Der Not-For-Profit-Bereich des wissenschaftlichen Publizierens

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Not-For-Profit-Bereich ist nicht gleichzusetzen mit kostenfreier Nutzung wissenschaftlicher Ergebnisse und auch nicht mit der heute so häufig diskutierten Open-Access-Publikation. Im folgenden Text soll deshalb zunächst eine entsprechende Differenzierung vorgenommen werden, um im Anschluss die Möglichkeiten und Grenzen des Publizierens nach dem so genannten Prinzip des Self-Archiving vorrangig aus technischer Sicht zu diskutieren.

In der oben bereits erwähnten Studie [11] wird ein Abriss der Entwicklung des wissenschaftlichen Publizierens seit 1995 gegeben. Während die Vergangenheit geprägt war durch etablierte kleinere und größere (meist international agierende) Verlage, hat sich der Markt in den letzten zehn Jahren extrem zugespitzt. Ohne es an dieser Stelle im Detail belegen zu wollen, ist es zu einer Konzentration des Verlagsgeschehens auf wenige Großverlage gekommen, die heute die Preise diktieren. Da das Budget der wissenschaftlichen Bibliotheken nicht in der gleichen Weise gewachsen ist, waren sie nicht mehr in der Lage, diesem Trend zu folgen und sahen sich gezwungen, sukzessive immer weitere Abonnements zu kündigen, was wiederum die Preisspirale in Bewegung setzte. Eine weitere Reaktion, wobei sich der kausale Zusammenhang nicht ausschließlich mit der Preisentwicklung belegen lässt, war die vermehrte Gründung von Universitätsverlagen und die Herausgabe von Zeitschriften durch wissenschaftliche Fachgesellschaften. Deutlichstes Beispiel für diese Entwicklung war die Gründung von SPARC.

„SPARC®, the Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition, is an alliance of universities, research libraries, and organizations. The coalition was an initiative of the Association of Research Library (ARL) started in 1997 to be a constructive response to market dysfunctions in the scholarly communication system. These dysfunctions have reduced dissemination of scholarship and crippled libraries. SPARC serves as a catalyst for action, helping to create systems that expand information dissemination and use in a networked digital environment while responding to the needs of academe. Leading academic organizations have endorsed SPARC“ [23].

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Hauptziel dieser Neugründungen war es, wissenschaftliche Veröffentlichungen auf höchstem inhaltlichen Niveau zu ermöglichen und gleichzeitig einen für die wissenschaftliche Community bezahlbaren Verkaufspreis zu realisieren. Die Herangehensweise zur Produktion einer Zeitschrift unterschied und unterscheidet sich dabei nicht von der traditionellen Weise. Lediglich die Ausrichtung des Verlages oder der Herausgeber war und ist nicht vordergründig auf die Erzielung von Profit ausgerichtet, sondern orientiert sich an den Selbstkosten für die Herstellung, das Marketing und den Vertrieb. Auch das Grundfinanzierungsmodell unterscheidet sich nicht. Sämtliche entstehenden Aufwendungen werden letztlich dem Leser bzw. ‚seiner’ wissenschaftlichen Bibliothek über den Preis zum Erwerb der Zeitschriften in Rechnung gestellt. Durch die Mitgliedschaft bei SPARC, die in der Zwischenzeit auch eine vergleichbare europäische Organisation gegründet hat, erwirbt eine Bibliothek Bezugsrechte an den angebotenen Zeitschriften zu rabattierten Preisen. Das Grundproblem ist damit jedoch nicht gelöst, denn die Budgets der Bibliotheken steigen auf keinen Fall im gleichen Verhältnis wie die Preise, sodass die Versorgung mit Literatur schlechter wird. Verschärfend kommt hinzu, dass die Zahl der Veröffentlichungen wächst und somit die Versorgung, gemessen am Gesamtvolumen verfügbarer Zeitschriften (wenn man sich zur Vereinfachung der Problematik nur auf diese Veröffentlichungsform beschränkt), ständig abnimmt. Zur Verdeutlichung dieser Situation wird in [11] auf Seite 7 formuliert: „The market has witnessed a sharp increase in price: In the 1975-95 period, FP journal prices have grown by 300 % beyond inflation. The rate has been almost the same for learned societies, although from much lower initial level. And for university presses, it has been + 200 % beyond inflation, from an even lower initial level. These increases have been accompanied by a fall in subscription, especially by individual researchers but also multiple library subscriptions.”

Diese Studie belegt, dass mit dem Aufkommen von Not-For-Profit-Verlagen die gegenwärtigen Probleme zwar etwas gemindert werden, aber in keiner Weise gelöst. Um die Diskrepanz zwischen dem produzierten wissenschaftlichen Output und der Verfügbarkeit für den einzelnen Wissenschaftler zumindest zu problematisieren und Wege zur Verbesserung aufzuzeigen, wurde 2001 die Open-Access-Bewegung ins Leben gerufen. „Unsere Aufgabe, Wissen zu verbreiten, ist nur halb erfüllt, wenn die Information für die Gesellschaft nicht breit gestreut und leicht zugänglich ist. Neue Möglichkeiten der Wissensverbreitung, nicht ausschließlich in der klassischen Form, sondern zunehmend auch nach dem Prinzip des ,offenen Zugangs‘ über das Internet, müssen gefördert werden. Das Prinzip des ,Open Access‘ schafft daher freien Zugang zu einer umfassenden Quelle menschlichen Wissens und des kulturellen Erbes, die von der wissenschaftlichen Gemeinschaft bestätigt wurde.“ [2] An anderer Stelle heißt es dann: Im Wesentlichen sind es also zwei Bedingungen, die bei dem Prinzip des Open Access zu erfüllen sind:

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Seit dieser ersten Zusammenkunft der Open-Access-Initiative hat es eine Vielzahl von Diskussionen zum Anliegen, aber vor allem zu den Möglichkeiten der Umsetzung gegeben. Den besten Überblick des gegenwärtigen Standes erreicht man sicherlich, wenn man die SPARC Open Access Newsletter von Peter Suber verfolgt [24].

Neben dem Gedanken des freien Zugangs zu den Ergebnissen der wissenschaftlichen Arbeit ist die Open-Access-Publikation durch zwei weitere Besonderheiten charakterisiert. Zum einen ist eine Open-Access-Publikation eine elektronische Veröffentlichung, denn nur so ist es möglich, sie weltweit auf einem online verfügbaren Archivserver zu speichern, und zum anderen beruht sie, im Unterschied zu allen vorangegangenen Verfahrensweisen des wissenschaftlichen Publizierens, auf einem anderen ‚Geschäftsmodell’. Nicht die Leser/die Bibliotheken tragen die Kosten der Veröffentlichung, sondern der Autor bzw. seine wissenschaftliche Institution. Das klingt auf den ersten Blick sehr abwegig, dass durch denjenigen, der die Leistung erbringt, auch noch die Kosten für die Veröffentlichung zu tragen sind. Erschwerend kommt hinzu, dass dies einen nahezu vollständigen Bruch mit den bisherigen Gepflogenheiten beim wissenschaftlichen Veröffentlichen darstellt. Das sehen natürlich auch die Verfechter der Open-Access-Initiative und haben deshalb ausdrücklich formuliert, dass sie mit ihrem Aufruf zum Open-Access-Publizieren nicht diejenigen Wissenschaftler ansprechen wollen, die eine Veröffentlichung vorsehen, um damit möglicherweise ein Honorar zu erhalten, wie es z. B. beim Erstellen von Lehrbüchern üblich ist.

Open Access wendet sich somit ausschließlich an den Kreis der Autoren, die veröffentlichen (meist in Zeitschriften) und dafür in der Regel kein Honorar erhalten, sondern, was vielen nicht bekannt ist, manchmal noch einen so genannten Druckkostenzuschuss zu erbringen haben, damit ihre Arbeit überhaupt veröffentlicht wird. Bedenkt man diese Praxis, so sollte die mögliche Hürde, sich für eine Open-Access-Publikation zu entscheiden, sicher leichter zu überwinden sein.

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Es ist jedoch zu einfach, die Philosophie der Open-Access-Publikation in erster Linie unter dem finanziellen Gesichtspunkt zu sehen. Das wird dem Anliegen nicht gerecht und vereinfacht die Problematik zu stark. Natürlich entstehen auch beim Open-Access-Publizieren Kosten. Das trifft sowohl auf die Open-Access-Journale als auch auf das so genannte Self-Archiving zu.


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03.04.2007