NORDEUROPAforum
Zeitschrift für Politik,
Wirtschaft und Kultur
ISSN 1863639X
2/1999
9. Jahrgang (2. der N.F.)
Seiten 15-41

Textanfang

Summary

I.

Die norwegische Delegation der

Haakon Lies Engagement

Das umstrittene Buch „Kaderpar

Der skandinavische CCF

II.

„Minervas Kvartalsskrift“ und

III.

Schlußüberlegungen

Fußnoten


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Kalter Kulturkrieg in Norwegen?

Zum Wirken des „Kongreß für kulturelle Freiheit“ in Skandinavien

Matthias Hannemann

Summary

Tracing the international network of the “Congress for Cultural Freedom” (CCF): Did the norwegian socialdemocrat Haakon Lie establish anticommunist propaganda in Norway after 1950? Several CCF-reports and letters comment on Lies work in Norway, and even his famous book “Kaderpartiet” (1954) seems to have been published with the help of the CCF – and the money of the CIA. While Lie left the CCF in the middle of the 1950s, Willy Brandt, who had introduced Haakon Lie to the CCF-staff in Berlin, recognized several difficulties concerning the CCF's work in Scandinavia. As late as in 1960, the CCF asked Lars Roar Langslet and his conservative student magazine “Minervas kvartalsskrift” to publish some articles and organize some conferences in Oslo. Was there a “Cold Cultural War in the North?” or were people like Haakon Lie, Willy Brandt or Lars Roar Langslet speaking up against totalitarism without “being told”, just being supported by the “Congress of Cultural Freedom“?

Matthias Hannemann arbeitet an seinem Magisterabschluß im Fach Geschichte an der Universität Bonn.


Der „Kongreß für kulturelle Freiheit“ mag für die meisten Teilnehmer kaum mehr als eine biographische Fußnote gewesen sein. Daß sich im Juni des Jahres 1950 über hundert einflußreiche Persönlichkeiten in Berlin versammelten und die Unabhängigkeit des Geistes proklamierten, bedarf dennoch einer eingehenden Betrachtung. Denn die Berliner Konferenz markiert den Auftakt jahrzehntelanger Bemühungen des Westens, den Kalten Krieg auch auf ideologisch-publizistischer Ebene für sich zu entscheiden. Aus dem Protest gegen die eingeschränkte Geistesfreiheit in Stalins Einflußsphäre entwickelte sich ein weltumspannendes Projekt, dessen Sprachrohr neuetablierte Zeitschriften wurden. Sie rekrutierten ihre Mitarbeiter aus den Reihen enttäuschter Intellektueller, die unter dem Eindruck der Moskauer Prozesse und der Nachkriegspolitik Stalins der Sowjetunion den Rücken zugekehrt hatten. Zugleich bestimmten aber auch konservative Denker zunehmend die Haltung des Kongresses: Die antitotalitäre Zielsetzung des Projektes erwies sich in letzter Konsequenz als antikommunistische Pfeilspitze, flankiert durch den amerikanischen Geheimdienst CIA.2 Der „Kongreß für kulturelle Freiheit“ kann insofern als „Agitprop“ der Kalten Krieger verstanden werden.3

I.

Unter den Mitgliedern jener „Agentur des Kalten Krieges“4 befand sich auch ein einflußreicher norwegischer Sozialdemokrat, dessen Rolle im Kalten Krieg noch in den 1990er Jahren für Schlagzeilen sorgte: Haakon Lie.5 „Der Sturm, der ständig um Haakon Lie und seine Aktivitäten kreiste“6, machte den langjährigen Generalsekretär der Arbeiterpartei zu einer der zentralen Figuren der norwegischen Nachkriegszeit. Analog zu den Biographien vieler Kongreß-Aktivisten begann Haakon Lies politisches Engagement in der Kommunistischen Internationalen, der die norwegische Arbeiterpartei (DNA) in den zwanziger Jahren für kurze Zeit angehörte. Später schärfte er als Informations-Sekretär der DNA das ideologische Profil der Partei, übte sich also bereits vor dem Krieg in Agitation und Propaganda.7 Sein Kriegsexil in England und Amerika brachte ihn darüber hinaus in Kontakt mit der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Mit der deutschen Arbeiterbewegung war er über Persönlichkeiten wie Willy Brandt eng verbunden, die vor und während des Krieges im skandinavischen Exil agierten. Diese Verbindungen bildeten im Jahre 1950 die Grundlage dafür, daß Haakon Lie zum „Kongreß für kulturelle Freiheit“ nach Berlin eingeladen wurde.8 Ein entsprechender Brief von Melvin Lasky, der für die Amerikaner in Berlin die Zeitschrift Der Monat herausgab9, erreichte den Norweger im Winter des Jahres 1950, woraufhin sich der Generalsekretär umgehend mit Willy Brandt in Verbindung setzte, um Näheres über das Vorhaben zu erfahren.10 Brandt, der zwei Jahre zuvor aus seinem skandinavischen Exil zurückgekehrt war und in Berlin für die norwegische Militärmission gearbeitet hatte, antwortete prompt: „Haakon, we go and participate.“11

Die norwegische Delegation der Berliner Konferenz

Daß ausgerechnet der deutsche Sozialdemokrat die Verbindungen zwischen Melvin J. Lasky und Haakon Lie, zwischen dem „Kongreß für kulturelle Freiheit“ und verschiedenen skandinavischen Persönlichkeiten herzustellen vermochte, mag angesichts der Exilerfahrungen und -kontakte Brandts nicht weiter verwundern.12 Brandt spielte in der Planungsphase des Kongresses eine entscheidende Rolle als Vermittler zwischen Berlin und Nordeuropa. So schrieb Brandt am 1. März 1950 einen Brief an Melvin Lasky, in dem er Kandidaten für eine skandinavische Delegation zur geplanten Berliner Konferenz nennt:

Lieber Mr. Lasky!

In Norwegen sollten Sie sich meiner Meinung nach wegen des Kongresses trotz der von mir zunächst gemachten Vorbehalte an Haakon Lie (Nytorget 2, Oslo) wenden. Er wird geeignete Kandidaten am besten vorschlagen können. Jedenfalls sollte man auch den bekannten Lyriker Arnulf Överland (Anschrift: Oslo) berücksichtigen. In bezug auf Schweden würde ich Ihnen raten, daß Sie sich zunächst an den von mir bereits erwähnten Dr. Stefan Szende wenden.13

Und es fallen weitere Namen: Ture Nerman, der Dichter Eyvind Johnson, der Chefredakteur der großen liberalen Zeitung Dagens Nyheter, Prof. Herbert Tingsten, und der dänische Abgeordnete Lars M. Olsen14 - auserlesene Kontaktpersonen für die Arbeit des Kongresses in Skandinavien. Wenig später setzte sich Brandt dann auch persönlich mit den genannten Persönlichkeiten in Verbindung, um sie auf die Einladung aus Berlin vorzubereiten: „Du wirst wahrscheinlich von Mr. Malvin Lasky hören [...]“, schrieb Brandt etwa an Szende in Schweden, „[er sucht einen] Kongreß in Berlin zustande zu bringen, für den alles, was in der Schriftstellerei und im Kulturleben seinen [sic!] Namen hat, gegen die Kommunisten aufgeboten werden soll.“15 Zwei Monate später dann teilte Brandt Lasky in Berlin mit:

Aus Oslo höre ich, daß die norwegische Delegation aus Haakon Lie, Willy Middelfart, Sigurd Hoel und Prof. Arup-Seip bestehen wird. Über Haakon Lie brauche ich Ihnen nichts näheres mitzuteilen. Middelfart ist einer der bekanntesten skandinavischen Maler der jüngeren Generation. Hoel ist ein sehr angesehener Romanschriftsteller, Novellist und Rezensent. Prof. Seip ist Sprachforscher und war vor einigen Jahren Rektor der Osloer Universität. In dieser Eigenschaft wurde er während des Krieges nach Sachsenhausen gebracht und dort schwer mißhandelt. Die Norweger halten es, wie ich Ihnen schon sagte, nicht für zweckmäßig, daß Överland diesmal dabei ist. Ich würde es darum für wichtig halten, daß sie ihn nicht ausdrücklich zum Herkommen animieren.16

Das deutsche Planungsbüro wurde bald von Brandt über den Umfang der norwegischen Delegation informiert. Die Deutschen dankten ihm für die

guten Nachrichten über die norwegische Delegation. Am gleichen Tage [6.5.] bekamen wir einen Brief von Haakon Lie, ungefähr des gleichen Inhalts, in dem er uns noch um ein besonderes Schreiben an Prof. Didrik-Arup Seip bat. Ich habe diesem Wunsche inzwischen im Auftrage des abwesenden Lasky entsprochen. Von Överland haben wir auf unsere Einladung vom 22.3. keine Nachricht bekommen. Werden das die Norweger unter sich abmachen.17

„Diese Sache sollen die Norweger in Oslo miteinander ausboxen“18, antwortete Brandt. Viel wichtiger als die Debatte um Överland war ja, daß Haakon Lie zugesagt hatte. Als Befürworter der NATO-Mitgliedschaft Norwegens zählte er zu denjenigen Regierungspolitikern, die die traditionell neutral ausgerichtete norwegische Sicherheitspolitik zugunsten einer US-orientierten Sicherheitspolitik aufgeben wollten19. Wegweisend für Norwegens Hinwendung zum Westen waren Stalins Schachzüge in Ost-Europa gewesen. Der Coup in der Tschechoslowakai, das wie Norwegen eine Politik des Brückenschlagens zwischen Ost und West verfolgt hatte, hatte im Sommer 1948 zu einer stillen Mobilisierung in Norwegen geführt. Hier sei – weil äußerst aussagekräftig – nur auf einen Bericht des amerikanischen State Department hingewiesen, der die norwegischen Reaktionen auf die Ereignisse (Coup in der Tschechoslowakai, Berlin-Blockade, Stalins Verhandlungen mit Finnland) aufgreift und auch auf die sowjetischen Reaktionen während der NATO-Debatten 1949 näher eingeht.20 Parallel zur norwegischen Hinwendung zum Westen jedenfalls erfolgte innerhalb des Landes eine regelrechte Kommunistenhetze21; den norwegischen Kommunisten mißlang der Wiedereinzug ins Storting.22 Und so war es Haakon Lie, der in all jenen Jahren eine exponierte, weil einflußreiche Rolle hinter und vor der Kulisse der norwegischen Nachkriegspolitik spielte.

Als Lie als Generalsekretär der norwegischen Arbeiterpartei die Einladung zum „Kongreß für Kulturelle Freiheit“ erhielt, schickte das Zeitungsorgan der AP, Arbeiderbladet, seinen Journalisten Per Monsen mit nach Deutschland; auch der Politiker Trygve Bull soll Lie nach Berlin begleitet haben.23 Für die Arbeiderbladet-Leser verfaßte Willy Brandt derweil einen Vorbericht über den Kongreß. Er kündigte an, Haakon Lie werde im Laufe der Konferenz eine Rede halten und nannte den „amerikanischen Verfasser“ Melvin Lasky als treibende Kraft hinter der Veranstaltung. Brandt bemerkte zur Zielsetzung der Konferenz:

Es ist wahrscheinlich, daß der Kongreß versuchen wird, eine Art programmatische Erklärung zur kulturellen Freiheit zu erarbeiten. [...] Man gedenkt nicht, eine „Weltorganisation“ nach kommunistischem Vorbild zu stiften. Aber es ist möglich, daß man sich über die Errichtung eines Sekretariats einigen wird, welches die Kontakte zwischen denjenigen aufrechterhalten soll, die weiterhin in der Offensive für die Geistesfreiheit und für eine positive Alternative zur Sklaverei der Machtstaaten bleiben.24

Eine Vorankündigung, wohlgemerkt, die sich ihren Platz zwischen Artikeln über den Kriegsausbruch in Korea erkämpfen mußte.25 Bereits am nächsten Tag berichtete Per Monsen aus Berlin. Er teilte dem Leser in Norwegen mit, daß es eine Freude für die norwegischen Teilnehmer gewesen sei, Haakon Lie während der Eröffnungs-Veranstaltung zu hören. Er sei der einzige skandinavische Redner gewesen; die Zuhörerschaft habe mit heftigem Applaus auf die „kurze und sehr treffende Rede“ reagiert.26

Wenn er in einem der russischen Satellitenstaaten die Funktion eines Partei-Generalsekretärs hätte, hatte sich Haakon Lie nach Melvin J. Lasky und Ernst Reuter an die Gäste der Eröffnungskundgebung gewandt,

[dann müßte ich] vielleicht auch dem norwegischen Maler Middelfart [...] ein Malverbot erteilen, weil seine Farben möglicherweise eine zu melancholische Stimmung haben, die dem vorgeschriebenen Optimismus zuwiderläuft. Oder ich wäre genötigt, [...] den Komponisten Vorschriften zu machen, wie und was sie zu komponieren hätten. [... Eine solche Arbeit ist] Henkersarbeit am Geiste.27

Es blieb nicht bei einleitenden Sympathiebekundungen für die kulturelle Freiheit. Kongreß-Teilnehmer wie Haakon Lie sorgten mit ihren Reden dafür, daß die Konferenz kein „Linien-Parlament des Geistes“ wurde.28 Das Aufeinandertreffen „so grundverschiedener Temperamente“29 gipfelte in einer Auseinandersetzung zwischen Arthur Koestler und André Philip, Adolf Grimme, Ernst Reuter und Haakon Lie. In einer Debatte am dritten Tag des Kongresses führte Koestler die Abkehr englischer Sozialisten von Europa auf die „anachronistische Antithese Sozialismus-Kapitalismus“ zurück: „Das englische Veto gegen ein nicht sozialistisches Europa ist ein mildes Gegenstück zu dem russischen Veto gegen eine nicht kommunistische Welt“30 Die Arbeiterparteien hätten ihren Internationalismus aufgegeben und so den Europa-Gedanken geschwächt.31

Koestlers Angriff im überfüllten Studentenhaus am Steinplatz32 stieß auf den Widerstand Haakon Lies. Er bekannte sich mit emotionalen Worten zu einer antikommunistischen Grundhaltung33, weil die soziale Entwicklung in Skandinavien den extremen politischen Bewegungen völlig den Boden entzogen habe:

Ein Kommunismus in diesen Ländern ist undenkbar, es sei denn als Resultat sowjetischer Bajonette und Panzer. [...] Meiner Auffassung nach wäre keine andere Kraft als der demokratische Sozialismus imstande gewesen, diese [d. i. die norwegische] Kommunistische Partei zu einer unbedeutenden kleinen Sekte zu reduzieren.34

Lie verwies auf den britischen Anteil an Marshall-Plan, Westunion und Atlantikpakt und sprach von den Grundlagen der Friedenssicherung. Die Skepsis Großbritanniens und Skandinaviens belege nicht den mangelnden Willen zur europäischen Zusammenarbeit, sondern die Vorsicht, die Errungenschaften des demokratischen Sozialismus – Vollbeschäftigung und hoher Lebensstandard – nicht „über Bord zu werfen“.35 Ob es gerade jene Meinungsverschiedenheiten waren, die am nächsten Morgen zu einer internen Sitzung des Kongresses führten, sei dahingestellt.36 Am Nachmittag sprach Haakon Lie erneut im Namen des Kongresses, diesmal bei der Abschlußkundgebung im Sommergarten am Funkturm zum Thema „Freie Kultur in einer freien Welt“.37 Er beteiligte sich tags darauf anscheinend noch an einer Diskussion über das Dritte Reich.38

Die Debatten während des Kongresses in Berlin scheinen den norwegischen Journalisten Monsen unterdessen soweit beeindruckt zu haben, daß er in einem Artikel über die Korea-Berichterstattung der ostdeutschen Zeitungen urteilt: Die Presse in der russischen Zone liefere nun den Beweis, daß das kommunistische Regime „ebenso zynisch brutal“ berichte wie dies zur Blütezeit der faschistischen Systeme üblich gewesen sei.39 Die Parallele zwischen der unterdrückten Meinungsbildung im Dritten Reich und in der Sowjetunion – das war ja geradewegs das Generalthema des „Kongreß für kulturelle Freiheit“ und Tenor in Haakon Lies antikommunstischem Glaubensbekenntnis! Das linksintellektuelle Dagbladet berichtete entsprechend nüchterner, der Kongreß sei in Ost-Deutschland auf ein starkes Interesse gestoßen.40

Während deutsche Zeitungen das Ereignis in Berlin weiter verfolgten, meldete sich Monsen erst am letzten Tage des Kongresses noch einmal aus Berlin und schrieb von einem ständigen Arbeitsausschuß des Kongresses, der ins Leben gerufen worden sei. Erste Aufgabe dieses Ausschusses sei es, eine internationale Universität für Flüchtlinge aus totalitären Staaten in Paris zu errichten. Haakon Lie sei dabei als skandinavischer Repräsentant für diesen Ausschuß vorgeschlagen worden.41 Monsens Darstellung ist dabei nur im weitesten – weil verkürzten – Sinne exakt: Den sieben Mitgliedern des Exekutiv-Komitees waren ebenfalls sieben Stellvertreter zur Seite gestellt worden: Lie sollte gegebenenfalls Irving Brown vertreten.42 Monsen erwähnt darüber hinaus nicht, daß Lie selbst am letzten Tage des Kongresses noch für Aufsehen sorgte. Das von Athur Koestler und Manès Sperber verfaßte 14-Punkte-Programm, das sich gegen jede Art von Neutralität aussprach, war unter den Anwesenden auf Kritik gestoßen. „It amounted to calling for a ban on the Communist Party“ schlußfolgerte der Historiker Hugh Trevor-Roper aus einem Abschnitt und erhielt Schützenhilfe u. a. von Haakon Lie, so daß Koestler den kritisierten Paragraphen zurückzog.43

Eine Woche nach der Konferenz in Berlin setzte Monsen einen abschließenden, umfangreichen Artikel ins Blatt, eingerahmt durch Zeichnungen von Willi Midelfart.44 Es habe keine sichtbaren Resultate gegeben – von der geplanten Internationalen Universität für Flüchtlinge und dem Arbeitsausschuß einmal abgesehen45 –, der Kongreß habe aber eine Grundlage für den Freiheitskampf geschaffen. Monsen kritisiert die „emotionsbetonte und unrealistische Europabegeisterung“, die von deutschen und romanischen Kongreßgästen ausging. Deutschland wolle seine nationalen Probleme offenbar über ein vereintes Europa lösen:

Wenn wir wissen, wo wir stehen, können wir auf eine Überwindung der Schwierigkeiten hoffen. Falls wir Zeit haben. Denn die Freiheit braucht Zeit, um in die Offensive zu gehen. Europas Dichter und Intellektuelle können nicht an einem einzigen Tag von Gesellschaftskritik zum Kreuzzug für die Demokratie überschwenken.46

Wiederum eine Woche später bringt Arbeiderbladet Koestlers Eröffnungsrede in norwegischer Übersetzung.47 Kurz darauf folgt ein Artikel von James Burnham, der während des Kongresses der amerikanischen Delegation angehörte und sich nun für eine weltumfassende Anti-Kommunismus-Offensive einsetzte.48 Es darf vermutet werden, daß Haakon Lie den Anstoß zu derartigen Veröffentlichungen gab.49 Die von Richard Crossmann eingeleitete Anthologie „The God that failed“, die als literarische Vorankündigung des Kongresses bezeichnet werden kann50, erschien im übrigen Mitte August in norwegischer Übersetzung als „Guden som sviktet“.51

Haakon Lies Engagement

Der Generalsekretär der norwegischen Arbeiterpartei nahm trotz seines Engagements in Berlin eine eher zurückhaltende Stellung gegenüber dem „Kongreß für kulturelle Freiheit“ ein. Bei der Anschlußtagung in Brüssel sprach er noch davon, aus dem Kongreß eine Massenbewegung machen zu wollen, die nicht nur Intellektuelle anspricht: „Wir müssen und wir können unter den Massen wirken.“52 Er knüpfte für das Pariser Sekretariat zunächst Verbindungen nach Stockholm und Kopenhagen53 – Monate später allerdings kam er zu der Erkenntnis, daß eine skandinavische Kongreß-Gruppe eigentlich nicht notwendig sei:

Il résulte du rapport de M. Haakon Lie que bien qu’il n’existe pas de bureau du Mouvement en Scandinavie, de nombreuses organisations s’intéressent au travail entrepris. Le parti communiste est passé dans la clandestinité et s’est formé en petits groupes de saboteurs, mais personne ne parle de communisme russe. Danois, Norvégiens, Suedois et Islandais ont lancé une campagne de paix en dix points dont les sympathisants communistes se sont emparé pour mener la lutte.54

Das Protokoll vermerkt an dieser Stelle:

Le Procès Rousset a eu en Scandinavie un très grand retentissement. M. Haakon Lie a invité les membres du Comité Exécutif à faire connaître le plus possible l’existence des camps en Union Soviétique, le travail d’esclave qui y est exigé, etc. .[...] Il a suggéré que soit diffusé en Scandinavie un magazine tel que ‘Ostprobleme’, car, dit-il, on a besoin de documentation et non de propagande.55

Lie, der im zeitlichen Abstand dem Kongreß kaum Bedeutung zumessen kann, argumentiert noch heute in ähnlicher Weise, wie es das zitierte Protokoll aus dem Jahre 1951 vermerkt. Sein Fazit, ein halbes Jahrhundert nach der Gründung des Kongresses: Es habe angesichts der politischen Lage eigentlich keine Notwendigkeit gegeben, skandinavische Projekte der Organisation durchzuführen. Er habe damals lediglich die Einladung von Freunden nicht abschlagen wollen und sich deshalb engagiert.56 Jedoch, und darauf ist bereits mit Nachdruck hingewiesen worden:

Auch als Geschichtenerzähler ist Haakon Lie Ideologe – die historische Rekonstruktion ist ideologisch geprägt.57

Dieser Hinweis ist zur Einordnung der Ereignisse unabdingbar. Das Sekretariat in Paris jedenfalls ging noch im September 1951 davon aus, daß Lie für die Publikation von Kongreß-Schriften in Norwegen sorgen könnte.58 Auf der Anschlußkonferenz in Brüssel im Herbst 1950 hatte er schließlich erklärt, daß sich in Oslo aus gegebenem Anlaß bereits eine Aktionsgruppe gebildet habe:

Ilja Ehrenburg war kürzlich in Oslo und verbrachte eine Woche damit, Intellektuelle in stundenlange Diskussionen zu ziehen. Der Appell von Stockholm hat aber in Norwegen völlig versagt. Wir haben in Oslo eine Organisation in der Art der ‚Amis de la liberté’ geschaffen und die hervorragendsten norwegischen Intellektuellen dazu gebracht, gegen den Stockholmer Appell Stellung zu nehmen. In erster Linie müssen wir aber mit den bestehenden Organisationen arbeiten, und die erste Aufgabe des Komitees wäre es, in jedem Land ein kleines Büro zu errichten, das die Informationen allen bestehenden Organisationen zugänglich macht.59

Darüber hinaus schärfte Lie über Jahre hinweg das Pariser Profil des Kongresses. Die Gründungsurkunden der Parises Sekretariates tragen neben der Unterschrift von Georges Altman auch Lies Signatur.60 Er nahm noch regelmäßig an den Sitzungen des Exekutivkomitees teil61, und er erinnerte sich daran, im Namen des Kongresses verschiedene Reden gehalten zu haben62:

Haakon Lie sprach in Hamburg auf einer Veranstaltung der sozialistischen Arbeitsgemeinschaft und der Europa-Union zum Thema „Das Problem des Friedens und die skandinavischen Länder“ sowie im Rahmen eines Diskussionsabends vor einem Jugendforum. Sein Vortrag wurde auszugsweise im Rundfunk gebracht.

Sein Vortrag in Berlin fand vor 2500 Arbeitern in der großen Halle der AEG statt unter dem Thema „Freiheiten, für die wir kämpfen“. Außerdem sprach er vor einem sozialistischen Forum. Seine Rede in der AEG wurde vom Nordwestdeutschen Rundfunk und vom RIAS in 2 Sendungen auszugsweise gebracht.63

Lie wurde ferner als Präsident für das „Mouvement international pour la liberté de la culture“ gehandelt und erarbeitete 1951 ein Programm für die in Paris geplante Anschlußkundgebung.64 Sein Name findet sich auch auf einer Redner-Liste, mit der das deutsche Büro des „Kongreß für kulturelle Freiheit“ dem Deutschen Gewerkschafts-Bund eine Zusammenarbeit unterbreitete.65 Was Lies Arbeit in Skandinavien betraf, konstatierte das Protokoll einer Sitzung des Exekutiv-Komitees im Juni 1951:

M. Haakon Lie indique pour la Scandinavie, la difficulté réside dans le choix de la langue. Les publications sur le travail forcé constituent l’activité la plus importante. Une traduction du livre de Margarete Buber-Neumann a déjà obtenu un immense succès, ainsi que d'autres publications [partent?] sur le réarmement de l’Allemagne orientale. La campagne d’Anne Kethly – la sosialiste hongroise – a eu un immense succès. ‘Ost-Probleme’ est une des meilleuses sources d’information.66

Und auch das Protokoll einer weiteren Sitzung, zwei Jahre später, berichtet von Lies Aktivitäten in Norwegen:

Le Secrétariat International a procuré à M. Haakon Lie une série de documents sur le procès de Prague qui on été utilisés pour la publication de deux brochures en langue norvégienne traitant de ce procès.67

1953 sprach Lie auf der Hamburger Konferenz des Kongresses zum Thema „Die Probleme Skandinaviens“68, 1955 nahm er an einem CCF-Kongreß in Mailand teil69, und auch bei der Jubiläumsfeier 1960 in Berlin war der Arbeiterpolitiker vertreten70 – möglicherweise zum letzten Mal, denn im „Conseil international du CCF en Juin 1960“ wird Lie nicht mehr aufgeführt.71

Das umstrittene Buch „Kaderpartiet“

Neueste Forschungen zum Thema rechnen Haakon Lie deshalb zur „Standardbesetzung der CCF-Kongresse“72, auch wenn seine Aktivitäten im Vergleich mit denen des deutschen Büros einen eher kleinen Umfang hatten. Anfangs schlug der Generalsekretär noch Brücken zwischen dem Kongreß und norwegischen Buchverlagen.73 Mit den Ereignissen des 17. Juni 1953 dann wurde er in ganz Skandinavien „propagandistisch tätig“.74 Für Norwegen fällt dabei besonders die 1954 veröffentlichte Kampfschrift „Kaderpartiet – kommunistisk stretegi og taktikk“ ins Gewicht. Daß sie im unmittelbaren Zusammenhang mit dem „Kongreß für kulturelle Freiheit“ steht, war bislang nicht bekannt, wohl aber ihr explosiver Inhalt.75 Im September 1954 schrieb Lie an Michael Josselson, der in seiner Eigenschaft als amerikanischer Kulturoffizier möglicherweise als Verbindungsmann zwischen Kongreß und CIA gewertet werden muß:

We are to-day [sic] mailing you [d. i. das Pariser Büro] a dozen copies of “Kaderpartiet” – our condensation of Selwick’s “The Organizational Weapen” [sic,...]. With the flood of good-will missions and “cultural exchange” it really appears at a good time. Many thanks for your assistance! [...]76

Die Kampfschrift, eine Übersetzung von “The Organizational Weapon” von Philip Selznick, provozierte eine heftige öffentliche Debatte. Lie hatte das Buch des kalifornischen Professors nicht nur ins Norwegische übertragen, sondern durch Norwegen-spezifische Bemerkungen ergänzt. So schrieb er von der Infiltration verschiedener Gruppierungen, Zeitungen und Organisationen durch Kommunisten, nennt dabei vor allem Dagbladet und studentische Einrichtungen.77 Abschwächend erklärte Lie damals: „Diejenigen, die sich in diese Arbeit hineinversetzen wollen, sollten unter anderem Bücher von Koestler lesen“78 Die Debatte gipfelt schließlich in einer Vortragsreihe Lies an Universitäten und in den Diskussionsforen des „Studentersamfund“, deren Studenten sich teils öffentlich von kommunistischem Gedankengut distanziert hatten.79 Es ist davon auszugehen, daß „Kaderpartiet“ nicht die einzige Veröffentlichung war, die Haakon Lie in Norwegen für den „Kongreß für kulturelle Freiheit“ ermöglichte.80

Der skandinavische CCF

Es darf in diesem Zusammenhang nicht übersehen werden, daß sich die Errichtung von nationalen Komitees in ganz Skandinavien als schwierig erwies und daß die Entwicklung nur sehr langsam vonstatten ging. Das Pariser Büro hatte Verbindungen zu dem schwedischen Dichter, Journalisten und Politiker Ture Nerman aufgenommen, der die beiden Zeitschriften Samtid och framtid und Trotss allt! herausgab und schon bei der Konferenz in Berlin dabei war.81

Ende März 1952 arrangierte der Kongreß eine Konferenz in Stockholm, um eine skandinavische Filiale ins Leben zu rufen.82 Haakon Lie teilte Ture Nerman mit, daß zur norwegischen Delegation auch Per Monsen gehören werde. Gemeinsam mit dem Lyriker Arnulf Överland reiste Lie nach Stockholm, um an der Konferenz teilzunehmen.83 Schon bald stellte sich jedoch heraus, daß Schwedens Neutralitätshaltung bei politischen und intellektuellen Debatten das Engagement des Kongresses erschwerten. Das geht aus einem Brief von Ture Nerman an die Pariser Zentrale und aus Reden der Konferenzteilnehmer hervor.84 Willy Brandt, seit dem Sommer Mitglied des deutschen Kongreß-Büros85, berichtete:

In der Debatte trat eine gewisse Unterschiedlichkeit zwischen den Dänen und Norwegern einerseits und mehreren schwedischen Vertretern andererseits zutage. Die Dänen und die Norweger gingen von ihren Erlebnissen und Erfahrungen während der deutschen Besetzung aus und konzentrierten sich auf die Auseinandersetzung mit der dominierenden Gefahr des sowjetischen Totalitarismus. Im Klima des neutralen – oder richtiger: allianzfreien – Schweden wollten manche andere Probleme als fast wichtiger erscheinen. [Absatz] Da gab es einige erstaunliche Vergleiche zwischen Schwächen der westlichen Demokratien und den Zuständen hinter dem Eisernen Vorhang.86

Auch Haakon Lie erinnert sich daran, die Konferenz mit einer eher skeptischen Grundhaltung aufgesucht zu haben: „I didn’t like it at all. Sweden has been neutral, and they were still neutral.“87 Angesichts dieser Neutralitätshaltung wiederum sei es aber geradewegs verständlich gewesen, daß sich der „Kongreß für Kulturelle Freiheit“ für eine skandinavische und speziell schwedische Gruppe interessiert habe.88 Lie beteuert in diesem Zusammenhang: „I don’t think Norway meant anything to them“89, doch in Brandts Bericht heißt es:

Nicht nur in Stockholm, auch in den anderen skandinavischen Hauptstädten ist die Bewegung des Kulturkongresses jetzt durch Kontaktstellen vertreten.90

und „vertraulich“:

Eine organisatorische Zusammenfassung der Freunde des Kongresses ist in Norwegen bisher nicht erfolgt. Haakon Lie scheint auch nicht der Meinung zu sein, daß eine solche Zusammenfassung erforderlich ist. Es ist jedoch sichergestellt, daß die Materialien des Kongresses in Norwegen verbreitet und ausgewertet werden.91

In Schweden trat derweil ein „Svenska Kommité för kulturens frihet“ ab Dezember 1952 an die Öffentlichkeit92, in Dänemark formierte sich eine „selskapet for frihet og kultur“.93 Jedoch:

Die angedeuteten Unterschiede zwischen den skandinavischen Ländern ließen es gegenwärtig nicht angebracht erscheinen, ein gemeinsames skandinavisches Sekretariat des Kongresses zu errichten. Die Arbeitszentren in Kopenhagen, Stockholm und Oslo werden jedoch [...] eng zusammenarbeiten.94

Dem Büro der Deutschen Exekutive gegenüber formulierte Brandt die Sache wesentlich kritischer:

Die dänischen und norwegischen [!] Delegierten waren unter den gegebenen Umständen nicht bereit, der Bildung eines gemeinsamen skandinavischen Büros in Stockholm zuzustimmen.95

Auch auf einem weiteren Treffen der Skandinavier, in Göteborg, wurden die unterschiedlichen Auffassungen innerhalb der skandinavischen Gruppen deutlich. Diesmal reiste ein anderer norwegischer Sozialdemokrat zu der Versammlung: Der Parteisekretär für Internationales, Aake Anker Ording, nahm an der Veranstaltung „Der Norden in der Welt“ teil und verkündete, daß er noch immer ein konstruktives Programm für den ideologischen Kampf vermisse.96 Die schwedische Gruppe unter Vorsitz von Ture Nerman mußte sich in Göteborg stattdessen mit der Kritik einer jüngeren, liberal gesinnten Schriftstellergruppe auseinandersetzen.97 Das heißt: Es waren somit längst nicht mehr allein die Vertreter der Arbeiterbewegung und Kriegsemigranten, die sich in Skandinavien zum Kampf für die Freiheit engagieren wollten. Haakon Lie nahm jene Auseinandersetzungen offenbar zum Anlaß, sich aus der Frontlinie des Kongresses zurückzuziehen. Im September 1955 gingen die Mitglieder des Exekutivkomitees deshalb näher auf Lies Stellung innerhalb der Organisation ein. Als das Komitee neu zusammengestellt werden soll, heißt es:

Election du Comité Exécutif. Il fait également part au Comité du désir exprimé par M. Haakon Lie de continuer à suivre les travaux du Congrès pour la Liberté de la culture, mais de ne plus faire partie du Comité Exécutif. Cette décision ramène donc le nombre des membres actuels du Comité Exécutif a 16.98

Aus dieser Entscheidung ergab sich eine gewisse Vakanz für die Umsetzung der Kongreß-Projekte in Skandinavien:

Le Comité Exécutif décide, au cas où ses membres seraient réélus par l'Assemblée Générale: [...] iii) de laisser un siège vacant pour un représentant des Etats Scandinaves.99

Man entschloß sich, die Stelle möglichst bald einzurichten:

M. Josselson rapelle que l’Assemblée Générale avait décidé, a la suite de la démission de M. Haakon Lie, de coopter un membre Scandinave au Comité Exécutif. La candidature de M. Rolf Edberg avait été propo’see par les comités Scandinaves lors de la réunion du Bureau du Comité, le 4 Décembre.[...] Par suite de la nomination de M. Edberg a un poste diplomatique, cette candidature ne peut maintenant être envisagée. Le Comité Exécutif décide de reporter a sa prochaine réunion l’examen de la cooptation d’un membre Scandinave.100

Daß die Aktivitäten mittlerweile hauptsächlich von der dänischen Gruppe um Jørgen Schleimann ausgingen, der über ein NATO-Stipendium in Paris Kontakte zum Kongreß fand101, kann diesen Eindruck nur bestätigen. Der Kongreß machte Schleimanns Gruppe um 1956 offenbar zur Schaltstelle für Publikationen in Skandinavien.102

II.

„Minervas Kvartalsskrift“ und der CCF

Eben über diese Schaltstelle erfuhr das norwegische Engagement des „Kongreß für Kulturelle Freiheit“ einen neuen Impuls, wenn auch nur indirekt und unabhängig vom einstigen Einsatz Haakon Lies. Pierre Emmanuel, der seit 1959 als literarischer Direktor des Pariser CCF-Büros unter anderem Autorenseminare in Skandinavien veranstaltete103, vereinbarte bei einem Besuch mit Jørgen Schleimann in Oslo 1960 die Zusammenarbeit mit der wert-konservativen, von Lars Roar Langslet herausgegebenen Studentenzeitschrift Minerva.104 Minervas Kvartalsskrift durfte von nun an bereits publizierte Artikel des Kongresses ins Norwegische übersetzen und erneut publizieren, ohne dadurch das Copyright zu verletzen. Gleichzeitig bezahlte der Kongreß rund 50 Minerva-Abonnements, verschickte die Hefte an Intellektuelle in Skandinavien und Europa und stellte die für die Zusammenarbeit notwendigen Finanzmittel zur Verfügung.105

Das Treffen mit Emmanuel und Jørgen Schleimann im Osloer Grand Cafe war über den Philosophen Asbjörn Aarnes in die Wege geleitet worden.106 Aarnes stand nicht zuletzt über den PEN-Club in Verbindung mit Pierre Emmanuell, der eine ausgeprägte Sympathie für Norwegen empfand und auch schon norwegische Gedichte ins Französische übersetzt hatte.107 Die Zusammenarbeit zwischen dem Kongreß und Minerva beschränkte sich nicht auf die Veröffentlichung von CCF-Artikeln durch das Studentenblatt. Man organisierte drei Veranstaltungen in Oslo, angefangen vom Seminar „Barokken og vår tid“ in Hadeland im Mai 1961 über „Marx og marxismen i dag“ im Herbst 1962 bis hin zu einem Ethik-Seminar am Holmenkollen 1967. Die Initiative zu diesen Seminaren ging dabei wohl von den Minerva-Redakteuren aus.108 Kritiker, die am Beispiel Minervas einzig die Unterwanderung der norwegischen Kulturlandschaft durch den US-Geheimdienst hervorheben, setzen den Schwerpunkt anders:

[...] Minerva, in Zusammenarbeit mit dem CCF, wurde zum norwegischen Arrangeur für internationale Seminare, die der Kongreß in Norwegen halten wollte.109

Zu den Teilnehmern dieser Seminare gehörten zahlreiche bekannte norwegische Schriftsteller, Philosophen und Akademiker mit unterschiedlicher politischer Färbung110. Gleiches galt jedoch stets für die Zusammensetzung derjenigen Autoren, die für Minerva zur Feder griffen.111 Das Übereinkommen zwischen Minerva und dem „Kongreß für kulturelle Freiheit“, das diese Autorenriege jetzt also auch noch um international renommierte Persönlichkeiten erweiterte, erwies sich als profitable Angelegenheit für beide Partner: Die Studenten-Zeitschrift konnte durch außergewöhnlich bekannte Namen Aufsehen erregen, während der Kongreß offenbar das Standbein erreichte, das ihm in Norwegen bislang gefehlt hatte:

Es war eine Art doppeltes Debut: Der Kongreß hat niemals zuvor Konferenzen dieser Art in Norwegen arrangiert; und Minervas Kvartalsskrift ist zuvor nicht bei solchen Projekten engagiert gewesen.112

Langslet unterstreicht, daß der Kontakt zum „Kongreß für kulturelle Freiheit“ lediglich über die Freundschaft zwischen Aarnes und Emmanuell zustande gekommen sei.113 Weder kannte er die früheren Verbindungen zwischen Haakon Lie und dem Kongreß, noch wurde er – als Student – jemals zu Kongreß-Veranstaltungen eingeladen.114 Der persönlichen Verbindung nach Paris zufolge habe es auch keine Versuche des Kongresses gegeben, in irgendeiner Form auf die Minerva-Redaktion einzuwirken. Minerva habe die großen Namen auf dem Zettel Pierre Emmanuells gesehen und sich ans Werk gemacht.115 Besonders in den ersten Jahren der Zusammenarbeit übernahm die Redaktion zahlreiche Artikel und legte sie den norwegischen Intellektuellen nahe.116 Es sollte allerdings noch eine zeitlang dauern, bis der Umfang der Zusammenarbeit auch der Minerva-Leserschaft unterbreitet wurde:

Wir haben gut von einer solchen „Assozierung“ mit dieser umfassenden internationeln Organisation profitiert, und haben die Möglichkeit bekommen, Stoff aus den vielen hoch angesehenen Zeitschriften zu verwenden, die der Kongreß herausgibt oder mit denen er in Verbindung steht. Bei zwei Gelegenheiten - im Frühjahr 1961 und im Herbst 1962 – sind der Kongreß und Minervas Kvartalsskrift zusammengegangen, um ein internationales Seminar in Norwegen abzuhalten.117

Bei näherer Betrachtung erweist sich damit vor allem das zweite der drei Seminare als Veranstaltung ganz im Sinne des CCF: Zu „Marx og marxisme i dag“ schickte das Pariser Sekretariat des Kongresses eine handvoll prominenter Redner, etwa Leopold Labedz von der Columbia University New York, Henri Chambre S.J. von der Universität in Paris sowie K. A. Jelenski, der zum Kreis des polnischen Exil-Organes „Kultura“ zählte.118 Die folgende Minerva-Ausgabe druckte als Konsequenz die Beiträge der Kongreß-Teilnehmer in Verbindung mit Marx-Texten ab, während die Redaktion dem Leser mitteilt:

Wir meinen, daß es daher eine natürliche Aufgabe für eine konservative Zeitschrift sei, ihren Beitrag zu einer vernünftigen Einschätzung dieser zutiefst revolutionären Denker zu leisten.119

In Konsequenz werden dem Minerva-Kreis konservative Gesellschaftsentwürfe zugeschrieben, die sich der marxistischen Gesellschaftsvorstellung nähern: Daß in diesem Zusammenhang Begriffe wie roter Konservatismus oder schwarzer Marxismus fallen, darf so also nicht verwundern.120 Festzuhalten bleibt, daß somit die Übergänge zwischen kontrollierter westlicher „Propaganda“ und selbständiger Freischärlerei im Kalten Kulturkrieg fließend verlaufen und eine differenziertere Beurteilung blockieren. Minervas Kvartalsskrift war keine Kongreß-Zeitschrift im eigentlichen Sinne, sondern Zweitverwerter der Kongreß-Artikel.121

III.

Schlußüberlegungen

Der amerikanische Wissenschaftler Joseph Nye prägte 1990 den Begriff „Soft power“.122 Er hebt damit die Bedeutung der Kulturpolitik für das machtpolitische Erscheinungsbild eines Landes hervor. Auch Organisationen wie der „Kongreß für kulturelle Freiheit" lassen sich in diesem Sinne als weiche Waffen im Kalten Krieg auffassen. In dem Maße, in dem die demokratische Ideologie in der Welt verbreitet wird und totalitäre Systeme anprangert, wächst schließlich rund um den Globus die Sympathie für den Demokratiegedanken – und mit ihr die Ablehnung totalitärer kommunistischer Systeme. Es kann nicht abgestritten werden, daß dem „Kongreß für kulturelle Freiheit“ aus amerikanischer Perspektive eine wichtige Rolle zufiel.

Weitaus differenzierter sind aber diejenigen zu betrachten, die den Kongreß ins Leben riefen oder mit ihm zusammenarbeiteten. Wer aus der CIA-Finanzierung auf die CIA-Hörigkeit der Mitarbeiter schließt, muß die Organisation zwangsläufig als eine Art liberale, weltumfassende Verschwörung betrachten.123 Entstehungsgeschichte und Irrwege des Kongresses weisen in eine andere Richtung: Das norwegische Beispiel zeigt, wie abhängig die Arbeit des Kongresses von persönlichen Verbindungen und Interessen war. Hätten Kongreß oder gar CIA tatsächlich die norwegischen Intellektuellen „infiltrieren“ wollen, wäre die Entwicklung des Kongresses wohl zügiger, zielgerichteter und am Ende erfolgreicher zustande gekommen. So aber erweist sich der „Kongreß für kulturelle Freiheit“ als eigenständiger Versuch idealistischer Antikommunisten, auf die unterdrückte Geistesfreiheit in totalitären Staaten hinzuweisen. Die Auseinandersetzung mit dem Kommunismus beherrschte ohnehin die Schlagzeilen der Tageszeitungen, die Berichte der Rundfunksender und die Diskussionen an den Universitäten. Sidney Hook hebt in seinen Memoiren hervor:

No matter what the source of its founding, it had absolutely nothing to do with any congress decision or policy. It is simply preposterous to believe that men like Ignazio Silone, Raymond Aron, Nicolas Chiaromonte, Michael Polyani, Haakon Lie, or Carlo Schmid [...] would dance to anyone else’s tune.[...] they were individuals who had reached the front rank of their professional life long before the Congress came into existence.124

Die entschärfte, entpolitisierte Beurteilung des Kongresses wird gestützt durch paradox anmutende politische Wendungen innerhalb des CCF, nationaler Gruppen wie in Schweden sowie agierender Persönlichkeiten wie in Norwegen. Haakon Lie, der 1950 wesentliche Akzente während der Berliner und Brüsseler Konferenz des Kongresses setzte, beruft sich auf die einfache Basis der Arbeiterbewegung; Lars Roar Langslet, der als verantwortlicher Redakteur der Minerva Kvartalsskrift ab 1960 Kongreß-Artikel in Norwegen veröffentlichte, auf intellektuell-konservative Kreise. Die Paradoxie setzt sich fort, schränkt man die Betrachtung noch enger ein: Lies überdeutliches Engagement für den Kongreß verebbte, obwohl der Generalsekretär der Arbeiterpartei fortwährend laut für eine antikommunistische Grundhaltung warb und in diesem Zusammenhang Kaderpartiet veröffentlichte; Lars Roar Langslets Magisterarbeit „Den unge Marx“ brachte Marx erstmals den norwegischen Intellektuellen nahe, während Artikel und Seminarbeiträge in Minerva auf die Doppelbödigkeit des Kommunismus hinwiesen.

Aber kann man hier wirklich von Paradoxien sprechen, von verebbtem Engagement oder politischer Widersprüchlichkeit? Daß sowohl linke als auch konservative Denker in Verbindung zum „Kongreß für kulturelle Freiheit“ standen, läßt sich letztlich über die gemeinsame westliche anti-kommunistische Grundhaltung erklären. „Le Congrès pour la liberté de la cuilture n’a pas été un théâtre de marionettes manipulées en coulisse.“125

Der Feind des Feindes vereinigte die Gegensätze der demokratischen Politbühne. Für den „Kongreß für kulturelle Freiheit“ hieß dies, daß er nicht Antriebsmoment, sondern Ausdruck der ideologischen Geschlossenheit des Westens war. Gemeinsam war den Kongreß-Aktivisten eine intellektuelle Grundhaltung. Daß Haakon Lie sein Engagement in Norwegen und für eine skandinavische Gruppe bis auf wenige Ausnahmen im Sande versickern ließ – „This is for intellectuals but not for an old lumber-jack like me“126 – kann hier als Beispiel angeführt werden. Wenn der „Kongreß für kulturelle Freiheit“ überhaupt mehr war als „intellektuelles Sechstagerennen“127 oder „biographische Fußnote“128, dann war es der Versuch, eine kulturelle, „geistige Gegenfront“129 an den Nahtstellen des Eisernen Vorhanges zu errichten. Mit seinen Konferenzen und Publikationen sind „das Hinhalten, das Neutralisieren, der Elfenbeinturm gewisser westlicher Intelligenzschichten [...] als schnöde Halbheiten öffentlich an den Pranger gestellt worden.“130

Und das bis hin nach Norwegen. Was nun in diesem Rahmen das Engagement von Willy Brandt betrifft, so ist er als Drehachse für die Verbindungen des Kongresses nach Nordeuropa zu betrachten. Der „Kongreß für kulturelle Freiheit“ und seine nordeuropäische Episode kann insofern auch als Paradebeispiel dessen aufgefaßt werden, was die Exilforschung immer wieder betont hat: Exil und Widerstand, Wiederaufbau und demokratische Erneuerung hängen personell eng zusammen, ebenso die rein pragmatisch erfolgten Kontakte zwischen Nachrichtendiensten und Freiheitsaktivisten – vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Haakon Lie und Willy Brandt verkörpern damit einen freiheitlichen Pragmatismus, der nur eines zum Ziel hatte: Die Zerschlagung jedweden totalitären Einflusses auf westliche, demokratische Gesellschaften.

„Ihr sollt keine Male ... an eurem Leib reißen noch Buchstaben an euch ätzen, denn ich bin der Herr“, hieß es in der Bibel. Der menschliche Körper galt als Abbild Gottes, und wer ihn veränderte, ließ Mißverständnisse über das Urbild aufkommen. Trotz dieses Verbots wurde der Körper in allen Kulturen auch als Mitteilungsinstrument verstanden: Wir produzieren Zeichen mit ihm, um zu kommunizieren, wir setzen ihn als Zeichen ein, um uns selbst darzustellen. Wie wir uns verhalten, bestimmt, in welchen Verhältnissen wir leben.


1  Die Arbeit geht, betreut von Prof. Dr. Einhart Lorenz von der Universität Oslo, auf Forschungen im Rahmen eines ERASMUS-Stipendiums der Europäischen Union zurück.

2  Zu Ursprung und Hintergrund der Organisation vgl. Shils, Edward: Remembering the Congress for Cultural Freedom. In: Encounter 9/1990, 53f., und MacDonald, Dwight: Special insert: The Waldorf Conference. In: Politics, Winter 1949, 32A-D, sowie vor allem Warner, Michael: Origins of the Congress for Cultural Freedom (1949–50). Cultural Cold War. In: Studies in Intelligence 1995, Vol. 38, Nr. 5. Zitiert nach: http://www.odci.gov/csi/studies/95unclas/war.html. Zur Finanzierung vgl. Warner, 3f.: Die Rede ist vom Office of Policy Coordination (OPC), dem neugegründeten, verdeckt operierenden Arm der CIA. Der OPC stützte anti-kommunistische Gewerkschaften in Europa mit finanziellen Zuschüssen, vor allem durch gute Kontakte zu Irving Brown, dem europäischen Vertreter der AFL-CIO. Ebd, 6: „Having set the congress in motion, OPC sat back and watched while events played themselves out.” Corbin-Schuffels verweist auf ähnliche Aktivitäten des Office of Strategic Service (OSS), dem bereits 1942 gegründeten Vorläufer des CIA. Vgl. Corbin Schuffels, Anne-Marie: Agitprop im Kampf für die Freiheit der Kultur. In: Claus-Dieter, Krohn u. Gerhard Paul (Hg.): Exil im Widerstand. München 1997 (Edition Text & Kritik: Exilforschung, Bd. 15), 256. Gerüchte, der CIA finanziere die Publikation antikommunistischer Schriften, gab es bereits im Frühjahr. Vgl.: Wenn meine Mutter Räder hätte. In: Der Spiegel 9/1949. Vgl. darüber hinaus Diggins, John P.: Up from communism. New York/Evanton/San Francisco/London 1975, 327 sowie Hook, Sidney: Out of Step. An unquiet life in the 20th century. New York 1987, 248–275.

3  Vgl. Corbin-Schuffels, 255ff. Peter Coleman lieferte vor Jahren die erste umfassende Untersuchung über den Kongreß. Vgl. Coleman, Peter: The Liberal Conspiracy. The Congress for Cultural Freedom and the Struggle for the Mind of Postwar Europe. New York 1989. Vgl. für Schweden: Runeby, Nils: Die Halbjungfrauen der Demokratie. Zur Geschichte des „Schwedischen Komitees für kulturelle Freiheit“ 1950–1960. In: Müssener, Helmut (Hrsg.): Aspekte des Kulturaustausches zwischen Schweden und dem deutschsprachigen Mitteleuropa nach 1945. Stockholm 1981 (Stockholmer Germanistische Forschungen Bd. 28), 205ff. Vgl. für Frankreich: Grémion, Pierre: Intelligence de l’anti-communisme. Le Congrès pour la liberté de la culture à Paris (1950–1975) Paris 1995, und Corbin-Schuffels. Vgl. für Österreich: Keller, Fritz u. Elisabeth Hirt: Der CIA als Mäzen oder: Wie autonom ist autonome Kunst? In: Zeitgeschichte (1986) 13 (9-10), 311–318. Vgl. für Deutschland jetzt Hochgeschwender, Michael: Freiheit in der Offensive? Der Kongreß für kulturelle Freiheit und die Deutschen. München 1998 (Ordnungssysteme, Studien zur Ideengeschichte der Neuzeit, Bd. l). Einführend vgl. ebd., 17–42, sowie mit Abstrichen auch Schmidt-Eenboom, Erich: Undercover. Der BND und die deutschen Journalisten. Köln 2 1998, 327–350.

4  Hochgeschwender, 592.

5  Vgl. im Zusammenhang der „Ulovlig Overvåking“-Debatten jetzt abschließend Bergh, Trond und Knut Einar Eriksen: Den hemmelige Krigen. Overvåking i Norge 1914–1997 (Bd. I + II). Oslo 1998.

6  Gabrielsen, Trond: Menn og meninger. De fire politikere C.J. Hambro, Halvard Lange, Haakon Lie, Herman Smitt Ingebretsen. Oslo 1976, 84: „[...] den storm som stadig har stætt omkring Haakon Lie og hans virksomhet“.

7  Zu Haakon Lies Rolle in der Norwegischen Arbeiterpartei (DNA) vgl. Slagstad, Rune: De nasjonale strateger. Oslo 1998, 345–355, sowie – gerade in Bezug auf das Thema dieser Darstellung – Bergh/Eriksen, 447–458, 504f. Zum Verhältnis DNA und Kommunistische Partei (NKP) vgl. darüber hinaus Stenersen, Øivind: Venstrekreftene i norsk politikk. In: Bergh, Trond (u.a.): Vekst og velstand. Norsk politisk historie 1945–1965. Oslo/Bergen/ Tromsø 2 1981, 337–400, bes. 352f.: Bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit hatte die Arbeiterpartei Informationsbroschüren herausgegeben, die gegen die NKP und den internationalen Kommunismus gerichtet waren, etwa „Fakta for talere og tillitsmenn“ oder „Den skjulte bataljon“. Zum umstrittenen Lie-Bild in der Nachkriegszeit vgl. beispielsweise Arbiter: Haakon Lie. In: Dagladet, 9.10.1954.

8  Vgl. Coleman, 20: Sowohl Haakon Lie als auch der „Journalist“ Per Monsen seien als ehemalige Widerstandskämpfer zum Kongreß eingeladen worden. Monsen aber, das sei hier unterstrichen, war keineswegs ein gewöhnlicher Journalist, sondern u. a. Brandts Nachfolger bei der Norwegischen Militärmission in Berlin. Vgl. zu Monsen etwa Bergh/Eriksen, 458, 472f, 497 (Bd. l).

9  Lasky hatte in Berlin bereits 1947 durch anti-stalinistische Bemerkungen auf dem Schriftsteller-Kongreß auf sich aufmerksam gemacht. Vgl. Herzinger, Richard: Kinder, So kommen wir nicht weiter. In: Die Zeit, 28.11.1997, 67.

10  Gespräch mit Haakon Lie, 9.9.1997. Lie kannte „Friedenskongresse“ nur als Veranstaltungen der Kominform: „De som tilsynelatende tok initiativet til dem, var kunstere og vitenskapsmenn – nesten alltid uten tilknyting til kommunistpartiene. Verdenskjente navn ble nyttet ut“ (Diejenigen, die scheinbar die Initiative ergriffen, waren Künstler und Wissenschaftler – fast immer ohne Verbindung zu den kommunistischen Parteien. Weltbekannte Namen wurden ausgenutzt). In: Lie, Haakon: Sjebneår. 1945–1950, Oslo 1985, 415. Vgl. in diesem Zusammenhang unbedingt Slagstad, Anm. 703 (349): Lies Erinnerung sei ideologisch verfärbt. „Også som historieforteller er Haakon Lie ideolog – den historiske rekonstruksjon er ideologisk styrt.“

11  Gespräch mit Haakon Lie, 9.9.1997. Brandt taucht nicht auf der im Monat abgedruckten Teilnehmerliste auf. Vgl. Der Monat 22/23 1950, 476f.

12  Welche Rolle in diesem Zusammenhang ein Treffen zwischen Brandt, Lasky und Walter P. Reuther, einem führenden amerikanischen Gewerkschaftsfunktionär und Mitglied der ADA (Americans for Democratic Action) im November 1949, spielt, kann anhand der konsultierten Quellen nicht erschlossen werden. Vgl. Brief Tucker (ADA) an Ernst Reuter, 22.10.1949. In: WBA: Beruflicher Werdegang und politisches Wirken in Berlin 1947–1966 (1949 A-K). Bei Hochgeschwender, 154, heißt es: „Lasky koordinierte personelle Netzwerke in Deutschland untereinander und verknüpfte sie mit den Zirkeln der liberalen Intellektuellen im Umfeld der ADA.“ Es sei hier aber noch einmal an die Deckfinanzierung des Kongresses über die Gewerkschaften erinnert. Vgl. Anm.2. Zu Brandts Rolle innerhalb des CCF und Spekulationen um eine CIA-Tätigkeit Brandts vgl. Hochgeschwender, 591.

13  Brandt an Lasky, 1.3.1950. In: WBA, Berlin, Mappe 8 (1950 I-R).

14  Vgl. ebd. Johnson war offizieller Redakteur der illegalen Zeitung Haandslag“, die Brandt und Elster im schwedischen Exil herausgegeben hatten. Nerman war Brandt bereits aus seiner Zeit in Spanien und – eine weitere Verbindungslinie – durch die Zeitschrift Trots allt! bekannt.

15  Brief Brandt an Szende, 8.3.1950. In:WBA, Berlin, Mappe 9 (1950 S-V).

16  Brief Brandt an Lasky, 6.5.1950. In: WBA, Berlin, Mappe 8 (1950 I-R).

17  Brief Jaesrich an Brandt, 13.5.1950. In: WBA, Berlin, Mappe 8 (1950 I-R).

18  Brief Brandt an Jaesrich, 16.5.1950. In: WBA, Berlin, Mappe 8 (1950 I-R).

19  Von einer traditionellen Neutralitäts-Position kann bei Norwegen nicht uneingeschränkt die Rede sein. Als „neutraler Alliierter“ tendierte Oslo schon im Ersten Weltkrieg zum Westen. Zu dieser Problematik und der Diskussion um die NATO-Mitgliedschaft vgl. Danielsen, Rolf (u.a.): Norway: A History from the Vikings to Our Own Times. Oslo 1995, 431 ff. sowie zum Forschungsstand Eriksen, Knut E. und Helge Ø Pharo: Norsk Sikkerheitspolitikk som etterkrigshistorisk forskningsfelt, Bergen 1992 (LOS-Senter Notat 92/13).

20  Vgl. Foreign Relations of the US 1950, 1533ff. Der interne Bericht des Department of State verweist auch auf den wirtschaftlichen Druck, den die UdSSR im Frühjahr 1949 auf Norwegen ausübte.

21  Vgl. Berg, Arngeir (red): Veteraner. Samtaler med Trygve Bull, Torolf Elster, Einar Gerhardsen, Trond Hegna, Haakon Lie, Torolv Solheim. Oslo 1990, 105f.

22  Bei den Wahlen 1949 verlor die NKP ihre 11 Sitze im Parlament. Von den 150 Sitzen innerhalb des Stortings hielt die Arbeiterpartei nun 85 (vorher 76) inne. Zu dieser Niederlage trug auch die tiefe innere Spaltung der Partei bei.

23  Vgl. Der Monat 22/23, 1950, 476f. Bull taucht hier nicht auf der Teilnehmerliste auf, wird aber von Lie im Gespräch genannt. Denkbar ist, daß Bull den Kongreß als gewöhnlicher, passiver Gast besuchte.

24  Brandt, Willy: Et slag i Berlin for fritt åndsliv (Ein Kampf in Berlin für freies Geistesleben). In: Arbeiderbladet, 26.6.1950: „Det er sannsynlig at kongressen vil prøve å komme fram til en slags programmerklæring om den kulturelle frihet. [...] En akter ikke å danne noen ‚verdensorganisasjon’ etter kommunistisk forbilde. Men det er mulig en blir enig om å tilrette et Sekretariat som skal oppretholde kontakten mellom dem som fortsatt vil være med i en offensiv for åndsfrihet og for et positivt alternativ til maktstatenes trelldom.“ Übersetzungen aus dem Norwegischen durch den Verfasser.

25  Zur Reaktion der DNA auf den Korea-Krieg vgl. Bergh/Eriksen, 161ff. (Bd. 1).

26  Vgl. Monsen, Per, Koestler: „De ubestemte er demokratiets halvjomfruer.“ (Koester: „Die Unbestimmten sind die Halbjungfrauen der Demokratie“). In: Arbeiderbladet, 27.6.1950.

27  Der Monat 22/23, 1950, 354f. Der Tagesspiegel meint, Lie habe mit der „Einfachheit eines starken Herzens“ sein Anliegen vorgetragen. In: Tagesspiegel 27.6.1950, Beilage.

28  Vgl. Gegenoffensive des Geistes. Nachwort zum Internationalen Kongreß für kulturelle Freiheit. Die Zeit, 6.7.1950.

29  op.cit.

30  Tagesspiegel 29.6.1950, Beilage.

31  Vgl. Monsen, Per: Koestler etterlyser internasjonalismen. In: Arbeiderbladet, 29.6.1950. Die Rede hatte Haakon Lie zuvor mit Willy Brandt erarbeitet – „Diktiert“ habe ihm Brandt die Antwort auf Koestler. Vgl. Gespräch mit Haakon Lie, 9.9.1997.

32  Vgl. Die Freiheit in Gefahr. Lebhafte Auseinandersetzungen auf dem Berliner Kulturkongreß, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.6.1950, 3.

33  Vgl. Tagesspiegel, 29.6.1950, Beilage.

34  Tagesspiegel, 30.6.1950, Beilage.

35  Vgl. ebd.

36  Vgl. Tagesspiegel 29.6.1950, Beilage.

37  Vgl. Termin-Ankündigung im Tagesspiegel, 29.6.1950, 1., Gespräch mit Haakon Lie, 9.9.1997. Laut „Monat“ zählt Haakon Lie allerdings nicht zu den Rednern der Abschlußkundgebung. Vgl. Der Monat 22/23 1950, 470.

38  Vgl. Tagesspiegel 28.6.1950, Beilage.

39  Vgl. Monsen, Per: Ost-tyske presse kynisk løgnartig (Ostdeutsche Presse zynisch lügnerisch). In: Arbeiderbladet, 28.6.1950.

40  Vgl. Andersen, Birger H.: Koreakrigen og frihetskongressen i Berlin (Der Koreakrieg und der Freiheitskongreß in Berlin). In: Dagbladet, 28.6.1950. Im Untertitel heisst es „Taler som trodde på Sovjets fredvilje nektet å holde sitt foredrag“ (Redner, die an den Friedenswillen der Sowjets glaubten, zogen ihre Reden zurück). In Morgenbladet und Aftenposten, den beiden anderen wichtigen Zeitungen in Oslo, finden sich zu diesem Zeitpunkt keine Artikel über den Kongreß.

41  Vgl. Monsen, Per: Øst-Berlin varsler nye vanskeligheter (Ost-Berlin sorgt für neue Schwierigkeiten). In: Arbeiderbladet, 30.6.1950.

42  Vgl. Coleman, 37. Das Exekutiv-Komitee im Einzelnen: Brown (Lie), Koestler (Aron), Kogon (Schmid), Rougemont (-), Rousset (Altman), Silone (Chiaromonte), Spender (Fyvel).

43  Vgl. Coleman, 31, sowie zu Trevor-Ropers Einwand Hook, 442.

44  Vgl. Monsen, Per: Kan friheten komme på offensiven? Kulturkongressen i Berlin drøfter kampen mot den totalitære trusel (Kann die Freiheit in die Offensive kommen? Der Kulturkongreß in Berlin erörtert den Kampf gegen die totalitäre Bedrohung). In: Arbeiderbladet, 8.7.1950.

45  Diesmal zählt Monsen Silone, Rousset, Koestler, Brown und Kogon auf.

46  Vgl. Monsen, Per: Kan friheten komme på offensiven? Kulturkongressen i Berlin drøfter kampen mot den totalitære trusel. In: Arbeiderbladet, 8.7.1950: „Når vi vet hvor vi står, kan vi ha håp om å overvinne vanskelighetene. Hvis vi har tid. For friheten trenger tid til å komme på offensiven. Europas diktere og intellektuelle kann ikke på én dag legge om fra samfunnskritikk til korstog for demokratiet.“

47  Vgl. Arthur Koestler: Demokratiets halvjornfruer. In: Arbeiderbladet, 13.7.1950.

48  Vgl. James Burnham: En motoffensiv. In: Arbeiderbladet, 15.7.1950. In derselben Ausgabe bringt Arbeiderbladet einen Artikel über Ture Nerman, der schwedisches Kongreßmitglied war: Hansson, Stig-Åge: Vad är socialism. In: Arbeiderbladet, 15.7.1950.

49  Vgl. in diesem Rahmen Grémion, 58. Grémion zufolge organisierte gleichzeitig Herbert Tingsten in Schweden die Veröffentlichung von CCF-Texten über die Tagespresse, d. h. Dagens Nyheter. Ob Arbeiderbladet auch Texte der HICOG-Zeitschrift Ost-Probleme übernehmen durfte, sei an dieser Stelle dahingestellt; Brandt leitete jedenfalls eine Anfrage von Chefredakteurs Olav Larsen an die Information Services Division des HICOG weiter. Vgl. einen Brief Brandts an HICOG, 19.8.1950. In: WBA, Beruflicher Werdegang und politisches Wirken in Berlin 1947–1966, Mappe 8 (1950 I-R): „Als ich kürzlich in Oslo war, wurde mir gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß der Chefredakteur [...] dankbar wäre, wenn seiner Redaktion die [...] ‚Ost-Probleme’ regelmässig zugestellt würde.“

50  Vgl. Koestler, Arthur: The God that failed. New York 1949. Zur „God that failed“-Mentalität vgl. Caute, David: The Fellow-Travellers. A Postscript to the Enlightenment. London 1973, 326.

51  Vgl. Guden som sviktet. Seks studier i kommunismen. Av Arthur Koestler, Ignayio Silone, Richard Wright, André Gide, Louis Fischer, Stephen Spender. Innledning av Richard Crossman, Gyldendal 1950, sowie eine entsprechende Anzeige im Arbeiderbladet, 23.8.1950. Die Anzeige gibt auch die Reaktionen der verschiedenen Rezensenten wieder.

52  Bondy, Francois: Brief aus Brüssel. Die Organisierung der freien Geister. In: Der Monat 28 1951, 353.

53  Vgl. Brief an Bondy, 25.9.1950. In: DNA, Internasjonalt utvalg 1950, Box 36, Arbeiderbevegelsens Arkiv, Oslo: „I suggest [that (handschriftliche Ergänzung)] you ask Mr. Artur Lundquist, Stockholm and Mr. Leck Fischer, Copenhagen to join the International Committee. I make this recommendation after having consulted Danish and Swedish friends of our [sic].”

54  Protokoll der Konferenz in Versailles, 9.–11. Feburar 1951. In: Nachlaß Carlo Schmid, Mappe 1828, AdsD / FES, Bonn, l0f.

55  Ebd.

56  Vgl. Gespräch mit Haakon Lie, 9.9.1997.

57  Slagstad, Anm. 703 (zu 349): „Også som historieforteller er Haakon Lie ideolog – den historiske rekonstruksjon er ideologisk styrt.“

58  Vgl. Brief von Bondy an Ture Nerman (Schweden), 20.9.1951, zitiert nach Runeby 212: „Haakon Lie is working out a similar project for Norway. We have already been associated with him in some recent book publications”. Bondy hatte die Veröffentlichungen für den Kongreß übernommen. Vgl. dazu Der Monat 22/23 1950, 495. In einer Mitteilung des Pariser Sekretariates hieß es (wohl im Februar 1951) zudem, wenn auch unklar: “Publications en cours [...] 1. La justice sociale des deux cotés du rideau de fer [...] b) rassembler tout ce qui existe [...] syndicats norvégiens [...] Bad Neuheim, B.P., Haakon Lie“. In: „Entwurf“ der Konferenz in Paris, [Februar 1951]. In: NL Schmid, Mappe 1828, AdsD / FES, Bonn.

59  Bondy, François: Brief aus Brüssel. Die Organisierung der freien Geister. In: Der Monat 28 1951, 353. Zu Ehrenburg in Oslo vgl. Er demokratiet for svakt overfor sine motstandere in Arbeiderbladet 7.8.1950 sowie Fyvel, T.R.: Den virkelige Ehrenburg. In: Arbeiderbladet, 17.10.1950. Zu den „amis de la liberté » bzw. „Freunde der Freiheit“ vgl. Brief von Caprivi an Schmid, 22.10.1950 und Brief von Birkenfeld (Berliner Büro) an Schmid, 24.10.1950. In: NL Schmid, Mappe 1827, AdsD / FES, Bonn.

60  Vgl. Grémion, 68.

61  Vgl. etwa Briefe an Nabokov und Josselson, 26.11.1952. In: Archiv DNA, Internasjonalt utvalg 1954, Arbeiderbevegelsens Arkiv, Oslo. Lie kündigt hier die Teilnahme an der Sitzung am 29.12.1954 in Paris an. Im NL Schmid finden sich zahlreiche Sitzungs-Protokolle, die Lies ständige Teilnahme bis Anfang 1952 nachzeichnen, danach ist von seiner Präsenz nicht mehr die Rede.

62  Vgl. Gespräch mit Haakon Lie, 9.9.1997. Lie erinnert sich an eine Rede in der Maschinenhalle von Siemens.

63  Tätigkeitsbericht des Deutschen Büros in Berlin, Anhang im Brief von Trauttmansdorff an Schmid, 10.4.1951, 3. In: NL Schmid, Mappe 1828, AdsD / FES, Bonn. Der Kurzbericht über Haakon Lie wird überschrieben: „Besuche maßgeblicher Kongreß-Mitglieder.“ Möglicherweise war Lie auch noch bei weiteren Veranstaltungen im Namen des Kongresses tätig. Vgl. etwa einen Brief L. Porzsolts (Oslo) an Brandt, datiert 31.3.1951: „Wie Du weißt, soll Haakon Lie einige Vorträge in Deutschland halten. Zwei von diesen Vorträgen, nämlich der im Hamburger Rathaussaal und der im Berliner Grossbetrieb, sind von Kurt Vogel verfaßt. Ich kenne die Manuskripte, und finde sie ungewöhnlich gut“. In: WBA, Berlin, Mappe 8 (1951 M-Z).

64  Vgl. Grémion, 68, 70f. Hier schlägt er unter anderem vor, die Pariser Konferenz mit einer Ausstellung zu kombinieren; Redner könne am ersten Tag der Veranstaltung Niels Bohr sein. Vgl. „Annexe II“ im Protokoll der Konferenz in Versailles, 9.–11. Feburar 1951. In: NL Schmid, Mappe 1828, AdsD / FES, Bonn.

65  Vgl. Bericht über meine Reise 5.–7. April 1951, Anhang im Brief von Trauttmansdorff an Schmid, 10.4.1951, 3. In: NL Schmid, Mappe 1828, AdsD / FES, Bonn. Der DGB lehnte das Angebot im Juli ab. Vgl. DGB an Trauttmansdorff, 19.7.1951. In: NL Schmid, Mappe 1828, AdsD / FES, Bonn.

66  Protokoll der Sitzungen des Exekutiv-Komitees vom 15./16. Mai 1951, Séance 15. Mai, Anhang im Brief des Pariser Sekretariates an Schmid, 9. Juni 1951. In: NL Schmid, Mappe 1828, AdsD / FES, Bonn.

67  Rapport du secretaire general au president et au membres Comité Exécutif sur les activites du congres du 1er Janvier au 31 Mars 1953, 7.4.1953, 12. In: NL Schmid, Mappe 1831, AdsD / FES, Bonn.

68  Vgl. Hochgeschwender, 312. Hochgeschwender, der Einblicke in das Archiv des Pariser Sekretariates hatte, stellt die Organisatoren des Vortrages in Verbindung zum Deutschen Gewerkschafts-Bund (DGB) und der Europa-Union.

69  Vgl. Grémion, 155. Das Protokoll einer Sitzung des Exekutiv-Komitées vermerkt jedoch Lies Abwesenheit zumindest während der protokollierten Besprechungen. Vgl. Comité Exécutif, Milan, 17.9.1955, 1. In: NL Schmid, Mappe 1832, AdsD / FES, Bonn.

70  Vgl. Grémion, 380.

71  Vgl. ebd., 383.

72  Hochgeschwender, 529.

73  Vgl. Protokoll der Sitzungen des Exekutiv-Komitees vom 15./16. Mai 1951, Rapport de M. François Bondy 15. Mai, Anhang im Brief des Pariser Sekretariates an Schmid, 9. Juni 1951. In: NL Schmid, Mappe 1828, AdsD / FES, Bonn: „En Norvège, une maison d’éditions prépare en liaison avec nous, une série d'ouvrages (Haakon Lie pourra nous donner les détails). En Suède, nous sommes également en liaison avec un éditeur.“

74  Hochgeschwender, 399. Auf dem DNA-Parteitag 1953 erklärte Lie darüber hinaus: „In diesem Wahlkampf müssen wir auch die Offensive gegen den Kommunismus ergreifen. Nicht ein einziger Vortrag darf ohne einen Schlag gegen ihn gehalten werden“. (I denne valgkampen må vi ta offensiven også i forhold til kommunistene. Ikke ett foredrag må bli holdt uten et hogg mot dem), zitiert nach: Lundestad, Geir, Hovedtendensene i norsk politikk. In: Bergh (u.a.), Vekst og velstand, 508.

75  Bergh/Eriksen, 228 (Bd. l), verweist neben „Kaderpartiet“ auf eine früheres Manuskript Haakon Lies, das nach 1950 auf Initiative des amerikanischen Arbeiterattachees Walter Galenson entstanden, aber nicht veröffentlicht worden war. Das Manuskript wurde aber – ebenso wie „Kaderpartiet“ – dem norwegischen Überwachungsdienst zur Verfügung gestellt. Zu „Kaderpartiet“ selbst vgl. ebd., 230ff., 450.

76  Brief an Josselson, 24.9.1954. In: Archiv DNA, Da (1940–71) Alfabetisk Saksarkiv, 1954 (G-K), Arbeiderbevegelsens Arkiv, Oslo.

77  Vgl. Haakon Lie strör om seg med kommunistbeskyldninger, Arbeiderpartiets McCarthy gir ut en bok. In: Dagbladet, 4.10.1954, sowie Johnsen, Jorunn: Kommunistisk strategi. In: Aftenposten, 5.11.1954

78  Vgl. Haakon Lie svarer. Et tilbaketog, og nye angrep. In: Dagbladet, 9.10.1954.

79  Vgl. Psykologiske faktorer kan belyse kommunistproblemet. Haakon Lie redegjør for kommunismen i Norge – livlig debatt i studentersammfunnet i går. In: Bergens Arbeiderbladet, 1.12.1954, sowie Debatten i Bergens Studentersammfunn. In: Bergens Arbeiderbladet, 2.12.1954, und Studenterkadrene dokumentert. In: Morgenbladet, 12.11.1954. Zur Reaktion der Studenten vgl. Kommunistinfiltrasjon i studentorganisasjoner. In: Dagbladet, 23.10.1954.

80  Im Brief an Josselson heißt es beispielsweise: „Rossi’s book is in the press now, and his fee on the way to Paris.”. In: Brief an Josselson, 24.9.1954. In: Archiv DNA, Da (1940–71) Alfabetisk Saksarkiv, 1954 (G–K), Arbeiderbevegelsens Arkiv, Oslo. Im Dezember 1952 bedankte sich Lie bei Josselson für Material über die Prager Prozesse, versichert die Publikation eines Kongreß-Briefes an die UN in der norwegischen Presse und erklärt: „We are working on a booklet on the Slansky trials ourselves”. Einem Brief vom 26.11.1952 zufolge bereitete auch Lies Ehefrau ein Heft über Rußland vor, „[to] give our own people in party and trade union ammunition to counter Russian propaganda”, beide Briefe in: Archiv DNA, Internasjonalt utvalg 1952, Box 66, Arbeiderbevegelsens Arkiv, Oslo.

81  Vgl. Runeby, 213: Ab 1951 erschien dann auch „Trotss alltregelmässiger als zuvor. Runeby zufolge richten sich die Artikel „in einer markanten Weise“ gegen neofaschistische und kommunistische Strömungen zugleich.

82  Vgl. Runeby, 213.

83  „An der Spitze der norwegischen Delagation sah man den Generalsekretär der Arbeiterpartei, Haakon Lie, und den großen Lyriker Arnulf Överland. Vgl. Brandt, Willy: Materielle Sicherheit ist nicht genug, datiert 29.3.1952, 1. In: NL Schmid, Mappe 1829, AdsD / FES, Bonn.

84  Vgl. Runeby, 214ff.

85  Vgl. Brief Trauttmansdorff an Schmid, 31.5.1951. In: NL Schmid, Mappe 1828, AdsD / FES, Bonn.

86  Brandt, Willy, Materielle Sicherheit ist nicht genug, datiert 29.3.1952, 2. In: NL Schmid, Mappe 1829, AdsD / FES, Bonn.

87  Gespräch mit Haakon Lie, 9.9.1997.

88  Vgl. Gespräch mit Haakon Lie, 9.9.1997.

89  Gespräch mit Haakon Lie, 9.9.1997.

90  Brandt, Willy, Materielle Sicherheit ist nicht genug, datiert 29.3.1952, 1. In: NL Schmid, Mappe 1829, AdsD / FES, Bonn.

91  Brandt, Willy, Bericht für die deutsche Exekutive über die Stockholmer Konferenz am 29. und 30. März 1952. Vertraulich, 1. In: NL Schmid, Mappe 1829, AdsD / FES, Bonn.

92  Vgl. Rapport aux membres du comité Exécutif, 1.11.1952, VI. In: NL Schmid, Mappe 1830, AdsD / FES, Bonn: „L’installation officielle du comité suédois a été fixée au 5 decembre prochain.“ Vgl. ebenso die Rückseite einer Informations-Broschüre zum „Kongreß für die Freiheit der Kultur“. In: NL Schmid, AdsD / FES, Mappe 1829, Bonn.

93  Vgl. Rapport du secretaire general au president et au membres Comité Exécutif sur les activites du congres du 1er Janvier au 31 Mars 1953, 7.4.1953, 12. In: NL Schmid, Mappe 1831, AdsD / FES, Bonn: „Danemark. Inspiré par les acticités internationales du congrès [...], un comité autonome pour la liberté et la culture vient de se former au Danemark sous la présidence du Prof. Erik Husfeldt. Le nouveau comité est en liaison avec le Secrétariat International avec qui il espère pouvoir collaborer éttroitement.“ Die dänische Gruppe gibt später unter Henning Fonsmark Federführung die Zeitschrift „Perspektiv“ heraus.

94  Brandt, Willy: Materielle Sicherheit ist nicht genug, datiert 29.3.1952, 2. In: NL Schmid, Mappe 1829, AdsD / FES, Bonn.

95  Brandt, Willy: Bericht für die deutsche Exekutive über die Stockholmer Konferenz am 29. und 30. März 1952. Vertraulich, 3. In: NL Schmid, Mappe 1829, AdsD / FES, Bonn.

96  Vgl. Runeby, 219. Aus Ordings Notizen geht lediglich hervor, daß eine «Nordisk kulturkommisjon» diskutiert wurde. Vgl. Norden i Verden (Notiz). In: Aake Anker Ording, Internasjonalt utvalg. DNAs utenrikspolitiske programkomite, Diverse notater. In: Box 52, Arbeiderbevegelsens Arkiv, Oslo.

97  Vgl. Runeby, 219.

98  Comité Exécutif, Milan, 17.9.1955, 2. In: NL Schmid, Mappe 1832, AdsD / FES, Bonn. Auf 1 des Protokolls wird Haakon Lies Abwesenheit vermerkt, „Excusés“.

99  Ebd.

100  Comité Exécutif international, 28–29.1.1956, 9. In: NL Schmid, Mappe 1832, AdsD / FES, Bonn. Das Protokoll der (folgenden?) Sitzung im Januar 1957 verzeichnet allerdings keine weitere Debatte über die skandinavische Problematik. Vgl. Comité Exécutif international, 12–13.1.1957. In: NL Schmid, Mappe 1832, AdsD / FES, Bonn.

101  Vgl. Johansen, Ivar: CIA i Norge. In: Agee, Philip u. Louis Wolf: CIA i Europa. Oslo 1979, 95. Für Dänemark hatte im übrigen Frode Jakobsen 1950 an der Berliner Konferenz teilgenommen und sich bis Ende der 50er Jahre an den Debatten innerhalb des CCF beteiligt. Vgl. Hochgeschwender, 463.

102  Vgl. Runeby, 221.

103  Vgl. Coleman, 233.

104  Vgl. Johansen, 96. Gemeint ist nicht die wöchentlich erscheinende Studentenzeitschrift Minerva, sondern deren vierteljährlich erscheinende Ausgabe, Minervas Kvartalsskrift.

105  Vgl. Gespräch mit Lars Roar Langslet, 2/1998. Langslet zufolge stieg die Leserschaft insgesamt stark an.

106  Vgl. Langslet, Lars Roar: Fra innsiden. Glimt fra et halvt liv i politikken. Oslo 1994, 33.

107  Gespräch mit Lars Roar Langslet, 2/1998. Es bleibt unklar, ob die Initiative zu einer Zusammenarbeit von norwegischer oder französischer Seite ausging.

108  Vgl. Gespräch mit Lars Roar Langslet, 2/1998. Bereits 1960 sind einige Persönlichkeiten beim DKSF zu Gast, die mit dem Kongreß in Verbindung gebracht werden können, etwa Arthur Koestler. Vgl. dazu: Lars Roar Langslet håper på fornuften og holder sine valgløfter. In: Konservativt studenterblad Minerva, 16.1.1960. Zu den Verknüpfungen von PEN-Club und dem CCF vgl. Hochgeschwender, 298ff.

109  Johansen, 96.

110  Ebd., 96f., erwähnt den Konservator Leif Østby, den späteren Bischof Per Lønning, Asbjørn Aarnes, Prof. A.Winsen, Astrid Hjærtnæs Andersen und Stein Mehren, Johan Vogt, Arne Næss, John Sannes, Jens Christophersen, Jahn Otto Johansen, Henri Rubel, Leo Labedz, Prof. Lipinski, Fr. C. Copleston, Dagfinn Føllesdal, Johan Galtung, Ingemar Hedenius, Johan B. Hygen, Hjalmar Sundén und Knut Erik Tranøy.

111  Langslet, 34, erwähnt die Philosophen A. H. Winsnes, Arne Næss, Egil A. Wyller, Asbjørn Aarnes, Per Lønning, Knut Midgaard, Hans Skjervheim. Jahn Otto Johansen, Anders C. Sjaastad, Arne Olav Brundtland und John Kristen Skogan.

112  Barokken og vår tid. In: Minervas Kvartalsskrift 3/1961, 374: „Det var enslags dobbelt debut: Kongressen har aldri tidligere arrangert konferanser av denne art i Norge; og Minervas Kvartalsskrift har ikke tidligere vært engasjert i slike projekter.“

113  Vgl. Gespräch mit Lars Roar Langslet, 2/1998.

114  Vgl. ebd. Eine offizielle Personenliste des Pariser Büros zählt Langslet trotzdem noch im Oktober 1967 zu den Mitgliedern der (mittlerweile umgetauften) „General Assembly of the International Association for Cultural Freedom“. Vgl. Press Release, 2.10.1967, 2. In: NL Schmid, Mappe 1833, AdsD / FES, Bonn.

115  Vgl. Gespräch mit Lars Roar Langslet, 2/1998.

116  Es erweist sich als hier schwierig, Kongreß-Autoren von anderen hochrangigen Autoren aus aller Welt zu unterscheiden. Die Artikel sind in der Regel nicht weiter gekennzeichnet, von der Nennung des Übersetzers einmal abgesehen. Genannt seien hier daher nur einige wenige Persönlichkeiten: Arthur Koestler, Karl Jaspers, Sebastian Haffner, Kirk Russell, Sir Lewis B. Namier (alle in: Minervas Kvartalsskrift 1– 4/1960). Indirekt gekennzeichnet ist Joseph Alsops Artikel über die Lage in China, den Minerva aus „The China Quarterly“ übernahm – ebenfalls einer Zeitschrift des Kongresses: Minerva veröffentlichte auch die Leserbriefe, die der Artikel auslöste und die in der nachfolgenden «China Quarterly»-Ausgabe standen. Vgl. Alsop, Joseph: Om den kinesiske krises synkende Spiral (oversatt av Gudmund Stang). In: Minervas Kvartalsskrift 1/1963, 100/101.

117  Redaksjonelt. In: Minervas Kvartalsskrift 4/1962, 388. „Vi har nydt godt av enslags ‚assosiering’ med denne vidtfavnende internasjonale organisasjon, og har fått anledning til å gjøre bruk av stoff fra de mange høyt ansette tidsskrifter som kongressen utgir eller står i kontakt med. Ved to anledninger – våren 1961 og høsten 1962 – har kongressen og Minervas Kvartalsskrift gått sammen om å arrangere et internasjonalt seminar i Norge ...“ Minerva verwies aber schon nach dem ersten Seminar auf die Zusammenarbeit mit dem Kongreß für kulturelle Freiheit; von einer redaktionellen Zusammenarbeit ist nicht die Rede. Vgl. Barokken og vår tid. In: Minervas Kvartalsskrift 3/1961, 374.

118  Vgl. Bibliografier, Minervas Kvartalsskrift 4/1962, 548f.. Zu K. A. Jelenskis Adresse schreibt Minerva: «c/o Congrès pour la liberté de la culture. 104. Boulevard Haussmann. Paris VII», 549.

119  Redaksjonelt. In: Minervas Kvartalsskrift 4/1962, 389: „Vi synes derfor det er en naturlig oppgave for et konservativt tidsskrift å gi sitt bidrag til en fornyet vurdering av denne dypt revolusjonære tenker.“

120  Slagstad, Rune: Den annen front. In: Nytt Norsk Tidsskrift 1/1995, 21f. Die Rede ist hier vom „blå Marx“ (eigentlich: blauer Marx) und dem „røde konservatisme“.

121  Anders als etwa die Kulturzeitschrift Forum, Organ der „Gesellschaft für Freiheit und Kultur“ in Österreich, verweist bei Minerva aber das Impressum nicht auf die Zusammenarbeit mit dem Pariser Sekretariat. Vgl. zum Forum-Impressum Keller/Hirt, 312.

122  Vgl. Nye, Joseph S. Nye u. William A. Owens: America’s Information Edge. In: Foreign Affairs, 3/4 1996, 21: „[Soft power means ...] convincing others to follow, or getting them to agree to norms and institutions that produce the desired behavior. Soft power can rest on the appeal of one’s ideas or the ability to set the agenda in ways that shape the preference of others.”

123  Als Beispiel gelte hier ein im Internet verbreitetes Pamphlet. Vgl. Ramsay, Robin: The influence of intelligence services on the British left. A talk given by Robin Ramsay to Labour party branches in 1996. In: http://www.knowledge.co.uk/xxx/lobster/articles/rrtalk.htm, 3. Vgl. hingegen zum Ende des „Congress for Cultural Freedom” und der Diskussion um die ohnehin überbewertete Bedeutung der CIA-Finanzierung Grémion, 430ff., und Hochgeschwender, 534ff.

124  Hook, 451.

125  Grémion, 11

126  Gespräch mit Haakon Lie, 9.9.1997.

127  Zitat der sog. „Sowjetpresse“ im Spiegel. Vgl. Ja, ja-nein, nein. In: Der Spiegel, 29.6.1950, 3.

128  Gespräch mit Haakon Lie, 9.9.1997. Es sei hier nochmals darauf verwiesen, daß auch Lies Darstellung historischer Ereignisse ideologisch geprägt ist.

129  Gegenoffensive des Geistes. Nachwort zum Internationalen Kongreß für kulturelle Freiheit in Berlin. In: Die Zeit, 6.7.1950, 2.

130  Ebd.