Öffentliche Mediensammlungen

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In den USA legt die Library of Congress eine umfassende Sammlung der nationalen Medienproduktion vom Buch über Tonträger bis zum Film, vom Foto bis zur elektronischen Zeitschrift an; sie schließt auch relevante Teile der internationalen Medienproduktion ein und umfasst heute rund vier Millionen Ton- und Filmdokumente. In Deutschland gibt es nichts Entsprechendes.

Im Zentrum der Tätigkeit von Bibliotheken stehen traditionell Schriftmedien, d. h. Bücher und Zeitschriften, aber sie sammeln auch Filme, Tonträger und andere Nonprint-Medien. Gleichwohl ist die Situation auch bei Printmedien zersplittert: Die Deutsche Nationalbibliothek verfügt über eine ziemlich vollständige Sammlung der deutschen Buch-, Zeitschriften- und Tonträgerproduktion seit 1913, die ältere Printproduktion wird arbeitsteilig im Projekt Sammlung Deutscher Drucke von fünf Bibliotheken archiviert, z. T. auf Mikroformen, wenn die Printoriginale sich nicht mehr beschaffen lassen; die Erwerbung der laufenden ausländischen wissenschaftlichen Buch- und Zeitschriftenproduktion, soweit sie über das hinausgeht, was Universitätsbibliotheken ohnehin ankaufen, wird nach einem Sondersammelgebiets-Plan von mehr als 40 Staats-, Universitäts- und Spezialbibliotheken wahrgenommen. Unübersichtlich ist die Lage bei der Sammlung von älteren Zeitungen.

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Vollkommen zerklüftet ist die Sammlung von Nonprint-Medien. Sie werden teils in Bibliotheken, teils in Stadt-, Staats-, Rundfunkarchiven, aber auch in eigenständigen Mediatheken, Fototheken, Medienzentren, Filmarchiven und Bildstellen, auch in Museen ohne irgendeine planvolle Arbeitsteilung gesammelt und nach uneinheitlichen Standards erschlossen. Die Einrichtungen befinden sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Trägerschaften und sind meistens in dem Träger entsprechende Zielkonzepte eingebunden.

Die Medienzentralen der Kirchen dienen deren medienpädagogischer Arbeit; die Landesmedienzentralen, Landesbildstellen und Kreisbildstellen halten vor allem Filmmedien, auch Dias, Overhead-Folien, CD-ROMs für den Einsatz an Schulen bereit. Beide sind der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich, haben aber auf ihre Zielgruppen und Ziele zugeschnittene, keineswegs umfassende Sortimente und archivieren nicht. An den Hochschulen bestehen oft umfangreiche Nonprint-Mediensammlungen, aber keineswegs immer im Rahmen der Hochschulbibliothek. Sie stehen meist in enger Verbindung mit philologischen Fachbereichen (Sprachlehr- und landeskundliche Materialien) oder musik- bzw. filmwissenschaftlichen und –praktischen Studiengängen (Tonträger, Filmmedien) und sind in der Regel nur Hochschulangehörigen zugänglich.

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland, das Deutsche Rundfunkarchiv, verfügen über komplette Archive ihrer Programme einschließlich des Programmvermögens aus der DDR, darüber hinaus über umfangreiche Ton- und Bildarchive, zurück bis zu den Anfängen des Rundfunks 1923, die als Quelle der Programmproduktion dienen. Der Zugang zu den eigenen Programmaufzeichnungen, nicht zu publizierten Medien, ist hier gegen Gebühren teilweise möglich. Daneben gibt es einige überwiegend öffentlich finanzierte Kinematheken, die sich um die Sammlung von Filmen und Materialien zum Kino bemühen. Am vielfältigsten ist die Lage bei Sammlungen von Fotos (öffentliche und private Fotoarchive, eigenständig oder als Teil von Bibliotheken, Museen, Archiven, Bildstellen, Presseverlagen, Vereinen, Behörden); dies spiegelt die Omnipräsenz der Fotoherstellung wider.

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Während die aktuelle Produktion an Tonträgern, Mikroformen und CD-ROMs infolge der Pflichtexemplarregelungen in jeweils zuständige Bibliotheken gelangt und dort archiviert wird und während bei den Tonträgern auch die historische Produktion aus der Zeit vor dem Wirksamwerden von Pflichtexemplarregelungen recht gut abgedeckt wird (Deutsches Musikarchiv Berlin, demnächst Leipzig), ist die Situation bei Filmmedien und bei Computer- und Videospielen unbefriedigend. Diese unterliegen keiner Pflichtablieferung, mit Ausnahme der Videoproduktion in einigen Bundesländern.

Erst in den 1990er-Jahren wuchs ein Bewusstsein davon, dass – nach dem Vorbild der Printsammlungen in Bibliotheken – die Sammlungen koordiniert und nach einheitlichen Standards in Datenbanken dokumentiert werden müssen. Das Netzwerk Mediatheken hat 2002 begonnen, ein Portal zu den zerstreuten Mediensammlungen aufzubauen (http://www.netzwerk-mediatheken.de). Hierin arbeiten Bibliotheken und Medienarchive zusammen.

Die Öffentlichen Bibliotheken (Stadtbibliotheken, Büchereien) konzentrieren sich auf einen Ausschnitt des aktuellen multimedialen Bedarfs für Freizeit, Alltag und Schule und archivieren ihre meist begrenzten Sammlungen nicht.


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22.03.2007