Der anzuzeigende Sammelband fasst Ergebnisse zusammen, die im Umkreis eines nordeuropäischen Forschungsprojekts zu Constructing the North 1700–1830: Dystopia and Utopia in den Jahren 2001 bis 2005 entstanden sind und hier auf Englisch einem breiteren Publikum präsentiert werden. Die Beiträge wurden den Komplexen „Constructions – Naming and Defining the North“ sowie „Travels – Encountering and Experiencing the North“ zugeordnet. Die insgesamt 18 Aufsätze, die insbesondere die Situation im 18. Jahrhundert beleuchten, wurden aus literatur- und sprachwissenschaftlicher, mediävistischer, ethnologischer, geografischer, historischer, mentalitätsgeschichtlicher und sogar archäologiegeschichtlicher Sicht angefertigt und können hier nicht einmal dem Titel nach vollständig vorgestellt werden. Positiv hervorzuheben ist in dieser Anthologie, dass einzelne Autorinnen und Autoren durchaus versuchen, auf die Diskussionen in anderen Beiträgen einzugehen. Hier entsteht also das Bild einer zielgerichteten Debatte, einzelne Artikel stehen nicht zusammenhanglos nebeneinander. Trotzdem wird es bei der Lektüre nicht immer leicht fallen, die doch unterschiedlichen Blickwinkel vollständig zu erfassen und in Beziehung zueinander zu setzen.
Interessant sind besonders die Beiträge, die sich im ersten Teil um eine Definition des „Norden“-Begriffs bemühen. In verschiedenen Aufsätzen wird schon anhand dieses Gegenstandsbereichs deutlich, dass dieser Raum vielfältig und sehr ausufernd aufgefasst werden konnte – Island, Grönland oder Nordfinnland sind nur einige der behandelten extremen Pole. Hinzu kommen Beiträge, die die Rezeption des Nordens in Südeuropa (Spanien, Italien) problematisieren und deutlich machen, welche Verbindungen und Gegensätzlichkeiten zwischen diesen beiden geographischen Räumen empfunden wurden.
Die im zweiten Teil des Bandes interpretierten Reiseberichte sind aus nord-, ost- und südeuropäischer Sicht geschrieben und werden aus literaturwissenschaftlicher, stadt- und religionsgeschichtlicher, ethnologischer Perspektive, aber auch aus einem Gender-Blickwinkel interpretiert.
Insgesamt bemühen sich die Beitragenden, ihr jeweiliges Thema als Ausdruck kosmopolitischer Diskussion in der Neuzeit aufzufassen.