Im September 1933 wurde der schwedische Nationalsozialist Malte Welin zum Dozenten für nordische Literatur an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin ernannt. Geplant war auch die Übernahme des Lektorats für schwedische Sprache durch Welin. Zu diesem Zweck wurde der damalige Lektor Vilhelm Scharp entlassen. Weniger als drei Monate später wurde Welin die Dozentur wieder entzogen, ohne dass er jemals in Berlin tätig gewesen war. In diesem Artikel werden die Vorgänge um den „Fall Welin“ beschrieben und analysiert, die als Beispiel für eine versuchte Gleichschaltung der Berliner Nordistik dienen können. Die Ernennung führte, wie gezeigt wird, zugleich auch zu Protesten und einer Verschlechterung der deutsch-schwedischen Beziehungen.
In September 1933 the Swedish national socialist Malte Welin was appointed lecturer for Nordic literature at the Friedrich Wilhelms University in Berlin. Plans also existed to make him lecturer for Swedish at the same university and the lecturer Vilhelm Scharp was therefore dismissed. Welin himself lost the lectureship less than three months later without even having been in Berlin. This article describes and analyzes the „case Welin“ as an example for the attempt to adapt Nordic studies in Berlin to National Socialist politics. The appointment led to protests and a strain in Swedish-German relations. This is also analysed in detail.
In ihrer Studie zur Geschichte der Berliner Nordistik beschreibt Jutta Hoffmann kurz, wie im Herbst 1933 der Lektor für Schwedisch an der Berliner Universität, Vilhelm Scharp, entlassen und an seiner Stelle der schwedische Nationalsozialist Malte Welin angestellt wurde. Er sollte ab dem Wintersemester 1933/34 den Lehrauftrag für Nordische Kultur- und Literaturgeschichte übernehmen und war zudem als Nachfolger des Schwedischlektors Scharp ab dem Sommersemester 1934 vorgesehen. Welin wurde aber schon im Dezember 1933, noch bevor er in Berlin angekommen war, von seinen Dienstverpflichtungen entbunden. Laut Hoffmann hatte sich herausgestellt, „[…]dass Welin zwar politisch zuverlässig, aber doch im Wesen unzulänglich und im Handeln unfähig war“.1 Dies sei auch der Grund, weswegen er wieder entlassen wurde.
Hoffmanns Beschreibung von Welin liegt nah an dem, was auch andernorts über ihn zu lesen ist. Heléne Lööw beschreibt ihn als einen nationalsozialistischen Einzelaktivisten („en nationalsocialistisk enmansaktivist“). Er arbeitete zwar kurzzeitig mit der nationalsozialistischen Partei von Birger Furugård zusammen; zudem war auch Welins Zeitung Svenska Rikstidningen Dagbladet in dieser Zeit offizielles Organ der Partei, die Kooperation brach aber ab, nachdem Furugård festgestellt hatte, dass Welin nicht der ideale Kooperationspartner war.2 Abgesehen von seiner Zeit in der Furugård-Bewegung nahm Welin innerhalb des schwedischen Rechtsextremismus eher eine Randstellung ein. Er war Mitgründer von mehreren kleineren, kurzlebigen Organisationen wie Nationella oppositionen (Die Nationale Opposition), Tysklands vänner (Freunde Deutschlands), Nationalsocialistiska Förbundet (Der Nationalsozialistische Bund) und Riksfronten (Die Reichsfront). Keine von diesen spielte jedoch eine große Rolle innerhalb des schwedischen Rechtsextremismus.3 Welins akademische Qualifikationen bestanden darin, dass er Mitte der 1920er Jahre für einige Zeit Lektor für Schwedisch in Wien gewesen war. Dort hatte er auch eine Dissertation beim österreichischen Nationalökonomen und Philosophen Othmar Spann eingereicht.4 Diese Arbeit ist aber nie veröffentlicht worden.
Hoffmanns Einschätzung zu Welin scheint also zu stimmen; seine Persönlichkeit war allerdings nicht der Grund seiner Entlassung. Vielmehr war Widerstand gegen seine offensichtlich politisch motivierte Ernennung sowohl aus Schweden wie auch aus Deutschland ausschlaggebend. Der Versuch, Malte Welin an die Berliner Universität zu holen, führte, wie gezeigt werden soll, zu unerwarteten Spannungen in den deutsch-schwedischen Beziehungen und verdient aus diesem Grund, etwas näher behandelt zu werden.
Die Ernennung von Malte Welin wurde durch den Rücktritt eines anderen schwedischen Akademikers an der Friedrich-Wilhelms-Universität ermöglicht. Am 11. Juli 1933 schrieb der Dozent für neuere schwedische Literatur an der Universität, Carl David Marcus, einen Brief an das Preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, in dem er freiwillig von seinem Lehrauftrag zurückzutreten wünschte. Die Gründe hierfür stellte er folgendermaßen dar:
Ich bin Schwede jüdischer Konfession und befinde mich nach Durchführung der nationalen Revolution in Deutschland in einer sehr schwierigen und unangenehmen Lage. Seit zwanzig Jahren bin ich ununterbrochen in Deutschland im Sinne der Steigerung und Vertiefung der deutsch-nordischen kulturellen Beziehungen tätig gewesen, habe mit Freude und Überzeugung für dieses Ziel gearbeitet und stehe jetzt vor der Tatsache, daß meine Tätigkeit in dem bisherigen Sinn völlig unmöglich geworden ist. Zudem bedrückt mich das Gefühl, daß den Teilnehmern an meinen Universitätsvorlesungen und -übungen Schwierigkeiten aus ihrem Interesse an den Ausführungen eines jüdischen Dozenten erwachsen könnten, schließlich auch, daß das von mir vertretene, kulturell so wesentliche Fach in Zukunft darunter leiden könnte, daß es gerade durch mich vertreten wird.5
Durch Marcus’ Rücktritt wurde dessen Stelle vakant. Am 9. September desselben Jahres erhielt Reichserziehungsminister Bernhard Rust einen Brief vom Auswärtigen Amt. In diesem war zu lesen, dass es der Wunsch Hermann Görings sei, Welin als Nachfolger des „schwedischen Juden Marcus“ eingesetzt zu sehen.6 Es ist unklar, wie der Kontakt zwischen Göring und Welin zustande kam und in welcher Beziehung sie zueinander standen. Die deutsche Unterstützung der von Welin herausgegebenen Zeitung West-Svenska Dagbladet scheint aber Göring erwirkt zu haben, und zwar gegen die Empfehlungen der deutschen Gesandtschaft in Stockholm.7 Klar ist jedenfalls, dass sie sich kannten, und dass Görings Wunsch als weitere Unterstützung von Welins propagandistischer Tätigkeit aufzufassen ist.
In den folgenden Tagen setzten sich sowohl das Kultusministerium wie auch das Auswärtige Amt für Welin ein. Die politischen Motive waren allen Beteiligten bewusst: „Es handelt sich also um eine politische Angelegenheit und nicht ausschliesslich [sic!] um eine wissenschaftliche“ schrieb beispielsweise der im Kultusministerium tätige Ministerialrat Sunkel.8 Infolgedessen wurde auch Druck auf die Berliner Nordistik ausgeübt, und hier vor allem auf Gustav Neckel, wie aus dem folgenden Vermerk des im selben Ministerium tätigen Ministerialdirektors Georg Gerullis zu entnehmen ist:
Mit Herrn Malte Welin habe ich verhandelt und auch den Professor für nordische Sprachen, Dr. Neckel, aufgefordert, mit Herrn Welin zu sprechen. Selbstverständlich muss Herr Neckel Herrn Welin als Dozent und Lektor wählen. Das habe ich ihm deutlich gesagt.9
Wahrscheinlich war die Tatsache, dass Göring die Initiative zur Ernennung ergriffen hatte, ausschlaggebend für die schnelle Bearbeitung des Sachvorgangs. Schon am 16. September 1933, etwa eine Woche nach dem ersten Brief, erhielt das Auswärtige Amt die Mitteilung, dass Malte Welin zum Dozenten ernannt worden war.10
Welins Freude über seine Ernennung schien nicht ungetrübt. Vor allem war er der Meinung, dass seine Vergütung durch die Universität viel zu niedrig sei. Sein Vorgänger Marcus hatte als Privatdozent teilweise unentgeltlich gelehrt, wozu Welin nicht bereit war. Er richtete deswegen eine Bitte um Gehaltserhöhung an das preußische Kultusministerium, in dem er mit antisemitischer Rhetorik das Judentum für das niedrige Gehalt verantwortlich machte:
Dr. Marcus hat von jüdischen Verlagen und Zeitungen reichliche Zuschüsse erhalten können, was ja bei mir nicht in Frage kommt. Ich muss mit meiner Familie ganz von meinem Einkommen von der Universität leben, weil ich als Herausgeber von deutschfreundlichen, nationalsocialistischen [sic!] Zeitungen unser Vermögen verloren habe und noch dazu Schulden zu zahlen habe.11
Darüber hinaus meinte Welin, dass er Geld brauche, um die an deutschen Universitäten vorhandene „liberalistische“ Literatur über den Norden durch „idealistische“ und „pangermanische“ zu ersetzen.12 Dies zeigt, dass es Welin nicht in erster Linie darum ging, an der Universität zu lehren. Eher war die Dozentur ein Weg, um eine Position innerhalb des deutschen Nationalsozialismus zu erhalten. Sehr deutlich wird dies an den Unterlagen, die Welin an das Kultusministerium sandte. Hier gibt es unter anderem einen Empfehlungsbrief von Othmar Spann, in dem dieser Welin lobt, der einzige nordische Gelehrte zu sein, der „die Verbindung in einem pangermanistischen Sinne nationalsozialistischer Prägung mit dem Norden herstellen kann“13. Spann war, wie schon erwähnt, Betreuer der Dissertation gewesen, die Welin während seiner Zeit als Lektor in Wien eingereicht hatte.
Das interessanteste Dokument ist aber ein von Malte Welin entworfener Plan zur Gleichschaltung des Unterrichts über den Norden und des deutsch-nordischen Austausches. Der Plan hat den Titel „Über eine antiliberalistische Gleichschaltung der Kulturaufgaben der nordischen Dozenten in pangermanischer Richtung“. Darin schlägt Welin vor, eine „Zentral- oder Prüfungsstelle“ im Kultusministerium zu schaffen, „die dafür sorgen sollte, dass bei den deutschen Universitäten keine verkappten Liberalisten [sic!] oder sogar Marxisten geduldet oder neuangestellt [sic!]“14 würden. Diese Aussage muss im Zusammenhang mit der Entlassung des Lektors für Schwedisch in Greifswald, Stellan Arvidson, im Frühjahr 1933 gesehen werden. Arvidson wurde im Frühjahr 1933 die Einreise nach Deutschland verweigert, nachdem er NS-kritische Artikel in der Zeitschrift Clarté veröffentlicht hatte.15 Welins Plan zielte auch darauf ab, nur noch Personen mit einer „pangermanistischen“ Einstellung aus dem Norden an deutschen Universitäten zu beschäftigen. Des Weiteren sollte die vorgeschlagene Zentralstelle Unterrichtsthemen, Büchereinkäufe, Gastvorlesungen und ähnliches überwachen „und überhaupt dafür wirken, dass die Beziehungen zwischen den deutschen und den nordischen Germanen endlich lebendig, kräftig und wirklich verständnisvoll gestaltet werden.“16 Dass der zukünftige Inhaber dieser Stelle – laut Malte Welin – er selbst sein sollte, ist vielleicht keine Überraschung. Er sei ja „Schriftleiter“ einer „pangermanistischen Gothenburgerzeitung“ und sei auch „nordgermanischer ‚Kulturattaché‛“ bei den Südgermanen an der Wiener Universität“ gewesen.17 Er erklärte sich natürlich dazu bereit, die Stelle zu organisieren und zu leiten. Dadurch wird deutlich, dass es Welin in erster Linie darum ging, sich selbst als kulturpolitischer Sachverständiger in deutsch-nordischen Fragen innerhalb des nationalsozialistischen Staates zu etablieren.
Im Kultusministerium und im Auswärtigen Amt war man sich von vornherein bewusst, dass der Lektor für schwedische Sprache, Vilhelm Scharp, ein Problem für die Etablierung von Welin an der Friedrich-Wilhelms-Universität darstellen würde. Alexander Bogs, Pressereferent für nordische Angelegenheiten im Referat IV im Auswärtigen Amt und der hauptsächliche Befürworter von Malte Welin innerhalb des Ministeriums, stellte das Problem Scharp in einem Brief an Bernhard Rust folgendermaßen dar:
Es ist mir von Herrn Welin gesagt worden, dass [sic!] die Möglichkeit vorliege, seine Ernennung werde von einem Votum des Universitätsprofessors Nekel [sic!], der sei-nerseits gut mit dem schwedischen Lektor Scharp befreundet ist, abhängig gemacht. Lektor Scharp ist ein scharfer Gegner des Nationalsozialismus und insbesondere des antisemitischen Bestandteils der nationalsozialistischen Idee. Ich persönlich habe vor zirka zwei Jahren im Schwedischen Reisebüro einen Auftritt mit ihm gehabt, weil er meine Frau, die eine geborene Dänin ist, in der unerhörtesten Weise anfuhr, als diese äusserte [sic!], man müsse alle Juden aus Deutschland hinauswerfen. Scharp geriet dadurch in eine so grosse [sic!] Erregung, dass er jede Fassung verlor und meine Frau in einer Weise anschrie, die fast zur Folge gehabt hätte, dass ich Herrn Scharp einmal gehörig gezüchtigt hätte.18
Es gab aber die Möglichkeit, zwei Probleme auf einmal zu lösen. Scharp wurde kurzerhand zum Sommersemester 1934 gekündigt. Damit wurde nicht nur ein Gegner des Nationalsozialismus, sondern auch ein Gegner Welins von der Universität entfernt, denn das vakante Lektorat konnte nun auch von Welin übernommen werden, der damit gleichzeitig Lektor für Schwedisch und Dozent für nordische Literatur geworden wäre.19 Dadurch hätte sich nicht nur seine Stellung in der Altgermanisch-nordischen Abteilung, sondern auch sein Gehalt deutlich verbessert.
Vilhelm Scharps Reaktion auf seine Entlassung ließ nicht auf sich warten. Er schrieb unter anderem einen langen Brief an Gustav Neckel, um sich nach den Gründen für seine Entlassung zu erkundigen. Im selben Brief kommentierte Scharp auch die Ernennung Welins, wohl nicht wissend, dass dieser auch als sein Nachfolger als Lektor vorgesehen war. Hier wird deutlich, dass sich die Wege von Welin und Scharp mehrere Male gekreuzt hatten und dass Scharp wenig Gutes über Welin zu sagen hatte. Er beschrieb ihn als sehr unzuverlässig und führte hierfür mehrere Beispiele an. So behauptete er, dass Welins Zeit als Lektor in Wien in einem „Skandal“ geendet habe und dass die Teilnehmer einer Lektorentagung in Jena 1929 Welin nach einem Restaurantbesuch mit Gewalt aus der Gruppe hätten entfernen müssen. Scharp empfahl Neckel, hierüber Auskunft bei Welins Nachfolger in Wien, Richard Wolfram, oder dem ehemaligen Lektor in Greifswald, Gunnar Drougge, einzuholen – beide aktive Nationalsozialisten. Am Ende des Briefes meinte er auch, dass sowohl das Ansehen Schwedens in Deutschland wie auch das Ansehen Deutschlands in Schweden unter der Ernennung von Welin leiden würden.20
In seiner Antwort behauptete Neckel, von Scharps Kündigung nichts gewusst zu haben, dass sie vor allem nicht auf seinen Wunsch hin erfolgt sei. Nach der „Neuordnung im Staate“ habe ja, so Neckel, die Regierung das Recht, alle Universitätslehrer zu entlassen, ohne die Fakultäten zu befragen.21 Da Scharp schon länger Lektor gewesen sei als für Lektoren im Allgemeinen üblich, bräuchte man auch keine anderen Gründe als formale für seine Kündigung suchen. Zu den Vorwürfen gegen Welin meinte Neckel folgendes:
Dem Dekanat ist jedenfalls nur bekannt, dass Dr. Welin zu Ihrem Nachfolger ernannt worden ist. Übrigens machte dieser Herr mir einen guten Eindruck. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe werden leider in Ihrem Briefe gar nicht substantiiert [sic!]. Sollte es sich nicht einfach darum handeln, dass er 1929 in Jena den Kelz [sic!] des Bacchus etwas zu weit getrieben und in Wien gelegentlich zu spät in die Vorlesung gekommen ist?22
Mitte Oktober wusste Neckel also, dass Welin Scharps Nachfolger werden sollte. Angesichts des Drucks, der von Seiten des Kultusministeriums auf Neckel ausgeübt wurde, als es darum ging, Welin eine Dozentur zu verleihen, scheint es unwahrscheinlich, dass er die politischen Gründe für die Entlassung von Scharp nicht verstanden hatte. Ob es ratsam gewesen war, hierüber in einem Brief im Herbst 1933 zu spekulieren, sei aber dahingestellt. Klar ist, dass sich Neckel in seiner Antwort an Scharp mit dem Vorgehen einverstanden erklärte und die Entlassung als rechtens darstellte. Vilhelm Scharp informierte auch Vilhelm Lundström, Professor für klassische Sprachen in Göteborg und Vorsitzender im Lektorenausschuss Riksföreningen för svenskhetens bevarande i utlandet (Reichsvereins zur Bewahrung des Schwedentums im Auslande). Der Reichsverein hatte seit Anfang der 1920er Jahre mitgeholfen, die Lektorate für schwedische Sprache im Ausland zu etablieren und viele Auslandslektoren hatten ihre Anstellung Lundströms Empfehlung zu verdanken.23
Zu diesen gehörte auch Scharp. Er bat schriftlich um ein Eingreifen Lundströms in die Affäre Welin. In Scharps Brief wird deutlich, dass er mit seiner Entlassung einverstanden war, wenn er auch die Gründe für unverständlich hielt. Nicht einverstanden war er jedoch mit der Ernennung Welins, in der er eine Gefahr für die deutsch-schwedischen Beziehungen sah:
Ich möchte betonen, dass die Frage meiner Anstellung nicht berührt werden muss. Ihr Recht mich hinauszuwerfen, auch wenn es aufgrund grotesker Behauptungen geschah (ich sei ‚Sozialist‛, von den Juden gekauft, selber Jude etc. sind Sachen, die ich gehört habe, unter anderem teilweise von einer norwegischen Frau, die (mit Welin zusammen) im letzten Frühling bei Göring wohnte!) kann nicht bestritten werden. […] Aber was mich als bisherigen Vertreter der schwedischen Kultur – wenn auch in einer bescheidenen Stellung – an einem Platz angeht, wo das Interesse für dieselbe größer ist als irgendwo anders außerhalb Schwedens, und das, was jeden Schweden angeht, der ein bisschen Einsicht für die eigene nationale Würde hat, ist, wen man beruft um an meinem oder einem anderen Posten das Wort für unsere Rechnung zu übernehmen. Bei ihm müssen wir nicht nur ein Minimum an Kenntnissen und Tauglichkeit, sondern auch ein Minimum an menschlicher Anständigkeit fordern und voraussetzen. Diese Forderung erfüllt Malte Welin nicht und das sollte ein Unbefangener unseren deutschen Freunden erzählen.24
Scharp schrieb auch an die Lektoratsabteilung des Reichsvereins. Er bat hier um eine Stellungnahme zu der Ernennung und fragte, ob sie Welin für geeignet hielte, Schweden im Ausland zu vertreten. Er sandte auch eine Kopie des Schreibens an das schwedische Außenministerium.25 Nach etwa einem Monat erhielt er die Antwort, dass der Reichsverein sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines Landes einmischen und daher nichts gegen die Ernennung unternehmen wolle.26 Im Herbst 1933 sah es also so aus, als ob einer der bekanntesten nationalsozialistischen Publizisten Schwedens als Dozent und Lektor an einer der größten Universitäten Deutschlands wirken sollte.
Die Ernennung Welins ging an der schwedischen Presse nicht spurlos vorbei. Schon am 26. September veröffentlichte die Zeitung Social-Demokraten einen sehr kritischen Artikel, in dem berichtet wurde, dass Welin eine „Propagandadozentur (irgendeine wissenschaftliche Tätigkeit sei er nicht fähig auszuführen) an der Berliner Universität“27 [erhalten hatte]. Am folgenden Tag veröffentlichte dieselbe Zeitung eine Karikatur, auf der Malte Welin die Stiefel Hermann Görings putzt und gleichzeitig „Es lebe Hitler-Schweden“ schreit.28 Am selben Tag, dem 27. September, berichtete auch die große schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter über die Angelegenheit. Da es von Bedeutung war, wie das Land in einem Nachbarland dargestellt wurde, war Malte Welins Ernennung etwas, das nicht nur Deutschland, sondern auch Schweden anging:
Diese Tätigkeit kann von großem Nutzen sein, das Verständnis für schwedisches Kulturleben zu vermehren, unsere Verbindungen stärken und entwickeln. Sie kann auch zum Gegenteil führen – unnötige Missverständnisse mit sich führen, die Verbindungen verzerren und gleichsam verengen. In letzterer Hinsicht hat Herr Welin ganz besondere Voraussetzungen. Wenn es gilt, der studierenden deutschen Jugend falsche Vorstellungen über das charakteristische [sic!] in schwedischer Kulturtradition und schwedischer Denkungsart beizubringen, so hat man wohl den richtigen Mann gewählt.29
Die gegenüber dem Nationalsozialismus sehr kritische Zeitung Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning wählte für ihren Bericht die Überschrift „Mycket väsen för ingenting“ (Viel Lärm um Nichts). Eigentlich sei es ja gut für Schweden, so wurde festgestellt, dass Welin – „einer der hervorragendsten Blechschreiber, den die schwedische Presse jemals besessen hat“30 – das Land verlassen hat:
Es ist gesagt worden, dass es eine ‚Blamage‘ für Schweden ist, dass dieser Herr unsere Kultur dort unten vertreten soll. Dies scheint uns ein sinnloses Gerede zu sein. Wir empfinden es vielmehr als eine Ehre für unser Volk, dass, wenn ein Mann von einer ausländischen Macht zu dem Zweck, um den es sich hier handelt, angestellt werden soll, kein anderer zu Gebote steht als Herr Welin. Welche schwedische Kulturpersönlichkeit könnte man sich wohl denken, die in der jetzigen Zeit dem deutschen Nationalsozialismus zu Dienst stehen wollte? Die Bewegung, die jetzt dort unten auf dem Thron sitzt, ist so direkt kulturfeindlich wie nur überhaupt möglich. […] Insgesamt beglückwünschen wir wirklich aufrichtig alle Parteien zu der durchgeführten Ernennung. Herr Göring hat mit dem Scharfblick des Genies gerade den richtigen Mann ausgewählt. Ein geliebtes Vaterland verzichtet freigebig auf diesen seinen Sohn gegenüber jedem, der ihn haben will. Dort unten muss er ganz ausgezeichnet passen. Dass die Betreffenden ihn haben wollen, zeugt auch vom herrschenden Zustand.31
Die Reaktionen der schwedischen Presse waren durchweg kritisch, ja oft eine Mischung aus Empörung und Hohn. Die kritischen Pressestimmen zogen schließlich die Aufmerksamkeit der deutschen Gesandtschaft in Stockholm auf sich, die die gesammelten schwedischen Zeitungsartikel mitsamt Übersetzungen nach Berlin schickte, wo sie vom Auswärtigen Amt an das preußische Kultusministerium weitergeleitet wurden.32
Nicht nur in schwedischen Zeitungen wurde die Ernennung von Welin mit kritischen Augen gesehen. Von Professor Johannes Paul in Greifswald, zu dieser Zeit Leiter des dortigen Schwedischen Instituts, findet sich ein Bericht über eine Reise nach Schweden, in dem er über die Reaktionen auf die Ernennung in Schweden informiert. Er schreibt hier über die „einmütige Ablehnung“, die Welin als Wissenschaftler und Persönlichkeit in Schweden fand. Alle Angesprochenen, von Professoren und anderen Akademikern über Journalisten und dem Personal der deutschen Gesandtschaft bis hin zu „ausgesprochenen schwedischen Nationalsozialisten“, empfanden es, so Paul, als eine „Schande für Schweden und eine Blamage für Deutschland, dass er [Welin, AÅ] schwedische Kultur in der deutschen Reichshauptstadt verträte“.33 Dem Bericht war ein Brief vom Professor für Schwedisch in Dorpat, Per Wieselgren, beigefügt, der Paul darum bat, im preußischen Kultusministerium vorstellig zu werden, „damit die unsinnige Ernennung Herrn Welins rückgängig gemacht“ werden könne.34
Kräftige Proteste kamen auch vom Juristen Bernhard Ohling, der seit dem Frühjahr 1933 in Schweden studierte. Ohling hatte, ähnlich wie Paul, eine wichtige Funktion innerhalb der deutschen Auslandspropaganda in Schweden. Er war Vertreter des Deutschen Nachrichtenbüros, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und der Nordischen Gesellschaft.35 Er war auch Vertrauensmann des Ministeriums für Propaganda und Volksaufklärung in Schweden36 und Vertreter der Deutschen Studentenschaft (DSt).
Ohling betonte in seinem Bericht an die deutsche Gesandtschaft, dass Welin einen schlechten Ruf in akademischen Kreisen in Schweden genösse. Auch in Schweden tätige deutsche Akademiker wie der Assistent der Oberschulbehörde, Hermann Kappner, oder der Lektor für Deutsch in Uppsala, Otto Höfler, hatten diesen Eindruck bestätigt. Ohling ging in seiner Beurteilung der Lage aber einen Schritt weiter und wies auf die möglichen zukünftigen Komplikationen hin. Die schwedische Öffentlichkeit wusste bereits von der Ernennung Welins, aber noch nichts von der Kündigung Scharps. Diese würde, so Ohling, die deutsch-schwedischen Beziehungen noch weiter belasten. „Wenn Herr Scharp auch liberalistisch eingestellt ist, so geniesst [sic!] er doch als Wissenschaftler sowie als besonderer Förderer des Ausland-Schwedentums einen gewissen Ruf.“37 Ohling wies auch auf die Bedeutung hin, die in Schweden den Auslandslektoraten beigemessen wurde. Da diese als eine Art Kulturattachés angesehen wurden, würde die Einstellung Welins anstelle von Scharp in Schweden noch größere Entrüstung auslösen. Hinter Ohling stand die Deutsche Studentenschaft, die dem Auswärtigen Amt weitere von Ohling verfasste Berichte mit ähnlichem Inhalt zukommen ließ.38
Angesichts der vielen Proteste gegen die Ernennung von Malte Welin traten Hermann Göring und Alexander Bogs schließlich den Rückzug an. Die Artikel in den schwedischen Zeitungen und die negativen Reaktionen sowohl aus Schweden als auch von Repräsentanten der deutschen Auslandspropaganda machten deutlich, dass eine Ernennung Malte Welins eine Belastung für die deutsch-schwedischen Beziehungen wäre. Welins Bekanntschaft mit Göring wog in diesem Zusammenhang nicht besonders schwer. Am 29. November 1933, etwas mehr als zwei Monate nach der Ernennung Welins zum Dozenten, rief Bogs, der Welin zuvor als Dozent befürwortet und die Entlassung Scharps vorangetrieben hatte, im preußischen Kultusministerium an. Bogs teilte mit, dass „... der Herr Ministerpräsident... “ (Göring) seine Einstellung zu Welin geändert habe: „Auf Grund neuerer Momente erscheine es ihm [Göring, AÅ] heute nicht mehr möglich, dass Welin in Deutschland ein Amt bekleide.”39 Bogs erklärte auch, dass notwendige Schritte zur Entlassung Welins sofort eingeleitet werden müssten. Laut demselben Vermerk wurde sofort ein Telegramm an Welin versandt. In diesem wurde auf „besondere Umstände“40 hingewiesen, die die Entbindung von seinen Dienstverpflichtungen notwendig machten. In der späteren formellen Bestätigung der Kündigung durch das preußische Kultusministerium wurde der Hinweis auf die „besonderen Umstände“ durch ein „im Interesse der Verwaltung“ ergänzt.41 Das Ministerium ließ ebenfalls offen, welche Gründe für die Entlassung sowie für die frühere Ernennung ausschlaggebend gewesen waren. Der Brief schloss mit dem Hinweis: „Politische Verleumdungen sind hier nicht bekannt“.42
Nur etwas mehr als zwei Monate durfte sich Welin Dozent der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin nennen, allerdings ohne in dieser Zeit jemals dort gewesen zu sein. Mitte Januar wurde dann Scharps Kündigung zurückgenommen und seine Anstellung verlängert. Scharp war bis zum Sommersemester 1936 als Lektor in Berlin tätig. Er ging danach zurück nach Schweden, wo er unter anderem mithalf, den so genannten Aufklärungsausschuss im schwedischen Außenministerium aufzubauen, der unter anderem bis 1945 eine überwachende Funktion über die Lektorate für schwedische Sprache im Ausland ausübte. Ein direktes Resultat der misslungenen Berufung von Welin war also ein erhöhtes Interesse für die Auslandslektorate von Seiten des schwedischen Staates.43
Für die Geschichte der deutschen Nordeuropaforschung ist der „Fall Welin“ aus mehreren Gründen interessant. Die bisherige Forschung zur Ideologisierung und Politisierung der Forschungen zu Skandinavien hat einen sehr deutlichen Fokus auf die Professorenschaft und ihre wissenschaftliche Produktion gerichtet. Vor allem zu den Repräsentanten der völkischen Wissenschaft wie Otto Höfler oder Bernhard Kummer liegen einschlägige Publikationen vor.44 In diesen Fällen handelte es sich um die Ideologisierung auf den Forschungsgebieten bereits aktiver Akademiker. Der Versuch, Malte Welin in Berlin zu etablieren, kam aber von außerhalb der Wissenschaft, und zwar direkt von Hermann Göring. Im Vergleich zu anderen dem Nationalsozialismus nahe stehenden Wissenschaftlern war Welin hinsichtlich seiner wissenschaftlichen Arbeit unbedeutend. Görings Einmischung in die Personalpolitik der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin wurde mit Protesten von Wissenschaftlern, die der NSDAP nahe standen, wie beispielsweise Johannes Paul oder Otto Höfler, begegnet. Nicht zuletzt stellt sich hier die Frage, ob Welins Ernennung ein Einzelfall blieb oder ob es andere Versuche gab, ausländische Nationalsozialisten an deutschen Universitäten zu etablieren. Um dies herauszufinden, müsste der Fokus weg von den Professoren und auf den Mittelbau und die Sprachlektoren gerichtet werden.
Scharps Entlassung und die Ernennung Welins sind ein interessantes Beispiel für den Versuch, die deutsche Nordistik kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme gleichzuschalten. Die Entlassung oder Vertreibung von als unzuverlässig eingeschätzten Akademikern und ihr Ersatz durch aktive deutsche Nationalsozialisten war in den ersten Jahren der Diktatur nichts Ungewöhnliches, wie Einzelstudien belegen.45 Der in diesem Artikel beschriebene Fall unterscheidet sich aber von den meisten politisch motivierten Rücktritten, Entlassungen und Berufungen bzw. Einstellungen an deutschen Hochschulen in der Zeit des Nationalsozialismus in einer ganz besonderen Hinsicht. Weder Carl David Marcus oder Vilhelm Scharp noch Malte Welin waren deutsche Staatsbürger.
Genau diese Tatsache kann als Hauptgrund für die gescheiterte Einstellung von Welin aufgefasst werden. Sie war keine innerdeutsche Angelegenheit, sondern wurde in Schweden als eine schwedische Angelegenheit aufgefasst. Das schnelle Verfahren, das zur Dozentur von Welin führte, wurde offensichtlich von Göring in Gang gesetzt, ohne dass er große Kenntnisse sowohl über die Stellung von Welin innerhalb des schwedischen rechten politischen Spektrums als auch über dessen Ansehen in der schwedischen Öffentlichkeit besaß. Für Göring wie auch für Bogs war Welin ein führender schwedischer Nationalsozialist. Dass schwedische Zeitungen wie Social-Demokraten oder Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning, die dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüberstanden, diese Ernennung negativ kommentierten, mag Göring und Bogs nicht weiter verwundert haben. Es scheint aber unwahrscheinlich, dass sie mit den ablehnenden Reaktionen seitens schwedischer Nationalsozialisten oder in Schweden aktiver, der NSDAP nahe stehender Deutscher gerechnet hatten.
Die Kündigung von Vilhelm Scharp war, wie beschrieben, politisch motiviert. Allerdings musste das preußische Kultusministerium in diesem Fall nicht auf das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums zurückgreifen, da Scharp als Lektor und Ausländer nicht verbeamtet war. Scharps Reaktion war es auch nicht, gegen seine Kündigung per se zu protestieren, sondern gegen die Ernennung von Welin.
Die Strategie, offizielle Instanzen im Ausland auf die Folgen und die Opfer der Gleichschaltung nach 1933 aufmerksam zu machen, scheint nicht ungewöhnlich gewesen zu sein. In seiner „Rückschau“ von 1948 beschrieb zum Beispiel der Berliner Slawist Max Vasmer, wie er und andere versucht hatten, ausländische Diplomaten für die Absetzung jüdischer Professoren zu interessieren. Er behauptete auch, dass dies in einigen Fällen gelungen sei.46 Scharps Versuche, wichtige Stellen in Schweden, wie das Außenministerium und den Riksföreningen för svenskhetens bevarande i utlandet, auf die Situation in Deutschland aufmerksam zu machen, stießen aber auf Desinteresse beziehungsweise auf Unwillen, sich in die Angelegenheit einzumischen.
Stattdessen war es der Einspruch von Johannes Paul und Bernhard Ohling, der letztendlich zur Entlassung von Welin führte. Hier waren es vor allem die Berichte von Ohling, der auf die Stellung von Scharp in der schwedischen akademischen Welt sowie auf die in Schweden vertretene Auffassung über die Funktion der schwedischen Auslandslektoren als „Kulturattachés“ hinwies und damit die Verantwortlichen auf eine mögliche Verschärfung der bereits angespannten Situation aufmerksam machte. Vor die Möglichkeit gestellt, die Beziehungen zu Schweden und das Bild des „neuen Staates“ in Schweden noch zu verschlechtern, beschloss Göring schließlich, Welin lieber fallen zu lassen.
Die letztlich verhinderte Einstellung Welins an der Berliner Universität zeigt insofern exemplarisch eine Grenze der Gleichschaltungspolitik im Nationalsozialismus – zumindest in dieser frühen Phase der Diktatur – auf, dort nämlich, wo diese Politik drohte, die Beziehungen zum Ausland zu sehr zu belasten. Ob der „Fall Welin“ auch in dieser Hinsicht ein Einzelfall war, oder ob es an anderen Universitäten und innerhalb anderer Fächer Proteste aus dem Ausland gegen die nationalsozialistische Gleichschaltungs- und Personalpolitik an den Universitäten gab, bleibt noch zu untersuchen.
1 Kosiara-Pedersen, Karina: „The 2007 Danish General Election: Generating a Fragile Majority“. In: West European Politics 31 (2008:5), 1040-1048.
2 Kosiara-Pedersen, Karina: „The 2007 Danish General Election: Generating a Fragile Majority“. In: West European Politics 31 (2008:5), 1040-1048.
3 Kosiara-Pedersen, Karina: „The 2007 Danish General Election: Generating a Fragile Majority“. In: West European Politics 31 (2008:5), 1040-1048.
4 Kosiara-Pedersen, Karina: „The 2007 Danish General Election: Generating a Fragile Majority“. In: West European Politics 31 (2008:5), 1040-1048.
5 Kosiara-Pedersen, Karina: „The 2007 Danish General Election: Generating a Fragile Majority“. In: West European Politics 31 (2008:5), 1040-1048.
6 PAAA: R64108. Abschrift von Brief an den Herrn Preussischen [sic!] Kultusminister Rust von Regierungsrat Bogs, 9. September 1933.
7 Roth, Daniel B.: Hitlers Brückenkopf in Schweden. Die deutsche Gesandtschaft in Stockholm 1933–1945. Berlin 2009 (= Nordische Geschichte 8), 104. Siehe auch Thulstrup, Åke: Med lock och pock. Tyska försök att påverka svensk opinion 1933–45. Stockholm 1962, 188f.
8 Geheimes Staatsarchiv, Preußischer Kulturbesitz (GstA-PK): I HA Rep. 76 Va, Sekt. 2 tit IX, Nr. 9, Bd. 8, Bl. 367: Brief an Herrn Ministerialdirektor Gerullis von Ministerialrat Sunkel 9. September 1933.
9 GStA-PK: I HA Rep. 76 Va, Sekt. 2 tit IX, Nr. 9, Bd. 8, Bl. 368: Vermerk an Herrn Ministerialrat Sunkel von Ministerialdirektor Gerullis, 12. September 1933.
10 PAAA: R64028. Brief an das Auswärtige Amt vom Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, 16. September 1933.
11 GStA-PK: I HA Rep. 76 Va, Sekt. 2 tit IX, Nr. 9, Bd. 8, Bl. 401–402: Brief an den Herrn Min-ister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Berlin von Malte Welin, 21. Oktober 1933.
12 Ebd.
13 GStA-PK: I HA Rep. 76 Va, Sekt. 2 tit IX, Nr. 9, Bd. 8, Bl. 405: Empfehlungsbrief für Malte Welin von Othmar Spann, 28. September 1933.
14 GStA-PK: I HA Rep. 76 Va, Sekt. 2 tit IX, Nr. 9, Bd. 8, Bl. 403: „Über eine antiliberalistische Gleichschaltung der Kulturaufgaben der nordischen Dozenten in pangermanischer Richtung“. Plan von Malte Welin, 21. Oktober 1933.
15 Siehe weiter Åkerlund 2010, wie Fußnote 4, 111–116.
16 GStA-PK: I HA Rep. 76 Va, Sekt. 2 tit IX, Nr. 9, Bd. 8, Bl. 403: „Über eine antiliberalistische Gleichschaltung der Kulturaufgaben der nordischen Dozenten in pangermanischer Richtung.“
17 GStA-PK: I HA Rep. 76 Va, Sekt. 2 tit IX, Nr. 9, Bd. 8, Bl. 403–404: „Über eine antiliberalistische Gleichschaltung der Kulturaufgaben der nordischen Dozenten in pangermanischer Richtung.“
18 PAAA: R64108. Abschrift von Brief an den Herrn Preussischen [sic.] Kultusminister Rust von Regierungsrat Bogs, 9. September 1933.
19 Universitätsarchiv Humboldt-Universität zu Berlin (UAB): Phil. Fak. 1949. Brief an Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin von Bernhard Rust, 30. September 1933. In seiner autobiographischen Schrift Tavernan unterschlägt Vilhelm Scharp völlig die politischen Motive für seine Entlassung. Hier findet sich nur ein kurzer Kommentar darüber, dass sowohl er wie auch der Lektor für Dänisch, Ebbe Neergaard, im Herbst 1933 gekündigt wurden. Scharp, Vilhelm: Tavernan. Stockholm 1971, 72.
20 Kungliga Biblioteket Stockholm (KB): Vilhelm Scharps, samling L136:2, Neckel. Dieser Brief ist nur in einem Entwurf vom 28. September 1933 vorhanden.
21 KB: Vilhelm Scharps samling, L136:1, Neckel: Brief an Vilhelm Scharp von Gustav Neckel, 18. Oktober 1933.
22 Ebd.
23 Vgl. Åkerlund 2010 wie Fußnote 4, 79–108.
24 „Jag vill betona att frågan om min anställning inte behöver beröras. Deras rätt att köra av mig, även om det är på grund av groteska påståenden (att jag är ‚socialist‘, köpt av judarna, själv jude e.t.c. är saker, som jag fått höra bl.a. delvis av en norsk dam, som (tillsammans med Welin) i våras bodde hos Göring!) kan inte bestridas. […] Men det som angår mig såsom hittillsvarande representant, om ock i blygsam ställning, för svensk odling på en plats där intresset för densamma är större än någonstädes annars utanför Sverige, och det som angår varenda svensk, som har ett uns insikt för sin nationella värdighet, det är vem man utser att på min eller en annan post överta ordet för vår räkning. Hos honom måste vi fordra och förutsätta ej blott ett minimum av kunnighet och duglighet i sak, utan framför allt ett minimum av mänsklig anständighet. Det kravet fyller inte Malte Welin och det bör någon ojävig tala om för våra tyska vänner.“ (Übersetzung vom Verfasser) Universitätsbibliothek Göteborg: Briefsammlung von Vilhelm Lundström, Vilhelm Scharp: Brief an Vilhelm Lundström von Vilhelm Scharp 5. Oktober 1933.
25 Landesarchiv Göteborg: B65:1, AIV:1. Brief an die Lektoratsabteilung des Reichsvereins von Vilhelm Scharp, 6. Oktober 1933. Eine Kopie des Briefes liegt auch im Reichsarchiv Stockholm: UD, 1920-års dossiersystem, P 1008.
26 Landesarchiv Göteborg: B65:1, AIV:1. Brief an Vilhelm Scharp von der Lektoratsabteilung des Reichsvereins, 3. November 1933.
27 „… propagandadocentur (någon vetenskaplig verksamhet torde han icke vara kapabel att utföra) vid Berlins universitet.” „Hr Malte Welin svensk propagandadocent i Berlin?“ In: Social-Demokraten, 26. September 1933.
28 „På rätt plats“. In: Social-Demokraten, 27. September 1933.
29 Denna verksamhet kan vara till stor nytta, öka förståelsen för svenskt kulturliv, stärka och utveckla våra förbindelser. Den kan också leda till motsatsen – medföra onödiga missförstånd, snedvrida och liksom förtränga förbindelsen. I det senare avseendet har hr Welin alldeles särskilda förutsättningar. Om det gäller att bibringa den studerande tyska ungdomen felaktiga föreställningar om det karakteristiska i svensk kulturtradition och svenskt tänkesätt så har man nog valt den rätte mannen.“ „Ett Berlintelegram har meddelat“. In: Dagens Nyheter, 27. September 1933. Deutsche Übersetzung in: GStA-PK: I HA Rep. 76 Va, Sekt. 2 tit IX, Nr. 9, Bd. 8, Bl. 428–429.
30 „…en av de främsta pekoralister, som svensk press någonsin ägt…“; „Mycket väsen för ingenting“. In: Göteborgs Handels- och sjöfartstidning, 27. September 1933, 14. Deutsche Übersetzung in: GStA-PK: I HA Rep. 76 Va, Sekt. 2 tit IX, Nr. 9, Bd. 8, Bl. 431–434.
31 „Det har framhållits, att det är en ‚Blamage‘ för Sverige, att denne herre skall företräda vår kultur där nere. Det synes oss vara ett meningslöst tal. Det förefaller oss tvärtom vara en heder för vårt folk att när en man skall anställas av utländsk makt i det syfte som här är frågan om, så står ingen annan till buds än herr Welin. Vilken svensk kulturpersonlighet skulle i närvarande stund kunna tänkas vilja stå den tyska nationalsocialismen till tjänst? Den riktning som nu sitter i högsätet där nere, är så direkt kultur fientlig som gärna möjligt. […] Allt som allt lyckönska vi uppriktigt alla parter till den utnämning som skett. Herr Göring har med snillets skarpblick utvalt just den rätte mannen. Ett älskat fosterland avstår generöst denne sin son åt vem som vill ha honom. Där nere måste han passa alldeles utmärkt. Att vederbörande vilja ha honom vittnar också om det rådande tillståndet.“ Ebd.
32 Vgl. PAAA: R64108. Brief an das Auswärtige Amt von der Deutschen Gesandtschaft in Stockholm, 30. September 1933.
33 GStA-PK: I HA Rep. 76 Va, Sekt. 2 tit IX, Nr. 9, Bd. 8, Bl. 423–424: „Die Dozentur Malte Welins in Berlin“. Bericht von Johannes Paul, 24. Oktober 1933. Wahrscheinlich ist dies ein Teilbericht von der Propagandareise, die Paul im Oktober 1933 nach Schweden unternahm, vgl. Nase, Marco: Johannes Paul und das Schwedische Institut der Universität Greifswald. Magisterarbeit im Fach Geschichtswissenschaft, Lehrstuhl für Nordische Geschichte, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald 2009, 57.
34 Das Urteil Wieselgrens über Welin war folgendes: „Ueber [sic!] schwed. Literatur zu lesen ist er unbefähigt [sic!], ein ganz amusischer, unintelligenter [sic!] Kerl, aber sehr eingebildet und dazu noch ein unzuverlässiger Charakter und ein Trunkenbold, der während seiner Tätigkeit als Lektor in Wien unser Land schon zur Genüge blamierte.“ GStA-PK: I HA Rep. 76 Va, Sekt. 2 tit IX, Nr. 9, Bd. 8, Bl. 425–426: Abschrift von Brief an Johannes Paul von Per Wieselgren.
35 Åhsberg, Bengt: „Svensk-tyska studentförbindelser 1932–1939“. In: Scandia (2003:2), 171–208, hier 199.
36 Almgren, Birgitta: Drömmen om Norden. Nazistisk infiltration 1933–1945. Stockholm 2005, 86.
37 PAAA: R64108. Abschrift von Bericht: Malte Welin von Bernhard Ohling, 26. Oktober 1933.
38 Siehe auch Åkerlund 2010, wie Fußnote 4, 129.
39 GStA-PK: I HA Rep. 76 Va, Sekt. 2 tit IX, Nr. 9, Bd. 8, Bl. 453: Vermerk von fernmündlichem Gespräch zwischen Regierungsrat Bogs und Ministerialrat Achelis (Kultusministerium), 29. November 1933.
40 Ebd.
41 PAAA: R64108. Abschrift von Brief an Malte Welin von Haupt (Kultusministerium), 5. Dezember 1933.
42 Ebd.
43 Siehe weiter Åkerlund 2010, wie Fußnote 4, vor allem 135–167.
44 Zu Höfler siehe z.B. Gajek, Esther: „Germanenkunde und Nationalsozialismus. Zur Verflechtung von Wissenschaft und Politik am Beispiel Otto Höflers“ In: Richard Faber (Hg.): Politische Religion – Religiöse Politik. Würzburg 1997, 173f; Zernack, Julia: „Kontinuität als Problem der Wissenschaftsgeschichte. Otto Höfler und das Münchner Institut für Nordische Philologie und Germanische Altertumskunde“. In: Klaus Böldl u. Miriam Kauko (Hgg.): Kontinuität in der Kritik. Zum 50jährigen Bestehen des Münchener Nordistikinstituts: Historische und aktuelle Perspektiven der Skandinavistik. Freiburg im Breisgau 2005, 47–72. Zu Kummer siehe Heinrich, Fritz: „Bernhard Kummer (1897–1962). The Study of Religions Between Religious Devotion for the Ancient Germans, Political Agitation and Academic Habitus“. In: Horst Junginger (Hg.): The Study of Religion under the Impact of Fascism. Leiden 2008, 229–262.
45 Siehe exemplarisch Parak, Michael: Hochschule und Wissenschaft in zwei deutschen Diktaturen. Elitenaustausch an sächsischen Hochschulen 1933–1952. Köln 2004, 225–234.
46 Siehe Bott, Marie-Luise: Die Haltung der Berliner Universität im Nationalsozialismus. Max Vasmers Rückschau 1948. Berlin 2009 (= Neues aus der Geschichte der Humboldt Universität zu Berlin; 1), 51.