NORDEUROPAforum
Zeitschrift für Politik,
Wirtschaft und Kultur
ISSN 1863639X
2/2005
15. Jahrgang (8. der N.F.)
Seiten 43-73

Textanfang

Summary

Einleitung

Die Besatzung, ihre juristisch

Die sechziger Jahre: Wunsch na

Die Diskussion über die Empfeh

Die Debatte über Hewins Quisli

Die siebziger Jahre: Zeit des

Die Debatte über Hanna Kvanmo

Die Debatte über Knut Hamsun u

Die achtziger Jahre: Zeit des

Die Debatte über die Fernsehse

Der norwegische Historikerstre

Die neunziger Jahre: Zeit des

Die Debatte über die finanziel

Die Debatte über die Liquidati

Das Schicksal der Kriegskinder

Schlussbemerkung

Fußnoten


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Landesverrat versus Widerstand

Stationen und Probleme der „Vergangenheitsbewältigung“ in Norwegen

Susanne Maerz

Summary

This article deals with the Norwegian discourse about the country’s occupation by Germany during the Second World War. The collaboration of the fascist Nasjonal Samling party with the German occupying forces, on the one hand, and the selfimage as a nation of resistance, on the other hand, can be identified as recurring features in a long-term struggle to come to terms with that past. In the 1960s the debate about Ralph Hewins’ biography of Vidkun Quisling clearly demonstrated a demand for a fixed image of the history. However, this image became damaged in the discussions of the 1970s, which followed revelations about two parliamentarians who had collaborated with the German occupiers and the publication of a book about the trial against Knut Hamsun. In the 1980s attempts to add previously untold stories to the interpretation of the Norwegian history caused controversies about a TV series about the history of the Najsonal Samling and a dispute among Norwegian historians. The 1990s are finally characterised by increasing awareness of moral responsibility for the fate of the Norwegian Jews and the so-called children of war, i.e. children German soldiers had with Norwegian women.

Susanne Maerz (1974) hat in Freiburg und Bergen Geschichte, Germanistik und Skandinavistik studiert und promoviert zurzeit an der Universität Freiburg über die norwegische Auseinandersetzung mit der Besatzungszeit. Außerdem arbeitet sie als Redakteurin in einer Lokalredaktion der Leipziger Volkszeitung.


Einleitung1

Die national belastenden und traumatischen Ereignisse in Norwegen hatten nicht denselben Umfang und Charakter wie diejenigen, die die deutschen und französischen staatlichen Handlungsmuster während des Kriegs geprägt haben. Vor diesem Hintergrund kann es paradox wirken, dass norwegische Historiker und andere Teile der norwegischen Öffentlichkeit offenbar größere Probleme damit haben, traumatische nationale Erfahrung zu durchleuchten und zu diskutieren, als dies in Deutschland oder Frankreich der Fall war.2

Dass sich Norwegen mit der Auseinandersetzung und damit auch der Aufarbeitung der Zeit der deutschen Besatzung vom 9. April 1940 bis zum 8. Mai 1945 schwer tut, liegt unter anderem an dem besonderen Charakter sowohl dieser Zeit als auch der strafrechtlichen Abrechnung im Vergleich zu anderen von „Nazi-Deutschland“ besetzten Ländern. Die norwegische Situation, die in den Niederlanden die größten Parallelen findet, soll im Folgenden kurz skizziert werden. Anschließend sollen beispielhaft an den größten öffentlichen Debatten seit den sechziger Jahren Probleme, Stationen und Entwicklungen der Auseinandersetzung mit der Besatzungszeit in Norwegen und damit der Prozess der „Vergangenheitsbewältigung“ aufgezeigt und analysiert werden.

Der Begriff „Vergangenheitsbewältigung“ wird nicht mehr allein auf die deutsche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus bezogen. Sowohl wegen dieser Ausweitung, seiner damit einhergehenden Ungenauigkeit, der vermeintlichen Abschließbarkeit des Prozesses, die der Begriff suggeriert, als auch seiner ursprünglich moralisch-politischen Implikation ist er umstritten.3 Fruchtbar gemacht werden kann er dennoch, wenn man ihn aus seinem historischen Kontext herauslöst und gleichzeitig eingrenzt. Peter Reichel unterscheidet in Bezug auf die Beschäftigung mit der NS-Diktatur vier Handlungsfelder: die öffentliche Erinnerungs- und Memorialkultur, die politisch-justizielle, die künstlerische sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung.4 Die politisch-justizielle Auseinandersetzung ist für ihn „das, was seit Jahrzehnten im Kern mit ‚Vergangenheitsbewältigung‘ gemeint ist.“5 Norbert Frei fordert eine Eingrenzung des Begriffes der „Vergangenheitsbewältigung“ und leistet dies selbst, indem er von Vergangenheitspolitik spricht und den Begriff auf den politischen Prozess von Amnestie, Integration und Abgrenzung vor allem in Bezug auf ehemalige NSDAP-Mitglieder in der frühen Bundesrepublik bezieht.6 Edgar Wolfrum verwendet den nicht allein auf die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus beschränkten Terminus der Geschichtspolitik und bezeichnet ihn als „Handlungs- und Politikfeld, auf dem verschiedene Akteure Geschichte mit ihren spezifischen Interessen befrachten und politisch zu nutzen suchen.“7 An der politischen Auseinandersetzung seien konkurrierende Deutungseliten wie Politiker, Journalisten, Intellektuelle und Wissenschaftler beteiligt.

Während Freis Fokus zu eng erscheint, um ihn auf Norwegen übertragen zu können, sind die Ansätze von Reichel und Wolfrum besser geeignet. Ausgehend von Reichel soll es bei der Verwendung des Begriffs „Vergangenheitsbewältigung“ vor allem um die politisch-justizielle Auseinandersetzung gehen, wobei der Schwerpunkt auf der politischen liegen soll. Denn am norwegischen Beispiel zeigt sich, dass die strafrechtliche Verfolgung zwar den Versuch einer justiziellen Bewältigung darstellt, sich aber im Nachhinein zugleich als etwas politisch zu Bewältigendes herauskristallisiert und in den vergangenheitspolitischen Debatten mit verhandelt wird. Gleichzeitig ist zu beachten, dass bei einigen der zu untersuchenden Debatten die künstlerisch-literarische und historische Auseinandersetzung Teil der politischen ist beziehungsweise sie auslöst. Während Wolfrum den Fokus auf die politischen Machtprozesse legt, die in verschiedenen Auseinandersetzungen zum Ausdruck kommen, soll es im Folgenden eher um die Akteure gehen und darum, wie in den Debatten die verschiedenen Sichtweisen speziell auf die Besatzungszeit verhandelt werden. Für die Verwendung des Terminus der „Vergangenheitsbewältigung“ spricht folgende Bedeutung:

In der Vokabel ‚Vergangenheitsbewältigung‘ kondensiert gleichsam eine Rede oder eine Auseinandersetzung über die eigene Geschichte, der – bei aller kontroverser Einschätzung – eines gemeinsam ist: das Unwohlsein gegenüber dieser Geschichte.8

Dieses Unwohlsein gegenüber der eigenen Geschichte trifft auf Norwegen in besonderer Weise zu. Dass den Norwegern dabei „unwohl“ ist, zeigt sich immer dann, wenn die dunkleren, teils tabuisierten Seiten der Besatzungszeit thematisiert werden.

Die Besatzung, ihre juristische Aufarbeitung und die frühe Nachkriegszeit

Norwegen hat mit den Niederlanden gemeinsam, dass einerseits Regierung und Königsfamilie vor den deutschen Besatzern ins britische Exil flohen und andererseits die Anhänger einer kleinen, bis dahin unbedeutenden faschistischen Partei – in Norwegen der Nasjonal Samling (NS) – die Deutschen begrüßten. Die aktive Kollaboration des norwegischen „Führers“ Vidkun Quisling und seiner Anhänger mit den deutschen Besatzern reichte bis zur aktiven Unterstützung der Deportation der norwegischen Juden 1942. Tatsächlich waren diese Faschisten nicht mehr als Marionetten der Deutschen. Dennoch machte die formelle Stellung von Quisling ab 1942 die Besonderheit der Situation in Norwegen aus:

Abgesehen von Mussolini war er zwischen 1920 und 1945 der einzige europäische Faschistenführer, der Hitler als Parteiführer, Ministerpräsident und Staatschef in einer Person formell gleichgestellt war.9

Demgegenüber stand die Ablehnung der NS und Quislings durch die zum großen Teil passive Mehrheit der norwegischen Bevölkerung. Sie identifizierte sich mit der Exilregierung in London und dem emigrierten König, der während der Besatzungszeit zur nationalen Identifikationsfigur wurde. Dem aktiven, zum Teil von London aus organisierten Widerstand gehörte ein kleiner Teil der Bevölkerung an, der zum Ende der Besatzungszeit zunahm und von den deutschen Besatzern mit Hilfe von Gruppierungen der Nasjonal Samling verfolgt wurde.

Dieses Spannungsverhältnis zwischen tatsächlichem und gefühltem Widerstand, das im norwegischen Bewusstsein zu einer Spaltung der Nation in moralisch gute und moralisch schlechte Norweger führte, prägte nicht nur die Besatzungszeit. Es war auch charakteristisch für die strafrechtliche Abrechnung (rettsoppgjør) mit den Kollaborateuren ab Mai 1945. Danach wurden vornehmlich all jene interniert und wegen Landesverrats verurteilt, die aktive oder passive Mitglieder der Nasjonal Samling gewesen waren. Die Strafen reichten von Todesstrafe wie im Falle Quislings bis zum Verlust des Wahlrechtes für eine gewisse Zeit.

Die norwegische Heimatfront betrachtete schon die bloße Parteimitgliedschaft als so gravierenden Fall von Kollaboration mit dem Feind, daß jedes einzelne eingeschriebene Mitglied dafür verurteilt werden sollte, auch unabhängig davon, wie stark seine Unterstützung der Nationalen Sammlung tatsächlich war.10

Nicht nur ideell, auch materiell wurden die Anhänger Quislings zur Verantwortung gezogen: Sie mussten für den finanziellen Schaden aufkommen, der durch die Besatzung entstanden war. Der Prominenteste, der zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde, war der norwegische Dichter Knut Hamsun, der im hohen Alter offen Partei für die Besatzer ergriffen hatte. Viele der Frauen, die sich mit deutschen Soldaten eingelassen hatten, wurden durch die Straßen gejagt und wie auch in anderen europäischen Ländern geschoren und damit öffentlich gebrandmarkt. Juristisch konnten sie jedoch nicht belangt werden. Insgesamt bedeutete die strafrechtliche Abrechnung

[…] eine Belastung für die Gesellschaft insofern, als sie Züge einer unversöhnlichen ‚Justiz des Siegers’ über die eigenen Landsleute trug und die Spaltung der Bevölkerung in NS-Anhänger und -Gegner konservierte.11

Dazu trug der Gründungsmythos der nationalen Wiedergeburt 1945 bei: Sie, „so wurde nach der Befreiung in den zahlreichen Ansprachen betont, wurde durch den geistigen Kampf gegen den Nazismus errungen. Vielen Norwegern war klar, dass sie daran beteiligt waren“12, schreibt der Medienwissenschaftler und Historiker Hans Fredrik Dahl. Der Historiker Berge Furre beschreibt die für die spätere Aufarbeitung der Besatzungszeit wesentliche Grundstimmung der ersten Nachkriegszeit folgendermaßen: „Wir haben den Krieg gemeinsam gewonnen – wir werden auch den Frieden gemeinsam gewinnen.“13

Die zweite Hälfte der vierziger Jahre bezeichnet der Politologe Stein Ugelvik Larsen dennoch als „Zeit des Schmerzes“ (smertetiden).14 Sie zeichne sich dadurch aus, dass Medien mit großer Intensität über Ereignisse und Erlebnisse während der Besatzungszeit berichteten: „Das angesammelte Bedürfnis, ‚zu wissen‘ und sein ‚Wissen‘ mitzuteilen, war sehr stark im Hinblick auf die fünfjährige Zensur und einseitige deutsche Propaganda.“15 In den fünfziger Jahren hingegen fand wenig prinzipielle Diskussion über die Besatzungszeit statt. Dagegen nahm die Geschichtsschreibung darüber zu. Larsen bezeichnet das Jahrzehnt dementsprechend als Pionierphase16. Bei den Debatten über Aspekte der strafrechtlichen Abrechung, die in Zeitungen und dem Parlament bis in die sechziger Jahre hinein immer wieder stattfanden, spielte unter anderem die Frage der Rechtmäßigkeit der strafrechtlichen Abrechnung wegen der rückwirkenden Gültigkeit der Landesverratsgesetze eine Rolle.

Die sechziger Jahre: Wunsch nach einem einheitlichen Geschichtsbild

Die Diskussion über die Empfehlungsschrift im Parlament

Die sechziger Jahre waren von dem Wunsch nach einem Ende der Debatten sowie einem festen Geschichtsbild geprägt.17 Den Versuch, einen Schlussstrich zumindest unter die parlamentarische Debatte zu setzen, unternahmen die Volksvertreter zu Beginn der sechziger Jahre selbst. Am 24. April 1964 diskutierten und verabschiedeten sie eine Empfehlungsschrift,18 die sie selbst in Auftrag gegeben hatten. Darin wurde die strafrechtliche Abrechnung für gut befunden und wie die Besatzungszeit mit dem Schwerpunkt auf der Nasjonal Samling analysiert. Das Ziel der Empfehlungsschrift artikulierte Parlamentspräsident Carl Joachim Hambro zu Beginn der Debatte: „Erstens wünschen wir uns inbrünstig, einmal Ruhe um diese Fragen zu bekommen und die aufwühlenden Debatten, die wir hier von Jahr zu Jahr hatten, los zu sein.“19 Anschließend betonte er die Rechtmäßigkeit der strafrechtlichen Abrechnung und rechtfertigte die umstrittene Grundlage der rückwirkenden Gesetze damit, dass sie eine Lynchjustiz verhindert hätten. Er verteidigte auch die kollektive Stigmatisierung der Verurteilten als Landesverräter:

Es ist denkbar, dass einzelne den Feind aus achtbaren Motiven unterstützten, aber die meisten hatten Gründe, über die wir möglichst wenig reden und die wir als Scham für das Land betrachten. Denn selbst die, die dachten, sie seien von den richtigen Motiven beseelt gewesen, als sie mit dem Feind zusammenarbeiteten, verrieten unser Land.20 

Nach einer letzten kontroversen Diskussion, in der einige Abgeordnete die Verfolgung der passiven NS-Mitglieder kritisierten, verabschiedete das Parlament einstimmig die Empfehlungsschrift und zog damit einen Schlussstrich unter sämtliche Debatten. Den Wunsch danach äußerten beinahe alle Redner, darunter der Abgeordnete Otto Lyng:

Wie die meisten […] möchte ich gerne einen Schlussstrich unter die strafrechtliche Abrechnung ziehen, die nach dem Krieg stattgefunden hat und die nach meiner und der Meinung der Mehrheit gut und richtig war.21

Die Debatte über Hewins Quisling-Biografie und die norwegische Übersetzung

Die gewünschte Ruhe über die kontroversen Fragen der Besatzungszeit indes währte nicht lange. 1965 stellte der britische Journalist Ralph Hewins den Geschichtskonsens in Frage. Im Vorwort seiner Quisling-Biografie schreibt er: 

The object of this book is to unravel the garbled facts which contributed to the current Quisling ‚image‘ and produced the penalties which were inflicted upon him and his supporters.22 

Seine suggestive Leitfrage ist die bereits im Titel enthaltene These: „Was Quisling a quisling? Or was he a prophet without honour in his own country?“23 Die politische Biografie ist eine Rehabilitationsschrift. „Quisling wird wie ein klar sehender Idealist dargestellt, die Norweger allgemein als unrealistisch und rachsüchtig.“24 Hewins überhöht Quisling, erklärt seine „Machtergreifung“ mit seinem Sendungsbewusstsein und Patriotismus: Er habe das Beste für sein Land tun und es vor den Deutschen schützen wollen. All dies hätten die Norweger verkannt und ihn zum Sündenbock gestempelt. Der These folgt unter anderem eine harsche Kritik an der juristischen Abrechnung.

Die Reaktionen darauf in Norwegen waren eindeutig: „Das ist eine Auffassung, die wir hier in Norwegen nur bei einigen von denen finden können, die in den Jahren nach 1945 wegen Landesverrats im Gefängnis saßen,“25 schrieb der Professor für Sozialökonomie Johan Vogt. Im Mittelpunkt der Debatte stand die Sorge vor einer Auflösung des Schlussstriches und vor Rehabilitationsforderungen: „Hewins Buch […] kann auch eine ungewünschte Publizität über die juristische Abrechnung hier im Lande mit sich bringen.“26 In der Presse wurde die Sorge geäußert, dass „viele, die während der juristischen Abrechnung verurteilt worden sind und glauben, dass sie ihre bürgerliche Achtung verloren haben, nun, 20 Jahre später, alles dafür tun würden, um rehabilitiert zu werden.“27 Hewins’ Argumente waren nicht neu und wären, von einem Norweger im Lande veröffentlicht, nicht derart ernst genommen worden. Dass sie dennoch einen Sturm der Entrüstung auslösten, lag auch daran, dass die Furcht vorherrschte, das englischsprachige Ausland könnte dieses Bild von Norwegen als gegeben hinnehmen. „Reicht es, dem Buch mit einem verächtlichen Schulterzucken gegenüberzutreten? Da bin ich mir nicht sicher. Das Buch wird viele erreichen, denen Norwegen und die Norweger völlig unbekannt sind“,28 schrieb der Jurist und Anwalt am Obersten Gericht, Annæus Schjødt sen., der während des Krieges im Widerstand aktiv war. Das norwegische Außenministerium gab daraufhin ein englischsprachiges Überblickswerk über die Besatzungszeit in Auftrag, ein Jahr später erschien Norway and the Second World War. „But the Book is in no way an ‚official version‘ of history – nor, for that matter, does such a version exist“,29 rechtfertigte sich der Historiker Olav Riste im Vorwort.

Im selben Jahr erschien die norwegische Ausgabe der Quisling-Biografie, übersetzt, bearbeitet und im Eigenverlag herausgegeben vom ehemaligen engagierten NS-Mitglied Hans S. Jacobsen.30 Dieser verstärkte die NS-Sicht des Buches, indem er unter anderem folgende Fußnote hinzufügte: „Die norwegischen ‚Nazisten‘ […] haben wegen ihrer Haltung während des Krieges, die sie als die richtige ansehen, und wegen ihrer Einstellung zu den Deutschen keinerlei Schuldgefühl.“31 Daraufhin forderte der ehemalige Widerstandskämpfer und Parlamentarier, Sverre Løberg, Jacobsen auf, sich einer psychiatrischen Untersuchung zu unterziehen. Wenn er gesund sei, sei er „einer der größten Pfuscher und Fälscher der norwegischen Geschichte“.32 Im Juni 1967 erhob Jacobsen gegen Løberg Beleidigungsklage.

Ob Jacobsen, und nicht etwa der Autor, Geschichtsfälscher genannt werden durfte, wurde 1969 vor dem Verwaltungsgericht Oslo und 1970 vor dem Høyesterett („Höchsten Gericht“) verhandelt. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand anderes, etwa, ob die These des Buches haltbar sei, dass der „Terror“ der Heimatfront nach 1945 mit dem der Gestapo vergleichbar sei, oder ob sich Norwegen nach der Kapitulation im Juni 1940 weiterhin im Krieg befand, was eine der Grundlagen der strafrechtlichen Abrechnung war. Rund 30 Zeugen gaben vor den Richtern ihre Sicht der Geschichte wieder, darunter gesellschaftliche Autoritäten wie Jens-Christian Hauge, während der Besatzungszeit Chef der geheimen Streitkräfte (Milorg), der namhafteste Widerstandshistoriker Magne Skodvin und der norwegische General Roscher-Nielsen, der die Kapitulationserklärung unterzeichnet hatte. Ihnen gegenüber stand wie schon während der Besatzungszeit Jacobsens Anwalt, Albert Wiesener, der das bekannteste „Gegenbuch“ zur juristischen Abrechnung verfasste33 und während der Besatzungszeit für die Deutschen bei Prozessen gegen Norweger als Verteidiger arbeitete. Er kritisierte die Darstellungen der gegnerischen Zeugen als „Geschichte der Sieger“34.

Das Urteil der Richter fiel einstimmig und wurde ein Jahr später vom Høyesterett mit einer Gegenstimme bestätigt: Hans S. Jacobsen war nicht nur für den Inhalt verantwortlich, sondern hatte „bewusst an der Geschichtsfälschung mitgewirkt, die das Gericht als erwiesen ansieht“35. Die großen Tageszeitungen, die den Prozessverlauf über das „NS-Buch“ ausführlich dokumentierten, begrüßten das Urteil. „Schmerzhafte NS-Niederlage“36 überschrieb Dagbladet den Kommentar, in dem der Sieg über „alte NS-Ansichten“ gefeiert wurde. Die Parteizeitung Arbeiderbladet schrieb, Løberg „hat einem Quisling-Mythos das Leben genommen, den ein Teil der alten Freunde und Gesinnungsgenossen des Führers bewusst aufbauen wollte.“37 

Dies zeigt, dass es weniger um Nuancen und eine Auseinandersetzung mit der Geschichte als vielmehr um die Durchsetzung und Festschreibung des offiziellen Geschichtsbildes durch die höchste juristische Instanz Norwegens ging. Wie schon während des Krieges standen sich Widerstand und Nasjonal Samling als zwei klar voneinander getrennte Seiten gegenüber, deren Ziel es war, ihre jeweilige Geschichtsauffassung offiziell bestätigen zu lassen.

Die siebziger Jahre: Zeit des Übergangs

Die Debatte über Hanna Kvanmo und Kåre Øystein Hansen

Dass die norwegische Gesellschaft in Bezug auf die Besatzungszeit nicht in zwei Kategorien aufgeteilt werden kann, wurde in den siebziger Jahren am Beispiel der Parlamentarierin Hanna Kvanmo sowie des Nationaldichters Knut Hamsun deutlich. Der Debatte über Hanna Kvanmo 1974 ging im Herbst 1973 eine Auseinandersetzung über Kåre Øystein Hansen voraus. Beide waren Abgeordnete des „Sozialistischen Wahlverbundes“ (Sosialistisk Valgforbund, SV).38 Hansen wurde nach dem Ende der Besatzungszeit wegen Beihilfe zum Mord und Landesverrats zu vier Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Außerdem verlor er seine staatsbürgerlichen Rechte für zehn Jahre. Dies veröffentlichte der Journalist Olav Maaland in Bergens Tidende am 2. Oktober 1973. Damit brach er den Konsens, nicht darüber zu berichten, wenn herauskam, dass bekannte norwegische Persönlichkeiten nach der Besatzungszeit wegen Landesverrats verurteilt worden waren. „Heute ist er offensichtlich vollständig rehabilitiert“39 fügt Maaland über Hansen hinzu, dennoch fand er:

Ich finde es fundamental falsch, dass eine Person, die für die Beteiligung an einem der gröbsten Verbrechen, die unser Strafrecht vorsieht, in der gesetzgebenden Versammlung unseres Landes sitzen soll.40 

Schnell meldeten alle großen Zeitungen des Landes: Der damals 17-jährige Hansen war dabei, als am 11. April 1945 Mitglieder des SS-Skijäger-Bataillons zwei Mitglieder der Widerstandstruppen (Hjemmestyrkene) töteten. Hansens Aufgabe war es, in die Luft zu schießen, um Verwirrung zu stiften. Er war als 14-Jähriger auf Druck seines Vaters, „der ein eifriger Nazist war“41, in die Jugendorganisation der Nasjonal Samling eingetreten.

Die folgende öffentliche Erregung war heftig, aber kurz. Sie richtete sich einerseits dagegen, dass ein Landesverräter im Parlament, dem Symbol der norwegischen Freiheit und Unabhängigkeit, saß. Andererseits wurde Unverständnis darüber geäußert, dass dies überhaupt publik gemacht wurde: „Er hat seine Strafe erhalten. Sie hätte härter sein können, aber sie ist auf jeden Fall verbüßt. […] Die Geschichte wurde öffentlich gemacht. Was soll damit erreicht werden?“42 Der Kommentator des Arbeiderbladet betonte ebenfalls den Wunsch nach einem Schlussstrich:

Der norwegische Rechtsstaat hat mit unseren Landsleuten abgerechnet, die während des Kriegs die falsche Seite gewählt hatten. 28 Jahre nach Kriegsende sollte das Verbrechen eines 17-Jährigen, auch wenn es ein ernstes ist, nicht zu solchen Reaktionen führen.43

Dass in diesem Fall kein öffentlicher Konsens vorherrschte, lag auch daran, dass Hansen, wie später auch Kvanmo, im Gegensatz zu Jacobsen nicht mit NS-Positionen von sich reden machten, sondern in die norwegische Gesellschaft integriert waren. Forderungen, sich beurlauben zu lassen – einen Rücktritt sieht die norwegische Verfassung nur in Fällen wie Krankheit vor – blieben aus. Drei Monate später, als Hanna Kvanmo zum zweiten Landesverrats-Fall der SV wurde, war dies anders.

Am 9. Januar 1974 meldete Norges Handels- og Sjøfartstidende:

[…] dass ein weiteres Mitglieder der Fraktion während des Krieges eine längere Zeit für die Deutschen arbeitete. In diesem Fall war die Betroffene, die zu dieser Zeit ebenfalls jung war, mit der Gestapo als Übersetzerin verbunden.44 

Die Hauptstadtzeitungen reagierten erst nicht auf den erneuten Bruch des öffentlichen Konsens’. Sie taten dies erst, als die SV-Vorsitzenden die Presse schriftlich baten, nicht in der Vergangenheit von SV-Abgeordneten herumzustochern und sich an das ungeschriebene Gesetz zu halten. Ansonsten müssten sie mit Konsequenzen rechnen. Daraufhin zitierten sämtliche große Zeitungen den Brief und berichteten über den neuen Fall mit dem Argument: „Es gibt keinen Grund zu glauben, dass die Drohung Eindruck auf die Presse gemacht hat.“45 

Hanna Kvanmo wurde 1948 zu drei Jahren auf Bewährung und dem Verlust ihrer staatsbürgerlichen Rechte für zehn Jahre verurteilt. Grund dafür waren ihre passive Mitgliedschaft in der Jugendorganisation der NS und die Arbeit als Rotkreuzschwester Ende April 1945 in einem Krankenhaus der Luftwaffe bei Berlin. Ab 1941 arbeitete die 15-Jährige zudem für die Deutschen, unter anderem als Übersetzerin für die Ortskommandantur der Wehrmacht in Harstad.46 Für letzteres wurde sie wie die meisten wirtschaftlichen Kollaborateure nicht verurteilt. Thema der öffentlichen Debatte war es allemal. Die Argumente ähnelten denen im Falle Hansens, allerdings wurden sie fast von Beginn an mit einer Rücktrittsforderung, die zum Teil Hansen einschlossen, verbunden. Außerdem löste der zweite Fall eine prinzipielle Debatte darüber aus, ob es überhaupt möglich sein sollte, wegen Landesverrats Verurteilte ins Parlament zu wählen. Eine Gesetzesänderung forderten unter anderem die Verbände der Kriegsinvaliden und der ehemaligen politischen Gefangenen.

Gegen eine kollektive moralische Verurteilung aller wegen Landesverrats Verurteilten gab es erneut Stimmen. Auch die SV-Fraktion unterstützte im Gegensatz zu Kvanmos Wahlkreis ihre Abgeordneten mit dem neuen Argument, das Parlament solle repräsentativ für das norwegische Volk sein und Kvanmo und Hansen „repräsentieren eine ziemlich große Gruppe unserer Bürger“.47 Dass die Debatte um Kvanmo heftiger ausfiel und sich länger hinzog als die im Herbst, lag auch daran, dass die NKP sie politisch ausnutzte: Würde Hanna Kvanmo ausscheiden, würde ein NKP-Mitglied ins Parlament nachrücken. Durchsetzen konnte sich die Partei nicht, Hansen und Kvanmo blieben im Parlament. Zum anderen war Kvanmo bekannter als Hansen, sehr beliebt und galt als sehr vertrauensvoll, so dass die Enttäuschung über sie umso größer war.48 Bei der Debatte fiel insgesamt auf, dass die Fronten verschwommen waren und das feste Geschichtsbild nicht mehr funktionierte. Denn Kvanmo und Hansen können auf keiner der beiden Seiten eindeutig verortet werden.

Die Debatte über Knut Hamsun und „Der Hamsun-Prozeß“

Die Debatte über Knut Hamsun, der für seinen Roman Markens grøde („Segen der Erde“) 1920 den Literaturnobelpreis erhielt, war weder die erste noch die letzte Auseinandersetzung über den Dichter. Sie war aber besonders heftig. Wie schon bei der Quisling-Biografie lag dies unter anderem daran, dass der biografische Roman Processen mod Hamsum49 von einem Ausländer, dem Dänen Thorkild Hansen, verfasst wurde. Das Buch erschien im September 1978 gleichzeitig in Norwegen, Schweden und Dänemark. Im Mittelpunkt stand der Prozess gegen den Schriftsteller, der 1948 unter anderem wegen Zeitungsartikeln, in denen er für die Nationalsozialisten Partei ergriff, eines Besuches bei Hitler sowie einer umstrittenen NS-Mitgliedschaft wegen Landesverrats zu einer Geldstrafe von 325.000 Kronen, beinahe sein gesamtes Vermögen, verurteilt wurde. Zuvor war ein umstrittenes psychiatrisches Gutachten erstellt worden, das den 86-Jährigen als „einen Menschen mit nachhaltig geschwächten seelischen Fähigkeiten“50 bezeichnete. In seinem Dokumentarroman, in dem der dänische Schriftsteller dem Genre gemäß Zitate, Fakten und Fiktion nicht immer eindeutig trennte, kritisierte Hansen unter anderem den Prozess gegen Hamsun im Besonderen und die strafrechtliche Abrechnung im Allgemeinen. Letztere bezeichnete er durch Zitate als Hexenjagd und Zustand von Rechtlosigkeit.51 Außerdem überhöhte er den Dichter zum Genie und entschuldigte damit indirekt seine politischen Äußerungen. Hansen stellte Hamsun zudem als Opfer seiner alten Liebe zu Deutschland, seines Hasses gegen England sowie seiner Isolation und Taubheit dar.

Nach ersten positiven Rezensionen, in denen der dichterische Gehalt des Werkes gelobt wurde, wurde die Debatte politisch und kritisch. „Quisling wurde beinahe wie ein Märtyrer dargestellt, und die Schilderung ähnelt auffallend der in Hewins’ Buch über Quisling“52, hieß es im Arbeiderbladet, wo auch Hansens Quellen kritisiert wurden: „Thorkild Hansen hat einseitig auf die Version der Nazisten über die juristische Abrechnung gehört.“53 Die zahlreichen Kritiker waren sich wie schon bei Hewins einig, was von Hansen zu halten sei. Wieder verteidigten angesehene Zeitzeugen ihr Handeln und damit das Geschichtsbild, so auch der Chef des militärischen Widerstandes, der betonte, Hamsun sei nach dem Krieg nicht schlecht behandelt worden.

Die Debatte über Hamsun führte auch zu einer erneuten Auseinandersetzung mit der strafrechtlichen Abrechnung. Neben den Stimmen, die sie verteidigten, wurden nun diejenigen lauter, die eine Neubewertung forderten. So wurde im Dagbladet als positiv hervorgehoben, das Buch bringe den Leser zum Nachdenken:

Das schmerzt wahrscheinlich am meisten und macht die Debatte so leidenschaftlich engagiert. Wir wollen, dass die strafrechtliche Abrechnung makellos als nationales Juwel bestehen bleibt.54 

Ein genaueres Hinterfragen der von Hansen kritisierten rechtlichen Grundlage fand aber nicht statt. Die Kritik richtete sich vor allem gegen die Behandlung Hamsuns nach dem Kriegsende. Von vielen Seiten wurde die Verurteilung aufgrund des psychiatrischen Gutachtens kritisiert. Von anderen wurde sie gerechtfertigt und mit dem Hintergedanken begründet, so Dichtung und Mensch voneinander trennen zu können. Außerdem hätte man damit verhindern wollen, dass der berühmte und alte Dichter vor den Augen der Weltöffentlichkeit lebenslang ins Gefängnis gesperrt würde.

Auch ob Hamsun Nazi war oder nicht, wurde ausgiebig diskutiert. Die gängigen Theorien von Hamsun als psychologischem Rätsel, seiner Unwissenheit durch Senilität und Taubheit oder seinem Englandhass als Ursache für sein pro-deutsches Verhalten, wurden angesprochen, geklärt wurde die Frage indes nicht. Das nationale Trauma Hamsun blieb bestehen. Dennoch zeigte die Debatte, dass bei der Bewertung von nicht eindeutigen Einzelschicksalen, wie auch das der Parlamentarier Kvanmo und Hansen, die Fronten in der Debatte zunehmend verschwammen. Anzumerken ist weiterhin, dass sich hier bereits die Historisierung, welche die achtziger Jahre prägen sollte, andeutete.

Die achtziger Jahre: Zeit des Historismus und des Revisionismus

Die Debatte über die Fernsehserie „Im Zeichen des Sonnenkreuzes“

Den Beginn einer historisierenden und zum Teil revisionistischen Betrachtung der Besatzungszeit markierte die vierteilige Fernsehdokumentation „Im Zeichen des Sonnenkreuzes“ (I solkorsets tegn), die der öffentlich-rechtliche Fernsehsender NRK im Frühjahr 1981 ausstrahlte. Neu war, dass neben Historikern und Juristen zum ersten Mal ehemalige Mitglieder der Nasjonal Samling zu Wort kamen. Der Redakteur Haagen Ringnes befragte sie wertneutral über die Motive ihres Parteiein-tritts. Die Interviews waren mit Erläuterungen über die Entwicklung der Partei und ihrer Rolle während der Besatzungszeit verbunden. So erzählte Marna Pedersen, ehemaliges NS-Mitglied, sie sei froh gewesen über den Staatsstreich Quislings: „Ich fand, dass Norwegen in gute Hände gekommen war.“55 Roald Astrup Nielsen, ehe-maliger NS-Kreisführer in Bergen und damit der ranghöchste der Interviewten, der 1945 nach Argentinien geflüchtet war, sah 1940 die NS-Mitgliedschaft als einzigen Ausweg für den Fall, dass Deutschland den Krieg gewinnen sollte. All diese Motive wurden von dem Politologen Stein Ugelvik Larsen bestätigt. Sie waren es auch nicht, die zu Protesten führen. Anstoß erregte in der Zeitungsdebatte, die auf den dritten Teil folgte, dass fast alle Interviewten betonten, sie hätten von der Judende-portation nichts gewusst. Zu Auschwitz meinte Knut Baardseth: „Ich hatte über-haupt keine Informationen. Wir hörten, dass es eine Lösung geben sollte. Es gab Ge-rede von Madagaskar als Judenstaat.“ Nur Asbjørn Elden, inzwischen Kommunist, räumte ein: „Ich […] wusste mehr als genug, um vollständig moralisch mitschuldig zu sein.“ Elden war der einzige, der in der öffentlichen Debatte positiv wahrgenom-men wurde. Das lag daran, dass allein er sein Verhalten bereute. Kritik provozierte dagegen die Relativierung von Elisabeth Skogen, die erzählte, Vater und Großvater seien je auf der anderen Seite gestanden: „Ich bin auf beide gleichermaßen stolz.“ Gleiches galt für die von Astrup Nielsen geäußerte gängige NS-Geschichtsauffassung: „Ich mache Quislings Worte zu meinen: Wir haben unser Land fünf Jahre lang regiert. […] Und wir regierten gut.“

„Die NS-Leute haben überhaupt nicht regiert. Sie waren Laufburschen und -mädchen der Besatzungsmacht“,56 wurde ihm entgegengehalten. Die Zuschauer waren aufgebracht: „Ja, lasst sie sich erklären – lasst sie sich immer noch von jeglicher Verantwortung fortlügen. Lasst sie ihre Taten schön reden.“57 Auch diesmal ergriffen Zeitzeugen in den großen Zeitungen das Wort, wie Eivind Myhre, ehemals Mitglied der Heimatfront und Milorg: „Die Wirklichkeit war eine andere als die, die wir im Fernsehen gesehen haben.“58 In Hintergrundartikeln wurde diese andere, gängige Sicht auf die Geschichte wie die Beteiligung der Nasjonal Samling an der Judenverfolgung dargestellt. In der Debatte sei es um „die richtige Geschichte“59 gegangen, analysierte die Kulturwissenschaftlerin Anne Eriksen die Debatte.

Kritisiert wurden auch die Verharmlosung und die Idealisierung der NS durch die ehemaligen Mitglieder. Auch dass es sich bei ihnen um „gewöhnliche“ NS-Mitglieder handle, um Mitläufer und nicht um diejenigen, die Verbrechen begangen hätten, wurde beanstandet. Zu erklären ist dies damit, dass es so schwerer fiel, das moralische Schema der Guten und Schlechten aufrechtzuerhalten. Diese Kritik war Ausdruck des Erschreckens darüber, dass die meisten wie sympathische, ganz gewöhnliche Menschen wirkten und nicht wie Verbrecher. Zu den positiven Stimmen gehörten solche, die es als demokratischen Wert oder historisches Korrektiv sahen, dass nun öffentlich diskutiert wurde, was sonst nur hinter verschlossenen Türen geschehen war. Das erstmals seit dem Ende der Besatzungszeit ausgedrückte Bedürfnis, auch die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen, wurde auch in der Intention des Redakteurs Haagen Ringnes deutlich: „Die Serie soll ein Korrektiv und ein Zusatz zu dem sein, was bisher über diese dramatische Epoche geschrieben worden ist.“60 

Eine Entwicklung zeigte sich ebenfalls darin, dass im Film neben dem Juristen Johannes Andenæs, der die kollektive Verurteilung der NS-Mitglieder verteidigte, aber gleichzeitig ihre finanzielle Haftung sowie die rückwirkende Art der Gesetze kritisierte, auch „die juristische Stimme der Gegenseite“, Albert Wiesener zu Wort kam. Er kritisierte die Verurteilung der NS-Mitglieder wegen Landesverrats sowie die Kollektivschuld, die ihnen damit auferlegt worden sei. Eine Diskussion darüber wurde in Dagbladet fortgeführt. Was noch bei der Debatte über die Hamsun Biografie als Wunsch geäußert wurde, nämlich die strafrechtliche Abrechnung zu diskutieren oder neu zu bewerten, nahm so seinen Anfang.

Der norwegische Historikerstreit

Wie nahe Neubewertung und Relativierung beieinander liegen können, zeigte der Historikerstreit, der in der Folge des deutschen auch in Norwegen geführt wurde. Er ging mit einer Reflexion der Geschichtsschreibung über die Besatzungszeit einher. Die norwegische Debatte begann 1987 mit einem Bericht des Historikers Øystein Sørensen über den deutschen Historikerstreit.61 Thema war die Kritik unter anderem des Soziologen Jürgen Habermas am Historiker Ernst Nolte, der das „neurotische Schuldgefühl“ der Deutschen kritisierte und forderte, dass die nationalsozialistische Judenvernichtung in einer Reihe mit den anderen Völkermorden des 20. Jahrhunderts sowie als eine Reaktion auf den Gulag, die Massenvernichtung unter Lenin und Stalin, gesehen werden müsse.62 Dies gab Sørensen wieder und fragte kurze Zeit später in einem Interview, „ob wir nicht immer noch gegen Tabus kämpfen, wenn wir den Krieg behandeln.“63 Dies wiederum griff der Schriftsteller Simen Skjønsberg im Oktober 1987 im Zusammenhang mit dem deutschen Historikerstreit auf. Er versuchte ebenfalls, die Frage nach dem Zusammenhang von Geschichtsschreibung und nationaler Identität auf Norwegen zu übertragen.

Darauf antwortete der Historiker Nils Johan Ringdal, dass auch in Norwegen die Geschichtsschreibung moralisch geprägt sei:

Dass die Historiker – von Sverre Steen bis zu Magne Skodvin und seinen Schülern – es seitdem nicht geschafft haben, sich von der strafrechtlichen Abrechnung und der Freimaurerei der Heimatfront zu distanzieren, hat für das norwegische Geschichtsverständnis große Konsequenzen gehabt.64 

Die Folge des Artikels war eine Auseinandersetzung darüber, wie weit die Geschichtsschreibung durch eine Fokussierung auf den Widerstand eingeengt wurde. Gleichzeitig kam die Frage auf, ob die neue Generation von Historikern wie Sørensen und Hans Fredrik Dahl, die sich der Geschichte der Nasjonal Samling widmete, zu neutral und distanziert sei. Der Historiker Terje Halvorsen fragte:

Wie weit soll der Revisionismus gehen? Soll er auch die Wertgrundlage ändern, auf der unsere Geschichtsschreibung bisher aufgebaut war? […] Waren Widerstandsleute und Frontkämpfer gleich gut?65

Er verlieh seiner Furcht darüber Ausdruck, dass die „Revisionisten“ die juristische Abrechnung kritisierten und neu bewerteten und damit das vorherrschende Geschichtsbild in Frage stellen könnten. In dasselbe der zwei sich bildenden Lager gehörte Arnfinn Moland. Der Historiker am „Heimatfrontmuseum“ (Hjemmefrontsmuseet) und dessen späterer Leiter war der vehementeste Verteidiger der traditionellen Geschichtsschreibung. Er warnte nicht nur vor dem Verlust ihrer Wertgrundlage, sondern verteidigte die strafrechtliche Abrechnung auch als richtig und objektiv.66

Der prominenteste Vertreter der Revisionisten war Hans Fredrik Dahl: „Zu verlangen, dass der Historiker die Werte der Akteure seinen Untersuchungen zu Grunde legen soll, ist sowohl widersprüchlich als auch unmöglich.“67 Dahl ging so weit, sich die Argumentation der Nasjonal Samling zu Eigen zu machen, als er forderte, die NS-Mitglieder hätten nicht als Landesverräter, sondern als Revolutionäre verurteilt werden sollen, da sie durchaus Patrioten gewesen seien.

Die Beschränkung der Geschichtsschreibung über die Besatzungszeit auf den Widerstand war auch 1989 noch Thema. Ab 1960 hatte es laut Sørensens Analyse eine Einengung der Forschung und Fokussierung auf den Widerstand gegeben, die mit Magne Skodvin verbunden sei, der eine Skodvin-Tradition geschaffen habe.68 Damit knüpfte Sørensen an Ringdal an. In einem Interview bezeichnete Sørensen die Konzentration auf die Widerstandsforschung als „eine bewusste Strategie Skodvins.“69 Er habe ständig in engem Kontakt mit ehemaligen Widerstandskreisen gestanden: „Sie haben gemeinsam das Heimatfrontmuseum mit seiner klaren Verankerung in den nationalen Werten der Kriegszeit errichtet.“70 Sørensen betonte zudem die Notwendigkeit, sich zum einen mit der Ideologie der Nasjonal Samling zu beschäftigen, da die Partei seit 1844 die einzige Gruppe in Norwegen gewesen sei, die eine Revolution machen wollte, und zum anderen die Besatzungszeit als historisches Phänomen zu betrachten.

Drei Schüler Skodvins bestritten daraufhin das Bestehen einer Skodvinschen Forschungstradition.71 In einem Aufsatz verteidigte Ole Kristian Grimnes außerdem die Geschichtsschreibung über die Besatzungszeit. Sie sei durch einen nationalen Konsens geprägt, der wiederum der Grund dafür sei, dass Themen vernachlässigt wurden.

Es handelt sich um einen einzigartigen nationalen Konsens, der sich im Laufe des Krieges entwickelt hat, und den sowohl die Heimat- wie die Außenfront als auch alle für die Meinungsbildung wichtigen Gruppen außer der NS stützten und akzeptierten.72 

Er unterstrich, dass die Opposition und der Kampf gegen die nazistische Staatsmacht mit demokratischer Restauration als letztem Ziel etwas Gutes und dass die NS und der Okkupant etwas Schlechtes gewesen seien. Ein Bruch des Konsens erfolge dann, wenn Nasjonal Samling und Heimatfront auf eine Linie gestellt würden. Diese Erklärung wiederum kritisierte Sørensen. Auch in Deutschland herrsche Konsens darüber, dass der Nationalsozialismus schlecht und die Demokratie gut sei, dort gebe es aber trotzdem verschiedene Strömungen in der Geschichtsschreibung über den Nationalsozialismus.73

Bei der Reflexion der Historiographie zur Besatzungszeit wurde eines deutlich: Die Geschichtsschreibung selbst hatte dazu beigetragen, in Norwegen den Mythos einer Nation im Widerstand zu schaffen, der wiederum eine offene Auseinandersetzung über diese Zeit und die juristische Abrechnung erschwerte. Dass dies problematisiert wurde, ist der Verdienst der Debatte über die Vergangenheitsbewältigung.

Die neunziger Jahre: Zeit des Moralismus

Die Debatte über die finanzielle Entschädigung der norwegischen Juden

Die neunziger Jahre zeichnet aus, dass zuvor tabuisierte Themen in die Öffentlichkeit gelangten und zugleich mit einer moralischen Verantwortung verknüpft wurden. Dies geschah jedoch nicht plötzlich, sondern nur allmählich.

Als der Journalist Bjørn Westlie in der Zeitung Dagens Næringsliv im Mai 1995 zum ersten Mal anhand von Schicksalen einzelner norwegischer Juden nachzeichnete, wie ihr Besitz beschlagnahmt und sie oder ihre Angehörigen nur unzureichend oder gar nicht dafür entschädigt wurden, blieb jede nennenswerte öffentliche Resonanz aus.74 Die Hoffnung auf eine Entschädigung, die darauf die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Norwegens, Berit Reisel, äußerte, verhallte ungehört. Die einzige politische Reaktion war das Versprechen des Abgeordneten Petter Thomassen (Høyre), sich der Sache anzunehmen.75 Daraufhin bat er Justizministerin Grete Faremo, eine unabhängige Expertengruppe einzusetzen, um die Ereignisse zu untersuchen, was diese auch versprach. All dies geschah ohne großes Medienecho. Erst als im Januar 1996 der Jüdische Weltkongress Norwegen vor den Augen der Weltöffentlichkeit aufforderte, diesen Teil der Geschichte aufzuarbeiten, begann eine öffentliche Debatte. „Die Anklage Norwegens aus dem Ausland – und dazu von einer jüdischen Gruppe – ließ alle Presseherzen schneller schlagen“76, schrieb Westlie. Eine ähnliche Diskussion fand allerdings zu dieser Zeit nicht nur in Norwegen, sondern auch in anderen europäischen Ländern statt und war im Kontext der Debatte über in der Schweiz gelagertes Gold von Juden zu sehen.

In Norwegen war die Bestürzung groß. Der Abgeordnete der „Christlichen Volkspartei“ (Kristelig Folkeparti) Jon Lilletun beklagte, es sei beschämend, dass man das Unrecht in den Hintergrund geschoben habe. Eine Entschädigung für konfisziertes Eigentum hielt auch der Jurist Johannes Andenæs für gerechtfertigt.77 Dass sie den norwegischen Juden zustehen sollte, darüber herrschte im Großen und Ganzen Konsens, allerdings nicht darüber, was als Grundlage dienen sollte. Während der spätere Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik es nicht für nötig hielt, als Grundlage für die Höhe der Entschädigung das beschlagnahmte jüdische Vermögen zu errechnen, waren Justizministerin Faremo eben diese Zahlen als Entscheidungsgrundlage wichtig.78 Die Position, dass die moralische Verantwortung wichtiger war als Zahlen einerseits und andererseits der Drang, den zu zahlenden Betrag an der Größe des noch zu ermittelnden finanziellen Schadens festzumachen, nahmen die große öffentliche Debatte im Kleinen vorweg. Eine heftige Auseinandersetzung folgte, als die im Frühjahr 1996 eingesetzte Kommission im Sommer 1997 ihre Ergebnisse vorlegte.

Der Kommission gelang es nicht, eine einheitliche Stellungnahme abzugeben. Sie war in die Berichte von Mehr- und Minderheit aufgeteilt.79 Einig waren sich beide Seiten darin, dass der Staat eine moralische Verpflichtung hätte, eine Entschädigung zu zahlen. Einig waren sie sich ebenfalls darin, dass der eingezogene Besitz der norwegischen Juden nicht vollständig registriert wurde. Den entstandenen Schaden schätzte der Vorsitzende Oluf Skarpnes auf 110 Millionen Kronen, Berit Reisel und Bjarte Bruland gingen dagegen von rund 450 Millionen Kronen aus. Während die Mehrheit nur die Nasjonal Samling und deren Polizeikräfte für den Einzug des Vermögens für verantwortlich hielt, die norwegische Regierung rechtlich nicht in der Pflicht sah und die Entschädigung nach Kriegsende rechtfertigte, bei der jüdische und nicht-jüdische Bürger gleichbehandelt wurden, kritisierte die Minderheit diese Einschätzungen. Sie warf der Mehrheit vor, zu wenig Rücksicht auf den kollektiven und totalen Charakter der Vernichtung zu nehmen und die physische und wirtschaftliche Liquidation der Juden nicht als zusammengehörig zu betrachten.

Die folgende Debatte über die unterschiedlichen Herangehensweisen forcierte die Minderheit, indem sie vor der offiziellen Präsentation der Ergebnisse an die Öffentlichkeit ging. Darauf legte unter anderem der ehemalige SV-Vorsitzende Erik Solheim Justizministerin Gerd-Liv Walla nahe, die Ergebnisse der Minderheit jedem weiteren Vorgehen zu Grunde zu legen.80 Dem schloss sich später auch Ministerpräsident Thorbjørn Jagland an. Die öffentliche Kritik richtete sich gegen die Mehrheit der Kommission. So kritisierte Kjell Magne Bondevik (Kristelig Folkeparti),

[…] dass die Schlussfolgerungen der Mehrheit „etwas zu technisch-ökonomisch“ seien. […] Meiner Meinung nach ist diese Sache nicht in erster Linie eine Frage des Geldes, sondern es geht darum, ein schwarzes Kapitel der norwegischen Geschichte aufzuarbeiten.81 

Der Kritik am Geschichtsverständnis der Mehrheit schlossen sich auch gesellschaftliche Autoritäten wie Jo Benkow und Kristian Ottosen, der als prominente Figur des Widerstands in deutschen Konzentrationslagern interniert war, an. Oluf Skapnes kritisierte daraufhin die „einseitige Berichterstattung“ und verteidigte das Vorgehen der Mehrheit: „Unsere Aufgabe bestand darin herauszufinden, was mit dem jüdischen Eigentum während des Krieges und danach geschehen ist, und nicht darin, politische Meinungen abzugeben.“82 Grimnes rechtfertigte außerdem das Vorgehen der Nachkriegsregierung und fragte, „ob Juden nun positiv diskriminiert werden sollen, wenn sie Verluste erstattet bekommen, für die andere Norweger nicht entschädigt wurden.“83

Die emotional aufgeladene moralisch-politische Argumentation auf der einen Seite und die streng historistische auf der anderen machte erst dann Platz für Nuancen, als der Bericht der Kommission öffentlich zugänglich wurde. Die Presse ruderte zurück: Im Endeffekt seien nur die Zahlen unterschiedlich. Die Schuld an dem Wirbel wird damit erklärt, dass „der PR-Coup der Minderheit ungewöhnlich geglückt war.“84 Auch Johannes Andenæs kritisierte deren Vorgehen als „grobe Manipulation der Massenmedien“.85Dies führte als Erklärung für die Debatte aber nicht weit genug. Es darf nicht vergessen werden, dass der Konflikt bereits im Vorfeld angelegt war und nicht nur durch den „PR-Coup“, sondern vor allem durch verschiedene Herangehensweisen an die Geschichte geschürt wurde. Während die einen aus der Sicht der Opfer argumentierten, machten sich die anderen die Argumente der Nachkriegsregierung zu Eigen. Letzteres zeigte, wie stark auch noch in den neunziger Jahren das Bedürfnis war, das „eigene“ Handeln während und nach der Besatzungszeit zu rechtfertigen und die Beteiligung an der Enteignung und Deportation von Juden „den Anderen“ zuzuschieben und beispielsweise die involvierten Verwaltungsangestellten von jeglicher Verantwortung freizusprechen. Dies wurde auch an der Kritik des Reichsarchivars Ole Kolsrud an der Minderheit deutlich:

Es geht ihnen darum, einen Teil der Verantwortung Adolf Hitlers und Vidkun Quislings bei den Verbrechen gegen die Juden auf die legitimen norwegischen Behörden […], also auf uns alle, abzuschieben.86

Nicht zu vernachlässigen sind aber auch die lauter gewordenen Stimmen, die an dieser Sichtweise Kritik übten, darunter der Historiker Hans Fredrik Dahl: „Gewöhnliche Beamte und Angestellte beschlagnahmten die Radios der Juden, stempelten ein ‚J’ in ihren Pass […] und verhafteten sie, als die den Befehl dazu erhielten.“87

Letztendlich einte das Wissen um die moralische Verantwortung die Öffentlichkeit. Eine Entschädigung in Höhe von 450 Millionen Kronen wurde 1999 vom Parlament bewilligt. Neben individuellen Entschädigungen wurde das Geld unter anderem für den Aufbau eines Holocaust-Zentrums im ehemaligen Amtssitz Quislings, der Villa Grande auf Bygdøy, verwendet.

Die Debatte über die Liquidationen des Widerstands

Ungefährt zur Zeit der Entschädigungsdebatte kritisierte Egil Ulateig das Bild des norwegischen Widerstands, dessen Verhalten daraufhin ebenfalls verteidigt wurde. In diesem Grundschema gleichen sich die beiden Debatten, nicht jedoch in der Art der „Provokation“ und der moralischen Dimension. Ulateigs Buch Med rett til å drepe („Mit dem Recht zu töten“)88, das erste über die Liquidationen des norwegischen Widerstands, war revisionistisch und setzte eher Tendenzen der achtziger Jahre fort. Zum einen argumentierte Ulateig aus der Sicht der Nasjonal Samling, als er forderte, die Ermordungen durch den Widerstand müssten als Kriegsverbrechen geahndet werden. Dies belegte er mit der NS-Auffassung, dass Norwegen sich nach der Kapitulationserklärung vom 10. Juni 1940 nicht mehr mit Deutschland im Krieg befunden habe. Im Zentrum des Buches stand eine Liste mit 136 Namen von Norwegern, die Ulateig zufolge vom Widerstand getötet wurden, weil sie für den Widerstand eine Bedrohung darstellten. In vielen Fällen belegte er dies aber nicht.

Die eine Seite begrüßte es in der folgenden Debatte prinzipiell, dass die Liquidationen des Widerstandes zum ersten Mal untersucht wurden. Die andere Seite hingegen lehnte das Werk wie die Debatte über das Thema ebenso prinzipiell ab. Zu letzterer gehörten prominente Mitglieder des Widerstands. So sprach sich der ehemalige Milorg-Chef Jens Christian Hauge gegen eine Debatte aus und verteidigte die Liquidationen als letzten Ausweg, wenn die Bedrohung durch Verräter zu groß gewesen sei: „Meiner Meinung nach können wir darauf stolz sein.“89 Interesse an einer Debatte wurde nur verhalten geäußert. So war der Journalist Andreas Skartveit einer von wenigen, die sich über die Schärfe der Debatte wunderten und sie darauf zurückführten, dass die Liquidationen für den Widerstand noch eine offene Wunde seien. Dass aber keine wirkliche Auseinandersetzung stattfand, lag mit daran, dass „Das Recht zu töten“ keine ausreichende Grundlage dafür darstellte, da es auch viele Fehler enthielt. Diese waren es auch, die in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerieten.

Einen Höhepunkt und ihr vorläufiges Ende erreichte die Debatte, als Veteranenvereinigungen ankündigten, gegen das Buch zu klagen, und forderten, die Auflage einzuziehen. „Es wäre ein Unglück für das Diskussionsklima hier zu Lande, wenn über den Zweiten Weltkrieg vor Gericht diskutiert würde“,90 hieß es im Kommentar des Dagbladet. Ein ähnliches Szenario wie in den sechziger Jahren mit der Quisling-Biografie wurde zwar verhindert. Eingezogen und eingestampft wurde die Restauflage schließlich doch, aber erst 1998, nachdem Moland und Veteranen das Thema erneut lanciert und Druck auf den Tiden Norsk Verlag ausübt hatten. Moland war es auch, der 1999 kurz nach dem Erscheinen einer neuen, im Eigenverlag veröffentlichten Auflage von Ulateigs Buch91 die Version des Widerstands zu den Liquidationen in einem in der Debatte geforderten Gegenbuch92 veröffentlichte, ohne dies jedoch als solches zu bezeichnen. Darin verteidigte er gemäß der alten Muster die Liquidationen als Notwehr oder rechtmäßige Kriegshandlungen und betonte die breite Unterstützung des Freiheitskampfes durch König, Regierung, Heimat- und Außenfront. Moland kam bei seiner Analyse auf 82 Liquidationen. „Wir haben gezeigt, dass sie [die höheren Zahlen, S.M.] auf einem Versuch der Manipulation von historischen Fakten beruhen. Ihr Ausgangspunkt sind ideologische Motive, die aus dem Milieu vorbestrafter NS-Leute stammen.“93 Somit fand erneut der schon in den sechziger und siebziger Jahren gängige Brauch statt, unliebsame Gegner – wenn auch nicht immer zu unrecht – als NS-Sympathisanten zu brandmarken, um so eine offene Auseinandersetzung mit einem tabuisierten Thema zu verhindern. „Analysiert er, oder tritt er als Sprecher derer auf, die er erforschen soll?“,94 merkte der einst im Widerstand engagierte Politologe Thomas Chr. Wyller zu Moland an und fragte, ob nun wieder „die Geschichte der Sieger“ geschrieben werden sollte.

Das Schicksal der Kriegskinder und die moralische Verantwortung

Um das Anerkennen von moralischer Verantwortung ging es, wie schon bei der Entschädigungsdebatte, beim Thema der Kriegskinder, der rund 12 00095 Nachkommen von Norwegerinnen und deutschen Soldaten. Das Schicksal der Kriegkinder, von denen viele wegen ihrer Herkunft diskriminiert wurden, war lange ein Tabu in der norwegischen Gesellschaft. Das hatte damit zu tun, dass die zwischen 1940 und 1946 geborenen Männer und Frauen von vielen als Überbleibsel der deutschen Besatzer und damit Feind behandelt wurden, ohne dass sie im juristischen oder moralischen Sinne Schuld auf sich geladen hatten. Während in den achtziger Jahren Romane wie Herbjørg Wassmos Tora-Trilogie, die Gründung des „Norwegischen Kriegskinderverbandes“ (Norsk Krigsbarnforbundet), der half, die teils unbekannte Herkunft der Kriegskinder herauszufinden – was wiederum ein Gesetz seit 1987 offiziell ermöglichte – sowie erste Forschungsarbeiten und biografische Berichte dazu beitrugen, Schicksale zu thematisieren, wurde man sich in den neunziger Jahren der moralischen Verantwortung für die Diskriminierung von Kriegskindern bewusst. Wichtige Stationen auf diesem Weg waren Artikel in Dagsavisen, die einen Forschungsauftrag veranlassten, und die Neujahrsansprache des norwegischen Ministerpräsidenten im Jahre 2000.

In dem Artikel, der 1998 die konkrete Aufarbeitung des Tabus einleitete, hieß es, die Kriegskinder und ihre Mütter hätten nichts von dem Geld erhalten, das Deutschland 1959 im Rahmen des Bundesentschädigungsgesetzes an Norwegen gezahlt hatte und das für alle Staatsbürger gedacht gewesen war, die während des Krieges Schaden genommen hätten. Kinder und Witwen von deutschen Soldaten waren inbegriffen gewesen. Daraufhin forderte der Parlamentarier Bjørn Hernæs (Høyre) eine Untersuchung der Vorwürfe:

Es ist an der Zeit, dass den Kriegskindern Genugtuung widerfährt. Über 50 Jahre nach Kriegsende müssen wir endlich in der Lage sein, uns mit unserem schlechten Gewissen gegenüber dieser Gruppe auseinander zu setzen.96

Der Weg, der daraufhin eingeschlagen wurde, ähnelte strukturell dem beim Thema Entschädigung für die norwegischen Juden: Forschung, die das Parlament im Herbst 1998 in Auftrag gab, sollte die Grundlage für das weitere Vorgehen bilden, die Vorwürfe prüfen und herausfinden, ob die Umstände, unter denen die Kriegskinder aufwuchsen, ausreichend dokumentiert waren. Sie waren es nicht, auch das Geld Deutschlands galt ihnen nicht, waren erste Ergebnisse.97

Bevor das Parlament im Frühjahr 2000 einen weiteren Forschungsauftrag bis 2004 erteilte, setzte Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik in seiner Neujahrsansprache am 1. Januar 2000 ein politisches und moralisches Zeichen: „Im Namen des norwegischen Staates möchte ich mich für die Diskriminierung und die Ungerechtigkeiten entschuldigen, denen viele Kriegskinder ausgesetzt waren.“98 Die Bedeutung der Rede lag in erster Linie darin, dass der norwegische Staat damit zum ersten Mal die moralische Verantwortung für die nie verordnete Diskriminierung vieler Kriegskinder übernahm. Die Worte hatten Folgen: Daraus, dass Bondevik sich in der selben Rede auch bei den Samen entschuldigte, ihnen eine Entschädigung versprach und auch die 1999 beschlossene Entschädigung für die norwegischen Juden erwähnte, leiteten nun wiederum Kriegskinder ihre Forderung nach Gleichbehandlung ab:99

Ein milder Nebensatz in einer Festrede genügt nicht, um etwas auf einen Schlag wieder gutzumachen, was an Folter grenzte. Hohn und Demütigung, Misshandlung und sexuelle Übergriffe und fehlende Schulbildung. Eine verlorene Kindheit und ein zerstörtes Leben.100

So lautete ein Kommentar in Aftenposten. Es wurde nicht nur an die moralische Verantwortung des Staates appelliert, sondern auch kritisiert, die Erforschung der Lebensumstände der Kriegskinder zur Voraussetzung für eine Entschädigung zu machen, wie es unter anderem von Sozialministerin Magnhild Meltveit Kleppa gefordert wurde. Darüber, dass die Kriegskinder in irgendeiner Form entschädigt werden sollten, herrschte weitgehend Konsens. Dass über das Wie keine kontroverse Debatte folgte, lag nicht nur daran. Ein weiter Grund war, dass die Verantwortlichen für Leid und Diskriminierung von Kriegskindern – was beides zudem individuell sehr unterschiedlich ausfiel und in unzähligen Fällen gar nicht bekannt war – nicht eindeutig zu benennen waren.

Ausführlich dokumentiert wurden die Entschädigungsforderungen der Kriegskinder, als diese vor Gericht verhandelt wurden. Während ihre Anwältin Randi Hagen Spydevold im Herbst 2001 vor dem Amtsgericht Oslo argumentierte, den Kriegskindern stünde eine Entschädigung zu, wie sie auch die norwegischen Kriegsgefangenen in Japan und die norwegischen Juden erhalten hätten, hielt ihr der Staatsanwalt entgegen, diese Entschädigungen seien nicht von einem Gericht beschlossen worden und die Forderung gehöre folglich nicht hierher. Außerdem sei sie verjährt. Nach dem Amtsgericht wiesen auch die höheren Instanzen die Klagen ab.

Parallel zu der Klage arbeiteten die Historiker weiter. Die Zeit bis zum Projektende wurde der ehemaligen Ministerin Kleppa zu lang. 2002 schlug sie vor, eine Kommission zur Bewertung der Entschädigung einzusetzen. Anlass war ein Bericht, wonach im Sommer 1945 30 Kinder, die in einem Lebensbornheim in Bremen entdeckt und zurück nach Norwegen gebracht werden sollten, stattdessen mit einer falschen Identität versehen und in Schweden zur Adoption freigegeben wurden.101 Daraufhin beauftragte das Parlament die Regierung, einen Vorschlag zur Entschädigung zu unterbreiten. Doch Sozialministerin Ingrid Schou antwortete: „Wir benötigen mehr Dokumentation und Wissen, aber wir rechnen damit, 2004 alle Fakten auf dem Tisch zu haben.“102 Im Juli 2004 gab die Regierung schließlich ihren ersten Vorschlag bekannt, den im März 2005 ein Parlamentsausschuss verabschiedete. Justizminister Odd Einar Dørum schlug eine individuelle Entschädigung von bis zu 200.000 Kronen für jedes Kriegskind vor, dem Leid zugefügt wurde. Auch wenn die Kriegskindervereinigungen zum Teil kritisierten, der Betrag sei zu niedrig oder nicht wie von ihnen gefordert für alle Betroffenen gleich hoch, markierte der Vorschlag doch den Anfang vom Ende eines langwierigen Prozesses, aus dem der Wille zu einer Wiedergutmachung hervorging. So hieß es in Aftenposten: „Auch wenn ein Geldbetrag keine ausreichende Entschädigung für eine verlorene Kindheit, psychische oder physische Schäden ist, ist er doch eine symbolische und notwendige Anerkennung des begangenen Unrechts.“103 Zeugnisse des Unrechts gegenüber Kriegskindern waren schließlich die Publikationen des Forschungsprojektes von Lars Borgersrud und Dag Ellingsen, die im September 2004 erschienen. Darin wurde dem norwegischen Staat eine teils direkte, teils indirekte Mitverantwortung für die darin dokumentierten schlechteren Lebensverhältnisse eines bedeutenden Teils der Kriegskinder gegeben.104 Gleichzeitig betonte Ellingsen, „dass ein großer Teil der Kriegskinder wie die meisten Menschen lebt.“105

Schlussbemerkung

Nicht zuletzt der Vorschlag für eine individuelle Entschädigung der Kriegskinder und schließlich dessen Verabschiedung durch einen Parlamentsausschuss am 18. März 2005 zeigte eine Entwicklung der Aufarbeitung und Bewältigung der Besatzungszeit und ihrer Folgen in Norwegen. Während in den sechziger Jahren der Wunsch nach einem Ende der Auseinandersetzungen über die Besatzungszeit und das damit verbundene Bedürfnis nach einem einheitlichen Geschichtsbild und dessen Festschreibung dominierten, öffnete sich danach die Diskussion. Das lag auch daran, dass in den siebziger Jahren anhand von einzelnen Personen wie Hamsun und den Politikern Kvanmo und Hansen deutlich wurde, dass ein festes Geschichtsbild der Realität nicht immer standhält.

Verstärkt wurde dieser Prozess in den achtziger Jahren mit dem Bedürfnis, „die andere Seite“ zu hören, was auf der einen Seite zu Relativierungen und auf der anderen zur Reflexion über das vorherrschende Geschichtsbild führte. Eine Ursache für diese Veränderung ist darin zu sehen, dass sich in Wissenschaft und Öffentlichkeit eine neue Generation106 etablierte, die die Besatzungszeit nicht mehr miterlebt hatte und sie deshalb nüchterner und distanzierter betrachtete. Damit ist auch das Interesse für andere „vergessene Gruppen“ wie die Kriegskinder seit den achtziger Jahren zu erklären.

Ein weiterer Grund für die nüchterne bis revisionistische Betrachtung der Besatzungszeit war die politische konservative Wende um 1980, die internationale Parallelen hatte.107 In Norwegen wurde sie deutlich, als im Herbst 1981 eine bürgerliche Regierung unter Kåre Willoch als Ministerpräsident die Regierung der „Arbeiterpartei“ (Arbeiderpartiet) ablöste. Mit diesem Wechsel war eine Veränderung des politischen Klimas nicht nur in Norwegen zu erklären, das den Boden für revisionistische Debatten wie den Historikerstreit bereitete. Beim norwegischen Historikerstreit, der eine Folge des deutschen war, war eine weitere Veränderung erkennbar, die in den neunziger Jahre noch stärker zum Ausdruck kam: eine Internationalisierung der „Vergangenheitsbewältigung“.108 Allerdings wirkten die revisionistischen Tendenzen der achtziger Jahre auch in den neunziger Jahren fort, wie die Debatte über die Liquidationen des Widerstands zeigte, genauso wie eine ihr vorangegangene Auseinandersetzung über die Thesen des britischen Historikers David Irving.109 Die Liquidationsdebatte war zugleich Zeugnis dafür, wie weiterhin Versuche unternommen wurden, Ersatzdebatten zu führen, um so dem Bild der Nation im Widerstand möglichst wenige Kratzer zuzufügen.

Zugleich nahm in den neunziger Jahren die Fixierung der Debatten auf die moralisch guten und schlechten Norweger ab. Das hing damit zusammen, dass als Gegenreaktion zum Revisionismus der achtziger Jahre das Bewusstsein für die moralische Verantwortung gegenüber verschiedenen „vergessenen Gruppen“ Oberhand gewann. Davon zeugte die Entschädigungsdebatte für die Kriegskinder,110 genauso wie die für die norwegischen Juden, die, ausgelöst von der Debatte um das „Judengold“ in der Schweiz, Teil einer internationalen war.111 Das Bewusstsein der moralischen Verantwortung gegenüber den norwegischen Juden hing auch mit dem erfolgreichen Engagement im Nahostkonflikt zusammen, das 1993 in den Vertrag von Oslo zwischen Israel und der PLO mündete. Unter anderem daraus resultierte das nationale Selbstbild Norwegens als Friedensmittler und damit eine Vorbildfunktion, der es gerecht zu werden galt.

Diese Bekenntnisse zur moralischen Verantwortung für Leid während oder infolge der Besatzungszeit seit den neunziger Jahren stellten eine neue Stufe beziehungsweise Qualität im Prozess der Vergangenheitsbewältigung dar. Für diese neue Qualität des Prozesses sprach auch, dass die Entschädigungszahlungen sowohl für die norwegischen Juden als auch für die Kriegskinder – bei letzteren nahm Norwegen ebenfalls eine Vorreiterrolle ein – nicht mit dem Wunsch verknüpft wurden, einen Schlussstrich unter diese Themen zu ziehen.


1  Der Aufsatz ist im Rahmen meiner Doktorarbeit Die langen Schatten der Besatzungszeit. Vergangenheitsbewältigung in Norwegen als Identitätsdiskurs entstanden, die Ende 2006 abgeschlossen werden soll.

2  „De nasjonalt belastende og traumatiske hendelsene i Norge hadde ikke samme omfang og karakter som de som preget de tyske og franske statlige handlingsmønstrene i krigsperioden. Mot denne bakgrunn kan det synes paradoksalt at norske historikere og øvrige deler av norsk offentlighet åpenbart har hatt større problemer med å gjennomlyse og drøfte traumatisk nasjonal erfaring enn tilfellet har vårt i Tyskland og Frankrike.“ Fure, Odd-Bjørn: „Norsk okkupasjonshistorie. Konsensus, berøringsangst og tabuisering“. In: Stein Ugelvik Larsen (Hg.): I krigens kjølvann. Nye sider ved norsk krigshistorie og etterkrigstid. Oslo 1999, 43.

3  Vgl. Dudek, Peter: „‚Vergangenheitsbewältigung‘. Zur Problematik eines umstrittenen Begriffs“. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 42 (1992: 1–2), 44–53; Weber, Jürgen: „Vergangenheitsbewältigung“. In: Wolfgang Benz (Hg.): Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Lexikon zur Zeitgeschichte. München 1990, 180–183.

4  Vgl. Reichel, Peter: Vergangenheitsbewältigung in Deutschland. Die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur von 1945 bis heute. München 2001, 9.

5  Ebd.

6  Vgl. Frei, Norbert: Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit. München 1999, 13f.

7  Wolfrum, Edgar: Geschichtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Der Weg zur bundesrepublikanischen Erinnerung 1948-1990. Darmstadt 1999, 25.

8  Wöll, Andreas: „Vergangenheitsbewältigung in der Gesellschaftsgeschichte der Bundesrepublik. Zur Konfliktlogik eines Streitthemas“. In: ders. und Gary S. Schaal (Hgg.): Vergangenheitsbewältigung. Modelle der politischen und sozialen Integration in der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte. Baden-Baden 1997, 29.

9 „Frasett fra Mussolini, var han [Quisling, Anm. SM] den eneste europeiske fascistfører fra perioden 1920–45 som ble Hitlers formelle likemann, som partifører, statsminister og statssjef i én samme informerte person.“ Dahl, Hans Fredrik: „‚Faktoren Quisling’ i norsk historie“. In: Den norske historiske forening (Hg.): Nytt lys på okkupasjonshistorien. Innlegg fra HIFO-konferansen på Sjusjøen januar 1990. Oslo 1991, 7–20, 18.

10  Ugelvik Larsen, Stein: „Die Ausschaltung der Quislinge in Norwegen“. In: Klaus-Dietmar Henke und Hans Woller (Hgg.): Politische Säuberungen in Europa. Die Abrechnung mit Faschismus und Kollaboration nach dem Zweiten Weltkrieg. München 1991, 241–280, 252.

11  Lang, Armin: „Die Besetzung Norwegens aus deutscher und norwegischer Sicht. Eine Typologie des Umgangs mit Invasion und Okkupation“. In: Wolfgang Michalka (Hg.): Der Zweite Weltkrieg. Analysen, Grundzüge, Forschungsbilanz. München 1990, 138–154, 149.

12  „[…] ble det sagt i de mange taler etter frigjøringen, i den ‚åndelige kampen mot nazismen’ som mange nordmenn følte at de hadde vært med på.“ Dahl, Hans Fredrik: De store ideologienes tid. 1914-1955. Oslo 2001 (= Norsk Idéhistorie Bd. 5), 275.

13 „Saman har vi vunne krigen – saman skal vi vinne freden.“ Furre, Berge: Norsk Historie 1914-2000. Industrisamfunnet frå vokstervisse til framtidstvil. Oslo 2000, 119.

14 Ugelvik Larsen, Stein: „Innledning“. In: Ders. 1999, wie Fußnote 2, 22.

15  „Det oppsamlede behov for ‚å vite‘ og å meddele sin ‚viten‘ var særlig sterkt sett i lys av sensur og ensidig tysk eller NS-propaganda gjennom fem år.“ Ebd.

16  Ebd.

17  Stein Ugelvik Larsen bezeichnet sie als „Auftakt des Revisionismus“, die siebziger Jahre nennt er „Mythen in der Kritik“, die Achtziger „die erste Periode des norwegischen Historikerstreites“, die Neunziger „Gegenrevisionismus“. Seine Unterteilung soll im Folgenden nicht übernommen werden, da sie sich vor allem ab den sechziger Jahren in erster Linie auf die wissenschaftlichen Publikationen über die Besatzungszeit bezieht. Gleichwohl sind, da wissenschaftliche Werke einige der öffentlichen Debatten ausgelöst haben, Ähnlichkeiten in der Benennung unvermeidlich.

18  Vgl. Justis- og politidepartementet (Hg.): Om landssvikoppgjøret. Innstilling fra et utvalg nedsatt for å skaffe tilveie materiale til en innberetning fra Justisdepartement til Stortinget. Gjøvik 1962.

19 „For det første ønsker vi inderlig en gang å få ro omkring disse spørsmål og å slippe de opprivende debatter vi har hatt fra år til annet.“ „Innstillingen fra justiskomiteen om landssvikoppgjøret“. In: Stortingstidende 1963–1964. Bd. 7c, Forhandlinger i Stortinget, 2715.

20  „Det kan vel tenkes at enkelte som støttet fienden gjorde det ut fra aktverdige motiver, men de fleste hadde beveggrunner som var slike at vi snakker minst mulig om dem, og betrakter dem som en skam for landet. Men selv de som mente at de var besjelet av de riktige motiver da de samarbeidet med fienden, begikk forræderi mot landet vårt.“ Ebd., 2716.

21  „Jeg som de fleste […] ønsker å sette en sluttstrek for det rettsoppgjør som har funnet sted under krigen, et rettsoppgjør, som etter flertallets og min mening er rett og rimelig.“ Ebd., 2749f.

22  Hewins, Ralph: Quisling. Prophet without Honour. London 1965, 11.

23  Ebd.

24  „Quisling ble fremstilt som klartskuende idealist, nordmenn i sin alminnelighet som urealistiske og hevngjerrige.“ Dahl, Hans Fredrik: „Hewins-Saken“. In: Ders. u.a. (Hgg.): Norsk Krigsleksikon 1940–1945. Oslo 1995, 169.

25 „Dette er en oppfatning som vi her i Norge bare vil kunne finne blant noen av dem som i årene etter 1945 satt i fengsel for landsvik.“ Vogt, Johan: „Vi selv gjennem utenlandske øyne“. In: Odd Eidem (Hg.): Injurier. Oslo 1965, 166–174, 171.

26 „Hewins‘ bok […] nok kan føre med seg en uønsket publisitet om rettsoppgjøret her i landet.“ Schjødt sen., Annæus: „Vårt rykte i vennskapelig land“. In: Aftenposten, 15. Mai 1965.

27 „[...] at en hel del folk som ble dømt under rettsoppgjøret, og som føler at de mistet sin borgerlige aktelse på det, nå 20 år efter vil gjøre hva de kan for å skaffe seg oppreisning.“ „Ikke tvilsomt at vi bør støtte en sak mot Hewins“. In: Aftenposten, 19. Mai 1965.

28 „Er det nok å møte produktet med et foraktende skuldertrekk? Jeg er ikke sikkert på det. Boken vil nå frem til mange som er helt ukjente med Norge og nordmenn.“ Schjødt sen., Annæus: „Frekk historieforfalskning av landssvikoppgjøret“. In: Aftenposten, 21. April 1965.

29 Riste, Olav: „Foreword“. In: Johannes Andenæs u.a.: Norway and the Second World War. Oslo 1983, 5.

30  Hewins, Ralph: Quisling. Profet uten ære. Oslo 1966. Zu Hans S. Jacobsen vgl. Sørensen, Øystein: Hitler eller Quisling: Ideologiske brytninger i Nasjonal Samling 1940-1945. Oslo 1989, 75–79.

31  „[…] de norske ‚nazister‘ […] eier ikke noen skyldfølelse overfor det som de betraktes som sin riktige holdning under krigen og sin innstilling til tyskerne.“ Løbergs Rezension des Buches in Dagbladet zitiert nach Folk og Land, 07. Januar 1967.

32  „en av våre største forfuskere og forfalskere av norsk historie.“ „600 hørte Løberg i studentersamfunnet“. In: Bergens Arbeiderblad, 13. Februar 1967.

33  Wiesener, Albert: Seierherrens justis. Oslo 1964.

34  Grundt Sprang, Michael: „Albert Wiesener løper storm mot ‚seierherrens historie‘“ In: Dagbladet, 25. März 1969.

35  „[...] har han bevisst medvirket til den historieforfalskning som retten har funnet foreligger her.“ „Byrettens dom. Mortifikasjonssak Hans S. Jacobsen mot Sverre Løberg“. In: Norsk rettstidende 24 (1970), Bd. 1, 394.

36  „Sviende NS-Nederlag“. In: Dagbladet, 22. April 1969.

37  „[…] tok livet av en Quisling-myte, som en del av førerens gamle venner og meningsfeller bevisst forsøkte å bygge opp.“ „En takk til Løberg“. In: Arbeiderbladet, 23. April 1969.

38  Der „Sozialistische Wahlverbund“ (Sosialistisk Valgforbund, SV) ist ein Zusammenschluss der Parteien am Rande des linken Spektrums, der „Sozialistischen Volkspartei“ (Sosialistisk Folkeparti, SF), den „Demokratischen Sozialisten“ (Demokratiske Sosialister AIK) und der „Norwegischen Kommunistischen Partei“ (Norges Kommunistiske Parti, NKP). 1975 wird er aufgelöst, Nachfolger ist die „Sozialistische Linkspartei“ (Sosialistisk Venstreparti, SV), an der die NKP nicht beteiligt ist.

39  „Han er tydeligvis fulstendig rehablilitert nå.“ Maaland, Olav: „Utrivelig åpning av Stortinget“. In: Bergens Tidende, 2. Oktober 1973.

40  „Jeg synes, det er fundamentalt galt at en person som er straffet for delaktighet i en av de groveste forbrytelser i vår straffelov skal ha sete i landets lovgivende forsamling.“ Ders. auf den Leserbrief von Per-Aslak Ertresvåg. In: Bergens Tidende, 8. Oktober 1973.

41 „som var en ivrig nazist“ „Kåre Øystein Hansen fullt rehabilitert“. In: Dagbladet, 4. Oktober 1973.

42  „Han har fått sin straff, som kanskje kunne vært hardere, men som i alle fall er sonet. […] Saken ble offentlig kjemt. Hva er det som tilsiktes?“ Ertresvåg, Per-Aslak: „Journalistisk striptease“(Leserbrief). In: Bergens Tidende, 8. Oktober 1973 und Morgenbladet, 06. Oktober 1973.

43 „Det norske rettsammfunn har hatt er oppgjør med våre landsmenn som under krigen valgte feil side. 28 år etter krigens slutt bør ein 17-årings forbrytelse, selv om den er alvorleg, ikke gi grunnlag for reaksjoner.“ „En dømt“. In: Arbeiderbladet, 4. Oktober 1974.

44 „[...] at et annet medlem av partiets stortingsgruppe i lengre tid var ansatt hos tyskerne under krigen. I dette tilfelle var vedkommende, som også var ung på den tiden, knyttet til Gestapo som tolk.“ „Søkelyset mot enda en SV-valgt“. In: Norges Handels og Sjøfartstidende, 9. Oktober 1974.

45 „Det er ingen grunn til å tro at denne trusselen ha gjort inntrykk på pressen“ „Krav fra Krigsinvalidene kan gi ny landssvikdebatt i Stortinget“. In: Verdens Gang, 19. Oktober 1974.

46  Vgl. Kvanmo, Hanna: Dommen Oslo 1990.

47 „[...] er representative for en ganske stor gruppe i vårt folk.“ „Ny SV-støtte til de landssvikdømte idag“. In: Aftenposten, 24. Januar 1974.

48  Diese Erklärung gaben Anne Eriksen und Øystein Sørensen bei Gesprächen in Oslo im August 2002.

49 Hansen, Thorkild: Prosessen mot Hamsun. Oslo 1978. Alle Zitate entstammen der deutschen Übersetzung: Hansen, Thorkild: Der Hamsun-Prozeß. Hamburg 1979.

50  Ebd., 390.

51  Vgl. ebd., 163.

52  „Quisling ble fremstillt nærmest som en martyr, og skildringen er temmelig like Ralph Hewins beskrivelse i boka om Quisling.“ „Ralph Hewins kilde for Thorkild Hansen?“ In: Arbeiderbladet, 28. September 1978.

53  „Thorkild Hansen har ensidig lyttet til nazistenes versjon av rettsoppgjøret.“ Østvang, Toralv: „Thorkild Hansen har ensidig lyttet på nazistene“. In: Arbeiderbladet, 30. September 1978.

54„Det er kanskje dette som svir hardest og som gjør debatten så lidenskapelig engasjert. Vi vil så gjerne at rettsoppgjøret skal bli stående uplettet, som nasjonal juvel.“ Hølmebakk, Sigbjørn: „Om etterpåklokskapens nødvendighet“. In: Dagbladet, 14. Oktober 1978.

55  Die folgenden Zitate in diesem Absatz wurden von der Verfasserin aus dem Film übertra-gen und übersetzt. „Jeg mente at Norge war kommet til gode hender.“; „Jeg hadde overhodet ingen informasjon. Vi hørte at det skulle lages en løsning. Det var snakk om Madagaskar som en jødestaten […]“; „Jeg […] visste mer en nok til å være fullstendig moralsk medskyldig.“; „Jeg er like stolt av dem begge to.“; „Jeg gjør Quislings ord til mine: Vi styrte Norge i fem år […]. Og vi styrte godt.”

56 „NS-folkene styrte ingen verdens ting. De var løpegutter og -piker for okkupasjonsmakten.“ Hansson, Knut M.: „Under solkorsets svøpe“. In: Aftenposten, 23. März 1981.

57 „Ja, la dem forklare seg – la dem fortsatt lyve seg fra alt ansvar. La dem bortforklare sine handlinger.“ Bergfald, Odd: „Rett og urett. ‚I solkorsets tegn‘“. In: Aftenposten, 18. März 1981.

58 „Virkeligheten var en annen enn den vi så i fjernsynserien“ Myhre, Eivind: „Hån mot frihetskjemperne“. In: Aftenposten, 21. Februar 1981.

59 „den rette historien.“ Eriksen, Anne: Det var noe annet under krigen. 2. Verdenskrig i norsk kollektivtradisjon. Oslo 1995, 152.

60 „Serien er ment som en korrektiv og et supplement til det som tidligere er skrevet om denne dramatiske epoke.“ Rosenberg Ruud, Britta: „Gudløs, men med rettferdighetssans“. In: Aftenposten, 28. Februar 1981.

61  Vgl. Sørensen, Øystein: „Historikerstriden i skyggen av det 3. Riket“. In: Historisk Tidsskrift 66 (1987:2), 164–168.

62  Vgl. Nolte, Ernst: „Vergangenheit die nicht vergehen will“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06. Juni 1986.

63  „[...] om vi ikke fremdeles kjemper med tabuforestillinger når vi skal behandle krigen.“ Zitiert nach: Skjønsberg, Simen: „Når nazi-ugjerninger normaliseres“. In: Dagbladet, 24. Oktober 1987.

64  „At ikke historikerne – fra Sverre Steen til Magne Skodvin og hans elever – siden har maktet å distansere seg fra rettsoppgjøret og hjemmefrontens frimureri, har fått store konsekvenser for norsk historieforståelse.“ Ringdal, Nils Johan: „Historie og moral“. In: Dagbladet, 11. November 1987.

65 „Men hvor langt skal revisjonismen gå? Skal den også endre den verdigrunnlag historieskrivning hittil har bygd på? […] Var motstandsmannen og frontkjemperen like gode?“ Halvorsen, Terje: „Revisjonen av Krigshistorie? “ In: Dagbladet, 25. November 1987.

66 Vgl Moland, Arnfinn: „I krig og kjærleik.“ In: Dagbladet, 03. Dezember 1987 sowie: ders.: „Krig og konsistens“. In: Dagbladet, 20. September 1988.

67 „Å kreve at historikeren skal legge aktørenes verdier til grunn for sine undersøkelser er både selvmotsigende og umulig.“ Dahl, Hans Fredrik: „En norsk Habermas?“ In: Dagbladet, 11. Dezember 1987.

68  Sørensen, Øystein: „Forskningen om krigen i Norge: Tradisjonelle og nye perspektiver“. In: Nytt Norsk Tidsskrift 6 (1989:1), 40–58.

69  „[...] var en bevist strategi fra Skodvins side.“ Harket, Håkan: „Den nye historikerstriden“. In: Dagbladet, 20. Dezember 1989.

70  „De gikk sammen om å opprette Hjemmefrontmuseet, med en klar ideologisk forankring i de nasjonale verdier fra krigen.“ Ebd.

71  Vgl. Eriksen, Knut Einar u.a.: „Hva er Skodvin Skolen“. In: Aftenposten, 03. Januar 1990.

72  „Det dreier seg om om den enestående nasjonale konsensus som utviklet seg i løpet av krigen, som kom til å oppfatte bade hjemme- og utefront, og som alle meningsdannende grupper bortsett fra NS støttet eller aksepterte.“ Grimnes, Ole Kristian: „Historieskrivning om Okkupasjonen. Det nasjonale konsens-syndromets gjennomslagskraft“. In: Nytt Norsk Tidsskrift 7 (1990:2), 108–121, 117.

73 Vgl. Sørensen, Øystein: „Konsensus og konflikt – til debatten om okkupasjonshistorien“. In: Nytt Norsk Tidsskrift 7 (1990:4), 365–373, 367.

74 Vgl. Westlie, Bjørn: „Nordmenn ranet de norske jødene“. In: Dagens Næringsliv, 27. Mai 1995.

75  Nagel, Thor A.: „Ta oppgjøret nå“. In: Dagens Næringsliv, 29. Mai 1995.

76 „Anklaget mot Norge fra utlandet – og ikke minst fra en jødiske gruppe – fikk alle pressehjerter til å banke raskere.” Westlie, Bjørn: Oppgjør. I skyggen av holocaust. Oslo 2002, 99.

77 Hegna, Liv: „Ut mot fortielse av jøders skjebner“. In: Aftenposten, 13. Januar 1996.

78 Hegtun, Halvor: „Faremo om erstatning til jøder: Oversikt om ‚et drøyt år‘“. In: Aftenposten, 1. Februar 1996.

79 Inndragning av jødisk eiendom i Norge under den 2. verdenskrig. Oslo 1997 (= Norges Offentlige Utredninger, NOU; 1997:22). Die Minderheit bildeten die Psychologin und Vorsitzende der jüdischen Gemeinde (Mosaisk Trosamfunn) Berit Reisel und der Historiker Bjarte Bruland. Zur Mehrheit gehörten unter anderem der Vorsitzende Oluf Skarpnes, der Historiker Ole Kristian Grimnes und die Reichsarchivarin Eli Fure.

80  Vgl. Hegtun, Halvor: „Jødenes erstatningsoppgjør. Full sprekk i holocaust-utvalg“. In: Aftenposten, 17. Juni 1997.

81 „At flertallet er ‚litt for teknisk-økonomisk’ in sine konklusjoner. […] Etter mitt syn er ikke denne saken først og fremst et spørsmål om penger. men om å ta et oppgjør med et svart kapittel av Norges-historien.“ Zitiert nach ders.: „Jødenes erstatningsoppgjør. Forferdelig skuffet“. In: Aftenposten, 17. Juni 1997.

82 „Vår oppgave besto i å finne fakta om hva som skjedde med jødisk eiendom under og i oppgjøret etter krigen, ikke å gi politiske synspunkter.“ Zitiert nach Storvik, Olav Trygge: „Statsministeren enig med jødebo-utvalgets mindretall. ‚Et moralsk spørsmål‘“. In: Aftenposten, 24. Juni 1997.

83 „[...] om det skal foretas positiv diskriminering av jøder, slik at de får erstattet tap som andre nordmenn ikke har fått dekket.“ Zitiert nach Magnus, Gunnar: „Moralsk problem å gi jøder større erstatning“. In: Aftenposten, 24. Juni 1997.

84 „Mindretallets PR-utspill var usedvanlig vellykket.“ Ders.: „Jødenes eiendom: moral eller penger?“ In: Aftenposten, 27. Juni 1997.

85 „grov manipulasjon av massemedia“ Andenæs, Johannes: „Erstatningen til jødene“. In: Aftenposten, 04. Juli 1997.

86 „Det dreier seg om å overføre noe av Adolf Hitlers og Vidkun Quislings ansvar for ugjerningene mot jødene på de legitime norske statsmyndigheter […], det vil si på oss alle.“ Kolsrud, Ole: „Nasjonal selvpisking“. In: Dagbladet, 29. Juni 1997.

87 „Vanlige embets- og tjenestemen beslagla jødenes radioer, stemplet ‚J‘ i jødenes pass […] og arresterte når de fikk ordre om det.“ Hans Fredrik Dahl: „Erstatning og ansvar“. In: Dagbladet, 9. Juli 1997.

88 Ulateig, Egil: Med rett til å drepe. Oslo 1996.

89 „Etter mitt skjønn kann vi være stolte av det.“ „Knapp milorg-kommentar til Ulateig-bok“. In: Aftenposten, 04. Oktober 1996.

90 „Det vil være en ulykke for debattklima her i landet hvis diskusjonen om andre verdenskrig skal føres i rettsalen.“ „Tvang til å tro?“. In: Dagbladet, 12. Februar 1997.

91  Ulateig, Egil: De gode mot de onde. Verdenskrig, partisankrig, likvidasjoner og folkerett. Lesja 1999.

92  Moland, Arnfinn: Over grensen? Hjemmefrontens likvidasjoner under den tyske okkupasjonen av Norge 1940-1945. Oslo 1999.

93  „Vi har påvist at de baserer seg på bevisste forsøk på manipulering av historiske fakta, i utgangspunktet ut fra ideologiske motiver og med sentrum i miljøet rundt tidligere straffedømte NS-folk.“ Ebd., 345.

94  „Analyser han eller opptrer han som talsmann for dem han skal utforske?“ Wyller, Thomas Chr.: „To talsmenn – to verdener“. In: Dagbladet, 14. Dezember 1999.

95  In den deutschen Lebensborn-Statistiken wurden rund 8000 Kinder registriert. Die tatsächliche Zahl ist allein deshalb höher, weil die Statistik im Mai 1945 endet. Sie wird auf mindestens 9000 geschätzt. Der Historiker Kåre Olsen geht mit Einbeziehung der Dunkelziffer von 10 000 bis 12 000 Kriegskindern aus, die Autorin und Journalistin Ebba Drolshagen von mindestens 12 000.

96  „Det er på tide at krigsbarna får oppreisning. Over femti år etter krigens slutt må vi være i stand til endelig å gjøre opp for vår dårlige samvittighet overfor denne gruppa.“ Lund, Håkon: „Kjemper for 9000 krigsbarn“. In: Dagbladet, 02. Juni 1998.

97 Vgl. Borge, Baard und Lars Borgersrud: Fiendens Barn? Undersøkelse av noen sider ved norske myndigheters behandling av tysk-norske krigsbarn etter andre verdenskrig. Oslo 1999.

98  „På vegne av den norske stat vil jeg beklage den diskriminering og urettferdighet mange krigsbarn har vært utsatt for.“ Zitiert nach: Magnus, Gunnar: „Bondeviks nyttårstale. Norge må være en fredsnasjon“. In: Aftenposten, 02. Januar 2000.

99  Bereits im Dezember 1999 haben sieben Mitglieder des Norsk Krigsbarnforbundet Lebensborn den norwegischen Staat auf eine Entschädigung verklagt. Mehr als 100 weitere Kläger schlossen sich in der Folge an.

100 „En mild bisetning i en festtale er ikke tilstrekkelig til å bøte på en medfart grensende til tortur; for hån og kjensel, mishandling og seksuelle overgrep, avvisning, feilplassering og manglende skolegang. En tapt barndom og et ødelagt liv.“ Pedersen, Dag: „Barna vi lukket øynene for“. In: Aftenposten, 15. Januar 2000.

101 Vgl. Borgersrud, Lars: Overlatt til svenske myndigheter. De norske krigsbarn som ble sendt til Sverige i 1945. Oslo 2002.

102 „Vi trenger mer dokumentasjon og kunnskap, men i løpet av 2004 regner vi med å ha alle fakta på bordet.“ Zitiert nach Kluge, Lars: „Stortinget vil ha vurdert erstatning til krigsbarna“. In: Aftenposten, 26. April 2002.

103 „Selv om et pengebeløp ikke er noen fullgod erstatning for en tapt barndom, psykiske eller fysiske tildlig- og senskader, er den en symbolsk og nødvendig erkjennelse av at urett er blitt begått.“ „Et samfunn vil erstatte“. In: Aftenposten, 4. Juli 2004.

104 Borgersrud, Lars: Staten og krigsbarna. Oslo 2004 (= Universitet i Oslo, Institutt for Kulturstudier, Forskningsprosjekt „Oppvekstvilkår for Krigsbarna“; 3); Ellingsen, Dag: Krigsbarnas levekår. Oslo 2004.

105 „[...] at høye andeler av krigsbarna lever som folk flest.” Zitiert nach Kluge, Lars: „Ny undersøkelse om tyskerbarna: Høyere dødelighet, dårligere økonomi“. In: Aftenposten, 19. September 2004.

106  Die Bedeutung von Generationenwechseln für den Umgang mit der Besatzungszeit hat Stein Ugelvik Larsen in Bezug auf die norwegische Gedenkkultur festgestellt. Dabei konnte er eine zunehmend entspanntere Haltung gegenüber ehemaligen Mitgliedern der Nasjonal Samling von den siebziger bis zu den neunziger Jahren nachweisen. Larsen führt die Enttabuisierung des Schicksals der Kriegskinder ebenfalls auf den Generationswechsel zurück. Vgl. dazu: Ugelvik Larsen, Stein: „Nachdem der Stein ins Wasser geworfen wurde. Die Rolle der Erinnerung in der historischen Rekonstruktion“. In: Claudia Lenz u.a. (Hgg.): Erinnerungskulturen im Dialog. Europäische Perspektiven auf die NS-Vergangenheit. Münster 2002, 33–45.

107  Diese konservative Wende hat ihre Parallelen 1979 in Großbritannien mit dem Amtsantritt von Margaret Thatcher als Premierministerin, 1981 in den USA mit der Wahl von Ronald Reagan zum Präsidenten und in Deutschland 1982 mit der Wahl von Helmut Kohl zum Bundeskanzler. In Norwegen wird die konservative Regierung 1986 wieder von einer sozialdemokratischen unter Gro Harlem Brundtland abgelöst.

108  Eine Inter- bzw. Denationalisierung ist auch auf dem Feld der Erinnerungskulturen zu beobachten. Vgl. hierzu: Lenz 2002, wie Fußnote 105; Knigge, Volkhard und Norbert Frei (Hgg.): Verbrechen erinnern. Die Auseinandersetzung mit Holocaust und Völkermord. München 2002; Levy, Daniel und Natan Sznaider: Erinnerung im globalen Zeitalter: Der Holocaust. Frankfurt a. M. 2001; Escudier, Alexandre u.a. (Hgg.): Gedenken im Zwiespalt. Konfliktlinien europäischen Erinnerns. Göttingen 2001.

109  Über seine Thesen brach im Sommer 1996 eine heftige Debatte im Dagbladet aus. Ausgelöst wurde sie vom Historiker Rolf Hobson, der auf die Verteidigung von Irvings revisionistischen Thesen durch Hans Fredrik Dahl reagierte.

110  Im Zuge dessen forderten auch Kinder von NS-Mitgliedern eine Entschädigung wegen Diskriminierung. Darüber herrscht in Norwegen aber kein gesellschaftlicher Konsens. Die neue Forschung über die NS-Kinder ist aber im Kontext der über die anderer „vergessener Gruppen“ seit den achtziger Jahren zu sehen. Vgl. dazu: Borge, Baard H.: „De kalte oss Naziyngel“. NS-barnas historie 1940-2002. Oslo 2002.

111  Dabei fällt auf, dass mit Bjørn Westlie wieder ein Vertreter der jüngeren Generation das Thema aufgriff.