf dem Palatin alle Monumentnamen, deren ungefähre Lokalisierung in dieser Region ihm durch die Lektüre antiker Autoren, durch die Kenntnis der spätantiken Regionenbeschreibungen sowie eigene Ausgrabungen geläufig sein konnten. Ergänzend zur rein schriftlichen Verortung werden die Ruinen auf der Südseite des Palatins in ihren wesentlichen Grundzügen angedeutet, was für die Darstellung des Palatins in Romplänen ein Novum ist. Zwar verzeichnen auch die bereits einige Jahre zuvor von Marco Fabio Calvo 1527 publizierten Pläne einige Monumentnamen, jedoch nicht in dieser Fülle.244 Bufalini gibt in seinem etwas realitätsnaheren Stadtplan rekonstruierte Grundrisse der Bauten auf dem Palatin wieder. Doch auch diese wirken sehr schematisiert und haben kaum etwas mit dem tatsächlich noch vorhandenen Bestand zu tun. Ligorios dritter Romplan von 1561 verknüpft die Monumentlokalisierungen mit Rekonstruktionsversuchen der Bauten. Die große Exedra der Domus Augustana bezeichnet er dabei wohl aufgrund ihres konkaven Grundrisses als „Theatrum Augusti“ und das Gartenstadium als „Atrium A u gusti“. Die Identifizierungen Ligorios wurden später in dem optisch etwas veränderten Romplan Duperacs größtenteils übernommen, teilweise aber auch durch diejenigen Panvinios ersetzt. So geht zum Beispiel die Bezeichnung der tiberianischen Exedra als „Theat(rum) Tauri” bei Duperac auf den Panvinios Plan von 1565 zurück.245

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In der von Cock publizierten Radierung mit dem Titel „Ruinarum Palatini montis effigies“ kommt der Kenntnisstand der genannten Künstler und Autoren allerdings nicht zum Ausdruck.

Riggs 105: „Palatii maioris ruine“ (Abb. 14)

Die fünfte Ansicht des Palatins innerhalb der zweiten Ruinenserie Cocks zeigt im Vergleich zu den meisten bisher besprochenen Darstellungen ein filigraner wirkendes Ruinenensemble (Abb. 14). Dieses besteht im Mittelgrund aus einem noch intakten großen Rundbogen mit dahinter befindlichen Mauer- und Nischenresten. An dessen rechte Seite sich ein vermutlich zeitgenössisches Gebäude mit quadratischem Fenster und niedrigen Begrenzungsmauern anschließt. Durch einen kleinen Bogen auf der linken Seite ist zu erkennen, dass sich der Ruinenkomplex auch im Hintergrund noch weiter fortsetzt. Der Bogen verbindet die rechte Seite der Ruinen mit einem zweiten großen Ruinenkomplex. Dort ist am oberen Ende eines Mauerpfeilers noch der Ansatz eines bereits zerstörten Rundbogens zu erkennen. Links davon wird der Blick in den Hintergrund von einer etwas zurückversetzten Mauer mit einem unregelmäßigen Durchbruch verstellt. Etwas weiter in den Vordergrund gerückt, ist linkerhand eine zweizonige Ruine wiedergegeben, die in der unteren Hälfte eine lang gestreckte Rundbogennische und im oberen Part zwei kleinere Nischen aufweist. An deren rechter Mauerseite ist ein weiterer Bogenansatz zu erkennen. Durch einen Lücke zwischen diesem Teil der antiken Ruinen und denen am äußersten linken Bildrand ist ein zeitgenössisches Bauwerk mit Satteldach und rechteckigen Fensteröffnungen zu sehen. Im Bildvordergrund, wo sich mittig vier Staffagefiguren mit Hunden aufhalten, ragen rechts weitere Bögen und Pfeiler aus dem Erdreich.

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Entgegen der Beschriftung handelt es sich bei dieser Darstellung nicht um die Monumente auf dem Palatin. Ein Vergleich mit den Ruinen auf Tafel 17 und Tafel 18 der Vestigi dell’ antichità di Roma von Duperac zeigt, dass es sich hier um eine Ansicht der Trajansthermen handelt, die auf dem Esquilin über dem Gelände der Domus Aurea, nordwestlich der älteren Titusthermen erbaut wurden, und die im linken Bildrand von Tafel 17 an die Kirche S. Pietro in Vincoli angrenzen (Abb. 72–73).246 Während Duperac auf den beiden kompositorisch zusammengehörigen Radierungen zusätzlich eine Ansicht der benachbarten Titusthermen wiedergibt, zeigt die Radierung aus dem Verlag Cocks nur die Ruinen der Trajansthermen. Der hier gewählte Ausschnitt reicht bei Duperac von Tafel 17 bis zum linken Rand von Tafel 18.

Weitere Unterschiede sind nicht nur in der bei Cock fehlenden Kirche S. Pietro in Vincoli links der Thermenruinen festzustellen. Der große rechte Rundbogen fehlt bei Duperac, der stattdessen einen mächtigen Mauerpfeiler wiedergibt, der Bogen- oder Gewölbeansätze in mehrere Richtungen aufweist. Zwischen dem Entstehen der Cock-Radierung und der Publikation Duperacs lagen mindestens 15 Jahre, während denen der Bogen vermutlich eingestürzt ist. Was bei der Cock-Radierung am rechten Bildrand wie eine zeitgenössische Mauer wirkt, die bis an den linken Pfeiler des großen Rundbogens herangeführt wird, gehört bei Duperac zu den aus dem Erdreich ragenden antiken Bauteilen auf Tafel 18. Sie werden von Duperac rechts an der Stelle vorbeigeführt, an der sich beim Cock-Druck ein Bogen befindet. Während die Ruinen im Bildvordergrund auf Duperacs Tafel 17 als Mauer mit rechteckigen Öffnungen erscheint, ist deren Gestaltung in der Radierung der Brüder Duetecum als einzeln aus der Erde ragende Pfeiler unbestimmter. Das gilt auch für den Teil der Ruinen, der sich links des kleinen Verbindungsbogens befindet. Während bei Duperac die einzelnen Bauteile klar voneinander abgegrenzt sind und deren räumliche Lage zueinander ersichtlich wird, erscheint deren Wiedergabe in der Radierung unpräziser. Auch die perspektivische Anordnung der Ruinen zueinander erscheint in der von Cock herausgegebenen Radierung flacher.

3.4.3  Die Palatinruinen in Operum antiquorum Romanorum (1562)

Riggs 117: [o. T.] (Abb. 17)

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Die nicht betitelte Ansicht auf Tafel 10 des dritten Wolfenbütteler Klebebandes zeigt eine Ansicht der Nordwestseite des Palatins vom Forum Romanum aus gesehen (Abb. 17). In der linken Bildhälfte fällt der Blick zunächst auf die drei Säulen der Ruine des Castor- und Polluxtempels und die dahinter gelegenen Überreste des Templum Divi Augusti. Links dieser beiden Ruinen befinden sich zwei kleinere Bauten, bei denen es sich aufgrund der direkten Lage am Templum Divi Augusti um die Überreste von S. Maria Antiqua oder um die ebenfalls dort errichtete Kirche S. Maria Liberatrice handeln müsste. Ein Vergleich mit der aktuellen Situation zeigt jedoch, dass die Gebäude keinerlei Ähnlichkeiten mit den Kirchen vor Ort aufweisen (Abb. 113). Wo im Hintergrund eigentlich die Substruktionen der Domus Tiberiana zu sehen sein müssten, erhebt sich auf einem sonst unbebauten Hügel ein schematisch wirkender Gebäudekomplex. Im rechten Bildhintergrund ist die Kirche S. Giorgio in Velabro angedeutet, deren Campanile bei Cock richtigerweise zwei über das Dach ragende Geschosse mit drei Bogenöffnungen je Seite aufweist (Abb. 118). Im Bildvordergrund, wo eine Jagdgesellschaft mit Hunden agiert als befände sie sich im Wald, liegt eine umgestürzte Säule auf einem Gebälkfragment. Das dazugehörige Kapitell befindet sich am Fuß der Säule neben der Basis. Die Fragmente entsprechen der Wiedergabe der nicht kannelierten Säulen und korinthischen Kapitelle an der Ruine des Castor- und Pollxutempels. Ein Vergleich der Tempelruine auf Blatt H der Serie von 1551 zeigt, dass unterschiedliche Bildvorlagen in Cocks Verlagshaus Aux Quatre Vents existierten, da dort ein wesentlich zerstörteres Gebälk wiedergegeben ist (Abb. 4).

Tafel 7 der Serie Duperacs zeigt, wie durch die beigefügte Aufschrift kenntlich wird, gleichfalls eine Ansicht des Palatins vom Forum Romanum aus (Abb. 65). 247 Die Ruinen des hier als „Tempio di Gioue statore“ identifizierten Castor- und Polluxtempels werden von einem etwas weiter westlich gelegenen Standpunkt aus gezeigt. Die Säulen sind, ebenso wie auf einer Zeichnung Heemskercks, aber im Gegensatz zur Cock-Radierung, bei Duperac mit Kanneluren versehen (Abb. 17, Abb. 40, Abb. 65).248 Die Blattkränze der Kapitelle sind nicht mehr vollständig erhalten und auch der Aufriss des Gebälks entspricht der Heemskerck-Zeichnung und dem realen Befund (Abb. 113–114). Die in zwei Geschossen übereinander liegenden Bögen und Nischen des als „Curia“ bezeichneten Templum Divi A u gusti werden weniger genau wiedergegeben. Die verschiedenartige Höhe der Scheitelpunkte wird in beiden Drucken nivelliert. Die Radierung der Cock’schen Serie zeigt im Gegensatz zu Duperac vier Achsen. Im Hintergrund präsentiert Duperac die drei obersten Bogenreihe der nördlichen sowie den ersten, hier vergatterten Bogen der westlichen Substruktionsbauten der Domus Tiberiana. Ferner lokalisiert er beim Buchstaben „b“ die „Casa di Cicerone“.Anstelle der zusammenhangslos ins Bild gefügten Jagdgesellschaft bei Cock, belebt Duperac seine Ansicht durch Kuh- und Schafsherden, die in den Ruinen eingepfercht oder von Hirten daran vorbeigeführt werden. Dadurch setzt Duperac den in der Beischrift erläuterten zeitgenössischen Namen – „Canpo Vacchina“ – des als Viehmarktgenutzten Ortes– „per esser doue si uende deto bestimo“ – geschickt in Szene.

Riggs 120: „palato maiori“ (Abb. 18)

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Eine der beiden betitelten Ansichten der dritten Ruinenserie soll laut Aufschrift den „palato maiori“ wiedergeben (Abb. 18). Der Ruinenkomplex auf der rechten Bildhälfte zeigt zwei große Bögen mit drei rechteckigen Pfeileransätzen. Weiter links folgt ein kleinerer, leicht zurückversetzter Bogen aus dem eine Staffagefigur den Personen im Bildvordergrund zuzuwinken scheint. Links davon ragt ein mächtiger Pfeiler mit kassettiertem Gewölbeansatz in die Höhe. In den rechten Außenbogen ist ein kleinerer Bogen eingeschrieben, durch den im Hintergrund ein Gebälk auf zwei Säulen zu sehen ist. Da der rechte Pfeiler des kleinen Bogens an der Vorderseite ansetzt, während der linke Pfeiler oder Mauerrest weiter in den Hintergrund versetzt wird, ist die Positionierung zum großen Bogen unklar. Durch den angrenzenden Bogen mit der Nische ist die massive Mauer eines weiteren Bauwerks zu erkennen, dessen Gesims ein Bukranionfrieß ziert.

Im linken Bildhintergrund erhebt sich, über drei mit den Scheiteln aus der Erde ragenden Bögen, der schmale Rest einer Arkade. Diese besteht aus einem gestreckten Rundbogen, der links von einem Pfeiler und rechts von einer etwas höher gezogenen Säule gestützt wird. Dahinter ist eine weitere Säule vor einer Ädikula mit angrenzendem Mauerwerk zu sehen. Etwas weiter rechts fällt ein zur Seite gestürztes doppelbogiges Fragment auf.

Die hier gezeigten Ruinenkomplexe sind weder auf Palatinansichten in Zeichnungen und Drucken, noch auf aktuellen Fotografien der kaiserlichen Palastruinen zu finden. Da es sich nicht um die erste falsch betitelte Ansicht der drei von Cock publizierten Serien handelt, liegt die Vermutung nahe, dass es sich auch in diesem Fall um die Ruinen eines anderen Monuments handelt, das möglicherweise sogar außerhalb Italiens zu finden ist. Immerhin verweist der Serientitel auf die „Überreste und Ruinen der Werke der alten Römer“, wie sie „weit und breit in verschiedenen Gegenden Europas erbaut“ worden sind (Abb. 16).249 Da bisher jedoch noch kein entsprechendes antikes Bauwerk mit der gezeigten Ansicht identifiziert werden konnte, stellt sich die Frage, ob die dargestellten Baufragmente reine Phantasieprodukte sind, oder ob tatsächlich existierende Ruinensegmente versatzstückartig neu zusammengestellt wurden. Für die Beantwortung dieser Frage ist ein Vergleich mit Tafel 42 der 1569 publizierten Kupferstichserie von Dosio und De’ Cavalieri aufschlussreich (Abb. 75).250 Deren Aufschrift informiert den lateinkundigen Betrachter darüber, dass der Stich einen Teil im Innern der Caracallathermen zeigt (Abb. 119–120). Abgesehen von der massiven, beinahe felsartigen Ruine im rechten Vordergrund sind zwei große Bögen zu erkennen, durch die der Blick in den Hintergrund möglich ist. Von ehemals darüber gespannten Bögen zeugen nur noch die rechteckigen Pfeilerstümpfe, die gen Himmel ragen. Von einem dritten großen Bogen ist links nur noch der Pfeiler stehen geblieben. Hinter dieser ersten Arkade befindet sich eine weitere Bogenreihe, die sich aus einem hohen Mittelbogen und zwei niedrigeren flankierenden Bögen zusammensetzt. Die Mauer im Hintergrund des Mittelbogens weist regelmäßige Fensteröffnungen auf. Diese scheinen sich im linken Teil bis zu dem hoch aufragenden Pfeiler fortzusetzen.

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Während es sich bei den Hintergrundruinen der Cock-Radierung augenscheinlich um freie Zusätze handelt, offenbaren sowohl die Abfolge großer und kleiner Bögen als auch die rechteckigen Pfeilerstümpfe auffallende Ähnlichkeiten zur Thermenansicht des Dosio-Stichs. Allerdings ist die räumliche Lage der einzelnen Bauglieder zueinander auf der Radierung missverständlich wiedergegeben.

Eine Nische im Bogendurchgang, die bei Dosio nicht zu sehen, ist lässt sich sowohl auf einer fälschlicherweise als „Thermaru(m) Diocletiani ruine“ betitelten Ansicht der Caracallathermen in der zweiten Ruinenserie Hieronymus Cocks (Riggs 106) finden, als auch auf Tafel 21 der Serie von Duperac, wo eine nahezu identische Ruine wie bei Cock mit etwas vergrößertem Bildausschnitt wiedergegeben wird (Abb. 15, Abb. 74).251

Im Gegensatz zu den Ruinen auf der rechten Bildhälfte der vermeintlichen Ansicht des „palato maiori“, die offensichtlich auf Abbildungen der Caracallathermen zurückgehen, konnten die Fragmente der linken Bildhälfte nicht mit noch vorhandenen oder in Zeichnungen und Drucken dokumentierten Monumenten in Verbindung gebracht werden.

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Riggs 129: [o. T.] (Abb. 19)

Die letzte Radierung aus dem Bereich der Palatindarstellungen zeigt eine von Nordwesten aus festgehaltene Seitenansicht der Maxentiusthermen (Abb. 19). Diese sind leicht an ihrem charakteristischen Turmaufsatz zu erkennen, der dem etwas höher aufragenden Gemäuer vorgelagert ist. Kandler bewertet die Ansicht als überwiegendes Phantasieprodukt:

„Rechts ein Teil des ‘Turm des Theoderich’ mit Blick gegen die dahinter liegenden Reste der Thermen, deren Reste allerdings wieder mehr der Phantasie entsprungen zu sein scheinen. Ein so großer Ruinenkomplex ist nämlich sonst auf keiner Darstellung zu sehen… Die Ruinen links dienen als Hintergrundsfolie, vor welchem der Weg, der aus dem Tal des Circus heraufführt und hier abbiegt, nach Süden streicht.“

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Kandlers Einschätzung der Thermenansicht als „mehr der Phantasie entsprungen“ kann nicht nachvollzogen werden, da es sich hier, besonders was das Größenverhältnis des so genannten „Turm des Theoderich“ zu den dahinter liegenden Baufragmentenbetrifft, um eine relativ genaue Ansicht handelt (Abb. 87, Abb. 103–108, Abb. 110). Und bis auf die Zeichnung Heemskercks auf fol. 40 r des ersten Berliner Albums (Abb. 36) und Blatt M (Abb. 8) der Cock’schen Ruinenserie von 1551 zeigen ausnahmslos alle Bilddokumente und Fotografien, dass die Thermenreste den Turm deutlich überragen (Abb. 33, Abb. 35, Abb. 50, Abb. 53–54, Abb. 62, Abb. 68–69).

Der stark frequentierte Weg, der auf Tafel 9 b (Riggs 104) des zweiten Wolfenbütteler Klebebands um die Vorderseite der Thermen herum und durch einen Torbogen in die Landschaft geführt wurde (Abb. 13), wird hier als Gestaltungselement wieder aufgegriffen. Diesmal verläuft er zwischen den Überresten der Thermen und den Ruinen am linken Bildrand. Der weit hinter die Thermenanlagen versetzte Torbogen markiert dabei nicht die Grenze zur Natur, sondern den Zugang in eine nicht einsehbare Ruinenlandschaft. Bei den Ruinen, die den linken Wegrand säumen, handelt es sich um freie Ergänzungen, die eine massivere Baustruktur suggerieren, als an dieser Stelle tatsächlich vorzufinden war und ist (Abb. 88). Lediglich die Kassettierungen der übereinander liegenden Gewölbe am linken Bildrand vermitteln einen entfernten Anklang an die kassettierten Gewölbe und Nischen der Südwestfassade der Domus Augustana, wie sie von Pseudo-Cronaca, Heemskerck, Duperac und dem Anonymus Cantabrigensis253 wiedergegeben werden (Abb. 33, Abb. 35, Abb. 52, Abb. 67). Es scheint als ob die Fassade der Domus Augustana in der Cock-Radierung von ihrem Platz westlich der Thermen um einige Meter nach Nordosten hinter die Thermen verschoben wurde.

3.4.4 Zusammenfassende Einschätzung der Palatindarstellungen

Glaubt man den einzelnen Bildtiteln der drei bei Cock verlegten Serien, dann sind auf insgesamt neun Blättern Ansichten der Palatinruinen wiedergegeben. Dazu kommen drei weitere Blätter, auf denen Palatinruinen dargestellt sind, ohne dass dies jedoch im Titel erwähnt wird (Riggs 98, Riggs 117 und Riggs 129). Drei der betitelten Drucke zeigen die kaiserlichen Palastruinen in sehr untergeordneter Bildplatzierung (Riggs 11), beziehungsweise in schwer identifizierbaren Ansichten (Riggs 11, Riggs 12, Riggs 99). Zwei der Blätter, die laut Bildtitel eigentlich Ruinen auf dem Palatin wiedergeben müssten, zeigen stattdessen die Trajansthermen über Neros Domus Aurea (Riggs 105) oder aber Teile der Caracallathermen gemeinsam mit nicht identifizierbaren Ruinen (Riggs 120).

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Das heißt also, dass nur bei sieben der insgesamt zwölf Drucke, welche die Palatinruinen zeigen oder behaupten dies zu tun, Titel und Darstellung übereinstimmen. Wobei zwei dieser sieben Ansichten schwer zu identifizieren sind (Riggs 11 und Riggs 99). Und bei einer, über den topografischen Zusammenhang zum Septizonium, auf den ersten Blick leicht zu verortenden Ansicht, ist die Identifizierung konkreter Palastfragmente auf den zweiten Blick fragwürdig (Riggs 12).

Keine der drei Ruinenserien Cocks bietet eine Gesamtansicht, die den Palatin vom Aventin, vom Forum Romanum oder vom Circustal aus zeigen und dadurch einen komplexeren Eindruck der Baustruktur vermitteln könnten. Die Radierungen geben meist nur ausschnitthafte Ansichten wieder, die vom Palatin oder vom Kolosseum aus gezeichnet wurden.

Die Ansichten weisen unterschiedlich komplexe Kompositionsschemata auf, die von fast zweidimensional aneinander gereihten Ruinen oder Versatzstücken (Riggs 12, Riggs 105, Riggs 120) bis hin zu mehrschichtigen Ausblicken in die Umgebung reichen können (Riggs 13–14, Riggs 98, Riggs 100).

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Präzision und Detailtreue der Monumentwiedergaben können innerhalb der Serien stark variieren. Die divergierende Wiedergabe des Septizoniums auf drei Blättern der ersten Serie verweist auf verschiedene Vorlagen (Riggs, 12–13, Riggs 17).

Im Gegensatz zu den zeitgenössischen Stadtplänen und den etwas später von Dosio (1569) und Duperac (1575) gestochenen Ruinenserien sind die schriftlichen Informationen über die gezeigten Monumente auf den Blättern von Cock äußerst knapp gehalten. Sie gehen über eine eher umgangssprachliche Bezeichnung des Dargestellten nicht hinaus. Dosio, der nur eine einzige Detailansicht der Palatinruinen zeigt, versucht dagegen mit einer kurzen Erläuterung dem Betrachter namenskundliche und historische Informationen zu vermitteln. Duperac liefert die ausführlichsten Anmerkungen, die über die antike oder aktuelle Monumentgeschichte und über dessen ehemaliges Erscheinungsbild informieren. Zusätzlich markiert er die in der Bildunterschrift genannten Monumentbestandteile durch Buchstaben im Bild.

Der Einsatz von Staffagefiguren nimmt auf den Palatinansichten des Cock-Verlags bei der zweiten und dritten Serie im Vergleich zur ersten Serie merklich zu. Dadurch wird ein antiquarischer Anspruch, der durch die Aufschriften auf den Titelblättern der ersten und dritten Serie vermutet werden könnte, im Vergleich zur künstlerisch ansprechenden Umsetzung weiter zurückgedrängt.

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Im Gegensatz zu den wesentlich heterogeneren Vorlagen, der bei Cock publizierten Reproduktionsgrafiken nach italienischen Künstlern, scheinen die Quellen, nach denen die Ruinenserien erstellt wurden insgesamt homogener zu sein. Die eingeschränkte Auswahl an Palatinansichten, die weder die Ruinen auf dem Südwest- und Westhang, noch eine Ansicht der Gartenstadiumsexedra zeigen, bestätigt diesen Eindruck. Dass Cock die Ruinen selbst in Rom gezeichnet hat, erscheint angesichts des geringen Kenntnisstands über die zeitgenössischen Bezeichnung und das Aussehen der einzelnen Ruinen auf dem Palatin allerdings als unwahrscheinlich.

Als wesentliche Quellen für die Ruinenveduten können die Zeichnungen Maarten van Heemskercks und des Anonymus Mantovanus A gelten, die nicht nur hinsichtlich der Palatindarstellungen die größte Bandbreite an Vergleichsansichten bieten (Abb. 35–51).

Welches Quellenmaterial darüber hinaus eine Rolle gespielt hat, konnte auch nach der eingehenden Analyse der Palatindarstellungen nicht geklärt werden. Angesichts der divergierenden Wiedergaben des Septizoniums innerhalb der ersten Serie und den starken Schwankungen bei der Präzision der Monumentansichten in allen drei Serien sind jedoch Vorlagen weiterer Künstler anzunehmen.255


Fußnoten und Endnoten

145  Für umfangreiche Bibliografien zur Geschichte des Palatins vgl. die Artikel zu Palatium/ Palatinus Mons, in: Eva Margareta Steinby (Hg.): LTUR, Bd. 4, Rom 1999, S. 12–40. Aktuelle Ergänzungen dazu finden sich in Cecamore, Claudia: Palatium. Topografia storica del Palatino tra 3. sec. a.C. e 1. sec. d.C. (Bullettino della Commissione Archeologia Comunale di Roma, Supplementi 9), Rom 2002 und Adolf Hoffmann/ Ulrike Wulf (Hgg.): Die Kaiserpaläste auf dem Palatin in Rom, Mainz 2004, S. 177–185.

146  S. Kapitel 1.1.

147  Vgl. Werner 2004 und die Analyse der Palatindarstellung auf Ansicht Riggs 100 in Kapitel 3.4.2.

148  Vgl. dazu Lanciani, Rodolfo: Storia degli Scavi di Roma e Notizie intorno le Collezioni Romane di Antichità, Neuaufl. v. Campeggi, Leonello Malvezzi (Hg.), Bd. 2: Gli ultimi anni di Clemente VII a il pontificato di Paolo III (1531–1549), Rom 1990, S. 40.

149  Ein kurzer Überblick über die Geschichte der Ausgrabungen auf dem Palatin vom 16. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert findet sich bei Jordan (Huelsen) 1907, S. 29–33.

150  Jordan (Huelsen) 1907, S. 33.

151  Was die Monumentidentifizierungen betrifft, halte ich mich im Folgenden vor allem an die aktuellste Publikation von Adolf Hoffmann und Ulrike Wulf. Vgl. Hoffmann/Wulf 2004.

153  Vgl. dazu Ammermann, Albert J.: Palatium (Environmental Settings), in: Eva Margareta Steinby (Hg.): Lexikon Topographicum Urbis Romae (LTUR), Bd. 4, Rom 1999, S. 12.

154  Zur vorrepublikanischen Siedlungs- und Bebauungsgeschichte des Palatins vgl. Ammermann 1999, S. 12–14 und Tagliamonte, Gianluca: Palatium, Palatinus mons (fino alla età repubblicana), in: Eva Margareta Steinby (Hg.): Lexikon Topographicum Urbis Romae (LTUR), Bd. 4, Rom 1999, S. 14–22.

155  Tagliamonte 1999, S. 17–18. Während Dunbar sieben Hügelbezeichnungen aufführt, nennt Tagliamonte nur fünf Hügel. Oppius und Cispius werden von ihm nicht aufgelistet.

156  Wulf, Ulrike: Massig und wuchtig erstreckt sich der Komplex (sil. IV, 2 3–25). Zur Entwicklung der Kaiserpaläste auf dem Palatin – Eine Zusammenfassung, in: Hoffmann/Wulf 2004, S. 173.

157  Zu den Bauaktivitäten des Augustus vgl. Tomei, Maria Antonietta: Die Residenz des ersten Kaisers –  Der Palatin in augusteischer Zeit, in: Hoffmann/Wulf 2004, S. 6–17.

158  Zur Anlage der Domus Tiberiana vgl. Krause, Clemens: Die Domus Tiberiana – Vom Wohnquartier zum Kaiserpalast, in: Hoffmann/Wulf 2004, S. 32–58.

159  Zu den Umbauaktivitäten von Vespasian bis Hadrian vgl. Krause 2004, S. 51–58.

160  Zur Domus Augustana Domitians vgl. Zanker, Paul: Domitians Palast auf dem Palatin als Monument kaiserlicher Selbstdarstellung, in: Hoffmann/Wulf 2004, S. 86–99.

161  Die Namensgebung ist zwar erst im zweiten Jahrhundert schriftlich belegt, scheint aber auf Domitian selbst zurückzugehen. Vgl. Krause 2004, S. 53.

162  Wulf 2004, S. 173.

163  Vgl. dazu Hoffmann, Adolf/ Wulf, Ulrike: Bade- oder Villenluxus? – Zur Neuinterpretation der <Domus Severiana>, in: Hoffmann/Wulf 2004, S. 153–172.

164  Diese Bauten aus flavischer Zeit sind Bestandteil der Domus Severiana, die in ihrer Gesamtheit lange Zeit für eine neu gebaute Palastanlage der Severer gehalten wurde. Neuere Grabungskampagnen bestätigen jedoch ältere Vermutungen, dass der Kern der Domus bereits in flavischer Zeit entstanden ist. Auch die Interpretation der älteren Bauteile als Thermenanlage ist angesichts fehlender Wasserleitungen nicht haltbar. Vgl. dazu Hoffmann/Wulf 2004 (a), S. 156–162.

165  Die mythologisch-etymologischen Herleitungen antiker Schriftsteller für die Benennung des Palatium oder mons Palatinus weisen unterschiedliche, von der Motivation des Autors abhängige Versionen auf. Die erste Version schreibt die Benennung dem arkadischen König Evander zu, der nach seiner Ankunft in Italien auf dem Palatin eine Siedlung begründet und diese nach seiner griechischen Heimatstadt Pallantion benannt haben soll. Auch Pallas, Sohn des Lykaon und Ahnherr Evanders, wird als legendärer Stadtgründer des arkadischen Pallantions als Namensvorbild für den Palatin gesehen. Eine dritte Legende, die ihrerseits wiederum verschiedene Varianten aufweist, steht ebenfalls in Verbindung mit den kleinasiatischen Vorfahren Roms. Pallantia, die Tochter König Evanders und/oder auch dessen Sohn Pallas sollen ihre Grabstätten auf dem Palatin gefunden haben. Dasselbe trifft für den Sohn von Herkules und Evanders Tochter Pallantia namens Pallas zu, der von Turno ermordet und auf dem Palatin begraben worden sein soll. Die vierte Version nennt Palanto als Namensgeberin, die aus dem nordischen Volk der Hyperboräer stammte und als Ehefrau des legendären König Latinus zur Ahnherrin aller latinischen Könige wurde. Als fünfte mythologische Namensherleitung hat sich überliefert, dass die Stadt Palatine – eine Siedlung der Aboriginer, der latinischen Ureinwohner der antiken Region Reate – Namenspatronin des Palatins in Rom sei. Eine weitere Version leitet den Namen Palatium von Pales, der Schutzgöttin der Hirten und Herden ab. Zu den diversen antiken Namensherleitungen des Palatins sowie zu den dazu gehörigen Schriftquellen vgl. Tagliamonte 1999, S. 14–15.

166  Vgl. dazu Ammermann 1999, S. 12.

167  Vgl. dazu Papi, Emanuele: Palatium (64 – v. sec. d.C.), in: Eva Margareta Steinby (Hg.): Lexikon Topographicum Urbis Romae (LTUR), Bd. 4, Rom 1999, S. 28. Zu den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bezeichnungen des Palatins und seiner Bauten s. Kapitel 3.3 und Anhang D.

168  Zur Geschichte des Palatins im Mittelalter vgl. Augenti, Andrea: Il Palatino nel Medioevo. Archeologia e Topografia (Secoli VI–XIII) (Bullettino Commissione Archeologica Comulae di Roma, Supplementi 4), Rom 1996.

169  Augenti nimmt an, dass mit dem nicht genauer definierten Palatio, der Palatin gemeint ist. Vgl. dazu Augenti 1996, S. 18.

170  Zur strittigen Quellenlage und zu weiteren positiven Argumenten für eine ottonische Residenz auf dem Palatin vgl. Augenti 1996, S. 74–75.

171  Vgl. Augenti 1996, S. 37–40.

172  Vgl. Augenti 1996, S. 40.

173  Vgl. Jordan (Huelsen) 1907, S. 110 und Augenti 1996, S. 40–42.

174  Vgl. Augenti 1996, S. 50.

175  Vgl. Jordan (Huelsen) 1907, S. 109 und Augenti 1996, S. 51–52.

176  Zitiert nach Augenti 1996, S. 62.

177  Im dritten Band der Quellenedition romtopografischer Texte von Valentini und Zucchetti findet sich mit der Più antica redazione dei Mirabilia eine Rekonstruktion der ältesten „Mirabilia“-Ausgabe. Vgl. Roberto Valentini/ Giuseppe Zucchetti (Hgg.): Codice topografico della citta di Roma, Bdd. 1–4, Rom 1940–1953, Bd. 3, S. 3–65.

178  Zu den mittelalterlichen Varianten, den antiken Vorläufern und den humanistischen Nachfolgern vgl. Valentini/Zucchetti 1940–1953, als noch immer maßgebliche Edition romtopografischer Literatur von der Spätantike bis zum 16. Jahrhundert. Aus den darin enthaltenen Fundstellen zum Palatin und seiner Bauten setzt sich auch Anhang D überwiegend zusammen.

179  Dazu und zu den unterschiedlichen Schreibweisen s. Anhang D.

180  Wobei der Autor der Le Miracole de Roma die Nummerierung der Regionen vertauscht. Anstatt als neunte müsste der Palatin eigentlich als zehnte Region genannt werden. S. Anhang D. Valentini und Zucchetti geben die Regionenbeschreibung der Le miracole de Roma nicht wieder. Diese findet sich aber in der Edition des Codex Gaddiano Rel. CXLVIII aus der florentiner Bibliotheca Mediceo-Laurenziana von Ernesto Monaci in: Archivio della Società Romana di Storia Patria, 38, 1915, S. 551–590.

181  S. dazu Anhang D.

182  Ediert von Valentini/Zucchetti 1940–1953, Bd. 3, S. 137–168 und John Osborne (Hg.): Master Gregorius. The Marvels of Rome (Mediaeval Sources in Translation 31), Toronto 1987.

183  Die hier zitierte Ausgabe des Textes, der bei Valentini und Zucchetti nicht aufgeführt ist, besitzt keinen Titel und wird in der British Library in London unter der Signatur IA 21293 (fol. 1 r–12 v) aufbewahrt.

184  Wie sich die Bezeichnung der Palastbauten auf dem südlichen Palatin als „Palatium etiam .LX. inperatorum“ herleiten lässt, vgl. Valentini/Zucchetti 1940–1953, Bd. 3, S. 158, Anm. 6 und Osborne 1987, S. 74–76.

187  Erst Giovanni Rucellai erwähnt in seiner Schrift Della belezza et anticaglia di Roma von 1459, dass mit dem „palazo maore“die Bauten auf der Seite zum Circus Maximus gemeint sind. Frühere Autoren nennen den Palazzo Maggiore zwar als Bauwerk auf dem Palatin, jedoch ohne genauere Lokalisierung. Die Beschriftung auf dem Stadtplan von Ugo Pinard von 1555 „1. Mons Palatinus dicitur Palazzo maggiore“ zeigt, dass die Unterscheidung zwischen Hügel und Bauten auch später nicht immer klar getroffen wurde. Vgl. dazu Frutaz, Amato Pietro: Le Piante di Roma (Istituto di Studi Romani), Bd. 2, Tafel 223, Plan cxii; Valentini/Zucchetti 1940–1953, Bd. 4, S. 416 und Anhang D.

188  Vgl. dazu auch die anderen mittelalterlichen Textbeispiele in Anhang D.

189  Vgl. dazu auch die nahezu zeitgleichen Ausführungen Poggio Bracciolinis in De varietate Fortunae, Anhang D.

191  Zitiert nach Rehm, Walther: Europäische Romdichtung, 2. durchg. Aufl., München 1960, S. 46.

192  Nach Valentini/Zucchetti 1940–1953, Bd. 4, S. 276, Anm. 3, meint Biondo mit S. Nicolai die Überreste von S. Cesario.

193  Biondo spielt hier offensichtlich auf diejenigen antiken Namensherleitungen an, die den Palatin in seiner Nutzung als Weidestätte charakterisieren, wie zum Beispiel die mythologisch geprägte Version, die die Bezeichnung Palatium von Pales, der Schutzgöttin der Hirten und Herden ableitet. Auf die ‚pastorale“ Nutzung des Palatins verweisen auch zwei etymologische Herleitungsvarianten, die den Namen einmal vom lateinischen balare = blöken (bei Schafen), meckern (bei Ziegen) ableiten und einmal vom lateinischen Wortstamm pa-, der sich in Palis, pascere (Viehzucht betreiben, weiden) oder auch in palare (umherschweifen) finden lässt. Zu weiteren Namensherleitungen des Palatins sowie zu den dazu gehörigen antiken Schriftquellen vgl. Tagliamonte 1999, S. 14–15. Vgl. dazu auch Anm. 165.

194  Bevor der zweite Teil des Gedichts aufgefunden wurde, galt der erste Teil sogar als Werk eines antiken Autors. Vgl. dazu Rehm 1960, S. 43–86 und Heckscher 1936, S. 207–209.

195  Vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 13, Plan iii.

196  Vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 143.

197  Als so genannte „positive Distanzlosigkeit“ beschreibt Heckscher die Negation der Zerstörung antiker Bauten. Als „pessimistische Distanzlosigkeit“ sieht er dagegen das Phänomen der Ruinenwahrnehmung, das die Zerstörung zwar benennt, die Ruinen Roms jedoch im heilsgeschichtlichen kontext sieht. Zu diesen beiden Formen mittelalterlicher „Distanzlosigkeit“ bezüglich zur Antike vgl. Heckscher 1938, S. 207–209 und Kapitel 4.2.

198  Noch der Romplan von Giulio Ballino aus dem Jahr 1569 zeigt die Palatinruinen als riesigen, halb zerstörten, zweigeschossigen Rundbau hinter dem Titusbogen, nahe des Tiberufers mit angegliedertem Kirchenbau (S. Anastasia). Vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 174, Plan ci.

199  Marco Fabio Calvos vier stark idealisierende Pläne von 1527 zeigen Rom je einmal als quadratische und oktogonale sowie zweimal als kreisförmige Stadt mit Hügeln, Stadttoren und einigen wenigen Monumentansichten und Beschriftungen. Auf dem Palatin gibt Calvo insgesamt neun verschiedene Monumente in frei rekonstruierten Ansichten und Beschriftungen wieder. Vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 16–19, Plan vii–x.

200  Zum Plan Marlianos vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 21, Plan xii. Bartolomeo Bufalinis Plan von 1551 gibt den Hügel „mons palatino“ als trapezförmige Fläche mit sehr schematisierten Grundrissen der antiken Palastanlagen und der zeitgenösssichen Gartenanlagen mit zum Teil neuer Lokalisierung der antiken Bauten wieder. Vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 189, Plan cix. Auf dem Plan von 1552 zeigt Pirro Ligorio erstmals eine ungefähr am Bestand orientierte Ansicht der Ruinen auf der Südseite des Palatins. Zu seinen drei Romplänen von 1552, 1553 und 1561 vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 222, Plan cxi (1552), Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 25, Plan xvi (1553), Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 31, Plan xvii (1561). Onofrio Panvinios rekonstruierender Romplan von 1565 gibt den Palatin, wie bereits Marliano vor ihm, als trapezförmige Fläche mit der Beschriftung „reg .x. palatinvs“ wieder. Die Rekonstruktion der Exedra der Domus Augustana benennt er als „11. Theat(rum) Tauri”. Vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 35, Plan xx. Diese Identifizierung wird später von Duperac übernommen, ebenso wie Ligorios Identifizierung des Gartenstadiums als „Atrium Augusti.“. Zu Duperacs rekonstruierenden Plänen von 1573 und 1574 und zum zeitgenössischen Plan von 1577 mit Palatinruinen und den „Horti Farnesiorum“, vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 36, Plan xxi, Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 37, Plan xxii und Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 247, Plan cxxvii.

201  Pseudo-Cronaca, Census, RecNo: 46367. Obwohl erste archäologische Grundrisszeichnungen zwar früher belegt sind, z.B. durch Zeichnungen Francesco di Giorgio Martinis, Census, RecNo: 46358–46360 und 49390, ist die Anzahl überlieferter Architektenzeichnungen, die Architekturdetails, Grundrisse, Aufrisse oder Rekonstruktionen der palatinischen Überreste zeigen, im Vergleich zu Ruinenansichten mit vedutenhaftem Charakter deutlich geringer. Im 16. Jahrhundert sind von Pirro Ligorio Grundrisszeichnung des Gartenstadiums, der Domus Scauri und der Vigna Capranica sowie die Ansicht einer Schmuckbase überliefert. Vgl. dazu Lanciani 1990, S. 45, S. 53 und S. 54. Von Étienne Duperac gibt es den im Jahr 1600 publizierten Grundrissplan der südlichen Palatinruinen, der auf den Studien Onofrio Panvinios basiert (Abb. 32). Von Alberto Alberti sind sehr flüchtige, zwischen 1565 und 1570 entstandene Grund- und Aufrissskizzen der maxentianischen Thermen bekannt sowie eine Zeichnung eines ionischen Kapitells, das auf dem Palatin gefunden wurde. Zum Plan Panvinios und Étienne Duperacs wie auch zu den Zeichnungen Alberto Albertis vgl. Werner 2004, S. 150–151, Abb. 210–212.

202  Zum Zeichnungsbuch Duperacs, das dieselben Palatinansichten von Süden aus zeigt vgl. Thomas Ashby (Hg.): Topographical study in Rome in 1581. Series of views with a fragmentary text by Etienne du Perac, London 1916; Rudolf Wittkower (Hg.): Disegni de le ruine di Roma e come anticamente erono, Mailand 1963; Amilcare Pizzi (Hg.): Le antiche rovine di Roma nei disegni di Du Pérac, Mailand 1990; Zerner, Henri: Observations on Dupèrac and the Disegni de le Ruine di Roma e Come Anticamente Erono, in: The Art Bulletin, 48, Heft 4, 1965, S. 507–512 und Thoenes, Christof: Rezension zu „Disegni de le ruine di Roma e come anticamente erono. Mit Einleitung von Rudolf Wittkower”, in: Kunstchronik Jg. 18, 1965, S. 10–12 und 17–20.

203  Zu den Stichen Sadelers, Duperac und Cocks vgl. Grelle, Anna: Vestigi dell’ antichità di Roma, Tivoli, Pozzuoli ed altri luoghi, Rom 1987, S. 13–18.

204  Grelle identifiziert die Bogenreihen fälschlicherweise als Substruktionsbauten des Severischen Palastes. Vgl. Grelle 1987, S. 42. Zur korrekten Identifizierung als Innenansicht des Kolosseums vgl. im Gegensatz dazu Kandler 1969, S. 194 und Riggs 1971, S. 259.

205  Vgl. Heemskerck Album I, fol. 28 v, Census, RecNo: 43831; Heemskerck Album II, fol. 47 r, Census, RecNo: 43840; Heemskerck Album 2 (Anonymus Mantovanus A) fol. 94 v, Census, RecNo: 43846.

206  Riggs und Lackenbauer, die davon ausgehen, dass es sich um Palatinruinen handelt, gehen leider nicht näher darauf ein, welchen Teil der Kaiserpaläste sie hier erkennen wollen. Vgl. Riggs 1972, S. 259 und Lackenbauer 1998, S. 36–37.

207  Kandler identifiziert die Nische als Exedra des Gartenstadiums. Vgl. Kandler 1969, S. 194.

208  Bei dem herangezogenen Vergleichsmaterial handelt es sich um Ansichten auf Zeichnungen und Drucken, die sich als „Relationships“ zum Monumenteintrag „Septizonium“ in der Census-Datenbank finden lassen. Vgl. Census, RecNo: 150806.

209  Zu Abb. 34 vgl. Census, RecNo: 43912.

210  Zur nachantiken Nutzung des Septizoniums s. Kapitel 3.2.

211  Vgl. dazu die Ansichten von Maarten van Heemskerck (Census, RecNo: 43944), Giovan Antonio Dosio (Census, RecNo: 43934, Census, RecNo: 43936, Census, RecNo: 43932, Census, RecNo: 43933) und Étienne Duperac (Census, RecNo: 43953). Zur Auflistung weiterer Septizoniumszeichnungen vgl. Jordan (Huelsen) 1907, S. 102, Anm. 139.

212  Lackenbauer 1998, S. 37. Vgl dazu auch Kandler, der hier die „Substruktionen des Palastes des Septimius Severus (mit Resten der Thermen ?)“ sieht, Kandler 1969, S. 195.

213  Zu Duperac 1575, Tafel 13 vgl. Census, RecNo: 43953 Zu Duperac 1577 vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 247, Plan cxxvii.

214  Kandler hält diese Ruinen ebenfalls für frei hinzugefügte Versatzstücke. Vgl. Kandler S. 196.

215  Vgl. Lackenbauer 1998, S. 38.

216  Lackenbauer, die die unbekannte Ruine auf Blatt P für eine Modifizierung des Kolosseums hält, ist die Ähnlichkeit zur rechten Hälfte von Heemskercks Kolosseumszeichnung bei ihren Bildvergleichen entgangen. Vgl. Lackenbauer 1998, S: 91–94.

217  Vgl. dazu Meijer, Bert W.: Hendrik III van Cleef, in: Nicole Dacos (Hg.): Fiamminghi a Roma 1508–1608. Artistes des Pays-Bas et de la Principauté de Liège à Rome à la Renaissance, Brüssel 1995, S. 136.

218  Vgl. Frutaz 1962, Bd. 1, S. 165 und Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 180, Plan cvi.

219  Zitiert nach Kandler 1969, S. 196, der leider keine Quellenangabe für diese Bezeichnung liefert.

220  Vgl. dazu Valentini/Zucchetti 1940–1953, Bd. 3.

221  Kandler 1969, S. 196.

222  Zu Heemskerck Album I, fol. 40 r vgl. Census, RecNo: 61509.

223  Vgl. dazu auch Huelsen/Egger 1975, Bd. 2 (1913), S. 22.

224  Zur Zeichnung des Anonymus Mantovanus A vgl. Census, RecNo: 43947 und Huelsen/Egger 1975, Bd. 2 (1916), S. 52–53. Zum Druck Duperacs vgl. Census, RecNo: 46366.

225  Huelsen/Egger 1975 Bd. 2 (1916), S. 34. Diese Aussage trifft für die Vorlagen zu den Ruinenserien auch heute noch zu.

226  Vgl. Huelsen/Egger 1975, Bd. 2 (1916), S. 34. Die Publikation von Ruspoli, Ippolito: Avanzi e ricordi del Monte Palatino tratti dal vero e posti in litografia, Rom 1846, die 40 Lithografien mit Palatinansichten beinhaltet, war leider ebenso wenig zugänglich wie eine Abbildung der genannten Zeichnung des Anonymus Fabriczy auf fol. 76, n. 235 des in der Graphischen Sammlung der Stuttgarter Staatsgalerie aufbewahrten Albums inv. C5800. Die von Huelsen und Egger angegebene Kombination von Folio und Bildnummerierung kann nicht stimmen, da sich n. 235 laut Cornelius von Fabriczy auf fol. 90 befindet. Die dort wiedergegebenen Ruinen kann von Fabriczy nicht identifizieren, vermutet aber, dass es sich um Thermenfragmente handeln könnte. Vgl. dazu von Fabriczy, Cornelius: Un libro di schizzi d’un pittore orlandese nel museo di Stuttgart in: Archivio storico dell’arte, 6, 1893, S 122. Falls es sich bei der von Huelsen und Egger erwähnten Zeichnung um das bei Werner 2004 auf Abb. 209 gezeigte Bild handeln sollte, ist diese jedoch wenig aufschlussreich, da sie die Rückseite der Maxentiustermen weiter westlich zeigt und nicht die bei Heemskerck wiedergegebenen severischen Palastfragmente.

227  Vgl. Huelsen/Egger 1975, Bd. 2 (1916), S. 34.

228  Kandler 1969, S. 199. Mit Belvedere wird meist der severische Bogengang gemeint; vgl. dazu Jordan (Huelsen) 1907, S. 99. Augusteische und severische Bauten sind jedoch von dort aus nicht gleichzeitig wahrnehmbar. Kandler meint vermutlich Teile der domitianischen Domus Augustana.

229  Zur Duperac zugeschriebenen Zeichnung vgl. Census, RecNo: 49394, zu Dosio und De’ Cavalieris Kupferstich vgl. Census, RecNo: 49395.

230  Text der Bildbeischrift: „Palatini montis aedificiorum, ut nunc cernuntur ruinae. hodie Palatium maius dicitur olim splendide aedificatum, et frequenter habitatum.“

231  Vgl. dazu auch Werner 2004, S. 151.

232  Das gesamte achte Kapitel (fol. 34 r–38 r der Ausgabe von 1604) handelt von der Landschaftsmalerei.

233  Zu Heemskerck Album I, fol. 20 r vgl. Census, RecNo: 233034, zu fol. 55 r vgl. Census, RecNo: 232828, zu fol. 72 v vgl. Census, RecNo: 232828, zu Heemskerck Album II, fol. 92 v–93 r vgl. Census, RecNo: 43947.

234  Text der Bildunterschrift auf Duperac 1575, Tafel 8: „Vestigij et parte del monte Palatino uerso mezzogiorno che riguarda il circo Massimo et monte Auentino. F. ne dimostra il Theatro Palatino. G. la casa di Tiberio. H. conserue d’Acqua, le litere segnate B, C, D, E, sono dichiarate ne l’altro disegno et seruono anco a questo.” Zu Tafel 8 vgl. Census, RecNo: 46363.

235  Text der Bildunterschrift auf Duperac 1575, Tafel 11: „Vestigij del Circo Massimo che fu cosi cognominato dalla sua grandezza, perche era maggiore dealtro, che fussero in Roma, et non fu per altro ordinato detto Circo che per celebrarui uarie maniere di giuochi et di caccie, Ui si uede ancho oggidi uestigij di tutto il cino doue erano li, gradi da siedere il populo a uedere detti giochi come ne dimostra il segno A. nel segno B. furono le carcere del Circo. C. ui e' sotto terra uno obelisco rotto ch'era in mezo al sopradetto Circo. D. e' parte del'auqa Crabra che serue oggidi ad innaquare il giardino che uie'. E . e'il monte Auentino. F. il monte Palatino.“ Zu Tafel 11 vgl. Census, RecNo: 46366.

236  Werner vermutet, dass sich außer den bei Lanciani u. a. aufgeführten Dokumenten zur Grabungsgeschichte Roms, noch ein Großteil von Schriftstücken unentdeckt oder unbearbeitet in den Archiven der Camera Capitolina sowie der Camera Apostolica lagert, die über Grabungslizenzen und Antikenfunde berichten. Vgl. dazu Lanciani 1990 und Werner 2004, S. 144–145.

237  Zur Bildauswahl vgl. Werner, S. 150–151. Zu Heemskerck Album II, fol. 89 v–87 r vgl. Census, Rec.No: 46373–46374. Text der Bildunterschrift auf Duperac 1575, Tafel 10: „Vestigij et parte del monte Palatino della parte uerso leuanante che riguarda il monte Coelio. A. ne dimostra parte della casa d’Augusto. B. uno Nichio grande che era in mezzo del’Atrio o uero cortile Palatino. C. il loco doue erano le scale per montare in detta casa o uero Palazzo nel quale non molti giorni sono si cauorono bellissimi pezzo d’Aqueduto per ilquale ueniua l’aqua Claudia per seruitio di detto Palazzo et de tutto il monte fragmenti di marmo che ornauano la facciata di detta scala. D. un pezzo d’Aquedoto per il quale veniva l’aqua Claudia per servitio di detto Palazzo et de tutto il monte.“ Zu Tafel 10 vgl. Census, RecNo: 46365.

238  Da die Ansicht Duperacs nach links noch weiter fortgesetzt wird, kann man diesen Teil nicht mit der Zeichnung vergleichen.

239  Vgl. Werner 2004, S 150.

240  S. dazu Kapitel 4.2.

241  Kandler 1969, S. 198.

242  Text der Bildunterschrift auf Duperac 1575, Tafel 9: “Vestigij et parte del monte Palatino, della parte uerso mezzogiorno che riguarda al circo Massimo et l’Auentino .A. ne dimostra parte della casa d’Augusto .B. l’estremita del muro della lunghezza del Atrio d’Augusto .C. li Magazini ouer“ botteghe di marcanti .D. la uia noua doue principiaua la uia Appia .E. le ruine sopra le quali erano posti li gradi del circo Massimo, Ogidi il uulgo chiamo questo loco Palazzo maiore.” Zu Tafel 9 vgl. Census, RecNo: 46364.

243  Zu Marlianos Plan vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 21, Plan xii; zu Bufalinis Plan vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 189, Plan cix; zu Ligorios Plänen vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 222, Plan cxi (1552), Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 25, Plan xvi (1553), Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 31, Plan xvii (1561). Vgl. Anm. 200.

244  Die vier Pläne Calvos zeichnen eine idealisierte städtebauliche Entwicklung Roms nach, die von der romuleischen Roma Quadrata mit quadratischem Grundriss über die oktogonal wiedergegebene severische Stadt bis hin zur kreisrunden Regioneneinteilung der Stadt unter Augustus und einem ebenfalls kreisrunden Stadtplan für die Jahre als Plinius schrieb, führt. Sie nennen insgesamt acht verschiedene Monumente. Die bildlichen Wiedergaben der benannten Bauwerke und deren Anordnung auf dem Hügel haben hier jedoch, genauso wie die geometrischen Formen der Stadgrundrisse, nichts mit realistischen Rekonstruktionsversuchen zu tun. Vgl. Zu Calvos Romplänen vgl. Frutaz 1962, Bd. 2, Tafel 16–19, Plan vii–x.

245  Vgl. Anm. 200 und 242.

246  Text der Bildunterschrift auf Duperac 1575, Tafel 17 und 18: „Vestigi delle Therme di Tito dalla parte che risguardano il Mezzogiorno et sirocco, donde e“ il monte celio, quail furono nella carina sopra della casa aurea di Nerone, nella qual ruina cauandosi al tempo di papa Pio .V. ui furono trouate colonne, base, et capitelli di marmot bellissimo d’ordine composito et molti altri fragmenti, [Tafel 17] Vi sono ancho sotto terra bellisime stantia a uolte con uariate pitture grotteschi et stucchi indorati, dale quail si puo far giuditio ditto luogho esser“ stato d’inestimabile bellezza uogliono alcuni che a dette terme ui fusseno congionte quelle di Traiano, del che non se ne puo far giuditio quale fussero per essere dette fabriche molto ruinate, come nel disegno si puo uedere [Tafel 18].“ Zu Tafel 17 und Tafel 18 vgl. Census, RecNo: 47231 und 46736.

247  Text der Bildunterschrift auf Duperac 1575, Tafel 7: „Parte de l monte Palatino Verso il foro Romano, Al segno .A. Era il Tempio di Gioue statore Opera d’architetura delle piu rara che si uede oggi in Roma, Al segno .B. fu la Casa di Cicerone et essendo abrusiata Casa ui fu edificato Il Tempio della Liberta, Il segno .C. Era una Curia, Oggidi tutta questa piazza si chiama Canpo Vacchina per esser doue si uende deto bestimo Il Lago Curtio era sopra detta piazza Cioe Tra Il Capitolio el Palatino et arriuaua per fino al segno .D.” Für Tafel 7 vgl. Census, RecNo: 44741.

248  Zur Heemskerck-Zeichnung in Heemskerck Album II, fol. 38 r vgl. Census, RecNo: 44740.

249  S. Kapitel 2.3.3.

250  Text der Bildunterschrift auf Dosio/DeCavalieri 1569, Tafel 42: „Pars alia interior, Antonini Caracallae Thermaru(m), ut nunc cernitur.”Zu Tafel 42 vgl. Census, RecNo: 44154.

251  Zur Radierung Cocks s. Anhang A, Tafel 3. Text der Bildbeischrift auf Duperac 1575, Tafel 21: „Vestigij d'una parte di dentro delle Terme d'Antonino caracala qual fu adornate di grandissime et belle colonne di granito orientalle con le sue menbri intagliati con bella diligentia et li muri furono incrustati di diuerse pietre di mischi et marmori come hoggidi se ne uede ancho uestigij et non molti annj sono fu donato da Papa Pio IIII una di detti colonne al gran Duca quale fu da lui mandata in Fiorenza Il luoco doue eranno dette colonne si uede a questo segno A.“ Zu Tafel 21 vgl. Census, RecNo: 44176.

253  Elisabeth Dhanens und Eliana Fileri identifizieren den Anonymus Cantabrigensis mit Giovanni Bologna. Die Identifizierung wurde jedoch nicht in die Census-Datenbank übernommen. Vgl. dazu Dhanens, Elisabeth: De Romeinse ervaring van Giovanni Bologna, in: Bulletin de l’Institut Historique Belge de Rome, Fasz. 35, 1963, S. 159–190; Fileri, Eliana: Giovanni Bologna e il taccuino di Cambridge, in: Xenia. Semestrale di antichità, 10, 1985, S. 5–54; Fileri, Eliana: Il taccuino di Cambridge e note su Giambologna, in: Stefano Valeri (Hg.): Scultori del cinquecento, Rom 1998, S. 129–135 und Census RecNo: 39945.

255  S. dazu auch Kapitel 5.



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26.04.2007